Ein Country Music Museum und der Tasman Nationalpark (Neuseeland)

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Von Seddonville geht es am Morgen zurück auf die Bundesstraße 67, die sich hier durch die Berge windet, um dann in Little Wanganui wieder auf die Küste zu treffen. Am Strand liegen Unmengen von Treibholz, oft liegt das Holz direkt am linken Straßenrand. An manchen Stellen türmt es sich sogar auf der rechten Seite. Zeitweilig muss der Seegang so stark sein, dass die Straße komplett überschwemmt und unpassierbar ist.

Karamea ist mit ein paar hundert Einwohnern die letzte „größere“ Stadt an der Westküste. Die letzten Kilometer nach Kohaihai geht es über eine Staubstraße, und dann ist die Welt hier für Autofahrer zu Ende. Ein naturbelassener Campingplatz liegt zwischen Meer und Mündung des Kohaihai-Flusses. Von hier aus gibt es mehrere Wanderwege in die Berge u.a. den 80 km langen Heaphy Track zur Golden Bay im Norden. Der Bus einer Mädchenschule aus Nelson steht hier. Ich muss sofort an meine Nichte Lea denken, die 10 Monate im Schüleraustausch an dieser Schule verbracht hat. Wahrscheinlich haben die Kinder Wanderwoche; sie sind jedenfalls nirgends zu sehen. Nach einem kleinen Spaziergang kehren wir um.
Es geht dieselbe Strecke zurück. Schon auf dem Hinweg war uns in Hector der Hinweis auf ein Country Music Museum aufgefallen, das wollen wir uns heute anschauen.

Barry Skinner, der Gründer und Besitzer ist begeistert, denn Besucher aus Deutschland hat er nicht oft. Erstaunlich was er in mehr als drei Jahrzehnten an Bildern, Autogrammen, Platten und Instrumenten zusammengetragen hat. Zwölf Jahre hatte er eine Radio-Sendung und natürlich ist Barry auch Musiker. Seine Hände sind durch eine Krankheit geschwollen, die Finger krumm, aber Western (Steel) Gitarre kann er noch spielen. Drei Räume hat er in seinem Haus für alle Trophäen freigemacht. Er und seine Frau Jude brauchen nicht mehr viel Platz für sich. Nur ungern lässt er uns nach eineinhalb Stunden weiterfahren.
Von Westport aus fahren wir in das Tal des Buller-Flusses. Immer wieder überqueren wir einspurige Brücken oder passieren Engstellen. In der Dämmerung erreichen wir Murchison. Es ist mal wieder Zeit für große Wäsche. Wir haben uns einen schlechten Tag ausgesucht, am Abend fällt mehrmals der Strom aus, es wird kalt im Camper, die Gasheizung allein schafft es nicht bei 5 grad Außentemperatur, dass der Innenraum gemütlich warm wird. Aber der Ausfall war relativ kurz, uns wird es wieder warm und der Wäschetrockner läuft auch wieder.

Am nächsten Tag kommen wir mittags in Nelson an. Wieder ein Termin in einer Werkstatt. Unser Kühlschrank ist von der Übernahme an ein Gefrierschrank, alles was man hineinpackt kommt steinhart wieder raus. Der Techniker wundert sich: „Da haben Sie aber Glück, normalerweise funktionieren die Kühlschränke nie!“ Es ist alles relativ, ich stelle mir unter Glück jedenfalls was anderes vor, als bei der Kälte am Schinken zu lutschen. Helfen kann man uns hier auch nicht.
Unser letztes Wochenende auf der Südinsel wollen wir im Abel Tasman Nationalpark verbringen. Von Nelson aus führt die Straße an der Tasman-Bucht entlang durch Mapua und Motueka in die Berge. Das erste Stück dieser am Freitag Nachmittag stark befahrenen Straße ist nur einspurig. Im zwölf Minuten Rhythmus wechselt die Ampel von Rot auf Grün. LKWs mit Anhänger quälen sich die Steigungen hinauf, die Straße ist – vermutlich durch starke Regenfälle – erheblich beschädigt. Durch Unterspülung sind große Stücke der linken Spur weggebrochen. Nachdem die Engstelle passiert ist, wird es nicht wirklich besser, die Straße ist eng mit vielen Serpentinen und zumindest die ersten 300 Höhenmeter haben keine Begrenzung zu den Abhängen. Dann sind ab und zu ein paar Bretter in Kniehöhe an Pfosten genagelt, bevor es richtige Leitplanken gibt. Meine Lieblingsstelle ist eine 360 Grad Kurve, bei der nach Dreiviertel der Rundung die Leitplanke eingespart wurde. Wenn ein Auto hier geradeaus fährt oder bei Glätte rutscht, geht es 200 Meter tief. Allerdings gibt es eine wirklich gute Sache: Vor jeder Kurve steht ein Schild mit der empfohlenen Geschwindigkeit. Das geht von 85 kmh bis zu 15 kmh, je nachdem, wie eng die Biegung ist. Nachdem wir in 600 Meter Höhe den Pass erreicht haben, geht es auf der anderen Seite genauso kurvig bergab.

Im Tahara Tal liegen die Pupu Springs, eine Quelle die 14.000 Liter Wasser pro Sekunde ausstößt. Ein Wanderweg führt bergab durch ein uriges Waldgebiet auf eine Plattform. Von hier aus hat man einen ungestörten Blick auf den Quelltopf mit kristallklarem Wasser. Es ist ein heiliger Ort für die Maori und die Besucher werden aufgefordert, das Wasser nicht zu berühren.
Wir fahren zum Übernachten nach Pohara am Rande der Golden Bay. Der Besitzer unseres Caravan-Parks gibt uns gute Tipps für Ausflüge am nächsten Tag. Gleich nach dem Frühstück fahren wir zum Grove-Park.

Ein wunderbares Fleckchen Erde mit Baumfarnen und seltenen Palmen, so urwüchsig, dass man sich nicht wundern würde, käme plötzlich ein Dinosaurier um die Ecke.

Der nächste Halt ist bei den Labyrinth Rocks, einem natürlichen Irrgarten, den offenbar Kinder ganz besonders lieben. Überall in kleinen Felsennischen sind Spielzeuge versteckt, Pferde, Löwen, Puppen, alles in Miniaturgröße. Ob sie für Schnitzeljagden hingestellt wurden, oder den Kindern und Erwachsenen als Orientierungshilfe dienen, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Jedenfalls werden die Besucher mit einem Hinweisschild am Eingang gebeten, nichts mitzunehmen.

Das nächste Mal fahren wir in Milnthorpe von der Straße ab. Der Küstenwanderweg soll besonders schön sein. Er ist es wirklich, nicht einfach nur gerade am Strand entlang. Die Bucht zwischen bewaldeten Hügeln ist groß und weit und zur Zeit ist Ebbe. Man kann kilometerweit laufen und hat ständig neue Ausblicke. Wir begegnen einigen Menschen, die diesen wunderschönen Tag hier genießen.
Nach einem kurzen Halt in Collingwood fahren wir über eine Straße mit 13 einspurigen Brücken nach Puponga. Auf dem Parkplatz stehen schon an die zwanzig Fahrzeuge. Hier bläst ein heftiger Wind; wir sind am nördlichsten Punkt der Südinsel angelangt. Der Weg geht über Viehweiden, mehrmals müssen wir die Zäune auf Treppen überqueren. Neben dem schmalen Pfad geht es steil bergab. Kühe und Schafe stehen hier so sicher, als hätten sie verschieden lange Beine, die der Neigung des Hanges perfekt angepasst sind.

