Hundertwasser, Glühwürmchen und Auckland (Neuseeland)

Kalt war es heute Nacht, die Bäume sehen am Morgen aus, als seien sie schneebedeckt, aber es ist Rauhreif.

Wir fahren an die Ostküste in die Stadt Tauranga und anschließend zum auf einer Halbinsel gelegenen Mount Manganui. Bei Temperaturen um die 10 Grad und herrlichem Sonnenschein sind viele Menschen am beliebten Strandabschnitt unterwegs oder besuchen das Thermalbad mit seinen heißen Quellen. Wir fahren an der Küste auf die Coromandel Halbinsel. Als wir merken, dass die Straße wieder sehr kurvenreich wird und damit viel Zeit beansprucht, entschließen wir uns nicht bis Coromandel sondern auf dem schnellsten Weg an Auckland vorbei nach Norden zu fahren. Es sind über 300 Kilometer, die wir bis Mangawhai zurücklegen, und die letzten Kilometer fahren wir in der Dunkelheit. Es ist nicht einfach, im Dunklen den richtigen Stellplatz in den Caravan-Parks zu finden. Um ein Haar wären wir dieses Mal im aufgeweichten Boden stecken geblieben.

Morgens laufen wir noch zwei Stunden am herrlichen Strand entlang und fahren dann weiter nach Whangarei. Eine hübsche Stadt an einer Meeresbucht.

Wir schlendern am Hafen mit beeindruckenden Yachten vorbei. Eine Baustelle erregt unsere Aufmerksamkeit. Hier entsteht gerade ein Gebäude im Hundertwasserstil, in dem Kunstwerke der Maori und natürlich auch seine Werke ausgestellt werden sollen. Der österreichische Künstler hat sich in den 70er Jahren eine Farm in der Nähe gekauft, auf der er auch seine letzte Ruhe fand. Die Neuseeländer wussten lange Zeit nicht, wer da bei ihnen lebte und haben ihn außer beim Bau einer städtischen Toilettenanlage in Kawakawa nicht zum Zuge kommen lassen. Jetzt wird sein Stil heftig kopiert, mal gelungen, mal eher nicht. Der Eingangsbereich zum zukünftigen Museum ist bereits fertiggestellt.

Im Uhrenmuseum treffen wir eine Dänin, die vor 18 Jahren mit ihrem Mann nach Neuseeland ausgewandert ist. Außer ihrer Arbeit im Museum ist Anne auch als Fremdenführerin tätig und hat für uns auch gleich ein paar Ausflugstipps. Wir unterhalten uns eine Weile über Maoris und Europäer (die anderen Einwohner Neuseelands), dann muss sie sich einer Besuchergruppe widmen und wir nehmen uns ihren ersten Tipp, die Whangarei Heads – Berge mit ausgeprägten Zacken – vor.

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Am nächsten Morgen fahren wir zu den Abbey Caves. Millionen von Glühwürmchen leben in diesen Höhlen. Sie sitzen an Höhlendecke und -wänden. Die Weibchen sondern klebrige Fäden ab. Durch das Licht angelockte Insekten bleiben hängen und werden verspeist. Auch die kleineren Männchen orientieren sich am Licht. Sie haben nach dem Larvenstadium weder Fress- noch Verdauungsorgane und sterben nach drei Tagen, in denen sie für Nachwuchs sorgen. Der Weg zu den Höhlen geht ständig bergab, an faszinierenden Bäumen vorbei. Der Abstieg zur ersten Höhle führt einige Meter ziemlich steil über spitze und nasse Felsbrocken zu einer eineinhalb Meter hohen Öffnung. Nur zu zweit und ohne Führer ist uns das einfach zu gefährlich. Wir wissen nicht, wie es da unten in der Finsternis bis zu den Glühwürmchen weitergeht, alles ist rutschig von vorangegangenen Regenfällen. Die beiden anderen Höhlen wirken auch nicht sehr Vertrauen erweckend, so bleibt es bei einem Rundweg auf matschigen Wegen über Viehweiden, zwischen Felsen mit schöner Aussicht in die Landschaft.

Anschließend fahren wir nach Kawakawa. Die einzige Sehenswürdigkeit der Kleinstadt ist tatsächlich die öffentliche Hundertwasser-Toilettenanlage.

Die Benutzung ist kostenlos und trotzdem ist alles sauber und gepflegt. An den umliegenden Lokalen wurde auch einiges gehundertwassert. Wenn Friedensreich das sehen könnte. Eine Kuriosität ist die Eisenbahn. Die Schienen verlaufen in der Mitte der Hauptstraße durch den Ort. Inzwischen werden sie aber nur am Wochenende  von einer Museumsbahn befahren,

Wir fahren über eine Straße mit vielen Abbruchstellen weiter nach Paihia und von dort Richtung Westküste.

Die Fahrt durch den Waipoua Nationalpark mit seinen Kauribäumen ist wieder traumhaft schön. Der Caravan Park am Rande des Trounson Parks ist selbst eine Sehenswürdigkeit. Zwanzig verschiedene Baumarten wachsen hier und unterhalb der Flussbrücke können wir in der Dunkelheit dann doch noch unsere Glühwürmchen sehen. Leicht grünlich schimmert ihr Licht. Es gibt auch welche, die blau oder pink leuchten.

Vor Betreten des Trounson Parks müssen wir unsere Schuhe desinfizieren und gründlich abbürsten. Die mächtigen Kauribäume haben eine Schwachstelle, ihr dicht unter der Erdoberfläche verlaufendes Wurzelwerk. Das Gewicht eines Menschen kann die zarten und zerbrechlichen Versorgungswurzeln dauerhaft so schädigen und mit Pilzsporen infizieren, dass der Baum abstirbt. Deshalb ist der Rundweg durch den Park ein höher gelegter Holzsteg. Das gut zu verarbeitende, in einem warmen Rotton schimmernde Holz wurde in der Vergangenheit für Haus- und Schiffbau verwendet. Heute stehen Kauribäume unter strengem Schutz. Nur Maoris dürfen diese Bäume auf Antrag fällen, wenn daraus traditionelle Kunstgegenstände geschnitzt werden. Das Harz der Bäume sieht aus wie Bernstein und wird zu Schmuckstücken verarbeitet.

Den letzten Abend im Camper verbringen wir in Orewa, einer schönen Stadt an der Hibiskus-Küste, beliebter Ausflugsort für die Auckländer. Und dann ist die Zeit mit unserem Camper auch schon zu Ende. Eine Chorfreundin gab mir den guten Rat mit auf die Reise: „Egal, wie lange ihr in Neuseeland bleiben wollt, plant eine Woche länger ein.“ Haben wir gemacht Moni, es wurden fünf statt vier Wochen, aber es reicht nicht. Wahrscheinlich reicht es nie. Am Freitag geben wir unseren Camper nach 32 Tagen zurück. Wir sind 5.400 Kilometer gefahren und haben 590 Liter Diesel verbraucht. Dafür wird jetzt noch eine Dieselsteuer fällig: 6,22 $ pro 100 gefahrene Kilometer.

Jetzt haben wir noch vier Tage in Auckland. Wir haben ein kleines Appartement in einer hauptsächlich von Studenten bewohnten Anlage gemietet. Manche registrieren erstaunt die älteren Besucher und fragen, wo wir herkommen.

Die Millionenstadt Auckland liegt auf einem Feld mit 53 erloschenen Vulkanen. Wir sind auf keiner Straße gelaufen, die keine Erhebung hat. Irgendwo geht es immer bergauf. Das Straßenbild ist multikulturell, die Restaurants sind zu mindestens 80 % asiatisch. Auch die Menschen auf der Straße stammen in großer Zahl von diesem Kontinent und die Bewohner und Besucher sind überwiegend jung. Universität und Fachhochschulen haben einen Großteil hierher gelockt.

In der Innenstadt ist auf einem Platz vor dem Theater eine überdachte Eisfläche. Egal zu welcher Tageszeit wir hier vorbei kommen, immer sind begeisterte Menschen auf dem Eis. In einigen Lokalen werden jetzt „Weihnachtsmenüs“ angeboten. Nur in der kalten Jahreszeit schmecken gebratene Gänse und Puten richtig gut.

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Am Hafen ist der Rumpf eines Segelschiffes in der Klasse des Amerika-Cup zu bewundern. Solche Boote haben wir schon im Fernsehen gesehen, aber die Länge von 42 Metern wirkt noch viel beeindruckender, wenn man darunter steht.

Sonntag laufen wir durch einen Park ins Museum. Der Eintritt ist für die Einwohner der Stadt kostenlos, Neuseeländer zahlen einen geringen Betrag und ausländische Touristen 25 $. Viele Familien sind mit ihren Kindern hier, vom Baby bis zum Teenager ist jede Altersgruppe vertreten. Im ersten Stock ist ein Kinderbereich mit eigenen Exponaten, Experimenten und Betreuung.

Wir staunen über die Kunstfertigkeit, mit der die Menschen aus Polynesien praktische und schmückende Gegenstände aus Naturmaterialien hergestellt haben. Muscheln, Kokosnussschalen, Wal- und Haifischzähne und die Fasern vieler Pflanzen wurden verarbeitet. Bauwerke der Maori mit filigranen Schnitzereien sind zu sehen. Boote mit ihren aus Pflanzenfasern gewebten Segeln, die zum fischen und Handel treiben genutzt wurden sind zu sehen. Eine ganze Abteilung ist den Vulkanen gewidmet. In einem Häuschen wird alle zwölf Minuten ein virtueller Vulkanausbruch gezeigt, passend dazu bebt das Haus. Die anwesenden Kinder lachen noch bei den ersten leichten Stößen, aber als die Geräusche lauter und die Bewegungen heftiger werden, flüchten sich einige doch auf den Schoß der Eltern. Das Schlussbild zeigt einen Stadtteil, nachdem sich die pyroklastische Wolke verzogen hat. Außer Asche ist da kaum noch etwas, so ähnlich muss es in Pompeji gewesen sein.

komische Vögel

In der Innenstadt reiht sich Geschäft an Geschäft, aber ein Shopping-Center gibt es hier nicht. Internationale Luxusmarken sind hier auch vertreten, aber größtenteils findet man Marken, die bei uns unbekannt sind. Wir stöbern eine Weile in einem japanischen Geschäft herum. Das Angebot reicht von A wie Augenbrauenstift bis Z wie Zwiebelschneider. Interessant, was in anderen Ländern für Utensilien in der Küche verwendet werden und welche Schreibmaterialien und Schönheitsartikel es gibt. Besonders gefallen hat mir ein selbstklebender „Teppichboden“ in Form einer Toilettenbrille. Gut für die Hocker, aber was machen die Sitzer?

Am Dienstag, dem 10. 7. lassen wir uns um 16 Uhr zum Flughafen fahren. Hier verläuft die Abfertigung ganz anders als bisher gesehen. An vielen Terminals drucken sich die Fluggäste ihre Bordkarte und Gepäckaufkleber selbst aus, marschieren damit zum Schalter und legen nur noch ihre Koffer auf das Transportband. Ein Stück weiter schiebt man seinen Pass in den Scanner, schaut unbeweglich in die Kamera und dann öffnen sich die Türen zur Sicherheitskontrolle, die noch von echten Menschen vorgenommen wird.

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unsere Route auf der Nordinsel

Unser Flugzeug, ein Dreamliner, steht schon auf dem Rollfeld, als wir informiert werden, dass wir nochmal zurück zum Rüssel fahren. Es steigen noch ein paar Passagiere zu (scheinbar VIPs) und dann startet unser zwölfstündiger Flug nach Los Angeles mit zwei Stunden Verspätung um 21.30 Uhr. Ich kann in Flugzeugen kaum schlafen, aber es gibt 92 Filme in deutscher Sprache zur Auswahl, vier schaue ich mir in dieser Nacht – die es eigentlich gar nicht gibt – an. Wir überfliegen die Datumsgrenze und kommen am Dienstag, dem 10. 7. um 15 Uhr, also noch vor unserer gestrigen Abflugzeit in Auckland, in LA an.

„The Prom“ und der Weg nach Sydney (Australien)

Die Dame in der Touristen-Information hatte uns empfohlen, von unserem Campingplatz in Springvale an die Bucht zu fahren und von Mentone nach Frankston die Küstenstraße zu nehmen. Heute, am Sonntagmorgen werden am endlos langen Strand in Mentone die Hunde ausgeführt.

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Ein paar abgehärtete Menschen gehen schwimmen, ein Mann trinkt seinen Kaffee im Meer.  Der Strand ist sauber und aufgeräumt, wir sehen auch gerade, wie ein paar junge Leute in gleichen T-Shirts Zigarettenkippen einsammeln. Auf Schildern werden die Raucher gebeten, die Kippen nicht einfach wegzuwerfen, oder besser noch, aufs Rauchen zu verzichten. Der Strand ist einladend, aber nicht so besonders, dass wir uns länger hier aufhalten. Über Dandenong fahren wir nach San Remo(!).

Als wir über die Brücke nach Philip Island fahren, sehen wir am Strand eine große Gruppe, es ist Fütterungszeit für Pelikane. In vielen Orten füttert man Tiere an, um eine Attraktion für die Touristen zu haben. Im Besucherzentrum erklärt man uns, dass man mit einem Kombi-Ticket vier Attraktionen besichtigen kann:
Auf einer Farm beim Melken von Kühen und Scheren von Schafen zusehen.
Im Koala Conservation Center die putzigen Tiere streicheln.
Die Zwergpinguine bei der Heimkehr vom Meer von einem Platz an der Seite beobachten, gegen einen saftigen Aufpreis bekommt man Plätze in Front zur Küste, dann kann man sie von vorn sehen.
Die Robbenkolonie bei den Nobbies besuchen.

Wir fahren zuerst mal nach Cowes, den größten Ort auf der Insel, und entschließen uns dann zur Weiterfahrt. Es kommt uns alles ein wenig rummelig vor.

Die nächste Empfehlung der netten Dame von der Touristik-Information in Melbourne lautete: „Besuchen Sie unbedingt das Wilsons Promontory, wenn Sie Natur lieben.“ Das tun wir, und deshalb folgen wir auch ihrer Empfehlung. Die Halbinsel (160 Kilometer von Melbourne entfernt) ist der südlichste Punkt des australischen Festlandes. Bereits 1898 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt und umfasst rund 500 km². Fast jeder Bewohner des Bundesstaates Victoria war schon mal hier, und „The Prom“, wie dieser Nationalpark liebevoll genannt wird, liegt den Einwohnern sehr am Herzen. Versuche, hier einen Golfplatz oder ein Hotelressort zu errichten, sind auf erbitterten Widerstand gestoßen und aufgegeben worden.

Als wir den Eingang erreichen, ist es kurz vor 16 Uhr, und das Büro ist nicht mehr besetzt. Der Zugang zum Park ist kostenlos, nur für die Übernachtung auf dem Campground zahlt man. Die Tankanzeige steht bereits auf Reserve und im Park gibt es keine Tankstelle, da drehen wir sicherheitshalber um. Nachdem wir getankt haben, finden wir noch einen herrlich gelegenen Caravan-Park an der Küste in Yanakie, nur vier Kilometer vom Parkeingang entfernt.

Am nächsten Morgen fahren wir das Stück zurück.

