{"id":7843,"date":"2019-04-04T13:16:20","date_gmt":"2019-04-04T13:16:20","guid":{"rendered":"http:\/\/mit140umdiewelt.de\/?p=7843"},"modified":"2024-01-15T13:00:08","modified_gmt":"2024-01-15T13:00:08","slug":"coban-und-der-kaffee-guatemala","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mit140umdiewelt.de\/?p=7843","title":{"rendered":"Cob\u00e1n und der Kaffee (Guatemala)"},"content":{"rendered":"\n<p>(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer \u00e4lteren Version verlinkt)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-mit-140-um-die-welt wp-block-embed-mit-140-um-die-welt\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"A3U0EjtIhd\"><a href=\"https:\/\/mit140umdiewelt.wordpress.com\/2019\/04\/04\/coban-und-der-kaffee\/\">Cob\u00e1n und der Kaffee&nbsp;(Guatemala)<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Cob\u00e1n und der Kaffee&nbsp;(Guatemala)&#8220; &#8212; HTTPS:\/\/www.Otterpack8.wordpress.com\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.wordpress.com\/2019\/04\/04\/coban-und-der-kaffee\/embed\/#?secret=krCuA45BjB#?secret=A3U0EjtIhd\" data-secret=\"A3U0EjtIhd\" width=\"525\" height=\"296\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Es ist nach acht Uhr am Morgen und w\u00e4hrend wir auf das nette Ehepaar warten, das uns heute nach Cob\u00e1n mitnehmen will, beobachten wir Montezumastirnv\u00f6gel. <\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>In den hohen B\u00e4umen h\u00e4ngen viele ca. einen Meter lange gewebte Nester. Von unten sehen sie wie etwas schlampig gestrickte Beutel aus. Aber es kommt ja nicht auf Sch\u00f6nheit sondern in erster Linie auf Haltbarkeit an. Schlie\u00dflich m\u00fcssen sie nicht nur zwei Eier sondern auch noch das br\u00fctende Weibchen, das bis zu 40 cm gro\u00df und \u00fcber 200 Gramm schwer ist, sicher halten. Hier scheinen die Jungen schon geschl\u00fcpft zu sein, denn st\u00e4ndig fliegen V\u00f6gel hin und her. Dabei sto\u00dfen sie glucksende, leicht blubbernde T\u00f6ne aus. Ein M\u00e4nnchen ist meistens der Vater der ganzen Nachkommenschaft und kann sich nat\u00fcrlich nicht um die Aufzucht k\u00fcmmern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe bestimmt schon 50 Fotos gemacht, als Axel und Ema vor dem Hotel ankommen. Sie fahren einen Pick-up, auf dessen Ladefl\u00e4che schon ein Backpacker-P\u00e4rchen sitzt. Unser Gep\u00e4ck kommt dazu und wir nehmen zusammen mit Vanessa auf dem R\u00fccksitz Platz. Vorsichtig lenkt Axel das Fahrzeug \u00fcber die l\u00f6chrige Br\u00fccke und tritt dann geh\u00f6rig aufs Gaspedal. Unglaublich, in welcher Geschwindigkeit er diese holprige und kurvenreiche Strecke f\u00e4hrt. \u201eWie ein Ralley-Fahrer,\u201c meint Klaus und damit hat er Recht, Axel ist einer. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach 10 Kilometern klettern die Mitfahrer in Lanquin leicht gr\u00fcn im Gesicht von der Ladefl\u00e4che. F\u00fcr uns geht es weiter. Nach ungef\u00e4hr 30 Kilometern treffen wir wieder auf eine befestigte Stra\u00dfe. Man wei\u00df gar nicht, ob man nach links oder rechts schauen soll, wieder ist die Landschaft unglaublich sch\u00f6n. <\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Auf Emas Bitte hin h\u00e4lt Axel einige Male an. Wir werden auf Kaffeeplantagen aufmerksam gemacht. Ema zeigt uns eine Kardamomanpflanzung. Guatemala ist der gr\u00f6\u00dfte Exporteur dieses dritt-teuersten Gew\u00fcrzes weltweit. Nicht nur in der indischen und skandinavischen K\u00fcche wird es verwendet, auch im medizinischen Bereich sind die Wirkstoffe f\u00fcr eine Vielzahl von Erkrankungen hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Cahab\u00f3n-Fluss, an dem wir uns die letzten Tage aufgehalten haben, begleitet uns weiter in Richtung Cob\u00e1n. Einige Staud\u00e4mme wurden in den letzten Jahren gebaut, um den gr\u00f6\u00dfer werdenden Bedarf an elektrischem Strom zu sichern. <\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>In San Pedro Carch\u00e1 ist gerade Markt. Als Axel merkt, dass Vanessa und ich fotografieren, dreht er noch mal eine Runde durch die Innenstadt. Die lebhafte Kleinstadt