Monywa, die Höhlen von Hpo Win Daung und ein altes Kupferbergwerk (Myanmar)

Unser Tuktuk-Fahrer vom Samstag fährt uns vom Hotel zur Busstation.
DSC00153Sofort rennen ihm etliche Männer entgegen, die wissen wollen wohin es geht. Einige wenden sich sofort enttäusch ab, als sie das Ziel erfahren, andere wollen uns überreden, woanders hin zu fahren. Zum Schluss bleiben zwei übrig, die uns zu einem Kleinbus bringen.

Buse transportieren auch Frachtgut / was nicht auf’s Moped passt kommt auf den Bus /i rgendjemand kauft immer was
Kopftransport ist ganz normal
schon früh an Technik interessiert


Die Koffer kommen zusammen mit Säcken und Paketen aufs Dach. Pünktlich um 11 Uhr geht es los. Nach 100 Metern stoppt der Bus und die zwei Gehilfen, die sich schon um uns gekümmert haben, rennen draußen herum und versuchen weitere Menschen dazu zu bringen nach Monywa zu fahren. Das wiederholt sich noch etliche Male, der Bus stoppt, die beiden schreien das Fahrziel in die Gegend und dann wird es wirklich so voll, dass einer der beiden vor der Flussbrücke zurückbleibt und der andere auf dem Dach mitfahren muss. Wir überqueren den mächtigen Irrawaddy und bestaunen mal wieder die angebotenen Waren links und rechts der Straße.
Ab und zu kommen uns Ochsengespanne entgegen. Nach ungefähr 1 ½ Stunden gibt es wieder eine Essenspause vor einem Lokal, nach 15 min geht es weiter. Nach und nach wird es leerer, und der Dachhocker kann wieder neben Klaus Platz nehmen. Exzessiv kaut er Betelnüsse und spuckt den roten Speichel in eine leider durchsichtige Tüte. Nach und nach kommt eine ganze Menge zusammen. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb schauen wir stur zur anderen Seite und versuchen auch die Nase zusammen zu kneifen. In Myanmar ist die Droge so sehr verbreitet, dass Männer nur deshalb attraktiv wirken, weil sie weiße Zähne haben. Das ständige Ausspucken, die roten Münder und Zähne, die schadhaften Gebisse sind einfach nur abstoßend. Die vielen roten Flecke auf Straßen und Wegen lassen anfangs an Messerstechereien oder Tieropfer denken, aber es sind die Rückstände der Betel-Junkies.
P1080004.JPGIrgendwann ist auch diese Fahrt vorbei, wir erreichen Monywa, die Stadt mit dem größten stehenden Buddha der Welt (130 m) und wir lassen uns von einem Tuktuk zum Hotel bringen. Wir verabreden uns mit unserem Tuktuk-Fahrer für den nächsten Tag zu einem Ausflug zu den Hpo Win Daung Höhlen.
Er holt uns pünktlich ab und wir rasen mit 20 km/Stunde über die Landstraße, überqueren zuerst den Chindwin, der in den Irrawaddy mündet und etwa 10 mal so breit ist, wie der Rhein bei Mainz, und später noch einen Nebenfluss.
p1080020.jpgZwischendurch sehen wir ein paar Menschen mitten auf der Straße hocken. Keine Absperrung, kein Warnhinweis, keine Warnweste, kein Aufpasser. In kleinen Körben haben sie Asphalt und bessern die schlimmsten Straßenschäden aus. Wo vorher tiefe Löcher waren, sind jetzt Beulen.

(etwas verwackelt während der Fahrt)


Und etliche Kilometer weiter sehen wir, wie Straßenbau in Myanmar funktioniert. Am Straßenrand liegen auf einer Seite Stein- und auf der anderen Sandhaufen. Männer und Frauen in der typischen Hockhaltung sortieren die kleineren Steine in gelbe Plastikbehälter von der Größe einer Auflaufform. Andere schaufeln Sand in ebensolche Behälter. Beides tragen sie zu einer nur für sie plausiblen Stelle und kippen die Behälter dort aus. Die großen Steine werden ein Stück weit auf der einen Fahrbahnseite und dann in Flächen von ca. 3 auf 8 Meter ausgebreitet. Dann ist ein ebenso großes Stück ausgelassen, usw. Später kommt noch eine Straßenwalze zum Einsatz, die jeweils diese paar Quadratmeter bearbeitet. Warum nicht durchgängig gearbeitet wird, kann uns niemand erklären.
Als wir die Höhlen erreichen, sind wir erstmal über den Betrieb dort erstaunt, es ist mal wieder ein Riesenfest, dieses Mal zu Ehren einer der Devas (überirdische, göttergleiche Wesen, die Gott dienen),
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was die Anwesenheit etlicher Marktbeschicker erfordert
Das Angebot geht über Spielzeug, Kleidung, Werkzeug neu und gebraucht und natürlich Lebensmittel frisch und verarbeitet. Zum ersten Mal sehen wir hier große Schüsseln voller gekochter weißer Stangen. Die Frauen schälen sie und legen sie in andere Schüsseln mit Essigwasser. Es riecht leicht säuerlich: „Das sind ganz frische Bambussprossen,“ erfahren wir.
p1080043.jpgÜppige Blumenkränze sind auch im Angebot und werden eifrig gekauft. Frauen und Männer tragen sie auf dem Kopf. Auch uns werden sie angeboten, ein: „Nein danke,“ wird widerspruchslos akzeptiert. Unser Fahrer hat uns seine Schwester als Führerin empfohlen und so lassen wir uns von dieser liebenswerten, klugen jungen Frau einiges erklären, was für uns unbekannt ist.

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Khaing-mar hat Jura studiert, findet aber in diesem Städtchen keinen Job und arbeitet als Fremdenführerin


Die beinahe 800 Grotten sind zwischen dem 14. Und 18. Jahrhundert aus Sandstein herausgearbeitet worden und in ihnen stehen, sitzen oder liegen  unzählige Buddha-Statuen von winzig klein bis sehr sehr groß.


Die Höhlen sind zum Teil mit Malereien ausgeschmückt.
Während ihrer Besatzungszeit durch die Briten wurde dieser Tempel gebaut.

Die beiden zusammengeklappten Regenschirme oben in der Mitte unter den britischen Insignien bedeuten, dass das Land nicht mehr unter dem Schutz des Königs steht.

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Blattgold auf Buddhastatuen zu kleben ist nur Männern gestattet

Das Gelände ist riesig, und ohne unsere ortskundige Führerin würden wir vieles gar nicht finden oder in von außen unscheinbare Grotten erst gar nicht hineingehen. Immerhin muss man jedesmal die Schuhe ausziehen.

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Im Becken hinter der Figur sammelt sich Regenwasser und quillt aus den Öffnungen; für Affen eine regelmäßig besuchte Tränke

Auf diesem Gelände leben rund 700 Affen, aber weil es am Vorabend ein großes lautes Fest mit Feuerwerk gab, haben sich fast alle in die umliegenden Wälder verzogen.
P1080056Nur ein paar besonders dreiste sind geblieben. Als wir einen steilen Weg herunterklettern, sitzt über uns einer auf einem Ast. „Schaut ihm bloß nicht in die Augen,“ rät Khaing-mar „er ist Einzelgänger und sehr aggressiv.“ Natürlich gehorchen wir aufs Wort.
Drei Stunden hat sie uns über das Gelände geführt. In dieser Zeit sind wir etliche Male angesprochen worden, ob wir uns fotografieren lassen würden.
P1080069Viele Menschen aus der Umgebung sind extra zum Fest angereist und haben offenbar noch nicht viele Touristen gesehen. Auch eine Schulklasse, kurz vor dem Abschluss, ist hier und jedes einzelne Mädchen möchte ein Bild zusammen mit uns.
Und heute erfahren wir auch, was es mit dem Verbeugen vor uns auf sich hat. Wir sind durch unser Alter Buddha schon näher und stellvertretend verbeugt man sich vor uns, was sich für diejenigen positiv auf das nächste Leben auswirkt.
Nach dem Ende der Führung treffen wir unseren Fahrer in einem Lokal. Wir suchen vor der Rückfahrt nochmal die Toilette auf. Dazu müssen wir durch die Küche nach draußen. Auf der nackten Erde hocken drei Mädchen; zwei pellen Zwiebeln, eine frittiert Erdnüsse. Gut, dass man nicht immer alles weiß.
 


Bei der Rückfahrt machen wir an einem ehemaligen Kupferbergwerk Halt. In einer Hütte aus Palmenzweigen haust auf dem Gelände eine Familie und wäscht aus dem  Abraum der Mine noch Kupfer aus. Keine Ahnung, wie sie hier in der Einsamkeit ihr Leben fristen. Das Wasser ist ungenießbar, das nächste Geschäft viele Kilometer entfernt. Man wird immer nachdenklich, wenn man sieht, wie hart manche für ihr Leben schuften müssen.

mit diesem Gefährt waren wir 80 km unterwegs

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unsere Strecke

Nach sieben Stunden sind wir zurück, vier davon sind wir in diesem Gefährt durchgerüttelt worden. Wir sehnen uns nach einer Dusche und einem festen Untergrund, auf dem sich unsere Innereien wieder an ihren angestammten Platz begeben können.
Abends essen wir im Hotel. Ich habe Fleischeslust und bestelle Hackbällchen vom Schwein und „deutschen Kartoffelsalat.“ Natürlich wird er nicht an den meiner Mutter heranreichen, aber gespannt sind wir schon, nach welchem Rezept hier gekocht wird. Die Hackbällchen sind unglaublich, klein wie Rumkugeln, außen knusprig und das Fleisch ist intensiv mit Ingwer gewürzt. So Leckere habe ich die noch nirgends gegessen. Und der Kartoffelsalat? Es kommt eine Platte mit ordentlich im Rechteck gestapelten Pommes Frites und darüber wurde etwas Mayonnaise gespritzt?!

Mandalay, der Irrawaddy und eine Brücke (Myanmar)

Nachdem wir uns durch die wartenden 15 Mopedfahrer gearbeitet haben, gelingt es tatsächlich ein Taxi zu bekommen, was auch den Namen verdient, also vier Räder hat statt zwei. Unser Hotel wurde erst Anfang des Monats eröffnet und lässt auf einigen Komfort hoffen. Die Anzahl des Personals ist für unser Empfinden dreimal so groß, wie in vergleichbaren deutschen Hotels. Wir bekommen ein Willkommensgetränk, bis die Anmeldung vollzogen ist. Dann wird unser Gepäck auf einen Messingwagen geladen – hatten wir auch noch nie – und in unser klimatisiertes Zimmer gebracht. Hier erwarten uns Bademäntel, Hausschuhe, eine Minibar, ein ganzes Tablett voller Pflegeprodukte, Kaffeepulver und Teebeutel und ein Wasserkocher und dieses Zimmer kostet inklusive Frühstück 15 € pro Nacht. Oft haben wir uns geärgert, dass in Deutschland in Gasthöfen oder Pensionen nichtmal ein winziges Stückchen Seife vorhanden war. An Seife hat es bisher in keiner unserer Unterkünfte gefehlt.
Irritierend, dass sich die Mitarbeiter immer vor uns verbeugen. Schon in Taungoo sind sowohl Frauen als auch Männer immer in gebückter Haltung an uns vorbeigelaufen, wenn wir auf der Terrasse saßen.
Den Abend verbringen wir mit dem kostenlosen Cocktail des Tages auf der Dachterrasse des fünfstöckigen Hotels – des höchsten Hauses in der Umgebung hier – und sehen uns ein traditionelles Marionettentheater an.

Das Personal ist manchmal etwas unbedarft (Besteck fehlt, Klaus sagt Bescheid und bekommt seins. Auf die Idee, dass ich auch eins brauche, kommt man nicht von allein), aber immer umwerfend liebenswürdig und freundlich.

Am nächsten Morgen laufen wir zuerst zum 10 Minuten entfernt liegenden Irrawaddy. Der Fluss kommt aus dem Himalaya und bringt tonnenweise Schlamm mit. An seinem Ufer ist eine Siedlung entstanden, die für uns bisher unvorstellbar war.

