Bukit Lawang – Orang Utans im Dschungel (Indonesien)

Auf der Rückfahrt nach Kuala Lumpur verzichten wir auf das Boot und fahren direkt mit dem Bus von unserer Unterkunft ab. Links und rechts sieht man über weite Strecken Palmölplantagen. Malaysia und Indonesien sind die Weltmarktführer bei Palmöl. Ständig begegnen uns LKWs, beladen mit den Palmfrüchten auf dem Weg zur Ölmühle. Nach vier Stunden sind wir schon wieder in Kuala Lumpur. Wir bleiben eine Nacht und einen Tag in der Stadt, in der wir uns schon beinahe zuhause fühlen. Am Abend gegen 22 Uhr fliegen wir in einer Stunde nach Medan auf Sumatra. Durch die Zeitverschiebung kommen wir zur selben Zeit an, in der wir abgeflogen sind. Indonesien hat merkwürdige Visabestimmungen. Es gibt ein kostenloses Visum für 30 Tage, das nicht verlängerbar ist. Weiß man schon, dass die 30 Tage nicht ausreichen, gibt es auch eine Bezahlversion. Die kann man dann nochmals um 30 Tage verlängern und wiederum für die neuen 30 Tage bezahlen. Das Ganze ist hoch kompliziert und mit viel Rennerei verbunden. Leider kann man nicht direkt ein 60 Tagesvisum erhalten. Eine Schlupflochvariante ist die kostenlose 30 Tages-Einreise, kurze Ausreise in ein anderes Land und erneute kostenlose 30 Tages-Einreise. Dafür haben wir uns entschieden und sind jetzt gespannt, wie es am Einreiseschalter abläuft. Der Beamte hinter dem Schalter will nicht mal unser Rückflug-Ticket sehen, blättert interessiert im Reisepass und freut sich, dass er zu den vielen Stempeln auch einen indonesischen setzen darf. So einfach kann es sein.
 
 

Unser Hotel in Flughafennähe überrascht uns. Die Rezeption ist in einer besseren Baracke untergebracht, aber unser Gepäck wird im Messing-Gepäckwagen transportiert. Es geht durch eine weitläufige Grünanlage, an Bungalows vorbei zu zwei gegenüberliegenden Blocks. Springbrunnen in der Mitte, Grünpflanzen, ein Fahrstuhl und ein sehr großes Zimmer mit schönem Bad. Am nächsten Morgen sehen wir die ganze Anlage bei Tageslicht. In unseren Augen alles etwas merkwürdig. Auf den Rasenflächen stehen über einen Meter große Figuren mit den Gesichtern der chinesischen Tierkreiszeichen, dort ist ein kleiner Tempelberg, hier ein Bonsaigarten, ein Säulengang mit Gesichtern der Tierkreiszeichen, rings um das große Gelände eine hohe Mauer. Viele Menschen sind mit Gartenarbeit beschäftigt, überall wird gefegt oder geharkt. Das ganze wirkt wie ein für die Elite gedachtes Refugium. Fragen können wir allerdings niemanden, die Menschen hier sprechen kaum englisch.
Der Bus zu unserem nächsten Ziel sollte schon um 7.30 Uhr in Medan abfahren – zu früh für uns nach der späten Ankunft am Vorabend – deshalb lassen wir uns im Taxi fahren. Wir können kaum glauben, dass die Fahrzeit fünf Stunden betragen soll, schließlich sind es nur 90 Kilometer Wegstrecke. Leider stimmt es, das liegt an den schlechtesten Straßen, auf denen wir bis jetzt unterwegs waren. Schlaglöcher von einem halben Meter Tiefe sind keine Seltenheit. Dabei sind wir nicht mal auf einer Nebenstraße unterwegs. Hier fahren, besser schleichen ständig LKWs voll beladen mit Palmfrüchten.
Mehrere Telefonate sind nötig, damit der Fahrer weiß, wo er uns hinbringen soll. Kurz vor Bukit Lawang biegt er links auf einen Parkplatz. Zwei Männer auf Mopeds erwarten uns schon. Als sie unsere Koffer sehen, müssen sie erstmal beratschlagen.
 
 

