Mawlamyine, Hpa An und die Höhlen (Myanmar)

Es ist zehn Uhr und unser Fahrer ist nicht da. Das hat es ja noch nie gegeben. Anruf bei der Frau, die uns gestern die Tickets verkauft hat. „Er kommt gleich,“ beschwichtigt sie. Zwanzig Minuten später ist er da. Sein Gefährt, ein größeres „Pickup“ (Motorrad mit Ladefläche und Sitzbänken hinten) lässt sich prima beladen und bietet genügend Platz. Und dann geht es auf die 17 km lange Fahrt mit dem untermotorisierten Gefährt. Die Straße ist schlecht und wir werden dermaßen durchgerüttelt, dass wir die Zähne fest zusammenbeißen müssen, damit sie nicht klappern. An fotografieren ist nicht zu denken. Nach dem Aussteigen beben wir noch ein Weilchen nach.
Der Zeitpuffer war groß genug, wir warten noch beinahe eine ¾ Stunde. Der Bus der dann kommt, ist recht komfortabel.
DSC00321.JPG
Er hat bequeme Sitze, bei denen sich die Lehne weit nach hinten stellen lässt, und auf jeden Fahrgast wartet eine flauschige Decke. Braucht man auch, die Temperatur liegt laut Anzeige bei 18 Grad, aber die Luft, die aus den Lautsprechern strömt, scheint noch kälter zu sein.
Wir kommen an Weinfeldern vorbei. Der wenige Wein, der in Myanmar produziert wird hat seine Anbauflächen hier im Shan Staat. Dörfer liegen rechts und links der Straße, es gibt viel Landwirtschaft.

Bergeweise liegen winzig kleine Chilischoten zum Trocknen auf der Fahrbahn.

Es wird langsam dämmrig und die Bauern kommen mit ihrem Ochsengespann zurück oder bringen die Rinder für die Nacht auf die eingezäunte Weide.
Unser Ziel Naypyitaw erreichen wir in der Dunkelheit. Der ursprünglich vorgesehene Wechsel in einen anderen Bus findet nicht statt, es kommt nur ein neuer Fahrer für den bisherigen Bus. Wir haben eine längere Pause, damit der Bus geputzt werden kann. Als es weiter geht, gibt es eine kurze Irritation. Für den Anschlussbus hatten wir neue Sitzplatznummern, aber niemand macht Anstalten, seinen bisherigen Platz zu verlassen und unsere neuen Plätze frei zu machen, also bleiben wir auch sitzen. Zwei Frauen steigen neu zu und haben offenbar Karten für die von uns besetzten Plätze. Sie sind leicht angesäuert, aber der Schaffner regelt das ganz schnell. Ein einzelner Mann wird nach vorne geschickt, eine Frau eine Reihe nach hinten gesetzt, und so haben die beiden dann doch zwei Plätze nebeneinander und sind zufrieden. Der Bus fährt durch die großzügig angelegten Straßen von Naypyitaw, der neuen Hauptstadt. Die Stadt ist wohl für ein hohes Bevölkerungswachstum konzipiert worden, wirkt aber noch menschenleer. Kurz danach wird das Licht ausgemacht und die meisten Fahrgäste schlafen sofort ein. Obwohl wir Jacken tragen sind wir froh, die Decken zu haben, die Innentemperatur liegt inzwischen bei 16 Grad.

Um vier Uhr stoppt der Bus an einer Raststätte. Alle müssen aussteigen, und der Schaffner drückt jedem ein kleines Päckchen mit einem eingeschweißten feuchten Waschlappen und Zahnbürste und Zahnpasta in die Hand. Ein langer Gang führt am Lokal vorbei zu den Toiletten. Auf halbem Weg ist ein viereckiges Becken, dort stehen schon etliche Menschen, schöpfen mit Plastik-Stieltöpfen Wasser, waschen sich und putzen die Zähne. Rundherum liegt Schmutz und Abfall, und weil der Gang überdacht ist, wird auch der nächste Starkregen nicht für Sauberkeit sorgen. Uns vergeht die Lust auf Frühstück. Die meisten verzehren zu dieser frühen Stunde schon gebratenen Reis oder Suppen. Um halb sieben erreichen wir Mawlamyine. Als die wartenden Moped- oder Tuktuk-Fahrer erfahren, in welches Hotel wir wollen, winken sie enttäuscht ab. Es sei nur eine Minute erklärt man uns, wir sollen einfach rechts abbiegen und die Straße geradeaus gehen.
Im Empfangsbüro bekommen wir schon einen Kaffee, und der Landsmann, der hier gerade frühstückt, erzählt uns von einer Bootsfahrt auf dem Than-Lwin River. Wir machen wir uns auf den Weg 1,5 km langen Weg in die Innenstadt, um zu frühstücken. Rechts an der Hauptstraße liegt ein kleiner Bauernhof wie aus einem alten Kinderbuch. Hennen scharren im Sand und führen ihre Küken herum Eine Weile schauen wir einem Truthahn zu, der mit gespreizten Federn vor einem schneeweißen Hahn herumstolziert und kollert. Der Weg führt über einen Hügel in die Innenstadt.

Von allen Seiten strömen die Schulkinder herbei, jedes trägt einen Henkelmann für die Tagesverpflegung. Die meisten Lokale sind am frühen Morgen noch geschlossen, aber nach längerem Suchen finden wir am Fluß ein Cafe, in dem wir sehr guten Kaffee bekommen.
Abends laufen wir nochmal los. Gerade als wir an einem prächtigen Tempel vorbei kommen, fällt der Strom aus. Zum Glück habe ich meine Taschenlampe dabei. Das Restaurant, das wir uns für heute ausgesucht haben, liegt in einem sehr schön gestalteten Garten mit Bambus, Kieswegen und vielen Pflanzen. Kerzenlicht sorgt für festliche Stimmung. Was wir aus der japanischen Speisekarte ausgesucht haben schmeckt köstlich. Die Myanmar-Brauerei hat gerade ein Gewinnspiel ins Leben gerufen. Erscheint der Name der Brauerei im Kronkorken hat man eine weitere Flasche gewonnen. Da kann sich ein Abend ganz schön in die Länge ziehen.
Im Hotel lernen wir Jean-Marc und Annie, ein Paar aus Frankreich kennen, mit dem wir am nächsten Abend zum Essen fahren. Die beiden sind weit gereist und lieben die ursprüngliche birmesische Küche. Wir landen in einem Lokal ohne Speisekarte, man schaut in die Töpfe und deutet auf das, was man möchte.
Die Weiterreise nach Hpa an wollen wir mit dem Boot machen und sind gegen acht Uhr an der Anlegestelle, wo schon verschiedene Menschen warten.

[Eine Frau trägt eine große Einkaufstasche und als sie das Gemüsebündel herunter hebt, reckt ein Huhn seinen Kopf heraus, gackert laut und versucht zu fliehen. Kaum liegt das Gemüse wieder obendrauf ist Ruhe. Ich hatte mich schon auf eine Flußfahrt mit Huhn gefreut, aber sie fährt mit einem anderen Boot. Links vom Anleger waschen zwei Personen ihre Mülltonnen im Fluß aus, rechts treibt eine aufgedunsene tote Ratte und noch weiter rechts steht ein Mann bis zum Bauchnabel im Wasser und putzt seine Zähne.

Nachdem die anderen acht Passagiert eingetroffen sind, geht es los. Ein Holzsteg wir auf Boot und Anleger gelegt, und das Gepäck ins Boot befördert. Die Männer beachten den Steg gar nicht, sie laufen einfach durchs Wasser. Nur die europäischen Fahrgäste nutzen den Steg. Acht von ihnen sind französichsprachig. Interesse an der Umgebung zeigen nur wir und ein weiteres älteres Paar. Eine der jungen Frauen muss offenbar dringend ihre Bein enthaaren, andere lesen ihre Reiseführer oder schlafen.
Nach einer guten Stunde erreichen wir eine Insel, auf der ein sehenswertes Kloster steht.

Wir werden bereits von drei Tuktuks erwartet und durch ein malerisches Dorf zur Anlage gefahren. Die Häuser in diesem Dorf sind aus Holz und jedes hat einen kleinen mit Buntglas gestalteten Erker.

Im Kloster werden gerade Hochzeitsfotos gemacht. Kein Wunder, die Anlage hat einen ganz eigenen Stil und bietet unendlich schöne Motive für jeden Fotografen.
Mit lautem Geknatter fährt das Boot weiter. Links und rechts werden auf Inseln und am Flussufern Bananen und Gemüse angebaut. Ab und zu liegt ein Dort am Fluss.

Hier ist die ganze Böschung mit weißen Säcken bedeckt. Sandsäcke? Nein, einfach nur Müll. Sobald es stark regnet oder der Wasserpegel steigt, wird alles vom Fluss mitgenommen.

Wir nähern uns langsam den bizarren Bergformationen, die Hpa An so besonders machen. Als wir nach fünf Stunden da sind, legt das Boot an einem Steg an, den man allerdings nicht als solchen erkennen kann, da ringsherum wieder Abfall und Material gelagert wird.
DSC00509
Man könnte die Besucher ja auch etwas netter willkommen heißen denken wir. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir unser Hotel mitten im Ort. Ein erster Spaziergang lässt uns das Zentrum der lebendigen Stadt schnell erkunden. Hier gibt es eine Moschee, die buddhistischen Heiligtümer sind etwas außerhalb.
Abends auf der Dachterrasse kommen wir mit Stefan und Christian aus der Schweiz ins Gespräch, die beiden belohnen sich mit einem Bier für ihren anstrengenden Aufstieg auf den Zwe Kabin Klosterberg.

Wir finden gar kein Ende bei unserer Unterhaltung und setzen sie beim gemeinsamen Abendessen fort. Die beiden sind einfach umwerfend nett, und weil wir auch noch eine Glückssträhne beim Bier trinken (3 Flaschen gewonnen) haben, wird es ein unvergesslich fröhlicher Abend. Leider verlassen sie am nächsten Morgen das Hotel.

Wir schauen uns die Markthalle an, aber die Temperatur von 34 Grad (gefühlt 40) lässt uns schnell ins klimatisierte Zimmer flüchten.Das französische Ehepaar, Jean-Marc und Annie, ist inzwischen auch in Hpa An angekommen und wir verabreden uns zum Abendessen. Das Lokal ist voll, aber wir finden im Hinterzimmer Platz. Die dort versammelten Birmesen sind derartig laut, dass wir uns anschreien müssen.

DSC00522
wenn so viele fleißige Hände da sind, braucht man keine Spülmaschine

Aber wir wollen am nächsten Tag gemeinsam die Höhlentour machen, da können wir unsere Unterhaltung unter besseren Bedingungen fortsetzen.
In der Nacht ist mir plötzlich schlecht, aber ich will die Tour unbedingt mitmachen und trinke nur einen Tee zum Frühstück. Und dann erfahren wir per WhatsApp, dass es auch Annie und Jean-Marc erwischt hat. Die Beiden sagen ab. Als deutsche sechser Gruppe fahren wir um 8.30 los. Zwei Münchner und zwei Duisburger sind mit uns im Pickup-Tuktuk. Nach einigen Kilometern über eine asphaltierte Straße geht es über holprige Wege weiter zu unserer ersten Höhle “Kwat-Ka-Taung“ oder eher zu einem großen Felsüberhang.

Alles malerisch an einem See gelegen. Es ist mal wieder Feiertag und viele Burmesen sind auf die Idee gekommen, Höhlen und Tempel zu besuchen.
In der nächsten Höhle „Saddan-Cave“ sind außer verschiedenen Buddhastatuen, die festlich mit bunten LED-Leuchten illuminiert sind, auch verschiedene Fledermausarten beheimatet. Auch hier muss man barfuß laufen, und weil es von der Decke tropft ist der Boden teilweise glatt wie eine Eisfläche und wird mir zum Verhängnis. Eine junge Thai, die gerade noch ein Selfie mit mir zusammen gemacht hat, kommt mir mit ihrem Mann zur Hilfe.

Die Höhle ist recht groß und auf dem weiteren 800 m langen Weg, der auf und ab geht, ist fortan immer jemand an meiner Seite, um mir über die glitschigen Stellen hinweg zu helfen.

Am anderen Ende der Höhle befindet sich ein See, über den man mit einem Nachen durch eine weitere Höhle und eine Wasserstraße wieder zum Ausgangspunkt zurück gepaddelt bzw. gestakt wird.
Jetzt geht es über die holprigste Straße Myanmars zu nächsten Attraktion, einem Wasserfall. Aber vorher wird noch in dem dortigen Lokal zu Mittag gegessen. Hier ist noch die Hallowin-Dekoration vorhanden (Spinnweben in allen Ecken und besonders an der Decke). „Wasserfall nur bei Regen,“ erklärt uns unser Fahrer, aber er zeigt uns gern, wo er dann fällt. Es gibt aber ein auch ein Felsspalt aus dem ein unterirdischer Bach fließt. Dessen Wasser wird von ein paar gemauerte Wasserbecken aufgefangen, in denen Kinder und Erwachsene sich abkühlen. Die Münchnerin hat sich ein Moped-Taxi bestellt, um ins Hotel zurück zu fahren. Auch sie hat Magen-Darm Probleme und bricht die Tour ab.
Für uns geht es weiter zum Garten der 1000 Buddhafiguren. Kurze Verständigung unter uns fünf Teilnehmern, wir lassen den Garten links liegen und fahren weiter zum „Kyat-Ka-Lat“–Tempel.

Ein schöner Tempel in einem See, eine Pagode auf einem einzelnen Felsen, hier ist eines der großen Heiligtümer Myanmars. Viele Menschen erfreuen sich an den Schönheiten, auch eine Gruppe Mönche ist unterwegs.

Dann ist die „Kawt-Gone“ Höhle unser nächster Besichtigungsort. Faszinierend die vielen winzig kleinen Buddhafiguren, die mosaikartig an den Felsen befestigt sind. So etwas haben wir bisher noch nicht gesehen. Die Sonne steht schon tief am Himmel, als wir zur nächsten Sehenswürdigkeit, der „Ya-Thay-Pyan“ Höhle fahren.

Man muss einige Treppen steigen und hat eine schöne Aussicht. Aus den Wiesen steigt der Nebel und macht die Landschaft geheimnisvoll. Wir haben die Befürchtung, dass wir den Höhepunkt, den Ausflug der Fledermäuse aus der „Bat-Cave“ verpassen und beeilen uns mit der Besichtigung. Und als wir dann nach 17 Uhr dort endlich ankommen, glauben wir zu spät zu sein. Aber direkt am Felsen warten etliche Leute, also wird es wohl noch nicht so weit sein. Der Fahrer sagte, 17.40 Uhr würden die Fledermäuse ihre Höhle verlassen, aber da passiert gar nichts. Fünf Minuten später beginnt jemand einen Gong zu schlagen, und anscheinend haben die Fledermäuse auf dieses Signal gewartet.