Nachdem wir ein Wäldchen durchlaufen haben, beginnt der Strand. Breit und lang mit markanten Felsen hier am Cape Farewell, einfach wunderschön. Durch die beginnende Flut können wir nicht mehr zum Pillar Point laufen, wo das beliebteste Fotomotiv der Golden Bay zu finden ist. In einer großen Runde durchlaufen wir die Dünen und kehren zu unserem Auto zurück.
Wir fahren nochmal denselben Weg zurück, um in Pohara zu übernachten. Abends gehen wir ins nahe gelegene Lokal „Blauer Pinguin“. Die Gäste sitzen in Wintermänteln und Daunenjacken hier an den Tischen – das Lokal ist nicht geheizt. Nur ein großer Kamin in der Mitte spendet ein wenig Wärme. Der am nächsten gelegene Tisch ist belegt, eine Radlergruppe hat sich hier niedergelassen, sammelt aber nach 5 Minuten die Sachen zusammen, bereit zum Aufbruch. Schnell sichern wir uns den Tisch und kommen dabei noch mit zwei Mitgliedern der Gruppe ins Gespräch. Sie wollen jetzt, um 19 Uhr noch über die steile, kurvige Passstraße bis nach Nelson fahren. Alle vier haben Lampen an ihren Helmen und die Trinkflaschen sind aufgefüllt. Wir wünschen ihnen eine gute und sichere Fahrt, dann sind sie aus der Tür. Während wir essen und auch später im Camper muss ich immer wieder an die Frau und die drei Männer denken.
Währenddessen steigt die Spannung im Lokal, es wird ein Footballspiel zwischen Neuseeland und Frankreich übertragen. Zwei große Fernseher bieten von nahezu jedem Platz die Möglichkeit, dem Spiel zu folgen. Ich kenne weder die Regeln, noch interessiert es mich, aber Stöhnen, Seufzen oder Jubeln informieren stetig über den rauen Spielverlauf.
DSC07804Wehmütig verlassen wir am nächsten Morgen diese Ecke und kehren am regnerischen Sonntag nach Nelson zurück, immer wieder begleitet von großartigen Regenbögen. In Nelson scheint die Sonne. Am Sonntag haben viele Geschäfte geöffnet und so flanieren die Menschen durch die Geschäftsstraßen, sitzen in Cafés oder kommen mit vollen Tüten aus Boutiquen und Supermärkten. Eine schöne Stadt mit perfekter Lage.
Wir wollen jedoch am nächsten Tag mit der Fähre auf die Nordinsel übersetzen und fahren lieber weiter. Statt über die Bundesstraße 6 nehmen wir ab Havelock den Weg durch die Berge nach Picton.

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„Holzhafen“ bei Picton

In Bezug auf Kurven übertrifft sie die Straße in die Golden Bay noch. Doch immer wieder bringt uns die Landschaft in Neuseeland zum Staunen.
In Picton fahren wir gleich zum Hafen, um unser Ticket für die Überfahrt am nächsten Tag zu lösen. Wir bekommen einen Spezialpreis für Rentner und noch einen Winterrabatt. Am Abend haben wir Besuch in unserem Camper. Eine schwarze Katze kommt ganz selbstverständlich herein und liegt schlafend neben mir auf der Bank, bis wir das Bett machen.
Um 13 Uhr müssen wir am Hafen sein, Zeit genug für einen Bummel durch Picton. Bestimmt ist im Sommer hier mehr los, doch in dieser Jahreszeit stehen viele Geschäfte leer und überhaupt wirkt die Stadt ziemlich verschlafen.
Wir fahren eine halbe Stunde zu früh an die Fähre, sind aber beileibe nicht die ersten. Hier ist alles perfekt organisiert. An einer Schranke geben wir unser Ticket ab und bekommen einen Boardingpass sowie ein grünes Schild, auf dem eine Gasflasche abgebildet ist. Wenn der Verschluss der Flasche geschlossen ist, sollen wir es an den Rückspiegel hängen. Wir bekommen eine Fahrspur genannt und stellen uns an. Nochmal fragt ein Mitarbeiter alle Fahrer eines Wohnmobils, ob die Gasflaschen auch wirklich zu sind, dann werden die Fahrzeuge in den Bauch der Fähre dirigiert. Es geht ohne Drängelei und sehr gelassen zu.
Während der dreieinhalb Stunden, die die Überfahrt nach Wellington dauert, stehen den Passagieren verschiedene Aufenthaltsräume zur Verfügung. Es gibt Räume für Eltern mit Kindern, Speiseräume, Aussichtsräume, sogar Kabinen und das offene Deck. Von dort aus verfolgen wir das Ablegen der Fähre von der herrlichen Südinsel.
 
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Unsere Route auf der Südinsel

Vulkane und heiße Quellen (Neuseeland)

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Als wir Wellington erreichen ist es schon dunkel und wir fahren auf dem schnellsten Weg zu einem Caravan-Park. Am nächsten Tag haben wir mal wieder einen Werkstatt-Termin und hier – in der Hauptstadt – bekommen wir einen nagelneuen Kühlschrank. Während der eingebaut wird, gehen wir zum Einkaufen in einen Supermarkt in der Nähe. Danach wollen wir uns die Innenstadt anschauen. Doch wir finden keinen Parkplatz. Für die Parkhäuser ist das Auto zu hoch, für die Parkplätze zu lang. Nach etlichen Versuchen geben wir auf.

Noch eine Runde durch das Zentrum. Neuseeländer scheinen Frostschutzmittel im Blut zu haben, das Thermometer zeigt 8,5 Grad an, und wir sehen Menschen in Shorts und Trägertop. Sehr gerne werden auch Flip Flops an nackten Füßen, Shorts, Daunenjacke und Pudelmütze kombiniert. Die Schulkinder stemmen ihre nackten bläulichen Knie trotzig gegen den scharfen Wind.
Hier auf der Nordinsel herrscht viel mehr Verkehr, als auf der Südinsel. Vor allem der Bereich rund um die Hauptstadt ist dicht besiedelt. Erst nach rund 50 Kilometern lässt der Verkehr nach. Wir sind hungrig, aber nirgends ist ein Rastplatz zu finden. Kurz entschlossen biegen wir in ein Wohngebiet ab. Vor einem der schönen Häuser parken wir und verzehren unser Mittagessen. Das scheint niemanden zu stören, jedenfalls fordert uns niemand auf, unverzüglich weiter zu fahren. Heute geht es noch bis zur Stadt Wanganui zu einem Campingplatz am Whanganui-Fluss. Schön ist es hier am drittlängsten Fluss Neuseelands, aber länger als eine Nacht können wir nicht bleiben.
Am Morgen wollen wir zum Taranaki (Mount Egmont), dem im Westen gelegenen 2.518 Meter hohen Vulkan.

