{"id":4560,"date":"2018-05-06T12:50:04","date_gmt":"2018-05-06T10:50:04","guid":{"rendered":"http:\/\/mit140umdiewelt.com\/?p=4560"},"modified":"2024-01-13T20:05:46","modified_gmt":"2024-01-13T20:05:46","slug":"von-kununurra-nach-broome","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mit140umdiewelt.de\/?p=4560","title":{"rendered":"Von Kununurra nach Broome (Australien)"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl es uns hier so gut gef\u00e4llt, brechen wir am Morgen auf. Uns ist das Brot verschimmelt und wir m\u00fcssen in die n\u00e4chste Stadt, um einzukaufen. Kununurra (sprich Kenen\u00e4rra) liegt bereits in West-Australien und ob man es glaubt oder nicht, es gibt einen Grenz\u00fcbergang von einem Bundesstaat in den n\u00e4chsten.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4563\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04880.jpg\" alt=\"DSC04880\" width=\"3072\" height=\"2304\" \/>Roadtrains d\u00fcrfen ab hier nur noch 53,5 Meter lang sein. Die Geschwindigkeit auf den Stra\u00dfen ist auf 110 kmh begrenzt. Es gibt aber noch weitere Einschr\u00e4nkungen: Alles frische Obst und Gem\u00fcse darf nicht mit \u00fcber die Grenze. Die Besitzer unseres letzten Campingplatzes hatten uns bereits darauf hingewiesen und wir haben alle Lebensmittel dieser Kategorie dort gelassen. So wird es wenigstens nicht vernichtet, sondern noch gegessen.<br \/>\nTats\u00e4chlich kontrolliert der Grenzbeamte unseren K\u00fchlschrank auf verbotene Waren und w\u00fcnscht uns dann eine gute Weiterfahrt. Er gibt uns noch den Tipp, den Lake Argyle zu besuchen, er sei wundersch\u00f6n. Wir verstehen nur die H\u00e4lfte, von dem was er sagt, und so haben wir bereits die Abzweigung hinter uns, als wir uns zusammen reimen, was er uns empfohlen hat. Rein sprachlich haben wir noch viel zu lernen. Aber vermutlich klingen wir f\u00fcr die Australier auch absonderlich. In einem Supermarkt beraten wir uns in unserer Muttersprache, als eine Frau auf uns zukommt und fragt, wo wir herk\u00e4men. Die Antwort stellt sie zufrieden. Grinsend murmelt sie: \u201eDachte ich\u2018s mir doch, was ein Dialekt!\u201c<br \/>\nIn Kununurra fr\u00fchst\u00fccken wir und gehen in den Supermarkt. Alkohol gibt es nur in speziellen L\u00e4den, den Liquorshops, aber der ist am Sonntag geschlossen. Macht nichts, trinken wir eben Wasser, das haben wir in ausreichender Menge dabei. Am Ende des Victoria Highway m\u00fcssen wir uns entscheiden, ob wir nach rechts \u00fcber die Gibb-River-Road fahren oder \u00fcber den Northern Highway. Die Befragung unseres Navis nimmt uns die Entscheidung ab. Die erste Strecke braucht f\u00fcr 500 Kilometer einen Tag und 13 Stunden Fahrzeit. Hier befindet man sich zwar in der N\u00e4he der meisten Natursch\u00f6nheiten der Kimberley-Region, aber es bedeutet eben auch viele Kilometer auf unbefestigten Stra\u00dfen \u2013 mit unserem Fahrzeug einfach nicht zu machen. Dasselbe gilt f\u00fcr die Bungle Bungles im Purnululu Nationalpark. Der Ausweg w\u00e4re ein Flug mit dem Hubschrauber \u00fcber die gro\u00dfartige Felsformation, kostet aber f\u00fcr 30 Minuten 300 $ pro Person. Auch darauf m\u00fcssen wir verzichten. Bei einem Stopp im Warmun Turkey Creek Roadhouse sehen wir uns ein Video mit Aufnahmen aus dem Hubschrauber an und stellen uns vor, wir w\u00e4ren dabei gewesen.