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Alleppey (Indien)
Schon Wochen vor unserer Abreise spukt mir ein Wort im Kopf herum: AYURVEDA. Noch zuhause recherchiere ich zu der mehrere 1000 Jahre alten „Wissenschaft vom Leben“ und lese, dass Menschen mit Arthrose durchaus Schmerzlinderung erfahren. In Fort Kochi gehen wir in eine Ayurveda-Sprechstunde und erhalten ein Angebot für eine ambulante Behandlung; wir sind unentschlossen und sprechen mit unserem Gastgeber über das Thema. Er empfiehlt uns eine Klinik, gut 20 km von Fort Kochi entfernt, kompetent und preiswert. Klaus nimmt schriftlich Kontakt auf und wir bekommen die Zusage, dass wir direkt im Anschluss an unseren Aufenthalt in Fort Kochi dort unterkommen können.
Der Uber-Fahrer hat sich einen DIY-Gepäckträger mit Reling aufs Dach montieren lassen und darauf kommt mein mit einer Gummispinne gesicherter Koffer. Der andere findet im Kofferraum Platz.

Die Fahrt führt fast fast die ganze Zeit am Meer entlang, auf der anderen Seite riesige Wasserflächen, unterteilt durch kleine Dämme. Es sind abgeerntete Reisfelder, Fische und Garnelen (Tigerprawns) haben die ca. 10 cm tiefe Wasserfläche bis zur Neuanpflanzung jetzt ganz für sich. Sehr zur Freude der verschiedenen Reiherarten, die hier massenhaft im Wasser stehen und auf Beute lauern. Früher wurde das Wasser nach der Reisernte abgelassen, doch die Wasserknappheit hat die Bauern gezwungen, auf kombinierte Fisch-Reiszucht umzustellen. Ein doppelter Gewinn: Die Tiere vertilgen Unkraut und Schädlinge im Wasser, ihre Ausscheidungen düngen wiederum die Reispflanzen und der Verkauf bringt zusätzlichen Gewinn. Im Bundesstaat Kerala wird diese Methode intensiv genutzt.
Wir staunen über die vielen Kirchen, die wir während der knapp einstündigen Fahrt sehen, Der Süden Keralas ist stark christlich geprägt, doch auch der Hinduismus hat seinen Platz, das ist an Dekorationen an und über den Straßen schnell zu erkennen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht durch laute Musik auf irgendein religiöses Fest hingewiesen werden.


Im Ayurvedahospital – das übrigens von einem Deutschen mitgegründet wurde – wird Klaus schon namentlich mit einem Zettel an der Anschlagtafel begrüßt. Das Hauptgebäude könnte einen neuen Anstrich vertragen, aber bei der Lage in der Nähe des Ozeans würde der nicht lange halten. Wir beziehen ein Zimmer mit Bad im neueren der beiden Gebäude. Es hat ein großes Doppelbett, Schrank, Tisch und Stuhl und eine kleine Couch. Trinkwasser bekommen wir aus einem großen Wasserspender. Außerdem haben wir einen großen Balkon, der rundherum mit Fliegengitter umschlossen ist. Ob man sich mit Klimaanlage oder Ventilator abkühlt, bleibt jedem selbst überlassen.






Anschließend haben wir einen Termin mit der Oberärztin, sie hört sich unsere Beschwerden an, fragt nach den Medikamenten misst Blutdruck und Gewicht und gibt nach der Pulsdiagnose ihre Einschätzung bekannt. Sie empfiehlt uns mindestens 14 Tage zu bleiben, doch wir haben uns schon vorher auf eine Woche festgelegt. Während sie einen Therapieplan erstellt, wartet die erste Massage bereits auf uns. Frauen bekommen zuvor ein Kleid, in dem sie zur Massage gehen, Männer einen Sarong.
Ich liege nackt auf einem Holztisch, werde mit Öl begossen und eine ¾ Stunde vierhändig sanft massiert, danach in einem anderen Raum von zwei Therapeutinnen mit heißen Beuteln genauso lange am ganzen Körper gestempelt. Die pampelmusengroßen Beutel sind hier mit Linsen, Kräutern und Steinsalz gefüllt und werden immer wieder in heißem Kräutersud getränkt. Jetzt verstehe ich auch, warum beim Mittagessen fast alle Frauen die gleichen Kleider getragen haben. Nach der Massage ist der Körper ölig und würde die eigene Kleidung verschmutzen. Alle 3 Tage werden die Kleider eingesammelt und gewaschen, man kann aber auch zwischendurch nach einem neuen fragen.
Während ich mich mindestens 10 kg leichter fühle und zu unserem Zimmer schwebe, um zu duschen und mich auszuruhen, kommt Klaus stöhnend zurück, er ist von seinen beiden Therapeuten mit Füßen traktiert und in der zweiten Hälfte mit warmem Kräutersud begossen worden. Meine Annahme, dass Männer härter rangenommen werden, erweist sich als falsch. Schon am nächsten Tag bekomme ich das am eigenen Leib zu spüren. Dieses Mal liege ich auf einer Matte auf dem Fußboden. In Türhöhe sind zwei starke Seile längs durch das Zimmer gespannt. Meine beiden kleinen und zierlichen Therapeutinnen reichen mit ausgestreckten Armen nicht bis an die Seile, sie werfen einen Sarong darüber, schlingen sich beide Enden um die Hände und dann werde ich mit den Füßen massiert. Bei der anstrengenden Massage wechseln sich beide ab. Manchmal fühlt es sich an, als schlittere sie über meinen Körper. Immer wenn die Fersen eingesetzt werden, wird es wirklich unangenehm. Wo kommen bloß die schmerzhaften Knoten an verschiedenen Stellen meines Körpers her?


Nach einer Behandlung sind wir immer total erschöpft und fallen in Tiefschlaf, aber was sollen da die Therapeuten sagen, die ständig mit voller Körperkraft im Einsatz sind. Während einer Massage frage ich meine Therapeutin nach ihrer Arbeitszeit. Sie kommt morgens um 8 Uhr und arbeitet mit einer Mittagspause in der Klinik bis 17 Uhr, und das an 7 Tagen in der Woche. Urlaub hat sie an ein paar religiösen Feiertagen. Da erübrigt sich jede Frage nach ihrer Work-Life-Balance.
Wir haben inzwischen von einer Assistenzärztin unseren Therapieplan bekommen. Außer den täglichen Massagen muss Klaus 3 Tage lange Reisporridge essen und Ingwerwasser trinken, morgens reicht ihm die Ärztin vor dem Frühstück ein Becherchen warmes Ghee. Ich komme mit verschiedenen Medikamenten und drei Einläufen davon. Dreimal am Tag gibt es vegetarisches Essen, schwach gewürzt, mit frisch gepressten Säften (morgens) und immer leckerem Salat (mittags).


An einem Nachmittag laufen wir durch den Ort, jemand hatte uns von einem idyllischen Spazierweg erzählt, doch den finden wir nicht. Nur einen Kanal, ein Sägewerk, einen hübschen kleinen Hindutempel, schöne Häuser und viel zu viel Verkehr auf der Hauptstraße. So macht Laufen keinen Spaß.