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Hier haben die Ärmsten der Armen sich aus allem, was nur irgendwie als Baumaterial zu nutzen ist Hütten gebaut. Der lehmige Fluss ist ihre Lebensgrundlage.

DSC09941Eine Mutter badet gerade mit ihrem Baby; sie ist bekleidet, das Kleine nackt.

Direkt daneben waschen Frauen die Wäsche, Kinder spielen und planschen, ein Stück weiter wird geangelt. Große und kleine Schiffe sind am Ufer vertäut. Wir können völlig unbehelligt herumlaufen, haben aber ein beklemmendes Gefühl, weil die Menschen hier unter so unwürdigen Bedingungen leben.
Mandalay war letzte Hauptstadt des Königreiches Birma. Die riesige königliche Palastanlage von 1857 wurde im zweiten Weltkrieg bei Kämpfen zwischen Japanern und Briten völlig zuerstört und 1990 unter der Militärregierung wieder aufgebaut. Diese Anlage ist unser Ziel. Sie liegt auf einem 2 x 2 km messenden quadratischen Areal, rundherum von einer Mauer und einem breiten Wassergraben umgeben.

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Als wir nach unserem Fußmarsch an einer der Brücken ankommen steht dort, dass Ausländer nur durch den gegenüberliegenden Eingang gehen dürfen. Jetzt noch mal 4 km, das ist uns in der Mittagshitze mit über 30 Grad einfach zuviel und wir nehmen ein Taxi. Für 10.000 Kyatt (6 €) pro Person bekommen wir Eintrittskarten, müssen aber dann noch unsere Pässe hinterlegen und bekommen ein Umhängekärtchen, das uns als Ausländer ausweist.
DSC09979In der Mitte der 4 km² großen Fläche liegt die Rekonstruktion des Palastes, den man wieder nur barfuß betreten darf.

Wir laufen von Haus zu Haus bis zum Wehrturm, von dem man nach 120 Stufen einen guten Überblick über die imponierende Palastanlage hat.

und davor findet sich auch noch ein Platz

Dann lassen wir uns in die Innenstadt in die Nähe der Einkaufszentren fahren, weil alle die wir bisher gesehen haben viele Restaurants hatten. Nicht so in Mandalay, hier fühlen wir uns um Jahrzehnte zurückversetzt und kehren gegenüber in einem der üblichen Restaurants ein. Zum Hotel fahren wir mit einem Sammeltaxi, die eigentliche Ladefläche hinter dem Fahrerhaus ist mit dicken Polstern ausgelegt. Darauf flözend kommen wir zu unserem Hotel, wo sofort 3 Mitarbeiter herausstürzen, um uns heraus zu helfen. Sie scheinen etwas verwirrt zu sein, dass wir mit so einem Gefährt unterwegs waren.


Am nächsten Tag laufen wir wieder Richtung Fluss, als wir von einem Tuktuk-Fahrer angesprochen werden. Er bietet uns für einen Betrag von 18 € eine Rundreise an und wir sagen spontan zu.

Es geht die Straße am Irrawaddy entlang, und hier setzen sich die Elendsquartiere fort. Dazwischen haben die dort lebenden Menschen Stände aufgebaut, direkt am Flussufer bearbeiten manche ein Stück Land und verkaufen die Ernte jetzt an der Straße. Andere verkaufen Holz und geflochtene Matten, Baumaterial zum Bau eines Hauses. Wieder andere bieten Korbwaren oder Tontöpfe an. Inmitten der über den Hochwasserdamm führenden vier Fahrspuren haben sich Menschen auf dem Grünstreifen aus Planen erbärmliche Behausungen errichtet. Jetzt ist es warm und trocken, aber in der Regenzeit muss es furchtbar sein.
Wir halten an einem Tempel, von dem aus man einen wunderbaren Ausblick hat.

Unter uns hat ein mit tausenden Säcken beladener Frachter festgemacht. Über Holzstege wird er von etlichen Tagelöhnern entladen. Wenn die sehen könnten, wie das anderswo im Minutentakt mit Containern funktioniert, würden sie die Welt nicht mehr verstehen.
Der Fahrer hält an einem Nebenfluss des Irrawaddy und bedeutet uns, ein Ticket zu kaufen. Er spricht nicht genug englisch, um uns zu erklären, was uns erwartet, also folgen wir der Aufforderung.

Wir werden mit einem Boot auf die andere Seite gebracht, und hier stehen mindestens 100 Kutschen mit kleinen Pferden davor. 

Wir laufen einfach los, aber man erzählt uns, wir müssten für viel Geld unbedingt Kutsche fahren, weil der Ort Ava (eine alte Ruinenstadt) 8 km entfernt sei. Es gefällt uns nicht, in einer Kolonne von Pferdekutschen durch die Gegend zu fahren, deshalb kehren wir um. Später hören wir, dass es in Wahrheit nur 300 m sind, aber es ist eben alles relativ.
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P1070933Weiter geht es zur U-Bein-Brücke, das ist ein 1,2 km langer Brückensteg aus Teakholz über den Taungthaman See.

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auch die beiden Prinzessinnen besuchen die Brücke

Beliebt bei Einheimischen und Touristen, dementsprechend ist der Weg dorthin mit Verkaufsbuden gepflastert. Auch auf der Brücke, die kein Geländer hat, setzen sich die Buden fort. Verkauft wird allerlei Krimskrams, aber natürlich auch wieder jede Menge Proviant. Gegrillte Krebse und auch Mäuse, die wir zuerst für Singvögel gehalten haben. Irgendwie haben wir noch keinen richtigen Appetit.

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Im See unter der Brücke wird geangelt, gefischt und die Wasserhyazinthen zusammengeschoben.

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er kommt beim Angeln garantiert nicht ins Schwitzen

Die Fotomotive sind großartig.
Nachdem wir zurück sind hält der Fahrer noch vor einer Weberei. Wir hatten schon auf der Herfahrt das Geklapper der Webstühle links und rechts der Straße gehört.

Hier wird wirklich noch auf alten Webstühlen gewebt. Baumwolle und Seide kommt zum Einsatz. Fasziniert beobachten wir zwei Frauen, die Jaquard auf althergebrachte Weise herstellen. Die verschiedenen Farben sind auf unzählige kleine Schiffchen gewickelt und werden vor Hand durch die Kettfäden geführt. Das Muster ist auf einem Blatt Papier skizziert. Die hier hergestellten Stoffe werden in der Mehrzahl für Longyis verwendet.
Der nächste Halt ist am Fuß des Mandalay-Hügels. Hier führen 1200 Treppenstufen (hatten wir doch schon mal) ganz nach oben zum Tempel, und die muss man – aus welchen Gründen auch immer – barfuß zurücklegen.

Wir machen uns mal wieder auf den Weg bergauf. Irgendjemand hatte wohl im Internet geschrieben, dass es lohnend sei, den Sonnenuntergang von hier oben zu fotografieren. Und so hocken über 100 Menschen dichtgedrängt am Geländer, die Kameras schussbereit durch die Gitterstäbe gereckt und warten darauf, dass die Sonne spektakulär untergeht. Als sie dann ganz normal untergeht, sind wir schon wieder unten und lassen uns von unserem Fahrer zum Hotel bringen.
Seit Tagen werden auf der Straße gegenüber alle möglichen Stände aufgebaut. Auch hier hängt wieder alles mit der Lotterie zusammen. Die Gewinne werden präsentiert, darunter Besen, Eimer, warme Decken, Kochtöpfe und Mönchsbekleidung. Ein Karussell nimmt die halbe Straße ein, und jetzt ist auch noch eine Bühne dazugekommen, die eine komplette Straßenhälfte beansprucht. Dazu dröhnt Musik aus Lautsprechern.
DSC00142Das dahinter liegende Restaurant ist heute Abend unser Ziel. Es ist an zwei Seiten offen und hat den Charme einer Fabrikhalle. Sollte sich das Geschäft nicht tragen, kann man hier immer noch Traktoren verkaufen oder Reissäcke lagern. Ich bin die einzige Frau unter über 100 Gästen und trinke – bestaunt von allen Seiten – Bier. Hier wuseln mindestens 15 Kellner herum, und eine Zuständigkeit nach Tischen scheint es nicht zu geben. Wir haben eine Schale Suppe mit zwei Löffeln hingestellt bekommen. Nachdem wir ein paar Löffel genommen haben, verschwindet die Schale und kurz darauf wird eine andere – voll und dampfend – vor uns hingestellt. Vermutlich ist es ein ewiger Kreislauf. Wenn die Gläser halb leer sind, kommt ein Kellner mit zwei eisgekühlten Gläsern und schüttet das Bier um. Zum Schutz der Bierdeckel wird noch Toilettenpapier unter die Gläser gelegt. Alles mutet für uns merkwürdig an, aber vermutlich sind wir das in den Augen der Einheimischen auch. Das Essen ist sehr gut, und wir handhaben die Stäbchen inzwischen auch ganz gekonnt. Wir beschließen den Abend auf der Dachterrasse unseres Hotels und lauschen einer Band mit guter Sängerin.
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Heute, am Sonntag, besuchen wir die Kuthodaw-Padode, die das größte Buch der Welt beherbergt.

eine Seite des „steinernen Buches“

In vielen kleinen weiß getünchten Stupas – es sollen 729 sein – steht jeweils ein ca. 90 cm hoher Marmorblock, in den auf beiden Seiten je ein Blatt von Buddhas Lehrschrift eingraviert ist.
P1070999Viele Touristen sind hier, aber es ist wohl auch ein beliebter Ausflugsort für Einheimische, denn die stellen die große Mehrheit.

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wenn ich groß bin, werde ich Tempelwächter

Danach lassen wir uns noch zu einer Werkstatt fahren, in der von Hand Blattgold hergestellt wird. Blattgold wird von jeder Bevölkerungsschicht gekauft, um es auf einer Statue oder einer Pagode zu opfern.

Goldkörnchen werden zwischen spezielles Papier gelegt, zwischen zwei Holzbretter gelegt und verschnürt und dann wird das Ganze mit einem Holzhammer so lange bearbeitet, bis das Gold zu einem hauchfeinen Blatt wurde. In einer abgeschlossenen Werkstatt werden diese Blättchen zwischen 5 x 5 cm großes Papier gelegt, passend abgeschnitten und gebündelt. Das für das Schlagen benutzte Papier wird mit einem dicken Lappen abgewischt und mit einer Talkumschicht versehen für den nächsten Durchgang. Die Fahrt zurück geht durch kleine Straßen, wir fahren an den Schreinerwerkstätten vorbei, dann bei den Steinmetzen und schließlich noch bei den Messinghändlern.
P1070886.JPGDas Tuktuk erregt überall Aufsehen, es gibt in Mandalay noch nicht viele und dann sitzen auch noch (blonde)Touristen drin.

Auf dem Weg nach Mandalay (Myanmar)

Am Montag Morgen lassen wir uns mit einem Taxi


durch dichten Verkehr 26 km weit zum Busbahnhof bringen. Hat uns der in Kandy schon erstaunt, ist hier alles noch um ein vielfaches größer. Der Taxifahrer muss fünfmal fragen, bis er die richtige Stelle findet und uns am Bus absetzen kann.
DSC09772Sofort stürzen zwei junge Männer herbei, nehmen unsere Koffer und befestigen Anhänger mit dem Namen unseres Zieles am Griff. Auch eine Getriebestange muss heute mit. Wir sind eine Stunde zu früh, aber es gibt einen Warteraum mit Verkaufstresen und Toiletten.


