Guadalajara und der Chapalasee (Mexiko)

Um 15 Uhr Ortszeit landen wir in Los Angeles. Herrlich, es ist ungefähr 26 Grad warm. Zum Genießen sind wir jedoch zu müde und sinken im Hotel gleich aufs Bett, Schlaf nachholen. Da unser Flug nach Mexiko erst am nächsten Abend um 21.30 startet, deponieren wir am morgens unser Gepäck im Hotel und lassen uns an den nahe gelegenen  Strand von  Hermosa-Beach fahren.

Vor dem Pier sind Marktstände mit Kleidung, Schmuck und Lebensmitteln aufgebaut, im Wasser versuchen sich die Surfer und am Strand haben sich die Sonnenanbeter ihren Platz gesucht. Der richtige Tag um auf der Strandpromenade spazieren zu gehen und die vielen schönen Häuser zu bewundern. Ab und zu hört man aus Lokalen das Gejohle der Fußballfans, die beim Spiel um den dritten Platz bei der diesjährigen Weltmeisterschaft mitfiebern.
Unser Flug startet ohne Verzögerung, so dass wir nach drei Stunden Flugzeit (Zeitverschiebung + 2 Stunden) um 1.30 Uhr Ortszeit in Guadalajara landen. Die Zufahrt zum Hotel ist mit einer Schranke gesichert, zusätzlich steht ein Wachmann mit Maschinenpistole daneben. Der Taxifahrer muss seine Papiere vorweisen, für uns interessieren sich die grimmig dreinblickenden Herren nicht. Erst nachdem sie mit der erhaltenen Auskunft zufrieden sind, wird die Schranke geöffnet und das Auto schraubt sich in weiten Kurven eine gepflasterte Straße hoch bis zu einem ausgedehnten Hotelkomplex im Hacienda-Stil. Um drei Uhr sind wir endlich in unserem riesengroßen Zimmer mit Holzbalkendecke, schweren Möbeln und ausladendem Bett.
An Schlaf ist nicht zu denken, wir sind noch zu aufgekratzt, und schauen vom Balkon auf die unter uns liegende hell erleuchtete Stadt, die auf 1.500 Meter Meereshöhe liegt. Auch mitten in der Nacht herrscht in dieser Stadt keine Ruhe, die Straßen sind voller Autos, in irgendeiner Fabrik wird lautstark gearbeitet, kurzum es brummt wie in einem Bienenstock. Das Frühstück verschlafen wir und später zwingt uns ein heftiges Gewitter zurück ins Zimmer. Am nächsten Tag ziehen wir um in ein Hotel in der Innenstadt.
Die Innenstadt von Guadalajara, der zweitgrößten Stadt in Mexiko und Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco, ist eine einzige Baustelle. Man ist dabei, die existierenden zwei U-Bahnlinien um eine dritte zu erweitern. Und die braucht diese Stadt dringend, der Autoverkehr kommt mit schöner Regelmäßigkeit zum Erliegen.

Die Altstadt im Kolonialstil ist erstaunlich groß und hat viele schöne Kirchen und Gebäude, dazwischen aber unzählige Lokale und Geschäfte jeglicher Art. Hier ist ein Leben und Treiben, dass man sich verwundert die Augen reibt. Niemand scheint es eilig zu haben.
DSC08314Vor dem Cordoba Portal treibt ein Clown sein Unwesen und die Menschentraube um ihn herum ist ein dankbares Publikum, das seine derben Späße mit schallendem Gelächter belohnt.
Bis in den späten Abend sind Familien mit Kindern vom Neugeborenen (fast immer auf dem Arm, wir sehen kaum mal einen Kinderwagen) bis zum Teenager unterwegs.

Während einer Stadtrundfahrt fällt uns eins besonders auf, Stubenhocker sind die Mexikaner keinesfalls, überall in der Stadt sitzen sie auf Bänken, in Lokalen, auf Treppenstufen. Immer erklingt irgendwo Musik, und häufig ergreifen einzelne Paare die Gelegenheit zu einem Tänzchen auf der Straße. Es wirkt alles so fröhlich und unbeschwert, man kann das überhaupt nicht mit den Beschreibungen von der Gefährlichkeit in diesem Land in Verbindung bringen.

Auf der Plaza de Liberacion hinter der Kathedrale stehen Zelte. Die Menschen feiern ihr Bundesland Jalisco mit Volkstänzen, Mariachi-Musik, mexikanischer Küche und Produkten aus der Region. Gegessen wird hier gern und oft, deshalb sind die meisten Mexikaner auch wohlgenährt, überaus wohlgenährt. Geschätzte 70 % der Erwachsenen schleppen zu viel Gewicht mit sich herum und mit 163 Litern pro Einwohner ist Mexiko Spitzenreiter im Cola-Konsum.
Jalisco ist einer der reichsten Bundesstaaten Mexikos, hier gibt es sowohl Bodenschätze als auch eine florierende Wirtschaft. Dazu trägt auch der weltweit bekannte Tequila bei. Wir sind neugierig auf die wohlhabende Stadt und fahren mit dem öffentlichen Bus ins 50 Kilometer entfernte Städtchen Tequila.

Schon etliche Kilometer vorher sehen wir links und rechts die Felder mit den bläulich schimmernden Weber-Agaven. Mal sind sie ordentlich in Reih und Glied gepflanzt und kein Hälmchen Unkraut wagt sich hervor, dann wieder nimmt man es nicht so genau, zwischen den piksenden Stauden wächst Gras, davon wiederum ernähren sich die dort weidenden Kühe. Einige Felder sind auch bereits abgeerntet, nur die lanzenförmigen Blätter liegen noch auf dem Feld; denn für den Schnaps braucht man nur das Herz auch Piña genannt. Acht bis neun Jahre müssen die Agaven alt sein, bevor das Herz die richtige Größe hat. Danach entsteht in einem langwierigen Prozess aus Kochen, Pressen, Gären und Brennen der weltbekannte Agavenschnaps. In der Stadt liegt ein eigenartiger Geruch in der Luft, er kommt aus den Schornsteinen der vielen Brennereien.