Schließlich versuchen sie, beide Koffer auf den Rücksitz eines Mopeds zu legen. Im Nu kommen noch drei Männer dazu, die nicht nur gute Ratschläge haben, sondern beherzt mit anpacken und das Gepäck mit Gurten festzurren. Einer der Helfer winkt mich heran, er wird mich auf dem Rücksitz seines Mopeds zur Unterkunft bringen. Der ältere der beiden wartenden Männer fährt mit Klaus. Rund drei Kilometer geht es auf der Straße zurück, dann biegen die Mopeds rechts ab in einen achtzig Zentimeter breiten Weg. Vorbei geht es an Gärten, über eine Hängebrücke und dann auf einer Strecke, die absolut motorcross-tauglich ist, durch Kautschukplantagen. Bergauf und bergab, über winzige Holzbrücken, durch Schlaglöcher, über einen 40 Zentimeter breiten Betonstreifen bis an das Ufer eines Flusses. Ich gestehe, der Schweiß den ich mir von der Stirne wische, hat eine leichte Rotfärbung (Blut geschwitzt). Mein Fahrer verabschiedet sich. Unser Bungalow liegt erhöht auf der anderen Seite des Flusses und bevor ich noch darüber nachdenken kann, wie wir dahin kommen, schultern die zwei Männer je einen Koffer und durchqueren den Fluss.
DSC03807.JPGWir hinterher, das Wasser reicht bis über die Knie. Mit nassen Schuhen und Hosen kommen wir in unserem Heim für die nächsten 5 Tage an. Wir melden uns gleich für den nächsten Tag zu einer Dschungeltour an. Irwan, der Besitzer unseres Häuschens und sein Mitarbeiter Selamat werden uns begleiten.
Um sieben Uhr werden wir geweckt, Irwan backt für Papa/Mama (so werden wir genannt) Bananenpfannkuchen zum Frühstück. Dann geht es los. Wieder dieselbe Strecke wie gestern auf dem Moped. Heute sind wir schon etwas entspannter. Die beiden halten an einem kleinen Laden. Wir sollen neue Schuhe aus Latex bekommen. Bei mir klappt das, für Klaus Füße gibt es nichts, die Schuhe gibt es nur bis Größe 42.
Ist auch besser so, wir würden uns bei dem Preis von 10.000 IDR pro Paar noch ruinieren. Kleiner Scherz, es sind die Zahlen bei denen man erst einmal zusammenzuckt, aber umgerechnet sind es nur 0,60 €.
 
 

Über eine Hängebrücke laufen wir zum Nationalpark und treffen gleich nach ein paar hundert Metern auf eine Gruppe Thomas-Languren. Diese flinken Primaten rennen die Bäume rauf und runter, schwingen sich an ihren langen Armen von Ast zu Ast und stoßen durchdringende Schreie aus. Wir würden ihnen noch stundenlang zuschauen, aber wir haben noch eine weite Strecke vor uns. Da wir nur zu viert unterwegs sind, bestimmen wir das Tempo. Es geht natürlich wieder bergauf. Aber als wir eine halbe Stunde später eine Orang Utan Mutter mit Kind sehen, ist alle Anstrengung vergessen.
 
 

Keine fünf Meter von uns entfernt hängt sie im Baum und ihr Junges turnt in ihrer Nähe herum. Drei weitere Gruppen mit Führer sind auch an dieser Stelle zu finden und natürlich wollen alle so viele Fotos wie nur möglich. Als sie versuchen, den Beiden näher zu kommen, ziehen sie sich ohne Hektik tiefer und tiefer in den Urwald zurück.
 
 

Kurze Zeit später kommen wir dazu, wie ein junges Männchen im Baum sitzt. Einer der Führer legt kleine Obststückchen auf eine Astgabel in zwei Meter Höhe und der Orang Utan kommt tatsächlich herunter und holt sie sich. Zwischen ihm und uns ist gerade noch ein Meter Platz. Die Orang Utan (Baummenschen) auf Sumatra unterscheiden sich von ihren Verwandten auf Borneo durch einen zierlicheren Körperbau und intensiv rötliches Fell.
Unsere beiden Begleiter führen uns steil bergab zu einem kleinen Flusslauf. Semalat pflückt ein paar große Blätter, die als Sitzunterlage und Platzdeckchen dienen, dann wird das Mittagessen serviert: Nasi Goreng und Obst.
 
 

Wie angenehm, hier zu sitzen. Es ist schattig, der Bach plätschert, Schmetterlinge gauckeln herum und die Zikaden präsentieren ein erstaunlich vielseitiges Konzert.
P1090958.JPGAuf dem Rückweg treffen wir eine Gruppe Makaken. Mit einem Sicherheitsabstand von ein paar Metern gehen wir am grimmig blickenden Männchen vorbei.
 
 

 

P1090962
neugieriges Baby

Als uns einen Kilometer vor dem Ausgang noch eine große Gruppe Thomas Languren mit ihren Kapriolen unterhält, sind wir überglücklich, dass wir so viele Tiere gesehen haben.
Bevor wir zurück fahren, gibt es noch eine Pause in Bukit Lawang und dann ab aufs Moped. Irsan hat inzwischen Lebensmittel eingekauft, damit er unser Abendessen kochen kann. Auch zwei Literflaschen Benzin hat er besorgt, damit der Generator nach Eintritt der Dunkelheit ein paar Stunden elektrischen Strom produziert. Sobald das Licht angeht, hängen wir alle elektrischen Geräte an die Steckdose. Ist das Benzin verbraucht, wird es stockdunkel.
Wir sind gerade mit dem Abendessen fertig, als es anfängt zu blitzen und zu donnern. Und dann kommt ein Tropenregen herunter, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Es hört sich nicht an, als ob jemand eine Dusche über dem Haus aufgedreht hat, eher wie eine Löschübung der Feuerwehr mit zehn Schläuchen. Wir müssen die überdachte Terrasse verlassen und ins Innere unserer Dschungelhütte flüchten, weil der Regen quer kommt. Das Gewitter tobt über Stunden und in dieser Nacht steigt der Wasserstand des Flusses um beinahe zwei Meter. Die Orang Utans schützen sich vor solchen Regengüssen, indem sie große Blätter abreißen und sich darunter kauern. Gut, dass wir bereits gestern die Tour gemacht haben, heute kämen wir gar nicht über den Fluss. Irwan – unser Vermieter – kennt jede Stelle und traut sich 50 Meter weiter schon mittags wieder durch stark strömendes, hüfthohes Wasser um Lebensmittel für uns einzukaufen.
 