P1080499.JPGAls ob man einen Korken aus einer zuvor geschüttelten Sektflasche zieht, schießen die Fledermäuse in einem nicht enden wollenden Strom aus dem Berg und fliegen in eine Richtung über den Fluss. Es müssen Millionen sein, dreizehn verschiedene Arten sollen es sein, aber man kann sie unmöglich auseinander halten, nur dass da verschieden große in der Luft sind können wir erkennen. Der Ausflug der Tiere nimmt und nimmt kein Ende, die Gongschläge sind längst verstummt, es wird immer dunkler, und noch immer kommen welche aus dem Berg. Und sie fliegen noch raus, als wir uns im Schein unserer Taschenlampen auf den Rückweg zum Parkplatz machen. Es ist ein unvergessliches Schauspiel: Die Dämmerung über dem „Than-Lwin“-Fluss die Masse der Tiere und das regengleiche Rauschen ihrer Flügelschläge.
Wir beschließen, zusammen mit den beiden Duisburgern noch Essen zu gehen und bitten den Fahrer, uns zu einem bestimmten Lokal zu fahren, nur ein kleiner Umweg auf dem Rückweg, aber er kann oder will uns nicht verstehen und fährt uns zum Motel. Dort will er uns dann plötzlich zurück zu dem ausgesuchten Lokal fahren. Das hätte ihm extra Umsatz gebracht, ist uns jetzt aber zu spät, und so laufen wir das kurze Stück bis zum Lokal vom ersten Abend.
Mit dem Taxi (5 Fahrgäste) geht es am nächsten Vormittag für 6 € pro Person auf landschaftlich schöner Strecke 160 km durch die Berge  nach Miawaddy, der Grenzstadt in Myanmar auf dem Weg nach Thailand.

Positives, Merkwürdiges und Negatives nach 25 Tagen in Myanmar

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

DSC00619
unser Weg durch Myanmar


Myanmar ist ein Land im Aufbruch. Jeder hat ein Handy oder Smartphone, das Telekommunikationsnetz ist inzwischen sehr gut ausgebaut. Für wenig Geld kann man sich eine SIM-Card mit reichlich Datenvolumen kaufen.


Das Moped ist das Fahrzeug des kleinen Mannes. Die Infrastruktur ist allerdings bis auf wenige Schnellstrassen noch stark zurückgeblieben. Die Ampeln zählen in großen Leuchtziffern die verbleibende Zeit bis zum Wechsel von Rot nach Grün in Sekunden herunter.
Die Menschen sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und gutwillig. Schnell wird einem eine helfende Hand gereicht, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Trinkgeld wird manchmal sogar zurückgewiesen oder mit Erstaunen angenommen. Wir werden immer und überall angelächelt, man verbeugt sich vor uns oder will unbedingt ein Foto mit uns zusammen.
Die Religion spielt eine übermächtige Rolle. In einem Land, das wahrscheinlich über die größte Menge an Tempeln und Pagoden verfügt, auch kein Wunder. Selbst die Ärmsten opfern Buddha oder den Devas. Überall in den Tempeln sehen wir Geld in gläsernen Kästen oder bei den Statuen. Blattgold wird manches Mal in solchen Mengen verwendet, dass die ursprünglichen Figuren kaum noch erkennbar sind.


Die Kinder sind überall dabei, werden aber nicht kontrolliert oder ständig beschützt. Da fährt ein Steppke auf einem Dreirad auf einen Graben zu. Die Mutter sagt nichts, zieht ihn nicht zurück, hat ihn aber im Auge. Mir stockt schon der Atem, aber 5 cm bevor es tief runtergeht, stoppt der Kleine und dreht um. Und was sie sich einfallen lassen zum Spielen. Da sind Jungen unterwegs, die eine Sechskantmutter an einem Nylonfaden hinter sich herziehen. Ob sie sich vorstellen, einen Hund an der Leine zu haben? Oder Drachen steigen lassen. Sie haben eine dicke Spule, die 20 cm im Durchmesser hat, darauf eine endlose Schnur. Und der Drachen? Ein kleines viereckiges Stück Plastiktüte an ein Bambuskreuz gebunden. Der Schnurbesitzer kann bestimmen und eine Horde Kinder rennt begeistert hinter ihm her.
Die Informationen wie man von A nach B kommt bekommt man in jedem Hotel. Die Angestellten wissen wo der Bus abfährt, wann es losgeht und was es kostet.
Die Pünktlichkeit, bestellt man sich ein Taxi oder ähnliches für 9 Uhr, ist der Fahrer spätestens 10 Minuten vorher da.

Die Fahrzeuge sind oft aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt, je nach Zweck und Vorhandensein.


Die Hunde sind allerorten, sie leben ihr Leben wie sie es wollen. Sie sind selbstbewußt aber nicht aggressiv, liegen mitten auf der Straße und lassen sich nicht mal durch Hupen verscheuchen. Selbst der Bus fährt dann einen Bogen. Irgendwo steht immer ein Teller mit Essensresten. Manche sehen furchtbar aus, das Fell wie von Motten zerfressen aber es gibt viele richtig nett aussehende. Sie vermehren sich wann und wo sie wollen, und die Ergebnisse sind oft herzallerliebst. Wir stehen an der Straße, als etwas meine Ferse kitzelt. Ein kleiner runder Welpe, der mich erst treuherzig anschaut und dann erschrocken über seine eigene Courage die Flucht ergreift. Ein anderer folgt uns 150 m weit, um dann doch plötzlich erschrocken stehen zu bleiben und dann zurück zu rennen. Dass man sich in solch ein Tier verguckt und es mitnimmt, ist nur zu verständlich. Aber groß angelegte Rettungsaktionen für Myanmar-Hunde sind bestimmt nicht nötig, denen geht es hier sehr gut. Irgendwann muss der Staat wahrscheinlich die Vermehrung kontrollien.
Die Müllautos in den Städten kündigen ihr Kommen durch elektronische Popmusik an, woraufhin die Menschen mit Körben und Säcken auf die Straße eilen, die Sachen hochreichen und die geleerten Behälter zurückbekommen. Das könnte ich mir bei uns auch gut vorstellen, vielleicht mit: „Atemlos durch die Nacht.“
 
Die Stufen einer Treppe haben nie, wirklich nie eine einheitliche Höhe. Da sind einige 22 cm hoch, die nächste dann 15. Man sollte niemals eine Treppe benutzen, ohne die Augen nach unten zu richten.
Die Menge an Tankstellen hat uns erstaunt, vor allem deshalb, weil Benzin rationiert ist.

Die Serviettenbehälter auf den Restauranttischen enthalten meist eine Rolle Toilettenpapier.
Siphons sind unbekannt, das Wasser aus dem Waschbecken läuft in ein gerades Rohr und das wird dann zu einem Loch im Boden oder in der Wand geführt. Kann vorkommen, dass die Ausrichtung verdreht ist, und man beim Händewaschen oder Zähne putzen nasse Füße bekommt.
Verständigung auf englisch ist manchmal ein Problem, geht aber dann irgendwie doch mit Hand und Fuß. Mitdenken ist bei vielen unbekannt. Man tut was man aufgetragen bekommt falls man es richtig verstanden hat. Man fragt aber nie zurück um Klarheit zu schaffen. Wir bestellen uns etwas zu Essen, bekommen zwei Teller, zweimal Besteck, eine Serviette und ein Glas. Wenn wir zu zweit unterschiedliche Getränke bestellen, bekommen wir oft nur das erstgenannte, nach Reklamieren kommt dann alles doppelt nochmal. Noch schlimmer, wenn man beim Bestellen erst Ananassaft sagte und dann doch lieber Mangosaft möchte, dann kommt beides. „Transferleistungen“ sind meist nicht möglich.
Frauen scheint man für das „starke“ Geschlecht zu halten. Kommen wir zu einem Hotel stürzen zwei Mann auf Klaus – der ja nicht gerade schwächlich wirkt – zu, um ihm mit dem Gepäck zu helfen. Mir traut man zu, allein damit fertig zu werden.

Neue Reifen, egal ob für Fahrrad, Moped oder Auto, werden in einer Art „Geschenkpapier“ verpackt angeboten.


Die Menschen nutzen jede Mitfahrgelegenheit, um von A nach B zu kommen. Wenn man in Europa erstmal erkannt hat, wieviel Platz auf Bussen, LKWs und Transportern bisher ungenutzt ist, kann man das Verkehrsaufkommen erstens um mehr als die Hälfte reduzieren und braucht zweitens keine Autobahnerweiterung.
Häufig wird vor einem Lokal, einem Laden oder einem Haus gefegt, aber das Zusammengekehrte bleibt liegen. Ein Windstoß stellt den vorherigen Zustand wieder her, also greift man erneut zum Besen. Eine Müllschaufel und ein Eimer könnten schnell Abhilfe schaffen.
 
Der Abfall ist das große Problem: Müll landet auf Straßen, Wegen und in Flüssen. Das Bewußtsein zur Müllvermeidung ist einfach nicht vorhanden, und da alles in Plastiktüten gepackt wird, kommt eine Menge zusammen. Selbst an schönen Orten muss man über den rumliegenden Unrat hinwegschauen. Hier muss auch von der Regierung und die der Schule das Bewusstsein geschärft werden. Tja, so sehen das natürlich wir Europäer.


Die Elendsquartiere am Stadtrand sind schwer auszuhalten, aber die Menschen leben mit einer Leichtigkeit in bitterster Armut, Dreck und Chaos, so dass man das Gefühl hat sie brauchen nicht mehr. Die Reisbauer sind auch sehr arm und leben noch sehr oft in einfachen, palmgedeckten Bambushütten.

Bürgersteige gibt es in Städten, unter ihnen ist die offene Kanalisation, in die das Abwasser aus den Häusern fließt. Abgedeckt wird sie durch große, schwere Platten oder auch nicht. Der Geruch ist entsprechend. Ein Stück intakter Bürgersteig lädt sofort dazu ein, dort eine kleine Garküche zu errichten oder Autos oder Mopeds abzustellen; alle Fußgänger laufen deshalb auf der Straße.
Wenn irgend etwas fertig ist, bleibt es danach sich selbst überlassen. Wartung oder auch Reparaturen gibt es nicht, da es anscheinend niemanden stört wenn irgenwo was defekt ist, so lange es noch irgenwie seinen Zweck erfüllt.
Würden wir wieder hinfahren? Auf jeden Fall.
Thwa:bi Myanmar

Mae Sot und Tak = Thailand

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

Die früher so gefährliche, enge und kurvenreiche Straße nach Miawaddy ist deutlich entschärft worden. Fuhren früher die Fahrzeuge an ungeraden Tagen Richtung Grenze und an geraden zurück, können sie heute auf zwei Spuren in beide Richtungen fahren. Unser anfangs recht forscher Fahrer hat deutlich Respekt vor diesem früher sehr unfallträchtigen Stück und fährt bedächtig und vorausschauend.
Diesen Grenzübergang, der jahrelang geschlossen war, hatten wir uns klein, ruhig und wenig frequentiert vorgestellt. Und nun das, die Stadt ist groß, voller Geschäfte und mit sehr viel Verkehr. Unser Fahrer bringt uns bis kurz vor die Grenzstation und kehrt dann um. Wir versuchen unsere restlichen Kyatt noch in thailändische Baht zu tauschen und steuern die nächste Bank an. Der Sicherheitsbeamte deutet ein Stück die Straße zurück auf die gegenüberliegende Seite zu einer anderen Bank, dort wiederum werden wir zurück geschickt zu einer Wechselstube, die direkt neben der ersten Bank ist. Anscheinend gibt man sich in den Banken nicht mit solchen Dingen ab.
Ein Mann spricht uns an, er würde uns für 500 Baht in unser Hotel in Mae Sot fahren. Wir zeigen ihm den Namen auf dem Handy, er kennt es nicht, ruft einen Kollegen hinzu und nach einigem Hin und Her nickt er bestätigend. Die Frau in der Wechselstube redet auf ihn ein und er reduziert den Preis auf 400 Baht (ca. 10 €). Zuvor müssen wir zu Fuß zum Ausreiseschalter, hier klappt alles problemlos. Der Mann kommt mit seinem Taxi hinterher und fährt uns ein paar hundert Meter weiter. Dort müssen wir uns für die Einreise nach Thailand registrieren lassen. Als deutsche Staatsbürger brauchen wir keine Visagebühren zu zahlen. Rein ins wartende Taxi, und schon geht es mit Spurwechsel von rechts nach links über die Brücke der Freundschaft, die den Maenam Moei überspannt, nach Thailand. Die Stadt auf der anderen Seite des Flusses hat ein anderes Gesicht. Gute Straßen, gepflegte Häuser, so gut wie kein Müll und eine Vielzahl von richtigen Geschäften. Sogar ein riesiger Baumarkt, den man mit dem Auto durchfahren kann liegt an der vierspurigen Straße. Der Fahrer stoppt nach einer Weile, deutet schräg nach hinten und behauptet. „Hotel!“
Wir sind ganz sicher: Das kann nicht stimmen. Nach vielem Hin und Zurück, Fragen und nochmal Fragen erreichen wir nach einer Stunde unser 15 km von der Grenze entferntes Hotel. Jetzt verlangt er plötzlich 800 Baht, weil er so lange unterwegs war. Er bekommt 700 und damit mehr als genug.

Das so schwer zu findende Hotel ist ein echter Glücksgriff. Es liegt in einer gepflegten tropischen Parkanlage mit vielen großblättrigen Teakbäumen, einigen Teichen, einem schönen Pool und bietet Unterkünfte in einzeln stehenden Bungalows und etwas größeren Holzhäusern. Wir beziehen unseren Bungalow und gehen erstmal schwimmen.
Ein älterer Engländer warnt uns, hier bloß nicht zu essen. „Die tun hier Sachen rein, die unglaublich lecker sind und Dich dann dick machen,“ erzählt er augenzwinckernd. Na, das werden wir ausprobieren. Beim Abendessen lernen wir den Manager Kick kennen, einen unglaublich symphatischen und pfiffigen jungen Mann. Jefrey hat nicht übertrieben, das Essen ist wirklich lecker. Dazu kann man draußen sitzen mit Blick aufs Wasser.
In unserem Bungalow hören wir Geräusche, Tok-kee, tok-kee, tok-ke, aah. Ganz klar, das ist ein Tokay oder Tokee, ein Riesengecko der 35 cm groß wird. Wir sind Geckofreunde und entsprechend begeistert. In diesem Land gelten sie als Glücksbringer. Sie halten das Haus frei von Ungeziefer, mehr kann man gar nicht wollen. Leider gelingt es uns weder heute noch in den nächsten Tagen, ihn zu sehen, aber er stellt sich Abend für Abend ein und spricht mit uns.
Kick hat Schweißperlen auf der Stirn. Morgen soll hier eine Hochzeitsfeier mit 220 Gästen stattfinden, und nun schüttet es dermaßen, dass die Gäste morgen auf der Rasenfläche nasse Füße bekommen. Also muss er umdisponieren. Ein großer Pavillon wird auf den asphaltierten Weg gestellt, in die kleineren auf dem Rasen kommen dann die Küche und Getränkeversorgung usw. Die überdachte Bühne für die Band kann bleiben wo sie ist. Als wir abends vom Essen zurück zum Bungalow laufen, wird noch gearbeitet. Stapelweise stehen rote Plastikstühl dort. Und als wir morgens zum Frühstück laufen, ist das Zelt bereits gefüllt. Die Stühle haben weiße Hussen und goldfarbene Schleifen bekommen, die Tische Spitzentischdecken. Das schlichte Untendrunter ist nicht mehr zu ahnen. Die elegant gekleideten Gäste essen bereits warm, trinken Bier und sind allerbester Stimmung. Eine Band spielt westliche Popmusik, aber das  Brautpaar ist noch nicht zu sehen. Wir wollen dort als Fremde nicht stören und halten uns fern. Und nachmittags ist schon alles vorbei. Das ist hier so üblich wird uns auf unsere Nachfrage versichert.