Nach und nach kommen wir mit den anderen Patientinnen (ca. 85%) und Patienten ins Gespräch. Außer uns, einem schwedischen Paar, einer Finnin und einer Brasilianerin sind anfangs alle aus Frankreich. Vor gut 15 Jahren hat eine Französin über ihren hiesigen dreiwöchigen Aufenthalt auf Youtube berichtet und damit viele Geschlechtsgenossinnen inspiriert, es ihr gleich zu tun. Alle, mit denen wir ins Gespräch kommen, sind zum wiederholten Male hier. Valerie hat immer wieder mit ihrem Gewicht zu kämpfen und kehrt nach den 3 Wochen leichter und voller Energie zurück. Marii ist zum 5. mal hier, sie hat im April nach einem Trümmerbruch ein künstliches Schultergelenk bekommen. Künstliche Gelenke sind ein Problem für die Therapeuten, denn an Titan oder Keramik kann man nichts verändern, aber sie hofft auf Schmerzlinderung an Arm und Rücken. Nach ein paar Tagen kommen vier Deutsche. Es ist schön, sich mal wieder unterhalten zu können, ohne nach Worten suchen zu müssen. Melanie ist total überrascht, anhand der Pulsdiagnose hat die Ärztin eine vor kurzem überstandene schwere und langwierige Infektion festgestellt. Brigitte hat einen Bandscheibenvorfall und nur mit starken Schmerzmitteln den Flug überstanden. Schon am 2. Tag ist sie nach einer fast nicht auszuhaltenden Behandlung nahezu schmerzfrei. Sie und ihr Mann Manfred sind auch schon zum wiederholten Male hier. „Man spürt, wie man Tag für Tag ein bisschen heilt,“ sagt er.
Viele Gespräche drehen sich um das Thema, was macht man nach der Kur. Einige fliegen gleich wieder zurück, andere wollen noch eine Woche an den Strand oder eines der vielen Sehenswürdigkeiten besuchen. Nur Louise hat einen anderen Plan: „Essen,“ sagt sie und lacht.
Ayurveda ist bei uns in erster Linie Wellness. Ganz anders in Indien, hier ist es ein staatlich anerkanntes Medizinstudium unter Einbeziehung westlicher Schulmedizin. Das Gundstudium dauert 5,5 Jahre. Weitere kommen für Masterstudiengänge hinzu. In Deutschland laufen an einigen Universitäten Studien zur Wirksamkeit von Ayurveda.
Wir haben in den 7 Tagen beide an Gewicht verloren, meine Haut sieht glatter aus und die Stellen, an denen es immer wieder gezwickt hat, machen weniger Ärger.
Kurz vor unserer Abreise am letzten Tag kommt ein holländisches Paar an, beide in den 80ern. Mit Umarmungen und Willkommensrufen werden sie begrüßt. Es ist ihr 8. Besuch in der Klinik, das sagt doch alles.
Wie es begann…
Infiziert
Mehr aus Neugier, als aus wirklichem Interesse habe ich mir im März 2016 das Buch „große Reise mit kleiner Rente“ von Christine Werner bestellt. Je weiter ich in der Lektüre kam, desto faszinierter war ich, und als ich am Ende angekommen war, blieb eine Leere zurück. Es fühlte sich an, als ob auch für mich dieses große Abenteuer zu Ende war.
Es folgten etliche Nächte, in denen ich schlecht schlief, immer wieder aufstand und stundenlang im weltweiten Netz unterwegs war. Etwas arbeitete in mir. Warum nicht, müsste doch möglich sein, ICH WILL DAS AUCH.
Erst als ich mir das eingestanden hatte, wagte ich Klaus davon zu erzählen. Ich hatte Ablehnung erwartet, Einwände, Kopfschütteln. Nichts dergleichen, statt dessen Interesse und ebenfalls ein Warum nicht?
Überlegungen
Was jetzt folgte, war harte Arbeit. Stöbern im Internet. Das WANN, WOHIN und WIE musste erst mal im Kopf und dann im Computer sortiert werden. OK, ich bin ein Fan von Listen. Deshalb ist auch Excel mein Lieblingsprogramm. Also, Tabellen anlegen:
Länderinformationen
Wo könnte es hingehen, brauchen wir ein Visum und wie lange ist es gültig. Gegen welche Krankheiten soll man sich impfen lassen. Was kostet der Flug dorthin. Klimatabelle. Wie hoch sind ungefähr die Kosten für eine Übernachtung und Verpflegung für einen Tag. Welche Währung hat das Land und wie ist der Wechselkurs. Welche Sehenswürdigkeiten gibt es im Land und wie kommen wir am günstigsten bei maximaler Bequemlichkeit dorthin. Und für alle Fälle die Adresse und Telefonnummer der Deutschen Botschaft.
Aufschub
Der Plan, im Mai/Juni 2017 zu starten, wird durch die Verlobung unserer Tochter mit ihrem langjährigen Freund über den Haufen geworfen. Die Hochzeit soll im Juni stattfinden, also verschieben wir die Abreise auf September/Oktober. Die Zeit brauche ich auch, denn meine Tochter wünscht sich, dass ich ihr Brautkleid nähe. Das erfordert ganz schön viel Zeit. Ich freue mich aber sehr über ihr Vertrauen in meine diesbezüglichen Fähigkeiten und darüber, dass sie meine Arbeit einem fertig gekauften und von Profis entworfenen Kleid vorzieht.
Wie die Zeit vergeht
Und nun ist es doch Juni geworden, schneller als gedacht. Die Planungen zeitweise unterbrochen, der Online-Englischkurs auf Eis gelegt. Aber das Brautkleid ist bis auf eine Kleinigkeit fertig. Wir haben die ersten Impfungen: Zweimal Tollwut, Typhus und Meningokokken hinter uns. Übermorgen ist die standesamtliche Trauung und wir sind geschafft. Vieles musste in den letzten Tagen noch gerichtet werden, jetzt habe ich „Rücken“, so ein Mist. Aber so schnell gebe ich nicht auf.
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Die letzten Wochen in Deutschland
Langsam wird es ernst
Alle drei Feiern liegen hinter uns. Standesamt, Polterabend und die Hauptparty nach der kirchlichen Trauung. Wenn bei unserer Reise auch alles so wunderbar läuft, können wir mehr als glücklich sein. Und jetzt können wir uns auch wieder den Reisethemen zuwenden.
Wir brauchen neue Reisepässe, die Gültigkeit der alten endet im Laufe des nächsten Jahres, und einen internationalen Führerschein. Solange die neue Passnummer nicht bekannt ist, können wir unsere Visa für die ersten beiden Länder noch nicht beantragen. Aber zum Glück kann man das heute elektronisch innerhalb von ein paar Minuten erledigen.
Aber nach günstigen Flügen von Frankfurt nach Sri Lanka kann ich schon suchen. Kuwait Airways und Qatar Airways liegen preislich dicht beieinander, aber die politische Situation in Katar ist uns zu unsicher, so fällt die Entscheidung auf Kuwait. Am 1.9.2017 geht es definitiv los. Und dann buche ich auch noch ein Hotel in Colombo für 3 Nächte, um erst einmal „anzukommen“ und am Montag gleich unser Visum zu verlängern, damit wir nicht nach 30 Tagen ausreisen müssen.
Die Reisegarderobe muss noch aufgestockt werden. Wir wollen keine Riesensummen für die funktionale Kleidung ausgeben, deshalb fahren wir in ein bekanntes französisches Outdoor-Geschäft und finden auch viele ansprechende Teile.
Die Auslandskrankenversicherung brauchen wir noch, ein paar Impfungen stehen noch aus. Und wir erfahren, dass Tochter und Schwiegersohn sich entschlossen haben, während unserer Abwesenheit unser Haus zu bewohnen. Das ist für uns eine prima Sache, bedeutet aber, dass wir räumen müssen. Schränke und Kommoden leeren, um Platz für das junge Ehepaar zu schaffen. Ende Juli dann die Zusammenlegung zweier Haushalte. Nicht ganz einfach, denn auch in einem Haus ist der Platz begrenzt.
Auf der Zielgeraden