 

Wir suchen uns eine geeignete Stelle, um auf indonesische Art unsere Wäsche im Fluss zu waschen. Gegen Abend ist der Wasserstand fast wieder normal. Junge Leute aus dem Ort treffen sich gern an dieser Flussbiegung um zu schwimmen, zu picknicken oder sich zu waschen. In dieser Nacht bleibt es trocken und Frösche und Zikaden unterhalten uns mit einem furiosen Konzert.
 
 

jeden Nachmittag kommen Bambus-Flößer vorbei

 
 

auch der Rinderhirte lässt sich regelmäßig blicken

 
Vor unserer Hütte sind Aschespuren zu sehen, sie stammen vom letzten Ausbruch des Sinabung der rund 100 Kilometer von hier entfernt ist. Wir wollen auf eigene Faust eine kleine Tour machen. „Geht nicht zu weit,“ warnt Semalat, der heute wieder mal gekommen ist, um Irwan zu helfen: „manchmal kommen Orang Utans aus dem Urwald ans Flussufer.“ Wir versprechen es. Auf unserer Seite des Flusses laufen wir durch Kautschuk- und Palmölplantagen ein Stück in den Urwald hinein.
 
 

Zurück wollen wir über den Fluss auf die andere Seite. Wir kommen an einem Haus vorbei, Wäsche hängt auf der Leine, zwei kleine Jungen spielen halbnackt auf der Erde, die Mutter schneidet Gemüse klein. Die etwa 5jährige Tochter kommt uns mit einem Eimerchen entgegen. Darin Zahnbürste und Zahnpasta, Seife und Waschlappen. Das Handtuch hängt über ihrer Schulter. Aufgeregt deutet sie auf meine Füße: Blutegel! Zwei der heimtückischen Blutsauger haben sich bereits an meinem Knöchel festgebissen.
 
 

Nachdem ich sie abgezogen habe, blutet es munter weiter. Der von diesen Viechern injizierte Blutverdünner behält 20 Minuten lang seine Wirkung. So lange dauert es in der Regel, bis sie sich vollgesaugt haben.
P1090994.JPGAls wir zurück sind, hat Irwan uns bereits den mittäglichen Obstteller hingestellt und mit Bananenblättern abgedeckt. Abends nochmal ein Tropenregen, aber unsere Abreise am nächsten Morgen wird dadurch nicht gefährdet.
Vorsorglich verbringen wir die letzte Nacht im Dorf Bukit Lawang. Unser Bus geht am nächsten Morgen schon um 8.30 Uhr und sollte es nochmal so ein heftiges Gewitter geben, wäre uns vielleicht der Weg versperrt. Irwan hat ein Haus im Dorf und vermietet darin zwei Zimmer. Für den Umzug verzichtet er auf den dritten Fahrer. Selamat und er tragen wieder unsere Koffer über den Fluss. Koffer vorn zwischen die Beine des Fahrers, wir auf den Rücksitz und zum letzten Mal fahren wir auf dieser Strecke für Könner. Sein Haus liegt zwischen vielen anderen und wir sehen vom Balkon aus das normale Leben. Hinter jedem Haus ein Fischteich, darin kann man sowohl sich als auch die Wäsche waschen, und zu Essen ist auch noch was drin.
 
 

Abends lassen wir uns zum Essen in den Ort fahren. Die vielen Hotels und Gästehäuser links und rechts am Flussufer leuchten bis zum Stromausfall romantisch in der Dunkelheit.
 

Von Lumut in den Urwald Taman Negara (Malaysia)

 
Wir warten auf unser Taxi, als es plötzlich knallt. Schon vor fünf Minuten ist mir ein Autofahrer aufgefallen, der sich unsicher an sein Lenkrad klammert. Er dreht den Kopf nach links und rechts auf der Suche nach einem Parkplatz. Dann hält er vor dem Restaurant gegenüber von unserem Hotel, lässt Frau und Tochter aussteigen und sucht erneut eine Stelle, wo er sein Auto abstellen kann. Dreimal versucht er zu parken, dreimal gibt er auf, um dann an derselben Stelle – wo Frau und Tochter ausgestiegen sind – anzuhalten und die Tür aufzureißen. Ein Mopedfahrer kann nicht mehr ausweichen, fährt gegen die Tür und stürzt. Laut weinend liegt er auf der Straße und umklammert sein Knie. Schnell sind ein paar Leute da, richten sein Moped auf, sammeln den heruntergefallenen Zeitungsstapel auf und versuchen, ihm auf die Beine zu helfen. Der Verursacher klopft an ihm herum, befühlt ihn hier und da und hat auch sofort ein wirksames Schmerzmittel in der Hand: mehrere Geldscheine, die rasch in der Tasche des Verletzten landen und eine Wunderheilung bewirken. Den Ausgang bekommen wir nicht mehr mit, das Taxi ist da.