Nach und nach kommen die Passagiere und versorgen sich mit Proviant. Kekse werden schachtelweise gekauft, auch frisches Gebäck ist gefragt. Draußen laufen Frauen mit Tabletts auf dem Kopf herum, auf denen Wassermelonenstücke, Bananen oder mit Chili vermischte Mangoscheiben liegen. Einen der Kinderhocker haben sie sich über den Arm gehängt, damit sie entweder das Tablett abstellen oder sich von Zeit zu Zeit setzen können. Auch hier wird fleißig gekauft. Nur der Mann, der links Bügel mit Mädchenkleidern und rechts mit Fußballtrikots für Jungen trägt, hat heute kein Glück. Die Reisenden haben offenbar keinen Bedarf, alle Kinder sind bereits bekleidet.
Zehn Minuten vor der Abfahrtszeit wird die Tür geöffnet, aber wir haben reservierte Plätze, somit kann man sich Zeit lassen. Im Gegensatz zu Sri Lanka werden hier nur so viele Reisende mitgenommen, wie es Plätze gibt. Außerdem gibt es Sicherheitsgurte und an jedem Platz eine Flasche Wasser und eine Spucktüte, die später auch von vielen gebraucht wird.
Auf dem Fernsehschirm wird das Gebet eines Mönchs übertragen, das in Endlosschleife im Sprechgesang in etwa so klingt.
Uma nitti manga papi al di pittior
patta na getita jeje ride mar tador
Wir hoffen, dass der Fahrer nach dem Start aus- oder umschaltet. Aber scheinbar hat er so wenig Vertrauen in die eigenen Fahrkünste, dass er dieses Mantra auch nach dem Start für einen guten Reiseverlauf weiterdudeln lässt. Ich beginne mich nach Marika Röck zu sehnen.
DSC00086Draußen sind jede Menge Mopeds zu sehen. In Yangon fuhren keine, sie sind wohl aus der Stadt verbannt worden, aber hier werden sie als billiges Taxi genutzt. Die Frauen sitzen im Damensitz hinter dem Fahrer, manches Mal haben sie noch ein Kind auf dem Schoß. Da muss man das Denken über alles was passieren könnte sofort ausschalten.
Der Bus nimmt die Strecke über die Schnellstraße.
DSC09790Eine flache grüne Landschaft, immer wieder durchschnitten von lehmbraunen Flüssen und Bächen. An der linken und rechten Seite kommen Hügelketten in Sicht, und davor liegen Reisfelder. Wasserbüffel stehen und liegen herum. Der Bus verlässt die Schnellstraße und hält in einer kleinen Stadt. Gegenüber werden gerade mehrere
DSC09794Kartons mit Küken aus dem Bus ausgeladen und auch die Getriebestange hat ihr Ziel erreicht und wird hier schon erwartet.

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Die Proviantfrauen sind auch schon wieder da.

Weiter geht es jetzt über die Landstraße.


Der Reis ist bereits geerntet und trocknet auf großen Planen auf der Straße. An anderer Stelle wird schon zusammengeschaufelt und der Reis in Säcke verpackt. Links und rechts wird jeweils die Hälfte der Straße dafür beansprucht. Alle Fahrzeuge müssen ausweichen, finden offenbar alle ganz normal.
An der Endstation Taungoo warten schon wieder die „hilfreichen“ Geister. Die Männer versuchen, unsere Koffer zu schnappen, um sich die Passagiere zu sichern. Nichts da, wir halten eisern fest und wollen uns erstmal einen Überblick verschaffen. 2000 Kyatt pro Person nennt uns jemand, schnappt sich einen Koffer und hievt ihn auf sein Moped. Das machen wir auf keinen Fall, ruck-zuck ist der Koffer wieder unten. Wir suchen nach einem Auto, aber angeblich gibt es sowas in Taungoo nicht. Klaus versucht mit unserem Hotel zu telefonieren, bekommt aber keine Verbindung. „Wir laufen,“ verkünden wir den um uns herumstehenden Männern und machen uns auf den Weg. Einer kommt mit seinem Moped mit handgeschmiedetem Beiwagen mit zwei Sitzen hinter uns her und bietet an, uns beide für 2000 zu fahren. Wie soll das wohl gehen? Klaus sitzt vorne, ein Bein und einen Koffer auf der Fußstütze, das andere Bein frei schwebend. Ich mit dem Rücken zu ihm, den Rucksack auf den Knien. Der zweite Rucksack vor und der Koffer hinter dem Fahrer. Fünf Hände halten Gepäckstücke, die sechste den Lenker. Die Einheimischen amüsieren sich königlich und wir sind kurz darauf froh, heil an unserem Ziel anzukommen.


Unser Hotel ist ganz aus Teakholz gebaut, hat einen umlaufenden Balkon und liegt mitten im Grünen.

Teakhotel


Beim Frühstück am nächsten Morgen treffen wir ein deutsches Paar mit lebhafter, interessierter Tochter, die die zwei Wochen Herbstferien für eine Rundreise nutzen. Schade, dass sie kurz danach abreisen, es war so ein interessantes Gespräch.

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birmesische Vielfalt auf dem Frühstückstisch

Weil wir – auch Klaus ist mittlerweile betroffen – noch nicht wieder richtig auf dem Damm sind, verbringen wir einen ganz ruhigen Tag auf der Terrasse und verlängern unseren Aufenthalt noch um eine weitere Nacht.
Wir wollen wenigstens etwas von Taungoo sehen und leihen uns am nächsten Tag Fahrräder, um die rund 3 km in die Innenstadt zu fahren. Immerhin war es kurzzeitig mal Hauptstadt unter einem König.


Es geht durch kunterbuntes Marktgewimmel an einen kleinen See.


Viele junge Menschen sind hier, und fast alle haben sich zum Lernen hier her zurückgezogen, die Abschlussprüfungen stehen kurz bevor. Ein kleiner Spaziergang unter schattigen Bäumen und dann wieder zurück.


Es ist Mittagszeit und etwas weniger turbulent.

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Nur der Schmied arbeitet durch; vorschriftsmäßig mit roten „Sicherheits-Flipflops“ bekleidet.

 
An der Hauptstraße startet gerade ein kleiner Autokorso, scheinbar für eine Lotterie, mehr können wir nicht in Erfahrung bringen.


Die Transporter sind geschmückt mit den zu Fächern und Ornamenten gefalteten Losen und auch mit den Sachgewinnen. Es läuft flotte Musik und auf einem der Autos wird ausgelassen getanzt.
IMG_20171026_073451Um kurz nach sieben verlassen wir unser gemütliches Zimmer, das wir uns mit einem handgroßen (ohne Schwanz gemessen) Gecko geteilt haben. Hier haben wir uns richtig wohlgefühlt. Der Beiwagen unseres Fahrers ist etwas größer als der auf der Hinfahrt. Die Koffer finden noch unter unseren Sitzen Platz.
Wir knattern die Hauptstraße entlang, wo schon viele Menschen auf Fahrrädern und Mopeds unterwegs sind. Viele lachen uns an und winken uns zu. Der Fahrer biegt in eine Seitenstraße auf einen matschigen Platz mit vielen Schlaglöchern ein. „Hier?“ Das sieht eher aus wie eine Schuttabladestelle. Aber es gibt einen vorne offenen Wartebereich mit zementiertem Boden und er zieht ein paar Stühle für uns heran. Der Bus kommt, der Fahrer im Longyi steigt aus und verschwindet hinter dem Wartehäuschen. Wir hören Wasser plätschern, die Zahnbürste kommt zum Einsatz und er kommt nass und frisch wieder hervor und zieht sich im Bus Hemd und Hose an.
 
Zwanzig nach acht geht es los. Der Bus hat dick gepolsterte Sitze, und auch wieder die Wasser/Tüten-Ausstattung. Über eine Stunde kann man wieder dem betenden Mönch auf dem Bildschirm folgen. Dann bekommen wir einen Einblick in den hiesigen Musikgeschmack. Die Melodien erinnern an San Remo Schlagerfestivals aus den 50er Jahren. Dazu werden Videoclips nach folgendem Schema gezeigt: Sie trifft ihn oder umgekehrt. Man verliebt sich, es gibt ein Missverständnis, einen Streit. Beide gehen in unterschiedliche Richtungen sie weint oder schmollt. Er kommt zurück mit einer Rose und/oder einer Flasche Champagner, fällt vor ihr auf die Knie, sie verzeiht = Happy-End. Die Handlungen finden am See, am Flussufer oder in einer Villa statt. Danach läuft ein Film mit endloser Tragik.

mobiler Erdnussdämpfer rechts oben: Holz für Tanakapaste r. Mitte: allerlei Gegrilltes auch veganes


Während der Fahrt haben wir einmal 5 und einmal 30 Minuten Pause und noch eine unfreiwillige durch eine Polizeikontrolle, wo wir – die einzigen Ausländer im Bus – unsere Pässe abgeben müssen. Nach 10 Minuten kommt der Schaffner mit ihnen zurück und weiter gehts.
Nach 8 Stunden erreichen wir Mandalay.


Birmesen haben die Gabe, überall schlafen zu können. Kaum rollt der Bus, fallen sie in Tiefschlaf, auch die Kinder.
 
Hinweis: Manche Fotos sind nicht scharf, das liegt an den schlecht geputzten Fensterscheiben der Busse, trotzdem möchte ich sie gern zeigen.
 

Rangun, Yangon, Rangoon (Myanmar)

Um 3.45 ist unser Taxi da und wir unterhalten uns mit dem Fahrer angeregt während der einstündigen Fahrt zum Flughafen. Er bestätigt unseren Eindruck des friedlichen Miteinanders in Kuala Lumpur und erzählt uns vom angenehmen Leben in der Stadt und im Land.
Mit einem satten Plopp landet der Leatherman in der Box für konfiszierte Gegenstände am Sicherheitscheck. Wie ärgerlich, Klaus hatte ihn im Rucksack vergessen. Das teure Multitool liegt nun zwischen ein paar gefährlichen Nagelscheren. Das tut weh. Dann kann der Flieger nicht starten, weil 5 Passagiere fehlen, deren 7 Koffer bereits eingeladen sind. Nach einer Stunde ist es soweit, und nach 2 ½ Stunden Flugzeit landen wir in Myanmar. Es gibt bei der Einreisekontrolle Schalter für Einheimische (sehr voll), Asiaten (weniger voll) und andere Fremdlinge (gar nicht voll). Unser vorher beantragtes Visum wird kontrolliert und abgestempelt, unsere Fingerabdrücke werden gescannt, und wir sind ganz schnell durch die Kontrolle. Die Koffer sind auch schon auf dem Gepäckband. Das war mal eine flotte Einreise. Wir ziehen Geld am Bankautomaten und haben für 220 Euro 300.000 Kyatt in der Hand. Hier kann man wirklich schnell Millionär werden. Am Schalter für die SIM-Karten lauern schon die Schlepper, die uns mit dem Taxi zu überhöhten Preisen in die Innenstadt fahren wollen. Wir hatten allerdings vorher gelesen, dass vor dem Flughafengebäude ein offizieller Schalter ist. Dort sagt man wohin man will, Entfernung und Preis werden ausgerechnet und man bekommt einen Voucher. Der Taxifahrer muss einen dann zu diesem Festpreis ans Ziel bringen. Die Preise sind deutlich niedriger als die in der Ankunftshalle genannten.
Unsere Unterkunft ist ein Hostel in der Nähe der Sule Pagode,
DSC09610und mitten im quirligen Leben Ranguns. In einem in der Nähe gelegenen japanischen Café gehen wir frühstücken und laufen durch die Gassen. Der erste Eindruck ist beklemmend. Es gibt moderne Restaurants, aber auf der Straße sind jede Menge Klein- und Kleinstgarküchen.
DSC09629Hier werden Pfannkuchen gebacken, Nudelnester frittiert, Wachteleier gebraten, Schweineinnereien gedämpft und da wird geschältes Obst verkauft. Und sowohl Köche als auch Kunden hocken auf Kinderstühlen und –hockern an Kindertischen. Der Abfall landet direkt im Rinnstein und hier mischen sich köstliche mit fauligen Gerüchen. Interessant zu sehen, wir würden auch gern verschiedenes probieren, aber erstens trauen wir der Tragkraft der Hocker nicht, zweitens finden wir das Drumherum nicht so appetitlich. Wir essen in einem der modernen Restaurants und schauen uns das Leben und Treiben danach weiter an.
DSC09608Die Häuser müssten fast alle dringend renoviert oder zumindest gestrichen werden. In dem Klima schreitet der Verfall rasch voran, und wenn nicht ständig etwas repariert oder verschönert wird, wirken die Gebäude schon nach 2 Jahrzehnten völlig heruntergekommen.
P1070662Die meisten Frauen und Männer tragen Longyis, die knöchellangen Wickelgewänder. Bei Männern sind sie zu einem Schlauch zusammengenäht, bei Frauen offen.
DSC09591Bei vielen sehen wir Thanaka, die gelbe Gesichtsbemalung. Sie wird aus Stämmen des Holzapfelbaumes mit Reibesteinen gewonnen, mit Wasser verrührt und zum Schutz vor Sonne und zur Pflege der Haut mehr oder weniger sorgfältig aufgetragen.  