Nach ca. zehn Kilometern sehen wir auf einer Wiese Kängurus und Emus. Nur drei Fahrzeuge stehen auf dem Parkplatz davor. Das wollen wir uns aus der Nähe ansehen. Als wir uns den Tieren nähern sehen wir, dass die Kängurus markiert sind. Verschieden farbige Puschel in den Ohren und ein Halsband lassen sie wie Haustiere wirken. Auf einer Infotafel erfahren wir dann allerdings, dass sie zu Forschungszwecken markiert wurden, sie sind nicht zahm.

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Es gibt einen 2,5 Kilometer langen Rundweg, den wir natürlich laufen wollen. Und hier sehen wir weitere Kängurus, markierte und unmarkierte. Sie hocken im niedrigen Buschwerk und fressen oder käuen im Liegen wieder. Nur wenn man direkt an ihnen vorbei geht, erkennt man sie. Kein Wunder, dass wir bisher so wenige gesehen haben, sie sind perfekt getarnt. Das ein oder andere hüpft auf zwei Beinen mit langen Sprüngen davon, dabei können sie bis zu 50 kmh schnell sein. Bis zu 1,5 Meter hoch und 13,5 Meter lang (gemessen bei einem grauen Riesenkänguru) können diese Sprünge sein. Zäune können sie also nicht von den Straßen fernhalten. Mindestens fünfzig dieser Tiere haben wir während unseres Rundganges gesehen, dazu noch verschiedene Singvögel und natürlich die Emus.

Die Straße im Park wird kurvenreicher, je näher wir der Bergkette kommen. Wir halten an einem Aussichtspunkt zum fotografieren.

Zum nächsten, genannt Squeaky Beach muss man ein paar hundert Meter laufen. Der Strand quietscht wirklich beim darüber laufen. Eine traumhafte Bucht, türkisblaues Wasser, schneeweißer Quarzsand und rote Granitfelsen an der Seite, rundgewaschen im Laufe der Jahrtausende.

Tidal River ist der letzte Punkt, den man per Auto erreichen kann. Hier ist das Besucherzentrum, der große Caravan- und Campingplatz, und hier beginnen die meisten Wanderwege. „Sie hätten gestern ruhig kommen können,“ sagt die nette Dame im Büro: „wenn hier niemand mehr ist, bezahlt man einfach am nächsten Tag.“ Jetzt wissen wir Bescheid.

Wir stellen unser Auto auf einen Parkplatz und brechen zu einer der ausgeschilderten Wanderungen auf.

Die Landschaft ähnelt der Tasmaniens sehr stark, schließlich handelt es sich dort um dieselbe Landmasse. Die Verbindung ist durch Absenkung  vom Meer überflutet wurden.

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Auf dem Weg zum Kap sehen wir einen Kookaburra (lachender Hans), den australischen Nationalvogel ganz nahe auf einem Pfosten sitzen. Der Ausblick von der Spitze des Kaps ist herrlich, wir kraxeln auf den Granitbrocken herum und machen uns dann mit einem Schlenker zum Strand auf den Rückweg.

Ein letzter Halt ist an der Whisky Bay. Auch diese Bucht hat interessante Felsen und einen schönen Strand. Jetzt, am Ende der Saison haben wir den Platz für uns, aber in der Hochsaison herrscht hier bestimmt Gedränge. Wir müssen weiter und fahren Richtung Parkausgang, als mir links im Gras ein dickes Fellbündel auffällt: Ein Wombat!

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Den Camper parken und aus dem Auto springen, ist eins. Vorsichtig nähern wir uns dem fressenden Plüschtier, als ein Auto heran braust und der bis dahin unbeeindruckte Wombat die Flucht ergreift. Nach ein paar Kilometern haben wir nochmals Glück,

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dieses Mal ist es ein Jungtier, das sich am Straßenrand den Bauch vollschlägt.

Wir fahren noch zwei Stunden bis nach Toora. Hier gibt es wieder ein Hallenbad mit Whirlpool. Nach der Wanderung und dem inzwischen einsetzenden Regen kommt uns das warme Wasser gerade recht.

Der Eigner unseres Campingplatzes in Yanakie hatte uns von Raymond Island erzählt, einer Insel auf der wilde Koalas leben. Die wollen wir unbedingt sehen und fahren durch die Region Gippsland nach Paynesville.

Mit der Fähre geht es in ein paar Minuten auf die Insel. Für Fußgänger ist das kostenlos, nur wer sein Auto mitnehmen will muss bezahlen. Es gibt einen markierten Koala-Weg, dem wir folgen. Die Freude ist groß, als Klaus den ersten Koala schlafend in einer Astgabel eines Eukalyptusbaumes entdeckt. Ich sehe den nächsten, und dann kommen wir mit zählen nicht mehr nach.

Die Tiere klemmen sich zwischen ein paar Äste und schlafen, immerhin 19 Stunden täglich. Zwischendurch werden vom sicheren Platz aus alle erreichbaren Blätter vertilgt, bevor man sich ganz langsam einem anderen Ast zuwendet. Etliche Bäume tragen Manschetten aus Plastik oder Blech, damit die Koalas nicht hinaufklettern können. Die Bäume müssen sich erholen. Wir sehen auch einige, die nicht mehr zu retten sind. Und als Zugabe entdecken wir dann noch Kängurus, und vor dem Camper warten zwei hungrige Trauerschwäne, was für ein schönes Erlebnis. Wir sind abends in Lake Entrances noch ganz begeistert.

historisches Bauwerk in den Gippslands

Den nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Norden. In dem Ort Eden gibt es ein Museum, das dem Orka oder Killerwal gewidmet ist. Eden liegt auf einem hügeligen Kap. Teilweise geht es ganz schön steil bergauf oder bergab.

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Auch zum Museum ist der Weg stark ansteigend. Diese kleinen Museen sind etwas Besonderes, alle Mitarbeiter sind mit Herzblut dabei und freuen sich besonders über Besucher, die von soweit herkommen.

diese Rheuma-Therapie hat es mir angetan

Danach geht es weiter nach Narooma, einer Stadt, in der seit über 100 Jahren Austern gezüchtet werden. Abends machen wir noch einen Spaziergang am Meer entlang, als wir einen dunklen Schatten im Wasser sehen.

Ein Stück weiter, im Schein der Straßenlampen erkennen wir einen Rochen. Plötzlich sind es ungefähr zehn Tiere, die hier nahe am Ufer wie im Rausch hin und her gleiten. Mit einer Spannweite von mehr als eineinhalb Metern sind sie sehr beeindruckend. Der Angler, der am Cleaning-Point seinen gefangenen Lachs ausnimmt, schuppt und wäscht, kann unsere Begeisterung nicht teilen, wahrscheinlich weil Rochen unter strengem Schutz stehen und nicht gefangen werden dürfen. Aber wir sind begeistert, wie sorgfältig er anschließend den Platz putzt, bevor er mit seinem Fang ins Auto klettert und verschwindet. Zurück im Camper lassen wir uns unsere Meeresfrüchteplatte schmecken.

Nun sind wir mit ein paar Abstechern auf dem Weg nach Sydney. In Hyams in der Jervis Bay soll der weißeste Strand der Welt sein.

Den schauen wir uns doch noch an. Uns fehlt zwar Vergleichsmaterial, doch glauben wir, dass der Squeaky Beach ebenso weiß ist.

Wir fahren die landschaftlich sehr reizvolle Pazifik-Küstenstraße entlang und wechseln aus Zeitgründen auf die Autobahn. Für die letzte Nacht wollen wir uns schon einen Platz in der Nähe von Sydney suchen. Doch endet unsere Tour anders, als gedacht. Schon seit zwei Tagen merken wir, dass die Kupplung schleift. Dass wir noch so hohe Berge vor uns haben, kommt völlig überraschend für uns. Bergauf gibt es ein Problem. Das Auto fährt nur noch im ersten und zweiten Gang und die Qualmwolke, die es hinter sich herzieht, trägt nicht zu unserer Beruhigung bei. Klaus schleicht hinter einem LKW die Steigung hoch und kann auf einen Parkplatz einbiegen. Der Anruf bei unserem Vermieter hat die strikte Anweisung zur Folge: „Fahren Sie nicht weiter, wir schicken Hilfe.“ Es dauert zwanzig Minuten, dann kommt ein australischer „Gelber Engel“ und leitet uns auf einer steilen Straße durch dichten Wald ein paar Kilometer bergab zur Küste auf einen Campingplatz in Wollongong.

Am nächsten Morgen um zehn Uhr steht ein Abschleppwagen vor unserem Platz. Ein paar Minuten später steht unser Camper hinten auf dem LKW wir sitzen mit im Führerhaus und unterhalten uns angeregt mit dem Fahrer. Unter anderem erzählt er uns, dass der Zusammenstoß eines Autos mit einem Wombat sehr böse Folgen hat. Die Tiere seien so muskulös, dass man das Gefühl habe, gegen eine Betonkugel zu fahren. Gut für uns und den Wombat, dass das nicht passiert ist.

Und so endet unsere Wohnmobiltour. Bestimmt ist das für das Fahrzeug trotz einer Fahrleistung von 360.000 Kilometern noch nicht das Ende. So eine Kupplung ist schnell ersetzt, und teuer ist es auch nicht, erfahren wir.

Jetzt freuen wir uns auf die drei Tage in Sydney.

Über die Great Ocean Road nach Melbourne (Australien)

Wir verlassen die kleine Stadt Millicent nach dem Frühstück und fahren nach Mount Gambier. Hier interessieren uns die rund 5.000 Jahre alten Vulkanreste. Speziell einer der noch existierenden zwei Maare namens Blue Lake, der durch bestimmte Mineralien eine beinahe unwirkliche Farbe hat, veranlasst uns zu der Besichtigung. Als wir ankommen, ist die Zufahrt gesperrt. Ein netter Mann in Warnweste erklärt uns, dass hier gerade ein Radrennen stattfindet. Wir verstehen nur die Hälfte, aber zumindest soviel, dass um 11.30 Uhr die Straße wieder freigegeben wird. Weil es immer wieder Regenschauer gibt, haben wir keine große Lust auf einen Spaziergang und warten im Auto, bis die Zeit um ist. Die Radfahrer sind heute wirklich nicht zu beneiden. Beinahe pünktlich ist dann alles vorbei und wir fahren zum See. Von Blau keine Spur. Später lesen wir, dass er sich nur im Frühjahr so zeigt. Es gibt eine Rundtour, die wir mit dem Auto fahren können. Wieder einmal kann man einen großzügig angelegten und gepflegten Park bewundern. Alles ist für einen Familienausflug vorhanden, schöne Spielplätze, Grillküchen, Toiletten, und den Rasen zu betreten ist fast schon Pflicht.

Wir fahren weiter über den Princess Highway, lassen etliche Nationalparks im Vulkangebiet und Portland aus, machen einen kleinen Stopp in Port Fairy, um die historischen Gebäude und den alten Hafen zu besichtigen. Gerade als wir loslaufen, setzt Regen ein und der Wind bläst unangenehm scharf. Ein junges Paar, das neben uns parkt und gerade den Kinderwagen ausgeklappt hat, um ebenfalls eine Runde zu drehen, verstaut Kind und Wagen blitzschnell im Auto und saust los. Gute Entscheidung.

Als wir nach einer weiteren halben Stunde Fahrzeit in Warrnambool ankommen, hört es auf zu regnen. Wir haben einen Campingplatz direkt in der Stadt und können bis zur Weiterreise den Camper stehen lassen.

Am nächsten Morgen nutzen wir die Möglichkeit, im Hallenbad zu schwimmen, bevor wir uns auf den Weg zum Meer machen. Dort wurde ein Hafen mit Schiffen und Häusern aus viktorianischer Zeit nachgebaut. Jeden Abend gibt es ein Spektakel mit Lasershow, um die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Der ganze Bereich ist mit einem Zaun umgeben, die Eintrittspreise sind uns aber zu hoch.

Ein paar Fotos kann ich von einer günstigen Stelle aus machen. Gegenüber liegt eine große Parkanlage mit Spielplatz. Offenbar haben verschiedene Schulen heute Wandertag. Schüler verschiedener Altersstufen sind in ihren Uniformen hier unterwegs und genießen den sonnigen Herbsttag. Es gibt schlechtere Ziele für einen Schulausflug. Die Kinder haben offensichtlich ihren Spaß. Ob das Ganze nach bei uns geltenden Maßstäben pädagogisch wertvoll ist, bezweifle ich allerdings.

Wir laufen ein Stück am Strand entlang, dann durch den Park am Seeufer zurück in die 24.000 Einwohner zählende Stadt. Dort bummeln wir an den Geschäften entlang, schauen uns historische Gebäude an, stocken unsere Vorräte auf und laufen zurück zum Caravan Park. Morgen geht es los, die Great Ocean Road wartet auf uns.

Kurz bevor wir in Allansford die legendäre Straße erreichen, kommen wir an einer Milchversorgungszentrale vorbei. Die Fabrik, in der die verschiedensten Milcherzeugnisse produziert werden, ist unglaublich groß. Auf 10 Kilometern Fahrstrecke kommen uns drei extra lange Tanklastwagen entgegen. Was die wohl transportieren?

Wir haben den Beginn der Great Ocean Road erreicht. Braune Schilder weisen auf besondere Aussichtspunkte hin. Am Ende der jeweiligen Strecke sind große Parkplätze angelegt. Informationstafeln erzählen etwas zur jeweiligen Sehenswürdigkeit und geben an, wie weit der Fußweg ab hier ist.

Schon der erste Ausblick auf die „Bay of Islands“ ist atemberaubend. Obwohl der Himmel bewölkt ist, hat das Meer ein herrliches Farbspiel in unterschiedlichen Blautönen. Der stürmische Wind lässt die Wellen gegen die Felsen krachen, und damit die Steilküste noch dramatischer wirken.

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Als nächstes besichtigen wir die „London Arch“, die nach dem Einsturz der „London Bridge“ noch steht und fahren dann zu Australiens beliebtestem Fotomotiv, den „Zwölf Aposteln.“

Hier ist deutlich mehr los, als an den anderen Aussichtspunkten. Busse fahren zu und aus den Parkplätzen, und alle 10 Minuten hebt ein Hubschrauber ab. Um die Fußgänger gefahrlos auf die andere Straßenseite zu bringen, wurde ein großer Tunnel angelegt. Sofort stellt sich bei uns ein bekanntes Gefühl ein, das wir schon aus Asien kennen. Die Mehrheit der Menschen fotografiert sich selbst und stellt dabei rücksichtslos Treppenstufen und Wege zu. Wie man beim Blick auf einige Handy-Displays erkennen kann, ist hinter den lächelnden Gesichtern im Hintergrund entweder etwas Blaues oder ein Stückchen Felsen zu sehen. Trotzdem betrachten Menschen jeder Altersklasse verzückt ihre Aufnahmen und zeigen sie glückstrahlend ihren Mitreisenden.

Der Name Zwölf Apostel ist relativ neu (sie hießen ursprünglich Sau und Schweinchen) und eindeutig falsch. Seit es Aufzeichnungen gibt, ist nur von neun Steinsäulen die Rede, heute sind noch acht übrig. Sie sind durchaus sehenswert, aber wir fanden andere Formationen wesentlich beeindruckender. So ist unser Besuch heute nur kurz, und wir nehmen uns vor, ihn morgen – sollte dann die Sonne scheinen – zu wiederholen.

Nach der Übernachtung in Port Campbell fahren wir als erstes zur Loch Ard Gorge, die aus unserer Richtung noch vor den zwölf Aposteln liegt. Verschiedene Wege führen vom Parkplatz zu unterschiedlichen Sehenwürdigkeiten. Auch heute stürmt es und das Meer schlägt hoch gegen die Felsen, als wollten Wasser und Wind uns demonstrieren, wie diese großartigen Skulpturen entstanden sind.