Mit der Fähre geht es von Georgetown auf die andere Seite nach Butterworth. Vom Terminal aus fahren ständig Busse durch ein Riesenbaustelle zum Busterminal. Wir hatten im Internet unsere Fahrkarten gebucht, konnten sie aber nirgends ausdrucken. Unsere Sorge war umsonst, hier wird auch die elektronische Version akzeptiert. Wir fahren durch Butterworth, überall Baustellen. Gegenüber Georgetown – der schönen Schwesterstadt auf Penang – besteht hier erheblicher Nachholbedarf. Die Fahrt bringt uns über die Autobahn zügig voran. Als wir die Küstenstadt Lumut erreichen, genügt ein Telefonanruf bei unserem Vermieter und fünf Minuten später werden wir an der Bushaltestelle abgeholt. Wir haben in einem Hochhaus ein Appartement gemietet. Es gibt eine Küche ohne Herd, aber dafür steht direkt neben dem Bett eine Waschmaschine.

Der Ausblick von unserem Balkon in der 13. Etage erfreut uns die nächsten Tage. Lumut selbst hat nicht viel zu bieten, die meisten Touristen nutzen nur den Fährhafen, um auf die Insel Pulau Pankor zu kommen, die ein beliebtes Ziel an Malaysias Westküste ist. Wir haben keine Zeit um auf die Insel zu fahren, wir waschen. Nach vielen Handwäschen machen wir Generalreinigung einschließlich der Schuhe.
DSC03521Und dann macht Klaus Ohr mal wieder Probleme. Eine Klinik ist in der nächsten Stadt, die Chance nutzen wir. Wir sind sprachlos, was wir da vorfinden, ein hochmodernes Krankenhaus. Aufnahme, fünf Minuten später Voruntersuchung, kurz darauf der Facharzt. Er schreibt ein Rezept aus, und als wir in die Apotheke im selben Gebäude kommen, liegen die Medikamente unter seinem Namen schon bereit.
Zurück wollen wir mit Uber fahren. Leider ist nach der Bestellung des Autos der Akku im Handy leer.  In einem Laden gegenüber vom Krankenhaus ist man gern bereit, das Handy kurz an den Strom anzuschließen. Im Display ist zu sehen, dass das bestellte Auto durch sämtliche Straßen in den Nähe kurvt, aber der Fahrer findet uns nicht, obwohl ich gut sichtbar am Straßenrand warte. Auch ein zweiter Versuch schlägt fehl. Eine Stunde später: Ein Angestellter aus dem Handyladen hat Feierabend; er erbarmt sich und fährt uns zurück. Er nimmt kein Geld und lässt sich auch nicht von uns ins Restaurant einladen. Wir können ihm nur herzlich danken und seine Hilfsbereitschaft loben.
Der nächste Tag beschert uns ein Wiedersehen mit Kuala Lumpur. Der Bus fährt um 7.30 Uhr in Lumut ab und wir sind gegen 13 Uhr in unserem Hotel. Unser Zimmer ist noch nicht bezugsfertig und wir wollen den Nachmittag am liebsten in einem der großen Parks in der Innenstadt verbringen. Nur eine Station mit dem öffentliche Nahverkehr, dann steigen wir an der großen Moschee aus, um zum Vogelpark zu laufen. Wir laufen schon eine Weile, als wir auf einen dieser kleinen offenen Busse treffen. Der Fahrer bietet uns eine Fahrt für 3 € durch die Parklandschaft an. Bei 35 Grad keine schlechte Idee.

Wie gut sie wirklich ist merken wir erst, als uns die Entfernung bewusst wird. Es geht an einem großen Teich vorbei zum Hirschgehege (Eintritt frei). Hier steigen wir aus und laufen zwischen den Volieren auf angelegten Wegen zum Gehege der Hirsche und wieder zurück. Der Fahrer nimmt uns auf seiner nächsten Runde mit zum Vogelpark. Schweißnass fehlt uns plötzlich die Motivation, in dem großen Gelände herumzulaufen. Auf dem Stadtplan sah alles so überschaubar aus, aber in Wirklichkeit ist die Parklandschaft riesig. Also zurück ins Hotel und eine kühle Dusche genießen. Abends noch ein wenig herumlaufen. Es ist sehr viel angenehmer ohne Sonnenschein, obwohl es nicht merklich kühler ist.
Am nächsten Morgen geht es auch wieder früh los. Eine vierstündige Bus- mit anschließender dreistündiger Bootsfahrt auf dem Sungei (Fluss) Tembeling soll uns in den Taman Negara (übersetzt Nationalpark) mit dem ältesten Regenwald  der Welt (130 Millionen Jahre alt) bringen .