Klaus tüftelt an einer Lösung für unsere Koffer. Wir wollen nicht mit großen Rucksäcken unterwegs sein, sondern das meiste in einem Trolley hinter uns herziehen. Die Rollen der Koffer sind jedoch recht klein und damit zwar gut geeignet für Flughäfen und perfekt gepflasterte Wege, aber wir werden bestimmt häufig holperige Straßen und ungepflasterte Wege vorfinden. Die Lösung findet er in großen Rädern, die bei Kinderautos benutzt werden. Auf eine Achse aus Edelstahlgriffen geschoben (Reststücke aus unserer Küche) und mit Kabelbindern an den vorhandenen Rädern befestigt. Die bisherigen Testläufe auf Kieswegen haben sie gut überstanden.
Ich nähe derweil Packtaschen aus Drachenstoff für die Ordnung im Koffer, stelle eine Medikamentenliste zusammen für alle möglichen kleinen Unpässlichkeiten und stapele die mitzunehmenden Sachen. Noch ein Besuch bei meiner Familie zum Verabschieden, Treffen mit einigen Freunden aus demselben Grund. Immer häufiger schlaflose Nächte, Nachdenken, haben wir an alles gedacht?
Mittwoch haben wir mal zur Probe gepackt. Dank der Packbeutel lässt sich alles gut verstauen. Sogar die großen Räder passen zusammengesteckt in den Koffer.
Gestern noch die letzte Impfung, jetzt noch den Impfausweis einscannen für alle Fälle, und dann wird endgültig gepackt. Den letzten Abend verbringen wir mit Tochter und Schwiegersohn und feiern Abschied von unserer 1-monatigen „Zwangs-WG“. Die Beiden werden aufatmen, wenn sie endlich wieder ihr Zweierleben genießen können.
Jetzt geht’s los!
Abflug
Tochter und Schwiegersohn haben sich Urlaub genommen, um uns zum Flughafen zu fahren. Der Flug ist schon eine halbe Stunde verspätet. Ich stehe irgendwie neben mir, als ob das ganze Vorhaben nichts mit der Person, die jetzt im Auto sitzt, zu tun hat. Beim Abschied kämpfe ich kurz mit den Tränen, dann sind unsere Beiden weg und wir durchlaufen die üblichen Prozeduren vor einem Flug. Letztendlich starten wir mit fast zweistündiger Verspätung. Die Maschine bietet angenehme Überraschungen, der Abstand der Sitzreihen ist größer als erwartet und auch ein umfangreiches Entertainprogramm steht auf großen Bildschirmen zur Verfügung. Das Personal ist sehr freundlich, das Essen schmeckt gut, mehr kann man nicht verlangen. In der Reihe hinter uns sitzt ein Ehepaar mit kleiner Tochter, die in den schrillsten Tönen laute Schreie ausstößt. Die bis an die Augen schwarz verhüllte Mutter versucht mit unendlicher Geduld, ihr Kind zu beruhigen, leider meist vergeblich. Aber irgendwann schläft die Kleine doch ein, und die schmerzenden Ohren können sich erholen.
Beim Landeanflug sehe ich Kuwait als riesige Stadt am Meer in der Dunkelheit leuchten. Beeindruckend, sogar das Wahrzeichen, die Türme mit den drei Kugeln sind deutlich zu sehen. Trotz der späten Stunde sind auf dem Flughafen viele Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten unterwegs. Das Wort „Nachtflugverbot“ gibt es hier offenbar nicht. Während der Wartezeit trinken wir was in einem der vielen Restaurants und laufen die Gänge entlang
ie erneute Sicherheitskontrolle erfordert Geduld. Mein kleines durchsichtiges Täschchen u.a. mit etwas Gesichtswasser, Creme und Handwaschgel gefüllt, wird genauestens untersucht. Der Sicherheitsbeamte nimmt jedes Stück einzeln in die Hand. Die zusammengeklappte Reisezahnbürste weckt sein Misstrauen bis er sich überzeugt hat, dass es ein harmloses Utensil ist. Auch dieser Flug startet mit Verspätung, es ist bereits nach 2 Uhr in der Nacht. Zur Entschädigung serviert uns die Crew um 3 Uhr das Frühstück. Wir landen in Colombo 10.15; 15 Minuten nach der geplanten Zeit.
Konfusion bei der Einreise, in etwas 15 Schlangen stehen die Reisenden an, um den Einreisestempel in ihren Pass zu bekommen. Fast alle werden abgewiesen, weil sie kein Kärtchen ausgefüllt haben. Also zurück an einen anderen Schalter, da liegen die Kärtchen massenhaft herum. Ausfüllen mit Flug- und Passnummer, Name und Adresse in Sri Lanka, wieder anstellen, dann klappt es. Wenigstens sind in der Zwischenzeit die Koffer da. Ohne Kontrolle kommen wir in die Schalterhalle, holen uns Geld am Bankautomaten und kaufen eine SIM-Karte fürs Handy. Wir sind zu müde für den Bus und fahren mit dem Taxi zu unserem Hotel. Man kann nur jedem raten, hier keinen Leihwagen zu nehmen. Der Verkehr ist mörderisch.
Unzählige bunt lackierte Tuktuk drängen sich vor, springen von Lücke zu Lücke, überholen auch mal auf einer der 3spurigen Gegenfahrbahnen, hupen in einer Tour. Es scheint sich um einen Volkssport zu handeln. Unglaublich, aber wir sehen keinen einzigen Unfall, vielleicht liegt es daran, dass einige der gepflegt aussehenden kleinen Gefährte rundherum ca. 4 cm große geflügelte Totenköpfe mit gekreuzten Knochen angebracht haben. Einige funkeln mit roten Kristallen aus den Augenhöhlen. Der Fahrer bringt uns zum Hotel, wo wir schon erwartet werden. Die Besitzerin und ihr Sohn helfen uns mit dem Gepäck, und wir wollen nur noch duschen und schlafen.
Später wollen wir essen gehen. Unsere Gastgeber bestehen darauf, uns zu einem typischen Lokal in der Nähe zu fahren und uns bei der Auswahl zu beraten. Wir sind tatsächlich die einzigen Touristen. In ca. 20 Schüsseln stehen verschiedene Gerichte, und der junge Mann hinter der Glasscheibe füllt erst roten Reis auf die Teller, dann 7 verschiedene Currys mit Fleisch, Fisch oder Germüse runherum. Alkohol wird nicht angeboten, also bestellen wir eine Flasche Wasser.
Auf die Frage nach Trinkgläsern geht unsere Wirtin zu einem Wasserbecken, greift sich zwei benutzte Gläser, schwenkt sie aus und stellt sie neben unsere Teller. So geht das also. Wir sind gespannt, es schmeckt wirklich gut, aber die ungewohnte Schärfe lässt die Augen und Nase laufen. Servietten gibt es nicht, aber auf der Spüle steht ein Kasten mit DINA5 großen, etwas steifen Papierblättern, die müssen reichen. Wir beschließen, uns auf dem Rückweg aus dem nahegelegenen Supermarkt ein Bier mitzunehmen. Aber hier gibt es auch kein Bier. So feiern wir unsere Ankunft später auf der Terrasse mit Mango-Trinkjoghurt und gehen früh schlafen.
2022 noch einmal Südostasien
Bangkok
Eigentlich müsste dieser Blog “Mit 150 um die Welt” heißen, denn seit seinem Beginn sind 5 Jahre dazugekommen. Doch wir haben uns entschlossen, den alten Namen zu behalten, damit uns Freunde, Bekannte und Interessierte schneller finden.
2022 was für ein Jahr, so viel ist passiert, schlimmes aber zum Glück auch gutes. Ausbruch des Ukraine-Krieges, Tod meiner Mutter, Infektion mit Corona und dann die Geburt unserer zweiten Enkelin. Dieses Jahr voller Emotionen und Arbeit hat uns mehr beschäftigt als üblich und trotzdem ist da immer eine Stimme im Hinterkopf, die von Reiselust spricht und die irgendwann nicht mehr zu überhören ist. Und so entschließen wir uns im September, den kommenden Winter in Südostasien zu verbringen.
Die Familie reagiert positiv und wir buchen für den 28.11.22 einen Nachtflug nach Bangkok. Die Heizung wird während unserer Abwesenheit auf 11-12 Grad abgesenkt damit nichts einfrieren kann, wir aber die gigantisch gestiegenen Energiekosten in Grenzen halten.
Und dann ist er da, der Tag der Abreise. Wieder bringen uns unsere Tochter und unser Schwiegersohn zum Flughafen, doch dieses Mal sind noch die beiden Enkelkinder dabei. Der 2,5-Jährige betrachtet staunend die vielen Menschen und die üppige Weihnachtsdekoration, das knapp 5 Monate alte Baby scheint unbeeindruckt. Umarmung, Abschied und die Gewissheit, dass 3 Monate sehr schnell vergehen, zumal wir und die Zurückgelassenen jederzeit in Verbindung stehen.
Der Flug im vollbesetzten Dreamliner verläuft unspektakulär, die meisten Passagiere schlafen. Am nächsten Tag mittags die Landung in Bangkoks Flughafen Suvarnabhumi. Der Frankfurter Flughafen ist uns schon riesig vorgekommen, dieser ist noch 50 % größer. Immerhin hält das Bodenpersonal im Rüssel mehrere Rollatoren und auch den ein oder anderen Rollstuhl bereit. Das macht Hoffnung auf Reisemöglichkeiten im hohen Alter. Laufbänder erleichtern es den Passagieren, die langen Strecken zurückzulegen. Die Passkontrolle findet an einer unüberschaubaren Reihe von Schaltern statt. Pass und Bordkarte vorlegen, die Fingerabdrücke scannen lassen, in die Kamera blicken und schon ist ein neuer Stempel im Pass. Zur Gepäckausgabe müssen wir eine gefühlt kilometerlange Strecke zurücklaufen, und da warten unsere roten und blauen Hartschalenkoffer schon auf uns. Am Geldautomaten holen wir 10.000 Baht (ca. 275 €) und fahren mit der Airport Rail Link Richtung Innenstadt. Für je 45 Baht bekommen wir einen Chip, der den Zugang zum Bahnsteig öffnet und uns an der Endstation auch wieder herauslässt. Von hier geht es per Tuk Tuk weiter. Wie schnell man sich daran gewöhnt, sich mitsamt Gepäck auf engstem Raum wiederzufinden. Der Fahrer nickt wissend, als ich den Namen des Hotels nenne und schlängelt sich in halsbrecherischer Weise zwischen Autos, Bussen und Mopeds hindurch, dabei nutzt er konsequent alle Fahrspuren. Zweimal wendet er, weil es ihm zu langsam geht und biegt dann in eine schmale Straße ein, die links und rechts von Marktständen gesäumt ist und durch die sich Touristenmassen schieben. “Hotel,” sagt er strahlend und deutet auf ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite. Mag sein, aber es ist nicht unseres. Ich nenne ihm noch mehrmals den Namen und schreibe ihn schließlich auf. Jetzt hat er verstanden, berät sich mit einem Kollegen und bringt uns dann zur richtigen Unterkunft. Er ist einfach davon ausgegangen, dass wir wie die meisten Touristen in die Khaosan-Road wollen.
Unser Zimmer liegt im 5. Stock, es gibt einen Aufzug und alles, was wir brauchen: Ein breites bequemes Bett, eine Klimaanlage, einen Kühlschrank und ein eigenes Badezimmer. Nach einem Erholungsschlaf – inzwischen ist es nach 18 Uhr, also dunkel, machen wir einen ersten Erkundungsgang. Wir wohnen im Bezirk Phra Nakhon in der Nähe des Chao Phraya Flusses.