Im historischen Teil des Ortes stehen entlang einer begrünten Straße die Prachtbauten. Die älteste Brennerei Cuervo (Rabe) hat den Vogel als Markenzeichen. In einem großen Bauer im Hof des prachtvollen Gebäudes sitzt ein lebendiges Exemplar. Ein übermannshohes Exemplar steht in der Nähe.
Tequila-Touren sind bei in- und ausländischen Touristen beliebt. Innerhalb der Stadt fahren Busse in Form von Tequila-Flaschen oder auch großen Peperonis (?) herum. Als wir zurück zur Busstation laufen dröhnt uns aus einem der Ausflugsbusse grölendes Gelalle entgegen. Der Busfahrer steht neben seinem Gefährt und sieht unbeteiligt zu, wie seine Passagiere versuchen in den Bus zu gelangen.
Es ist zehn Uhr und bereits dunkel, als uns der Busfahrer in der Nähe des alten Busbahnhofs in Guadalajara aussteigen lässt. Die anderen ausgestiegenen Passagiere zerstreuen sich sofort in alle Winde. Wir stehen noch dort, Klaus bestellt ein Taxi und verfolgt auf dem Display seines Handys dessen Route, als wie aus dem Nichts ein dunkler Schatten hinter uns auftaucht. Ein dunkel gekleideter Mann auf unbeleuchtetem Fahrrad rast auf uns zu, reißt Klaus das Handy aus der Hand und ist auch schon verschwunden. Wir sind im ersten Moment wie gelähmt. Nachdem uns unser Taxi ins Hotel gebracht hat, bestellen wir auf den Schreck unseren ersten Tequila. Die Kellner sind voller Mitgefühl und bitten uns, bloß nicht schlecht von den Mexikanern zu denken, die meisten wären nicht so. In dieser Nacht schmiede ich finstere Rachepläne gegen unbekannt.
Was jetzt alles zu tun ist, dauert Tage. Neues Handy kaufen und einrichten, für verschiedene Zugänge neue Passwörter anlegen. Mein mit dem geraubten Mobiltelefon synchronisiertes Handy ist plötzlich auf Werkseinstellung zurückgesetzt, der Kalender mit allen Informationen unserer Reise gelöscht. Zu allem Übel haben wir unter der Anspannung durch Falscheingabe den Zugang zum Konto gesperrt, jetzt hilft nur noch ein Telefongespräch mit der Bank in Deutschland. Wir sind froh, als wir am Nachmittag Guadalajara verlassen können. In Ajijic, einer kleinen Stadt am Chapalasee, dem größten Binnensee Mexikos, wollen wir ein paar Tage bleiben.
Ajijic ist ein kleines Juwel, das haben vor uns schon viele kanadische und amerikanische und auch ein paar europäische Rentner entdeckt. Deshalb sind hier auf die engen Straßen fast mehr ausländische als einheimische Menschen zu finden.

In den Straßen, die vom Kirchplatz abgehen, sind die Häuser bunt angestrichen und mit farbenfrohen Gemälden verziert. Auch auf Masten und Baumstämmen sind die bunten Bilder zu finden. Die Straßen sind bis auf die Durchgangsstraße mit unterschiedlich großen Steinen gepflastert. Manche Straßen haben Bürgersteige, aber wenn man auf der Straße läuft, muss man höllisch aufpassen, nicht umzuknicken. Beinahe jedes Haus auf der zum See führenden Straße hat entweder einen kleinen Lebensmittel- oder Getränkeladen; eine Mode- oder Schmuckboutique, eine Galerie oder ein Lokal. Vom Ufer aus ist eine gemauerte Plattform in den See hineingebaut.
Zum Baden lädt der Chapalasee nicht ein, Wasserhyazinthen treiben an der Oberfläche und das Wasser ist trübe. Guadalajara deckt einen großen Teil seines Bedarf an Trinkwasser aus dem Zulauf und das fehlt dem See. Außerdem hat er unter der Einleitung von Nährstoffen(Nitrate) zu leiden, was eine starke Veralgung mit sich bringt. Ein paar halbherzige Versuche, die Menschen für die Problematik zu interessieren, sind zwar unternommen worden, zeigen aber noch keine deutliche Besserung. Gefischt wird hier allerdings nach wie vor. Aber vor allem hat das Gebiet rund um den See ein hervorragendes Klima.
Es gefällt uns hier, und wir verlängern unseren Aufenthalt noch um eine Woche. Unser erstes Hotel ist übers Wochenende ausgebucht, wir finden im drei Kilometer entfernten San Antonio ein Bed and Breakfast bei einem österreichisch/mexikanischen Künstlerpaar.

Thomas und Luz sind beide sehr talentierte Maler. Zur Zeit kommen sie allerdings selten dazu, neue Bilder zu malen. Die beiden kleinen Söhne fordern ihre Aufmerksamkeit beinahe pausenlos. Und die Unterbringung und Bewirtung der Gäste läuft auch nicht von allein. Der vierjährige Max hat schon die Anlage zum künftigen Naturforscher. Er sammelt Raupen und und beobachtet täglich, wie sie fressen, sich verpuppen und zum Schmetterling werden. Der vier Monate alte Theo hat noch keine anderen Interessen, als so oft wie möglich auf Mamas oder Papas Arm zu sein. Als wir am Sonntag abreisen, können wir nicht widerstehen und kaufen zwei Bilder von Luz. Hoffentlich bringen wir die unbeschädigt mit nach Deutschland.
Die nächsten fünf Tage haben wir ein kleines Häuschen bei einem amerikanischen Ehepaar gemietet. Vor zwei Jahren haben sie ihre Zelte in Virginia abgebrochen und freuen sich jeden Tag aufs Neue über die Entscheidung nach Mexiko zu ziehen.
Das Haus zu finden ist allerdings nicht einfach. Wir haben eine Adresse mit der Hausnummer 219A. Die findet sich schließlich zwischen den Häusern 86 und 89A. Wann immer wir in den nächsten Tagen nach einer bestimmten Adresse suchen, dasselbe Phänomen. Es gibt einfach keine fortlaufenden Hausnummern. Wie das zustande kommt, konnte uns niemand erklären.