Der Fluss fließt durch einsames Gebiet. Die Freude ist groß, als ich einen spielenden Otter in Ufernähe entdecke. Auf halber Strecke auf dem Fluss geht ein tropischer Regen nieder. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil unserer Hartschalenkoffer gegenüber den Rucksäcken. Als es anfängt zu schütten, steuert der Bootsführer das Ufer an und bringt gemeinsam mit den Backpackern deren Rucksäcke ins Heck und deckt sie notdürftig mit einer Plane ab. Unsere Koffer können im Bug liegenbleiben. Das Dach über uns schützt nicht wirklich, der Regen kommt von allen Seiten und peitscht uns ins Gesicht. Wir suchen Schutz unter unserem Regenschirm. Unsere Mitfahrer und wir erreichen völlig durchnässt Kuala Tahan, das Dorf am Eingang des Parks. Unser Boot macht an einem schwimmenden Restaurant fest. Hier warten wir, bis es nur noch tröpfelt und machen uns über steile Treppen auf den Weg zu unsrer kleinen Lodge direkt am Ufer des Flusses. Während die Backpacker ihr tropfendes Gepäck schultern, sind unsere Koffer nur von außen nass.
Tags darauf sehen wir uns den Ort genauer an. Es gibt viele kleine Agenturen für Trekkingtouren in den Tahan Negara. Von einem halben bis zu drei Tagen mit Übernachtung im Zelt ist alles im Angebot. Wir entscheiden uns für die kürzeste Version und sollen am nächsten Tag um 9.15 Uhr wieder an der Agentur sein. Von den schwimmenden Restaurants legen kleine Fährboote nach Bedarf ab, um die Gäste auf die andere Seite zu bringen.

Man zahlt pro Person 1 Ringgit (20 Cent). Eine steile Treppe führt zum Eingang des Nationalparks und einem sehr großen Ressort mit über 100 Bungalows. Für das Gepäck gibt es hier einen „Aufzug.“ Die Eintrittskarte kostet ebenfalls 1 Ringgit und gilt maximal einen Monat. Sollte man bei einer Kontrolle keine Karte vorzeigen können, sind 10.000 Ringgit fällig, ersatzweise bis zu 2 Jahren Gefängnis!?
Mit einem Führer gehen wir und drei junge Franzosen auf die Tour. Das Hauptmerkmal dieser Führung liegt auf der Pflanzenwelt.

Er zeigt uns Ingwer und Hibiskus, die Nationalblume Malaysias. Beide werden auch zur Heilung von Krankheiten eingesetzt. Ingwer gegen Magenprobleme, Erkältungen und Fieber. Die Blätter des Hibiskus sind ebenfalls fiebersenkend. Von einer anderen Pflanze werden die Blätter zerknüllt, ein bisschen Wasser dazu und dann solange zwischen den Händen gerieben, bis ein üppiger Schaum entsteht. Dieser wirkt blutstillend oder gegen den Juckreiz nach Insektenstichen. Wir sehen Rattan, der dicht mit Stacheln bestückt ist, die lang und spitz wie Stecknadeln sind. Hat die aufwärts strebende Ranke Halt gefunden, fallen die Stacheln ab. Armdicke Lianen hängen immer wieder quer über unseren Weg, der zuerst über bequeme Stufen und später steil bergauf durch unwegsames Gelände geht. Lianen haben innen Wasseradern. Ist die Flüssigkeit klar, kann man sie trinken. Wenn sie allerdings rot oder milchig ist, ist sie giftig. Auch verschiedene Bambusarten sind wasserspendend und können Menschen helfen im Dschungel zu überleben.

Während Bambus bis zu 1,5 Meter pro Tag wachsen kann, schaffen manche der Urwaldriesen gerade mal 2,5 Zentimeter pro Jahr. Je geringer das Wachstum, umso dichter das Holz, das auch unbehandelt resistent gegen Fäulnis und Insektenfraß ist. Einige Pflanzen haben so große Blätter, dass sie von Menschen als Sonnen- oder Regenschutz verwendet werden. Während dieser interessanten Erzählungen sind wir an dem angesteuerten Aussichtspunkt angekommen. Von hier aus sieht man auf der anderen Flussseite ein Dorf, das noch von Ureinwohnern, den Orang Asli bewohnt wird. Sie pflegen noch viele ihrer Traditionen, wie die Jagd mit dem Blasrohr aus Bambus. Die Pfeilspitzen werden mit einer giftigen Latexmilch präpariert. So erbeuten sie Affen, Vögel und Flughunde, die auf ihrem Speisezettel die Eiweißlieferanten sind.

Weiter führt der Weg zum nächsten Höhepunkt, dem Canopy-Trail, einem Baumwipfelpfad der in bis zu 60 Meter Höhe verläuft. Elf verschieden lange, auf- oder abwärts geneigte Stege, versehen mit einem Drahtnetz an beiden Seiten führen über 500 Meter weit durch den Urwald. Ein Teilstück endet und beginnt immer auf der Plattform um einen Baum. Im Abstand von 10 Metern zum Vordermann betritt man die schwankenden Stege. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, in dieser Höhe zu laufen aber keinesfalls ein unsicheres. Über eine leiterähnliche Treppe geht es zum Boden zurück. Das hat richtig Spaß gemacht. Bewohner dieser Baumwipfelzone bekamen wir allerdings nicht zu Gesicht. Und jetzt liegt nur noch der Rückweg über unzählige Stufen bergab vor uns.