Malerisch erhebt sich der Spitzkegel schneebedeckt aus der Ebene. Wir fahren bis in den Nationalpark, je höher wir kommen umso mehr Schnee liegt links und rechts der Straße. Auf dem Parkplatz ist es stellenweise gefährlich glatt. Erstaunlich viele Autos sind hier und die Insassen haben offenbar die Absicht, den Berg ganz oder teilweise zu besteigen. Das ist nichts für uns, mit unseren Sportschuhen sind wir sowieso nicht richtig ausgestattet. Als ich auf einen Aushang im Fenster des geschlossenen Informationszentrum lese, dass es an diesem Berg schon 86 Tote gab, fühle ich mich ermuntert, schleunigst zum Auto zurückzukehren und dem Vulkan den Rücken zu kehren.
Wir nehmen in Strathford die 155 Kilometer lange Strecke über den „Vergessene Welt Highway“ durch herrliches Hügelland. Das Land ist sehr fruchtbar, es gibt genügend Niederschläge. Zaunpfähle und Strommasten haben ein Polster aus Moos und erwecken den Eindruck, als hätten sie wieder ausgeschlagen.

Die Berge sehen aus, als wären sie komplett mit grünem Velours überzogen. Wir müssen einfach immer wieder stehen bleiben und uns umschauen. An den weißen Tupfen auf dem leuchtenden Grün erkennt man Schafe, soweit das Auge reicht. Im Hintergrund der schneebedeckte Tarankai. In der Gegenrichtung drei weitere Vulkane im Tongariro Nationalpark, ebenfalls schon mit weißer Decke. Die Straße verläuft in einem Flusstal, manchmal sieht man links unten Eisenbahnschienen, die dann wieder im Tunnel verschwinden. Ein Teil der Strecke kann mit einer Draisine befahren werden. Mit ein paar hundert Dollar ist man dabei.
Elf Kilometer dieser Straße sind nicht asphaltiert. Es ist zwar die am wenigsten befahrene Straße Neuseelands, trotzdem sind heute erstaunlich viele Autos unterwegs. Selbst ein großer LKW mit Anhänger biegt hinter uns in die Straße ein. Als wir den engen Moki Tunnel durchfahren, der heute Hobbits Hole heißt, kann ich mir nicht vorstellen, dass solch ein großes Fahrzeug hier durchkommt. Irrtum, fünf Minuten später hat er uns eingeholt und wir lassen ihn an einer Haltebucht vorbeifahren. Eine Staubwolke verrät uns noch einige Zeit, wie weit er bereits gekommen ist. Gegen Abend erreichen wir am Ende der 155 Kilometer Taumarunui, hier bleiben wir heute Nacht.
In der Nähe liegt der Tongariro Nationalpark, sowohl Weltkultur- als auch Weltnaturerbe. Drei aktive Vulkane: Tongariro (1968 Meter), Ngauruhoe (2291 Meter) und Ruapehu (2797 Meter) sind Zentrum des Parks. Sie werden von den Maori als Heiligtum verehrt und es war ihr Bestreben, dieses Gebiet unter besonderen Schutz zu stellen. Am heutigen Tag geht der Schutz allerdings so weit, dass das ganze Gebiet in Wolken gehüllt ist. Wir fahren rund um den Park und sehen – nichts. Dabei wollten wir so gern den Schicksalsberg (Ngauruhoe) aus dem Film „Herr der Ringe“ in Natura sehen.
Und dann ist es der andere Vulkan, über den eine tragische Geschichte zu erzählen ist. Wir haben gerade das Städtchen Tangiwai hinter uns gelassen, als wir auf eine Gedenkstelle aufmerksam werden. Am Weihnachtsabend des Jahres 1953 brach der Ruapehu aus und sein Kratersee ergoss sich mit Schlamm- und Geröllmassen in den Whangaehu-Fluss. Die dort installierte Eisenbahnbrücke hielt den Massen nicht Stand und brach zusammen, kurz bevor der Nachtexpress Wellington – Auckland die Stelle erreichte. Ein Autofahrer versuchte zwar noch den Lokführer zu warnen, aber der konnte nicht mehr vor der Einsturzstelle anhalten. Mehrere Waggons stürzten in den Fluss und wurden mitgerissen. Dadurch verloren 151 Personen ihr Leben. Noch heute wird der Opfer gedacht. An jedem 24. Dezember verlangsamt der Zug auf der neu errichteten Brücke seine Fahrt und einer der Eisenbahner wirft einen Blumenstrauß in den Fluss.
Als wir am Ufer des größten Sees Neuseelands (Lake Taupo) auf die Stadt Taupo zufahren, sehen wir am Horizont Dampfwolken in den Himmel steigen. Am nächsten Tag haben wir Gelegenheit, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Taupo-See ist vulkanischen Ursprungs, er ist durch einen gigantischen Vulkanausbruch vor 26.500 Jahren entstanden. In der ganzen Gegend gibt es heiße Quellen, die auch in großen Geothermie-Anlagen zur Energiegewinnung genutzt werden. Wir fahren zum Thermalpark. Hier gibt es noch öffentlich zugängliche heiße Quellen.
DSC07925Eine Gruppe junger Menschen sitzt gemütlich im warmen Wasser, den gut gefüllten Bierkasten in Reichweite.
Am Ufer des Waikato Flusses verläuft ein Wanderweg bis zu den Huka Wasserfällen.

Am gegenüber liegenden Ufer werden gerade etliche Kajaks ausgeladen, eine Schulklasse hat heute einen Ausflug aufs Wasser. Immer wieder steigen kleine Dampfwolken aus dem breiten Fluss auf. Der Weg schlängelt sich durch einen herrlichen Wald. Nach vier Kilometern haben wir unser Ziel erreicht. Wir treffen auf viele Ausflügler, denn der Parkplatz ist nur 100 Meter entfernt. Mit 220.000 Litern pro Sekunde schießt das gletscherblaue Wasser des Waikato Fluss (der Abfluss des Lake Taupo) durch die Verengung von 100 auf 15 Meter Breite. Dahinter schäumt es und sieht aus wie ein Sahnesee. Ausflugsboote fahren bis in die Nähe des Wasserfalls, und machen im aufspritzenden Wasser unter dem Gekreische der Passagiere eine scharfe Kurve. Wir laufen unseren Wanderweg zurück, das Felsen-Bassin ist inzwischen von einer anderen Gruppe besetzt.
Durch den Geothermie-Park verläuft eine Straße, von der aus man links und rechts die dicken Edelstahlrohre sehen kann. Aus einigen zischt und qualmt es.

Von einem Aussichtspunkt können wir einen Teil der riesigen Anlage überblicken. Anschließend fahren wir weiter zu den Craters of the Moon (Mondkratern), einem abgetrennten Gebiet, dass man nach Zahlung von 8 $ pro Person durch den Kiosk betreten kann. Nachdem 1991 ein paar parkende Autos in dem Gelände eingebrochen sind, achtet man sehr auf Sicherheit. Zwischen Büschen und Sträuchern sind Holzstege verlegt, über die man gefahrlos zu den einzelnen Aussichtspunkten gelangt.