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die Bäume werden zu Rechtecken gestutzt, damit Busse und LKWs besser durchkommen

Während wir hier sind, lässt unser Vermieter den Bürgersteig machen. Hier sind die Hausbesitzer dafür verantwortlich. Deshalb gibt es auch keine durchgängig breiten, hohen oder gestalteten Bürgersteige. Wir sehen die unterschiedlichsten Varianten: Mit Platten belegt, in Zement gegossen mit oder ohne Verzierungen, mit Steinen gepflastert, dazwischen auch große und kleine Obsidian-Klumpen (Vulkanglas). Die Zufahrten in die Höfe sind manchmal wie eine Berg- und Talbahn.
In den schmalen Straßen und Gassen sind Autos unterwegs, die bestimmt schon 40 Jahre auf dem Buckel haben, darunter viele VW Käfer. Plötzlich ist Pferdegetrappel zu hören. Ganz selbstverständlich sind Männer hier noch mit oder ohne Sattel zu Pferd unterwegs. Gespannt beobachten wir einen kleinen LKW, der versucht auf der schmalen Straße weiter zu kommen. Links die geparkten PKW, rechts ein Betonmast. Praktischerweise hat dieser in 2 Metern Höhe schon eine Einkerbung und der LKW ist an dieser Stelle verschrammt und eingebeult. Dass beide in derselben Farbe lackiert, bzw. gestrichen sind, ist wahrscheinlich Zufall. Als die Engstelle unter lauten Schabegeräuschen passiert wird und der PKW unversehrt bleibt obwohl kein Blatt dazwischen passt, atmen die Zuschauer erleichtert auf.
In vielen Lokalen wird abends von 6 bis 8 Uhr Musik gemacht. Wir hören in verschiedenen Restaurants eine mexikanische Band mit moderner, eine andere mit traditioneller Musik.
DSC08568Einen Abend tritt ein amerikanisches Paar mit Gesang und Gitarrenmusik auf. Mexikaner sucht man hier auch vergebens. In Mexiko geht man früh zum Essen, denn um neun Uhr ist in den Küchen Schluss. Um zehn Uhr werden Tische und Stühle reingeräumt, dann wird es leer auf den Straßen. In der Großstadt gibt es natürlich Ausnahmen, aber früh gegessen wird auch hier.
Am letzten Abend laden uns unsere Gastgeber Herb und Susan zum Essen in ihr Haus ein. Susan ist eine hervorragende Köchin und verwöhnt uns mit Meeresfrüchten. Wir haben einen so schönen Abend mit diesen beiden netten Menschen, jetzt fällt uns der Abschied von Ajijic noch schwerer.

Hundertwasser, Glühwürmchen und Auckland (Neuseeland)

Kalt war es heute Nacht, die Bäume sehen am Morgen aus, als seien sie schneebedeckt, aber es ist Rauhreif.

Wir fahren an die Ostküste in die Stadt Tauranga und anschließend zum auf einer Halbinsel gelegenen Mount Manganui. Bei Temperaturen um die 10 Grad und herrlichem Sonnenschein sind viele Menschen am beliebten Strandabschnitt unterwegs oder besuchen das Thermalbad mit seinen heißen Quellen. Wir fahren an der Küste auf die Coromandel Halbinsel. Als wir merken, dass die Straße wieder sehr kurvenreich wird und damit viel Zeit beansprucht, entschließen wir uns nicht bis Coromandel sondern auf dem schnellsten Weg an Auckland vorbei nach Norden zu fahren. Es sind über 300 Kilometer, die wir bis Mangawhai zurücklegen, und die letzten Kilometer fahren wir in der Dunkelheit. Es ist nicht einfach, im Dunklen den richtigen Stellplatz in den Caravan-Parks zu finden. Um ein Haar wären wir dieses Mal im aufgeweichten Boden stecken geblieben.

Morgens laufen wir noch zwei Stunden am herrlichen Strand entlang und fahren dann weiter nach Whangarei. Eine hübsche Stadt an einer Meeresbucht.

Wir schlendern am Hafen mit beeindruckenden Yachten vorbei. Eine Baustelle erregt unsere Aufmerksamkeit. Hier entsteht gerade ein Gebäude im Hundertwasserstil, in dem Kunstwerke der Maori und natürlich auch seine Werke ausgestellt werden sollen. Der österreichische Künstler hat sich in den 70er Jahren eine Farm in der Nähe gekauft, auf der er auch seine letzte Ruhe fand. Die Neuseeländer wussten lange Zeit nicht, wer da bei ihnen lebte und haben ihn außer beim Bau einer städtischen Toilettenanlage in Kawakawa nicht zum Zuge kommen lassen. Jetzt wird sein Stil heftig kopiert, mal gelungen, mal eher nicht. Der Eingangsbereich zum zukünftigen Museum ist bereits fertiggestellt.

Im Uhrenmuseum treffen wir eine Dänin, die vor 18 Jahren mit ihrem Mann nach Neuseeland ausgewandert ist. Außer ihrer Arbeit im Museum ist Anne auch als Fremdenführerin tätig und hat für uns auch gleich ein paar Ausflugstipps. Wir unterhalten uns eine Weile über Maoris und Europäer (die anderen Einwohner Neuseelands), dann muss sie sich einer Besuchergruppe widmen und wir nehmen uns ihren ersten Tipp, die Whangarei Heads – Berge mit ausgeprägten Zacken – vor.

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Am nächsten Morgen fahren wir zu den Abbey Caves. Millionen von Glühwürmchen leben in diesen Höhlen. Sie sitzen an Höhlendecke und -wänden. Die Weibchen sondern klebrige Fäden ab. Durch das Licht angelockte Insekten bleiben hängen und werden verspeist. Auch die kleineren Männchen orientieren sich am Licht. Sie haben nach dem Larvenstadium weder Fress- noch Verdauungsorgane und sterben nach drei Tagen, in denen sie für Nachwuchs sorgen. Der Weg zu den Höhlen geht ständig bergab, an faszinierenden Bäumen vorbei. Der Abstieg zur ersten Höhle führt einige Meter ziemlich steil über spitze und nasse Felsbrocken zu einer eineinhalb Meter hohen Öffnung. Nur zu zweit und ohne Führer ist uns das einfach zu gefährlich. Wir wissen nicht, wie es da unten in der Finsternis bis zu den Glühwürmchen weitergeht, alles ist rutschig von vorangegangenen Regenfällen. Die beiden anderen Höhlen wirken auch nicht sehr Vertrauen erweckend, so bleibt es bei einem Rundweg auf matschigen Wegen über Viehweiden, zwischen Felsen mit schöner Aussicht in die Landschaft.