DSC03591
endlich, ein Malaysia-Tiger

Am nächsten Tag machen wir uns allein auf den Weg. Wir kaufen am Parkeingang eine Landkarte und laufen los, zuerst am Tahan Fluss (kleiner Nebenfluss) entlang, dann über Stufen bergauf. Es folgt ein Naturpfad über Wurzeln, Baumstämme, Schlammlöcher und Felsbrocken. Entgegen kommende  junge Wanderer bitten uns, sehr vorsichtig zu sein, der Weg sei nicht ungefährlich. Scheinbar zweifelten sie an unserer Trittsicherheit. Wir sind gerührt und geben uns wirklich alle Mühe, ihnen zuliebe wieder heil zurück zu kommen.

Wenn uns im letzten Jahr jemand gefragt hätte: „Würdet ihr allein in den Urwald gehen?“ Wir hätten vehement den Kopf geschüttelt. Undenkbar! Und nun laufen wir hier alleine eine Strecke von 8 Kilometern, machen ab und zu auf einem dicken Baumstamm sitzend eine Pause und fühlen uns total sicher. Der letzte Kilometer fällt uns zwar nicht leicht, aber das liegt am kräftezehrenden Weg und der nun merklich größeren Mittagshitze. Eines ist uns klar geworden: Wilde Tiere, Schlangen und Urwaldvögel bekommt man auch hier nur durch lange Expeditionen tief in den Urwald und mit viel Geduld beim Ansitzen vor die Kamera.

Chinesisches Neujahr auf Penang (Malaysia)

Wir haben Tickets für den 11 Uhr Bus nach Georgetown auf der Insel Penang in Malaysia. Ein umsichtiger Fahrer steuert den Minibus, dessen Armaturenbrett zu unser aller Sicherheit mit mehreren kleinen Buddhastatuen, Elefantengöttern, Devas und einem Wackeldackel bestückt ist, durch Krabi und weiter auf der Landstraße Richtung Süden. Die charakteristischen bewachsenen Kalkfelsen, die wir in Khao Sok und in der Andamanensee gesehen haben, begleiten unseren Weg. Kurz vor der Grenze steigen wir um in einen anderen Bus, der uns bis nach Georgetown bringen wird.

Für Malaysia besteht für Reisende aus Deutschland keine Visumspflicht, so läuft die Einreise problemlos ohne große Wartezeiten. Fingerabdrücke werden eingescannt, ein Stempel kommt in den Pass, das Gepäck wird durchleuchtet, und wir sind in einem anderen Land. Die Uhr muss eine Stunde vorgestellt werden, nun sind wir Deutschland sieben Stunden voraus.

Auch in Malaysia herrscht Linksverkehr. Kurz hinter der Grenze fallen in der tropischen Vegetation schöne moderne Häuser auf. Die Ortschaften links und rechts der Straße machen einen guten Eindruck. Es ist dunkel geworden. So langsam müssten wir doch auf die Fähre kommen denken wir, dabei sind wir schon längst auf Penang. Wir sind über die 13,5 Kilometer lange Schrägseilbrücke vom Festland bei der Stadt Butterworth bis auf die Insel gefahren. Georgetown gefällt uns auf Anhieb. Eine tolle Mischung aus alten und modernen Gebäuden viele Lokale, bunte Lichter und jede Menge Menschen auf der Straße.

Der Busfahrer lässt uns vor einem Lokal aussteigen und nun stehen wir auf der Straße und haben nur noch ein paar Ringgit von unserem letzten Besuch in Kuala Lumpur. Nicht genug für ein Taxi und die Telefonkarte ist inzwischen abgelaufen. Es bleibt nur die Suche nach einem Bankautomaten (ATM). Klaus geht los, ich bewache das Gepäck. Per Taxi geht es dann zum Hotel, natürlich bezahlen wir wieder zuviel. Das Übliche, wenn man gerade angekommen ist. Ich habe dem Hotel unsere Ankunftszeit mit 20 Uhr durchgegeben, aber nun ist es schon zwei Stunden später. Gepäck ins winzige Zimmer, Hände waschen und gegenüber das erstbeste Lokal aufsuchen und das alles in fünf Minuten. Wir sind zu müde, um nochmal in den Trubel der Stadt einzutauchen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt und orientieren uns am alles überragenden KOMTAR, einem 250 Meter hohen Büroturm, dessen Besonderheit ein „Skywalk“ (ein halbrunder begehbarer  Glassteg) ist. Unten befindet sich ein älteres  Einkaufszentrum, doch heute sind viele der Geschäfte geschlossen. Es ist der 15. Februar, das diesjährige chinesische Silvester. Schon bei unserer Ankunft haben wir die vielen roten Lampions gesehen, die alle Straßen festlich schmücken. Weiter in der Innenstadt dasselbe Bild, die kleinen Geschäfte sind geschlossen, die großen modernen Einkaufszentren haben geöffnet und locken mit Super-Sonder-Neujahrs-Angeboten.