Bilder entstanden auf unserer Wanderung

Es ist so schön in dieser Anlage, dass wir statt der gebuchten zwei Tage unseren Aufenthalt auf vier Tage ausdehnen. Schwimmen, gut essen, einmal eine Radtour und einmal eine Wanderung, mehr machen wir nicht.

P1080592
Bananenblüte


Und dann, an unserem letzten Tag erzählt uns Kick begeistert, dass heute seine guten Freunde, zwei Holländer, zurückkommen und wir sie unbedingt kennen lernen müssen. Wie Recht er hat. Gerda und Maarten sind ein Ehepaar in den 60ern. Ein fröhliches, liebenswertes Paar, das seit ein paar Jahren über den Winter sechs Monate in diesem Ressort verbringt. Einerseits entfliehen sie dem auch in Holland ungemütlichen Winter und andererseits haben sie hier eine Menge auf die Beine gestellt. Sie unterstützen eine Schule, in der aus Myanmar stammende Kinder unterrichtet werden. Wir erfahren erst jetzt, dass alle Frauen die in diesem Hotel arbeiten mit einer Ausnahme Burmesen sind. Der Bürgerkrieg in Myanmar mit der Volksgruppe der Kayah ließ ab 1980 viele Menschen über die Grenze nach Thailand fliehen. Dort leben sie in einer Region, die sie nur mit Genehmigung verlassen dürfen. Hier in diesem Hotel finden ca. 45 von ihnen gut bezahlte Arbeit. Sie können kostenlos in einfachen Unterkünften außerhalb wohnen und werden im Hotel verpflegt. Sie arbeiten 7 Tage die Woche von morgens um 6 bis um 10 Uhr und dann wieder von 16 bis 22 Uhr. Für die Zeit dazwischen wird gewechselt. Pro Monat gibt es 2 Tage Urlaub, die in dem jeweiligen Monat genommen werden müssen. Die Kinder dieser und anderer Frauen, die derselben Volksgruppe angehören, werden in der Schule unterrichtet. Sie sprechen kein oder nur sehr wenig Thai und werden an einer anderen Schule deshalb gar nicht aufgenommen. Maarten gibt den Angestellten und auch den Kindern Englischunterricht. Gerda ist unglaublich rührig, sie hat keine Hemmungen Leute anzusprechen und um Spenden zu bitten. So hat sie eine reiche Gönnerin aufgetan, die statt ihr ganzes Geld in die Spielbank zu tragen, einen Teil davon Gerda zur Verfügung stellt. Sie kauft davon Lebensmittel für die 200 Schüler ein und unterstützt auch noch ein Waisenhaus.
Am nächsten Morgen herrscht gedrückte Stimmung in der Rezeption. Eine Angestellte hat vergessen, unsere Busfahrkarten für 10.30 Uhr zu bestellen, und nun muss sie mit dem Auto nach Mae Sot zum Busbahnhof fahren, um ihr Versäumnis gut zu machen. Dort soll sie um 10 Uhr auf uns warten. Gerda und Maarten bringen uns zur Busstation, weil sie anschließend auf den Markt wollen, um wieder für „ihre“ Schule einzukaufen. Susu kommt uns mit hochrotem Kopf entgegen: Der Bus fährt schon um 10 Uhr und wartet nur noch auf uns. Mit Hilfe der Holländer ist unser Gepäck ruckzuck verstaut und wir hasten in den Bus. Wir haben wieder mal bemerkenswerte Menschen kennen gelernt.


Die durch schöne Landschaft führende Straße Richtung Chiang Mai wird „professionell“ vierspurig ausgebaut. Schließlich ist sie eine wichtige Handelsverbindung zwischen Myanmar und Thailand. Zweimal muss der Bus an einer Kontrollstation halten, ein Polizist lässt sich Ausweise zeigen, bei uns winkt er lächelnd ab. Die Kontrolle gilt den Menschen aus Myanmar, die die Grenzregion nicht verlassen dürfen.
Kurz nach 12 Uhr sind wir in Tak und reiben uns verwundert die Augen. Kein Mensch nimmt Notiz von uns, niemand bietet an, uns zu fahren. Wir müssen uns erstmal auf die Suche nach Taxen machen. An einer Ecke stehen ein paar, aber die Fahrer wirken nicht besonders interessiert. Und wieder sitzen wir mit unserem Gepäck auf engstem Raum, aber die 3 km bis zum Hotel geht das schon.
Am Eingang des White House Hotel grinst eine Pegasus-Statue. Das Hotel macht seinem Namen alle Ehre. Hier ist wirklich alles weiß und pikobello sauber.
Nachmittags machen wir uns auf den Weg zu einem kleinen Café. Es liegt an einem Teich und bietet köstliche Törtchen an. Außerhalb Frankreichs haben wir nie so gute gegessen.
Wir wollen in die Innenstadt von Tak und warten gegenüber an der Bushaltestelle. Nach einer Weile stoppt ein PKW. Die junge Fahrerin – Studentin an Technischen Hochschule – fragt wo wir hinwollen. Sie spricht nur wenig Englisch, und wir machen ihr mühsam begreiflich, dass wir in die Innenstadt wollen. Sie fährt uns bis zu einem großen Hotel, direkt neben der Stadtverwaltung und erklärt uns, dass wir hier später am einfachsten ein Taxi finden.


Durch kleine Straßen laufen wir bis zum Ping-Fluss (Mae Nam Ping) und dann an ihm entlang bis zu einer Fußgänger-Hängebrücke. Wir laufen im Sonnenuntergang über den schwankenden Steg auf die andere Seite und wieder zurück und dann über den Nachtmarkt. Hier gibt es eine große Auswahl an Essständen, da können wir nicht widerstehen. So gegen neun machen wir uns erfolglos auf die Suche nach einem Taxi. Ach ja, an dem großen Hotel sollen sie stehen, aber da ist nichts. Der Wachmann vor dem Hotel versucht uns zu sagen, dass wir morgen eins bekommen könnten, er muss uns falsch verstanden haben. Also fragen wir nochmal an der Rezeption nach. Hier bestätigt man uns, dass es so spät weder Taxi noch Tuktuk gibt. Wir können es kaum glauben, und reagieren leicht panisch. Wie kommen wir denn jetzt zu unserem Hotel? Die Lösung ist greifbar nahe, gerade kommt der Gepäckboy in weinroter Livree mit Goldtressen und –knöpfen vorbei. Auf Nachfrage der Empfangsdame erklärt er sich bereit, uns auf seinem Moped zu fahren. Vorne er, elegant und mit Helm, dahinter ich, die Füße hinter Klaus Waden gehakt, der sich hinter mich klemmt und seine Füße auf die Rasten stellt. Schade, dass bei solch denkwürdigen Ereignissen nie ein Fotograf zugegen ist.

Am nächsten Tag mieten wir ein Auto mit Fahrer und lassen uns 50 km weit zum Bhumibol-Staussee fahren. Er liegt in einem Nationalpark und ist ein beliebter Ausflugsort für die Einheimischen, die ihrem im letzten Jahr verstorbenen König, dem Namensgeber des Staudamms, noch immer große Verehrung entgegen bringen. Hier wird der Ping-Fluss zur Energieerzeugung für Bangkok  aufgestaut. Eigentlich wollten wir dort eine Wanderung machen, aber es gibt zumindest von hier aus keine Wege durch den Dschungel. Also fahren wir mit einem Boot zu einem 15 Minuten entfernten schwimmenden Restaurant, das neben einem Inselberg im See vertaut ist.
DSC00665Der Fisch aus dem See, der Klaus serviert wird, hätte eine vierköpfige Familie satt gemacht, Klaus zum Glück auch.

Gestärkt besuchen wir das Kloster auf dem Eiland in dem ein einzelner Mönch lebt.


Abends ist am Pool wieder Partystimmung. Eine Schulklasse mit zwei Lehrern verbringt hier einige Tage. Die Jugendlichen genießen es, im warmen Wasser zu toben, sich zu necken, ein bisschen zu flirten. Die Mädchen sind noch kindlich eitel, ein Handspiegel liegt am Rand des Pools und wird immer wieder „befragt.“ Eins dieser Mädchen kann ich von unserem Balkon aus im gegenüber liegenden hellerleuchteten Hotelzimmer beobachten. Die junge Dame kämmt sich 15 Minuten lang die Haare, macht immer wieder ein paar Tanzschritte vor dem Spiegel, und kontrolliert wie sich die Haare dabei bewegen. Nach 5 Minuten am Pool war sowieso alles umsonst, da liegt sie im Wasser. Keins der Mädchen trägt einen Badeanzug oder Bikini. Sie sind mit Shorts und T-Shirt im Wasser, oder mit Leggins bzw. langem Rock. Die Jungen tragen Badeshorts, wie bei uns.
Nach einem weiteren Besuch im kleinen Café (dieses Mal müssen wir nicht im Voraus zahlen) laufen wir zum nahe gelegenen See.

Vorbei an einer Sauerkonserven-Fabrik, kommen wir erst an einem Lotusteich vorbei und gelangen dann zum See. Einige junge Leute sitzen am Ufer und warten auf den Sonnenuntergang, andere Joggen um den See oder trainieren an Freiluftkraftgeräten. Gegenüber ist die Technische Universität und wir fragen einen der Wachmänner, ob wir quer über den Campus zu unserem Hotel gehen dürfen. Er nickt, und wir laufen zuerst am Sportplatz vorbei, dann an mehreren Einfamilienhäusern, bis linker Hand der Neubau des Audimax auftaucht, links und rechts die Institutsgebäude. Noch ein Stück weiter ist die von uns angesteuerte Straße. Nur ist das Ausgangstor verschlossen. Zurücklaufen kommt nicht in Frage. Über das Tor mit seinen spitzen Streben wollen wir auch nicht klettern, also versuchen wir es nach rechts und laufen nochmal die gleiche Weite um dann endlich doch zu einem hell beleuchteten Ausgangstor zu gelangen.
Auf der Straße ein Riesenlärm. In jedem Baum der Hauptstraße hat sich ein Vogelschwarm niedergelassen und nun versuchen sie offenbar, sich gegenseitig zu übertönen. So muss es sich im September in Rom anhören, wenn Millionen Stare auf dem Weg in den Süden dort Station machen. Inzischen wissen wir, dass es „Hirtenmaina“ sind, die ursprünglich in Asien vorkommen.

Chiang Mai, Rose des Nordens? (Thailand)

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

Die jungen Damen in unserem Hotel verabschieden uns so gefühlvoll, als ob sie uns ganz besonders ins Herz geschlossen hätten.

Neueseter Zugang zum Red Bull Rennstall


Unser Tuktuk kommt pünktlich, um uns zum Busbahnhof zu bringen. Nur der Bus ist es nicht. Er kommt zwar an, fährt aber nicht weiter. Niemand kann uns irgend etwas sagen, weil wir kein Thai können und die Thai kein englisch sprechen. Eine junge Frau, ebenfalls Fahrgast nach Chiang Mai schaltet sich ein und nun wissen wir, der Bus hat einen Defekt. Wir bekommen das Geld erstattet und müssen auf eine andere Linie umbuchen. Eine Stunde später ist der aus Bangkok kommende Doppelstock-Bus da, und es kann endlich losgehen. Auf jedem Sitz eine Decke und eine Flasche Wasser. Die bereits im Bus sitzenden Fahrgäste haben eine Box mit einem Mittagsimbiss vor sich.


Wieder geht es durch Berge auf einer sehr gut ausgebauten, autobahnähnlichen Straße. Um vier Uhr verteilt der Schaffner Kekspackungen, Trinkpäckchen und Erfrischungstücher – alles im Gesamt-Fahrpreis von 580 Baht (€ 16,80) für 265 km enthalten. Der Service ist besser als im Flugzeug. Als wir Chiang Mai erreichen, ist bereits Feierabendverkehr. Vom Busbahnhof sind wir in 5 Minuten per Tuktuk vor unserer Airbnb-Unterkunft in einem ganz neuen Appartementhaus und werden von Alessandro (einem Schweizer) erwartet, der uns unsere Wohnung im siebten und Pool und Sauna im zweiten Stock zeigt.
Wir wollen es sieben Tage ganz ruhig angehen lassen, mal die Koffer richtig auspacken, alles in einer für uns normalen Waschmaschine waschen, wenn nötig ausbessern, uns selbst Frühstück machen und im großzügig bemessenen Pool schwimmen. Ein Einkaufszentrum ist in drei Minuten zu erreichen, ein weiteres ca. 15 Minuten entfernt. Wir machen uns gleich zum nahe gelegenen auf den Weg. Die Bäckerei hat sogar anderes Brot als Toast. Nicht, dass wir bisher gelitten hätten, aber wir freuen uns schon und dann gibt es auch noch eine ansehnliche Käseabteilung. Auch die Weinabteilung ist gut bestückt, aber bei Preisen ab 15 € die Flasche verzichten wir.
In den nächsten Tagen laufen wir bei Temperaturen um die 30 Grad zum vor kurzem eröffneten Einkaufszentrum.

Der viertelstündige Weg ist wenig fußgängerfreundlich, der Bürgersteig hat Löcher oder hochstehende Hindernisse und wird gebraucht, um Werbeplakate und Verkehrsschilder aufzustellen, außerdem Rohre oder anderes Baumaterial zu lagern.


Vor dem Einkaufszentrum stehen alle Zeichen auf Weihnachten, der kegelförmige Baum wird bestückt, überall stehen Kästen, liegen künstliche Tannenzweige und irgendwelche putzigen Tiere herum. Und drinnen geht es weiter, Jingle Bells dröhnt in unseren Ohren, und uns gehen fast die Augen über bei all den Steppjacken, Daunenwesten, Rollkragenpullovern und Schaftstiefeln. Um die Kunden in Kauflaune zu versetzen, regelt die Klimaanlage auf gefühlte 16 Grad herunter.
Wir suchen Ersatz für einen defekten E-Reader, leider erfolglos. Aber es gibt einen guten Bäcker und beinahe mehr Lokale als Geschäfte. Offenbar ist japanisches Essen derzeit der Hit, besonders beliebt Shabu Shabu, eine Art Fondue – in Brühe gegartes Fleisch und/oder Fisch und Gemüse. Im Einkaufszentrum sind in einer Etage mindestens 20 japanische Restaurants, die in den Schaufenstern kunstvoll aus Plastik nachgebildete Speisen zeigen. Da wollen wir in einem der nächsten Tage mal essen.
In die Innenstadt von Chang Mai, die auch am Ping-Fluss liegt, fahren wir mit Uber, einer Organisation die Privatleute mit PKW als Fahrer beschäftigt. Man gibt sein Fahrziel im Smartphone ein, der Abholstandort wird angezeigt und der kürzeste Weg in km errechnet. Die Kilometer werden mit einem bestimmten Faktor multipliziert und der Fahrpreis angezeigt. Zu diesem Betrag wird man an den gewählten Ort,mit dem PKW gefahren. Der Preis ist die Hälfte von dem, was die Tuktuk-Fahrer verlangen.
 