Anschließend fahren wir nach Kawakawa. Die einzige Sehenswürdigkeit der Kleinstadt ist tatsächlich die öffentliche Hundertwasser-Toilettenanlage.

Die Benutzung ist kostenlos und trotzdem ist alles sauber und gepflegt. An den umliegenden Lokalen wurde auch einiges gehundertwassert. Wenn Friedensreich das sehen könnte. Eine Kuriosität ist die Eisenbahn. Die Schienen verlaufen in der Mitte der Hauptstraße durch den Ort. Inzwischen werden sie aber nur am Wochenende  von einer Museumsbahn befahren,

Wir fahren über eine Straße mit vielen Abbruchstellen weiter nach Paihia und von dort Richtung Westküste.

Die Fahrt durch den Waipoua Nationalpark mit seinen Kauribäumen ist wieder traumhaft schön. Der Caravan Park am Rande des Trounson Parks ist selbst eine Sehenswürdigkeit. Zwanzig verschiedene Baumarten wachsen hier und unterhalb der Flussbrücke können wir in der Dunkelheit dann doch noch unsere Glühwürmchen sehen. Leicht grünlich schimmert ihr Licht. Es gibt auch welche, die blau oder pink leuchten.

Vor Betreten des Trounson Parks müssen wir unsere Schuhe desinfizieren und gründlich abbürsten. Die mächtigen Kauribäume haben eine Schwachstelle, ihr dicht unter der Erdoberfläche verlaufendes Wurzelwerk. Das Gewicht eines Menschen kann die zarten und zerbrechlichen Versorgungswurzeln dauerhaft so schädigen und mit Pilzsporen infizieren, dass der Baum abstirbt. Deshalb ist der Rundweg durch den Park ein höher gelegter Holzsteg. Das gut zu verarbeitende, in einem warmen Rotton schimmernde Holz wurde in der Vergangenheit für Haus- und Schiffbau verwendet. Heute stehen Kauribäume unter strengem Schutz. Nur Maoris dürfen diese Bäume auf Antrag fällen, wenn daraus traditionelle Kunstgegenstände geschnitzt werden. Das Harz der Bäume sieht aus wie Bernstein und wird zu Schmuckstücken verarbeitet.

Den letzten Abend im Camper verbringen wir in Orewa, einer schönen Stadt an der Hibiskus-Küste, beliebter Ausflugsort für die Auckländer. Und dann ist die Zeit mit unserem Camper auch schon zu Ende. Eine Chorfreundin gab mir den guten Rat mit auf die Reise: „Egal, wie lange ihr in Neuseeland bleiben wollt, plant eine Woche länger ein.“ Haben wir gemacht Moni, es wurden fünf statt vier Wochen, aber es reicht nicht. Wahrscheinlich reicht es nie. Am Freitag geben wir unseren Camper nach 32 Tagen zurück. Wir sind 5.400 Kilometer gefahren und haben 590 Liter Diesel verbraucht. Dafür wird jetzt noch eine Dieselsteuer fällig: 6,22 $ pro 100 gefahrene Kilometer.

Jetzt haben wir noch vier Tage in Auckland. Wir haben ein kleines Appartement in einer hauptsächlich von Studenten bewohnten Anlage gemietet. Manche registrieren erstaunt die älteren Besucher und fragen, wo wir herkommen.

Die Millionenstadt Auckland liegt auf einem Feld mit 53 erloschenen Vulkanen. Wir sind auf keiner Straße gelaufen, die keine Erhebung hat. Irgendwo geht es immer bergauf. Das Straßenbild ist multikulturell, die Restaurants sind zu mindestens 80 % asiatisch. Auch die Menschen auf der Straße stammen in großer Zahl von diesem Kontinent und die Bewohner und Besucher sind überwiegend jung. Universität und Fachhochschulen haben einen Großteil hierher gelockt.

In der Innenstadt ist auf einem Platz vor dem Theater eine überdachte Eisfläche. Egal zu welcher Tageszeit wir hier vorbei kommen, immer sind begeisterte Menschen auf dem Eis. In einigen Lokalen werden jetzt „Weihnachtsmenüs“ angeboten. Nur in der kalten Jahreszeit schmecken gebratene Gänse und Puten richtig gut.

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Am Hafen ist der Rumpf eines Segelschiffes in der Klasse des Amerika-Cup zu bewundern. Solche Boote haben wir schon im Fernsehen gesehen, aber die Länge von 42 Metern wirkt noch viel beeindruckender, wenn man darunter steht.

Sonntag laufen wir durch einen Park ins Museum. Der Eintritt ist für die Einwohner der Stadt kostenlos, Neuseeländer zahlen einen geringen Betrag und ausländische Touristen 25 $. Viele Familien sind mit ihren Kindern hier, vom Baby bis zum Teenager ist jede Altersgruppe vertreten. Im ersten Stock ist ein Kinderbereich mit eigenen Exponaten, Experimenten und Betreuung.

Wir staunen über die Kunstfertigkeit, mit der die Menschen aus Polynesien praktische und schmückende Gegenstände aus Naturmaterialien hergestellt haben. Muscheln, Kokosnussschalen, Wal- und Haifischzähne und die Fasern vieler Pflanzen wurden verarbeitet. Bauwerke der Maori mit filigranen Schnitzereien sind zu sehen. Boote mit ihren aus Pflanzenfasern gewebten Segeln, die zum fischen und Handel treiben genutzt wurden sind zu sehen. Eine ganze Abteilung ist den Vulkanen gewidmet. In einem Häuschen wird alle zwölf Minuten ein virtueller Vulkanausbruch gezeigt, passend dazu bebt das Haus. Die anwesenden Kinder lachen noch bei den ersten leichten Stößen, aber als die Geräusche lauter und die Bewegungen heftiger werden, flüchten sich einige doch auf den Schoß der Eltern. Das Schlussbild zeigt einen Stadtteil, nachdem sich die pyroklastische Wolke verzogen hat. Außer Asche ist da kaum noch etwas, so ähnlich muss es in Pompeji gewesen sein.

komische Vögel

In der Innenstadt reiht sich Geschäft an Geschäft, aber ein Shopping-Center gibt es hier nicht. Internationale Luxusmarken sind hier auch vertreten, aber größtenteils findet man Marken, die bei uns unbekannt sind. Wir stöbern eine Weile in einem japanischen Geschäft herum. Das Angebot reicht von A wie Augenbrauenstift bis Z wie Zwiebelschneider. Interessant, was in anderen Ländern für Utensilien in der Küche verwendet werden und welche Schreibmaterialien und Schönheitsartikel es gibt. Besonders gefallen hat mir ein selbstklebender „Teppichboden“ in Form einer Toilettenbrille. Gut für die Hocker, aber was machen die Sitzer?