Georgetown, die kunterbunte Hauptstadt der Insel Penang, ist seit 2008 Weltkulturerbe. Eine großartige Stadt, in der Menschen vieler Kulturen friedlich zusammen leben und Christen, Muslime und Buddhisten ihre religiösen Bauten in unterschiedlicher Anzahl und Größe errichtet haben. Englische Gebäude aus der Kolonialzeit stehen gleichberechtigt chinesischen Geschäftshäusern gegenüber. Chinesen sind eindeutig in der Überzahl, deshalb sind auch zum wichtigsten Fest des Jahres alle von ihnen betriebenen Läden und Lokale geschlossen. Nur in Little India geht das Leben seinen gewohnten Gang. Wir kommen an ganzen Straßenzügen vorbei, die geräumt und teilweise entkernt auf den Abriss warten. Gerogetown braucht Platz für weitere imponierende Hochhäuser. Zum Glück sehen wir aber auch, dass einige von den prächtigen alten Gebäuden restauriert werden. Es wäre auch zu schade, wenn diese Stadt nur noch „modern“ wäre. Damit würde sie ihren Charakter verlieren.

Wir sind auf dem Weg zu den Jetties. Das sind lange Holzstege, die ins Meer gebaut wurden und an denen die ersten Einwanderer aus China vor ca. 100 Jahren ihre Stelzenhäuser gebaut haben. Das hatte den einfachen Grund, dass für über dem Wasser errichtete Häuser keine Steuern erhoben wurden. Diese Regelung gilt noch heute und bis jetzt tragen die Jetties den Namen des jeweiligen Clans. Sechs von ihnen existieren noch und werden weiterhin von den Nachfahren bewohnt. Inzwischen gibt es hier in einigen der Häuser Läden und Lokale, andere sind weiterhin nur Wohnhäuser. Gerade ist Ebbe und der Verfall der Jetties wird überdeutlich. Wahrscheinlich haben sie die längste Zeit existiert. Auf dem Schlickboden liegen Reste von Booten und Hütten, lange wird es nicht dauern, bis sie ganz verrottet sind.

An diesem Silvesterabend ist nicht viel los, normalerweise herrscht hier abends reger Betrieb, Menschen gehen spazieren oder essen auf dem nahen Foodmarket. Nur heute nicht, die Chinesen, verbringen den Abend nach alter Tradition zusammen mit der Familie bei einem guten Essen im Haus. Deshalb sind auch alle chinesischen Lokale geschlossen. Uns knurrt langsam der Magen, aber weit und breit kein geöffnetes Lokal. Wir steuern eines der Einkaufszentren an und Kenny Rogers (genau, der Sänger) rettet uns. Er hat eine Restaurantkette mit seinem Namen „Kenny Rogers Roaster“ das er zusammen mit dem Besitzer von „Kenntucky Fried Chicken“ gegründet hat. Spezialität sind Hähnchen. Es gibt sie gegrillt als ganzes, halbes oder viertel Tier. Dazu leckere Salate., alles frisch. Damit sind wir sehr zufrieden und laufen zurück zum Hotel.

Das erwartete Feuerwerk wird anders gezündet, als wir es uns vorstellen. Auch hier werden Raketen in den Himmel geschossen, aber jeder macht das irgendwann. Ab 22 Uhr geht es los. Über die ganze Stadt verteilt werden mal hier dann dort ein paar Raketen gezündet. Ständig knallen irgendwo ein paar Böller oder ganze Böllerketten.  Es zieht sich stundenlang hin, aber es gibt keinen Höhepunkt.

Am Neujahrstag wollen wir die Jetties noch einmal im Sonnenschein und bei Flut besuchen. Mit uns sind viele andere Menschen auf die Idee gekommen und so schieben wir uns über einen Holzsteg bis zur Plattform an deren Ende.

Viele rot (Glücksfarbe) gekleidete Chinesen genießen ihren wichtigsten Feiertag mit der ganzen Familie, machen Fotos, kaufen den Kindern Süßigkeiten und strahlen mit der Sonne um die Wette. Auf dem Rückweg probieren wir Durian-Eis (Stinkfrucht). Eins ist klar, Fans werden wir nicht. Das Eis schmeckt wie süßer, cremiger Munsterkäse. Danach zieht es uns in der Altstadt; wir wollen „Street Art“ anschauen. Der Litauische Maler Ernest Zacharevic hat hier viele Kunstwerke auf Wänden und Mauern gestaltet und andere Künstler inspiriert, es ihm gleichzutun. Aus Stahlstäben gebogene und geschweißte Motive sieht man auch sehr häufig. Auf rund 4 Kilometern kann man in der Altstadt nach den Kunstwerken suchen.

Häufig haben wir bemerkt, das abends vor einigen Häusern Räucherstäbchen abgebrannt werden. Heute sind es Räucherstäbe oder Räucherstämme, die bunt gefärbt und verziert vor Häusern und Tempeln für Glück im neuen Jahr sorgen sollen. Wir laufen zur Promenade am Meer, hier sind bei leichtem Wind die 33 Grad gut zu ertragen.