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Geschäftchen in Hülle und Fülle sind hier vorhanden. Wieder geordnet nach Artikeln. Hier Elektrokabel und Sicherungen, dort Kochgeschirr, da drüben Werkzeug, und in unserer Straße Papier für alle Zwecke. Offenbar gibt es auch noch Schreiber, die im Auftrag Briefe mit der Hand schreiben. 

Die Wasserspender finden wir lustig und merkwürdig zugleich. Meistens stehen drei nebeneinander, aus Ton oder Plastik. Obendrauf liegt eine Tasse und das funktioniert dann so. Ein durstiger Mensch kommt, nimmt die Tasse und zapft oder schöpft Wasser, trinkt und stellt die Tasse dann wieder an den vorherigen Platz….
DSC09626Die elektrischen Leitungen erzählen auch eigene Geschichten. Wenn man sieht, wie viele Leitungen provisorisch an eine Hauptleitung angeklemmt werden, denkt man sofort an illegale Strombezieher.
DSC09613Wir sehen gegenüber der Sule Pagode einen Obelisken mitten in einem Park und setzen uns mit einem Fruchtsaft zu den vielen Menschen, die dort den Abend verbringen. Kinder toben auf dem Rasen herum, Liebespaare hocken nebeneinander, Familien machen Picknick. Eine schöne Atmosphäre.
Der nächste Tag steht unter dem Motto „religiöse Stätten“. Als wir zur alten Synagoge laufen hören wir Musik und sehen wir eine kleine Menschenmenge. Dazwischen bewegt sich etwas Dunkles.  

Wir denken an ein Tier, aber als wir freie Sicht haben, erkennen wir dass zwei Männer in einem Stierkostüm zur Musik tanzen. Zwischen die Hörner wurden Schnüre gespannt und die Menschen stecken Geldscheine dazwischen. 

Später sehen wir den völlig „erschöpften“ Stier vor dem chinesischen Tempel wieder. Inzwischen sind wir hungrig und setzen uns vor ein etwas größeres Lokal, weil es Stühle für Erwachsene hat. Links am Eingang hängen Plastiktüten mit Essensresten. Vermutlich können sich arme Leute hier etwas abholen, zumindest haben wir es in Sri Lanka so erlebt. Wir werden aufgefordert uns hinein zu setzen, was sich als richtig herausstellt; denn kaum steht unser Essen auf dem Tisch, geht ein Wolkenbruch nieder, wie es ihn nur in den Tropen gibt. Auf der anderen Straßenseite beobachten wir einen Mann, der diesen Regen als Dusche nutzt. Das Wasser sammelt sich in einer aufgespannten Markise und schießt in dichtem Strahl an einer Seite herrunter. Darunter steht er mit nacktem Oberkörper, seift Haut und Haare ein und spült die Seife wieder ab. Und weil es noch immer regnet, kann er anschließend auch noch eine kleine Wäsche machen.
Wir sind nicht weit vom Yangon Fluss – einem Seitenarm des Irrawaddy – entfernt und wollen da natürlich hin.  

Vor dem Ufer im Schlamm sind Marktstände aufgebaut. Alles wirkt erschreckend ärmlich, fast schon elend. Lastenträger schleppen Kisten, Säcke und Kanister zu den Schiffen. Größere Schiffe haben einen Landungssteg, aber die kleinen müssen direkt am Ufer festmachen. Da ist das Einsteigen und Beladen recht schwierig. Ständig legt ein Boot ab, ein anderes kommt an. Das Wasser ist trübe und ganz schön bewegt. Wir verabschieden uns von dem Gedanken, irgendwann eine Strecke mit dem Schiff zu fahren und machen uns zu Fuß auf den Weg zur 3 ½ km entfernten Swedagon Pagode, der imposantesten des Landes. Je näher wir kommen, um so sauberer die Straßen und Häuser. Als der nächste Wolkenbruch sich ankündigt, flüchten wir in ein Restaurant. 

Die goldene Pagode ist fast 100 m hoch und soll mit über 50 t Blattgold belegt sein. Es geht barfuß eine lange, von Läden gesäumte Treppe hinauf und durch eine Sicherheitskontrolle zur Kasse. Wir müssen beide Longyis leihen weil zu viel von unseren Beinen zu sehen ist. Als wir oben ankommen, stehen wir mit offenen Mündern da. Das hatten wir nicht erwartet. Von weitem ist nur die große Pagode zu sehen, aber hier ist ein Meer von Pagoden, und die Verziehrungen, die kleinen Tempel, die Gebetsstätten, wir sind völlig gefangen genommen von dieser Anlage und lassen uns einfach treiben. Auch ohne einen religiösen Zugang zu haben, ist man ergriffen.
Wir mögen uns jetzt nicht in einen Bus oder ein Taxi setzen, wir brauchen Zeit, die Eindrücke wirken zu lassen und laufen zurück.

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christliche Kirche – ganz ohne Gold

Die Prachtstraße wird weniger prächtig, die kleinen Stände stehen wieder im Schmutz am Straßenrand und dann auf der linken Seite plötzlich ein Einkaufszentrum; groß, prächtig, elegant und exklusiv mit Wachmännern und Sicherheitsschleuse. Ich empfinde es irgendwie als Provokation, aber vielleicht geht das nur mir so. Kurz darauf sind wir wieder in unserem Viertel mit den vielen Überlebenskünstlern.
Irgend etwas ist mir heute nicht bekommen, ich habe mir eine Magen-Darm-Infektion mit all den schönen Auswirkungen eingefangen und verbringe den Sonntag im Bett. Den Aufenthalt können wir nicht verlängern, unser Doppelzimmer ist ab morgen schon wieder vermietet. Deshalb suchen wir uns einen Ort aus, der in ein paar Stunden mit dem Bus zu erreichen ist.
Die Wahl fällt auf Taungoo, eine der früheren Hauptstädte des Landes in Richtung Mandalay – wohin jeder Myanmar-Tourist fährt – wir natürlich auch. Eine der netten Damen an der Rezeption bucht uns ein Busticket und schreibt alles wichtige für uns auf, einmal in birmanisch und einmal in englisch. 

Kuala Lumpur – was für eine Stadt (Malaysia)

Um 6.25 Ortszeit (Colombo +2,5 h) landen wir in Kuala Lumpur. Noch ist es dunkel. Passkontrolle und Gepäckabholung funktionieren problemlos. Nun müssen wir uns in diesem riesengroßen Flughafen, der 50 km von der Hauptstadt entfernt ist, orientieren. Es gibt eine Schnellbahn, die in 28 min. am Zentralbahnhof ist. Wir kaufen ein 2-Tagesticket, mit dem wir sowohl in die Innenstadt kommen, als auch dort herumfahren können. Erst schaue ich noch interessiert aus dem Fenster, dann fallen mir die Augen zu, ich konnte im Flugzeug nicht schlafen. Viel zu schnell sind wir dann an der Sentral-Station. Erstmal gehen wir frühstücken, dann kaufen wir eine SIM-Card fürs Handy und danach suchen wir den Übergang zur Monorail. Drei Stationen weiter wir sind an unserer Haltestelle Hang Tuah. Bis hierher waren wir nur in klimatisierten Räumen und Zügen unterwegs. Draußen sind es schon über 30 Grad und wir laufen, unsere Koffer hinter uns herziehend zum vereinbarten Treffpunkt. Eine Frau um die fünfzig nimmt uns in Empfang und geht mit uns zu einem ca. 200 m entfernten Hochhaus. In der 25. Etage befindet sich unser Zimmer für die nächsten vier Tage. In diesem Haus existiert keine 4. Die Stockwerke 4, 14 und 24 heißen 3A, 13A und 23A.
Wir brauchen eine Dusche und Schlaf und verabreden uns für 13 Uhr wegen weiterer Informationen. Pünktlich ist sie da mit einem Plan auf dem die Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind. Sie gibt uns Informationen zu unserem Appartement und dem Haus. Dann verschwindet sie und wir fallen nochmal in Tiefschlaf. Nach dem wir ausgepackt haben, machen wir uns auf den Weg, die nähere Umgebung zu erkunden. Was für ein Unterschied zu Sri Lanka, da liegt kaum Müll herum, alles sieht unglaublich aufgeräumt aus. Und diese Hochhäuser! Sicher, die Petronas Zwillingstürme hat bestimmt schon jeder mal irgendwo abgebildet gesehen, aber hier sind einfach überall Hochhäuser,
DSC09507eine tolle Kulisse.

Ganz in der Nähe unseres Appartementhauses landen wir in einer Fressstraße. Links und rechts sind Stände aufgebaut, da werden schon Grills angeheizt, wird Wasser in kleinen Töpfen zum kochen gebracht und die Lebensmittel appetitlich präsentiert.

Wir laufen die Straße hoch und schauen uns links und rechts die Angebot an. Da läuft einem wirklich das Wasser im Mund zusammen.
Und hier sehe ich auch die erste Durian (Stinkfrucht). Der Verkäufer öffnet gerade die Schale und drinnen liegt das nierenförmige gelbe Fruchtfleisch. Hinter dem Stand sitzt die Kundin. Sie trägt Plastikhandschuhe, damit der Geruch des Fruchtfleisches nicht auf der Haut haften bleibt. Viele Hotels verbieten das Mitbringen dieser Früchte. Auch in Bahn, Bus und Flugzeug ist der Transport verboten. Der Gestank soll sich ca. eine Woche lang halten.


Wir suchen uns einen Platz vor einer der appetitlich aussehenden Küchen und bestellen mehrere kleine

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hier versucht das Essen zu flüchten

Gerichte. Alles schmeckt hervorragend. Später schlendern wir weiter in die Innenstadt und in eines der vielen klimatisierten Einkaufszentren. Der pure Luxus, alle Nobelmarken sind vertreten. Nicht unsere Welt, aber der Brunnen vor dem Center, der wie drei aufeinander stehende Reisschalen aussieht, ist schön.
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Unser Freund Peter hatte uns vor ein paar Tagen noch per E-Mail einige Informationen geschickt, und so fahren wir am nächsten Tag mit der Monorail zu den Petronas-Towers.
DSC09423Bei dieser Bahn ist der Bahnsteig durch Glaswände geschlossen. Erst wenn die Bahn kommt öffnen sich die Türen, so kann niemand auf die Schienen fallen oder gestoßen werden. Außerdem gibt es in der Innenstadt Busse, die Jedermann kostenlos nutzen kann.
P1070602Am Fuß der Zwillingstürme gibt es natürlich ein Einkaufszentrum, das keine Wünsche offen lässt.
DSC09424Die Dekoration ist riesengroß, fantasievoll und wird von den Besuchern eifrig fotografiert.
DSC09447Eine Bühne ist auch vorhanden, dort finden stündlich Vorstellungen statt.
Uns zieht es zum Supermarkt. Wir sind gespannt, wie das Angebot hier ist, und was das so kostet. Es gibt Lebensmittel aus aller Welt; einige sehr günstig, andere ziemlich teuer.
Vor den Türmen ist ein Park mit einem riesengroßen Spielplatz angelegt. Alles sehr gepflegt, sehr sauber, nichts liegt herum. Viele Familien treffen sich hier.