Zwischen einigen großen Straßen ein Gewirr von kleinen Gassen mit winzigen Läden aller Art, Hühner laufen herum und überall stehen Garküchen, wo alles zubereitet wird, was man sich nur vorstellen kann. Doch ein fauliger Gestank aus den Abflussrohren verdirbt uns den Appetit am Freiluftessen. Das erste Lokal mit geschlossener Front bietet vegetarische Gerichte an, wir bestellen jeder zwei verschiedene und sind begeistert.
Die Nacht mit wenig Schlaf fordert ihren Tribut, wir fallen ins Bett, sind später vier Stunden wach und verschlafen das Frühstück. Wir kochen uns einen Kaffee und spucken ihn entsetzt wieder aus, er schmeckt nach ranzigen Paranüssen. Nicht daran gedacht, Flaschenwasser statt Leitungswasser zu verwenden. Auch an die Regel Toilettenpapier in den Mülleimer zu werfen, müssen wir uns erst wieder gewöhnen.

Von unserem Fenster aus ist ein goldenes Gebilde zu erkennen, es ist der 32 Meter hohe stehende Buddha im Wat Intharawihan, den wir jetzt besuchen. Nur wenig Touristen sind hier, gehört diese Anlage doch nicht zu den großen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Trotzdem ist sie prächtig und einen Besuch wert.

Die Gläubigen legen ihre Opfergaben zu Füßen der großen Statue ab und entzünden bündelweise Räucherstäbchen. Wir sitzen auf einer Bank im Schatten und schauen zu, wie mittels Seilwinde lange Stoffbahnen hochgezogen werden, um die goldene Statue zu schmücken.

In einem kleinen Café in der Nähe holen wir mittags das Frühstück nach. Bis abends um 19 Uhr kann man hier ein frühstücken. Außer uns nur andere Touristen. Zwei junge Frauen sitzen sich gegenüber und reden nicht miteinander, reden kein einziges Wort Die Handys sind interessanter als das menschliche Gegenüber. Auf dem Rückweg kommen wir durch eine weitere Tempelanlage, Wat Maiamatharod ist auch mit viel Gold, Schnitzereien und Mosaiken verziert. In Bangkok gibt es über 400 Tempel, und prächtig sind alle.
Wir laufen durch unseren Stadtteil auf der Suche nach einem Restaurant. Gekocht, gegrillt und gebraten wird draußen an ein oder mehreren Ständen, und drinnen stehen Tische und Stühle, wo das Essen verzehrt wird. In einem schmucklosen Raum ist ein großer Tisch mit gut 20 Personen besetzt, das sieht vielversprechend aus. Wir bekommen die bebilderte Speisekarte und suchen uns etwas aus. Salat aus grüner Papaya mag ich gerne und bestelle mir eine Portion, Klaus schließt sich an mit der Variation mit Krabbe. Gegenüber von uns steht ein Tischchen mit einem rechteckigen Kasten aus Plastik. Wann immer die zwei Frauen, die bedienen, abräumen und kassieren gerade nichts zu tun haben, schneiden sie mit einem Sparschäler hauchdünne Streifen von Möhre und Papaya. Das sind immer nur einige Momente, aber der Kasten füllt sich rasch. Draußen auf der Straße bedient eine andere Frau den Mörser, kommt herein, nimmt eine Handvoll Gemüsestreifen, wirft sie in den Mörser und ein paar Minuten später steht der Salat vor mir. Er hat die richtige Schärfe und ist perfekt gewürzt. Das Hauptgericht hat keine Ähnlichkeit mit dem Foto, schmeckt aber trotzdem.
In der Nacht wache ich mit Halsschmerzen auf. Die Umstellung auf die allgegenwärtigen Klimaanlagen fordert wieder ihren Tribut.


Erst nachmittags gehen wir vor die Tür, laufen zum Chao Phraya und über die Schrägseilbrücke Rama VIII auf die andere Seite. Rund um die mächtigen Brückenpfeiler ist ein Platz angelegt, geschmückt mit schönen Beeten, vielen Sitzplätzen auf Stufen und Bänken und Platz für Skater oder Radfahrer. Essensstände versorgen die herumlaufenden Menschen, ein Sanitätswagen steht für Unfälle bereit, eine Band spielt. Feierstimmung an einem ganz normalen Spätnachmittag. Der gepflegte Park daneben wird von Sportlern und Spaziergängern genutzt, die einen rennen oder machen Turnübungen, die anderen sitzen auf Parkbänken und schauen zu.