Wir bummeln durch die Altstadt, besichtigen Tempel . Wir wollen gerade durch das Eingangstor des Wat Phra Singh (königlicher Tempel Erster Klasse, von denen es nur ca. 100 im ganzen Land gibt) laufen, als uns beinahe ein Tross Fahrrad-Rikschas über die Füße rollt. Eine über 20 köpfige Gruppe, Angehörige eines exklusiven Clubs, kommt uns entgegen. Die meist wohlgenährten Personen werden von spindeldürren Thais mit Muskelkraft wie in „guter alter Zeit“ durch die Stadt kutschiert. Mit stoischer Ruhe fahren die vielen Mopeds, PKW und SUVs hinterher. Ein Gehupe wie in Myanmar kennt man hier nicht.
Drei Tempel sind genug für einen Tag, und deshalb schauen wir auch mal wieder interessiert in die Schaufenster. Das Angebot ist ganz auf Tourismus abgestimmt; Kleidung, Schmuck, Accessoires, viel Kitsch und wenig Kunst. Jede Menge Restaurants, Massagesalons, Spas und Schönheitskliniken, in denen man bleichen, straffen, raffen und ausbügeln lassen kann.
Und Chiang Mai hat eine Vielzahl von Märkten;
 

Tagmärkte,

Nachtmärkte,

Blumenmärkte,

Kleidermärkte und dazwischen immer wieder Stände mit Gegrilltem, Frittiertem, Gebackenem und vielen anderen Zubereitungsarten;

auch Insekten von Heuschrecke bis Skorpion sind dabei. Man hat das Gefühl die Innenstadt ist ein einziger, riesiger Einkaufs- und Essbereich, durchsetzt von Hotels. Man fragt sich wer all die Waren kaufen soll oder kann.
 

Am vollsten ist der Sonntags-Nachtmarkt in der Altstadt. Man kann froh sein, wenn nach dem Besuch noch alle Knöpfe an Hemd oder Bluse sind. Der am Tha Phae Tor der Altstadt beginnende Markt folgt der Rachadamneon-Strasse. Die angrenzenden Tempel sind auch mit eingebunden. Auf deren Gelände stehen dicht an dicht Kunstgewerbe- und sehr, sehr viele Fress-Stände.
Hatten wir schon bei unserem ersten Stadtbesuch das Gefühl, dass wesentlich mehr Ausländer als Einheimische diese Stadt bevölkern, so verstärkt sich auf diesem Markt der Eindruck noch. Dabei schnappen wir so oft deutsche Worte auf, wie noch nie während unserer ganzen Reise. Chiang Mai ist eindeutig ein „Must be“- Ort, in dem man mal gewesen sein muss. Die meisten Touristen kommen aus Europa, USA und China. Hinzu kommen die Überwinterer und Langzeittouristen, meist Rentner. Es gibt auch viele sogenannte „Digital-Nomaden“, die von hier aus arbeiten dank der guten Internet-Infrastruktur.

Einige Männer demonstrieren ihre innige Verbundenheit zum Gastland mit der Wahl ihrer Beinkleider. Shorts und Hosen zeigen große oder kleine Elefantenmuster in blau/weiß, weinrot/gelb, grün/rot, weiß/schwarz usw. oder man trägt Sarong.
Gerne würden wir den Tempel auf dem Doi Suthep Berg besichtigen, und gleichzeitig die Aussicht auf Chiang Mai und das Umland genießen, aber der Berg ist ständig von Wolken umgeben, somit ist zumindest letzteres nicht möglich.
 

Als kleinen Trost besuchen wir das hiesige 3D-Museum „Art in Paradise“. Es handelt sich um speziell gestaltete Wandbilder, in der die Kunst der Darstellung der räumlichen Perspektive besonders genutzt wird. Die Bilder sind bekannten Gemälden, klassischen  Skulpturen und vielen anderen Sehenswürdigkeiten sowie Szenen aus Filmen nachempfunden. Eine Person kann vor diesen Bildern an richtiger Stelle posieren, fotografiert von einem markierten Punkt aus, entsteht eine scheinbar räumliche Darstellung. Die Ergebnisse sind zum Teil richtig witzig und zeigen nebenbei wie bei Filmaufnahmen mit diesen Effekten gearbeitet wird.
 

Sonntag machen wir noch mal einen langen Spaziergang durch die Stadt bis zum Flower-Market, einem riesigen Gartenmarkt, der fast einen Besuch im botanischen Garten ersetzt.

Begegnung mit Menschen mit besonderem Hobby
im Café des Flower Market

Chiang Mai hat uns zwar nicht enttäuscht, aber auch nicht begeistert. Wir sind einfach keine Großstädter, und die vielen speziell auf Touristen abgestimmten Einrichtungen verdecken bestimmt vieles vom ursprünglichen Charme. Wir haben eine Woche gehabt und für uns war das genug. Und zum Abschied essen wir dann wirklich Shabu Shabu.

Chiang Rai, ein Uhrturm und die Grenze (Thailand)

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

Wir bestellen Uber zum Appartementhaus und lassen uns zum Busbahnhof bringen. Man will sofort unser Gepäck in den wartenden Bus laden, aber unsere im Internet bestellten Fahrkarten sind erst für den nächsten bestimmt. Und der (11 Uhr Bus) ist verspätet, der 11.30 ist schon da, als unserer endlich um die Ecke kommt. Schnell wird alles verstaut und dann sieht der Fahrer zu, dass er vor dem anderen aus dem Terminal kommt.
Viele Backpacker sind mit uns im Bus unterwegs, und wieder beobachte ich etwas, was ich kaum glauben kann.

DSC00928
keine Backpacker, aber schlafen können sie auch

Viele ziehen die Gardinen vors Fenster, schlafen sofort ein oder lesen ihre Reiseführer oder sonst etwas. Interessant sind offenbar nur die im Reiseführer genannten Punkte, die besucht und abgehakt werden. Für das ganz Normale, was zwischen zwei Sehenswürdigkeiten liegt, interessieren sich die wenigsten.
Heute ist es ziemlich bewölkt, doch diese 165 km lange Strecke führt durch schöne Landschaft. Zeitweise sind wir 900 m hoch, aber als wir Chiang Rai, eine Großstadt in der nördlichsten Region Thailands, erreichen lacht die Sonne vom Himmel. Kurzer Weg zu unserem Hotel. Wir sind entzückt, hier hat sich jemand richtig Mühe gegeben. Die Zimmer sind äußerst liebevoll und farbenfroh gestaltet, haben bequeme Betten, originelle Badezimmer und eine sonnige Leseecke. Wir fühlen uns sofort wohl, und als die Chefin fragt, ob wir wirklich nur eine Nacht hier bleiben wollen, verlängern wir spontan um eine weitere.
Die Innenstadt ist nur ein paar Minuten entfernt und so laufen wir gleich los, zuerst brauchen wir etwas zu essen, dann studieren wir den Stadtplan, der uns unaufgefordert im Hotel überreicht wurde.
DSC00907.JPGZuerst kommen wir zum Wahrzeichen der Stadt, dem goldenen Uhrturm der abends um 19, 20 und 21 Uhr in verschiedenen Farben angestrahlt wird.

An einer Anlage, deren Tempel gerade renoviert wird und den wir deshalb nicht betreten können, geht es rasch vorbei. Unser Ziel ist der Wat Phra Kaeo Don Tao, der ursprüngliche Fundort des Smaragd-Buddhas, der in Wirklichkeit aus Jade ist.
DSC00920Er ist das National-Heiligtum Thailands und wird seit dem 18. Jahrhundert in Bangkok im Wat Phra Si Rattana Sadsadaram verehrt. Hier in Chiang Rai steht eine Replik. Der Künstler hat bei der Herstellung allerdings nicht exakt gearbeitet, und die Kopie ist 1 mm kleiner ausgefallen, als das 66 cm große Heiligtum, er kam uns doch gleich etwas mickrig vor. Ob es für die Kopie auch die drei verschiedenen Gewänder für Hitze, Kälte und Regenzeit gibt, die in Bangkok nur vom König oder seinem Stellvertreter gewechselt werden dürfen, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.
Am nächsten Morgen treffen wir beim Frühstück zwei Badenser Freunde, die erst seit kurzem in Chiang Rai sind. Sie erzählen uns, dass sie am Vortag per Anhalter gefahren und am Nachtmarkt ausgestiegen seien. Sie bummelten auf der Suche nach einem Restaurant über den Markt, als sie eine Frau bemerkten, die laut rufend über der Markt lief. Es war die Frau des Autofahrers, der sie mitgenommen hatte, in der Hand ein Handy schwenkend, das einer der beiden im Auto liegen gelassen hatte. Er selbst hatte den Verlust noch gar nicht bemerkt. Zum Dank haben sie die beiden dann zum Essen eingeladen. Schöne Geschichte, und sie sagt viel über die Menschen in diesem Land aus.
Wir fahren wir mit einem Bus für 50 Cent zur großen Sehenswürdigkeit Chiang Rais, dem Wat Rong Khun, dem weißen Tempel. 1997 wurde mit dem Bau nach einem Entwurf des Architekten Chalermchai Kositpipat, der auch den Uhrturm entworfen hat, begonnen. Weiß, eigentlich die Farbe der Trauer in Thailand, steht in diesem Fall für die Reinheit Buddhas.
DSC00936Nur Weiß und Silber wurde für das Äußere des Tempel verwendet. Durch seine ungewöhnlichen Verzierungen unterscheidet er sich von allen anderen.

Der Weg, den man nach der Kasse (1,25 € Eintritt) zum Tempel läuft, führt durch die Hölle ins Himmelreich. Rundherum entstehen weitere Gebäude, bisher sind etwa 20 % der geplanten Anlage fertig gestellt. 2070 (!) soll das Ganze vollendet sein.

DSC00956
hier steht das wahrscheinlich schönste Toilettenhaus der Welt

Bei der Vielzahl der Touristen und dem Shopping- und Essangebot rundherum, hat man schon jetzt das Gefühl, dass hier ein zukünftiges „Buddha-Land“ entsteht.
P1080706Immer wieder staunen wir, dass es für viele Asiaten am wichtigsten ist, auf jedem ihrer Fotos selbst im Vordergrund zu sein. Als ob sie beweisen müssten, dass sie wirklich dort gewesen sind.
Zurück in die Innenstadt geht es mit einem Sammeltaxi. Diese Fahrzeuge sind prima, groß genug für ca. 10 Passagiere und die Fahrer sind flexibel genug, ihre Routen den Wünschen der Fahrgäste anzupassen.
Heute wollen wir die Illuminierung  des Uhrturms nicht verpassen und laufen kurz vor sieben Uhr los. Wir sind noch nicht ganz dort, da ertönt schon das „Big Ben“ – Motiv.

Den eindrucksvollen Farbwechsel des Uhrturms  können wir gemeinsam mit vielen Einheimischen und Touristen bestaunen. Es wird fleißig fotografiert und gefilmt.
Weiter geht es zum Nachtmarkt. Mittendrin ist ein großer überdachter Platz mit Tischen und Stühlen. Essen und Getränke kann man sich links und rechts an den vielen Ständen kaufen.

Eine schöne Möglichkeit für Familien und Freunde, sich ohne Aufwand zu treffen, jeder kann essen was er mag, keiner muss sich um irgend etwas kümmern, im Mittelpunkt steht das Zusammensein. Und wir finden es schön, bei den vielen Einheimischen zu sitzen.
Wir laufen am nächsten Morgen die paar 100 Meter zum Busbahnhof mit dem Ziel Chiang Khong, der Grenzstadt zu Laos. Eine Schaffnerin läuft uns entgegen: „Border?“ Wir nicken und sie dirigiert uns mit unserem Gepäck zu einem Bus, dessen Motor schon läuft. Koffer rein zu den vielen Kisten und Kästen, die schon hinten gestapelt sind, wir hinterher und los geht es.
Wir sitzen direkt hinter Linda aus Vancouver Island und Erik aus dem Charolais und haben uns erstmal eine Menge zu erzählen. Linda ist in unserem Alter und total reisebegeistert. Schon als junge Frau war sie mit Rucksack und jeder Menge Mut in allen möglichen Ländern unterwegs. Erik, geschätzt Mitte dreißig, will nach Laos, um für ein Natur Projekt zu arbeiten. Das hat er schon die letzten 10 Jahre unter anderem auch in Thailand gemacht. Sein schwerer grüner Koffer enthält alles, was er besitzt.
DSC00987Und dann lassen wir uns gefangen nehmen von der schönen Strecke. Einzelne Karstfelsen, Hügelketten, hübsche Dörfer, weite Reisfelder. Wir können uns nicht satt sehen und sind nach einer Stunde und 40 Minuten an der Grenze in Chiang Khong. Der Bus hält, wir wechseln in ein Tuktuk und werden die letzten 5 km direkt an die Grenze gebracht. Am ersten Schalter wird überprüft, ob wir ein Ausreiseformular haben, am zweiten wird es aus dem Pass entfernt. Beide Beamten lächeln uns freundlich an. Das ist bei Grenzbeamten äußerst selten. Wir verlassen das Grenzterminal zur anderen Seite, dort müssen wir ein Busticket kaufen, genauer gesagt zwei für jeden, weil wir dummerweise Gepäck dabei haben. Der Bus steht bereits da. Erstaunlich, was die Menschen alles transportieren. Zwei Frauen schleppen sich mit riesigen durchsichtigen Plastiktüten ab. Inhalt: jede Menge Schweinefleisch und Pilze. Wahrscheinlich betreiben sie in Laos ein Restaurant.
DSC01009Der Bus fährt über die Brücke der Freundschaft über den Mekong. Auf der anderen Seite füllen wir dann zwei Formulare für die Einreise aus, legen ein Passbild und jeweils 30 $ dazu, und in fünf Minuten haben wir unser 30 Tage Visum. Am wenigsten zahlen Vietnamesen (20 $), am meisten Kanadier (42 $). Dann wird nochmal kontrolliert und wir sind auf laotischer Seite am Ostufer des Mekong.

Houayxay, Vieng Phouka und der Wasserfall (Laos)

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

Gleich nachdem wir laotischen Boden betreten haben, steuern wir den nächsten Geldautomaten an. Heute wollen wir mal so richtig prassen und 2 Millionen Kip abholen.