P1070626Die Kinder toben in klatschnasser Kleidung begeistert auf dem großen Wasserspielplatz.

Die Erwachsenen haben Essen und Getränke für einen ganzen Tag dabei und genießen das Zusammensein mit Freunden und Familie.
Für die Petronas-Türme gibt es Eintrittskarten für eine Besichtigung, bei der man sogar über die im 86. Stockwerk liegende Brücke von einem Turm zum anderen laufen kann.

Wir entscheiden uns für den eine Bahnstation entfernt liegenden Fernsehturm, damit wir von dort einen Blick auf die Petronas haben. Als Rentner werden uns sofort vergünstigte Eintrittspreise angeboten und wir kaufen ein Ticket bis ganz nach oben auf die offene Plattform. Hier kann man um den ganzen Turm herumlaufen.
DSC09453.JPGAn zwei Seiten ist ein Glassteg angebaut, den man nur ohne Schuhe betreten darf. Der Blick 300 m in die Tiefe ist nichts für Leute mit Höhenangst.
Als es auf den Abend zugeht machen wir uns auf den Weg ins chinesische Viertel.

Von der Richtung, aus der wir kommen, müssen wir uns erst durch den Kleidermarkt zwängen. Hier sind sie wieder alle vertreten die Nobelmarken, natürlich gefälscht und zum Bruchteil der Preise, die in den Einkaufszentren verlangt werden, aber offenbar sehr gefragt. Wir landen zum Schluss bei den Garküchen und bleiben auch gleich zum Abendessen. Zurück fahren wir mit der Bahn. Mit Hilfe der Pläne findet man sich schnell zurecht.
Gegen Mitternacht findet über Stunden ein riesiges Feuerwerk statt. Es knallt ununterbrochen, wir sehen den Wiederschein in den Fenstern der Hochhäuser gegenüber sind aber zu müde, um nochmal vor die Tür zu gehen.

Am nächsten Tag wollen wir uns im Stadtteil Brickfield das indische Viertel ansehen. Hier fand gestern Deepavali, das große hinduistische Lichterfest statt. Überall stehen noch Verkaufsbuden herum und auf den Tischen türmen sich die Reste der nicht verkauften Feuerwerkskörper. Natürlich kann man hier indisch essen. In dieser Stadt kommt wirklich jeder kulinarisch auf seine Kosten.
Für alle Sehenswürdigkeiten reicht unser viertägiger Aufenthalt nicht aus. Bei Temperaturen von 35 Grad lässt man sowieso alles etwas langsamer angehen. So laufen wir am letzten Tag noch ins alte Zentrum.

Neben der Moschee ist ein Einkaufszentrum mit Kunstgewerbe und Kitsch. Hier gibt es natürlich wieder ein verschwenderisches Warenangebot und bei dem einen oder anderen Artikel könnte ich mich durchaus vergessen. Aber erstens haben unsere Hartschalen-Koffer keinerlei Platzreserve und zweitens haben wir uns fest vorgenommen, nichts zu kaufen.

Den Abend beschließen wir wieder in der verlockenden Fressgasse in der Nähe unseres Appartements.
Kuala Lumpur hat uns sehr gut gefallen, und hier kommen wir definitiv noch mal her. Das Miteinander verschiedener Religionen und Rassen funktioniert hier offenbar problemlos und schafft ein weltoffene Atmosphäre. Aber morgen früh um 6.50 Uhr geht es erst mal nach Myanmar.

Positives, Merkwürdiges und Negatives nach 6 Wochen in Sri Lanka

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unsere Reiseroute

Wir haben wir uns unterwegs zu jeder Zeit und selbst im dichtesten Gedränge sicher gefühlt. Allerdings wurde uns in der letzten Woche in einem Hotel Bargeld aus dem abgeschlossenen Zimmer gestohlen, während wir unterwegs waren.
Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen gewinnt sofort Sympathien. Im Bus z.B. wurden wir immer wieder angesprochen, woher wir kommen und wie uns das Land gefällt. Wenn wir durch die winzigsten Gassen liefen, genügte ein Lächeln, und man winkte uns zu.
Das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist spottbillig. Ja, es dauert seine Zeit, aber sowohl innerhalb der Züge und Busse als auch außerhalb gibt es immer was zu sehen. Erstaunt hat uns, dass fremde Menschen sich dafür verantwortlich fühlen, dass wir den richtigen Bus nehmen und an der richtigen Haltestelle aussteigen.
Die Landschaft, die Vegetation und die Tierwelt hat es uns angetan. Es gibt soviel zu sehen und zu entdecken. Interessant zu sehen, wie und wo bei uns bekannte exotische Obstsorten wachsen.
Einige der Menschen, die wir getroffen haben, sind uns richtig ans Herz gewachsen, mit denen möchten wir in Kontakt zu bleiben.
Erstaunlich ist die ethnische Vielfalt. Die Menschen sind entweder sehr klein und zierlich oder sehr groß und breitschultrig oder irgendeine Variante dazwischen. Die Hautfarbe variiert von hell bis dunkel.
Unsere Verwunderung über den Straßenverkehr hat sich nicht gelegt. Obwohl jeder beim Fahren seinen Vorteil sucht, überholt, drängelt, trickst, haben wir keine Aggressionen gespürt. Drängelt sich jemand vor und ein anderer hupt, heißt das nur: „Achtung hinter Dir ist jemand.“ Beispiel: Die Straße ist auf der linken Seite gesperrt. An dieser Engstelle fahren zwei Radfahrer nebeneinander und unterhalten sich. Kurzes Hupen zum aufmerksam machen und dann drumherum gekurvt ohne sich aufzuregen.
Mit dem Linksverkehr haben wir noch immer Schwierigkeiten. Gerade wenn man eine durch Mittelstreifen geteilte oder eine Seitenstraße überquert, schauten wir öfter in die falsche Richtung. Oder schnappten kurz nach Luft, wenn ein Fahrer gefühlt falsch in einen Kreisverkehr einbog.
Werbefotos zeigen grundsätzlich weiße, kugelrunde Babys. Wenn die Temperatur draußen unter 30 Grad ist, müssen die Allerkleinsten dicke Mützen tragen. Und die kleinen Mädchen bis ca. 10 Jahre können sich außerhalb von Kindergarten und Schule wie Prinzessinnen fühlen. Egal ob Wochentag oder Sonntag, sie haben Festtagskleidchen mit Glitzer, Gold und Tüll an.
Auch nach 6 Wochen stutzen wir immer noch, wenn wir etwas fragen und unser Gegenüber den Kopf schüttelt, was „Ja“ bedeutet.
Regenschirme sieht man bei jedem Wetter. Bei Sonnenschein soll er helfen, den begehrten hellen Teint zu behalten. Übrigens wird der Sonnenmilch deshalb Bleichmittel beigemischt.
Über Schuluniformen hatte ich schon geschrieben, aber auch die Frisuren sind zumindest im Norden und Nordosten gleich. Die Mädchen tragen Zöpfe oder Affenschaukeln und die Farbe der Haarschleifen ist auch einheitlich.
Die Sri Lanker nennen ihre Kartoffeln Artãpal. Die Erklärung fanden wir auf einer holländischen Packung Instant-Kartoffelpürree. Es entspricht dem Wort Aardappel (Erdapfel).
Natürlich gibt es auch Ärgernisse, Tuktuk-Fahrer, oder Verkäufer von Waren, die uns Mondpreise nannten. Das ist im Osten und Norden nie passiert, nur an der Westküste, wo sich die meisten Touristen aufhalten. Es gibt aber auch hier Ausnahmen. Wir hatten uns an einem Busbahnhof Fruchtsaft bestellt, den ein älterer Mann vor unseren Augen zubereitete. Der junge Kassierer verlangte 150 Rupien und wurde von dem anderen zusammengestaucht. Er musste uns 50 zurückgeben.
Auch die Schlepper nerven, gerade an der Westküste kann man keine 100 m laufen, ohne dass jemand hartnäckig versucht, einem irgendwas zu verkaufen.
Die in winzigen Käfigen zum Verkauf angebotenen Vögel hätten wir am liebsten alle freigelassen.
Leider wird dieses schöne Land zugemüllt, denn Plastik ist allerorten. Und so sieht man am Straßenrand, am Strand, mitten in der Natur jede Menge davon. In einem Hotel war jeder Teller in Plastikfolie gehüllt, spart zwar den Abwasch, aber wo landet das alles? Papierkörbe sucht man auf den Straßen meist vergebens, Müllabfuhr ist auch nicht überall vorhanden. Da hat die Regierung noch einiges zu regeln.
Papier dagegen ist kostbar und wird wiederverwendet. Informationen erhält man auf winzig kleinen Zetteln. Die durch Busse laufenden Verkäufer haben aus alten Schulheften Tüten für ihre Lebensmittel gebastelt.
Würden wir wieder hinfahren? Auf jeden Fall.
Newatha hamuvemu Sri Lanka

Eluvamkulam, die ins Wasser gefallene Safari und Negombo (Sri Lanka)

Die Busfahrt nach Puttalam verläuft normal, auch die Musik ist wieder erträglich. Wir sind nicht mehr so weit im Norden. Nach gut 1 ½ Stunden sind wir am Zwischenziel. Weiter geht es mit einem Kleinbus. Der fährt um 1.30 ab, um kurz darauf an einem anderen Platz noch bis 2 Uhr zu warten. Und dann wird es richtig voll. Wir sitzen eng nebeneinander auf einem zweier Sitz und haben unsere Rucksäcke auf dem Schoß. Wenn man denkt, da kann unmöglich noch jemand zusteigen, wird man jedesmal eines besseren belehrt. Die Fahrgäste quetschen sich klaglos in den Gang, Gepäckstücke landen auf unseren vorne liegenden Koffern. Nach 20 Minuten steigen ca. 10 Leute aus, aber dafür 25 Schulkinder zu. Unglaublich, das wäre was für „Wetten, dass“ gewesen.
DSC09326Unsere Unterkunft für die nächsten 3 Tage beschert uns ein leichtes Afrika-Gefühl. Ein kleines Häuschen mit überdachter Veranda auf einem wunderschönen, leicht verwilderten Grundstück, die tragenden weißen Säulen mit braunen Mustern. Unser Gastgeber Sereno, der gemeinsam mit seiner Partnerin Kumari die kleine Anlage betreibt fragt, ob wir schwimmen gehen wollen. Schon, aber wo. Er läuft mit uns ein paar hundert Meter weit bis zu einem Fluss.
DSC09315„Krokodile,“ frage ich. Er lacht, hier sei es ungefährlich, erklärt er uns, und geht zum Beweis gleich ins Wasser. Das hat eine herrliche Temperatur und fühlt sich auf der Haut wie Samt an. Wir schwimmen ans andere Ufer. Kurz darauf sind zwei Kinder da, dann kommt ihre Mutter mit einer großen Schüssel und wäscht im Fluss stehend die Wäsche. Danach wäscht sie dem Jungen und sich gründlich die Haare. Das mache ich morgen auch.
Morgens um 6 sind wir mit Sereno verabredet, er will mit uns Vögel beobachten gehen. Anfangs sehen wir nicht viele, aber während des Rundgangs entdecken wir immer mehr.
P1070309Als erstes die kunstvollen Nester von Webervögeln.
P1070362Bald sehen wir den ersten Pelikan,
P1070390ein Fischadler-Paar, Black-Nack-Störche, Ibisse, Reiher,
P1070369 es müssen ein paar hundert sein. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.
Aber wir sind nicht allein zu dieser frühen Stunde unterwegs.
DSC09299Eine Frau schneidet die wie Palmwedel aussehenden aber mit heftigen Dornen bewehrten Zweige und schält sie gleich. Aus denen werden Körbe geflochten.
P1070326Ein Mann ist im Lotosteich unterwegs und schneidet Knospen in Mengen.