Die Thunder Cave beeindruckt optisch und akustisch. Wir könnten stundenlang zuschauen, wie das Wasser grummelnd in die Höhle gedrückt wird und wieder herausläuft. Einschließlich der Besichtigung des Friedhofes legen wir etliche Kilometer zu den verschiedenen Aussichtspunkten zurück. Die Apostel besuchen wir heute nicht noch einmal. Die Anzahl der Busse lässt wieder auf immensen Besucherandrang schließen. Wir genießen die weitere Fahrt auf dieser großartigen Straße bis nach Apollo Bay mit einigen weiteren Abstechern an die Küste.

Die Great Ocean Road wird an vielen Stellen ausgebessert, so dass der Verkehr immer wieder angehalten wird. Die Gegenrichtung ist wesentlich stärker befahren, als unsere von Westen nach Osten führende Spur. Wir freuen uns, wenn wir während der Stopps Gelegenheit haben, die Landschaft ausgiebiger zu betrachten. Aber auch die an der Küste gebauten Häuser sind oft einen zweiten Blick wert. Wer hier lebt, braucht keinen Fernseher, das schönste Programm findet vor den großen Terrassenfenstern statt.

Nach einer Übernachtung in Lorne fahren wir eine Nebenstraße am Barham-Fluss entlang und landen in einer verwunschenen Welt. Verschiedene Eukalyptusarten, darunter Königseukalyptus, der höchste Laubbaum der Welt, mehrere Meter hohe Baumfarne, Teebäume und alle möglichen anderen Bäume, die entlang des Flüsschens stehen. Auf einer Wiese blühen die üppigsten Callas, die man sich nur vorstellen kann. Die dort weidenden Schafe sind zum Glück für die Blumen und uns nur an Gras interessiert.

Wir wollen zu einem beschriebenen Wasserfall laufen. Als wir aus dem Auto steigen kommt ein grimmig aussehender Hund auf uns zugerannt, um dann begeistert über den Besuch heftig mit dem Schwanz zu wedeln. Zu dritt laufen wir weiter. An einem Bach endet unser Ausflug, beim letzten Sturm wurde die Brücke weggerissen und für nasse Hosen und Schuhe haben wir nicht die richtige Jahreszeit. Auf einer Wiese wird gerade ein Haus errichtet. Der dort arbeitende Mann kennt den Hund und lockt ihn zu sich. Schweren Herzens verabschiedet sich unser vierbeiniger Begleiter von uns. Wir halten ein paar Kilometer weiter nochmal an und laufen zu einem kleinen Picknick-Platz, der im Sommer bestimmt viele Liebespaare anzieht, hier ist es so romantisch.

Auf dem Rückweg nach Lorne begegnen wir zwei Eseln und einem Alpaka auf einer Weide. Die Esel kommen neugierig näher, verschmähen aber den angebotenen Apfel. Schade. Weiter geht es auf dem Great Ocean Highway.

An einem Aussichtspunkt sieht man noch die eisernen Reste eines der vielen gestrandeten Schiffe. Anker, Winsch und Rahmen sind bei Niedrigwasser zu sehen. Der Leuchtturm ein Stück weiter ist ebenfalls ein markanter Punkt mit verschiedenen Ausblicken auf das Meer. Man könnte Seitenweise Bilder einfügen.

Und dann haben wir in Torquay das Ende dieser großartigen Küstenstraße erreicht.

Noch ein Abstecher nach Queenscliff an der Meerespforte zur Bucht von Melbourne. bevor wir uns der Millionenstadt nähern. Über eine mautpflichtige Straße kommen wir am Freitag Nachmittag in die Millionenstadt. Wieder muss ich die australischen Autofahrer in ihrer Gelassenheit bewundern. An einer Ampel entschließt sich ein Fahrer von der äußersten rechten Spur über drei Spuren nach links abzubiegen. Keiner hupt, er bekommt die Möglichkeit, ohne schweißnasse Hände seinen Weg fortzusetzen. Trotz des dichten Wochenendverkehrs läuft alles ohne Hektik, ohne Aggressionen. Die Zufahrt zur Autobahn wird per Ampel gesteuert. So kommen manches Mal nur drei Autos bei Grün auf die Autobahn. Der Verkehr kann weiter fließen.

Am Stadtrand haben wir einen Caravanplatz. Per Bahn oder Bus kommt man in die Innenstadt. Es gibt aufladbare Magnetkarten, die die Kosten für die gefahrene Strecke durch Kontrolle an der Ein- und Ausgangssperre berechnen und abbuchen. Im Zentrum bekommen wir an einem Informationsstand von einer der Mitarbeiterinnen Kartenmaterial und viele Tipps für unsere Weiterfahrt. Auch in Melbourne können Busse und Straßenbahnen im Innenstadtbereich kostenlos genutzt werden. Darüber hinaus fährt eine alte Straßenbahn in einer Rundtour durch die Stadt. An jeder Haltestelle werden die Sehenswürdigkeiten aufgezählt. Natürlich wird dieses kostenlose Angebot viel und oft genutzt.

Wir fahren mit der Tram bis zu den Docklands und erfreuen uns mit vielen anderen Touristen und Einheimischen am sonnigen Herbsttag. Städte, die so eine herrliche Lage am Wasser haben, zeichnen sich immer durch eine besondere Atmosphäre aus. Viele Menschen sitzen in den am Ufer gelegenen Lokalen und genießen die Sonne. In einem „Münchner Brauhaus“ werden nachmittags um halb vier deftige Schlachtplatten verzehrt. Mit dem Hubschrauber kann man sich über die Bucht und die Stadt mit ihren vielen Hochhäusern fliegen lassen und hat bestimmt großartige Fotomotive.

Wir laufen zu einer Haltestelle der City Circle Tram und fahren die Runde weiter, vorbei am Parlament, der Oper, Verwaltungsgebäuden und natürlich Parks. Am Flinders Bahnhof steigen wir aus. Schon auf der Fahrt in die Innenstadt saßen viele Menschen mit schwarz-gelben Schals, Shirts, Kappen, Westen oder Trikots im Zug. Heute haben die Richmond Tigers ein Turnier gegen den St. Kilda Football Club dessen Trikots die Farben schwarz-weiß-roten haben.
(Zitat aus Wikipedia: Australian Football, auch als Australian Rules Football, Aussie Rules oder einfach „Football“ oder „Footy“ bezeichnet, ist eine Footballvariante, die mit einem ellipsoidförmigen Ball auf einem großen, elliptischen Spielfeld mit vier (Tor-)Pfosten an jedem Ende gespielt wird. Das Ziel des Spiels ist es, durch Schüsse zwischen die Pfosten zu punkten)

Inzwischen ist das Spiel zu Ende und die Fans beider Mannschaften strömen einträchtig aus dem Melbourne Cricket Ground in die Innenstadt. Kein Gegröle, keine wütenden Menschen, am Verhalten der Fans ist nicht zu erkennen, wer gewonnen hat. Später sehen wir Anhänger beider Vereine zusammen in den mit Heizpilzen bestückten Gartenlokalen sitzen.

Auch die Rückfahrt im Zug verläuft völlig stressfrei. In den Bahnhöfen ist mehr Personal, die Menschen laufen ruhig zu ihren Zügen. Keine besonderen Vorkommnisse. Uns hat es in Melbourne sehr gut gefallen.

Im Northern Teritory (Australien)

Eigentlich wollten wir hier länger bleiben, aber da so viele Sehenswürdigkeiten für uns unerreichbar sind entschließen wir uns, bereits nach einer Nacht weiter zu ziehen. Auf dem Weg halten wir noch am Warradjan Aboriginal Cutural Centre, einem Museum dass sich mit der ursprünglichen Lebensweise der Ureinwohner befasst. Es ist sehr liebevoll gestaltet, in Erdfarben gestrichen und mit vielen Exponaten anschaulich bestückt. Hier kann sich jeder intensiver mit der Geschichte Australiens und seiner Menschen beschäftigen.

Bei der Weiterfahrt durch den Kakadu-Nationalpark stellen wir immer wieder fest, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Zu allen abseits der Hauptstraße gelegenen Sehenswürdigkeiten ist die Zufahrt gesperrt. Es gibt ständig Hinweisschilder auf Krokodile und Pferde, aber sehen lässt sich weder die eine noch die andere Art. Nur die vielen Pferdeäpfel auf der Straße zeigen den Wahrheitsgehalt der Schilder.

Wir verlassen den Park in Richtung Katherine. Zuvor sehen wir eine Empfehlung, die historische Stadt Pine Creek zu besuchen. Der kommen wir gerne nach. Sie ist einfach bezaubernd, als wäre man in einer Filmkulisse gelandet. Fast bin ich enttäuscht, dass die Frauen nicht in langen Kleidern und mit Sonnenhüten herumlaufen. Das Gras ist kurz gemäht und herrlich grün, die Zäune drum herum leuchten weiß in der Nachmittagssonne,

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ein Wasserrad dreht sich im leichten Wind und das Laub der dichten Bäume raschelt ganz leise.

Pine Creek ist wie ein Freilichtmuseum, viele Maschinen aus der Zeit der Verlegung der Telegrafenleitung zwischen Darwin und Adelaide, des durch einen Zufallsfund anschließenden Goldrausches, sowie des späteren Eisenbahnbaus stehen noch herum als warteten sie darauf, jeden Moment wieder in Betrieb genommen zu werden. Nur dass der Tankwart Inder ist und uns fragt, ob wir nicht Chicken-Curry bei ihm essen wollen, lässt uns abrupt in die Gegenwart zurückkehren.

Katherine ist als viertgrößte Stadt des Northern Territory eine wichtige Stadt, die Zahl der Einwohner beläuft sich auf ca. 6.000, viele davon sind Aborigines. Die Geschäfte und Shopping-Center haben alle nur eine Etage, wozu auch in die Höhe bauen, Platz ist ja genug vorhanden. Trotzdem wird hier alles geboten, was die Menschen brauchen.Wir biegen auf den Victoria Highway ab und fahren Richtung Westen. Rund 100 Kilometer hinter Katherine finden wir einen kostenlosen Rastplatz, der Toiletten und Wasser hat. Wir parken unseren Camper zwischen zwei hohen Bäume in der Hoffnung auf Schatten am nächsten Morgen. Während Klaus den dort installierten Grill befeuert, wasche ich einen Tisch und zwei Bänke ab. Wir sind mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt, als zwei Autos mit Dachzelt, bzw. Zeltanhänger angefahren kommen und die beiden Paare sich ebenfalls für die Nacht einrichten. Unser Platz liegt abseits des Highway, und während der Nacht hört man hin und wieder einen Roadtrain vorbei donnern. An der Zugmaschine hängen meistens drei, manchmal sogar vier Anhänger. Bei Nacht sind sie durch umlaufende Beleuchtung kenntlich gemacht.

Sobald es dämmert, beginnen die Vögel ihr Konzert. Interessiert beobachten sie, wie wir Frühstück machen, vielleicht fällt ja was für sie ab. Wir sind die Letzten, die den Rastplatz morgens verlassen und setzen unsere Fahrt fort. Die Flüsse, die wir überqueren, haben alle so schöne Namen wie: Mary, Laura, Edith, Mabel, Victoria usw. Jetzt in dieser Jahreszeit führen längst nicht mehr alle Wasser.

Wir überqueren eine Brücke und sehen am linken Straßenrand einen Radfahrer stehen. Da er mit einem Tandem unterwegs ist, muss der Partner/die Partnerin auch irgendwo sein und er wartet wohl gerade auf die fehlende Person. Es ist uns ein Rätsel, wie Menschen solche Anstrengungen auf sich nehmen können. Die Temperaturen im Schatten sind nahe 40 Grad, aber auf der Straße ist kein Schatten. Immer wieder wurden wir gewarnt, bloß nicht länger als 10 Minuten in der Hitze zu laufen und unbedingt 3 bis 4 Liter Wasser täglich zu trinken. Wenn man diese Menge schon bei solch geringer Anstrengung braucht, müssten die Radler eigentlich einen kleinen Anhänger mit Wasserfass mit sich führen.

Die Straße ist ein Highway mit zwei Fahrspuren. Allerdings sind Geschwindigkeiten zwischen 110 und 130 Stundenkilometer erlaubt. Obwohl uns nur alle 5 bis 10 Minuten ein Fahrzeug entgegen kommt, passieren auch hier Unfälle. Zwar sind in der Mehrzahl Tiere betroffen, wir sehen viele tote Kängurus, einige Rinder, einen Hund, ein Opossum und eine Schlange und etliche Vögel. Aber auch Menschen kommen zu Tode, daran erinnern geschmückte Kreuze am Straßenrand. Aber die Straßenbauer haben sich einiges einfallen lassen, damit auf den schier endlosen Strecken keine Langeweile aufkommt. Sei es, dass die beiden Fahrspuren sich zu einer verengen, weil die Brücke nur Platz für ein Fahrzeug bietet. Oder es sind „Grids“ = Gitter mit Querrillen über die Straße gebaut, auf denen die Autos durchgerüttelt werden. Rinder laufen nicht über diese Gitter; sie lassen sich schon durch aufgemalte dunkle Streifen auf dem Asphalt abhalten. Das bedeutet allerdings nur, dass sie ihren Farmbezirk nicht über den Highway verlassen. Dazwischen ist manches Mal eine Vollbremsung nötig ist, weil sie mitten auf der Straße stehen.

Hin und wieder müssen die Straßen auch ausgebessert werden. Sie sind entweder durch die Roadtrains beschädigt oder durch heftige Regenfälle unterspült worden. Der dann einspurige Verkehr wird nicht durch Ampeln, sondern durch „Stopp-„ und „Slow-Man“ geregelt. Die winken den Autofahrern dann als Zugabe noch freundlich zu.

Wir fahren durch eine fantastische Gegend, Tafelberge, Termitenhügel, grüner Bewuchs in allen Schattierungen und Flussläufe mit und ohne Wasser. Obwohl links und rechts der Straße außer Landschaft nichts ist, gibt es wenig Parkplätze. Meistens liegen 50 bis 100 Kilometer Entfernung dazwischen. Einfach am Straßenrand anhalten ist auch selten möglich, deshalb bleiben viele schöne Motive unfotografiert, obwohl wir hart daran arbeiten, unsere Drivies (währen der Fahrt fotografierte Bilder) zu perfektionieren. Das kennen wir von Amerika anders, Hinweise auf Sehenswürdigkeiten oder Fotomotive gibt es schon viele Kilometer vorher, und zu den Sehenswürdigkeiten führen Straßen, die mit jedem normalen Fahrzeugen zu befahren sind.

Auffällig sind kilometerlange verbrannte Flächen links und rechts der Straße. Bei einigen sprießt schon wieder frisches Grün, bei anderen qualmt es noch. Und dann kommen wir an einem Stück vorbei, wo die Flammen hoch ausschlagen. Über der brennenden Fläche kreist ein Schwarm Raubvögel. Hier ist reiche Beute zu machen, flüchtende Kleintiere können vielleicht dem Feuer aber nicht den scharfen Schnäbeln und Krallen entgehen. Fast könnte man glauben, die Vögel haben inzwischen gelernt, Feuer zu legen. In den nächsten Tagen sehen wir: Irgendwo qualmt es immer. Und um die Menschen zu sensibilisieren, gibt es auch dafür extra Schilder, die in jeder Region über die aktuelle Waldbrandgefahr informieren.