Am Dienstag, dem 10. 7. lassen wir uns um 16 Uhr zum Flughafen fahren. Hier verläuft die Abfertigung ganz anders als bisher gesehen. An vielen Terminals drucken sich die Fluggäste ihre Bordkarte und Gepäckaufkleber selbst aus, marschieren damit zum Schalter und legen nur noch ihre Koffer auf das Transportband. Ein Stück weiter schiebt man seinen Pass in den Scanner, schaut unbeweglich in die Kamera und dann öffnen sich die Türen zur Sicherheitskontrolle, die noch von echten Menschen vorgenommen wird.

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unsere Route auf der Nordinsel

Unser Flugzeug, ein Dreamliner, steht schon auf dem Rollfeld, als wir informiert werden, dass wir nochmal zurück zum Rüssel fahren. Es steigen noch ein paar Passagiere zu (scheinbar VIPs) und dann startet unser zwölfstündiger Flug nach Los Angeles mit zwei Stunden Verspätung um 21.30 Uhr. Ich kann in Flugzeugen kaum schlafen, aber es gibt 92 Filme in deutscher Sprache zur Auswahl, vier schaue ich mir in dieser Nacht – die es eigentlich gar nicht gibt – an. Wir überfliegen die Datumsgrenze und kommen am Dienstag, dem 10. 7. um 15 Uhr, also noch vor unserer gestrigen Abflugzeit in Auckland, in LA an.

Vulkane und heiße Quellen (Neuseeland)

Als wir Wellington erreichen ist es schon dunkel und wir fahren auf dem schnellsten Weg zu einem Caravan-Park. Am nächsten Tag haben wir mal wieder einen Werkstatt-Termin und hier – in der Hauptstadt – bekommen wir einen nagelneuen Kühlschrank. Während der eingebaut wird, gehen wir zum Einkaufen in einen Supermarkt in der Nähe. Danach wollen wir uns die Innenstadt anschauen. Doch wir finden keinen Parkplatz. Für die Parkhäuser ist das Auto zu hoch, für die Parkplätze zu lang. Nach etlichen Versuchen geben wir auf.

Noch eine Runde durch das Zentrum. Neuseeländer scheinen Frostschutzmittel im Blut zu haben, das Thermometer zeigt 8,5 Grad an, und wir sehen Menschen in Shorts und Trägertop. Sehr gerne werden auch Flip Flops an nackten Füßen, Shorts, Daunenjacke und Pudelmütze kombiniert. Die Schulkinder stemmen ihre nackten bläulichen Knie trotzig gegen den scharfen Wind.
Hier auf der Nordinsel herrscht viel mehr Verkehr, als auf der Südinsel. Vor allem der Bereich rund um die Hauptstadt ist dicht besiedelt. Erst nach rund 50 Kilometern lässt der Verkehr nach. Wir sind hungrig, aber nirgends ist ein Rastplatz zu finden. Kurz entschlossen biegen wir in ein Wohngebiet ab. Vor einem der schönen Häuser parken wir und verzehren unser Mittagessen. Das scheint niemanden zu stören, jedenfalls fordert uns niemand auf, unverzüglich weiter zu fahren. Heute geht es noch bis zur Stadt Wanganui zu einem Campingplatz am Whanganui-Fluss. Schön ist es hier am drittlängsten Fluss Neuseelands, aber länger als eine Nacht können wir nicht bleiben.
Am Morgen wollen wir zum Taranaki (Mount Egmont), dem im Westen gelegenen 2.518 Meter hohen Vulkan.

Malerisch erhebt sich der Spitzkegel schneebedeckt aus der Ebene. Wir fahren bis in den Nationalpark, je höher wir kommen umso mehr Schnee liegt links und rechts der Straße. Auf dem Parkplatz ist es stellenweise gefährlich glatt. Erstaunlich viele Autos sind hier und die Insassen haben offenbar die Absicht, den Berg ganz oder teilweise zu besteigen. Das ist nichts für uns, mit unseren Sportschuhen sind wir sowieso nicht richtig ausgestattet. Als ich auf einen Aushang im Fenster des geschlossenen Informationszentrum lese, dass es an diesem Berg schon 86 Tote gab, fühle ich mich ermuntert, schleunigst zum Auto zurückzukehren und dem Vulkan den Rücken zu kehren.
Wir nehmen in Strathford die 155 Kilometer lange Strecke über den „Vergessene Welt Highway“ durch herrliches Hügelland. Das Land ist sehr fruchtbar, es gibt genügend Niederschläge. Zaunpfähle und Strommasten haben ein Polster aus Moos und erwecken den Eindruck, als hätten sie wieder ausgeschlagen.