Wir warten auf ein Sammeltaxi, das Linda, Erik und uns sowie einen Amerikaner 15 km nach Houayxay bringt. Der erste Eindruck begeistert uns. Die Landschaft ist sehr schön, nette Häuser, blühende Blumen. Die Strecke führt am Mekong entlang, der hier schon eine beachtliche Breite hat.

Das Tuktuk hält vor Lindas Hotel. Erik sagt, dass alle Hotels und Gasthäuser an dieser Straße liegen. Also ziehen wir unsere Koffer hinter uns her und sind nach 200 Metern auch an unserem vorgebuchten Hotel angelangt. Im gegenüber liegenden Lokal bestellen wir uns belegtes Baguette, ein Erbe aus der französischen Besatzungszeit. Als wir bezahlen stellen wir fest, dass das Geld bereits knapp geworden ist. Ich bin es nicht gewohnt, Beträge mit mehr als zwei Nullen vom Geldautomaten zu holen. Offenbar hat mich die große Summe so verwirrt, dass ich eine Null zu wenig eingegeben habe, und wir stattdessen mit nur 200.000 Kip = 20 € dastehen.

Houayxay ist die Provinzhauptstadt von Bokeo.

Eine nette kleine Stadt mit hübschem Tempel auf einem Hügel, von dem aus man einen Blick auf den Mekong und das gegenüber liegende thailändische Ufer hat.

Das ein Stück weiter liegende französische Fort Carnot ist baufällig und man kann das Gelände nicht nicht mehr betreten.

Auf dem Rückweg schauen wir verblüfft auf eine Gruppe Männer die ein Petanque-Turnier austrägt. Mit Begeisterung und viel Bier ist hier Militär gegen Polizei angetreten. Man lädt uns ein, zuzuschauen und mitzutrinken. Das kann man gar nicht ablehnen, und so beobachten wir mit einem Glas Bier in der Hand den Fortgang des Spiels. Einer der Spieler hat schon soviel Alkohol intus, dass er sich immer wieder an der Hauswand abstützen muss. Aber Werfen kann er immer noch hervorragend, das Zielwasser scheint von bester Qualität zu sein.

Später schauen wir unten am Fluss einem Fischer zu, der unter den wachsamen Augen seiner Söhne mit einem Wurfnetz offenbar das Abendessen für die Familie fängt. Die Jungen ahmen seine Bewegungen nach und helfen, die winzigen Fische aus dem Netz zu befreien und in einen Plastikkorb zu legen.

Für die Weiterfahrt am nächsten Morgen bestellen wir in dem Hotel gegenüberliegenden Restaurant mit Zimmervermietung und angeschlossenem Reisebüro zwei Busfahrkarten bei einer geschäftstüchtigen 75jährigen Dame, die mit untergeschlagenen Beinen auf einem Stuhl hockt und begeistert Geld zählt. Wir sollen uns um 8.30 im Lokal einfinden, sie würde alles arrangieren.

Kurz vor 8 sind wir da und frühstücken erst einmal. Ein Franzose und ein Engländer sind ebenfalls dort und warten auf den Fahrer, der sie zum Flughafen bringen soll. Wir gehen davon aus, dass wir zusammen fahren, aber die alte Dame winkt ab, wir hätten noch Zeit. Als sie verstanden hat, dass wir nicht – wie die meisten Touristen – das Schiff nach Luang Prabang um 11 Uhr sondern den Bus nach Luang Namtha um 9 Uhr nehmen wollen, zitiert sie den bereits mit den beiden Fahrgästen davon gebrausten Fahrer per Handy zurück.

Der Engländer steigt an dem nicht so einfach als solchem zu erkennenden Flughafen aus. Da steht zwar keine Wellblechhütte, aber das Gebäude würde auch als Privat-Haus durchgehen.

Unser Kleinbus steht schon am Busbahnhof. Ohne viel Federlesens kommen die Koffer direkt aufs Dach und wir suchen im bereits gut besetzten Bus Plätze. Die beiden letzten Sitzreihen sind mit Kartons belegt. Der Busfahrer fährt also auch wieder Pakete aus. Es werden gerade soviel Pakete unter Mithilfe von mehreren Fahrgästen durchs Fenster nach draußen gereicht, dass zwei Plätze in der letzen Sitzreihe für uns frei werden. Kurz vor Abfahrt kommt noch ein älteres Ehepaar. Die Rucksäcke landen auf dem Dach, und die beiden sollen auf kleinen Plastikhockern im Mittelgang Platz nehmen. Der Mann protestiert lautstark. Das macht er auf keinen Fall mit, dass er 6 Stunden zusammengefaltet im Mittelgang transportiert wird. Er will die Rucksäcke wiederhaben, aber auf einmal werden die letzen Kartons nach draußen befördert und die beiden Kanadier bekommen zwei Plätze neben uns. Sie kommen vom Yukon Staat und verbringen jeden Winter in Südostasien, wenn sie zu Hause im Bergbaubereich nicht mehr arbeiten können.

Der Weg führt wieder durch eine landschaftlich schöne Gegend. Es gibt einen kurzen Zwischenstopp an einem Lokal.

Wir beobachten einen etwa vierjährigen Jungen, der auf der obersten von zwei Stufen hockt; vor sich ein paar getrocknete runde schwarze Beeren, in der Hand einen angespitzten Stock. Ganz schnell versucht er mit je einem Stockschubs die Beeren von der Treppenstufe zu stoßen. Gelingt es ihm nicht, sammelt er alle wieder ein und beginnt von vorn.

Die Kanadierin hat Luftballons im Rucksack. Sie bläst einen pinkfarbenen auf und reicht ihn dem Jungen. Sofort kommt ein anderer dazu. Auch er bekommt einen, einen weißen. Der besonders schüchterne dritte wird von seiner Oma gedrängt, sich auch einen zu holen. Wieder ist es ein pinkfarbener. Der mittlere Junge ist unzufrieden und nimmt dem kleinsten den Ballon weg. Auf unseren tadelnden Ton hin gibt er dem Kleinen den weißen. Dem ist aber die Farbe ganz offensichtlich völlig egal. Bin gespannt, wie lang das gut geht, um die Stufen liegen viele spitze Steine. Ihr Mann erzählt, dass sie schon Ärger  deswegen hatten. Auch dabei ging es wieder um einen Luftballon. Das begeisterte Kind drückte zu fest zu, der Ballon platzte und das Kind weinte.  Sie  wurden daraufhin von den Erwachsenen beschimpft.

Als ich nach hinten zu den Toiletten gehe, liegt auf einem Tisch ein großes totes Riesengleithörnchen (wobei Riesen und –chen sich eigentlich ausschließen). Entweder werden sie gegessen oder irgendwelche Innereien ins nahe gelegene China verkauft. So ein Tier hätte ich ja viel lieber lebendig gesehen.

Nach ca. 1 Stunde Weiterfahrt erreichen wir unser heutiges Ziel Vieng Phouka. Am kleinen Flüsschen liegt ein Gasthaus, wo wir ein ordentliches Zimmer mit Bad und fließendem warmen Wasser zum Preis von 8 € bekommen.

Wir wollen ein bisschen laufen und gehen zunächst mal den Berg hinauf zum Tempel. Vor uns läuft eine Frau, die ihren kleinen Jungen mit einem Tuch auf den Rücken gebunden hat. Plötzlich bleibt sie stehen und klopft ihm zweimal sanft auf den Po. Plötzlich ist ihr Rock nass!? Windeln sind hier unbekannt, und da passiert schon mal ein Missgeschick.

Am Tempel vorbei führt der Weg durch Kautschuk-Plantagen in ein kleines Dorf.

DSC01145Uns fällt auf, dass hier viele Jungs, die nicht älter als 11 oder 12 Jahr zu sein scheinen, schon Moped fahren. Entweder sitzt die Mutter auf dem Rücksitz oder die jüngeren Geschwister. Natürlich sind sie stolz wie Oskar und hupen andauernd, wenn sie an uns vorbeifahren.

DSC01133
noch ist es warm, aber der Holzvorrat für die doch kühlen Wintertage liegt schon bereit

Von dem Dorf laufen wir am Waldrand entlang zu einem großen Acker. Unter Plastikfolien-Kuppeln wird Gemüse gezogen. Ein größere Gruppe lebt direkt beim Acker, und ist gerade dabei, die Pflanzen zu bewässern.

Nach ein paar hundert Metern sind wir wieder zwischen Kautschukplantagen. Mittendrin steht eine kleine Hütte, eine Frau hängt gerade Wäsche auf. Ihr Mann ist damit beschäftigt, die kleinen Auffangbehälter mit der inzwischen dickflüssig  gewordenen Gummimilch in einen großen Eimer zu leeren. Entweder wird die Ausbeute abgeholt oder er muss sie zu einer bestimmten Anlieferungsstelle bringen. Da würden wir gern sehen, wie es weiter geht. Aber wir wollen nicht in die Dunkelheit kommen und laufen jetzt am Flussufer entlang zurück.

Heute ist Nationalfeiertag und bis auf ein Restaurant hat alles geschlossen. Aber Essen wollen wir unbedingt. Es ist abends schon empfindlich kalt und das Lokal hat nur an drei Seiten Wände. Der vordere Teil ist offen. Es gibt Nudelsuppe.

Auf einem Holzfeuer steht auf dem Boden ein Topf von den Ausmaßen eines Einkochkessels. In ihm brodelt die Brühe. Oben am Tisch schneidet eine junge Frau Fleisch klein, verteilt es in zwei Schüsseln, weicht Nudeln in kochendem Wasser ein und tut sie dazu. Zwei Schöpfkellen Brühe darüber und die Suppe ist fertig. Wir bekommen noch einen Teller mit Weißkohlstreifen und verschiedenen Kräutern hingestellt, die man ganz nach Gusto in die Suppe geben kann. Schmeckt gut, und mit Getränken zahlen wir 4 €.

Am nächsten Morgen gehen wir dort frühstücken. Der Zimmernachbar aus dem Hotel, der mit seiner Frau vor dem Lokal auf den Bus Richtung Houayxay wartet, empfiehlt uns die Rühreier. Die junge Köchin ist gerade mit der Vorbereitung der Suppe beschäftigt. Sie mörsert Gewürze, steckt eine Handvoll Chilischoten auf einen Spieß und schneidet Kräuter. Obwohl sie einen großen Tisch hat, arbeitet sie – auf einem Hocker sitzend – weit vornübergebeugt auf der Erde. Wir bestellen die Eier, zwei für jeden. Die junge Köchin versteht wohl nicht was wir wollen, sie kippt eine halbe Flasche Öl in den Wok und schlägt die Eier hinein. Wir bekommen jeder vier! Da bekommt die magere Hündin gegenüber noch was ab. Für acht Eier und vier Tassen Kaffee bezahlen wir wieder 4 €.

Als wir danach unsere Koffer aus dem Hotel holen und die Straße ein Stück hinunter gehen, um auf den Bus zu warten, steht das Paar für die Gegenrichtung noch immer da. Auch als unser Bus schon gekommen ist, warten sie noch immer.

Die Strecke ist nicht so lang, eine Stunde und vierzig Minuten später sind wir am Busbahnhof von Luang Namtha. Katharina, die ebenfalls im Bus saß schlägt vor, gemeinsam ein Tuktuk zu nehmen. Sie hat ihr Hotel bereits gebucht, wir dieses Mal noch nicht. Aber ihres gefällt uns, und wir bekommen auch noch ein Zimmer dort.

Der Nachmittagsspaziergang führt uns zum Fluss, über den eine Holzbrücke führt. Jedes Jahr muss sie nach starken Regenfällen und anschließendem Hochwasser erneuert werden. Unglaublich, dass die Mopeds über dieses schmale Ding ohne Geländer brausen. Manche Touristen haben schon ein Problem damit, sie zu Fuß zu überqueren. Hier sieht das Wasser recht sauber aus. Kinder planschen, Frauen holen Wasser für die Gärten oder waschen Wäsche.

Abends im Restaurant sitzen wir einem sympathischen Paar gegenüber. Wir lächeln uns an und beschließen, uns an deren Tisch zu setzen. Das ist mal wieder ein Glücksfall, wieder ein holländisches Paar, das uns sehr beeindruckt. Ruth und Bart sind mit den Fahrrädern unterwegs. Sie sind von China aus nach Laos gekommen und wollen bis nach Bangkok radeln. Was die Zwei schon alles erlebt haben, wie spannend sie erzählen können und was sie noch alles vor sich haben, imponiert uns sehr. Wir werden ihrem Weg über die App „Polarsteps“ folgen.

Den nächsten Tag wollen wir zum 6 km entfernten Wasserfall. Erst wollten wir ein Moped mieten, aber Ruth erzählte mir, dass der Weg unglaublich schlecht sei, also laufen wir.

Wir kommen an Hütten vorbei, hier außerhalb von Luang Namtha haben sich einige Volksgruppen aus der nördlichen Bergregion niedergelassen und betreiben eine kleine Landwirtschaft.

In einem winzigen Weiler, direkt vor dem Wasserfall, wird noch Papier aus Bambus hergestellt. Wir schauen fasziniert zu und beschließen, auf dem Rückweg einen Bogen Papier zu kaufen.

Aber erst laufen wir bergauf zum Wasserfall. Wir finden es zu kühl, aber ein paar Kinder und Jugendliche lassen sich nicht abschrecken und toben vergnügt in den kühlen Wasserbecken.

praktische Vorrichtung für Wäsche oder Würste

Abends treffen wir alte Bekannte, das Ehepaar vom Yukon. Wir gehen zusammen essen und erzählen uns gegenseitig Geschichten aus unserem Leben. Vielleicht treffen wir Jasmin und Michael ja noch einmal, wäre schön.

Muang Khoua und Nong Khiaw dazwischen der Nam Ou (Laos)

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

DSC01230
beim frühstücken schaut uns die winterlich! angezogene Kleine zu

Um 11 Uhr geht unser Tuktuk zum Busbahnhof und wir sind bereits mit einem spanisch/französischen Pärchen und zwei Jugendlichen aus der Schweiz eingestiegen, als ein „alter Bekannter“ auftaucht. Der Amerikaner hat uns in den vergangenen Tagen in Atem gehalten. Schon am Tag unserer Ankunft kam er panisch und mit nacktem Oberkörper zum Empfang, wo wir gerade standen. Er war außer sich und stammelte was von Diebstahl. Irgendjemand sollte mit in sein Zimmer kommen. Klaus erbarmte sich und stellte fest, dass alles in Ordnung war, der stark kurzsichtige Mann hatte vergessen, wohin er Pass und Portemonnaie gelegt hatte und glaubte bestohlen worden zu sein. Weil er einen verletzten Fuß hatte, wollte er Klaus unbedingt seine Sandalen abkaufen. Wir haben uns nach Schuhgeschäften umgesehen, und wollen am nächsten Morgen mit dem hilflos wirkenden Mann zum Markt. Eine Stunde vor der verabredeten Zeit hämmert er bereits an unsere Tür, weil ihm einfiel, dass er um neun Uhr gar nicht kann. Wir vereinbaren einen neuen Termin und noch einen. Aber auch die nächsten vereinbarten Zeiten war er nicht da. Nachts um eins hämmert er plötzlich an unsere Tür. Wir reagieren nicht, es stellte sich allerdings das Gefühl ein das bei ihm eine Schraube locker ist.