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Aus unserem Atlas haben wir uns einen Rastplatz namens Zebra Rock Mine ausgesucht. Er liegt 14 Kilometer abseits des Highway, 6 Kilometer davon auf unbefestigter Straße. Gemäß Vertrag mit unserer Mietwagenfirma dürfen wir bis zu 13 Kilometer auf einer solchen Straße fahren, um einen Campingplatz oder eine Sehenswürdigkeit zu erreichen. Dieser Platz bietet beides, die geologische Besonderheit dieser Region ist weltweit einzigartig. Milliarden Jahre altes Gestein wurde durch Druck und Wärme (Metamophose) mit eisenhaltigen Ablagerungen verbacken und ließ fantastische Muster entstehen. Die Besitzer des Platzes fertigen wunderschöne Schmuck- und Dekorationsstücke daraus.

Soweit ab von irgendwelchen Ansiedlungen ist der Sternenhimmel in der Nacht die einzige Beleuchtung. Ein wunderschöner Platz mit besonderer Atmosphäre.

Darwin und der Kakadu-Nationalpark (Australien)

Der Besitzer unseres süßen kleinen Hotels fährt uns abends um 22.30 Uhr zum Flughafen Denpasar. Vor dem riesigen modernen Gebäude lässt er uns aussteigen und verabschiedet sich mit der Aufforderung, möglichst bald wieder zu kommen und doch bitte die ganze Familie mitzubringen. Um diese Zeit ist unglaublich viel los. Wir reihen uns in die Schlange der Wartenden ein und durchlaufen alle erforderlichen Prozeduren: Erster Sicherheitscheck, dann Gepäckaufgabe am Check-In-Schalter. Der Mitarbeiter schaut von einem zum anderen, mustert uns streng und gibt dann seine Einschätzung preis: „Sie haben einen falschen Charakter.“ Über diese Erkenntnis sind wir mehr als verblüfft. Er hält mit seinem Vorgesetzten Rücksprache, dann teilt er uns mit, dass wir trotz des des falschen Charakters (dem Ü in unserem Nachnamen) mitfliegen dürfen. Es folgt die Passkontrolle, der zweite Sicherheitscheck, der Ausreise-Schalter und dann warten wir im Abflugbereich auf den Aufruf, um an Bord gehen zu können. Statt dessen werden wir informiert, dass die Maschine erhebliche Verspätung hat. Wir müssen den ganzen Weg wieder zurück laufen, der Ausreisestempel wird ungültig gemacht, wir bekommen unsere Koffer zurück und vor dem Terminal wartet ein Bus, der uns in ein nahe gelegenes Hotel bringen soll. Als wir aus dem Flughafen kommen, ist er bereits voll besetzt.

Ein australisches Paar namens Stella und Martin ruft kurzerhand ein Taxi, winkt uns dazu und wir fahren dem Bus hinterher. Die Kosten solle er am Flughafen geltend machen sagen sie dem verblüfften Fahrer, drücken ihm aber ein Trinkgeld in die Hand. Die Beiden kennen sich ganz offensichtlich aus. An der Rezeption des Hotels hat sich bereits eine lange Schlange gebildet, aber die Menschen sind völlig gelassen; und das nachts um zwei Uhr. Niemand ist verstimmt oder mürrisch, einer nach dem anderen rückt vor, bekommt seine Schlüsselkarte und verschwindet im zugewiesenen Zimmer. Eine gute Gelegenheit für uns, die Menschen zu beobachten.Tatoos sind bei den Australiern offenbar sehr beliebt, was es da nicht alles zu sehen gibt: Auf dem linken Oberschenkel einer jungen Frau einen 20 Zentimeter hohen Löwenkopf, auf dem rechten einen Tiger. Eine andere junge Frau hat auf dem rechten Oberarm einen Engel, die Flügel reichen hinten bis zur Wirbelsäule und vorne bis zur Halsgrube. Ein stark behaarter Mann hat einen rasierten rechten Unterschenkel, der noch braun vom Jod ist und eine wilde Geschicht von Drachen und Schlangen erzählt. Eine Frau bewegt vorsichtig einen ungesund glänzenden Arm, auf dem ein Rosenbukett prangt. Manche nutzen jeden sichtbaren Körperteil, Finger und Zehen eingeschlossen, um ein Statment abzugeben oder nur die leichtsinnige Entscheidung unter Alkoholeinfluss im Urlaub zu präsentieren. Eine merkwürdige Schlussfolgerung drängt sich auf: Die am wenigsten attraktiven Menschen haben die größten Tatoos.

Eine halbe Stunde später sind wir an der Reihe. Unsere Pässe werden kopiert, daraufhin bekommen wir eine Schlüsselkarte mit einer dreistelligen Nummer. Die Zimmernummer beginnt mit 12, der dritte Kringel könnte eine 0, 6 oder 8 sein. Keines der Zimmer lässt sich öffnen. Der nette junge Mann von der Rezeption versucht es selbst und erreicht nur, dass aus Zimmer 126 eine etwas befremdet wirkende Dame kommt. Wir entschuldigen uns bei ihr, bekommen an der Rezeption eine neue Schlüsselkarte für einen anderen Gebäudetrakt und landen in einer großzügigen Suite mit einem über zwei Meter breiten Bett, einem Wohnraum und zwei Badezimmern. Wirklich auskosten können wir das nicht, wir wollen nur schlafen und kommen morgens erst kurz nach 10 Uhr zum Frühstück. Ein riesiges Buffet mit allem was das Herz begehrt erwartet uns.

Um 14 Uhr fährt der Bus zum Flughafen, die Maschine soll um 17.15 starten. Gute 2,5 Stunden Flugzeit, dazu noch 1,5 Stunden Zeitverschiebung nach vorne, das wird spät. Ich buche noch schnell ein Hotelzimmer in Darwin, denn unseren Camper können wir heute nicht mehr übernehmen. Heute klappt alles wie am Schnürchen. Wir starten und landen pünktlich.

Im Flugzeug bekommen wir ein Formular, das wir ausfüllen und für die Einreise bereit halten sollen.Wir hatten uns vorab per E-Visa bereits registriert und sind gespannt, was wir jetzt bei der Einreise noch brauchen. Eine einzelne Dame fertigt die Insassen des ganzen Flugzeuges ab und das dauert, aber auch hier wieder keinerlei Unmut. Wir bekommen ohne Probleme einen Stempel in den Pass und sind in Australien. Abends um diese Zeit scheint sich bis auf die Passagiere unserer Maschine und ein paar Mitarbeiter niemand mehr im Flughafen aufzuhalten. Welch ein Unterschied zu Südostasien mit dem ständigen Gewusel. Wir werden gefragt, ob wir Alkohol, Zigaretten, Pflanzen, Nüsse oder Holzerzeugnisse bei uns haben. Die neu erworbene kleine Gitarre von Klaus wird von allen Seiten betrachtet, der Beamte erkennt, die schlägt garantiert nicht mehr aus und gefährdet keinesfalls die einheimische Natur. Wir dürfen ohne weitere Untersuchung durch die Zollkontrolle.

Das Taxi bringt uns über leere Straßen in kürzester Zeit ins Hotel. Ich hatte vorab mitgeteilt, dass wir spät ankommen und wurde gebeten, vom Flughafen aus anzurufen. Der Taxifahrer erledigt das für uns, weil wir noch keine SIM-Karte haben, und die Dame ist wirklich extra aufgeblieben, um uns um halb elf noch herein zu lassen. Für 41 € ist das Zimmer gegenüber allem, was es in Südostasien für diesen Preis gibt, eine bessere Bruchbude. Egal, das Bett ist frisch bezogen und wir haben ein kleines Bad. Das Frühstück am nächsten Morgen für 10 € ist ordentlich, frisch zubereitete Spiegeleier, leckerer Bacon, knuspriger Toast, nur der Pulverkaffee überzeugt nicht ganz.

Und dann haben wir nur noch einen 100 Meter langen Weg zur Camper-Mietstation vor uns. Eine Stunde und zehn Formulare später bekommen wir den Schlüssel in die Hand gedrückt und dann können wir unser Heim auf vier Rädern betreten.

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Wir packen die Koffer aus, verstauen unser Gepäck und dann kommt das, worauf ich mich schon seit Tagen freue: Einkaufen. Nicht weit von der Vermietstation gibt es ein großes Einkaufszentrum mit einem schönen Supermarkt. Woolworth war ja bei uns fast ein Synonym für billige Waren. Dieser Supermarkt ist alles andere als billig; ausgesprochen gut sortiert, Obst und Gemüse aus biologischem Anbau, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, eine große Weinabteilung und viele andere Artikel. Unser Einkaufswagen wird voll und voller, wir brauchen einen zweiten. Das alles unterzubringen wird nicht einfach. Der Kühlschrank ist klein, hat aber wenigstens ein Gefrierfach. Der Schrank daneben hat zwei Fächer, doch wenn die eingeräumt sind, muss man jedes Mal alles wieder rausholen, wenn das Gesuchte ganz hinten steht. Wir brauchen ein paar Gegenstände die uns helfen, Ordnung zu halten. Ausgerüstet mit einem Maßband und einer Liste mit den wichtigsten Abmessungen betreten wir ein Kaufhaus und finden zwei Plastikboxen auf Rollen, die in die Fächer passen. Wir nehmen ein paar Körbchen für Kleinkram mit, die mit Stecknadeln am Filz der Seitenbespannung befestigt werden können. Ein sicherer Platz für Taschenlampe, Ladekabel und Autoschlüssel. Kleine runde Behälter und Klebehaken landen ebenfalls im Einkaufswagen. Darin können nachts die Brillen sicher und griffbereit untergebracht werden. Eine rutschfeste Unterlage für den 10 Liter-Karton mit Wasser neben der Kochstelle muss mit, ebenso eine Kühltasche, die genau in die Lücke zwischen Spüle und Vorratsschrank passt und damit unseren Kühlschrank erweitert und – ganz wichtig – ein kleiner Ventilator; denn unser Camper hat zwar eine Klimaanlage, aber die funktioniert nur während der Fahrt und im Fahrerraum. Zu guter Letzt nehmen wir noch einen Autoatlas mit.

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Während der Fahrt zu einem Campingplatz in der Nähe wird der Himmel plötzlich schwarz, und es fängt heftig an zu regnen. Der ausgesuchte Campingplatz ist geschlossen, der nächste auf unserer Liste 40 Kilometer entfernt. Nach 5 Minuten auf der Straße sehen wir einen Hinweis auf einen Campingplatz auf der anderen Straßenseite. Kurz entschlossen biegen wir ab und können uns einen Platz aussuchen. Es ist keine Saison, nur ein paar wild entschlossene Angler sind ebenfalls hier. Natürlich haben alle viel größere Wohnmobile oder Wohnwagen, zum Teil mit ausfahrbaren Seitenteilen, großen Fernsehern und bequemen Sitzgarnituren. Keck stellen wir uns dazwischen, ohne auf die gerunzelten Stirnen und die grübelnden Minen zu achten. Der Platzwart kommt, und als er mit uns scherzt und lacht, ist für die anderen auch alles in Ordnung.

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Der Weg zu den Waschräumen ist nicht weit, und in der Nacht haben wir nette Begegnungen mit Fröschen in allen Größen, die hektisch die Wände hoch klettern, von Waschbecken zu Waschbecken springen und aus der Dusche flüchten.

Am nächsten Tag fahren wir über den Arnhem Highway Richtung Kakadu-Nationalpark. Schon auf dem Weg dorthin sehen wir die ersten Namensgeber des Parks. Hier auf diesen menschenleeren Straßen handhaben wir den Linksverkehr tatsächlich mit links. Obwohl das Klima sich nicht groß von dem in Südostasien unterscheidet, ist die Vegetation völlig anders. Keine Palmen, kein Urwald, stattdessen Eukalyptus in allen Variationen, und Bäume, deren Namen wir (noch) nicht kennen. Wir fahren an Mango-Plantagen vorbei und sehen am Straßenrand immer wieder Warnschilder, die auf Überschwemmungen nach starken Regenfällen hinweisen. Um die Bedeutung dieser Hinweise zu erhöhen, stehen daneben Messlatten, die 2 Meter in der Höhe anzeigen. Das kann ja heiter werden.

Inzwischen haben wir die Wetlands erreicht und fahren zu dem ausgewiesenen Aussichtspunkt. Ein Gewitter stoppt unseren Eifer, den Aussichtsturm zu besteigen, stattdessen machen wir ein Mittagsschläfchen. Campervans sind doch was herrliches, man hat immer sein Bett, den Kühlschrank und den Kleiderschrank dabei. Auf der Weiterfahrt entdecken wir die ersten Termitenbauten. Wir finden einen Platz, wo man gefahrlos anhalten kann, und ich springe aus dem Auto. „Der ist bestimmt zwei Meter hoch“, rufe ich begeistert. Als ich später das Foto betrachte sehe ich, wie sehr ich mich verschätzt habe.

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In unserem Atlas war ein Platz markiert, den wir ansteuern. Als wir dort gerade versuchen, uns zu orientieren, kommt ein doppelt so großes Wohnmobil herangerauscht, und lachend steigen Stella und Martin aus. Sie umarmen uns, als seien wir langjährige Freunde und erklären, dass sie den nächsten Stellplatz im Kakadu-Nationalpark ansteuern werden, weil der auf dem wir gerade stehen weder sanitäre Anlagen noch Wasser und Elektrizität hat.

Wir schließen uns an und treffen die beiden gleich an der Rezeption, wo wir sowohl die Eintrittskarten für den Park zum Rentnertarif kaufen, als auch die Gebühr für den Stellplatz entrichten können. Eine junge Polin aus Brelau, die in Australien mit dem Work and Travel-Programm unterwegs ist, händigt uns eine Landkarte vom Park aus. Etliche Straßen sind jetzt, zum Ende der Regenzeit noch gesperrt. Wenigstens auf dem Campingplatz haben wir freie Platzwahl und stellen uns wieder in die Nähe der Waschräume. Die Stellplätze sind nicht extra markiert, sondern nur durch einen Wasserhahn und eine Steckose als solche zu erkennen. Wie man sich dann dort hinstellt, ist jedem selbst überlassen. Es gibt einen schönen Pool, der uns magisch anzieht. Ein großes Sonnensegel ist hier aufgespannt. Die Australier haben einen Riesenrespekt vor der Sonneneinstrahlung – zu Recht, denn die Anzahl der Todesfälle durch Hautkrebs ist die höchste weltweit. Um diese Uhrzeit besteht jedoch keine Gefahr, die Sonne geht gleich unter. Zeit für die Flughunde, den Himmel unsicher zu machen. Wir freuen uns über die uns aus Sri Lanka vertauten Silhouetten am Himmel. Der Pool hat aus Sicherheitsgründen rundherum einen hohen Zaun. Auch ein noch so großes Krokodil hätte keine Chancen, sich hier häuslich einzurichten. Nach dem ersten Schreck wegen der Temperatur genießen wir das Suhlen im badewannenwarmen Wasser.

Nach sieben Monaten in fast immer klimatisierten Räumen müssen wir uns erst mal an das Schlafen ohne Kühlung gewöhnen. Am nächsten Morgen sehen wir unser erstes Känguru, ein Wallaby. Keine 10 Meter entfernt hockt es im Gras und frühstückt.

Wir packen zusammen und weiter geht die Fahrt in Richtung Jabiru und Katherine. Außer den bereits eingezeichneten Straßen sind etliche andere gesperrt.