<br \/>\nIn Halls Creek \u00fcbernachten wir. Auch der Ort hat Charme, ist gro\u00dfz\u00fcgig und mit viel Gr\u00fcn angelegt. Die H\u00e4user stehen nicht direkt an den bereits breiten Stra\u00dfen, zwischen B\u00fcrgersteigen und H\u00e4usern liegen mindestens 50 Meter Rasenfl\u00e4che. Hohe B\u00e4ume beschatten Stra\u00dfen und Gr\u00fcnfl\u00e4chen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04889.jpg\" width=\"206\" height=\"131\" \/><a href=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04902.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04893.jpg\" width=\"223\" height=\"130\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04902.jpg\" width=\"177\" height=\"133\" \/><\/a><br \/>\nAb Halls Creek wird die Landschaft flacher, hin und wieder ist ein Tafelberg zu sehen. Daf\u00fcr sieht man auf weiten Strecken wieder Termitenbauten. Die Architektur dieser Behausungen ist beeindruckend. Da gibt es Termiten, die offenbar Antonio Gaudis Sagrada Familia nachbauen (oder hat der gro\u00dfe Katalane sich hier die Inspiration geholt?). Andere verwenden eine Schollen- oder Schuppentechnik. Es macht auf jeden Fall Spa\u00df, in den Bauten Figuren zu erkennen. Da vorne rechts steht die Venus von Willendorf, Meister Yoda ein St\u00fcck weiter. Links sind schneebedeckte Tannenb\u00e4ume auszumachen, Adenauers Kopf ist dort zu sehen, und \u00fcberhaupt wimmelt es von Gnomen und Fabelwesen. In normal gro\u00dfen Termitenbauten leben 200.000 bis 300.000 Tiere, in den gr\u00f6\u00dferen \u00fcber eine Million. Die Menge dieser Tiere muss so gro\u00df sein, dass es daf\u00fcr (Mathematiker lesen jetzt bitte nicht weiter) keine Zahl mehr gibt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc049831.jpg\" width=\"307\" height=\"226\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04928.jpg\" width=\"305\" height=\"229\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04973.jpg\" width=\"259\" height=\"279\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc05001.jpg\" width=\"372\" height=\"279\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/dsc04989.jpg\" width=\"633\" height=\"475\" \/>Ebenso beeindrucken uns die vielen Formen der Boab-B\u00e4ume, verwandt mit den afrikanischen Baobabs (Affenbrotb\u00e4ume). Da gibt es St\u00e4mme, die sich nach oben verj\u00fcngen, Mutter und Kind-Statuen, Sixpacks und einen dicken Stamm, den wir im Vorbeifahren entdecken. Hier ist wenigstens mal ein Parkplatz, wir biegen ein und laufen staunend um diesen Baum herum. Zuerst halten wir ihn f\u00fcr den ber\u00fchmten Prison Tree, aber der ist erst bei Derby zu finden, wo unsere heutige Fahrtstrecke endet.<\/p>\n<p>Wir suchen einen Platz zum \u00dcbernachten. In der Stadt Derby (5.000 Einwohner) gibt es mehrere, aber wer so vermessen ist wie wir, und erst nach f\u00fcnf Uhr nachmittags ankommt, hat eben Pech. Erkundigungen bei mehreren Stellen empfehlen uns einen Caravan-Park, der zu dieser <strong>sp\u00e4ten<\/strong> Stunde noch ge\u00f6ffnet haben soll. Er hat, und der Besitzer ist umwerfend nett. Wir beschlie\u00dfen sofort, dass wir hier zwei N\u00e4chte bleiben.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag fahren wir zum Meer. Derby hat den h\u00f6chsten Tidenhub der S\u00fcdhalbkugel. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut betr\u00e4gt 12 Meter. Als wir ankommen ist wirklich weit und breit kein Meer zu sehen. Aber warten, bis das Wasser zur\u00fcck kommt, ist in dieser Hitze unzumutbar.