Die Sonne steht schon tief und der an vielen Stellen aus der Erde austretende Dampf lässt alles so geheimnisvoll wirken, als sei man in einer anderen Welt. Um 17, also zur Sonnenuntergangszeit schließt der Park seine Türen. Aber damit nicht genug, auch die einzige Zufahrtsstrecke wird mit einer Schranke geschlossen. Schilder weisen darauf hin, dass die Uhrzeit „scharf“ eingehalten wird. Damit auch wirklich niemand „versehentlich“ versäumt, den Park zu verlassen, ertönt eine halbe Stunde vorher eine Sirene.
Am nächsten Morgen haben wir den Orakei Korako Thermal Park auf dem Programm. Wir müssen durch dichten Nebel oder Dampf fahren – vielleicht ist es auch eine Kombination aus beidem – und befürchten schon, nicht viel zu sehen. Doch ein paar Kilometer vor unserer Ankunft hat die Sonne sich durchgesetzt. Mit einem Boot setzen wir über den Ohakuri See und folgen den Richtungspfeilen über die wieder perfekt angelegten Wege.

Die täglich aus Erdspalten strömenden 20 Millionen Liter heißes Wasser haben Seen, Schlammlöcher, Geysire und Sinterterrassen in fantastischen Farben und Formen geschaffen. In der Nähe wird es richtig warm. Holzstege führen bergauf und bergab und weiten sich zu Aussichtsplattformen. Der Rückweg führt durch einen herrlichen Wald.
DSC08059Wir fahren weiter in Richtung Norden und abends stehen wir mit unserem Camper so dicht am Rotorua See, dass wir Enten und Schwäne streicheln könnten, ohne das Auto zu verlassen.

Hundertwasser, Glühwürmchen und Auckland (Neuseeland)

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Kalt war es heute Nacht, die Bäume sehen am Morgen aus, als seien sie schneebedeckt, aber es ist Rauhreif.

Wir fahren an die Ostküste in die Stadt Tauranga und anschließend zum auf einer Halbinsel gelegenen Mount Manganui. Bei Temperaturen um die 10 Grad und herrlichem Sonnenschein sind viele Menschen am beliebten Strandabschnitt unterwegs oder besuchen das Thermalbad mit seinen heißen Quellen. Wir fahren an der Küste auf die Coromandel Halbinsel. Als wir merken, dass die Straße wieder sehr kurvenreich wird und damit viel Zeit beansprucht, entschließen wir uns nicht bis Coromandel sondern auf dem schnellsten Weg an Auckland vorbei nach Norden zu fahren. Es sind über 300 Kilometer, die wir bis Mangawhai zurücklegen, und die letzten Kilometer fahren wir in der Dunkelheit. Es ist nicht einfach, im Dunklen den richtigen Stellplatz in den Caravan-Parks zu finden. Um ein Haar wären wir dieses Mal im aufgeweichten Boden stecken geblieben.

Morgens laufen wir noch zwei Stunden am herrlichen Strand entlang und fahren dann weiter nach Whangarei. Eine hübsche Stadt an einer Meeresbucht.

Wir schlendern am Hafen mit beeindruckenden Yachten vorbei. Eine Baustelle erregt unsere Aufmerksamkeit. Hier entsteht gerade ein Gebäude im Hundertwasserstil, in dem Kunstwerke der Maori und natürlich auch seine Werke ausgestellt werden sollen. Der österreichische Künstler hat sich in den 70er Jahren eine Farm in der Nähe gekauft, auf der er auch seine letzte Ruhe fand. Die Neuseeländer wussten lange Zeit nicht, wer da bei ihnen lebte und haben ihn außer beim Bau einer städtischen Toilettenanlage in Kawakawa nicht zum Zuge kommen lassen. Jetzt wird sein Stil heftig kopiert, mal gelungen, mal eher nicht. Der Eingangsbereich zum zukünftigen Museum ist bereits fertiggestellt.

Im Uhrenmuseum treffen wir eine Dänin, die vor 18 Jahren mit ihrem Mann nach Neuseeland ausgewandert ist. Außer ihrer Arbeit im Museum ist Anne auch als Fremdenführerin tätig und hat für uns auch gleich ein paar Ausflugstipps. Wir unterhalten uns eine Weile über Maoris und Europäer (die anderen Einwohner Neuseelands), dann muss sie sich einer Besuchergruppe widmen und wir nehmen uns ihren ersten Tipp, die Whangarei Heads – Berge mit ausgeprägten Zacken – vor.

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Am nächsten Morgen fahren wir zu den Abbey Caves. Millionen von Glühwürmchen leben in diesen Höhlen. Sie sitzen an Höhlendecke und -wänden. Die Weibchen sondern klebrige Fäden ab. Durch das Licht angelockte Insekten bleiben hängen und werden verspeist. Auch die kleineren Männchen orientieren sich am Licht. Sie haben nach dem Larvenstadium weder Fress- noch Verdauungsorgane und sterben nach drei Tagen, in denen sie für Nachwuchs sorgen. Der Weg zu den Höhlen geht ständig bergab, an faszinierenden Bäumen vorbei. Der Abstieg zur ersten Höhle führt einige Meter ziemlich steil über spitze und nasse Felsbrocken zu einer eineinhalb Meter hohen Öffnung. Nur zu zweit und ohne Führer ist uns das einfach zu gefährlich. Wir wissen nicht, wie es da unten in der Finsternis bis zu den Glühwürmchen weitergeht, alles ist rutschig von vorangegangenen Regenfällen. Die beiden anderen Höhlen wirken auch nicht sehr Vertrauen erweckend, so bleibt es bei einem Rundweg auf matschigen Wegen über Viehweiden, zwischen Felsen mit schöner Aussicht in die Landschaft.

Anschließend fahren wir nach Kawakawa. Die einzige Sehenswürdigkeit der Kleinstadt ist tatsächlich die öffentliche Hundertwasser-Toilettenanlage.

Die Benutzung ist kostenlos und trotzdem ist alles sauber und gepflegt. An den umliegenden Lokalen wurde auch einiges gehundertwassert. Wenn Friedensreich das sehen könnte. Eine Kuriosität ist die Eisenbahn. Die Schienen verlaufen in der Mitte der Hauptstraße durch den Ort. Inzwischen werden sie aber nur am Wochenende  von einer Museumsbahn befahren,

Wir fahren über eine Straße mit vielen Abbruchstellen weiter nach Paihia und von dort Richtung Westküste.

Die Fahrt durch den Waipoua Nationalpark mit seinen Kauribäumen ist wieder traumhaft schön. Der Caravan Park am Rande des Trounson Parks ist selbst eine Sehenswürdigkeit. Zwanzig verschiedene Baumarten wachsen hier und unterhalb der Flussbrücke können wir in der Dunkelheit dann doch noch unsere Glühwürmchen sehen. Leicht grünlich schimmert ihr Licht. Es gibt auch welche, die blau oder pink leuchten.

Vor Betreten des Trounson Parks müssen wir unsere Schuhe desinfizieren und gründlich abbürsten. Die mächtigen Kauribäume haben eine Schwachstelle, ihr dicht unter der Erdoberfläche verlaufendes Wurzelwerk. Das Gewicht eines Menschen kann die zarten und zerbrechlichen Versorgungswurzeln dauerhaft so schädigen und mit Pilzsporen infizieren, dass der Baum abstirbt. Deshalb ist der Rundweg durch den Park ein höher gelegter Holzsteg. Das gut zu verarbeitende, in einem warmen Rotton schimmernde Holz wurde in der Vergangenheit für Haus- und Schiffbau verwendet. Heute stehen Kauribäume unter strengem Schutz. Nur Maoris dürfen diese Bäume auf Antrag fällen, wenn daraus traditionelle Kunstgegenstände geschnitzt werden. Das Harz der Bäume sieht aus wie Bernstein und wird zu Schmuckstücken verarbeitet.