Bedingt durch die vorangegangene Regenzeit und die damit einher gehenden Überschwemmungen verlassen die Krokodile häufig ihre angestammten Gewässer und suchen neue Gebiete auf. Dann wird zur Sicherheit der Besucher lieber zu viel als zu wenig gesperrt. Außerdem sind die nicht asphaltierten Straßen noch aufgeweicht. Wir sind froh, dass eines der wichtigsten Zeugnisse der Aboriginee-Kultur erreichbar ist, der Burrungkuy Park mit den 20.000 Jahre alten Zeichnungen.

Die Wege sind gut angelegt und die Sehenswürdigkeiten gut beschrieben. Mit uns ist nur noch ein Ehepaar mit zwei Kindern unterwegs. Die 12 Kilometer lange Wanderung durch das Gebiet ist bestimmt unglaublich interessant, doch die Temperaturen von nahe 40 Grad lassen jegliches Interesse daran in uns verdorren.

Zwei von uns favorisierte Campingplätze sind geschlossen, auf dem dritten, der auch wieder einen schönen Pool hat, treffen wir auch Stella und Martin wieder.

Es ist ein Dilemma, drinnen im Camper ist es zu warm, draußen lauern die Raubtiere, die nur eins wollen: BLUT. Der Wunsch nach einen Luftzug und einem Blick in den faszinierenden Sternenhimmel lässt alle Vorsicht vergessen. Wir sitzen noch ein wenig draußen, aber das muss ich büßen. Über 200 Mückenstiche fange ich mir ein, Klaus bleibt für heute verschont.

Bali – Insel der Götter (Indonesien)

Es ist 3.30 Uhr, als der Gesangswettbewerb der Muezzin beginnt. Und mit einer Stunde ist es nicht getan, zwei müssen es an einem Freitag schon sein. Ich werde unsere Vermieterin fragen, wie die Menschen damit zurecht kommen. Beim Frühstück erfahren wir, dass die Gläubigen quasi im Halbschlaf ihr Gebet verrichten und dann sofort weiterschlafen können. Ihr belgischer Ehemann hat allerdings zwei Jahre gebraucht, bis er den Weckruf nicht mehr hört.

Wir unterhalten uns noch eine Weile, bis uns das Taxi abholt. Bei Tageslicht sehen wir, dass Banyuwangi eine kunterbunte Stadt ist. Häuser, Zäune und Mauern – alles ist irgendwie mit Farben verschönert. Hier tragen die muslimischen Männer Sarong, vielleicht weil sie gerade aus der Moschee kommen.

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Die Fähre soll laut Fahrplan im Viertelstunden-Takt fahren. Heute passiert das jedenfalls nicht. Als sie endlich ablegt, fährt sie in einem Tempo, dass man sie schwimmend locker überholen könnte und aus den üblichen 30 Minuten Fahrzeit das Doppelte wird. Endlich in Gilimanuk/Bali angekommen will Klaus erst noch Essen gehen. Ich dränge auf Weitergehen, was seine Laune nicht unbedingt verbessert. Wir nehmen den erstbesten Bus und bekommen die beiden „Ehrenplätze“ neben dem Fahrer. Es ist eng und heiß und die 150 Kilometer nehmen kein Ende. Obwohl die Landschaft schön ist und die vielen Tempelchen und Ahnenschreine mich begeistern, sitze ich auf heißen Kohlen, Stunde um Stunde vergeht. Nach 5 Stunden erreichen wir den Busbahnhof, jetzt sind es noch 12 Kilometer bis zum vorgebuchten Hotel. Eine weitere halbe Stunde vergeht, bis wir endlich um kurz nach 20 Uhr in unserem Hotel ankommen. Heimlich tippe ich eine 11 in mein Handy und sende die Nummer an eine bekannte WhatsApp-Adresse. Kurz darauf klopft es an unsere Zimmertür. Klaus öffnet und als er sieht, wer vor der Tür von Nummer 11 steht, taumelt er drei Schritte rückwärts. Unsere Tocher und ihr Mann kommen lachend ins Zimmer. Die lange geplante Überraschung ist uns wirklich geglückt. Die Erzählungen und Umarmungen wollen kein Ende nehmen, und der Abend im nahe gelegenen Restaurant wird lang und später im Hotelzimmer fortgesetzt.

Am nächsten Tag besuchen wir in die Innenstadt von Denpasar, um ein paar Einkäufe. erledigen. Danach fahren wir zum alten Kumbasari Marktgebäude. Für uns ist das ein vertrauter Anblick, für unsere Neuankömmlinge gibt es viel zu staunen. Unbekannte Obst- und Gemüsesorten, ein buntes Angebot an Meeresfischen – frisch, getrocknet oder bereits gekocht. Dazu kann man die Brühe in fest verknoteten Plastikbeuteln mitnehmen. Ich lasse mir ein paar Schlangenhautfrüchte einpacken. Ein kleines, etwa achtjähriges Mädchen neben mir zupft an meinem T-Shirt und deutet auf den großen Korb, den es auf dem Kopf trägt. Es will mir unbedingt meine Tüte tragen und ist traurig, dass ich nicht zustimme. Andere Lastenträger haben mehr Glück, die Körbe auf ihrem Kopf sind randvoll, und wenn sie den Kunden ihre Waren zum Auto oder Moped bringen, gibt es ein Trinkgeld. Von einem Einheimischen wurden wir gewarnt, Kindern im schulpflichtigen Alter Waren abzukaufen oder ihnen Geld zu geben. Damit mache man sich strafbar.

Wir laufen durch die Straße der Stoffhändler und werden von einem  pensionierten „Hochschulprofessor“ angesprochen, der uns zum nahe gelegenen Tempel führen will.

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Zunächst klärt er uns über eine auf einer Art Verkehrsinsel stehende Figur mit vier Gesichtern (Catur Muka) aus der Vielzahl der Hindu-Gottheiten auf . „Früher,“ betont er, „gab es hier täglich Autounfälle, seit die 10 Meter hohe Figur hier steht, ist nichts mehr passiert.“ Das sollte man auch bei uns an Unfallschwerpunkten einführen.

Für den Besuch im Tempel müssen wir uns Sarongs leihen. Alle Figuren und Schreine sind mit schwarz weiß karierten Tüchern umwickelt und dicht mit Opfergaben umlegt. In der nächsten Woche wird wieder ein Vollmondfest gefeiert, und die Vorbereitungen haben bereits begonnen. In einem Unterstand neben dem Tempel sind alle möglichen Gamelan-Instrumente aufgebaut. Nachdem wir den Tempel verlassen haben will unser aufdringlicher Führer uns unbedingt von seinem Cousin zu einer Veranstaltung fahren lassen, die natürlich ganz spektakulär und einzigartig ist. Wir schützen Müdigkeit vor und setzen uns in einem großen Park gegenüber auf eine Bank. Doch er gibt nicht auf und setzt sich neben uns. Wir müssen etwas energisch werden und ihm sagen, dass wir dort nicht hinwollen. Grummelnd verzieht er sich dann endlich nach einem Trinkgeld.

Auf der großen Rasenfläche ist allerhand los. Jungen spielen Fussball, Luftballonverkäufer wittern gute Geschäfte, Kleinkinder üben erste Schritte und Erwachsene sitzen plaudernd im Gras. Am anderen Ende ertönt plötzlich Musik. Neugierig laufen wir in die Richtung.

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Auf einer Bühne tanzen kleine Mädchen in klassischen balinesischen Kostümen – die Gesichter auf alt geschminkt – zur traditionellen Musik. Wir staunen, wie die acht bis zwölf Jahre alten Mädchen sich bewegen, welche Mimik und Gesten sie bereits beherrschen. Eine Weile schauen wir ihnen zu, fotografieren und filmen kleine Szenen. Allerdings ist die Gamelan-Musik vom Band für unsere Ohren unerträglich laut und schrill, so dass wir es nicht bis zum Schluss aushalten.

Am nächsten Morgen holt uns ein Fahrer im Hotel ab.  Durch den dichten Verkehr in Denpasar geht es an Ubud vorbei und dann nach Norden. Unzählige kleine Tempel säumen die Straßen. Viele haben diese an Frisuren erinnernden Dächer aus Zuckerpalmenfasern. Die meisten sind aus grauem Stein geschnitten. Wir sehen Reisfelder, erst flach dann in Terrassen angelegt und den Vulkan Agung, der im November mit einer gewaltigen Aschewolke auf sich aufmerksam machte und damit den Flugverkehr beeinträchtigte. Unser Ziel ist eine Villa an der Küste, die für die nächsten Tage unser Zuhause sein wird. Obwohl der tropische Garten direkt an den Strand anschließt, hat sie noch einen herrlichen Pool, den wir vier sofort ausprobieren müssen.

Fischer an unserem Strand

Am späten Nachmittag wollen wir etwas einkaufen und unser liebenswerter guter „Hausgeist“ Arif bestellt uns ein Auto – einen ehemaligen Kleinbus – in den man nur gebückt steigen kann. Der Inhalt von zwei vollen Einkaufswagen wird in unserem Fahrzeug verstaut und mit offener Tür und Fenstern geht es zurück zu unserer Villa. Nach vielen Monaten stehe ich zum ersten Mal wieder am Herd. Wie immer habe ich zuviel gekocht. Doch gerade, als Klaus beschließt, die Reste am nächsten Tag zu essen, schleichen drei ausgehungerte Gestalten durch den dunklen Garten. Erst als sie die Terrasse erreichen und ins Licht treten, erkennt Klaus in ihnen seinen Sohn, die Schwiegertochter und die schmerzlich vermisste Enkelin. Jetzt ist er vollkommen fertig mit den Nerven und springt komplett angezogen in den Pool. Wir sechs sind begeistert, dass die Überraschung perfekt gelungen ist. Und nun ist auch endlich das Geheimnis gegenüber Freunden und Bekannten gelüftet, warum wir uns so lange in Südostasien aufgehalten haben. Unsere Kinder wollten den 70sten Geburtstag ihres Vaters unbedingt mit uns feiern und Bali ist das ideale Ziel.

Wir feiern ausgelassen Geburtstag, machen einen Ausflug an die Nord-Westspitze, wo wir tauchen und schnorcheln.

Tags darauf kommt  eine Masseurin zu uns ins Haus und knetet uns der Reihe nach durch. Ein Ausflug führt uns zu dem in unserer Nähe gelegenen  schönsten Wasserfall der Insel. Als wir den Ausgangspunkt erreichen gibt es eine Zwangspause, weil ein Platzregen niedergeht. Wir müssen in einem kleinen Laden warten.

Dort  haben wir das zweifelhafte Vergnügen, gefangene Luwaks im Käfig zu sehen. Diese Schleichkatzenart produziert den teuersten Kaffee der Welt. Die Luwaks fressen die reifen Kaffeekirschen und scheiden die unverdauten Kaffeebohnen wieder aus. Durch die Magensäure sind sie leicht fermentiert und sollen dadurch ihre Bitterstoffe verlieren. Leider sind inzwischen viele dieser possierlichen Tiere eingefangen und in Käfige gesteckt worden, wo sie mit Kaffeekirschen gemästet werden. Wir probieren den Luwak-Kaffee und finden: Es lohnt sich nicht. Uns schmeckt der Kaffee nicht besser als anderer, der nicht durch eine Katze gewandert ist. Und eine Rechtfertigung für die Gefangenschaft dieser Tiere gibt es schon gar nicht.

Als es nur noch tröpfelt, laufen wir los. Es geht ständig bergab, zum Schluss nur noch über Stufen. Es sind mindestens 100 Meter Höhenunterschied, die vom Ausgangspunkt bis zum Grund der Schlucht. Wir müssen durch einen strömenden Bach waten und halten uns alle an den Händen. Der Blick auf den Wasserfall begeistert uns. Ein Wassernebel durchnässt auch noch den letzten Rest unserer Kleidung, aber das ist allen egal, es ist so ein toller Anblick und jede Anstrengung wert. Wir schaffen den Rückweg gerade so, bevor es hier stockdunkel wird.

Am Ostersamstag ist ein besonderes Vollmondfest: Es ist der erste Frühlingsvollmond. Arif lädt uns ein dabei zu sein, aber zuvor müssen wir entsprechende Kleidung kaufen. Alle brauchen Sarongs und Schärpen. Morgens kommt Arif und hilft beim richtigen Drapieren der Sarongs. Für die Männer bringt er noch traditionelle Kopfbedeckungen mit. So ausstaffiert fährt er uns in die Stadt. Viele festlich gekleidete Menschen säumen bereits die Straße.

Selbst die Allerkleinsten sind zu unserem Entzücken entsprechend gekleidet. Wie so häufig auf Bali erschnuppern wir immer wieder den Geruch von Räucherstäbchen. Wir verstehen nicht so richtig, was hier passiert. Erst im Nachhinein erfahren wir, dass das Fest diesmal zu Ehren des Eisengottes gefeiert wird. Deshalb sind viele Autos geschmückt worden. Immer wieder kommen Gruppen vorbei, einige Männer tragen einen Schrein auf den Schultern. Erst laufen sie in die eine, dann in die andere Richtung. Später macht sich die Menschenmenge auf den Weg zum Strand. Ein riesiger Lindwurm schiebt sich durch die Reisfelder begleitet durch Gamelan Kapellen. Ab un zu kommen Mopedfahrer mit Kühlboxen vorbei und verkaufen Eis und Getränke. Nach rund 3 Kilometern erreichen wir das Ziel, den Tempel am Meer.

Hier sind etliche Verkaufsstände aufgebaut, eine Art Altar steht direkt am Strand, Opfergaben werden ins Meer getragen, kurz benetzt und dann auf dem Altar abgelegt. Man kann auch auf Bali lebende Vögel, Fische oder Grillen ind kleinen Käfigen bzw. Plastikbeuteln kaufen und zur Freude der Götter freilassen.

Im Tempel gibt es Segnungen durch Hindupriester. Sie träufeln duftendes Wasser mit einem kleinen Bambusbüschel auf die knieenden Gläubigen und kleben ihnen Reiskörner auf Stirn und Dekolleté. Die vielen glimmenden Räucherstäbchen erschweren das Atmen und die Mittagshitze im Tempelbereich, in dem sich kein Lüftchen regt, setzt uns zu. Plötzlich steht Arif neben uns und bietet an, uns am Strand entlang zu unserem Haus zu begleiten. Es geht durch schmale Gassen – an einem weiteren Tempel mit furchteinflößenden Steinfiguren vorbei – an den Strand. Ein Fischerboot liegt hier neben dem anderen, viele in leuchtenden Farben angestrichen. Das Laufen auf dem Vulkansand fällt schwer. Mit jedem Schritt sinkt man ein, der Sand bildet keinen festen Untergrund. Das letzte Stück werden wir -den Göttern sei Dank – in dem alten gelben Bus gefahren.

Und am nächsten Tag, dem Ostersonntag, müssen Tochter und Schwiegersohn schon wieder zurückfliegen. Morgens um 9 Uhr werden sie abgeholt. Den Rest der Woche lassen wir es ganz ruhig angehen, schließlich müssen wir Kraft tanken für die Weiterreise. Hier kann ich noch mal alles waschen, kleine Näharbeiten erledigen, die Koffer säubern und Prospekte und Landkarten aussortieren. Am letzten Tag lassen wir uns noch zum Fuß des Vulkans Agung fahren.

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Keiner von uns verspürt auch nur die geringste Lust, den sechsstündigen Aufstieg zum Kraterrand in Angriff zu nehmen. Von unten sieht der Vulkan auch schön aus.