Am 4. Tag geht es gesundheitlich aufwärts. Wir fahren mit einem Touristen-Boot auf dem Chao Phraya, steigen an der Station Chinatown aus und laufen durch die Gasse mit den Lebensmittelständen. Zu sehen, welche uns unbekannten Zutaten es gibt, ist immer wieder spannend. Wir sind überrascht, dass auch hier geröstete Maronen verkauft werden. In einem Kessel sind sie mit schwarzem Granulat vermischt und werden über Hitze ständig bewegt, dann sorgfältig geschält und verkauft. Auf Grillrosten liegen Bananen gepellt oder in der Schale, hier hängen Pekingenten, dort liegt Fisch und die Auswahl an Obst ist überwältigend. Kirschen groß wie Pflaumen, alle möglichen Exoten und ganz am Rand der Stand mit Durian, der Stinkfrucht.





Maronen, Schwalbennestersuppe, rosa Eier, rosa Quallenkoteletts (?), und ein Multikasten zum Transportieren von halben Schweinen oder zum Aufbewahren von Kindern
Am Abend entdecken wir ein kleines Karree, in dem Lokal an Lokal grenzt, hauptsächlich Touristen essen hier. Erst als wir eines entdecken, in dem Einheimische essen, setzen wir uns dazu und bekommen auf Plastiktellern köstliches Essen serviert.
Letztes Frühstück in unserem Hotel. Es gibt Obst, Salat, Suppe, Bratreis, Nudeln, Gemüse und Fleisch und für alle, die sich damit nicht anfreunden können Toast, Eier, Würstchen und Marmelade. Gut gestärkt lassen wir uns mit dem Taxi (billiger und bequemer als ein Tuk Tuk) zum Busterminal Ekkamai fahren. Wir haben nichts reserviert und die großen klimatisierten Busse sind ausgebucht. Aber im Minibus, der in 30 Minuten abfährt, sind noch 2 Plätze frei. Gut es ist eng, zwischen Sitz und vorderer Reihe sind nur 10 Zentimeter Platz, aber für 3 Stunden wird es gehen. Es dauert, bis wir aus dem anstrengenden Verkehr der Millionenstadt herauskommen und die Autobahn erreichen. Auch hier herrscht viel Verkehr. In dieser Region sind die meisten Firmen angesiedelt. Werbetafeln mit amerikanischen, japanischen und europäischen Namen dominieren. Wären da nicht welche mit thailändischen Schriftzeichen und hin und wieder ein Tempel, könnte man keinen Unterschied zu einer europäischen Region erkennen. Die neben mir sitzende Frau teilt Mandarinen mit uns. Wir schreiben “Danke” ins Handy und lassen es auf Thai übersetzen. Sie liest es und lächelt. Am Pier in Ban Phe hält der Bus und 15 Minuten später soll das Boot nach Ko Samet ablegen.
Ko Samet
Die Hilfsbereitschaft der Menschen macht das Reisen hier so angenehm. Immer ist jemand da, der mit dem Gepäck hilft oder eine Hand reicht.



So auch, als wir ins Boot steigen. Wir müssen Rettungswesten anlegen, das Boot wird angelassen, es gibt einen Knall und dann nichts mehr. Ein anderes Schiff wird herbeigerufen, alle klettern von einem schwankenden Boot in das andere und mit Verspätung geht es los. Als wir nach einer halben Stunde den Hafen sehen, streikt auch dieses Boot.

Nach mehreren Versuchen ist der Motor dann doch bereit, uns holpernd bis an den Pier zu bringen, wo eine große Statue die Reisenden grimmig anschaut. Sie sieht aus, als hätte ihr jemand das Handy in dem Moment geklaut, als sie ein Selfie machen wollte. Nachdem jeder 200 Baht Eintritt für den hiesigen Nationalpark gezahlt hat, bringt uns ein Sammeltaxi zu unserer Unterkunft auf der Ostseite der Insel mit den schneeweißen Stränden,
Unser Ressort ist den Hügel hinauf gebaut. Wir müssen über viele Stufen, um zu unserem Bungalow zu kommen. Jemand hat sorgfältig darauf geachtet, dass keine der 49 Stufen dieselbe Höhe hat. Das wird jetzt unser tägliches Training. Ein weiteres absolvieren wir in unserem Bungalow. Die Bodenplatte neigt sich um 10 Zentimeter von vorn nach hinten. Wann immer wir aus dem Bett aufstehen, erfasst uns leichter Schwindel. Und wer in die Dusche läuft, hat das Gefühl abbremsen zu müssen.
Das Meer hat eine wunderbare Temperatur, der Strand ist samtweich, keine Kiesel oder Muscheln trüben das Barfußlaufen. Hier werden wir uns zwei Wochen lang entspannen, bis wir uns langweilen.

Für ein paar Euro mieten wir zwei Liegen, Tisch und Sonnenschirm, ohne Schatten ist es hier nicht auszuhalten. Immer wieder laufen vermummte Strandverkäufer vorbei, um entweder Massagen, Tücher oder Essbares anzubieten. Wie anstrengend, in der Hitze mit Grill oder Kühltaschen herumzulaufen.
Ein schweißtreibender Spaziergang bringt uns auf die Westseite der Insel zum Sunset-Point. Die Ressorts auf dieser Seite sind schöner und teurer, allerdings kann der Strand es nicht mit dem auf der anderen Seite aufnehmen, er ist nicht strahlend weiß und voller Kieselsteine. Eine Wolkenbank verhindert den perfekten Sonnenuntergang.



Dafür entschädigt die geschmackvolle Beleuchtung der Ressorts. Im Dunklen laufen wir zurück auf die andere Seite, wo es bunter, schriller und lauter zugeht. Wir finden ein Lokal am Strand, wo keine Musik dröhnt und laufen am Meer zurück bis zu unserer Unterkunft.
Wir können am Strand entlang und über die Felsen mit der Meerjungfrauen-Statue bis nach Ban Na Dan “Samet-City” laufen. Neben der Riesin am Pier und dem Flötenspieler auf dem Kreisel davor, gehört auch die Meerjungfrau mit dem kleinen Jungen zu den Plastiken, die zu Ehren von Thailands berühmtesten Dichter Sunthorn Phu errichtet worden sind.


1821 hat er begonnen, eine 30.000 Zeilen lange Abenteuergeschichte zu schreiben, in der es um einen in Ungnade gefallenen Prinzen, verwunschene Prinzessinnen und die Reise durch fantastische Welten geht.
Direkt hinter dem Denkmal beginnt der Hauptstrand, an dem ein Lokal neben dem anderen liegt.

Abends übertrumpfen sie sich gegenseitig mit den fantasievollsten Beleuchtungen, der Lautstärke der Musik und der Länge der Strohhalme in den Cocktails. Doch jetzt am Tag und an einem Wochentag ist wenig los. Mehrere schwimmende Piers bewegen sich schlangenförmig auf den Wellen, da müssen wir einfach mal bis zum Ende laufen. Wie volltrunken taumeln wir kichernd über den Steg.