ist ein Handelszentrum f\u00fcr Kaffee, Kardamom und Gem\u00fcse, das von den Maya im weiten Umland angebaut wird. Einen besonderen Namen hat sich die Stadt in der Silberverarbeitung gemacht. Zehn Minuten sp\u00e4ter sind wir in Cob\u00e1n und bei Axels Firma angekommen. Er begibt sich sofort an die Arbeit und Ema bringt uns zum Hotel. Aber vorher zeigt sie uns ihr Projekt. <\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Auf einem h\u00fcgeligen Grundst\u00fcck am Stadtrand entsteht eine kleine Lodge. Die zuk\u00fcnftigen G\u00e4ste werden in gro\u00dfen alten Weinf\u00e4ssern \u00fcbernachten. Drei wurden schon aufgestellt davor eine h\u00f6lzerne Plattform, zur Zeit noch ohne Gel\u00e4nder. Das sowie ein Badezimmer pro Fass wird in n\u00e4chster Zeit angebaut werden. Das n\u00f6tige Wasser muss von einer tiefer liegenden Quelle hochgepumpt werden. Drei weitere F\u00e4sser sollen folgen. Die Lage ist wundersch\u00f6n, die Idee originell, wir dr\u00fccken die Daumen, dass das Projekt ein Erfolg wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor wir zu unserem Hotel kommen, zeigt Ema uns noch die wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten von Cob\u00e1n. Ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit haben wir bestimmt der Tatsache zu verdanken, dass sie einen deutschen Gro\u00dfvater hat, der in den 1920er Jahren mit der zweiten Einwanderungswelle aus Konstanz gekommen ist. Aus seiner Ehe mit einer Einheimischen gingen 15 S\u00f6hne hervor. Ob die \u00e4hnlich vermehrungsfreudig waren, wissen wir nicht, aber Ema hat viele Verwandte. Der Metzger, der Wurst nach deutschem Rezept herstellt, ist ein Cousin, die Besitzerin eines empfohlenen Restaurants eine Cousine. W\u00e4hrend der Rundfahrt deutet sie nach links und rechts und erw\u00e4hnt weitere Angeh\u00f6rige der Gro\u00dffamilie.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bedanken uns herzlich f\u00fcr die Mitnahme und tauschen Telefonnummern aus. Irgendwann will Ema nach Deutschland kommen und sich bei uns melden.<\/p>\n\n\n\n<p>Cob\u00e1n, die Stadt mit ungef\u00e4hr 100.000 Einwohnern, hat gem\u00e4\u00df einem bekannten Reisef\u00fchrer so gar nichts zu bieten. Das ist uns nur recht. Wir sind ja nicht nur unterwegs, um die Sehensw\u00fcrdigkeiten abzuhaken, uns interessiert vielmehr das normale Leben der Menschen. In Cob\u00e1n gibt es eine deutsche Gemeinde. Schon im fr\u00fchen 19. Jahrhundert sind viele Deutsche nach Guatemala ausgewandert. Da die Gegend um die Stadt ideale Bedingungen f\u00fcr den Kaffeeanbau bietet, lie\u00df die Gr\u00fcndung der ersten Plantagen nicht lange auf sich warten. Die dort lebenden Maya wurden kurzerhand vertrieben oder durften auf dem in Besitz genommenen Land als Arbeitskr\u00e4fte bleiben. Der evangelische Pfarrer Otto Langmann war so begeistert vom Nationalsozialismus in seinem Heimatland, dass auf seine Initiative&nbsp;hin die NSDAP-AO gegr\u00fcndet wurde. Nicht alle Mitglieder der deutschen Kolonie lie\u00dfen sich davon anstecken, eine Spaltung schien unabwendbar. In den USA verfolgte man diese Entwicklung mit zunehmender Nervosit\u00e4t und setzte letztendlich ab 1942 die Regierung des Landes unter Druck, die Deutschen auszuweisen. Das kleine Guatemala \u2013 abh\u00e4ngig von der finanzstarken Gro\u00dfmacht \u2013 hatte nicht die M\u00f6glichkeit, sich dagegen zu wehren. Viele der Ausgewiesenen landeten in den USA und wurden zu einem wertvollen Pfand im Gefangenenaustausch. Nach Ende des zweiten Weltkrieges kehrten die meisten zur\u00fcck. Noch heute ist ein gro\u00dfer Teil des Kaffeeanbaus fest in den H\u00e4nden der Nachkommen jener Deutschen und deren Namen finden sich an Gesch\u00e4ften und auf Produkten. Immerhin hat der Pioniergeist unserer Landsleute Guatemala zu einem Kaffeeexporteur gemacht, der f\u00fcr seine hohe Qualit\u00e4t bekannt ist. Trotzdem ger\u00e4t man beim Trinken des in den Lokalen angebotenen Kaffees nicht gerade in Verz\u00fcckung. F\u00fcr unseren Geschmack ist er einfach zu d\u00fcnn.