Am Freitag verlassen wir fünf dann endgültig die uns so lieb gewordene Villa. Arif hat wieder seinen Onkel Kadek mit der Fahrt beauftragt. Wir wollen noch einen Stopp in Ubud einlegen. Die Stadt mit den vielen Sehenswürdigkeiten bringt auch die negativen Seiten des Tourismus hervor. In der Innenstadt wechseln sich Souvenier- und Kleiderläden mit Restaurants ab. Das Straßenbild ähnelt dem von Chiang Mai in Thailand. Auch hier sieht man mehr Touristen als Einheimische. Ubud scheint das El Arenal der Australier zu sein. Wir sind froh, wieder im Auto zu sitzen.
Die Fahrt bis zum Flughafen in Denpasar zieht sich, häufig kommt der Verkehr zum Erliegen. Wir haben aber genügend Zeit eingeplant, damit wir rechtzeitig dort ankommen. Der Abschied von unseren restlichen Besuchern ist kurz und schmerzlich, wir versuchen alle, unsere Tränen zu unterdrücken und flüchten förmlich ins Auto.

Wir haben noch für drei Nächte ein Hotel in Flughafennähe gebucht; denn am 9. April verlassen wir Südostasien. Auf uns warten neue Abenteuer auf einem anderen Kontinent.

Chinesisches Neujahr auf Penang (Malaysia)

Wir haben Tickets für den 11 Uhr Bus nach Georgetown auf der Insel Penang in Malaysia. Ein umsichtiger Fahrer steuert den Minibus, dessen Armaturenbrett zu unser aller Sicherheit mit mehreren kleinen Buddhastatuen, Elefantengöttern, Devas und einem Wackeldackel bestückt ist, durch Krabi und weiter auf der Landstraße Richtung Süden. Die charakteristischen bewachsenen Kalkfelsen, die wir in Khao Sok und in der Andamanensee gesehen haben, begleiten unseren Weg. Kurz vor der Grenze steigen wir um in einen anderen Bus, der uns bis nach Georgetown bringen wird.

Für Malaysia besteht für Reisende aus Deutschland keine Visumspflicht, so läuft die Einreise problemlos ohne große Wartezeiten. Fingerabdrücke werden eingescannt, ein Stempel kommt in den Pass, das Gepäck wird durchleuchtet, und wir sind in einem anderen Land. Die Uhr muss eine Stunde vorgestellt werden, nun sind wir Deutschland sieben Stunden voraus.

Auch in Malaysia herrscht Linksverkehr. Kurz hinter der Grenze fallen in der tropischen Vegetation schöne moderne Häuser auf. Die Ortschaften links und rechts der Straße machen einen guten Eindruck. Es ist dunkel geworden. So langsam müssten wir doch auf die Fähre kommen denken wir, dabei sind wir schon längst auf Penang. Wir sind über die 13,5 Kilometer lange Schrägseilbrücke vom Festland bei der Stadt Butterworth bis auf die Insel gefahren. Georgetown gefällt uns auf Anhieb. Eine tolle Mischung aus alten und modernen Gebäuden viele Lokale, bunte Lichter und jede Menge Menschen auf der Straße.

Der Busfahrer lässt uns vor einem Lokal aussteigen und nun stehen wir auf der Straße und haben nur noch ein paar Ringgit von unserem letzten Besuch in Kuala Lumpur. Nicht genug für ein Taxi und die Telefonkarte ist inzwischen abgelaufen. Es bleibt nur die Suche nach einem Bankautomaten (ATM). Klaus geht los, ich bewache das Gepäck. Per Taxi geht es dann zum Hotel, natürlich bezahlen wir wieder zuviel. Das Übliche, wenn man gerade angekommen ist. Ich habe dem Hotel unsere Ankunftszeit mit 20 Uhr durchgegeben, aber nun ist es schon zwei Stunden später. Gepäck ins winzige Zimmer, Hände waschen und gegenüber das erstbeste Lokal aufsuchen und das alles in fünf Minuten. Wir sind zu müde, um nochmal in den Trubel der Stadt einzutauchen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt und orientieren uns am alles überragenden KOMTAR, einem 250 Meter hohen Büroturm, dessen Besonderheit ein „Skywalk“ (ein halbrunder begehbarer  Glassteg) ist. Unten befindet sich ein älteres  Einkaufszentrum, doch heute sind viele der Geschäfte geschlossen. Es ist der 15. Februar, das diesjährige chinesische Silvester. Schon bei unserer Ankunft haben wir die vielen roten Lampions gesehen, die alle Straßen festlich schmücken. Weiter in der Innenstadt dasselbe Bild, die kleinen Geschäfte sind geschlossen, die großen modernen Einkaufszentren haben geöffnet und locken mit Super-Sonder-Neujahrs-Angeboten.

Georgetown, die kunterbunte Hauptstadt der Insel Penang, ist seit 2008 Weltkulturerbe. Eine großartige Stadt, in der Menschen vieler Kulturen friedlich zusammen leben und Christen, Muslime und Buddhisten ihre religiösen Bauten in unterschiedlicher Anzahl und Größe errichtet haben. Englische Gebäude aus der Kolonialzeit stehen gleichberechtigt chinesischen Geschäftshäusern gegenüber. Chinesen sind eindeutig in der Überzahl, deshalb sind auch zum wichtigsten Fest des Jahres alle von ihnen betriebenen Läden und Lokale geschlossen. Nur in Little India geht das Leben seinen gewohnten Gang. Wir kommen an ganzen Straßenzügen vorbei, die geräumt und teilweise entkernt auf den Abriss warten. Gerogetown braucht Platz für weitere imponierende Hochhäuser. Zum Glück sehen wir aber auch, dass einige von den prächtigen alten Gebäuden restauriert werden. Es wäre auch zu schade, wenn diese Stadt nur noch „modern“ wäre. Damit würde sie ihren Charakter verlieren.

Wir sind auf dem Weg zu den Jetties. Das sind lange Holzstege, die ins Meer gebaut wurden und an denen die ersten Einwanderer aus China vor ca. 100 Jahren ihre Stelzenhäuser gebaut haben. Das hatte den einfachen Grund, dass für über dem Wasser errichtete Häuser keine Steuern erhoben wurden. Diese Regelung gilt noch heute und bis jetzt tragen die Jetties den Namen des jeweiligen Clans. Sechs von ihnen existieren noch und werden weiterhin von den Nachfahren bewohnt. Inzwischen gibt es hier in einigen der Häuser Läden und Lokale, andere sind weiterhin nur Wohnhäuser. Gerade ist Ebbe und der Verfall der Jetties wird überdeutlich. Wahrscheinlich haben sie die längste Zeit existiert. Auf dem Schlickboden liegen Reste von Booten und Hütten, lange wird es nicht dauern, bis sie ganz verrottet sind.

An diesem Silvesterabend ist nicht viel los, normalerweise herrscht hier abends reger Betrieb, Menschen gehen spazieren oder essen auf dem nahen Foodmarket. Nur heute nicht, die Chinesen, verbringen den Abend nach alter Tradition zusammen mit der Familie bei einem guten Essen im Haus. Deshalb sind auch alle chinesischen Lokale geschlossen. Uns knurrt langsam der Magen, aber weit und breit kein geöffnetes Lokal. Wir steuern eines der Einkaufszentren an und Kenny Rogers (genau, der Sänger) rettet uns. Er hat eine Restaurantkette mit seinem Namen „Kenny Rogers Roaster“ das er zusammen mit dem Besitzer von „Kenntucky Fried Chicken“ gegründet hat. Spezialität sind Hähnchen. Es gibt sie gegrillt als ganzes, halbes oder viertel Tier. Dazu leckere Salate., alles frisch. Damit sind wir sehr zufrieden und laufen zurück zum Hotel.

Das erwartete Feuerwerk wird anders gezündet, als wir es uns vorstellen. Auch hier werden Raketen in den Himmel geschossen, aber jeder macht das irgendwann. Ab 22 Uhr geht es los. Über die ganze Stadt verteilt werden mal hier dann dort ein paar Raketen gezündet. Ständig knallen irgendwo ein paar Böller oder ganze Böllerketten.  Es zieht sich stundenlang hin, aber es gibt keinen Höhepunkt.

Am Neujahrstag wollen wir die Jetties noch einmal im Sonnenschein und bei Flut besuchen. Mit uns sind viele andere Menschen auf die Idee gekommen und so schieben wir uns über einen Holzsteg bis zur Plattform an deren Ende.

Viele rot (Glücksfarbe) gekleidete Chinesen genießen ihren wichtigsten Feiertag mit der ganzen Familie, machen Fotos, kaufen den Kindern Süßigkeiten und strahlen mit der Sonne um die Wette. Auf dem Rückweg probieren wir Durian-Eis (Stinkfrucht). Eins ist klar, Fans werden wir nicht. Das Eis schmeckt wie süßer, cremiger Munsterkäse. Danach zieht es uns in der Altstadt; wir wollen „Street Art“ anschauen. Der Litauische Maler Ernest Zacharevic hat hier viele Kunstwerke auf Wänden und Mauern gestaltet und andere Künstler inspiriert, es ihm gleichzutun. Aus Stahlstäben gebogene und geschweißte Motive sieht man auch sehr häufig. Auf rund 4 Kilometern kann man in der Altstadt nach den Kunstwerken suchen.

Häufig haben wir bemerkt, das abends vor einigen Häusern Räucherstäbchen abgebrannt werden. Heute sind es Räucherstäbe oder Räucherstämme, die bunt gefärbt und verziert vor Häusern und Tempeln für Glück im neuen Jahr sorgen sollen. Wir laufen zur Promenade am Meer, hier sind bei leichtem Wind die 33 Grad gut zu ertragen.

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Direkt neben unserem Hotel gibt es ein italienisches Lokal, das auf seiner Festtagsspeisekarte ausgewählte Spezialitäten anbietet. Wir entscheiden uns für Surf and Turf (Steak mit Minihummer) und  dazu einen guten chilenischen Weißwein. Schließlich muss man die Feste feiern wie sie fallen. Der Wirt – begeistert über unsere Menüwahl und das wir aus Deutschland kommen – spendiert uns noch eine Portion Tiramisu, köstlich.

Am nächsten Tag wollen wir den kleinsten Nationalpark der Welt besuchen. Er liegt 50 Kilometer entfernt im Norden der Insel Penang. Am Busbahnhof herrscht Gedränge, viele Menschen wollen heute raus aus der Stadt. Es ist nicht unbedingt der Nationalpark, den sie ansteuern wollen, aber ein paar Kilometer davor liegt ein beliebter Ferienort mit Straßenlokalen, Souvenirläden und Strandzugang. Drei Busse halten gar nicht erst an, weil sie schon überfüllt sind. In den vierten quetschen wir uns mit vielen anderen Fahrgästen rein. Nachdem wir Georgetown verlassen haben, können wir zwei Sitzplätze ergattern. Das lässt die wilde Fahrt etwas leichter erscheinen. Wie erwartet, steigen über 90 % der Fahrgäste in Batu Ferringi aus.

Es ist Mittagszeit, als wir am Ziel aussteigen. Erst müssen wir uns stärken und gehen in ein Lokal. Alle Tische sind besetzt, bis auf einen. Dort setzen wir uns hin, aber niemand kommt. Nach einer Weile winken wir einer Bedienung zu. Sie fordert uns auf, uns an einen anderen, inzwischen freien Tisch zu setzen. An unserem bisherigen Tisch wird nicht bedient. Das müssen auch alle nach uns kommenden Gäste feststellen. An großen runden Tischen sitzen festlich gekleidete Großfamilien. Die Kleinsten haben die Aufgabe, allen Erwachsenen am Tisch rote Umschläge mit Geldgeschenken zu überreichen. Dass mitten im zur Straße offenen Restaurant ein Auto parkt, wundert niemanden außer uns. Wir dürfen noch miterleben, dass der Besitzer mit seiner Familie nach dem Essen ins Auto steigt und mit Hilfe mehrerer Kellner wieder auf die Straße geleitet wird. Jetzt können die Tische auch wieder etwas großzügiger gestellt werden.

Der Parkeingang ist nicht weit vom Lokal entfernt. Es kostet keinen Eintritt, man muss sich nur in ein Buch einschreiben und später wieder austragen, damit man weiß, dass niemand verloren gegangen ist. Es geht ein Stück am Meer entlang, Affen turnen in den Bäumen. Zwei Wege sind leider wegen beschädigter Brücken gesperrt, es bleibt nur der Weg links in den Regenwald. Es geht zunächst über Stufen bergauf, danach über Stock und Stein. In der Wärme strengt das ständige Bergauflaufen ziemlich an. Wir rasten in einer kleinen Hütte. Mehrere zurückkommende Wanderer warnen uns davor, noch weiter zu gehen. Der Endpunkt ist noch zwei Stunden entfernt, und dann muss man denselben Weg zurück. Da es inzwischen 16 Uhr ist, müssen wir nicht lange überlegen und treten den Rückweg an.

Als wir das Meer wieder erreichen, kommen uns mehrere Familien entgegen. Sie wollen nach der Ausrüstung zu urteilen ein Picknick veranstalten. Offenbar wissen das die Affen und lauern auf Beute. Wenn Kinder etwas Essbares in den Händen halten, ist es ruckzuck geklaut und die Kinder fangen laut an zu weinen. Zwei Mütter schnappen sich ihre Kleinen, halten sie fest an sich gedrückt und laufen eilig den Weg entlang. Ein Affe fällt wegen seines sonderbaren Verhaltens auf. Als wir näher kommen sehen wir, dass ihm beide Hände fehlen, wie das wohl passiert ist?

Der Bus zurück ist noch voller, als auf dem Hinweg. Wir sind so eingekeilt, dass man in den Kurven wenigstens nicht umfallen kann. So viel Körperkontakt ist für uns ungewohnt. Hier sind keine Individuen unterwegs, sondern nur noch eine homogene Masse.

Abends wollen wir zum Essen nicht mehr sehr weit laufen, und finden in der Nebenstraße ein wieder geöffnetes chinesisches Lokal. Die junge Bedienung berät uns ausgezeichnet und wir bestellen eine Auswahl der Spezialitäten. Alles schmeckt uns. Wir sind mitten beim Essen, als nebenan ein Nachbar eine Böllerkette zündet. Innerhalb weniger Minuten sind wir von dichtem Nebel umhüllt. Die Besitzer des Lokals sind wütend, die Gäste auch. Aber dafür werden uns im beginnenden Jahr des Hundes dieselben nicht beißen und auch böse Geister dürften nun ihre Chancen – uns etwas anzutun – eingebüßt haben.

Khao Sok und Koh Pu – alles Natur (Thailand)

Chinesisches Neujahr auf Penang (Malaysia)

Auf Gleis 10 – wo unser Zug abfahren soll – müssen erst noch zwei verspätete Züge abgefertigt werden. Eine Stunde später als geplant laufen wir zum Bahnsteig. Er liegt voller dicker weißer Pakete, die alle eingeladen werden. Es wird 20.15 Uhr, bis wir abfahren können. Der Schlafwagen hat auf jeder Seite mehrere Nischen, in denen sich zwei gegenüber liegende bequeme breite Sitze und darüber ein Bett befinden. Nach einer Weile kommt der Schaffner und fragt, ob er die Betten machen darf. Erst die oberen, dann schiebt er die Sitzflächen der beiden Sessel zusammen, drückt die Rückenlehnen herunter und auf diese Weise entsteht eine ausreichende Liegefläche. Darauf kommt eine Matratze, die er mit einem weißen Laken überzieht, das Kissen bekommt ebenfalls einen frischen weißen Bezug, er legt eine in Plastik verschweißte weiße Decke darauf (die dicken weißen Pakete waren also Bettwäsche nur für eine Nacht). Zum Schluss hängt einen grünen Vorhang vor die Bettnische. Das erinnert ein bisschen an „Manche mögen’s heiß.“ Es gibt eine kurze Verstimmung, ein französisches Paar will nicht glauben, dass wir die unteren Betten links und rechts gebucht haben, obwohl es auf unseren Fahrkarten steht. Der hinzugerufene Schaffner bestätigt die Richtigkeit, und sie klettern grummelnd ein Stockwerk höher.