Den letzten Abend im Camper verbringen wir in Orewa, einer schönen Stadt an der Hibiskus-Küste, beliebter Ausflugsort für die Auckländer. Und dann ist die Zeit mit unserem Camper auch schon zu Ende. Eine Chorfreundin gab mir den guten Rat mit auf die Reise: „Egal, wie lange ihr in Neuseeland bleiben wollt, plant eine Woche länger ein.“ Haben wir gemacht Moni, es wurden fünf statt vier Wochen, aber es reicht nicht. Wahrscheinlich reicht es nie. Am Freitag geben wir unseren Camper nach 32 Tagen zurück. Wir sind 5.400 Kilometer gefahren und haben 590 Liter Diesel verbraucht. Dafür wird jetzt noch eine Dieselsteuer fällig: 6,22 $ pro 100 gefahrene Kilometer.

Jetzt haben wir noch vier Tage in Auckland. Wir haben ein kleines Appartement in einer hauptsächlich von Studenten bewohnten Anlage gemietet. Manche registrieren erstaunt die älteren Besucher und fragen, wo wir herkommen.

Die Millionenstadt Auckland liegt auf einem Feld mit 53 erloschenen Vulkanen. Wir sind auf keiner Straße gelaufen, die keine Erhebung hat. Irgendwo geht es immer bergauf. Das Straßenbild ist multikulturell, die Restaurants sind zu mindestens 80 % asiatisch. Auch die Menschen auf der Straße stammen in großer Zahl von diesem Kontinent und die Bewohner und Besucher sind überwiegend jung. Universität und Fachhochschulen haben einen Großteil hierher gelockt.

In der Innenstadt ist auf einem Platz vor dem Theater eine überdachte Eisfläche. Egal zu welcher Tageszeit wir hier vorbei kommen, immer sind begeisterte Menschen auf dem Eis. In einigen Lokalen werden jetzt „Weihnachtsmenüs“ angeboten. Nur in der kalten Jahreszeit schmecken gebratene Gänse und Puten richtig gut.

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Am Hafen ist der Rumpf eines Segelschiffes in der Klasse des Amerika-Cup zu bewundern. Solche Boote haben wir schon im Fernsehen gesehen, aber die Länge von 42 Metern wirkt noch viel beeindruckender, wenn man darunter steht.

Sonntag laufen wir durch einen Park ins Museum. Der Eintritt ist für die Einwohner der Stadt kostenlos, Neuseeländer zahlen einen geringen Betrag und ausländische Touristen 25 $. Viele Familien sind mit ihren Kindern hier, vom Baby bis zum Teenager ist jede Altersgruppe vertreten. Im ersten Stock ist ein Kinderbereich mit eigenen Exponaten, Experimenten und Betreuung.

Wir staunen über die Kunstfertigkeit, mit der die Menschen aus Polynesien praktische und schmückende Gegenstände aus Naturmaterialien hergestellt haben. Muscheln, Kokosnussschalen, Wal- und Haifischzähne und die Fasern vieler Pflanzen wurden verarbeitet. Bauwerke der Maori mit filigranen Schnitzereien sind zu sehen. Boote mit ihren aus Pflanzenfasern gewebten Segeln, die zum fischen und Handel treiben genutzt wurden sind zu sehen. Eine ganze Abteilung ist den Vulkanen gewidmet. In einem Häuschen wird alle zwölf Minuten ein virtueller Vulkanausbruch gezeigt, passend dazu bebt das Haus. Die anwesenden Kinder lachen noch bei den ersten leichten Stößen, aber als die Geräusche lauter und die Bewegungen heftiger werden, flüchten sich einige doch auf den Schoß der Eltern. Das Schlussbild zeigt einen Stadtteil, nachdem sich die pyroklastische Wolke verzogen hat. Außer Asche ist da kaum noch etwas, so ähnlich muss es in Pompeji gewesen sein.

komische Vögel

In der Innenstadt reiht sich Geschäft an Geschäft, aber ein Shopping-Center gibt es hier nicht. Internationale Luxusmarken sind hier auch vertreten, aber größtenteils findet man Marken, die bei uns unbekannt sind. Wir stöbern eine Weile in einem japanischen Geschäft herum. Das Angebot reicht von A wie Augenbrauenstift bis Z wie Zwiebelschneider. Interessant, was in anderen Ländern für Utensilien in der Küche verwendet werden und welche Schreibmaterialien und Schönheitsartikel es gibt. Besonders gefallen hat mir ein selbstklebender „Teppichboden“ in Form einer Toilettenbrille. Gut für die Hocker, aber was machen die Sitzer?

Am Dienstag, dem 10. 7. lassen wir uns um 16 Uhr zum Flughafen fahren. Hier verläuft die Abfertigung ganz anders als bisher gesehen. An vielen Terminals drucken sich die Fluggäste ihre Bordkarte und Gepäckaufkleber selbst aus, marschieren damit zum Schalter und legen nur noch ihre Koffer auf das Transportband. Ein Stück weiter schiebt man seinen Pass in den Scanner, schaut unbeweglich in die Kamera und dann öffnen sich die Türen zur Sicherheitskontrolle, die noch von echten Menschen vorgenommen wird.

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unsere Route auf der Nordinsel

Unser Flugzeug, ein Dreamliner, steht schon auf dem Rollfeld, als wir informiert werden, dass wir nochmal zurück zum Rüssel fahren. Es steigen noch ein paar Passagiere zu (scheinbar VIPs) und dann startet unser zwölfstündiger Flug nach Los Angeles mit zwei Stunden Verspätung um 21.30 Uhr. Ich kann in Flugzeugen kaum schlafen, aber es gibt 92 Filme in deutscher Sprache zur Auswahl, vier schaue ich mir in dieser Nacht – die es eigentlich gar nicht gibt – an. Wir überfliegen die Datumsgrenze und kommen am Dienstag, dem 10. 7. um 15 Uhr, also noch vor unserer gestrigen Abflugzeit in Auckland, in LA an.