Und nun fährt er auch zum Busbahnhof. Nachdem er zuerst nach Thailand und dann nach China wollte, ist nun Indien das Land seiner Wahl. Er will noch, dass Klaus ihm per Internet ein Ticket kauft. Wir sorgen dafür, dass er eine Busfahrkarte für den richtigen Bus zum nächste Flughafen  bekommt, dass sein Gepäck im richtigen Fahrzeug landet und sind erleichtert, dass seine Richtung nicht die unsere ist.

Die Fahrt nach Oudomxay führt uns weiter in die Berge hinein, was viele Kurven bedeutet.

Die Orte werden kleiner, die Häuser schlichter, oft sind sie ganz aus Holz gebaut. Am Straßenrand stehen hohe, üppige Büsche mit flammend roten Blüten. Es sind Weihnachtssterne, die hier wild wachsen. Viele Baustellen fallen uns auf, hier entsteht entweder eine Schnellstraße oder eine Eisenbahntrasse, realisiert von chinesischen Firmen.

Offenbar haben viele Einheimische einen schwachen Magen, denn drei übergeben sich um die Wette. Bisher sind wir noch in keinem Bus gewesen, wo die Spucktüten nicht eifrig gebraucht wurden.

Wir erreichen Oudomxay um 5 Minuten vor drei und haben Glück: Der nächste Bus, der nach Muang Khoua fährt, nimmt uns noch mit. So sparen wir eine Zwischenübernachtung.

P1080760Die jetzt folgende Strecke ist die schönste seit Wochen. Sie schraubt sich in die Berge hinein, einem Nebenfluss des Nam Ou, der unser Ziel ist, folgend.

Langsam wird es dämmrig und wir können in die mittlerweile beleuchteten Häuser sehen. Überall werden Energiesparlampen verwendet. Die Holzhäuser haben so gut wie keine Möblierung. Die Menschen schlafen und kochen auf dem Boden. Trotzdem wirken die Dörfer anheimelnd.

Im Dunklen erreichen wir den Busbahnhof von Muang Khoua. Ein Tuktuk steht schon bereit, um die Fahrgäste in den Ort zu fahren. Es gibt etlich Gasthäuser und wir entscheiden uns für eins in der Nähe des Bootsanlegers mit sauberem Zimmer und duftender, weißer Bettwäsche. Eine dicke, schwere Decke liegt für die jetzt kälter werdenden Nächte im Schrank bereit.

Morgens um 8.30 öffnet der Ticketschalter für die Bootsfahrt. Wir sind schon kurz nach 8 da. Noch ist geschlossen, aber es sitzt schon jemand drinnen. Wir wollen bloß mal fragen, ob die Plätze nummeriert sind und wie sie vergeben werden. Ob wir Sitzplätze wollen, fragt der Mann. Natürlich wollen wir die, und geben auch unsere Zustimmung als er sagt, dass dafür ein Zuschlag fällig wird. Um neun öffnet er, erklärt er uns noch. Dann können wir ja erstmal in Ruhe frühstücken. Als wir zurückkommen stehen schon etliche Menschen am Schalter. Insgesamt 14 Touristen mit großen Rucksäcken (wir mit Koffern) kaufen Karten.

Auf einem schwankenden Pier aus Plastikkanistern warten wir, bis das Gepäck verstaut ist. Dann müssen wir beide zuerst einsteigen. Im Boot sind ganz hinten zwei Autositze festgeschraubt, die bekommen wir zugewiesen. Die anderen Passagiere müssen auf ca. 10 cm hohen Brettern an der Seite Platz nehmen. Wir fühlen uns wie das Königspaar auf seiner Luxusbarke; einige schauen uns fragend an und ich erkläre, dass wir extra für diesen Luxus bezahlt haben.

Um 9.30 geht es los, der Nebel liegt noch über dem Fluss, und während der Fahrt wird es richtig kühl. Wir haben Vlies- und Regenjacken an – eine gute Entscheidung. Nach einer Stunde kämpft sich die Sonne durch und wir legen das erste Mal an.

Es ist nur eine Ansammlung von Hütten mit Gärten, und ein paar Kühe laufen herum. Eine Frau mit auf den Rücken gebundenem Kind und zwei schweren Taschen steigt zu. Die Fahrt geht weiter, der Bootsführer kennt den Fluss offenbar wie seine Westentasche. Wie er das schmale Boot durch Stromschnellen, um Felsen oder kleine Inseln lenkt, ist großartig. Manches Mal spritzt es gewaltig, und die vorne sitzenden Passagiere bekommen die ein oder andere Dusche ab. Bis zu uns reicht es nicht, dafür haben wir das Dröhnen des Motors in unmittelbarer Nähe.

DSC01322
Boote sind für alle da

Am Flussufer sehen wir immer wieder kleine Ansiedlungen, die Gärten sind auf dem fruchtbaren Schwemmland angelegt und mit dekorativen Bambuszäunen vor dem frei laufenden Vieh geschützt. Rinder, Schweine und Hühner haben hier noch ein gutes, artgerechtes Leben.

Nach ungefähr der Hälfte der Strecke legt unser Boot an. Wir müssen mit dem Gepäck einen steinigen Abhang heraufklettern. Ein Tuktuk wartet und fährt die Gruppe in zwei Touren 500 m weiter. Eine riesige Baustelle macht die Weiterfahrt unmöglich. Chinesische Firmen bauen hier einen von sechs Staudämmen, die der Energiegewinnung dienen. Wir müssen die Fahrt jenseits des Damms mit einem anderen Boot fortsetzen. Zwar wird hier keine Landschaft unter Wasser gesetzt, aber der Lauf des Flusses verändert sich und damit das Leben der Menschen dort. Eine besonders schöne Strecke mit Stromschnellen, die von vielen Touristen für Kajaktouren genutzt wurde, existiert schon nicht mehr.

DSC01324Der nächste Stopp ist Muan Ngoy ein reizender kleiner Ort mit hübschen Stelzenhäusern am steilen Ufer. Hier steigen die meisten aus, weil sie von hier aus Trekkingtouren unternehmen wollen.

Für uns geht es noch 1,5 Stunden durch die grandiose Bergwelt weiter bis nach Nong Khiaw. Der Ort liegt malerisch eingebettet zwischen bizarren Karstbergen rechts und links des Nam Ou. Wir werden zu unserer Bambushütte gefahren, die auch auf Stelzen am Ufer der Mündung eines Nebenflusses des Nam Ou steht. Der Boden ist aus Holz, ca. 3 x 3 Meter groß, Wände und Decke aus Bambus, von oben noch durch Wellblech abgedeckt. Auf der kleinen Veranda ist eine Hängematte gespannnt, ein Bild wie aus der Karibik. Nur die Temperatur ist nicht karibikmäßig. Wir liegen auf ca. 500 Höhenmetern, tagsüber erreichen wir noch 27  Grad aber nachts wird es um diese Jahreszeit empfindlich kühl.

Im alten Ortsteil schauen wir uns zwischen Geschäften und Wohnhäusern um. Am Ende der Hauptstraße ist ein Zelt aufgebaut. Hier wird mit Musik und viel Essen und Trinken eine dreitägige Beerdigung gefeiert. Auf unserer Flussseite reihen sich Restaurants und Tourveranstalter aneinander. Viele junge Rucksacktouristen wollen Wander- oder Kajaktouren unternehmen und finden ein reichhaltiges Angebot.

Wir wandern ein paar Kilometer entlang der Straße, die den Nebenfluss begleitet.

DSC01361Die Landschaft ist wirklich sehenswert, links und rechts der Straße immer wieder Häuser mit glücklichen Hühnern.

Auf dem Rückweg begegnen uns mehrere junge Leute, die auf dem Weg zum 500 Meter höheren Aussichtspunkt sind, um von dort den Sonnenuntergang zu bewundern. Auf Schildern wird davor gewarnt, den Weg zu verlassen. Viel zu viele Hinterlassenschaften aus dem zweiten Indochinakrieg 1963 bis 1973 liegen dort noch unentdeckt herum. Während des Vietnamkrieges wurde der Süden von Laos wegen des Ho-Chi-Minh-Pfades (Weg durch unwegsames Gelände, über den der Nachschub für nordvietnamesische Kämpfer organisiert wurde) von den Amerikanern bombardiert. Im Norden wurde die kommunistische Pathet Lao angegriffen. Mehr als eine viertel Million Streubomben wurden über Laos abgeworfen. 30 % davon waren Blindgänger, die noch heute eine große Gefahr für die hier lebenden Menschen bergen. Die Amerikaner warfen hier mehr Bomben ab, als im zweiten Weltkrieg über Deutschland und Japan.

Wie anders empfindet man doch diese Tatsachen, wenn man sie nicht zuhause in der Zeitung liest, sondern das Land und die Menschen unmittelbar erlebt. Den Abend über kehrten unsere Gedanken immer wieder zu den Geschehnissen vor einem halben Jahrhundert zurück. Eine Welt ohne Kriege, das muss doch möglich sein.

Lieblingsstadt Luang Prabang (Laos)

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

Mit drei weiteren Paaren – Backpacker aus Frankreich und Deutschland – fahren wir morgens mit einem privaten Kleinbus nach Luang Prabang.

Während der drei Stunden, sehen wir wieder kleine Örtchen, viel Landwirtschaft, eine imposante Bergwelt und dann noch einen im Bau befindlichen Staudamm am Nam Ou. Der Fahrer fährt alle bis zu ihren Hotels. Unseres liegt in der Altstadt, und wir machen uns gleich auf den Weg, unsere neue Umgebung ein bisschen kennen zu lernen.

Luang Prabang war bis zum Ende der Monarchie im Jahre 1975 Königsstadt. Der Palast existiert noch und kann gegen Eintrittsgeld besichtigt werden. Die französische Kolonialzeit zwischen 1893 und 1953 war prägend für Baustil und Kultur. Auf Schritt und Tritt sieht man in der auf einer Halbinsel (zwischen Mekong und dem Nam Khan) gelegenen Altstadt hübsche Häuser. Da wir nicht die Einzigen sind, die dem Charm von Luang Prabang erlegen sind, kommen außer uns jedes Jahr eine halbe Million Besucher hierher. Manchen gefällt es so gut hier, dass sie bleiben und sich eine Existenz aufbauen. Die Stadt hat besondere Boutiquen, schöne Restaurants und nette Cafés, von denen uns drei besonders gefallen haben.

Zwei werden von Schweizern geführt, in einem kann man den Bäcker und Konditor in seiner gläsernen Backstube beobachten, wie er all seine Köstlichkeiten herstellt. Mit der jungen Frau in dem anderen Café hatten wir eine angeregte Unterhaltung. Sie erzählte uns von den Schwierigkeiten, die unvermittelt auftreten können. So wurde letztes Jahr beschlossen, dass 80 % des Umsatzes (!) an den Staat abzuführen ist. Da ist ein guter Steuerberater nötig..

Abends treffen wir uns mit Stefan und Christian, mit denen wir schon in Hpa An in Myanmar so einen fröhlichen Abend verbracht haben, und laufen durch die Straßen vorbei an den stimmungsvoll mit Papierlaternen und Lichterketten geschmückten Häusern. Hier herrscht keine Gleichgültigkeit bei der Gestaltung der Restaurants. Da es so viele gibt, versucht jeder den Gästen etwas Besonderes zu bieten.

Der nächste Tag führt uns erst am Ufer des Mekong entlang, dann über den Tagmarkt und schließlich zu einem großen Platz. In der Zeit vom 8.-13.12.2017 (genau die Tage, in denen wir hier sind) findet das Luang Prabang Filmfestival statt. Es gibt mehrmals täglich kostenlose Filmvorführungen.

Repräsentanten und Trachtengruppen aus allen Teilen des Landes sind hier und vermutlich auch Prominente, die wir leider nicht kennen. Als wir abends nochmal zu diesem Platz kommen, haben viele Einheimische Spaß daran, sich gegenseitig auf dem roten Teppich zu fotografieren.

Wir bummeln weiter über den Nachtmarkt. Was hier alles angeboten wird: „Handgewebte Textilien, wunderschöne Schalen aus Holz oder Kokosnüssen, Tagebücher eingebunden in besonders hübsches Papier, Lampenschirme, Silberschmuck, Trachten, und noch viel mehr.“ Für uns ist das der schönste Markt, auf dem wir bisher gewesen sind. Hier möchte ich schon gerne hemmungslos einkaufen, aber ich kann ja nichts mitnehmen.

Am Sonntag laufen wir über mehr als 300 Stufen auf den 130 Meter hohen Tempelberg, der mitten in der Altstadt liegt und von dem aus man eine schöne Aussicht nach allen Seiten hat. Viele aufgerissene apfelsinengroße Körbchen liegen rundherum auf der Erde. Wir können uns gar nicht erklären, welche Bedeutung sie haben. Leider wird uns das nur allzu schnell klar.

DSC01565

Wir kommen an einem Stand vorbei, wo diese Körbchen verkauft werden. In jedem davon sind zwei kleine Vögel eingesperrt. Für 20.000 Kip (2 €) kann man ein Körbchen kaufen und den Tierchen die Freiheit schenken. Das soll von Buddha als gute Tat angesehen werden, die sich positiv auf das nächste Leben auswirkt. Es gibt mehrere Verkaufsstände mit diesem Angebot. Wenn ich all diese Leute betrachte, die die Vögel in Gefängnisse sperren, um mit dem Mitleid von Menschen oder deren Wunsch nach einem besseren nächsten Leben Geschäfte machen, sehe ich schwarz für ihr Wohlergehen im nächsten Leben. Am liebsten würde man all die Tierchen freikaufen, aber dann werden nur noch mehr Menschen auf Vogelfang gehen.

unsere Tempel-Sammlung

Montags wollen wir in einen anderen Stadtteil, wo auf einem Hügel ein Nonnenkloster liegt, das wir bereits vom Tempelberg aus gesehen haben.

DSC01499Der Weg führt über eine Bambusbrücke, die nur sechs Monate über den Nam Khan führt, danach wird sie wieder abgebaut, weil sie während der Monsunzeit sowieso weggerissen würde. Der geringe Eintrittspreis kommt der laotischen Familie zugute, die für Auf- und Abbau zuständig ist.

Noch einmal überqueren wir den Nam Khan, dieses Mal über die alte Stahlbrücke, die inzwischen für Autos gesperrt ist, aber dafür fleißig von Mopeds und Fußgängern genutzt wird. Die Holzbohlen, die für Fuß- und Fahrweg benutz werden, geben bei Schritt und Tritt nach.

Wir kommen wieder an so schönen Häusern vorbei, dass man am liebsten fragen möchte, ob man sie auch mal von innen sehen darf.

DSC01523Bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit empfinden wir den Weg heute als anstrengend, und dann ist das Kloster auch noch geschlossen. Wir sind also nur für ein paar Fotos hier herauf gelaufen, naja unserer Gesundheit hat es bestimmt nicht geschadet.