Die Liegefläche ist bequem, das Bettzeug duftet angenehm frisch, aber an erholsamen Schlaf ist nicht zu denken. Mag sein, dass meine Erkältung Schuld ist, aber der Zug holpert und rumpelt über die Gleise, dass man in seinem Bett hin- und hergeworfen wird. Als der Morgen dämmert, setze ich mich auf und schaue aus dem Fenster. Der Zug fährt durch einsame grüne Landschaft, Palmen, Zuckerrohr, bizarre Berge – einfach schön.

Kurz vor 9 Uhr erreichen wir Surat Thani. Gut, dass wir den Anschlussbus noch nicht gebucht haben, der ist schon seit einer halben Stunde weg. Der nächste soll zwei Stunden später gehen. Jetzt frühstücken wir erst einmal und lassen uns dann per Minibus zum Khao Sok Nationalpark fahren, wo wir für fünf Nächte einen Bungalow in der Nähe des Eingangs gebucht haben.

Die Anlage ist riesengroß, 16 verschieden große Holzbungalows sind großzügig darauf verteilt. Wir brauchen beide Schlaf und fallen ins Bett. Ich verbringe diesen und den nächsten Tag angeschlagen im Bett. Dann fühle ich mich wieder so, dass wir einen Spaziergang machen können.

Am nächsten Tag wollen wir im Nationalpark wandern. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Kleinstwerkstatt vorbei, in der Kautschukmilch verarbeitet wird. Wir schauen eine Weile zu, was mit der wie Sahne aussehenden Milch (sie soll auch so schmecken) passiert. Einer der Arbeiter schöpft mehrere Eimer aus einem großen in einen kleinen Bottich und fügt eine abgemessene Menge (Ameisensäure, wie wir später nachlesen) hinzu, verrührt das Ganze und gießt es randvoll in rechteckige Formen von ca. 35 x 25 cm Größe. Die werden jeweils längs und quer übereinander gestapelt. Wie lange es dann dauert, bis die Mischung fest wird, konnten wir nicht feststellen. Es muss jedoch innerhalb eines  Arbeitstages passieren. Ein anderer Arbeiter nimmt von einem anderen Stapel eine Form und stürzt sie auf den Fliesenboden. Sieht lecker aus, wie eine Riesenportion Panna Cotta. Er schlägt mit einem Rohr, so lange auf die wabbelige Masse ein, bis eine Platte von zweieinhalbfacher Größe der Form entstanden ist. Die Platten werden zusammen mit einer durchlässigen Folie übereinander geschichtet bis genügend Wasser abgelaufen ist, anschließend durch eine Mangel gedreht und auf Leinen zum Trocknen aufgehängt. Fertig ist der getrocknete Rohkautschuk; es gibt ihn auch geräuchert.

Der Eintritt in den Park kostet 7,50 € pro Person. Das Geld wird gut verwendet. Es sind eine Reihe von Gebäuden entstanden: Ein Restaurant, ein Informationszentrum, eine Jugendherberge mit Campingplatz und die Wege sind durchweg gut beschildert. Nur die Geländekarte könnte etwas besser gestaltet sein. Einen Teil der Strecke soll man nur mit Führer gehen. Wir laufen jedoch ohne, noch weiß ich nicht, wie weit ich komme. Der Weg führt durch dichten Urwald. Der Hauptweg ist breit und gut zu begehen, die Abzweigungen zu den einzelnen Besichtigungspunkten führen jedoch über Stock und Stein. Am ersten Punkt – der als Badeplatz bezeichnet wird – hat sich eine vierköpfige Affenfamilie niedergelassen. Die Eltern laufen Richtung Wald, als wir uns nähern. Die beiden Jungen sind so in ihr Kletter- und Verfolgungsspiel vertieft, dass sie das gar nicht bemerken. Die beiden sind so drollig, dass ich mit der Kamera näher und näher herangehe. Plötzlich hält der größere der Beiden im Spiel inne und schaut mich irgendwie merkwürdig an. Und dann sehe ich, dass zwanzig Zentimeter vor mir Papa Makakke fauchend und mit gefletschten Zähnen auf dem Boden sitzt. Ganz langsam bewege ich mich rückwärts, bis ein paar Meter zwischen mir und dem wütenden Affen liegen. Der Schreck ist mir ganz schön in die Glieder gefahren.

Wir laufen weiter bis zum Punkt 3. Ab hier soll man nur mit Führer gehen, aber wir wollen sehen wie weit wir es zu zweit schaffen und steuern den vierten Punkt an, an dem es eine Badestelle gibt. Der Weg wird jetzt sehr viel unebener als bisher, er führt über Felsbrocken, Baumwurzeln und kleine Abhänge. Die Belohnung ist eine idylische Stelle am Fluss. Hier kann man baden und wir wollen nur noch schnell ins Wasser. Das Ufer ist ein wenig schlammig, aber das Wasser hat eine wunder bare Temperatur und fühlt sich ganz weich an. Nach uns kommen noch zwei junge Männer. Der eine starrt ins Wasser, und ruft: „Oh nein, alles voll!“ Dann kommt er zu der Stelle wo wir ins Wasser gegangen sind und starrt wieder. „Was suchen Sie?“ frage ich. „Blutegel,“ meint er und deutet ins Wasser. Da kann ich ihn beruhigen, die Blutegel sind harmlose Kaulquappen, und dann traut er sich auch ins Wasser. Bei so einem empfindsamen Gemüt behalten wir die Entdeckung von zwei Wasserschlangen dann doch lieber für uns, sonst müssen wir ihn noch wiederbeleben. Später kommt noch ein Ehepaar mit Tochter. Als sie sehen, dass wir uns im Wasser tummeln, trauen sie sich auch hinein.

Auf dem Rückweg haben wir Glück und entdecken zwei Gibbons. Die in diesem Park heimische Raflesia (größte Blüte im Pflanzenreich) sehen wir zwar nicht, aber für uns hat der sich Ausflug wirklich gelohnt.

Für den nächsten Tag haben wir eine Seetour gebucht. Um 7.30 Uhr gibt es Frühstück, dann werden wir abgeholt. Der Fahrer sammelt noch verschiedene andere Touristen aus Frankreich, Rumänien und der Schweiz ein und dann fahren wir 60 km bis zum Chiao-Lan-Stausee. 1982 wurde die Staumauer gebaut und nach und nach füllten sich die Täler mit Wasser.

Dreizehn Dörfer mussten dafür umgesiedelt werden. Entstanden ist ein wunderschönes Gebiet zwischen Karstfelsen. Gut eine Stunde fahren wir mit einem Longboat, bis wir zu einem auf dem Wasser schwimmenden Ressort kommen. Dort wartet bereits das Mittagessen auf uns. Danach haben wir eine Stunde Zeit zum schwimmen im unerwartet warmen Wasser des Sees.

Und dann beginnt die Dschungel-Höhlen-Tour. Wir suchen uns aus mehreren Körben passende Gummischuhe aus (Schuhgröße 45 für Klaus gab’s natürlich nicht), fahren noch ein Stück mit dem Boot und laufen den abenteuerlichsten Pfad durch den Dschungel, den wir je gegangen sind. Der Weg ist matschig und rutschig und führt durch geheimnisvoll knarrenden und ächzenden Baumbuswald, durch Wasserlöcher und Bachläufe. Anfangs versucht man noch, am Rand der Schlammlöcher zu laufen. Später läuft man mittendurch. Einige haben einen Heidenspaß, wenn der Schlamm bis über die Knöchel reicht. Vielleicht ist das ein Ausgleich dafür, dass sie als Kinder nicht „mutkern“ (matschen) durften. Bergauf und bergab geht es eine gute Stunde lang, bis wir zum Eingang der Nam Talu Höhle kommen. Hier bleiben ein paar aus unserer Gruppe zurück, unter anderem ein Paar mit kleinem Kind.

Wir bekamen schon in unserem Ressort wasserdichte Beutel und Stirnlampen zur Verfügung gestellt, und die brauchen wir jetzt auch. Durch die trichterförmige Höhle – wir gehen an der schmalsten Stelle hinein – fließt ein Fluss. Zuerst ist er nur knietief. Das ändert sich jedoch bald. In voller Montur müssen wir ein Stück schwimmen und uns an einem Seil einen kleinen Wasserfall hochziehen. Danach ist das Wasser wieder flach. In der Dunkelheit sind die Steine nicht immer gut zu sehen, und so ist vorsichtiges Laufen zu empfehlen. Die Höhle weiter sich, zeigt Tropfsteingebilde und unzählige Fledermäuse an der Decke. Wir passieren mehrere schmale Durchgänge. Unser Führer zeigt auf einen Steinhaufen, in dem unzählige winzige Leuchtpunkte auszumachen sind. Im Schein unserer Stirnlampen erkennen wir, das hier jede Menge Spinnen hausen. Was da leuchtet sind deren Augen.

Nach 1,7 Kilometern verlassen wir die Höhle an einer anderen Stelle und müssen erneut einen schwierigen Weg laufen. Nach eineinhalb Stunden treffen wir die zurückgelassenen Leute wieder. Jetzt haben wir noch einen einstündigen Rückweg vor uns. Unser Führer, der diesen Weg bestimmt schon 5.000 mal gegangen ist, legt ein Tempo vor, dem man kaum folgen kann. Er hat Angst, das unser Boot das letzte ist, und hat wohl schon mal erlebt, dass der Motor nicht anspringen wollte. Erst als der Vater des kleinen Mädchens ihn zurecht weist, geht er etwas langsamer. Aber alles geht gut, außer unserem Boot liegen noch drei weitere hier an der Anlegestelle. Und am schwimmenden Ressort sehen wir weitere. Noch eine Viertelstunde, um sich die zurückgelassenen Sachen zu holen, den Matsch von den Füßen zu waschen und trockene Kleidung anzuziehen, dann startet das Boot und wir fahren zurück.

Weitere eineinhalb Stunden mit dem Bus, dann lassen wir uns erschöpft am Esstisch nieder, bestellen unser Abendessen und wollen uns nur noch langlegen.

Um 5 Uhr klingelt der Wecker, wir packen routiniert zusammen und verlassen unseren Bungalow. Leider fühlen sich unsere gestern angekommenen Nachbarn im Bungalow nebenan gestört. Die Frau lässt eine Schimpfkanonade los und brüllt noch hinter uns her, als wir schon 50 Meter weiter sind. Jetzt weiß das ganze Ressort, dass wir abreisen.

Aus unserem Minibus genießen wir noch einmal den Blick auf die herrlichen Berge und freuen uns ganz besonders über zwei Elefanten, die in der frühen Morgenstunde in der Nähe der Straße „frühstücken.“ Der Bus fährt Richtung Südwesten, wir durchfahren Khao Lak, den Ort den wohl jeder mit der Tsunami-Katastrophe von 2004 verbindet. Außer einem Denkmal erinnert nichts mehr an das verheerende Unglück.

In Krabi gehen wir auf eine Fähre. Wir haben uns entschieden, ein paar Tage auf Koh Pu/Jum zu verbringen, einer kleinen Insel die nicht übermäßig viele Touristen anzieht. Vor der Insel stoppt die Fähre und fünf Longboote legen an Back- und Steuerbord an. Wir müssen mitten auf dem Meer umsteigen. Das Gepäck wird herübergereicht und die Fähre nimmt wieder Fahrt auf. Soweit wie möglich fährt das Boot an den Strand, trotzdem bekommen wir nasse Füsse, als wir rausspringen. Das Personal unseres Ressorts hilft mit dem Gepäck. Die Anlage beginnt mit Restaurant und Rezeption direkt am Strand, die Bungalows ziehen sich in angenehmem Abstand zueinander zwischen Bäumen und Sträuchern einen Hügel hinauf. Wir beziehen den am höchsten liegenden, ca. 20 Meter über dem Strand. Der Besitzer gibt uns Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg: „Keine Lebensmittel im Bungalow, nichts im Badezimmer lassen und vor allem immer Fenster und Türen geschlossen halten, wenn man den Bungalow verlässt. Das gilt besonders auch für die Badezimmertür, die man von außen verriegeln kann. Die Aussenmauern des Bades sind nur halb hochgemauert und leicht überwindbar“. Die ganzen Vorsichsmahmen richten sich gegen unerwünschte Affenbesuche.

Wir haben noch Kekse im Rucksack, auch eine Tüte Mandarinen. Die wollen wir nicht wegwerfen und so schlimm kann es ja wohl nicht sein, wenn die Kekse noch in der Verpackung sind. Trotzdem versuchen wir uns nach den Anweisungen zu richten, obwohl wir nicht damit rechnen, überhaupt einen Affen zu Gesicht zu bekommen. Unsere Nachbarn zwei Häuser denken wie wir. Sie stufen die Ratschläge so ein: Kann man befolgen, kommt aber sowieso höchstens ein paar Mal im Jahr vor. Bis am nächsten Tag die kleine Tochter etwas aus dem Bungalow holen will. Sie zieht die Doppeltür nur zu, weil sie nicht an die Verriegelung kommt. Während sie im Badezimmer ist, erobert eine Gruppe Affen den Bungalow und klaut alle Tüten und Behälter wie: Zahnpastatuben, Müsliriegel, Kekse, Schokolade, Vitamin-Brausetabletten, Trinkflaschen, kurz alles was essbar sein könnte. Die arme Kleine traut sich nicht aus dem Badezimmer und muss von den Eltern gerettet werden. Die Affen sitzen keck auf dem Dach des Bungalows, die Tüte mit den Naschereien in der Hand. Was ihnen nicht schmeckt, werfen sie weg. So bekommen wir auch unsere im Bad vergessene Seife wieder zurück. Angebissen liegt sie hinter unserem Bungalow.

Danach können wir fast täglich beobachten, wie die Affen in kleinen oder größeren Gruppen auf der Suche nach offenstehenden Türen oder Fenstern in die Anlage kommen. Wenn da nichts zu machen ist, spielen sie auf und hinter der aufgehängten Wäsche Verstecken, zerren Handtüchern oder T-Shirts von der Leine und haben nur Blödsinn im Kopf. Wenn sie allerdings versuchen, das Restaurant unten am Strand zu besetzen, schießt der Besitzer mit einer Pressluft-„Uzi“ Plastikkugeln, dann verschwinden sie.

Wir verlängern unsere gebuchten fünf Tage noch um zwei weitere und verlassen die Insel mit etwas Wehmut auf dieselbe Weise, wie wir gekommen sind.

Noch eine Übernachtung in Krabi mit Abendessen auf dem Fischmarkt und dann ist es für uns Zeit, Thailand zu verlassen.

Bangkok – hin und weg (Thailand)

Und weiter geht es zum nächsten Ziel. Um sieben Uhr werden wir bereits abgeholt, trotzdem macht man uns schon eine halbe Stunde vor der offiziellen Zeit Frühstück. Wäre das in Deutschland auch so selbstverständlich?