Die Berge sehen aus, als wären sie komplett mit grünem Velours überzogen. Wir müssen einfach immer wieder stehen bleiben und uns umschauen. An den weißen Tupfen auf dem leuchtenden Grün erkennt man Schafe, soweit das Auge reicht. Im Hintergrund der schneebedeckte Tarankai. In der Gegenrichtung drei weitere Vulkane im Tongariro Nationalpark, ebenfalls schon mit weißer Decke. Die Straße verläuft in einem Flusstal, manchmal sieht man links unten Eisenbahnschienen, die dann wieder im Tunnel verschwinden. Ein Teil der Strecke kann mit einer Draisine befahren werden. Mit ein paar hundert Dollar ist man dabei.
Elf Kilometer dieser Straße sind nicht asphaltiert. Es ist zwar die am wenigsten befahrene Straße Neuseelands, trotzdem sind heute erstaunlich viele Autos unterwegs. Selbst ein großer LKW mit Anhänger biegt hinter uns in die Straße ein. Als wir den engen Moki Tunnel durchfahren, der heute Hobbits Hole heißt, kann ich mir nicht vorstellen, dass solch ein großes Fahrzeug hier durchkommt. Irrtum, fünf Minuten später hat er uns eingeholt und wir lassen ihn an einer Haltebucht vorbeifahren. Eine Staubwolke verrät uns noch einige Zeit, wie weit er bereits gekommen ist. Gegen Abend erreichen wir am Ende der 155 Kilometer Taumarunui, hier bleiben wir heute Nacht.
In der Nähe liegt der Tongariro Nationalpark, sowohl Weltkultur- als auch Weltnaturerbe. Drei aktive Vulkane: Tongariro (1968 Meter), Ngauruhoe (2291 Meter) und Ruapehu (2797 Meter) sind Zentrum des Parks. Sie werden von den Maori als Heiligtum verehrt und es war ihr Bestreben, dieses Gebiet unter besonderen Schutz zu stellen. Am heutigen Tag geht der Schutz allerdings so weit, dass das ganze Gebiet in Wolken gehüllt ist. Wir fahren rund um den Park und sehen – nichts. Dabei wollten wir so gern den Schicksalsberg (Ngauruhoe) aus dem Film „Herr der Ringe“ in Natura sehen.
Und dann ist es der andere Vulkan, über den eine tragische Geschichte zu erzählen ist. Wir haben gerade das Städtchen Tangiwai hinter uns gelassen, als wir auf eine Gedenkstelle aufmerksam werden. Am Weihnachtsabend des Jahres 1953 brach der Ruapehu aus und sein Kratersee ergoss sich mit Schlamm- und Geröllmassen in den Whangaehu-Fluss. Die dort installierte Eisenbahnbrücke hielt den Massen nicht Stand und brach zusammen, kurz bevor der Nachtexpress Wellington – Auckland die Stelle erreichte. Ein Autofahrer versuchte zwar noch den Lokführer zu warnen, aber der konnte nicht mehr vor der Einsturzstelle anhalten. Mehrere Waggons stürzten in den Fluss und wurden mitgerissen. Dadurch verloren 151 Personen ihr Leben. Noch heute wird der Opfer gedacht. An jedem 24. Dezember verlangsamt der Zug auf der neu errichteten Brücke seine Fahrt und einer der Eisenbahner wirft einen Blumenstrauß in den Fluss.
Als wir am Ufer des größten Sees Neuseelands (Lake Taupo) auf die Stadt Taupo zufahren, sehen wir am Horizont Dampfwolken in den Himmel steigen. Am nächsten Tag haben wir Gelegenheit, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Taupo-See ist vulkanischen Ursprungs, er ist durch einen gigantischen Vulkanausbruch vor 26.500 Jahren entstanden. In der ganzen Gegend gibt es heiße Quellen, die auch in großen Geothermie-Anlagen zur Energiegewinnung genutzt werden. Wir fahren zum Thermalpark. Hier gibt es noch öffentlich zugängliche heiße Quellen.
DSC07925Eine Gruppe junger Menschen sitzt gemütlich im warmen Wasser, den gut gefüllten Bierkasten in Reichweite.
Am Ufer des Waikato Flusses verläuft ein Wanderweg bis zu den Huka Wasserfällen.

Am gegenüber liegenden Ufer werden gerade etliche Kajaks ausgeladen, eine Schulklasse hat heute einen Ausflug aufs Wasser. Immer wieder steigen kleine Dampfwolken aus dem breiten Fluss auf. Der Weg schlängelt sich durch einen herrlichen Wald. Nach vier Kilometern haben wir unser Ziel erreicht. Wir treffen auf viele Ausflügler, denn der Parkplatz ist nur 100 Meter entfernt. Mit 220.000 Litern pro Sekunde schießt das gletscherblaue Wasser des Waikato Fluss (der Abfluss des Lake Taupo) durch die Verengung von 100 auf 15 Meter Breite. Dahinter schäumt es und sieht aus wie ein Sahnesee. Ausflugsboote fahren bis in die Nähe des Wasserfalls, und machen im aufspritzenden Wasser unter dem Gekreische der Passagiere eine scharfe Kurve. Wir laufen unseren Wanderweg zurück, das Felsen-Bassin ist inzwischen von einer anderen Gruppe besetzt.
Durch den Geothermie-Park verläuft eine Straße, von der aus man links und rechts die dicken Edelstahlrohre sehen kann. Aus einigen zischt und qualmt es.

Von einem Aussichtspunkt können wir einen Teil der riesigen Anlage überblicken. Anschließend fahren wir weiter zu den Craters of the Moon (Mondkratern), einem abgetrennten Gebiet, dass man nach Zahlung von 8 $ pro Person durch den Kiosk betreten kann. Nachdem 1991 ein paar parkende Autos in dem Gelände eingebrochen sind, achtet man sehr auf Sicherheit. Zwischen Büschen und Sträuchern sind Holzstege verlegt, über die man gefahrlos zu den einzelnen Aussichtspunkten gelangt.

Die Sonne steht schon tief und der an vielen Stellen aus der Erde austretende Dampf lässt alles so geheimnisvoll wirken, als sei man in einer anderen Welt. Um 17, also zur Sonnenuntergangszeit schließt der Park seine Türen. Aber damit nicht genug, auch die einzige Zufahrtsstrecke wird mit einer Schranke geschlossen. Schilder weisen darauf hin, dass die Uhrzeit „scharf“ eingehalten wird. Damit auch wirklich niemand „versehentlich“ versäumt, den Park zu verlassen, ertönt eine halbe Stunde vorher eine Sirene.
Am nächsten Morgen haben wir den Orakei Korako Thermal Park auf dem Programm. Wir müssen durch dichten Nebel oder Dampf fahren – vielleicht ist es auch eine Kombination aus beidem – und befürchten schon, nicht viel zu sehen. Doch ein paar Kilometer vor unserer Ankunft hat die Sonne sich durchgesetzt. Mit einem Boot setzen wir über den Ohakuri See und folgen den Richtungspfeilen über die wieder perfekt angelegten Wege.

Die täglich aus Erdspalten strömenden 20 Millionen Liter heißes Wasser haben Seen, Schlammlöcher, Geysire und Sinterterrassen in fantastischen Farben und Formen geschaffen. In der Nähe wird es richtig warm. Holzstege führen bergauf und bergab und weiten sich zu Aussichtsplattformen. Der Rückweg führt durch einen herrlichen Wald.
DSC08059Wir fahren weiter in Richtung Norden und abends stehen wir mit unserem Camper so dicht am Rotorua See, dass wir Enten und Schwäne streicheln könnten, ohne das Auto zu verlassen.