Kuala Lumpur – was für eine Stadt (Malaysia)

Um 6.25 Ortszeit (Colombo +2,5 h) landen wir in Kuala Lumpur. Noch ist es dunkel. Passkontrolle und Gepäckabholung funktionieren problemlos. Nun müssen wir uns in diesem riesengroßen Flughafen, der 50 km von der Hauptstadt entfernt ist, orientieren. Es gibt eine Schnellbahn, die in 28 min. am Zentralbahnhof ist. Wir kaufen ein 2-Tagesticket, mit dem wir sowohl in die Innenstadt kommen, als auch dort herumfahren können. Erst schaue ich noch interessiert aus dem Fenster, dann fallen mir die Augen zu, ich konnte im Flugzeug nicht schlafen. Viel zu schnell sind wir dann an der Sentral-Station. Erstmal gehen wir frühstücken, dann kaufen wir eine SIM-Card fürs Handy und danach suchen wir den Übergang zur Monorail. Drei Stationen weiter wir sind an unserer Haltestelle Hang Tuah. Bis hierher waren wir nur in klimatisierten Räumen und Zügen unterwegs. Draußen sind es schon über 30 Grad und wir laufen, unsere Koffer hinter uns herziehend zum vereinbarten Treffpunkt. Eine Frau um die fünfzig nimmt uns in Empfang und geht mit uns zu einem ca. 200 m entfernten Hochhaus. In der 25. Etage befindet sich unser Zimmer für die nächsten vier Tage. In diesem Haus existiert keine 4. Die Stockwerke 4, 14 und 24 heißen 3A, 13A und 23A.
Wir brauchen eine Dusche und Schlaf und verabreden uns für 13 Uhr wegen weiterer Informationen. Pünktlich ist sie da mit einem Plan auf dem die Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind. Sie gibt uns Informationen zu unserem Appartement und dem Haus. Dann verschwindet sie und wir fallen nochmal in Tiefschlaf. Nach dem wir ausgepackt haben, machen wir uns auf den Weg, die nähere Umgebung zu erkunden. Was für ein Unterschied zu Sri Lanka, da liegt kaum Müll herum, alles sieht unglaublich aufgeräumt aus. Und diese Hochhäuser! Sicher, die Petronas Zwillingstürme hat bestimmt schon jeder mal irgendwo abgebildet gesehen, aber hier sind einfach überall Hochhäuser,
DSC09507eine tolle Kulisse.

Ganz in der Nähe unseres Appartementhauses landen wir in einer Fressstraße. Links und rechts sind Stände aufgebaut, da werden schon Grills angeheizt, wird Wasser in kleinen Töpfen zum kochen gebracht und die Lebensmittel appetitlich präsentiert.

Wir laufen die Straße hoch und schauen uns links und rechts die Angebot an. Da läuft einem wirklich das Wasser im Mund zusammen.
Und hier sehe ich auch die erste Durian (Stinkfrucht). Der Verkäufer öffnet gerade die Schale und drinnen liegt das nierenförmige gelbe Fruchtfleisch. Hinter dem Stand sitzt die Kundin. Sie trägt Plastikhandschuhe, damit der Geruch des Fruchtfleisches nicht auf der Haut haften bleibt. Viele Hotels verbieten das Mitbringen dieser Früchte. Auch in Bahn, Bus und Flugzeug ist der Transport verboten. Der Gestank soll sich ca. eine Woche lang halten.


Wir suchen uns einen Platz vor einer der appetitlich aussehenden Küchen und bestellen mehrere kleine

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hier versucht das Essen zu flüchten

Gerichte. Alles schmeckt hervorragend. Später schlendern wir weiter in die Innenstadt und in eines der vielen klimatisierten Einkaufszentren. Der pure Luxus, alle Nobelmarken sind vertreten. Nicht unsere Welt, aber der Brunnen vor dem Center, der wie drei aufeinander stehende Reisschalen aussieht, ist schön.
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Unser Freund Peter hatte uns vor ein paar Tagen noch per E-Mail einige Informationen geschickt, und so fahren wir am nächsten Tag mit der Monorail zu den Petronas-Towers.
DSC09423Bei dieser Bahn ist der Bahnsteig durch Glaswände geschlossen. Erst wenn die Bahn kommt öffnen sich die Türen, so kann niemand auf die Schienen fallen oder gestoßen werden. Außerdem gibt es in der Innenstadt Busse, die Jedermann kostenlos nutzen kann.
P1070602Am Fuß der Zwillingstürme gibt es natürlich ein Einkaufszentrum, das keine Wünsche offen lässt.
DSC09424Die Dekoration ist riesengroß, fantasievoll und wird von den Besuchern eifrig fotografiert.
DSC09447Eine Bühne ist auch vorhanden, dort finden stündlich Vorstellungen statt.
Uns zieht es zum Supermarkt. Wir sind gespannt, wie das Angebot hier ist, und was das so kostet. Es gibt Lebensmittel aus aller Welt; einige sehr günstig, andere ziemlich teuer.
Vor den Türmen ist ein Park mit einem riesengroßen Spielplatz angelegt. Alles sehr gepflegt, sehr sauber, nichts liegt herum. Viele Familien treffen sich hier.

P1070626Die Kinder toben in klatschnasser Kleidung begeistert auf dem großen Wasserspielplatz.

Die Erwachsenen haben Essen und Getränke für einen ganzen Tag dabei und genießen das Zusammensein mit Freunden und Familie.
Für die Petronas-Türme gibt es Eintrittskarten für eine Besichtigung, bei der man sogar über die im 86. Stockwerk liegende Brücke von einem Turm zum anderen laufen kann.

Wir entscheiden uns für den eine Bahnstation entfernt liegenden Fernsehturm, damit wir von dort einen Blick auf die Petronas haben. Als Rentner werden uns sofort vergünstigte Eintrittspreise angeboten und wir kaufen ein Ticket bis ganz nach oben auf die offene Plattform. Hier kann man um den ganzen Turm herumlaufen.
DSC09453.JPGAn zwei Seiten ist ein Glassteg angebaut, den man nur ohne Schuhe betreten darf. Der Blick 300 m in die Tiefe ist nichts für Leute mit Höhenangst.
Als es auf den Abend zugeht machen wir uns auf den Weg ins chinesische Viertel.

Von der Richtung, aus der wir kommen, müssen wir uns erst durch den Kleidermarkt zwängen. Hier sind sie wieder alle vertreten die Nobelmarken, natürlich gefälscht und zum Bruchteil der Preise, die in den Einkaufszentren verlangt werden, aber offenbar sehr gefragt. Wir landen zum Schluss bei den Garküchen und bleiben auch gleich zum Abendessen. Zurück fahren wir mit der Bahn. Mit Hilfe der Pläne findet man sich schnell zurecht.
Gegen Mitternacht findet über Stunden ein riesiges Feuerwerk statt. Es knallt ununterbrochen, wir sehen den Wiederschein in den Fenstern der Hochhäuser gegenüber sind aber zu müde, um nochmal vor die Tür zu gehen.

Am nächsten Tag wollen wir uns im Stadtteil Brickfield das indische Viertel ansehen. Hier fand gestern Deepavali, das große hinduistische Lichterfest statt. Überall stehen noch Verkaufsbuden herum und auf den Tischen türmen sich die Reste der nicht verkauften Feuerwerkskörper. Natürlich kann man hier indisch essen. In dieser Stadt kommt wirklich jeder kulinarisch auf seine Kosten.
Für alle Sehenswürdigkeiten reicht unser viertägiger Aufenthalt nicht aus. Bei Temperaturen von 35 Grad lässt man sowieso alles etwas langsamer angehen. So laufen wir am letzten Tag noch ins alte Zentrum.

Neben der Moschee ist ein Einkaufszentrum mit Kunstgewerbe und Kitsch. Hier gibt es natürlich wieder ein verschwenderisches Warenangebot und bei dem einen oder anderen Artikel könnte ich mich durchaus vergessen. Aber erstens haben unsere Hartschalen-Koffer keinerlei Platzreserve und zweitens haben wir uns fest vorgenommen, nichts zu kaufen.