Ist nicht erlaubt, nur als Opfergabe für Buddha. Aber vielleicht hat er eine große Bitte oder etwas gut zu machen.
DSC09305Bei der Gelegenheit werden gleich noch ein paar Fische herausgeholt.
Als uns Kumari nach unserer Rückkehr nach über drei stunden dann noch mit einem leckeren Frühstück erwartet, sind wir vollauf zufrieden.
Nachmittags gehen wir nochmal zum Fluss. Auf dem Weg liegt frischer Elefantendung, wenn man sich vorstellt, dass die gestern Abend denselben Weg benutzt haben, wie wir. Und kaum am Ufer angekommen, fliegt ein Pfau von der anderen Seite über das Wasser. Wie schön er aussieht, sein glitzerndes Gefieder, die Flügel rostrot und die langen Schwanzfedern schwingen in leichten Wellenbewegungen.
Am nächsten Morgen steht um 5.30 Uhr ein Tee für uns bereit. Kumari ist um 3 Uhr aufgestanden und hat einen Korb mit Frühstück und Lunch für uns vorbereitet. Kurz vor sechs ist der Jeepfahrer da und dann geht es auch schon los. Er ist gerade mal ein paar 100 m gefahren, wir kämpfen noch mit der Morgenmüdigkeit, da stoppt er plötzlich.
P1070381Dort auf dem Weg, den wir gestern morgen gelaufen sind, trabt ein junger Elefant. Und keiner hat die Kamera griffbereit. Klaus nestelt seine heraus und versucht ihn noch zu erwischen. Jetzt sind wir hellwach.
P1070389Noch ein paar Kilometer bis zum Wilpattu Nationalpark. Eine Straße verläuft gerade durch den Park, eine richtige Waschbrettpiste. Anders als Bundala hat Wilpattu viel mehr dichten Dschungel. Als wir das erste Rudel Axishirsche sehen, sind wir begeistert.
P1070427Während dieser Safari sehen wir so viele Rudel, es müssen mehrere hundert Tiere sein. Auch die ersten Vögel erscheinen, Fischadler, Pfauen,
P1070433Ceylonhähne,
P1070392Bienenfresser und viele andere. Und dann beginnt es zu regnen. Erst bleiben wir unbeeindruckt, aber als der Regen heftig vom Himmel fällt, rollen wir die leider nicht ganz durchsichtige Folie vor unserem Aussichtsfenster herunter. Der Regen läuft in Strömen herunter und uns auf die Füße. Zwischenzeitlich hört es auf zu regnen, aber jedes Mal, wenn wir unter den niedrigen Ästen hindurch fahren, kriegt einer von uns eine kalte Dusche. Mehrere Male rollen wir die Folie rauf und runter; denn fotografieren ist durch sie nicht möglich. Irgendwann haben wir keinen trockenen Faden mehr am Körper.
Gegen 9 Uhr machen wir eine Frühstückspause. Dafür gibt es eine Rundhütte mit umlaufenden Bänken. Vielleicht acht Fahrzeuge sind hier, und die Hütte ist bereits voll. IMG_20171013_083219Ein besonders cleverer Axishirsch hat sich von seiner Gruppe abgesondert und versucht von den vielen Leckerbissen etwas zu erbetteln. Er lässt sich streicheln und aus der Hand füttern. Sein asymmetrisches Geweih fühlt sich ganz warm an, das überrascht mich. Er klaut einem Touristen seine Sandwichverpackung aus der Hand und versucht die Plastikfolie zu fressen, die anscheinend gut riecht. Einer der Guides rennt hinter ihm her und versucht sie ihm abzunehmen. Hoffentlich hat er Erfolg.
Safari im Regen macht keinen Spaß, so entscheiden wir, es bei einer Halbtagestour zu belassen. Unser Fahrer hat vollstes Verständnis. Wir sehen zwei Sambahirsche und einen kleinen Muntjac und dann, als wir kurz vor dem Zugangstor zum Park sind, doch noch Elefanten.
P1070468Zwei Mütter mit ihren Jungen. Wie schön, sie drehen uns zwar schnell den Rücken zu, und einer der Kleinen versteckt sich hinter einem Busch, aber wir bleiben so lange stehen und beobachten sie, bis sie im dichten Buschwerk verschwinden.
Zurück in unserem Häuschen wollen wir nur trockene Kleidung und ein Bett.
Nachmittags laufen wir mit Sereno über das große Grundstück bis runter zum Fluss.
Hier kommen gern Elefanten von der anderen Seite rüber. Auf seinem Grundstück haben sie schon an die zwanzig Palmen umgeworfen, um an die leckeren Blattaustriebe zu gelangen. Zwar versuchen einige Farmer sie durch Elektrozäune am Betreten ihrer Plantagen zu hindern, aber so ein Elefant ist nicht blöd, er holt sich eine bereits umgestoßene Palme und wirft sie auf den Zaun. So kann er gefahrlos über den Zaun und sich bedienen.
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Nachdem wir wieder einen interessanten Abend mit dem perfekt englisch sprechenden, weit gereisten und gebildeten Sereno – der hier eine neue Aufgabe gefunden hat – verbracht haben, beobachten wir zum letzten Mal, wie er zu seinem Haus weiter unten in der Nähe des Flusses läuft, wie immer verfolgt von sechs weißen Katzen.

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eine von ihnen hat verschiedenfarbige Augen

Den letzten und vorletzten Tag wollen wir in Negombo verbringen, damit wir näher am Flughafen sind. Während wir fahren setzt heftiger Regen mit Sturm ein, und ca. 30 min. vor unserem Ziel gibt es einen Stau.
dsc093641.jpgHier hat der Sturm 3 Bäume umgeworfen, die jetzt auf der Fahrbahn liegen. Die Polizei räumt – unterstützt von ein paar Männern – die Straße.
Das Restaurant im Hotel ist an drei Seiten offen, und man musste Planen spannen, damit den Gästen nicht das Essen vom Teller geweht wird.
Das erhoffte letzte Bad im Meer kann auch an unserem letzten Tag nicht stattfinden, wieder Regen und Sturm. Der Nachmittagsspaziergang lässt unsere leichte Wehmut darüber rasch verschwinden, der Strand liegt voller Müll, für uns wenig einladend.
Unser Flug nach Malaysia geht um 0.25 Uhr und wir lassen uns mit dem Taxi um 22 Uhr abholen  und die 14 km zum Flughafen bringen. Wir sind überrascht, wie viele Menschen um diese Uhrzeit hier unterwegs sind. Insgesamt dreimal wird unser Gepäck einem Sicherheitscheck unterzogen. Hier ist man also besonders gründlich.
Die Maschine startet pünktlich. Ein letzter Blick auf Colombo aus der Luft lässt Sri Lankas Hauptstadt aussehen wie einen Sternenhimmel mit unzähligen weißen Lichtpunkten, nur durchbrochen von langen gelben Linien, den beleuchteten Straßen.

Mannar, Esel und Anuradhapura (Sri Lanka)

Morgens nehmen wir den Bus von Jaffna nach Mannar. Heute kein Film, dafür nervtötende Musik. Die Frauen singen in unnatürlich hoher Stimmlage, wie man es im Süden Indiens liebt. Eine ganze Weile holpert der Bus über einen schmalen Sanddamm. Am Ende steht auf der linken Seite ein Hindutempel. Davor ist ein Scheiterhaufen aufgeschichtet, unter dem es schon qualmt. Mit leichtem Grausen denke ich an die früher üblichen Witwenverbrennungen. Direkt daneben liegt eine große Müllkippe!?
DSC09223 Kurz darauf beginnt eine neue Straße. Ein ganz anderes Fahrgefühl.
DSC09228Die Landschaft ist weiterhin flach und karg.
DSC09235Über eine ca. 2 km lange Brücke erreichen wir die Mannar-Insel.
Wir kommen nachmittags an und lassen uns mit einem Tuktuk zur gebuchten Unterkunft bringen. Der Fahrer hat einen speziellen Geschmack. Der Himmel des Gefährts ist mit Pelz verkleidet. Es sieht aus, als hätten zehn Mungos dafür ihr Leben lassen müssen. Nach einer Griffprobe bin ich beruhigt, es ist Kunstpelz; die Haare bewegen sich wellenförmig im Fahrtwind.
Unsere Unterkunft ist nicht weit entfernt. Der Fahrer ist unsicher, er weiß nicht, ob das die richtige Adresse ist. Da das Haus aussieht wie auf den Fotos im Internet, mache ich kurz entschlossen das Tor auf. Ein vorbeikommender Radfahrer ist entsetzt, dass sei falsch, behauptet er. Während wir draußen vor dem wieder geschlossenen Tor diskutieren, kommt von hinten eine junge Frau. Wir sind doch richtig, daraufhin verschwinden Radfahrer und Tuktukfahrer schleunigst.
Dieses Mal haben wir eine richtige Bruchbude erwischt. Es ist schmutzig, winzig und riecht muffig. Das Badezimmer ist außerhalb des Hauses, und nach dem ersten Blick beschließe ich, hier auf keinen Fall zu duschen. Zum Glück haben wir nur eine Nacht gebucht. Erstmal wollen wir uns die Stadt ansehen, und dann entscheiden, ob wir uns vor Ort eine andere Unterkunft suchen. DSC09248
Auf unserem Weg in die Innenstadt begegnen uns Esel, sie wurden seinerzeit von den Holländern mitgebracht, aber die Sri Lanker haben sie nie als Arbeitstiere genutzt. So hat sich eine Population frei lebender Tiere auf der Insel entwickelt.
DSC09249Einige sind offenbar irgendwann mal angefahren worden, und zu sehen, wie sie sich mühsam mit drei gesunden und einem verkrüppelten Bein fort bewegen, treibt mir die Tränen in die Augen. 
DSC09230Das eigentliche Zentrum Mannars scheint um den Busbahnhof herum zu liegen. Viel mehr ist nicht zu sehen.
Die meisten Häuser wirken ziemlich herunter gekommen, nur die Moschee mit ihrer vergoldeten Kuppel bildet eine Ausnahme. Auch die Markthalle hätte dringend einen Anstrich nötig.
DSC09254Als wir durch das Fischerviertel laufen, wird uns geraten, auf keinen Fall bei Dunkelheit noch hier zu sein. Also machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, aber auch da ist nicht wirklich was vorhanden. Ein Imbiss muss es heute Abend tun. Enttäuscht laufen wir zurück.
Am nächsten Morgen bestellen wir uns ein Tuktuk. Auch dieses hat einen Kunstpelzhimmel. Er ist pink und die roten Kunstledersitze haben ein Pythonmuster. Ob sich Mannars Damenwelt vom eigenwilligen Geschmack des jungen Fahrers beeindrucken lässt?

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Aus der Ferne sieht Mannar recht malerisch aus

Anuradhapura ist unser Ziel. Langsam verändert sich das Landschaftsbild, das Karge macht zunehmend wieder tropischem Bewuchs Platz. Gleich wirkt alles viel aufgeräumter, vielleicht, weil nicht mehr so viel Abfall herumliegt, oder weil er unter dem dichten Grün verschwindet.
DSC09283Anuradhapura war Jahrhunderte lang Königssitz und damit Hauptstadt. Wir machen einen langen Spaziergang in die Innenstadt. Der heilige Bodhibaum und der Tempelbezirk sind nicht unser Ziel, wir haben keinen Zugang zur buddhistischen Religion. Viel lieber durchstreifen wir die Nebenstraßen und –gassen.