Ein Country Music Museum und der Tasman Nationalpark (Neuseeland)

Von Seddonville geht es am Morgen zurück auf die Bundesstraße 67, die sich hier durch die Berge windet, um dann in Little Wanganui wieder auf die Küste zu treffen. Am Strand liegen Unmengen von Treibholz, oft liegt das Holz direkt am linken Straßenrand. An manchen Stellen türmt es sich sogar auf der rechten Seite. Zeitweilig muss der Seegang so stark sein, dass die Straße komplett überschwemmt und unpassierbar ist.

Karamea ist mit ein paar hundert Einwohnern die letzte „größere“ Stadt an der Westküste. Die letzten Kilometer nach Kohaihai geht es über eine Staubstraße, und dann ist die Welt hier für Autofahrer zu Ende. Ein naturbelassener Campingplatz liegt zwischen Meer und Mündung des Kohaihai-Flusses. Von hier aus gibt es mehrere Wanderwege in die Berge u.a. den 80 km langen Heaphy Track zur Golden Bay im Norden. Der Bus einer Mädchenschule aus Nelson steht hier. Ich muss sofort an meine Nichte Lea denken, die 10 Monate im Schüleraustausch an dieser Schule verbracht hat. Wahrscheinlich haben die Kinder Wanderwoche; sie sind jedenfalls nirgends zu sehen. Nach einem kleinen Spaziergang kehren wir um.
Es geht dieselbe Strecke zurück. Schon auf dem Hinweg war uns in Hector der Hinweis auf ein Country Music Museum aufgefallen, das wollen wir uns heute anschauen.

Barry Skinner, der Gründer und Besitzer ist begeistert, denn Besucher aus Deutschland hat er nicht oft. Erstaunlich was er in mehr als drei Jahrzehnten an Bildern, Autogrammen, Platten und Instrumenten zusammengetragen hat. Zwölf Jahre hatte er eine Radio-Sendung und natürlich ist Barry auch Musiker. Seine Hände sind durch eine Krankheit geschwollen, die Finger krumm, aber Western (Steel) Gitarre kann er noch spielen. Drei Räume hat er in seinem Haus für alle Trophäen freigemacht. Er und seine Frau Jude brauchen nicht mehr viel Platz für sich. Nur ungern lässt er uns nach eineinhalb Stunden weiterfahren.
Von Westport aus fahren wir in das Tal des Buller-Flusses. Immer wieder überqueren wir einspurige Brücken oder passieren Engstellen. In der Dämmerung erreichen wir Murchison. Es ist mal wieder Zeit für große Wäsche. Wir haben uns einen schlechten Tag ausgesucht, am Abend fällt mehrmals der Strom aus, es wird kalt im Camper, die Gasheizung allein schafft es nicht bei 5 grad Außentemperatur, dass der Innenraum gemütlich warm wird. Aber der Ausfall war relativ kurz, uns wird es wieder warm und der Wäschetrockner läuft auch wieder.

Am nächsten Tag kommen wir mittags in Nelson an. Wieder ein Termin in einer Werkstatt. Unser Kühlschrank ist von der Übernahme an ein Gefrierschrank, alles was man hineinpackt kommt steinhart wieder raus. Der Techniker wundert sich: „Da haben Sie aber Glück, normalerweise funktionieren die Kühlschränke nie!“ Es ist alles relativ, ich stelle mir unter Glück jedenfalls was anderes vor, als bei der Kälte am Schinken zu lutschen. Helfen kann man uns hier auch nicht.
Unser letztes Wochenende auf der Südinsel wollen wir im Abel Tasman Nationalpark verbringen. Von Nelson aus führt die Straße an der Tasman-Bucht entlang durch Mapua und Motueka in die Berge. Das erste Stück dieser am Freitag Nachmittag stark befahrenen Straße ist nur einspurig. Im zwölf Minuten Rhythmus wechselt die Ampel von Rot auf Grün. LKWs mit Anhänger quälen sich die Steigungen hinauf, die Straße ist – vermutlich durch starke Regenfälle – erheblich beschädigt. Durch Unterspülung sind große Stücke der linken Spur weggebrochen. Nachdem die Engstelle passiert ist, wird es nicht wirklich besser, die Straße ist eng mit vielen Serpentinen und zumindest die ersten 300 Höhenmeter haben keine Begrenzung zu den Abhängen. Dann sind ab und zu ein paar Bretter in Kniehöhe an Pfosten genagelt, bevor es richtige Leitplanken gibt. Meine Lieblingsstelle ist eine 360 Grad Kurve, bei der nach Dreiviertel der Rundung die Leitplanke eingespart wurde. Wenn ein Auto hier geradeaus fährt oder bei Glätte rutscht, geht es 200 Meter tief. Allerdings gibt es eine wirklich gute Sache: Vor jeder Kurve steht ein Schild mit der empfohlenen Geschwindigkeit. Das geht von 85 kmh bis zu 15 kmh, je nachdem, wie eng die Biegung ist. Nachdem wir in 600 Meter Höhe den Pass erreicht haben, geht es auf der anderen Seite genauso kurvig bergab.

Im Tahara Tal liegen die Pupu Springs, eine Quelle die 14.000 Liter Wasser pro Sekunde ausstößt. Ein Wanderweg führt bergab durch ein uriges Waldgebiet auf eine Plattform. Von hier aus hat man einen ungestörten Blick auf den Quelltopf mit kristallklarem Wasser. Es ist ein heiliger Ort für die Maori und die Besucher werden aufgefordert, das Wasser nicht zu berühren.
Wir fahren zum Übernachten nach Pohara am Rande der Golden Bay. Der Besitzer unseres Caravan-Parks gibt uns gute Tipps für Ausflüge am nächsten Tag. Gleich nach dem Frühstück fahren wir zum Grove-Park.

Ein wunderbares Fleckchen Erde mit Baumfarnen und seltenen Palmen, so urwüchsig, dass man sich nicht wundern würde, käme plötzlich ein Dinosaurier um die Ecke.