Im kleinen Ort laufen wir auf einer Nebenstraße und sind erstaunt über den großen Tempel. Direkt daneben eine Ansammlung armseliger Hütten, halb versteckt hinter Bergen von Müll. Die Bewohner verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln und Sortieren von Müll.
Ko Samet, der Name geht zurück auf die anspruchslosen Cajeput Bäume (auf Thai Samet), ist knapp 7 Kilometer lang, bis zu 2,5 Kilometer breit und zum größten Teil Nationalpark. Sie gilt als Inselperle, für uns eine, die nur noch an einzelnen Stellen glänzt. Obwohl die Insel laut Reiseführer hauptsächlich von Reisenden aus Bangkok besucht wird, sehen wir sehr viele westliche Touristen. Auch viele Paare Thai/Farang – mehr oder weniger miteinander vertraut – verbringen hier Zeit. “Du wieder Dummkopf,” mosert ein 200 Kilo-Mann seine zierliche Begleiterin an. Die nickt und ich hoffe, sie denkt dasselbe wie ich.
Jetzt, zum Ende der Regenzeit, verlieren die Teakbäume ihre riesigen ledrigen Blätter. Die Mitarbeiter unseres Ressorts haben alle Hände voll zu tun, die Wege freizuhalten. Erst zu Beginn der nächsten Regenzeit in drei bis 5 Monaten schlagen sie wieder aus. Wir hören ständig Vogelstimmen, die wir dank einer App bestimmen können. Den Indischen Koel, einen Flaggendrongo, den Grünrücken-Nektarvogel und den Gelbbrauen-Laubsänger haben wir schon identifiziert. Leider lassen sich die Verursacher der Töne selten oder gar nicht blicken.

Vollmond, bei Flut schrumpft der Strand auf ein Drittel seiner sonstigen Breite. Weil das Wochenende bevorsteht, werden vor den Restaurants lange Tischreihen für die zu erwartende Gäste aufgebaut, die letzten Tischbeine stehen bereits im Wasser. Abends bei Ebbe sieht das natürlich anders aus. Wir gönnen uns eine Massage in einem kleinen Salon im Hauptort. Eine Stunde walken, kneten und biegen die beiden zierlichen Frauen an uns herum, manchmal bis an die Schmerzgrenze. Das Gefühl danach ist umso besser.
Viele Touristen mieten sich Mopeds, um die Insel zu erkunden. Erstaunlich, dass sie hier alle Sicherheitsbedenken für sich und ihre Kinder über Bord werfen. Während sie die Kleinen zuhause keinen Meter auf dem Laufrad ohne Helm zurücklegen lassen und vor dem Kauf eines Kindersitzes alle Testberichte ausgiebig studieren, scheinen sie hier plötzlich ihrem Schutzengel zu vertrauen. Vater, Mutter und Kind sitzen in leichter Kleidung ohne Helm auf Rollern oder Mopeds. Und hier im Urlaubsparadies darf der Kleine während der Fahrt auch mal auf Papas Schoß sitzen und den Lenker halten.
Mit einem Sammeltaxi fahren wir an die Südspitze, die die Form eines Fischschwanzes hat. Je eine Seite für Sonnenauf- und -untergang. Über Plattformen und Holzstege kann man von einer zur anderen Seite gelangen. Nach ein paar Fotos laufen wir zurück zum Eingang. Da kein Fahrzeug zu sehen ist, machen wir uns zu Fuß auf den Rückweg. Am Straßenrand ein Hinweisschild zu einem Ressort. Wir folgen dem Weg und bestellen uns etwas zu essen. Als mein Papayasalat: “Not spicy” kommt, habe ich das Gefühl, meine Zungenränder werden weggeätzt. Ob “not” auf Thai extra heißt, und der hilflose junge Kellner mir einen Gefallen tun wollte? Jedenfalls wundert er sich nicht, dass er den vollen Teller wieder abräumen kann.
Es soll nach der Landkarte einen Fußweg geben, aber wir finden ihn nicht und laufen auf der befestigten Straße. Mehrere 11- bis 16-prozentige Steigungen sind zu bewältigen. Als uns der Wachmann vor dem nächsten Ressort dringend abrät, den Waldweg zu laufen, nehmen wir das nächstbeste Taxi. Noch zwei Tage später sind unsere Knie beleidigt.



Ayutthaya
Die Fahrt nach Ko Samet lief wie am Schnürchen. Kaum kamen wir irgendwo an, ging es spätestens nach 15 Minuten weiter. Bei der Rückfahrt ist es anders. Die Fähre kommt erst in 1,5 Stunden, ebenso der Bus, der zum Mo Chit Terminal im Norden Bangkoks fährt. Dort angekommen – es ist inzwischen 17.30 Uhr – müssen wir unsere Koffer über eine hohe Fußgängerbrücke auf die andere Straßenseite wuchten, um einen Bus nach Ayutthaya zu finden. Das zumindest klappt und zwei Stunden später setzt uns der Fahrer in der 80 Kilometer nördlich von Bangkok gelegenen Stadt am Straßenrand ab. Jetzt nur noch ein Taxi bestellen und uns zu unserer Unterkunft bringen lassen. Leichter gesagt als getan. Der erste Fahrer findet uns nicht, obwohl wir ihm mitteilen, dass wir vor der Ayutthaya City Municipality auf ihn warten. Wir bestellen das nächste Taxi, ein junges Paar hält an und bietet uns an, uns wohin auch immer zu fahren. Aber der Taxifahrer soll in 5 Minuten kommen und so lehnen wir das freundliche Angebot ab. Leider, denn auch dieser Fahrer findet uns nicht. Eine Frau auf einem Moped hält an und schlägt vor, doch einfach mit in ihr Hotel in der nächsten Querstraße zu kommen. Auch das müssen wir ablehnen, unsere Unterkunft ist gebucht und bezahlt. Doch plötzlich kommt von gegenüber ein Tuk Tuk angefahren, wir werden uns schnell einig und kommen doch noch zu unserem Guesthouse, wo wir schon sehnlichst erwartet werden. Umgehend steigen wir noch einmal in ein Auto, dieses Mal in das unseres Gastgebers. Er bringt uns zum Nachtmarkt, damit wir noch etwas zu essen bekommen. Gestärkt mit einer köstlichen Suppe mit Glasnudeln und verschiedenen Fleischeinlagen und in der Hand eine Tüte mit geschälten Mini-Ananas laufen wir den Weg zurück. Schließlich haben wir heute lange genug gesessen.





Wir gehen an der Mauer entlang, die verschiedene Bereiche des historischen Geschichtsparks (UNESCO Welterbe) umschließt und freuen uns über die beleuchteten Ruinen dahinter. Ein paar Fotos später und zwei Kilometer weiter sind wir wieder zurück bei unseren Gastgebern und sitzen noch ein Weilchen in der milden Abendluft vor unserem Zimmer.
In der Nacht werde ich wach, weil es draußen heftig stürmt. Die Plane über der Terrasse bläht sich auf und knattert laut. Irgendwo klappert ein Stuhl gegen das Balkongeländer. Am Morgen ist die Plane weg, der Sturm hat sich abgeschwächt und wir sind nach dem Frühstück bereit, den Geschichtspark zu erkunden.
Von 1350 bis 1767 war Ayutthaya die Hauptstadt des damals Siam genannten Königreiches. Die von Flüssen umgebene Stadt liegt wie auf einer Insel, doch diese natürliche Barriere reichte nicht aus, um die ganze Pracht vor Angreifern zu schützen. Um den Stadtkern wurde noch eine 20 Meter hohe und 5 Meter breite Stadtmauer errichtet.

Das Land rundherum wurde regelmäßig von den Flüssen überschwemmt, was einerseits ideal für den Reisanbau war und andererseits eine Eroberung erschwerte. Innerhalb der Mauern gab es mehre prunkvolle Paläste und über 400 Tempel. Der Ruf über Schönheit und Reichtum reichte weit über die Grenzen des Königreiches und zog Menschen aus vielen Ländern an. Es entstanden eigene Stadtteile für Bewohner aus England, Frankreich, Holland, Portugal und Japan. In der Mitte des 18. Jahrhunderts lebte über eine Million Menschen hier, doch 1767 gelang es birmesischen Truppen, die Stadt nach mehrmonatiger Belagerung einzunehmen.