Den Abend beschließen wir wieder in der verlockenden Fressgasse in der Nähe unseres Appartements.
Kuala Lumpur hat uns sehr gut gefallen, und hier kommen wir definitiv noch mal her. Das Miteinander verschiedener Religionen und Rassen funktioniert hier offenbar problemlos und schafft ein weltoffene Atmosphäre. Aber morgen früh um 6.50 Uhr geht es erst mal nach Myanmar.

Rangun, Yangon, Rangoon (Myanmar)

Um 3.45 ist unser Taxi da und wir unterhalten uns mit dem Fahrer angeregt während der einstündigen Fahrt zum Flughafen. Er bestätigt unseren Eindruck des friedlichen Miteinanders in Kuala Lumpur und erzählt uns vom angenehmen Leben in der Stadt und im Land.
Mit einem satten Plopp landet der Leatherman in der Box für konfiszierte Gegenstände am Sicherheitscheck. Wie ärgerlich, Klaus hatte ihn im Rucksack vergessen. Das teure Multitool liegt nun zwischen ein paar gefährlichen Nagelscheren. Das tut weh. Dann kann der Flieger nicht starten, weil 5 Passagiere fehlen, deren 7 Koffer bereits eingeladen sind. Nach einer Stunde ist es soweit, und nach 2 ½ Stunden Flugzeit landen wir in Myanmar. Es gibt bei der Einreisekontrolle Schalter für Einheimische (sehr voll), Asiaten (weniger voll) und andere Fremdlinge (gar nicht voll). Unser vorher beantragtes Visum wird kontrolliert und abgestempelt, unsere Fingerabdrücke werden gescannt, und wir sind ganz schnell durch die Kontrolle. Die Koffer sind auch schon auf dem Gepäckband. Das war mal eine flotte Einreise. Wir ziehen Geld am Bankautomaten und haben für 220 Euro 300.000 Kyatt in der Hand. Hier kann man wirklich schnell Millionär werden. Am Schalter für die SIM-Karten lauern schon die Schlepper, die uns mit dem Taxi zu überhöhten Preisen in die Innenstadt fahren wollen. Wir hatten allerdings vorher gelesen, dass vor dem Flughafengebäude ein offizieller Schalter ist. Dort sagt man wohin man will, Entfernung und Preis werden ausgerechnet und man bekommt einen Voucher. Der Taxifahrer muss einen dann zu diesem Festpreis ans Ziel bringen. Die Preise sind deutlich niedriger als die in der Ankunftshalle genannten.
Unsere Unterkunft ist ein Hostel in der Nähe der Sule Pagode,
DSC09610und mitten im quirligen Leben Ranguns. In einem in der Nähe gelegenen japanischen Café gehen wir frühstücken und laufen durch die Gassen. Der erste Eindruck ist beklemmend. Es gibt moderne Restaurants, aber auf der Straße sind jede Menge Klein- und Kleinstgarküchen.
DSC09629Hier werden Pfannkuchen gebacken, Nudelnester frittiert, Wachteleier gebraten, Schweineinnereien gedämpft und da wird geschältes Obst verkauft. Und sowohl Köche als auch Kunden hocken auf Kinderstühlen und –hockern an Kindertischen. Der Abfall landet direkt im Rinnstein und hier mischen sich köstliche mit fauligen Gerüchen. Interessant zu sehen, wir würden auch gern verschiedenes probieren, aber erstens trauen wir der Tragkraft der Hocker nicht, zweitens finden wir das Drumherum nicht so appetitlich. Wir essen in einem der modernen Restaurants und schauen uns das Leben und Treiben danach weiter an.
DSC09608Die Häuser müssten fast alle dringend renoviert oder zumindest gestrichen werden. In dem Klima schreitet der Verfall rasch voran, und wenn nicht ständig etwas repariert oder verschönert wird, wirken die Gebäude schon nach 2 Jahrzehnten völlig heruntergekommen.
P1070662Die meisten Frauen und Männer tragen Longyis, die knöchellangen Wickelgewänder. Bei Männern sind sie zu einem Schlauch zusammengenäht, bei Frauen offen.
DSC09591Bei vielen sehen wir Thanaka, die gelbe Gesichtsbemalung. Sie wird aus Stämmen des Holzapfelbaumes mit Reibesteinen gewonnen, mit Wasser verrührt und zum Schutz vor Sonne und zur Pflege der Haut mehr oder weniger sorgfältig aufgetragen.  

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Geschäftchen in Hülle und Fülle sind hier vorhanden. Wieder geordnet nach Artikeln. Hier Elektrokabel und Sicherungen, dort Kochgeschirr, da drüben Werkzeug, und in unserer Straße Papier für alle Zwecke. Offenbar gibt es auch noch Schreiber, die im Auftrag Briefe mit der Hand schreiben. 

Die Wasserspender finden wir lustig und merkwürdig zugleich. Meistens stehen drei nebeneinander, aus Ton oder Plastik. Obendrauf liegt eine Tasse und das funktioniert dann so. Ein durstiger Mensch kommt, nimmt die Tasse und zapft oder schöpft Wasser, trinkt und stellt die Tasse dann wieder an den vorherigen Platz….
DSC09626Die elektrischen Leitungen erzählen auch eigene Geschichten. Wenn man sieht, wie viele Leitungen provisorisch an eine Hauptleitung angeklemmt werden, denkt man sofort an illegale Strombezieher.
DSC09613Wir sehen gegenüber der Sule Pagode einen Obelisken mitten in einem Park und setzen uns mit einem Fruchtsaft zu den vielen Menschen, die dort den Abend verbringen. Kinder toben auf dem Rasen herum, Liebespaare hocken nebeneinander, Familien machen Picknick. Eine schöne Atmosphäre.
Der nächste Tag steht unter dem Motto „religiöse Stätten“. Als wir zur alten Synagoge laufen hören wir Musik und sehen wir eine kleine Menschenmenge. Dazwischen bewegt sich etwas Dunkles.  

Wir denken an ein Tier, aber als wir freie Sicht haben, erkennen wir dass zwei Männer in einem Stierkostüm zur Musik tanzen. Zwischen die Hörner wurden Schnüre gespannt und die Menschen stecken Geldscheine dazwischen. 

Später sehen wir den völlig „erschöpften“ Stier vor dem chinesischen Tempel wieder. Inzwischen sind wir hungrig und setzen uns vor ein etwas größeres Lokal, weil es Stühle für Erwachsene hat. Links am Eingang hängen Plastiktüten mit Essensresten. Vermutlich können sich arme Leute hier etwas abholen, zumindest haben wir es in Sri Lanka so erlebt. Wir werden aufgefordert uns hinein zu setzen, was sich als richtig herausstellt; denn kaum steht unser Essen auf dem Tisch, geht ein Wolkenbruch nieder, wie es ihn nur in den Tropen gibt. Auf der anderen Straßenseite beobachten wir einen Mann, der diesen Regen als Dusche nutzt. Das Wasser sammelt sich in einer aufgespannten Markise und schießt in dichtem Strahl an einer Seite herrunter. Darunter steht er mit nacktem Oberkörper, seift Haut und Haare ein und spült die Seife wieder ab. Und weil es noch immer regnet, kann er anschließend auch noch eine kleine Wäsche machen.
Wir sind nicht weit vom Yangon Fluss – einem Seitenarm des Irrawaddy – entfernt und wollen da natürlich hin.  