Der nächste Halt ist bei den Labyrinth Rocks, einem natürlichen Irrgarten, den offenbar Kinder ganz besonders lieben. Überall in kleinen Felsennischen sind Spielzeuge versteckt, Pferde, Löwen, Puppen, alles in Miniaturgröße. Ob sie für Schnitzeljagden hingestellt wurden, oder den Kindern und Erwachsenen als Orientierungshilfe dienen, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Jedenfalls werden die Besucher mit einem Hinweisschild am Eingang gebeten, nichts mitzunehmen.

Das nächste Mal fahren wir in Milnthorpe von der Straße ab. Der Küstenwanderweg soll besonders schön sein. Er ist es wirklich, nicht einfach nur gerade am Strand entlang. Die Bucht zwischen bewaldeten Hügeln ist groß und weit und zur Zeit ist Ebbe. Man kann kilometerweit laufen und hat ständig neue Ausblicke. Wir begegnen einigen Menschen, die diesen wunderschönen Tag hier genießen.
Nach einem kurzen Halt in Collingwood fahren wir über eine Straße mit 13 einspurigen Brücken nach Puponga. Auf dem Parkplatz stehen schon an die zwanzig Fahrzeuge. Hier bläst ein heftiger Wind; wir sind am nördlichsten Punkt der Südinsel angelangt. Der Weg geht über Viehweiden, mehrmals müssen wir die Zäune auf Treppen überqueren. Neben dem schmalen Pfad geht es steil bergab. Kühe und Schafe stehen hier so sicher, als hätten sie verschieden lange Beine, die der Neigung des Hanges perfekt angepasst sind.

Nachdem wir ein Wäldchen durchlaufen haben, beginnt der Strand. Breit und lang mit markanten Felsen hier am Cape Farewell, einfach wunderschön. Durch die beginnende Flut können wir nicht mehr zum Pillar Point laufen, wo das beliebteste Fotomotiv der Golden Bay zu finden ist. In einer großen Runde durchlaufen wir die Dünen und kehren zu unserem Auto zurück.
Wir fahren nochmal denselben Weg zurück, um in Pohara zu übernachten. Abends gehen wir ins nahe gelegene Lokal „Blauer Pinguin“. Die Gäste sitzen in Wintermänteln und Daunenjacken hier an den Tischen – das Lokal ist nicht geheizt. Nur ein großer Kamin in der Mitte spendet ein wenig Wärme. Der am nächsten gelegene Tisch ist belegt, eine Radlergruppe hat sich hier niedergelassen, sammelt aber nach 5 Minuten die Sachen zusammen, bereit zum Aufbruch. Schnell sichern wir uns den Tisch und kommen dabei noch mit zwei Mitgliedern der Gruppe ins Gespräch. Sie wollen jetzt, um 19 Uhr noch über die steile, kurvige Passstraße bis nach Nelson fahren. Alle vier haben Lampen an ihren Helmen und die Trinkflaschen sind aufgefüllt. Wir wünschen ihnen eine gute und sichere Fahrt, dann sind sie aus der Tür. Während wir essen und auch später im Camper muss ich immer wieder an die Frau und die drei Männer denken.
Währenddessen steigt die Spannung im Lokal, es wird ein Footballspiel zwischen Neuseeland und Frankreich übertragen. Zwei große Fernseher bieten von nahezu jedem Platz die Möglichkeit, dem Spiel zu folgen. Ich kenne weder die Regeln, noch interessiert es mich, aber Stöhnen, Seufzen oder Jubeln informieren stetig über den rauen Spielverlauf.
DSC07804Wehmütig verlassen wir am nächsten Morgen diese Ecke und kehren am regnerischen Sonntag nach Nelson zurück, immer wieder begleitet von großartigen Regenbögen. In Nelson scheint die Sonne. Am Sonntag haben viele Geschäfte geöffnet und so flanieren die Menschen durch die Geschäftsstraßen, sitzen in Cafés oder kommen mit vollen Tüten aus Boutiquen und Supermärkten. Eine schöne Stadt mit perfekter Lage.
Wir wollen jedoch am nächsten Tag mit der Fähre auf die Nordinsel übersetzen und fahren lieber weiter. Statt über die Bundesstraße 6 nehmen wir ab Havelock den Weg durch die Berge nach Picton.

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„Holzhafen“ bei Picton

In Bezug auf Kurven übertrifft sie die Straße in die Golden Bay noch. Doch immer wieder bringt uns die Landschaft in Neuseeland zum Staunen.
In Picton fahren wir gleich zum Hafen, um unser Ticket für die Überfahrt am nächsten Tag zu lösen. Wir bekommen einen Spezialpreis für Rentner und noch einen Winterrabatt. Am Abend haben wir Besuch in unserem Camper. Eine schwarze Katze kommt ganz selbstverständlich herein und liegt schlafend neben mir auf der Bank, bis wir das Bett machen.
Um 13 Uhr müssen wir am Hafen sein, Zeit genug für einen Bummel durch Picton. Bestimmt ist im Sommer hier mehr los, doch in dieser Jahreszeit stehen viele Geschäfte leer und überhaupt wirkt die Stadt ziemlich verschlafen.
Wir fahren eine halbe Stunde zu früh an die Fähre, sind aber beileibe nicht die ersten. Hier ist alles perfekt organisiert. An einer Schranke geben wir unser Ticket ab und bekommen einen Boardingpass sowie ein grünes Schild, auf dem eine Gasflasche abgebildet ist. Wenn der Verschluss der Flasche geschlossen ist, sollen wir es an den Rückspiegel hängen. Wir bekommen eine Fahrspur genannt und stellen uns an. Nochmal fragt ein Mitarbeiter alle Fahrer eines Wohnmobils, ob die Gasflaschen auch wirklich zu sind, dann werden die Fahrzeuge in den Bauch der Fähre dirigiert. Es geht ohne Drängelei und sehr gelassen zu.
Während der dreieinhalb Stunden, die die Überfahrt nach Wellington dauert, stehen den Passagieren verschiedene Aufenthaltsräume zur Verfügung. Es gibt Räume für Eltern mit Kindern, Speiseräume, Aussichtsräume, sogar Kabinen und das offene Deck. Von dort aus verfolgen wir das Ablegen der Fähre von der herrlichen Südinsel.
 
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Unsere Route auf der Südinsel