Leider taten sie das, was Sieger gern tun, sie zerstörten die meisten der herrlichen Bauwerke, die doch erst ihre Begehrlichkeit geweckt hatten. Später bedienten sich viele an den herumliegenden Resten der Kunst- und Bauwerke. Ein großer Teil wurde verwendet, um die neue Königsstadt Bangkok aufzubauen. Was jetzt noch erhalten ist, liegt in einem großen Park mit vielen Teichen. Alles recht gepflegt, nur im Wasser liegt jede Menge Müll, Plastikflaschen, Tüten und Styroporverpackungen. Zu schade.
An einem Tag erkunden wir das 15 km² große Gelände zu Fuß, am zweiten leihen wir uns in unserer Unterkunft Fahrräder aus. In einzelnen Bereichen – hier müssen die Fahrräder draußen bleiben – zahlen wir Eintritt 50 Baht pro Person, rund 1,40 €. Kleine Beträge, in Europa würde es ein Vielfaches kosten. Je nach Sonnenstand bieten die Chedis, Statuen und Ruinen interessante Fotomotive.






Sonntagabend auf dem Nachtmarkt sind wir regelrecht überwältigt. Am Vorabend sind wir gleich nach links auf den kleinen Markt abgebogen, doch jetzt laufen wir geradeaus, vorbei an Matratzen, Polstergarnituren und Möbeln aus Massivholz – so massiv, dass man sie nicht mal anheben kann. Und dann kommt der Teil mit Lebensmitteln und Garküchen aller Art, es riecht köstlich, doch nirgends gibt es Plätze, um das Essen zu verzehren. Wir lassen uns mit der Masse treiben und können kaum glauben, wie riesig dieser Markt ist. Es gibt Karussells, Hüpfburgen, aufblasbare Rutschen und alles quietschbunt beleuchtet. Dabei hatte ich doch gelesen, dass der Markt eher klein sei. Aus dem großen Angebot suchen wir uns Sushi, Obst und eine halbe Ente aus und lassen uns mit dem Tuk Tuk zurück zum Hotel fahren. “Heute ist Winterfest”, informiert uns unser Gastgeber, als er uns Teller und Besteck für unser Essen bringt, “deshalb die vielen Stände.” Und tatsächlich ist am Montag nur noch der kleine Markt aufgebaut, keine bunten Lichter, keine Fahrgeschäfte, nur die tonnenschweren Möbel stehen noch da.

Am Dienstag verabschieden wir uns und fahren mit einem der hier üblichen Tuk Tuks mit dem “Vogelschnabel” zur Busstation. Noch vor 5 Jahren waren wir fast immer die einzigen in unserer Altersgruppe, doch das hat sich geändert. Zwei weitere Senioren-Paare warten bereits, und nach uns kommen zwei Frauen – auch in unserem Alter – und müssen unver-richteter Dinge wieder fahren. Der Bus ist ausgebucht. Wir haben am Vortag über unseren Vermieter die Tickets reservieren lassen.
Sukhothai
Der aus Bangkok kommende Bus ist pünktlich auf die Minute. Wir nehmen unsere Plätze im oberen Deck ein und bekommen sofort vom Schaffner Wasser, Saft und einen Snack gereicht. Die Fahrt durch das weite Reisanbaugebiet zeigt wenig Interessantes.




Ab und zu ein Tempel, Buddhastatuen und Verkaufsstände mit kleinen und großen Plastiken aus Buddhismus, Hinduismus und Christentum (Elefanten und Hähne, Ganesha und Brahma, Maria). Nach zwei Stunden gibt es eine Pause, an diesem Busterminal kann man einkaufen, essen und Toiletten gibt es auch. Sieben Stunden nach Abfahrt sind wir am Ziel und kaufen am Terminal Sukhothai gleich Tickets für unsere Weiterfahrt in drei Tagen. Ein Tuk Tuk bringt uns die letzten 10 Kilometer vom Terminal bis zum Hotel nahe dem historischen Stadtteil.

Am nächsten Tag bekommen wir zum Frühstück eine Spezialität serviert. In einem kunstvoll gefalteten Bananenblatt ist eine Art Kokospudding gegart worden, darüber werden die Scheiben einer kleinen Banane gelegt und das Ganze mit Honig von Wildbienen beträufelt.
Danach steht die Besichtigung eines weiteren UNESCO Welterbes auf unserem Programm, der Geschichtspark Sukhothai, die erste Königsstadt des Reiches Siam. Gegründet wurde sie 1238 auf den Resten einer ehemaligen Khmer-Siedlung, nachdem aus dem Norden eingewanderte Thais die hier lebenden Khmer vertrieben hatten. 120 Jahre lang wurden hier Tempel und Paläste neu errichtet oder umgestaltet.







Entstanden ist ein Areal, das noch heute verzaubert. Viele Teiche, Bäume und dazwischen die Ruinen der ehemaligen Gebäude. Es ist ruhig, schattig, friedlich, man möchte einfach dasitzen und schauen. Doch dazu ist das Gelände zu weitläufig. Wir mieten uns Fahrräder für zwei Tage (60 Baht = 1,63 €), um mehr von der alten Stadt zu sehen.





In der Markthalle kaufen wir Verpflegung für den Tag und fahren zu verschiedenen Tempeln. Heute ist Schulausflugstag, aus mehreren Bussen quillt eine rosa-blaue Masse von Jungen und Mädchen. Sie sind fröhlich und höflich, sie fotografieren uns und wir sie. Doch gleichzeitig wollen wir nicht dieselben Tempel besichtigen. Zu ausgeprägt auch hier die Manie, nicht die Sehenswürdigkeit, sondern sich selbst davor zu fotografieren. Allein ein Paar macht jeweils mehrere Fotos vor jedem Tempel, jeder Statue: Sie mit gespreizten, abgewinkelten oder gekreuzten Fingern, mal das rechte, mal das linke Bein gehoben, und dann noch alles miteinander kombiniert. Ist sie nicht zufrieden, wird das ganze wiederholt – das kann dauern. Bei den alten Brennöfen, in denen schon vor Jahrhunderten die filigrane Sangkhalok-Keramik hergestellt wurde, machen wir unser Picknick. Wachteleier im Wan Tan Teig, Eier am Spieß, gegrilltes Huhn und verschiedene Obstsorten machen uns satt und glücklich. Und dann sehen wir auch noch den Elefanten-Chedi, was für ein schöner Tag.
Am liebsten würden wir noch bleiben, so sehr hat uns dieser Ort gefangen genommen. Doch ausnahmsweise habe ich schon die übernächste Übernachtung gebucht. Wer kann schon einem Sonderangebot mit 78 % Rabatt widerstehen? Und so müssen wir sowohl von dem Ressort, in dem wir uns so wohlfühlen als auch vom Geschichtspark Abschied nehmen. Um 15 Uhr soll es vom Busbahnhof losgehen. Der aus Chiang Mai kommende Bus hat nur 15 Minuten Verspätung, und setzt zügig seine Fahrt nach Osten fort. Gute 6 Stunden sind für die 380 Kilometer lange Fahrt nach Khon Kaen vorgesehen. Natürlich klappt das nicht, der schwache Busmotor bringt es bergauf gerade mal auf 15 km/h. Die Berge gehören zum Nationalpark Nam Nao, von dem wir leider kaum etwas sehen, ist es doch bereits dunkel geworden. Kurz nach 23 Uhr sind wir in unserem Hotel. Zu essen gibt es nichts mehr, aber ich habe noch ein paar Bananen und Erdnüsse im Gepäck.
Vientiane (Laos)
Das Hotel liegt neben der Neuen Seidenstraße-Eisenbahnstrecke, die in naher Zukunft China mit Singapur verbinden soll. Die Einrichtung des Hotels ist dem Thema angepasst, Schwellen, Sitzplätze mit Gepäckhaltern, gegenüberliegende Bänke.