Auf dem Rückweg kommen wir an ein paar Marktständen vorbei, die Weihnachtsartikel anbieten. Neben den üblichen Girlanden, Sternen und sonstigen Dekoartikeln ist auch Kinderbekleidung im Angebot. Für Jungen sind es rote Weihnachtsmannoveralls mit weißem Plüschbesatz, allerdings mit kurzen Hosenbeinen und Ärmeln, schließlich ist man in den Tropen. Auch an Mädchen ist gedacht, sie dürfen kurze Kleidchen in rot mit weiß tragen. Ich sehe Nikolausi und Nikolieschen unter dem Weihnachtsbaum schon in Gedanken vor mir.

Unsere netten Reisebekannten aus der Schweiz hatten uns von dem 18 km entfernt liegenden Tad Sae Wasserfall berichtet. Da lassen wir uns heute mit einem Tuktuk hinfahren. Am Ziel müssen wir noch ein Boot besteigen und rund 2 Kilometer weiter auf der anderen Flussseite wieder aussteigen.

Hier sehen wir die ersten Elefanten im Land der 1000 Elefanten. Es sind sechs, die alle ein Holzgestell auf dem Rücken tragen für Touristen, die unbedingt mal auf einem reiten wollen. Wollen wir nicht, nur mal ganz nahe an sie herankommen und Fotos machen. Und dann weiter zum Wasserfall.

DSC01549Am Rand „arbeitet“ eine durch das fließende Wasser angetriebene alte Reismühle, allerdings hier nur noch zu Schauzwecken.

Rund um das erste Becken, in dass sich die Kaskaden ergießen, stehen schon etliche Menschen, einige vergnügen sich auch im Wasser. Stefan erzählte, dass die zweite Stufe sehr viel leerer und auch schöner sei, also klettern wir langsam bergauf. Es hat die letzten drei Nächte heftig geregnet, entsprechend rutschig ist der Weg, der über Baumwurzeln am rechten Rand des Wasserlaufs nach oben führt. Zur Sicherheit der Besucher ist an mehreren Stellen ein Geländer angebracht. Das ist auch wirklich wichtig, denn der Weg ist nicht ohne, aber jede Mühe wert.

Am zweiten Wasserfall, den wir nach 20 Minuten erreichen, sind mit uns 10 Menschen. Das Wasser läuft in Kaskaden in ein großes Becken und ist wunderbar klar und frisch. Wir genießen das Schwimmen nach dem Aufstieg. Als wir wieder nach unten geklettert sind, badet dort – sehr zur Freude der Zuschauer – gerade einer der Elefanten.

Auf dem Rückweg über die geschotterten Straßen fällt uns auf, dass trotz des starken Regens in den vergangenen Tagen der Staub noch immer millimeterdick auf Bäumen und Sträuchern liegt. Ob das nach der Regenzeit anders ist?

Abends bummeln wir noch mal durch die Straßen mit den einladenden Restaurants; denn morgen verlassen wir Luang Prabang – unsere neue Lieblingsstadt.

Kommen, sehen, staunen – Hanoi (Vietnam)

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

Nachmittags verabschieden wir uns ein bisschen wehmütig von Luang Prabang und lassen uns zum nur wenige Kilometer entfernten Flughafen bringen.

Mit einer zweimotorigen Turboprop fliegen wir über die undurchdringlich erscheinende Berglandschaft, in der keine Ansiedlungen zu erkennen sind. Nach und nach decken Wolken die Landschaft zu. Nur ab und zu schauen ein paar Berggipfel aus der flachen Schicht heraus, wie „schwimmende Inseln“ in Vanillesoße. Als wir Hanoi erreichen, regnet es. Und nun beginnt die Prozedur der Einreise. Die Formulare hatten wir uns schon im Internet herunter geladen und ausgefüllt, trotzdem dauert es eineinhalb Stunden, bis wir unsere Visa haben. Aus unserem Flieger sind wir bei den Letzten, die ihre Gepäckstücke holen. In der Ankunftshalle wartet ein verzweifelter Fahrer, der ein Schild mit meinem Namen hochhält. Zwar hatten wir versucht, das Hotel per Handy zu kontaktieren, aber im Flughafengebäude gab es keine Verbindung. Nun sind wir alle drei erleichtert, dass wir uns gefunden haben.

Inzwischen ist es dunkel, und wir können draußen nicht allzuviel erkennen. Spürbar ist jedoch, dass wir über eine sehr gute Straße fahren. Nach einer dreiviertel Stunde sind wir an unserem Hotel, wo uns der Rezeptionschef Kevin (seinen richtigen Namen könne sich sowie so keiner merken) herzlich empfängt. Unser Zimmer im 5. Stock hat eigentlich jeden Komfort, bis auf eine Heizung. Wenigstens heiß duschen können wir.

Wir lassen uns ein Restaurant in der Nähe empfehlen und machen uns ausgestattet mit Stadtplan und jeder Menge Geld (2 Millionen Dong sind 74 €) auf den Weg in die Altstadt. In der 7 Millionen-Einwohner zählenden Stadt ist alles noch verstärkt. Mehr Garküchen, mehr Motorroller, mehr Menschen. Wir schlängeln uns durch die zugestellten Wege und sitzen dann einigermaßen ruhig in unserem Restaurant. Die bestellten frischen Frühlingsrollen sind schmecken richtig gut, aber die Speisekarte unterscheidet sich hier jetzt nicht sehr von denen in Myanmar, Thailand und Laos. Gebratener Reis, gebratene Nudeln, Huhn, Schwein, Rind oder Meeresfrüchte mit Nüssen, ohne Nüsse, mit Gemüse, ohne Gemüse, oder Suppen mit obigen Zutaten. Obwohl wir in Deutschland gerne asiatisch essen, wird es für uns hier etwas eintönig. Wir haben Reisende getroffen, die uns freimütig erzählten, dass sie es nicht länger als drei Wochen in diesen Ländern aushalten, dann brauchen sie vertrautes Essen. Wir sind immerhin schon 3,5 Monate unterwegs, bis wir einen solchen Gedanken überhaupt haben.

Jedenfalls schlafen wir in dieser und den nächsten Nächten wie auf Wolken, die Hotelbetten sind mit Viskoseschaummatratzen ausgestattet, die sich dem Körper genau anpassen.

Der zimmerbreite Frühstücksraum liegt im 9. Stock und hat etwas von einem Aquarium, Fenster nach allen Seiten. Hanoi liegt weiter unter einer dichten Wolkendecke, es ist kühl und ab und zu regnet es. Hilft ja nichts, wir wollen was von der Stadt sehen und ziehen uns entsprechend an. Die nahe gelegene Altstadt ist für heute unser Ziel. Als wir an die Rezeption kommen, müssen wir ein Grinsen unterdrücken. Kevin der Korrekte, sitzt da in seinem seriösen dunkelgrauen Anzug mit weißem Hemd und trägt ein rotes Rentiergeweih.

Obwohl über 80 % der Vietnamesen Atheisten sind, lieben sie Weihnachten, erklärt er uns. Sie dekorieren Haus oder Wohnung ganz nach westlichem Vorbild und dann wird eine große Feier mit gutem Essen und alkoholischen Getränken veranstaltet. Geschenke gibt es allerdings nicht.

DSC01675

In der Altstadt herrscht geschäftiges Treiben und ein Wahnsinnsverkehr. Gegen die Fahrweise in Hanoi war alles, was wir vorher bestaunt haben Kindergarten. Wer sich auf die Straße begibt, setzt hier jeden Tag, jede Stunde, jede Minute sein Leben aufs Spiel. Gewimmel kennen wir schon, vordrängeln, rechts überholen, auf einer dreispurigen Einbahnstraße gegen den Verkehr fahren, alles schon gesehen. Aber hier werden Ampeln offenbar als nette Lightshow betrachtet. Wer als Fußgänger bei Grün auf die Straße tritt, wird angehupt, Autos und Mopeds fahren einem fast über die Füße oder schrammen an der Kehrseite vorbei. Bremsen abrupt vor einem, und die Fahrer verstehen überhaupt nicht, was man von ihnen will, wenn man auf das grüne Licht deutet. Am Nachmittag des zweiten Tages bin ich so genervt, dass ich nur noch zurück ins Hotel will.

Bürgersteige sind – wer hätte das gedacht – für alles andere da, nur nicht für Fußgänger.

Die Anzahl der Suppenküchen ist unüberschaubar, hier wird vorbereitet, gekocht, serviert und gespült. Mittags sitzen elegant gekleidete Menschen neben ärmlich aussehenden auf kleinen Plastikhockern und verzehren Suppe, Gegrilltes oder was sonst so angeboten wird. Danach ziehen sie ihre Atemschutzmaske – gerne modisch auf die Kleidung abgestimmt – wieder an und laufen durch Lärm und Abgasgestank zurück zu ihrem Arbeitsplatz.

Wo keine Tischchen und Hocker stehen, wird der Platz als Parkplatz für die Mopeds gebraucht. Wer auf seinen zwei Beinen unterwegs ist, läuft Slalom. Zwischen allem durch, was auf dem Weg aufgebaut ist, und wenn man dort nicht weiterkommt und auf die Straße ausweicht wird man – siehe oben angehupt. Mopeds sind erschwingliche Fortbewegungsmittel für einen Großteil der Bevölkerung und transportieren nicht nur Menschen, sondern unglaubliche Mengen von Waren.

Wie die Fahrer es schaffen, sich vollbepackt durch den Verkehr zu schlängeln, ohne irgendwo hängen zu bleiben, grenzt an ein Wunder. Die vielen kleinen Läden in der Altstadt können wahrscheinlich nur so zu jeder Zeit beliefert werden. Autos kämen überhaupt nicht durch.

Auch in Hanoi treten die Geschäfte gruppenweise auf.

Erst die Schuhgeschäfte, dann die Jeansläden, dann Lichterketten und Lampen, danach Grabplatten, Obst, Blumen, Taschen, Papierwaren usw. Und als ob das noch nicht reichen würde, werden voll bepackte Fahrräder mit Ess- oder anderen Waren durch das Gewimmel geschoben, und wer keins hat kann immer noch zwei Körbe an einen Bambusstab binden und sein Kleinstunternehmen durch die Gegend tragen.

DSC01619Dass noch heute eine unbeschrankte Bahnstrecke mitten durch die Stadt führt, erstaunt nur die Touristen. Die Einheimischen nutzen die meist freie Fläche auf ihre Art. Man kann hier Wäsche trocknen, einen Verkaufsstand haben, sein Moped parken, Hauptsache man hat den Fahrplan im Kopf.

Vormittags sind wir an einem koreanischen Restaurant vorbei gekommen, das BBQ anbietet. Da wollen wir abends essen. In die Vertiefung im Tisch wird ein Eimerchen mit glühenden Kohlen gestellt. Rundum ist eine Absaugvorrichtung, damit die Gäste beim Essen nicht kollabieren. Darüber wird ein runder Rost gelegt, und dann geht es los. Auf den Tisch kommen kleine Schalen mit Salaten und Soßen, und auf den Rost werden verschiedene marinierte Fleisch und/oder Fischstücke gelegt.

DSC01651Der Gast muss nur zuschauen, wie geschickt das Grillgut hier gewendet und zum perfektem Garpunkt mit einer großen Schere zerteilt und wird. Anschließend kann er Fleisch und Gemüse in ein Salatblatt rollen, in eine der Soßen stippen und genießen. Es ist wirklich sehr sehr lecker. Am Nachbartisch wird ein Geburtstag gefeiert. Der Alkohol fließt reichlich, Schnaps, Bier und Wein, alles wird hoch geschätzt und eifrig konsumiert, die Gäste werden immer fröhlicher und lauter. Das überträgt sich auch auf die vier Kinder, die dabei sind und begeistert um den aufgestellten Tannenbaum toben. Irgendwann kommt ein zehnjähriges Mädchen an unseren Tisch und fragt uns nach Namen und Herkunft. Wir wiederum erfahren, dass sie schon seit der Vorschule regelmäßig Englischunterricht hat. Wir müssen uns schreiend verständigen, um die feiernden Erwachsenen zu übertönen.

Wir wollen ins französische Viertel.

Der Weg führt vorbei an einem Weihnachtsmarkt. Schon am Vorabend hatten wir Blasmusik gehört, nun wissen wir, was der Grund war. Im Eingangsbereich steht ein animierter lebensgroßer Weihnachtsmann mit Saxophon. Eine weitere Attraktion ist eine aufgebaute Weihnachtsstube mit Tannenbaum und Geschenken. Künstlicher Schnee aus Seifenschaum entzückt die Besucher, die hier eifrig fotografieren. Im französische Viertel gruppieren sich die vielen Botschaftsgebäude und hier sind die Bürgersteige wirklich zu benutzen.

Schöne alte Villen, ein Kaufhaus im Art Deko Stil, eine Kirche, wie sie französischer nicht sein kann, schicke Geschäfte und renommierte Cafés prägen das Bild dieses Stadtteils. Ein Café sieht so verlockend aus, dass wir hier eine Pause einlegen. Der Geschäftsführer lässt es sich nicht nehmen, uns zu zeigen wo die Kreationen hergestellt werden. Stolz erzählt er uns, dass das Hauptgeschäft in Ho-Chi-Minh-Stadt mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Der Kaffee schmeckt im Land des zweitgrößten Produzenten übrigens sehr gut. Für uns der beste, den wir während unserer Reise getrunken haben, leicht schokoladig mit geringer Säure.

Am Abend – es ist Freitag – laufen wir zum Hoan-Kiem-See, der zwischen Altstadt und französischem Viertel liegt. Am Wochenende sind die Straßen rundherum für Auto- und Mopedverkehr gesperrt. Welche Wohltat, auch die einheimischen Fußgänger sind offensichtlich glücklich und laufen kreuz und quer über die Straßen.

Sänger und solche, die sich dafür halten, präsentieren sich hier und werden mit wohlwollendem Beifall bedacht. Nicht alle Stilrichtungen empfinden unsere Ohren als wohlklingend.

DSC01676Der im See liegende Schildkrötenturm leuchtet geheimnisvoll. Nach einer Legende hat die im See lebende Schildkröte im 15. Jahrhundert einem Fischer ein magisches Schwert gebracht, der damit die chinesische Besatzung beenden konnte. Daraufhin wurde er zum König ernannt. Die Schildkröte bekam das Schwert zurück. Aus Dankbarkeit ließ der König den dreistöckigen Turm bauen. 1968 fand man im See eine über 2 m lange und 250 kg schwere Schildkröte, die 400 Jahre alt gewesen sein soll. Sie wurde präpariert und wird auf der Insel im See in einem Glaskasten präsentiert.

Hanoi ist keine Stadt, in die man auf den ersten Blick verguckt, aber uns hat es insgesamt gefallen und wir würden nochmal hinfahren.