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Frauen bei der Herstellung von Hoppers

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Tuktuk-Werkstatt im Armenviertel

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und einer der Bewohner, der promt um etwas Geld bettelt

Für den Abend haben wir uns aus einer Rangliste ein gutes Lokal ausgesucht, und wir werden nicht enttäuscht. Es schmeckt prima, da wollen wir am nächsten Abend noch mal hin.
Klaus hat schon seit Tagen Ohrenschmerzen, und ín der Nacht ist es schlimmer geworden. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum privat geführten Königs-Hospital. Er wird in eine Liste eingetragen, bekommt die Nummer 3 und die Anweisung, um 18.30 wieder zu kommen.
Als wir kurz vorher dort sind, ist der Wartebereich bereits voll. Wir gehen wieder zur Anmeldung und werden von einer Krankenschwester zu einem Wartezimmer ein paar Häuser weiter geführt. Sie schiebt sich mit uns im Schlepptau zur hiesigen Anmeldung vor, der Name wird auf einer Liste abgehakt, und wir zur Apotheke im selben Raum geschickt. Dort muss Klaus erklären, warum er hier ist, und ein Schreibheft kaufen. Wir wundern uns, bekommen aber auf unsere Fragen keine richtige Antwort, nur dass er das brauchen wird, erfahren wir. Du musst bestimmt 100 mal schreiben: „Ich darf keine Wattestäbchen benutzen“, necke ich ihn. Ein junger Mann geht mit uns zurück zur Anmeldung, und nennt einen Betrag von 1.200 Rupien (6,60 €). Nach dem Bezahlen begleitet uns die Krankenschwester in den Wartebereich ein Stockwerk höher und bedeutet uns, vor Behandlungsraum 25 zu warten.
Über 50 Wartende vor fünf Behandlungszimmern, davon mehr als ein Dutzend Kinder von ca. 10 Tagen bis zu 10 Jahren. Sie sind krank und müde und dem entsprechend quengelig. Aber sie werden geduldig geschaukelt und hin- und hergetragen.
IMG_20171012_172214Amüsiert betrachte ich eine muslimische Familie mit einem Neugeborenen. Das Baby weint, und die junge Mutter schaukelt es solange, bis es eingeschlafen ist. Dann nimmt ihr eine ältere Frau – ich tippe auf die Schwiegermutter – das Kind ab, das daraufhin wieder zu schreien beginnt. Nun ist die Mutter dran, aber sobald es ruhig ist, verlangt die Ältere es wieder. So geht es zig mal hin und her. Und jetzt zeigt sich auch, wie praktisch doch so ein Kopftuch ist, als das Baby spuckt wischt die Ältere dem Säugling mit Mamas grünem Tuch schnell mal den Mund ab. Die Kinder werden in Raum 23 behandelt. Dort versuchen besorgte Eltern immer wieder, sich vorzudrängeln. Sie werden abgewiesen, das Nummernsystem scheint zu funktionieren.
Inzwischen sind wir an der Reihe, und die mit einem Sari bekleidete Ärztin lässt sich die Beschwerden schildern und notiert alles in das mitgebrachte Schreibheft. Nach inspizieren der beiden Gehörgänge und Behandlung des betroffenen Gehörgangs kann Klaus wieder Stereo hören.  Auch die verordneten Medikamente werden aufgeschrieben, ein Stempel darunter und fertig. In der Apotheke legt man das Heft vor und bekommt die Medikamente. Und der Patient behält das Heft und hat seine Akte immer zur Verfügung. So einfach kann es sein, auch ohne Krankenkarte.

Jaffna, das Fort und die Post (Sri Lanka)

Um halb neun holt uns der Cousin von Priyan mit seinem Tuktuk ab, um uns nach Trincomalee zur Busstation zu fahren. Er stoppt noch mal vor dem Restaurant, hier werden wir dann endgültig verabschiedet. „Gebt mir, was ihr denkt,“ sagt der Fahrer am Ziel, „ihr seid Freunde.“ Er bekommt natürlich den gleichen Betrag, den wir für die Hinfahrt vor einer Woche bezahlt haben.
Ein Schaffner drängt uns zu seinem Bus, wir müssen zwar umsteigen, aber er sagt uns rechtzeitig Bescheid. Machen wir, denn der direkte Bus kommt erst in zwei Stunden. Die Koffer sollen hinten im  Laderaum verstaut werden, aber der ist so schmutzig, dass selbst der Schaffner zurückschreckt. An einem Marktstand versucht er dem Händler ein paar Kartons abzuluchsen, aber da beißt er auf Granit. Daraufhin versucht er es erfolglos mit Fegen. Jemand muss einen Eimer Wasser holen, aber der verwandelt die Staubschicht nur in eine Schlammpfütze. Nun landen die Koffer doch im Innenraum.
Die Fahrt führt auf der A12 gleich ins Landesinnere. Plötzlich eine Vollbremsung und Dauergehupe. Mitten auf der Straße steht eine Büffelherde wie eine schwarze Mauer. Da kann der Fahrer noch soviel Lärm machen, sie sind einfach nicht aus der Ruhe zu bringen.
DSC09114Aber irgendwann hat auch der letzte die andere Straßenseite erreicht und weiter geht die wilde Fahrt. Ein Paar mit zwei Kindern ist im Bus. Der Junge turnt auf einem Sitz herum, sorgenvoll vom Schaffner beäugt. Wie schnell kann er sich bei einem Bremsmanöver verletzen. Als die Eltern keine Anstalten machen, ihren ausgelassenen Sprössling zu bändigen, setzt sich der Schaffner neben ihn und spricht leise auf ihn ein, bis der Junge setzt sich brav hinsetzt.
DSC09116Die Landschaft ist hügelig, dazwischen immer wieder Seen und trockene Senken, die vom bevorstehenden Monsun erneut gefüllt werden müssen. Ab und zu stehen Warnschilder mit Elefantenmutter und –kalb am Straßenrand, aber leider will heute kein Dickhäuter die Straße überqueren.
 
DSC09128In Vavuniya ist Endstation. Als wir aussteigen, werden wir vom Schaffner des Busses nach Jaffna in Empfang genommen. Vermutlich hat ihn der Kollege per Handy informiert. Und so haben wir quasi einen fliegenden Wechsel. Zeitweilig herrscht drangvolle Enge. Jeder Sitz wird besetzt, und wenn wir beide plus ein weiterer Fahrgast in einer 3er Reihe sitzen, wird es ganz schön eng. Pro Sitzplatz stehen 38 cm! zur Verfügung. Auch das Unterhaltungsprogramm, ein Film á la Gräfin Marizza mit Marika Röck mit viel Gesang und Tanz, nur auf indisch, vermag uns nicht abzulenken von dem Gefühl, in einer Sardinenbüchse zu stecken. Je weiter wir in Richtung Norden kommen, um so mehr verändern sich Land und Leute. In der Nordprovinz leben seit dem Bürgerkrieg nur wenige Muslime und Buddhisten. Die Frauen tragen Saris oder schmale Hosen und Kaftane und sind damit flott auf dem Moped unterwegs.
Die Landschaft ist trocken, wir sehen Palmenplantagen und abgeerntete Felder.
DSC09140Der Bus fährt über den vor Jahren heiß umkämpften Elefantenpaß und wir erreichen Jaffna gegen 15 Uhr. An vielen Häusern sehen wir Einschußlöcher und auch viele verlassene – ehemals wunderschöne Villen – die von der Vegetation langsam überwuchert werden.
Nach einer kurzen Pause im Hotel fahren wir wieder in die Innenstadt, wir wollen einige Dinge besorgen. Jaffna, deren Einwohnerzahl nach dem Bürgerkrieg um ein Drittel geschrumpft ist, hat eine unglaubliche Ladendichte. Wir schauen uns alles aufmerksam an. Die drei Kühe auf einer kleinen Verkehrsinsel scheint außer uns niemand beachtenswert zu finden.
Das Shoppingcenter ist enttäuschend, im Erdgeschoß ein Supermarkt, in der ersten Etage vielleicht 10 Geschäfte und im zweiten Stock eine Eisdiele und ein amerikanisches Fastfood-Restaurant. Aber nicht das mit dem großen M.
Im Supermarkt suche ich ein paar typische Gewürze und Tee aus, die will ich morgen per Paket nach Deutschland schicken. Auf Nachfrage packt man uns alles in einen Karton.
Abends essen wir in unserem Hotel. Erst dauert es 1 ¾ Stunden, bis das Essen kommt, und dann ist es so scharf, dass ich das Gefühl habe, meine Zunge wirft Blasen. Der Hotelchef entschuldigt sich und läßt uns noch eine Platte mit Papayastücken bringen.
Um 6 Uhr werde ich durch Gelächter und Geplapper wach. Anscheinend laufen Kinder durch den Hotelflur. Als wir später zum Frühstück gehen sitzen junge Frauen und Mädchen in wunderschönen Saris auf dem Boden und trinken Tee. Sie haben ihre Haare verschwenderisch mit frischen Blumen geschmückt. Heute wird das Baby einer Freundin getauft, erfahren wir. Alle Frauen tragen die gleiche Kleidung, eine Gruppe trägt blau/rot. Vom Alter her könnten es Familienmitglieder sein.
DSC09148Die Gruppe der Freundinen hat sich für pink/gold entschieden. Auch die Männer sind festlich in seidene Sarongs in creme/gold und Hemden in pink gekleidet.
DSC09149Das geschmückte Auto steht bereit, aber leider sehen wir die Hauptpersonen nicht, die werden vermutlich irgendwo abgeholt. Die Gäste steigen in einen bereit stehenden Kleinbus und fahren davon. Und wir machen uns auf den Weg zur Hauptpost, um unser Paket aufzugeben.
Direkt am Eingang ist ein Shop. Wir brauchen einen Klebestift und fragen bei der Gelegenheit, an welchen Schalter wir müssen. „Genau an diesen,“ meint der junge Mann, lässt sich den Kasten aushändigen und packt alles aus. Tee ok, aber die Gewürze: Zimtstangen, Muskatnüsse, Nelken, Pfeffer und Kardamom legt er an die Seite und behauptet, das dürfe man nicht verschicken, nur gemahlene Gewürze seien erlaubt??? Er ruft einen Kollegen, der eine Kollegin und die noch einen Kollegen. Der fordert uns auf, mit ihm in ein Büro zu kommen, wo offenbar die Abteilungsleiterin sitzt. Von ihr bekommen wir dieselbe Auskunft. Man sieht uns unsere Bestürzung an, deshalb geht der Kollege mit uns noch in einen anderen Gebäudeteil. Supervisor und Assistent sind nicht anwesend, also weiter zum Customs Büro. Dort sitzt ein wichtig aussehender Mann, dem erzähle ich, dass wir auf Weltreise sind und unserer Tochter in Deutschland ein kleines Präsent schicken wollen. „OK,“ sagt er, „machen Sie das.“ Der letzte Kollege läuft mir uns zurück, übermittelt mündlich die Erlaubnis, und dann klappt es. „Der Karton taugt nichts,“ wird uns mitgeteilt. Also kaufen einen neutralen weißen. Alles wird eingepackt und auf die Waage gestellt, etwas über 2 kg. Wir sollen etwas rausnehmen, meint der erste Kollege, dann würde das Porto günstiger. Machen wir. Nun wird der Kasten rundherum mit Klebestreifen fest verschlossen, am zweiten Schalter mit Briefmarken beklebt, am dritten als Einschreiben notiert, und am vierten abgegeben. ERLEDIGT. Das machen wir so schnell nicht wieder.
Die Hauptpost liegt in der Nähe des alten Forts, und wir machen uns auf den Weg dorthin. Wir kommen an einem Platz vorbei, auf dem Fahrtraining oder –prüfung stattfindet. Mopeds, Tuktuks, Autos und ein Bus umkurven Plastikkegel vorwärts und rückwärts.
DSC09156Am Rand sitzen und stehen viele Personen und schauen interessiert zu. Vermutlich Familienangehörige und Freunde der Fahrschüler.
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Nach einer Information aus dem Internet soll das im Bürgerkrieg stark beschädigte Fort nicht zu besichtigen sein.
DSC09177Eindeutig falsch, es ist zwar vieles verboten, aber hinein darf man, und sogar kostenlos.

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Für eine Hündin scheint das Fort der richtige Aufzuchtsort für ihre Jungen zu sein. Vier sind zutraulich…

 

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der fünfte traut sich nicht aus seiner Höhle

 
Danach vorbei an der Bibliothek, die im Krieg mit ihren kostbaren 90.000 Büchern ausgebrannt und inzwischen wieder aufgebaut ist – Tamilen und Singhalesen haben jeweils eine eigene Version der Geschichte – erreichen wir die Altstadt.