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Ankunft schauen wir uns die Innenstadt mit einem modernen Einkaufszentrum an. Ich freue mich dar\u00fcber, dass hier kaum international bekannte Marken vertreten sind. Trotzdem gibt es alles, tolle Schuhe, Mode, Elektroartikel usw. Der Fris\u00f6r hier kommt mir sehr gelegen, es gibt kaum Damenfris\u00f6re. Die Mayafrauen tragen die Haare alle lang. So fragt die junge Frau auch zweimal nach, ob sie wirklich eine Handbreit von meiner Haarl\u00e4nge abschneiden soll. <\/p>\n\n\n\n<p>Die geplanten zwei Tage hier m\u00fcssen wir verl\u00e4ngern, Klaus hat vermutlich durch Streetfood eine Salmonellenvergiftung und kann sich nicht weiter als 5 Meter von der Toilette entfernen. Auch Vanessa geht es nicht so gut, sie f\u00fchlt sich grippig und so verschieben wir den Weg auf den Kalvarienberg auf den n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Und wirklich, beiden Patienten geht es besser. Klaus und ich laufen zum Parque Central, an dem sich auch das B\u00fcro der Landesregierung befindet. Links davon steht die Kathedrale Santo Domingo, eine relativ schmucklose gro\u00dfe Kirche. Dass die B\u00e4nke hochkant stehen, verbl\u00fcfft uns auf den ersten Blick, aber vermutlich ist Gro\u00dfreinemachen angesagt. Schlie\u00dflich ist in wenigen Wochen Ostern und dieses Fest ist in vielen L\u00e4ndern Lateinamerikas wichtiger als Weihnachten. <\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Gleich um die Ecke beginnt der Obst und Gem\u00fcsemarkt. Immer wieder faszinieren uns die Bauernm\u00e4rkte, wo Mayafrauen in ihrer Tracht Erzeugnisse aus dem Garten verkaufen. Manche sitzen mit zwei K\u00f6rben Tomaten hier, andere haben verschiedene Ernteertr\u00e4ge im Angebot.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone size-full wp-image-6647\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/mit140umdiewelt.files.wordpress.com\/2019\/04\/p1010989-kopie.jpg\" alt=\"P1010989 - Kopie\" class=\"wp-image-6647\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><span style=\"display: inline !important; float: none; background-color: rgb(255, 255, 255); color: rgb(44, 51, 56); cursor: text; font-family: &quot;Noto Serif&quot;,Georgia,&quot;Times New Roman&quot;,Times,serif; font-size: 16px; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: 400; letter-spacing: normal; line-height: 1.2em; orphans: 2; text-align: left; text-decoration: none; text-indent: 0px; text-transform: none; -webkit-text-stroke-width: 0px; white-space: normal; word-spacing: 0px;\"> kleine St\u00e4rkung nach der Schule<\/span><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck laufen wir die steile Stra\u00dfe hinab und landen in dem Teil des Marktes, wo Kleidung und Haushaltsgegenst\u00e4nde verkauft werden. Niemand versucht uns etwas zu verkaufen, daran merken wir, dass Touristen sich selten hier aufhalten.<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>irgendwie m\u00fcssen die Eink\u00e4ufe transportiert werden<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter treffen wir uns mit Vanessa am Fu\u00df des Kalvarienberges und laufen gemeinsam die Treppe hoch. Hier wird an der Versch\u00f6nerung gearbeitet, die Mauern werden frisch gewei\u00dft, und in der Kirche stehen die Figuren bereit, die w\u00e4hrend der Osterprozession herumgetragen werden.<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<p>Abends gehen wir noch einmal zusammen zum Essen, dann trennen sich unsere Wege. Aber heute Abend muss die Spezialit\u00e4t Cob\u00e1ns auf den Tisch: Caq-ik \u2013 eine Suppe aus Gefl\u00fcgelbr\u00fche, Tomaten, Chili und vielen Gew\u00fcrzen, die mit einem sehr gro\u00dfen St\u00fcck Putenfleisch, Reis und Tamales (in Maisbl\u00e4ttern gegarter Maisbrei) auf den Tisch kommt. Morgen fahren wir nach Antigua, w\u00e4hrend Vanessa nach Nebay f\u00e4hrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer \u00e4lteren Version verlinkt) Es ist nach acht Uhr am Morgen und w\u00e4hrend wir auf das nette Ehepaar warten, das uns heute nach Cob\u00e1n mitnehmen will, beobachten wir Montezumastirnv\u00f6gel. In den hohen B\u00e4umen h\u00e4ngen viele ca. einen Meter lange gewebte Nester. 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