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4594\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2018\/05\/p1100414.jpg\" alt=\"P1100414\" width=\"3264\" height=\"2448\" \/>Wir besuchen den Prison Tree und merken mal wieder, dass Ausfl\u00fcge bei nahe 40 Grad im Schatten nichts f\u00fcr Menschen in unserem Alter und aus unseren Breitengraden sind. Wir schleichen in praller Sonne \u00fcber die staubige rote Erde, und obwohl wir nur 100 Meter laufen m\u00fcssen, nehmen wir eine Flasche Wasser mit. Der Baum hat einen Umfang von 14 Metern und ist innen hohl. Fr\u00fcher sollen hier Gefangene eingesperrt worden sein. Als sicher gilt jedoch, dass gefangene Aborigines hier versammelt wurden und aneinander gekettet die rund 7 Kilometer zum Meer laufen mussten. Sie wurden nach Broome, ins Perlmut-Zentrum gebracht. Dort sollten sie als Muscheltaucher oder Arbeiter bei der Herstellung von Kn\u00f6pfen eingesetzt werden. Die Knopf-Industrie florierte, bis die billigere Herstellung von Kn\u00f6pfen aus Kunststoff die harte Arbeit \u00fcberfl\u00fcssig machte.<br \/>\nWir besuchen noch das Informationszentrum, wo die Bilder der Sehensw\u00fcrdigkeiten in der Kimberley-Region uns den Mund w\u00e4ssrig machen. Aber auch hier gilt wieder, die Stra\u00dfen sind nur mit einem 4WD zu befahren, allerdings ist \u00fcber die H\u00e4lfte zur Zeit auch f\u00fcr diese Fahrzeuge gesperrt. Besondere Sehensw\u00fcrdigkeiten sind manchmal nur per Flugzeug oder mit dem Boot zu besichtigen. Der \u201ehorizontale Wasserfall\u201c geh\u00f6rt dazu. Das Meer str\u00f6mt bei einsetzender Ebbe oder Flut durch zwei schmale Felsenschluchten an Land oder vom Land weg. Die Touren kosten jeweils mehrere 100\u00a0$.<br \/>\nAm Abend kommt der Besitzer unseres Platzes und fragt: \u201eLinda, hast du schon mit dem Essen angefangen?\u201c Als ich verneine, schwingt er sich auf sein Rad und kommt 5 Minuten sp\u00e4ter mit einer tropfenden T\u00fcte zur\u00fcck. Darin liegen auf Eis zwei frische Mud Crabs (Mangrovenkrebse). Er erkl\u00e4rt, wie ich sie kochen soll und verschwindet l\u00e4chelnd. Geld will er nicht daf\u00fcr. Ich befolge seine Anweisungen genauestens, und wir haben ein k\u00f6stliches Abendessen.<br \/>\nBroome, die Perlenhauptstadt Australiens, ist unser n\u00e4chstes Ziel, nur 220 Kilometer von Derby entfernt und ebenfalls am Meer gelegen. Hier ist der ber\u00fchmte Cable-Beach, 1889 wurde das erste Telegrafenkabel zwischen Java und Broome verlegt. Heute ist der 22 Kilometer lange Strandabschnitt ein beliebter Ausflugsort f\u00fcr alle Arten von Freizeitbesch\u00e4ftigung. Selbst Autos d\u00fcrfen an den Strand, und abends kann man auf Kamelen in den Sonnenuntergang hinein reiten.<\/p>\n<p>Auch am zweiten Abend laufen wir wieder zum Sonnenuntergang an den Strand. Es ist gerade Ebbe und der Strand ist nass und gl\u00e4nzt wie lackiert. Alles spiegelt sich, und der Sonnenuntergang findet doppelt statt. Wir laufen bis zum Meeressaum und langsam wieder zur\u00fcck. Die Mondsichel am dunkelblauen Himmel, darunter die Venus, der orangerote Streifen \u00fcber dem blaugrauen Meer, unbeschreiblich sch\u00f6n. Dieser Abend wird uns unvergesslich bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl es uns hier so gut gef\u00e4llt, brechen wir am Morgen auf. Uns ist das Brot verschimmelt und wir m\u00fcssen in die n\u00e4chste Stadt, um einzukaufen. 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