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Hindutempel

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vielleicht braucht sie noch eine Kette fürs Wochenende

Irgendwann biegen wir in eine schmale Gasse ein und landen bei winzigen Werkstätten, wo vom Schuh, über den Wecker bis hin zu Elektrogeräten alles repariert wird.
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DSC09202Ein Mann sitzt an einer alten Nähmaschine und betreibt Upcycling. Er näht aus gebrauchten Textilien Sattelüberzüge für Fahrräder und möchte unbedingt von uns fotografiert werden.

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wenn es heiß ist, wird der Sarong zum Mini

Abendessen wollen wir in einem gut bewerteten vegetarischen Restaurant in der Nähe des großen Tempels. Wir entschließen uns, die 3 km zu laufen.
DSC09212Es wird zwar langsam dunkel, aber die Straße ist nicht übermäßig befahren.

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Ein Schreiner ist noch abends um 7 Uhr bei der Arbeit

Über 100 Gäste finden im Lokal Platz. Es gibt indisches Essen und leckere Fruchtsäfte und Lassis. Besteck wird nicht ausgeteilt, deshalb werden die auch hier im Lokal installierten Handwaschbecken eifrig genutzt. Das Essen wird auf Bananenblättern und die Getränke in Marmeladengläsern serviert. So spart man bei der Ausstattung und beim Abwasch.
Wir frühstücken zusammen mit einem Mitte 70jährigen Mann aus Jaffna, der inzwischen in Georgien lebt und mit dem wir schon gestern ein interessantes Gespräch hatten. Er war und ist für bekannte Organisationen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Vereinten Nationen tätig und erzählt uns viel über die politischen Strömungen im Land.
Während wir dort sitzen, transportiert draußen ein Mann ein Doppelbett auf einem Fahrrad, er sitzt einfach mittendrin. Nie mehr gehe ich ohne Fotoapparat frühstücken.

Tempel, Tiere, Nilaveli (Sri Lanka)

Von der Busstation in Dambullah geht es Richtung Trincomalee. Zwei Backpacker mit entsprechend großen Rucksäcken und eine Frau mit mehreren Säcken Gemüse sind unter den Wartenden. Und dieses Mal wird der Kofferraum des Busses für all die sperrigen Gepäckstücke geöffnet. Busse werden ja fleißig genutzt, und manches Mal müssen sie auch Gegenstände mitnehmen, die anders nicht an ihr Ziel zu bekommen sind. Erst vor kurzem stiegen wir in einen Bus, wo im Mittelgang ein Stapel ca. 3 m langer Holzbretter lag. Die Mitfahrenden kletterten kommentarlos über das Hindernis, niemand war erstaunt oder verärgert. Irgendwann stoppte der Bus, und der Schaffner half dem dort wartenden Mann, die Bretter auszuladen.
Die ca. 90 km lange Fahrt dauert an die 3 Stunden. In Trincomalee, der glücklosen Hauptstadt der Ostprovinz mit ihrem großen Naturhafen, wechseln wir in ein Tuktuk und lassen uns zu unserem Hotel in Nilaveli fahren.
DSC09091Es liegt in zweiter Reihe am Strand und von den 12 Zimmern in einer rundherum durch Mauern geschlossenen Anlage sind gerade mal 2 besetzt.

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diese künstlich aussehenden Blumen wachsen zu Dutzenden im Hotelgarten

P1070236Am Strand liegen Kühe. Die können hier ein selbstbestimmtes Leben führen, laufen frei herum, haben die Kälber bei sich, überqueren die Straßen, wann und wie schnell es ihnen passt, und jeder nimmt Rücksicht.
Natürlich werden wir wieder angesprochen. Wir sollen eine Schifffahrt machen, zum Nationalpark Pigeon Island fahren, ein bestimmtes Restaurant besuchen oder mit einem Tuktuk fahren. Wollen wir alles nicht, deshalb bedanken wir uns freundlich für die Angebote und vertrösten auf später.
Das Meer hat die richtige Wohlfühltemperatur, und so lassen wir uns von den stürmischen Wellen hin- und herschaukeln und immer wieder umwerfen.
Als wir im Hotelrestaurant unser Essen aussuchen, hören wir Musik mit Trommeln. Der Kellner erklärt, dass heute in dem Hindu-Tempel in unmittelbarer Nähe eine Zeremonie stattfindet. Da müssen wir doch hin. Als wir ankommen, macht sich gerade eine Gruppe auf den Weg zum Strand. Zuerst tragen vier Männer eine brennende Fackel ins Meer, dann folgt eine Gruppe von Frauen, die ein großes Gebilde (wahrscheinlich Blumen) trägt und auf die Wellen setzt. Wir können die Einzelheiten in der Dunkelheit nicht erkennen. Näher trauen wir uns nicht heran, und mit Blitzlicht zu fotografieren auch nicht, wir wollen auf keinen Fall stören.

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Fast wären wir auf dem Rückweg über die schlafenden Kühe gestolpert, die es sich auf dem Gehweg gemütlich gemacht haben

Am nächsten Tag ist der Strand in dem ca. 50 m kurzen überwachten Abschnitt schwarz von Menschen.
Strand NilaveliAm Wochenende fahren viele Busse die Einheimischen aus der Umgebung an diesen Strand. Die schmale Straße ist links und rechts von Verkaufsbuden gesäumt, in denen Getränke, Süßigkeiten, Knabbereien, Spielzeug und Trockenfisch? angeboten werden. Viele der Frauen sind schwarz verhüllt. Diejenigen, die dem Hinduglauben angehören, tragen Saris, mit denen sie auch ins Wasser gehen. Dieser Strand könnte wunderschön sein, wenn nur nicht überall Abfall herumliegen würde. Plastiktüten und –flaschen, Zigarettenschachteln und –kippen, Kekstüten, Verpackungen und Reste von allem, was mit an den Strand gebracht wurde. Und zwischendrin die Kuhfladen. Also Augen halbzu, und einen der raren Schattenplätze gesucht. Wir sind gerade das zweite Mal im Wasser, als eine Gruppe Jugendlicher auf unseren Schattenbaum zusteuert. Sie sehen uns, winken, schnappen sich die Badetasche und tragen sie direkt an den Strand. Dann machen sie es sich unter dem Baum gemütlich.
Am Spätnachmittag laufen wir Richtung Landstraße, ca. 800 m weit. Wir treffen Kühe auf dem Weg zum Stall und viele Einheimische. Ein etwa 10jähriges Mädchen spricht uns auf englisch an. Wie wir heißen, woher wir kommen und wohin wir gehen, will sie wissen. Sie will uns unbedingt mitnehmen zu ihrem Elternhaus, uns die sieben Kühe, zwei Hunde und Katzen zeigen. Und nebenbei erfahren vir, dass sowohl Papa als auch großer Bruder Tuktuk-Fahrer sind. Wenn das kein geschicktes Verkaufsgespräch ist; die Kleine wird es mal weit bringen.
Wir landen in einem kleinen Lokal in der Nähe unseres Hotels. Draußen steht ein Grill und auf dem Tischchen davor liegt das Angebot des Tages an Fisch und Meeresfrüchten. Das sieht ja alles sehr verlockend aus, aber wir haben nur noch wenig Bargeld und suchen uns in der Speisekarte ein günstiges Gericht aus. Der Besitzer merkt, dass wir hin und her überlegen und sagt sofort: „Sucht Euch aus, was ihr wollt und bezahlt morgen.“ Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, und schon landen unsere Wunschstücke auf dem Grill. Und dann hat er auch noch kaltes Bier. Darf er eigentlich gar nicht verkaufen, denn als Tamile bekommt er keine Lizenz, aber das ist uns und den anderen Gästen egal. Wir sind so angetan von dem leckeren Essen und seinem Vertrauen in unsere Ehrlichkeit, dass der Besitzer in uns Stammkunden für die Dauer unseres Aufenthaltes gefunden hat.
Am nächsten Morgen fahren wir nach Trincomalee. Wir brauchen Bargeld, um unsere Schulden zu bezahlen.
DSC09054Es ist heiß und staubig. Vor der Markthalle steht eine Gruppe Axishirsche. Ausgerechnet hier, mitten in der Stadt umtost vom Verkehr. In den Nationalparks gelten sie als die scheuesten Tiere überhaupt. Wir kaufen uns etwas Obst, was der Marktfrau einiges Kopfzerbrechen bereitet. Sie bietet uns 4 Mandarinen für 100 Rupien an. Wir wollen 6 und sagen 150. Der Mann am Nachbarstand hat einen Taschenrechner und muss das für sie ausrechnen. Auch für die zu ermittelnde Summe aus 1000 plus 150 braucht sie seine Unterstützung.
Weiter gehts zum Fort Frederick. Es liegt auf einer Anhöhe und beherbergt eine Militärbasis. Außerdem wurde auf dem Felsen ein Hindu-Tempel mit riesengroßer Shiva-Figur, an der Stelle errichtet, wo vor Jahrhunderten der 1000-Säulen-Tempel von den Portugiesen ins Meer gestoßen wurde. Fotografieren ist bei militärischen Anlagen strengstens verboten. Schade, hier stehen so schöne uralte Bäume und auch Axishirsche leben hier. Das Wegwerfen von Abfall steht – mit dem Hinweis auf die Gesundheit der Tiere – unter Strafe. Es sollte einfach mehr Axishirsche auf Sri Lanka geben. Der Weg zum Tempel ist auch hier von Verkaufsbuden gesäumt. Anders als bei buddhistischen Tempeln allerdings nicht mit Opfergaben, sondern mit allem, was die Tempelbesucher einschließlich ihrer Kinder gebrauchen könnten. Als wir endlich oben ankommen heißt es Schuhe ausziehen. Der Mann, der über die Einhaltung wacht, sagt uns aber sofort, dass wir das unmöglich schaffen können, denn der Boden ist so heiß, dass die Fußsohlen garantiert anfangen zu qualmen. Die Sri Lanker, die soviel barfuß laufen, haben offenbar eine Zentimeter dicke Hornhaut, so dass sie völlig entspannt hier herumschlendern. Für uns hat sich das allerdings erledigt.
DSC09070Abends lassen wir uns den Grill mit Fisch und Seafood vollpacken, schließlich ist Sonntag.
Und für die nächsten Tage ist Baden angesagt, das Einzige, was man bei 35 Grad machen kann. Schnell haben die streunenden Hunde uns bemerkt und suchen unsere Gesellschaft.
p10702311.jpgDie putzigen Welpen dazwischen lassen uns auch in anderer Hinsicht dahin schmelzen.
P1070254Im Garten beobachten wir ein Agamen-Paar. Er versucht sie durch seinen blauen Kopf und Hals zu beeindrucken. Sie schaut ihm interessiert zu.

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Beim Höhlenbau ist immer etwas zu tun

Am Donnerstag ist wieder Vollmondtag. War es am Wochenende schon voll, so sind an diesem Feiertag ca. 50 Busse mit der entsprechenden Besuchermenge angekommen.
Hier läuft laute Musik,
DSC09088dort wird getrommelt und dazwischen die Bäckerei-Tuktuks,
DSC09083die man durch ihre elektronischen Erkennungsmelodien sofort wahrnimmt. Die Mischung von „It’s a small world“ und „Für Elise“, wenn zwei oder mehr dieser praktischen Fahrzeuge sich begegnen, tut allerdings manchmal in den Ohren weh.
Es wird gekocht, die Kinder toben herum, und jetzt löst sich auch das Rätsel um den Trockenfisch. Viele kommen aus dem Landesinneren und kaufen für zuhause gern einen Vorrat ein.
P1070248Abends lassen wir uns zum letzten Mal Tiger-Prawns und Kalamari vom Grill in unserem Lieblingsrestaurant Nilaa schmecken. Dann schreiben wir noch unseren Kommentar auf die grün gestrichene Wand und verabschieden uns aufs herzlichste von Priyan und seinen Mitarbeitern.
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