P1090801

Direkt neben unserem Hotel gibt es ein italienisches Lokal, das auf seiner Festtagsspeisekarte ausgewählte Spezialitäten anbietet. Wir entscheiden uns für Surf and Turf (Steak mit Minihummer) und  dazu einen guten chilenischen Weißwein. Schließlich muss man die Feste feiern wie sie fallen. Der Wirt – begeistert über unsere Menüwahl und das wir aus Deutschland kommen – spendiert uns noch eine Portion Tiramisu, köstlich.

Am nächsten Tag wollen wir den kleinsten Nationalpark der Welt besuchen. Er liegt 50 Kilometer entfernt im Norden der Insel Penang. Am Busbahnhof herrscht Gedränge, viele Menschen wollen heute raus aus der Stadt. Es ist nicht unbedingt der Nationalpark, den sie ansteuern wollen, aber ein paar Kilometer davor liegt ein beliebter Ferienort mit Straßenlokalen, Souvenirläden und Strandzugang. Drei Busse halten gar nicht erst an, weil sie schon überfüllt sind. In den vierten quetschen wir uns mit vielen anderen Fahrgästen rein. Nachdem wir Georgetown verlassen haben, können wir zwei Sitzplätze ergattern. Das lässt die wilde Fahrt etwas leichter erscheinen. Wie erwartet, steigen über 90 % der Fahrgäste in Batu Ferringi aus.

Es ist Mittagszeit, als wir am Ziel aussteigen. Erst müssen wir uns stärken und gehen in ein Lokal. Alle Tische sind besetzt, bis auf einen. Dort setzen wir uns hin, aber niemand kommt. Nach einer Weile winken wir einer Bedienung zu. Sie fordert uns auf, uns an einen anderen, inzwischen freien Tisch zu setzen. An unserem bisherigen Tisch wird nicht bedient. Das müssen auch alle nach uns kommenden Gäste feststellen. An großen runden Tischen sitzen festlich gekleidete Großfamilien. Die Kleinsten haben die Aufgabe, allen Erwachsenen am Tisch rote Umschläge mit Geldgeschenken zu überreichen. Dass mitten im zur Straße offenen Restaurant ein Auto parkt, wundert niemanden außer uns. Wir dürfen noch miterleben, dass der Besitzer mit seiner Familie nach dem Essen ins Auto steigt und mit Hilfe mehrerer Kellner wieder auf die Straße geleitet wird. Jetzt können die Tische auch wieder etwas großzügiger gestellt werden.

Der Parkeingang ist nicht weit vom Lokal entfernt. Es kostet keinen Eintritt, man muss sich nur in ein Buch einschreiben und später wieder austragen, damit man weiß, dass niemand verloren gegangen ist. Es geht ein Stück am Meer entlang, Affen turnen in den Bäumen. Zwei Wege sind leider wegen beschädigter Brücken gesperrt, es bleibt nur der Weg links in den Regenwald. Es geht zunächst über Stufen bergauf, danach über Stock und Stein. In der Wärme strengt das ständige Bergauflaufen ziemlich an. Wir rasten in einer kleinen Hütte. Mehrere zurückkommende Wanderer warnen uns davor, noch weiter zu gehen. Der Endpunkt ist noch zwei Stunden entfernt, und dann muss man denselben Weg zurück. Da es inzwischen 16 Uhr ist, müssen wir nicht lange überlegen und treten den Rückweg an.

Als wir das Meer wieder erreichen, kommen uns mehrere Familien entgegen. Sie wollen nach der Ausrüstung zu urteilen ein Picknick veranstalten. Offenbar wissen das die Affen und lauern auf Beute. Wenn Kinder etwas Essbares in den Händen halten, ist es ruckzuck geklaut und die Kinder fangen laut an zu weinen. Zwei Mütter schnappen sich ihre Kleinen, halten sie fest an sich gedrückt und laufen eilig den Weg entlang. Ein Affe fällt wegen seines sonderbaren Verhaltens auf. Als wir näher kommen sehen wir, dass ihm beide Hände fehlen, wie das wohl passiert ist?

Der Bus zurück ist noch voller, als auf dem Hinweg. Wir sind so eingekeilt, dass man in den Kurven wenigstens nicht umfallen kann. So viel Körperkontakt ist für uns ungewohnt. Hier sind keine Individuen unterwegs, sondern nur noch eine homogene Masse.

Abends wollen wir zum Essen nicht mehr sehr weit laufen, und finden in der Nebenstraße ein wieder geöffnetes chinesisches Lokal. Die junge Bedienung berät uns ausgezeichnet und wir bestellen eine Auswahl der Spezialitäten. Alles schmeckt uns. Wir sind mitten beim Essen, als nebenan ein Nachbar eine Böllerkette zündet. Innerhalb weniger Minuten sind wir von dichtem Nebel umhüllt. Die Besitzer des Lokals sind wütend, die Gäste auch. Aber dafür werden uns im beginnenden Jahr des Hundes dieselben nicht beißen und auch böse Geister dürften nun ihre Chancen – uns etwas anzutun – eingebüßt haben.