Wir fragen an der Rezeption nach einem Bus an die thailändisch-laotische Grenze. Die beiden jungen Männer überschlagen sich vor Eifer, kommen aber nicht recht weiter. Doch dann betritt der Hotelmanager die Bühne und weiß über alles Bescheid. Er spricht ein sehr gut verständliches Englisch und begleitet uns zum Frühstück, um sich weiter mit uns unterhalten zu können. Eine junge Frau fährt das Taxi zum Busterminal und bleibt bei uns, bis sie sicher ist, dass wir Tickets nach Udon Thani haben und dort auch in den Bus zur Grenzstadt Nong Khiaw umsteigen können. Doch zuerst müssen wir die 120.000 Einwohner zählende Großstadt Khon Kaen im Isan-Staat durchfahren, die sich auf ca. 50 km² ausbreitet. Immer wieder hält der kleine Bus und die Fahrgäste müssen zusammenrücken. Es sind hauptsächlich Schüler und Studenten, die zusteigen. Die Stadt hat mehrere weiterbildende Schulen und wichtige Universitäten, die von 40.000 Studenten besucht werden.
Auch nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen haben, herrscht dichter Verkehr. In dieser Region werden Reis und Zuckerrohr angebaut, für letzteres ist gerade Erntezeit. Ständig überholen wir voll beladene LKW. Nach drei Stunden erreichen wir Udon Thani, auch eine Großstadt, die uns aber schon beim Durchfahren besser als Khon Kaen gefällt. Sie ist grüner und lieblicher. Aus unserer geplanten Pause mit Mittagessen wird nichts, kaum hält unser Bus schnappen sich zwei Männer unsere Koffer und hieven sie in davorstehenden Bus, und fünf Minuten später fährt der bereits los. Zuerst geht es zum Flughafen, ein Paar aus Belgien will nach Chiang Mai. Die Zufahrt zum Gelände wird streng kontrolliert, Polizisten mit Maschinenpistolen und entschlossener Mine halten jedes Fahrzeug an und schauen sich die Insassen genau an. Anschließend wird der Fahrzeugboden mit fahrbaren Spiegeln untersucht. Kannte ich bisher nur von der innerdeutschen Grenze. Nach einer Stunde werden wir in der Grenzstadt Nong Khai herausgelassen und hier lauern die Schlepper, die uns für nur 40 € über die Grenze begleiten und 20 Kilometer weit in die laotische Hauptstadt bringen wollen. Wir winken ab und lassen uns erstmal den Ausreisestempel in den Pass setzen. Für die Fahrt mit einem Shuttlebus über den Mekong auf der Brücke der Freundschaft bezahlen wir zusammen 1,90 €. Bevor wir Laos betreten dürfen, müssen wir ein Visum haben. An verschiedenen Grenzübergängen kann man das bei der Einreise erledigen. Wir bekommen Formulare zum Ausfüllen, reichen die zusammen mit je einem Passbild und 40 US$ der Grenzbeamtin und können uns 30 Tage im Land aufhalten.
Der Geldautomat an der Grenze ist geizig, mehr als eine Million KIP rückt er nicht raus. Wir müssen sicher in der Stadt bald Nachschub holen, denn mit 54 € werden wir nicht allzu weit kommen. Eine halbe Stunde später setzt uns der Taxifahrer für 16 € vor unserem Hotel in der Hauptstadt ab. Wir bringen die Koffer in unser Zimmer und stürzen umgehend ins hoteleigene Restaurant. Gestern kein Abendessen, heute nichts zu Mittag. Wir sind richtig ausgehungert. Am heutigen Heiligen Abend sind wir die einzigen Gäste und nachdem wir Fish and Chips verzehrt haben, gehen wir auf Entdeckungstour.


Das Hotel liegt nahe der Xang-Prachtstraße, wo schon die erste Sehenswürdigkeit auf uns wartet, der Triumphbogen (Patuxai), der 20 Jahre nach der Unabhängigkeit von Frankreich (1949) errichtet worden ist. Er ist 49 Meter hoch und jetzt am Abend von allen Seiten angestrahlt. Links und rechts der Straße weihnachtliche Beleuchtung in allen Variationen. Wir kommen am von Soldaten bewachten Präsidentenpalast vorbei. Netterweise erklärt uns einer den Weg zum Nachtmarkt am Ufer des Mekong. Und hier ist wirklich viel Volk unterwegs. Die mobilen Stände – hauptsächlich mit Kleidung, Taschen, Schuhen und Handyhüllen stehen auf der einen Seite unterhalb der Straße, die festen mit ihren Garküchen auf der anderen, dem Fluss zugewandt. An diesem Abend ist die Straße gesperrt und die Fußgänger können ungefährdet kreuz und quer laufen. Klaus möchte für sein Handy eine neue Hülle, doch egal wo wir fragen, die Antwort lautet immer: “Don,t have!” Erstaunlich, das Angebot umfasst mehrere hundert oder tausend Artikel, und die Verkäufer wissen bei der Typenbezeichnung gleich Bescheid, ob sie das haben oder nicht.


Wir wechseln in den Essbereich und bestellen uns noch zwei von den köstlichen Fruchtshakes und Klaus kann den gebratenen Shrimps nicht widerstehen. Am Nebentisch wird gerade ein Hotpot serviert, Brühe in einem Topf über einer Gasflamme und auf kleinen Tellern Zutaten, die darin gegart werden. Gestärkt steigen wir in ein Tuk Tuk und lassen uns durch das Ausgehviertel zurückfahren. Elegant gekleidete Menschen steigen aus Luxusautos und schreiten in die festlich geschmückten Restaurants. Die weniger Eleganten schieben sich durch die vollen Straßen.


Am ersten Weihnachtstag bummeln wir mit vielen anderen durch mehrere Einkaufscenter. Obwohl nur 1,5 % der Bevölkerung Christen sind, wird daran gearbeitet, das westliche Konsumverhalten mit allem Drum und Dran zu etablieren. Was in Deutschland mit Halloween geklappt hat, könnte auch hier möglich sein. Die Kinder tragen rot-weiße Kleidung mit weihnachtlichen Motiven, amerikanische Weihnachtsmusik dröhnt aus allen Lautsprechern.








Am nächsten Tag lassen wir uns ins privat geführte Textilmuseum bringen. In schönen Holzhäusern werden wir über den Herstellungsprozess von Seide, ihre Verarbeitung und Färbung mit Pflanzen informiert. Eine kleine Gruppe nimmt gerade an einem Workshop teil und färbt weiße Seide mit Bindebatik in einem Bottich mit übelriechender Flüssigkeit indigoblau. Im kleinen Shop können die Erzeugnisse gekauft werden, dafür müssen jedoch viele Dollarscheine auf den Tisch gelegt werden; die Produkte sind es sicherlich wert. Am Abend essen wir Hotpot und suchen uns aus dem Angebot Fleisch, Fisch und Nudeln aus. Kräuter kommen sowieso dazu. Die in der Brühe gegarten Zutaten werden vor dem Verzehr in Erdnusssoße gestippt. Wir sind begeistert und ergänzen die 86.000 KIP großzügig auf 5,40 €.
Vor fünf Jahren waren wir von der weiter nördlich liegenden Stadt Luang Prabang entzückt. Vientiane kann da nicht mithalten. Für eine Hauptstadt gibt es noch viel zu tun. Müll überall fehlende Pflastersteine auf den Bürgersteigen, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Regierung müsste entsprechende Vorgaben machen und auch Anreize schaffen. Die Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben, haben keinen Sinn für Ästhetik. Eigeninitiative scheint auch nicht gefördert zu werden. Das merkt man an vielen Kleinigkeiten, in unserem Hotel gibt es morgens zweimal keine Butter “don,t have”, lautet die Antwort auf unsere Nachfrage, mal fehlt Toilettenpapier (nein, das liegt nicht an Corona), mal wird der Kühlschrank nicht aufgefüllt. Natürlich sind es Kleinigkeiten, aber das zieht sich durch alle Bereiche. Natürlich gibt es auch schöne Bereiche, aber leider überwiegen die anderen.