Die Fahrt dauert 8 Stunden und bringt uns durch Reisanbauflächen, Lotusteiche und Kautschukplantagen in drei Stunden zur Grenze. Kurz nach der Abfahrt verteilt der Beifahrer Croissants und Wasser (im Fahrpreis enthalten). Auch Formulare zum Grenzübertritt hat er dabei. Fürsorglich erkundigt er sich, ob alle ihre Pässe dabei haben.

Für den Übergang gibt es eine kurze Information: Raus aus dem Bus, zur Ausreisestelle, ein paar hundert Meter laufen und sich vor den Einreiseschaltern in Thailand anstellen. Danach 100 Meter laufen und nach links auf den Parkplatz, wo der Bus mit allem Gepäck wartet. Und genauso läuft es auch ab. Auf der kambodschanischen Seite ist kurz vor der Grenze quirliges Marktleben. Soweit wie es zulässig ist, haben Menschen ihre Verkaufsstände aufgestellt. Letzte Möglichkeit, nochmal gegrillte Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer oder Schnecken zu kaufen. Man läuft durch ein Spalier von Kriegsversehrten, die ihre verstümmelten Gliedmaßen präsentieren, um noch ein paar Riel zu bekommen. Lebhafter Handel findet statt, man sieht Menschen die hoch beladene Karren in beide Richtungen ziehen.

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Wer durch die Passkontrolle gekommen ist und sich wieder am Bus einfindet bekommt jetzt sein Mittagessen – Gemüsereis und Gurkenscheiben. Nachdem alle wieder eingetroffen sind geht es weiter. Je näher wir der Hauptstadt kommen, umso mehr wandelt sich die Aussicht. Keine Reisfelder mehr, sondern Industriefirmen sind links und rechts der Straße zu sehen. Verbunden damit ist größerer Wohlstand; schöne Häuser, gepflegte Vorgärten und nur ab und zu dazwischen auch noch mal eine Wellblechhütte.

Nach drei Stunden kommen die Hochhäuser Bangkoks in Sicht. Die Stadt, in der 12 bis 15 Millionen Menschen leben – genau weiß das niemand, weil es kein Meldesystem gibt – hat eine Ausdehnung von 1.500 Quadratkilometern. Die Straßen sind teilweise achtspurig, und es gibt mehr Autos als Mopeds. Der Bus hält vor einem Tempel irgendwo mitten in der Stadt. Von hier sind es noch 5 Kilometer bis zu unserem Hotel.

Es liegt östlich des Menam (Fluss) Chao Praya, der ursprünglichen Lebensader von Bangkok , an einer sechsspurigen Straße. Am ersten Abend wollen wir nur die nähere Umgebung erkunden. In geringen Abständen gibt es Fußgängerbrücken, über die man auf die andere Seite gelangt. Auf einem Kreisel, dem Wongyainyai Platz, der sicher 200 Meter im Durchmesser hat, befindet sich ein Reiterstandbild und drum herum eine gepflegte Grünanlage, die man durch eine Unterführung erreicht. Hier treffen sich abends viele Menschen um Sport zu treiben (sie joggen rundherum, spielen Federball oder machen Gymnastik). Andere beten und singen gemeinsam vor einer Buddhastatue, unbeeindruckt vom rundherum tosenden Verkehr.

Der Aufgang zur nahen S-Bahn Station ist nur 50 Meter vom Hotel entfernt. Allerdings ist man dann noch lange nicht an der Station. Ein auf massiven Säulen errichteter Fußgängerweg verläuft mehrere 100 Meter zwischen zwei Schnellstraßen. Hier kann man ungefährdet vom Straßenverkehr zum Ziel gelangen und Wachmänner sorgen dafür, dass auch keine Gefährdung anderer Art stattfindet.

Am Fahrkartenautomaten tippt man auf dem Streckenplan des Touchscreen die Station an zu der man fahren möchte, gibt die Anzahl der Personenein und zahlt per Bargeld oder Kreditkarte den errechneten Betrag. Schon hat man seine Fahrkarte.

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Der Zugang zu den Zügen ist versperrt. Nur wer eine Fahrkarte hat, kommt durch die Sperre. Die Züge sind von außen – einschließlich der Fenster – komplett mit mehr oder weniger bunten Motiven gestaltet. Da verlässt jeden Sprayer seine künstlerische Inspiration und er lässt die Sprühdosen stecken.

Wir fahren bis zu den Einkaufzentren in der Stadtmitte. Heute am Sonntag sind auch viele Einheimische unterwegs, die den freien Tag nutzen, um gemächlich durch die teilweise luxuriösen Mals zu schlendern, in deren Restaurants einzukehren und der Hitze des Tages in die angenehm temperierten Räumlichkeiten zu entfliehen. Auch wir nutzen nach Möglichkeit die Wege durch die großen Mals, anstatt draußen auf den Fußwegen zu laufen.

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großartige Erfindung, Hörer zum Einstecken ins Handy

Bei unseren beiden Handys sind die Schutzgläser gebrochen und wir gehen in ein Technikkaufhaus, um Ersatz zu besorgen. Ohrenbetäubender Lärm schallt uns entgegen. Vor einer riesigen Leinwand – auf der sich Kampfszenen mit Fantasiemonstern abspielen – sitzen an die 100 Erwachsene und steuern per Handy das Geschehen.

Draußen wird es langsam dunkel und wir laufen wieder über einen speziellen Fußgängerweg in 5 Metern Höhe Richtung Zentrum. Musik schallt, fantasievoll gekleidete Menschen laufen herum und dann sehen wir auch, was der Grund ist. Die thailändisch-japanische Expo hat vor einem der großen Einkaufszentren ihre Stände aufgebaut. Im ersten Teil werden Verbrauchsgüter angeboten, im zweiten sind die Stände voll mit japanischen kulinarischen Spezialitäten. Und weil die Veranstaltung an diesem Sonntag Abend endet, versuchen alle die Lebensmittel zu herabgesetzten Preisen zu verkaufen. Natürlich können wir in diesem Schlemmerparadies nicht wiederstehen und kaufen unser Abendessen ein.

Montag ist für uns Besichtigungstag, und wir fahren zwei Stationen mit der S-Bahn und warten dann auf das Publik-Boot, um bis zum Königspalast zu fahren. Dieselbe Idee haben unzählige andere Besucher, und so müssen wir fast eine Stunde warten und finden erst auf dem zweiten Boot Platz. Die Fahrt auf dem Chao Phraya Fluss ist schon wie eine Stadtbesichtigung. Vorbei an vielen Hochhäusern, dem Gebäude mit großer Terrasse des legendären Oriental-Hotel,  dem Flower-Market und einigen Tempeln erreichen wir das Gelände des Königspalastes. Die Menschen schieben sich Richtung Eingang und wir beschließen, erstmal etwas zu essen. Gestärkt machen wir uns nun auf den Weg zum Eingang. Die Enscheidung war richtig, inzwischen ist es Mittagszeit und jetzt stehen deutlich weniger Menschen in der Schlange.

Viel Pracht und Prunk haben wir inzwischen schon gesehen, aber hier ist alles noch kunstvoller, glänzender, glitzender und imposanter. Das von einer hohen Mauer umschlossene Gelände beherrbergt über 100 Gebäude und man weiß erstmal gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Außer dem Palast befindet sich hier auch der Tempel des Smaragdbuddhas (die Kopie hatten wir schon in Chiang Rai besichtigt). Die Statue sitzt im Lotussitz auf einem prächtigen Sockel und ist mit ihrem Wintergewand bekleidet.

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alles echt

Thronhallen sind zu besichtigen und in der Mittagshitze besuchen wir das (klimatisierte) Museum, in dem viele Kostbarkeiten ausgestellt sind.

Wieder draußen sehen wir die Wachablösung und betrachten danach die prächtigen Wandgemälde.

Außen am Palast entlang laufen wir zum Wat Pho, dem Tempel des liegenden Buddha, der mit 15 Metern Höhe und 46 Metern Länge eine Dimension hat, die wir nicht gewohnt sind. Es herrscht gewaltiger Andrang, und nachdem wir unsere Schuhe irgendwo außerhalb deponiert haben, schieben wir uns mit der Besucherschar durch den Tempel.

Erst an der Vorderseite vorbei, entlang der Füße und auf der anderen Seite des Tempel geht es an der Rückseite wieder bis zum Kopf. Hier kann man wieder die Selfie-Manie in Hochform erleben. Mehr als ein Stück Gold kann man sicherlich auf den Selfies nicht sehen, dazu ist die Statue zu gewaltig. Rechts an der Wand stehen dicht an dicht Bronzebehälter, und viele Besucher laufen mit einer Handvoll Münzgeld hier vorbei und lassen in jeden der Behälter eine Münze fallen. Es erzeugt ein gleichförmiges Geklapper.

Für heute haben wir genug besichtigt und gehen langsam zurück zum Fluss. Zusammen mit vielen anderen Touristen geht es per Boot wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt von heute morgen und dann für eine Verschnaufpause ins Hotel. Abends versuchen wir mit dem Bus nach Chinatown zu kommen. Im Hotel hat man uns den Namen der Station auf Thai aufgeschrieben. Die öffentlichen Busse überraschen uns. Sie sehen aus, als wären sie nach 60 Jahren Einsatz in Sri Lanka nach Thailand verkauft (oder verschenkt) worden. Sie haben kaputte Holzböden, große Teile an den Seiten sind ausgebessert und sie klappern so laut, dass man jeden Moment mit dem vollständigen Auseinanderbrechen rechnet. “Oh, dass ist ja der falsche Bus,“ stellen Schaffnerin und Passagiere der Linie 82 fest, nachdem mehere Personen den Zettel von allen Seite zu lesen versuchen und bedeuten uns, an der nächsten Station in die 7 zu wechseln. Bezahlen müssen wir nichts. Wir steigen also in die 7 und hier rätselt und beratschlagt man wieder. Wir zahlen 16 Baht (40 Cent) für uns beide und werden dann an irgendeiner Haltestelle herausgelassen. Hier ist alles geschlossen, Rollgitter vor den Läden, keine Restaurants, wir laufen auf die heller erleuchtete Straße zu, aber wieder dasselbe Bild. Dieser Stadtteil hat sich bereits zur Ruhe begeben. Wir versuchen uns an einem Kreisel zu orientieren und sehen verblüfft einen Bus der Linie 82 vorbeifahren. Ein Tuktuk ist die Rettung, wir lassen uns nach mereren erfolglosen Versuchen uns mit dem Fahrer zu verständigen ins Zentrum fahren. Ein Bummel über den Markt, ein Abendessen in der Garküche, gekrönt von dem köstlichsten Kokoseis das wir je gekostet haben, und dann per S-Bahn zurück zum Hotel.

Heute müssen wir uns als Erstes um Bahnkarten für die Weiterfahrt am nächsten Abend kümmern. In der Nähe des Hotels ist ein kleiner Bahnhof mit einem Gleis; dorthin laufen wir. Im Büro warten schon einige Menschen und vor dem einzigen Schalter sitzt ein Mann. Zwar können wir nicht verstehen um was es geht, aber auf jeden Fall muss es sich um einen verzwickten Fall handeln, vielleicht eine Fahrt in ein Dorf in der inneren Mandschurei? Der Beamte in sandfarbener Uniform hinter dem Schalter hat schwer zu kämpfen, holt Rat bei Kollegen, wälzt Listen und befragt den Computer. Als er nach einer halben Stunde noch nicht fertig ist, kommt der Chef des Büros in schwarzer Uniform mit drei Sternen auf den Schulterklappen, um uns nach unseren Wünschen zu fragen. Wir deuten auf die anderen Wartenden, die vor uns da waren, aber sowohl sie als auch der Chef winken ab. Wir wollen zwei Karten für den Nachtzug nach Surat Thani am nächsten Abend mit Betten auf der unteren Ebene. Wir zeigen unseren Pass vor und ruckzuck sind die Karten ausgestellt. Im Internet stand ein Preis von 30 € pro Person, wir zahlen 19,50 €. Später lesen wir, dass es keine Einheitspreise gibt. Wie ein Betrag zustande kommt – großes Fragezeichen.

Nachdem wir unsere Karten haben, laufen wir noch ein Stück auf dem Bahnsteig entlang. Er ist dicht an dicht mit Garküchen und kleinen Läden zugestellt. Ich könnte mir vorstellen, das sich so ein Angebot auch bei uns bewähren würde. Die Reisenden würden nicht mit Unmut auf Verspätungen reagieren, sondern bedauern, dass der Zug schon wieder pünktlich abfährt und man nicht in Ruhe zuende essen oder einkaufen kann.

Anschließend laufen wir über den gegenüber liegenden Markt und lassen uns anschließend mit dem Tuktuk zum Wat Arun – dem Tempel der Morgenröte – bringen. Der ist wieder ganz anders gestaltet.

Die einzelnen Gebäude haben einen schneeweißen Untergrund, auf dem Porzellanelemente angebracht sind, in Form von Blumen, Girlanden, Blättern und mehr. Wenn man sich vorstellt, dass jedes dieser Schmuckelemente einzeln von Hand gefertigt und auf Tempel oder Chedi angebracht wurde, kann man sich vor dieser Kunst nur voller Hochachtung verneigen. Die Morgensonne bringt alles in wunderbarem Licht zur Geltung.

Wir setzen mit der Fähre über auf die andere Seite des Chao Phraya und laufen durch den Blumengroßmarkt. Tagetes (Studentenblumen) sind die am meisten verwendeten Blumen zur Verehrung Buddhas. Die Blütenköpfe in leuchtendem Gelb oder Gelborange liegen hier zu Millionen herum, entweder lose in Plastikbeutel verpackt, bereits zu Ketten aufgefädelt oder zusammen mit gelackten Bananenblättern zu kunstvollen Gestecken verarbeitet. Bergeweise liegen Orchideen in allen Farben auf den Tischen. Rispen mit kleinen weißen Knospen (den Namen kenne ich nicht) werden verarbeitet. Die Frauen sitzen an den Verkaufstischen und spießen die Knospen ohne hinzusehen auf Blumendraht, der dann zu Kränzchen gebogen wird. Draußen warten Lieferwagen mit Nachschub. Unser Besuch ist nur eine Momentaufnahme von vielleicht einer halben Stunde, welch unvorstellbare Mengen an Blumen werden hier wohl im Laufe eines Jahres verkauft und woher kommen die alle?

Anschließend schlendern wir noch durch ein Viertel mit Elektronikläden. Unglaublich, was es da massenweise so alles gibt: Lautsprecher, LED’s-Beleuchtung, Leiterplatten, Computerteile, Bauelemente und, und, und.

Am Abreisetag lassen wir uns mit einem Taxi zum Hauptbahnhof fahren.  In der Gepäckaufbewahrungsstelle können wir die Koffer und unsere mit Schlössern versehenen Rucksäcke gegen Gebühr unterstellen. Vom Bahnhof aus fahren wir mit der Metro zwei Stationen weit bis zum Lumpini-Park.

Er hat breite, asphaltierte Wege, viele Grünflächen und mehrere Teiche, die sich in fester Kralle von mehreren hundert Bindenvaranen befinden. Ein paar Stunden laufen wir hier herum, beobachten die Tiere, gehen noch etwas essen, dann wird es langsam Zeit, sich auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Um 18.30 Uhr soll der Zug abfahren. Vorher müssen wir noch in die dortige Apotheke; denn bei unseren Besichtigungstouren habe ich mir zwischen all den Menschen eine dicke Erkältung eingefangen.