Cat Ba, die Halong-Bucht und Ninh Binh (Vietnam)

(Wegen fehlender Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

Für 11 Uhr hat uns Kevin Fahrkarten nach Cat Ba besorgt und wir warten in der Lobby vor dem Tannenbaum auf unseren Abholer. Kevins Handy läutet, er gibt ein paar Anweisungen und schon sind drei Leute dabei, unser Gepäck vor die Tür zu bringen. Der Verkehr ist so dicht, dass der Bus nicht halten kann, jetzt müssen wir 200 Meter weit laufen, bis wir einsteigen können. Aber um unser Gepäck brauchen wir uns nicht zu kümmern. Ein Moped steht bereit, die zwei Koffer werden hinter den Fahrer auf den Sitz gelegt und er kurvt mit einer Hand am Lenker, mit der anderen am oberen Koffer lässig durch das Gewühl. Wir haben Mühe, hinterher zu kommen. Der Bus ist bis auf unsere zwei Plätze schon besetzt. Uns ist ein bisschen mulmig, wir haben keine Fahrkarten, angeblich wäre alles organisiert.

Es geht über den Roten Fluss durch Stadtteile und Vororte. Außerhalb der Altstadt sind die Straßen breit, viele Neubauten zeigen, wie die Stadt wächst. Alles macht einen guten Eindruck. Auch die ländlichen Gebiete, die dann kommen wirken sehr aufgeräumt.

Die Straßen sind asphaltiert, die Beete ordentlich angelegt. Hier im Deltas des Roten Flusses ist Wasser keine Mangelware. Große Wasserflächen mit Unmengen von Enten wechseln sich mit Obstgärten und Gemüsebeeten ab. Auffallend sind die vielen Kirchtürme, die so gar nicht hierher zu passen scheinen. Rund 6 % der Einwohner Vietnams sind Christen. Friedhöfe sind auch in großer Anzahl vorhanden. Interessant finde ich, dass die nicht nach Konfessionszugehörigkeit getrennt sind, sondern dass Grabstätten mit Kreuzen und buddhistische und hinduistische Kleinsttempel ganz selbstverständlich nebeneinander liegen. Die Grabsteine sind mit leuchtenden Farben bemalt, so dass diese letzten Ruhestätten einen frischen, fröhlichen Eindruck vermitteln.

Die Strecke in Richtung Küste legen wir auf einer gut ausgebauten Autobahn in bisher ungewohntem Tempo zurück. Nicht mal 2 Stunden braucht der Bus für die 170 Kilometer.

DSC01712Und hier, im größten Hafen Vietnams kommt man aus dem Staunen überhaupt nicht mehr heraus. Es scheint, als wären die Bagger des ganzen Landes hier gleichzeitig eingesetzt. Was hier alles auf einmal passiert ist unfassbar. Gebäude werden hochgezogen, Straßen in alle Richtungen angelegt, Bürgersteige gepflastert, Einfahrten planiert. Wie das wohl in 10 Jahren aussieht?

Am Hafen müssen wir den Bus verlassen, er kehrt hier um. Wir sollen in einem der kleinen Lokale warten, sagt ein Mann im weißen Pulli und verschwindet. Ich schaue mich ein bisschen um und entdecke am Ufer ein paar Menschen, die Muscheln sammeln.

Offenbar besteht fast der ganze Boden aus Muscheln; denn obwohl nur zwei Frauen eifrig graben, stehen ein Stück weiter Mengen von Muscheln, bereits gewaschen und in Säcke verpackt, zum Abtransport bereit. Der Abhang, der aussieht wie aus Kies, besteht komplett aus Muschelschalen.

Unser Schiff, das uns auf die andere Seite bringen wird, legt an. Der Mann im weißen Pullover winkt die entsprechenden Personen zusammen. Am anderen Ufer wartet bereits der Bus. Wir werden nach Fahrkarten gefragt, und wieder erscheint der „Weiße“, ruft dem Kontrolleur etwas zu, und wir können passieren. Unglaublich, wie das hier funktioniert. Ohne irgendeinen Beleg zu haben, kommt man an sein Ziel. So auch dieses Mal. Wir haben noch eine halbstündige Fahrt zum Hotel in der Stadt Cat Ba zurückzulegen. Wenigstens scheint nach den trüben Tagen in Hanoi hier die Sonne.

Cat Ba ist zwischen Felsen, die sich wie Finger ins Meer schieben, errichtet. Die meisten Straßen sind nur in eine Richtung befahrbar, Querstraßen sind selten und schmal. Deshalb landet man eigentlich immer unten am Meer auf der breiten vierspurigen Straße an der Promenade.

DSC01751Die Häuser sind ein, höchstens zwei Zimmer breit, können aber durchaus bis 10 Stockwerke hoch sein. Sie sehen aus wie in Scheiben geschnitten. Wir sind froh, dass wir nicht in der Hauptsaison hier sind, Cat Ba ist auch bei den Einheimischen so beliebt, dass die Stadt dann aus allen Nähten platzt.

DSC01749
die Bucht im Sonnenuntergang

Auf dem Wasser liegen schwimmende Restaurants, die zwar abends mit bunten Leuchtreklamen locken, aber um diese Jahreszeit will niemand in an vier Seiten offenen Restaurants auf dem Wasser speisen. Wir hatten nachmittags viele Lokale gesehen, in denen Fische, Krabben, Schnecken, Shrimps und Muscheln bis zum Verzehr in Aquarien gehalten werden, darunter war eine riesige Meeresschnecke, die auch gut in einen Zoo gepasst hätte. Wir finden ein Lokal, das zwar auch eine offene Front hat, aber die Wände sind mit Bambus und die Decke mit Reisstrohmatten verkleidet, das vermittelt zumindest optisch einen Eindruck von Wärme. Nach 18 Grad am Mittag ist die Temperatur mittlerweile auf unter 10 Grad gefallen, und im ungeheizten Hotelzimmer ist es richtig ungemütlich.

Am Sonntag fahren wir gemeinsam mit einem holländischen Ehepaar und deren Tochter im Taxi zum Cat Ba Nationalpark, einem der schönsten in Vietnam. Im Urwald leben seltene Tiere; immer wieder besuchen Forscher den Park, um hier Studien zu betreiben. Wir laufen die markierte Tour bergauf zu einem Aussichtsturm.

Der Weg ist malerisch und führt über Stufen und Felsbrocken stetig bergauf. Jetzt sind wir froh, dass es nicht so heiß ist. Ober auf dem Aussichtsturm hat man einen wunderbaren Blick auf die Landschaft ringsum. Leider begegnet uns keines der Tiere.

Abends finden wir ein Restaurant, das einen durch Glasscheiben und –türen abgetrennten Raum hat. Die nach vorne offene Küche trägt dazu bei, dass es wärmer ist, als im vorderen offenen Bereich. Wir entscheiden uns sofort, hier Stammgäste zu werden, zumal auch der „Meeresfrüchtekorb“ mit frischem gegrilltem Fisch ein wichtiges Argument ist.

Für den nächsten Tag steht eine Bootstour durch die Halong-Bucht auf dem Programm. Die 1500 km³ große Bucht wurde von der UNESCO 1994 zum Weltnaturerbe ernannt. Die zum Teil mehrere 100 Meter hohen Kalksteinfelsen sind größtenteils bewachsen. Eins haben alle gemeinsam, am unteren Rand, der ständig vom Wasser umspült wird, sind alle „karriös“. Geologen könnten dazu jetzt viele Erklärungen liefern, aber der vietnamesische Mythos, wonach ein Drache diese Wunderwelt geschaffen hat, ist doch geheimnisvoller. Wir haben im Hotel eine private Tour gebucht, weil wir weder Kajak fahren noch schwimmen wollen. Die Komplett-Touren, die in jedem zweiten Laden angeboten werden, richten sich hauptsächlich an ein junges Publikum, das vor allem eins will: Spaß haben. Wir wollen einfach nur durch diese fantastische beinahe 2000 Inseln umfassende Wasserwelt fahren. Während der Tour hat man ständig wechselnde Ausblicke.

Was wie ein langer Gebirgszug aussieht, entpuppt sich beim Näherkommen als Einzelfelsen, die sich je nach Standort in immer anderen Formationen vor- und hintereinander schieben. Das Schauspiel ist unbeschreiblich schön. Das Boot fährt durch die schwimmenden Ansiedlungen.

Kleine Häuser mit Vorgärten (ein paar Blumenkübel) und Wachhunden liegen nebeneinander. Wäsche hängt auf der Leine, Frauen kochen oder arbeiten in den abgeteilten „Wassergärten“. Dort werden Hummer und Austern für die Perlenzucht gehalten.

Nach einer Weile legen wir an einem schwimmenden Gasthaus an. Auf der Plattform stehen Korbmöbel – wie angenehm hier zu sitzen – es schaukelt ganz leicht, die Sonne scheint und wenn kein Boot vorbeikommt, herrscht himmlische Ruhe. Unser Bootsführer will uns unbedingt etwas zeigen und winkt uns zu sich. Auf der anderen Plattform hebt er 10 Holzbohlen hoch und zieht an dem befestigten stabilen Netz, und dann kommt er, ein ca. 2 m langer Zackenbarsch, der sein Leben hier im Gefängnis verbringen muss. Nicht anders ergeht es fünf Riffhaien in einem anderen Netzbecken. Es tut uns so leid, diese gefangenen Fische zu sehen, aber wir können hier nicht den Moralapostel spielen, wenn in unserem Land Nutztiere unwürdig in Massen gehalten werden.

Nach einem Cà Phê a la Vietnam (in einem Glas eine Schicht gezuckerte Kondensmilch, darauf ein Metallfilter, durch den der starke Kaffee läuft, dann je nach Geschmack wenig oder mehr verrühren) geht es weiter nach Monkey Island. Wir müssen auf dem Wasser in ein flaches Boot umsteigen, weil es keinen Anlegesteg gibt. Das Boot fährt so weit zum Strand, wie es geht. Obwohl wir beim Rausspringen vorsichtig sind, haben wir beide nasse Füße. Über den weißen Strand laufen wir ein Stück, bis wir an gezückten Handys und Actioncameras sehen: Hier tut sich was.

Ein paar Affen toben durch die Büsche, fangen sich, raufen miteinander, spielen. Aber es sind alles andere als friedliche, harmlose Plüschtiere; hier geht es richtig zur Sache. Der Anführer trägt deutliche Kampfspuren, offensichtlich ist ihm von einem Rivalen die Oberlippe abgebissen worden.

Eine Weile schauen wir zu, fotografieren und lassen uns dann – dieses Mal barfuß – wieder zu unserem Schiff bringen. Im Licht der untergehenden Sonne erreichen wir den Hafen, wo bereits ein Taxi darauf wartet, uns zurück zum Hotel zu bringen.

Beim Frühstück am nächsten Morgen fragt uns eine amerikanische Touristin, ob wir auch in der Nacht einen Anruf erhalten hätten, dass der Bus früher geht? Haben wir nicht, und machen uns auch keine Gedanken. Wir haben für 8.40 Uhr gebucht und glauben, dass uns das nicht betrifft. Als wir unsere Rechnung bezahlen und fragen, ob der vor dem Hotel wartende Bus unserer sei, antwortet die Rezeptionistin, dass wir doch erst um 14.40 Uhr führen. Als sie versteht, dass sie einen Fehler gemacht hat und wir am Vorabend nochmals unsere Abfahrtszeit bestätigt hätten, ruft sie ein Taxi, das uns ein paar Kilometer zu einem wartenden Kleinbus bringt, der dem gebuchten Bus hinterher fährt. Zwei Paare sitzen bereits drin, der Bus fährt sofort los, bis zum Hafen, auf die Fähre und auf der anderen Seite weiter. Wir haben einen Fahrer, der wie ein Wilder durch die Gegend fährt und erreichen nach vier Stunden die Stadt Ninh Binh. Vor einem Hotel steht der Bus, mit dem wir eigentlich fahren sollten. Drin sitzt die amerikanische Touristin vom Frühstück und grinst uns an. Für die letzten 5 Kilometer steigen wir noch um und werden durch die Stadt mit den großzügigen Grünanlagen in den Stadtteil Tam Coc gefahren.

DSC01818.JPG Unsere Vermieterin erwartet uns bereits und bringt die Koffer per Moped schon zur Unterkunft.

Eine hübsche Anlage mit aus Ziegelsteinen gebauten Häuschen. Der in unserem Zimmer stehende Heizofen erfreut uns ganz besonders.

Von Tam Coc aus kann man sich per Boot durch die sogenannte „trockene Halong-Bucht“ rudern lassen. Die Landschaft ist ähnlich, wie wir es schon gesehen haben, aber eben mitten im Land, allerdings von einem Fluss durchzogen. Wir wollen uns erstmal umsehen und gehen los. Es gibt einige Wege, auf denen man in diesem Felsengebiet laufen kann. Auf dem von rechts kommenden Weg sehen wir eine Staubwolke.

Neugierig bleiben wir stehen, und da kommt im Laufschritt eine über 100 Stück starke Gänseschar auf uns zu, rennt vorbei, um sich dann nacheinander links in den Teich zu stürzen. Wir sind richtiggehend entzückt über das vietnamesische Bullerbü.

Am nächsten Tag leihen wir uns Fahrräder und fahren zum 5 Kilometer entfernten Vogelpark.

Unterwegs soviel ländliche Idylle, dass wir immer wieder stehen bleiben, um kleine Schweinchen, Gänse, Enten, Hunde und andere Tiere zu betrachten. Im Park müssen wir irgendwann die Räder stehen lassen, es geht über Stufen, verschlungene enge Wege und über Bambusbrücken. Von einem Aussichtspunkt hat man einen guten Blick auf die hier lebenden Störche und Reiher. Die Jungvögel machen Flugübungen und wir staunen, wie schnell sie in engen Kreisen nach oben gleiten. Auf dem Rückweg kommen wir an einem engen Käfig vorbei, in dem ein wuchtiges Paar Schweine liegt. Die Sonne brennt auf das Wellblechdach und die Tiere haben kein Wasser. Vom daneben liegenden Bach hole ich Flasche für Flasche und gieße das Wasser in den halbierten Autoreifen. Schnell sind die Tiere auf den Beinen und saugen mit laut vernehmlichem Schmatzen das Wasser ein.

Ein Stück weiter kommen wir an eine Baustelle. Der Vogelpark wird zu einem großen Freizeitpark ausgebaut mit vielen Restaurants, gepflegten Grünanlagen und Spielplätzen.

Nach ein paar Kilometern lassen wir die Räder stehen und laufen über ein Flüsschen zu einer Tempelanlage vor und in den Felsen. Viele Stufen führen immer weiter den Berg hinauf, in eine große Höhle und auf der anderen Seite noch weiter nach oben. Die Anstrengung wird durch einen tollen Ausblick belohnt.

Als wir an diesem Abend zum Essen gehen, überreicht uns die Bedienung im Restaurant jedem ein Geschenk und wünscht uns ein frohes Weihnachtsfest. Das muss man sich mal vorstellen, in Vietnam in einem kleinen Ort im Landesinneren solch eine Geste.

HINWEIS: Meine „Drivies“, so nenne ich die während der Fahrt geschossenen Bilder, haben die ein oder andere Macke. Spiegelungen oder Schatten, die durch verschmutzte Scheiben entstehen. Das lässt sich leider nicht vermeiden, trotzdem will ich nicht auf sie verzichten.