Vor dem Ufer im Schlamm sind Marktstände aufgebaut. Alles wirkt erschreckend ärmlich, fast schon elend. Lastenträger schleppen Kisten, Säcke und Kanister zu den Schiffen. Größere Schiffe haben einen Landungssteg, aber die kleinen müssen direkt am Ufer festmachen. Da ist das Einsteigen und Beladen recht schwierig. Ständig legt ein Boot ab, ein anderes kommt an. Das Wasser ist trübe und ganz schön bewegt. Wir verabschieden uns von dem Gedanken, irgendwann eine Strecke mit dem Schiff zu fahren und machen uns zu Fuß auf den Weg zur 3 ½ km entfernten Swedagon Pagode, der imposantesten des Landes. Je näher wir kommen, um so sauberer die Straßen und Häuser. Als der nächste Wolkenbruch sich ankündigt, flüchten wir in ein Restaurant. 

Die goldene Pagode ist fast 100 m hoch und soll mit über 50 t Blattgold belegt sein. Es geht barfuß eine lange, von Läden gesäumte Treppe hinauf und durch eine Sicherheitskontrolle zur Kasse. Wir müssen beide Longyis leihen weil zu viel von unseren Beinen zu sehen ist. Als wir oben ankommen, stehen wir mit offenen Mündern da. Das hatten wir nicht erwartet. Von weitem ist nur die große Pagode zu sehen, aber hier ist ein Meer von Pagoden, und die Verziehrungen, die kleinen Tempel, die Gebetsstätten, wir sind völlig gefangen genommen von dieser Anlage und lassen uns einfach treiben. Auch ohne einen religiösen Zugang zu haben, ist man ergriffen.
Wir mögen uns jetzt nicht in einen Bus oder ein Taxi setzen, wir brauchen Zeit, die Eindrücke wirken zu lassen und laufen zurück.

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christliche Kirche – ganz ohne Gold

Die Prachtstraße wird weniger prächtig, die kleinen Stände stehen wieder im Schmutz am Straßenrand und dann auf der linken Seite plötzlich ein Einkaufszentrum; groß, prächtig, elegant und exklusiv mit Wachmännern und Sicherheitsschleuse. Ich empfinde es irgendwie als Provokation, aber vielleicht geht das nur mir so. Kurz darauf sind wir wieder in unserem Viertel mit den vielen Überlebenskünstlern.
Irgend etwas ist mir heute nicht bekommen, ich habe mir eine Magen-Darm-Infektion mit all den schönen Auswirkungen eingefangen und verbringe den Sonntag im Bett. Den Aufenthalt können wir nicht verlängern, unser Doppelzimmer ist ab morgen schon wieder vermietet. Deshalb suchen wir uns einen Ort aus, der in ein paar Stunden mit dem Bus zu erreichen ist.
Die Wahl fällt auf Taungoo, eine der früheren Hauptstädte des Landes in Richtung Mandalay – wohin jeder Myanmar-Tourist fährt – wir natürlich auch. Eine der netten Damen an der Rezeption bucht uns ein Busticket und schreibt alles wichtige für uns auf, einmal in birmanisch und einmal in englisch. 

Auf dem Weg nach Mandalay (Myanmar)

Am Montag Morgen lassen wir uns mit einem Taxi


durch dichten Verkehr 26 km weit zum Busbahnhof bringen. Hat uns der in Kandy schon erstaunt, ist hier alles noch um ein vielfaches größer. Der Taxifahrer muss fünfmal fragen, bis er die richtige Stelle findet und uns am Bus absetzen kann.
DSC09772Sofort stürzen zwei junge Männer herbei, nehmen unsere Koffer und befestigen Anhänger mit dem Namen unseres Zieles am Griff. Auch eine Getriebestange muss heute mit. Wir sind eine Stunde zu früh, aber es gibt einen Warteraum mit Verkaufstresen und Toiletten.


Nach und nach kommen die Passagiere und versorgen sich mit Proviant. Kekse werden schachtelweise gekauft, auch frisches Gebäck ist gefragt. Draußen laufen Frauen mit Tabletts auf dem Kopf herum, auf denen Wassermelonenstücke, Bananen oder mit Chili vermischte Mangoscheiben liegen. Einen der Kinderhocker haben sie sich über den Arm gehängt, damit sie entweder das Tablett abstellen oder sich von Zeit zu Zeit setzen können. Auch hier wird fleißig gekauft. Nur der Mann, der links Bügel mit Mädchenkleidern und rechts mit Fußballtrikots für Jungen trägt, hat heute kein Glück. Die Reisenden haben offenbar keinen Bedarf, alle Kinder sind bereits bekleidet.
Zehn Minuten vor der Abfahrtszeit wird die Tür geöffnet, aber wir haben reservierte Plätze, somit kann man sich Zeit lassen. Im Gegensatz zu Sri Lanka werden hier nur so viele Reisende mitgenommen, wie es Plätze gibt. Außerdem gibt es Sicherheitsgurte und an jedem Platz eine Flasche Wasser und eine Spucktüte, die später auch von vielen gebraucht wird.
Auf dem Fernsehschirm wird das Gebet eines Mönchs übertragen, das in Endlosschleife im Sprechgesang in etwa so klingt.
Uma nitti manga papi al di pittior
patta na getita jeje ride mar tador
Wir hoffen, dass der Fahrer nach dem Start aus- oder umschaltet. Aber scheinbar hat er so wenig Vertrauen in die eigenen Fahrkünste, dass er dieses Mantra auch nach dem Start für einen guten Reiseverlauf weiterdudeln lässt. Ich beginne mich nach Marika Röck zu sehnen.
DSC00086Draußen sind jede Menge Mopeds zu sehen. In Yangon fuhren keine, sie sind wohl aus der Stadt verbannt worden, aber hier werden sie als billiges Taxi genutzt. Die Frauen sitzen im Damensitz hinter dem Fahrer, manches Mal haben sie noch ein Kind auf dem Schoß. Da muss man das Denken über alles was passieren könnte sofort ausschalten.
Der Bus nimmt die Strecke über die Schnellstraße.
DSC09790Eine flache grüne Landschaft, immer wieder durchschnitten von lehmbraunen Flüssen und Bächen. An der linken und rechten Seite kommen Hügelketten in Sicht, und davor liegen Reisfelder. Wasserbüffel stehen und liegen herum. Der Bus verlässt die Schnellstraße und hält in einer kleinen Stadt. Gegenüber werden gerade mehrere
DSC09794Kartons mit Küken aus dem Bus ausgeladen und auch die Getriebestange hat ihr Ziel erreicht und wird hier schon erwartet.

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Die Proviantfrauen sind auch schon wieder da.

Weiter geht es jetzt über die Landstraße.


Der Reis ist bereits geerntet und trocknet auf großen Planen auf der Straße. An anderer Stelle wird schon zusammengeschaufelt und der Reis in Säcke verpackt. Links und rechts wird jeweils die Hälfte der Straße dafür beansprucht. Alle Fahrzeuge müssen ausweichen, finden offenbar alle ganz normal.
An der Endstation Taungoo warten schon wieder die „hilfreichen“ Geister. Die Männer versuchen, unsere Koffer zu schnappen, um sich die Passagiere zu sichern. Nichts da, wir halten eisern fest und wollen uns erstmal einen Überblick verschaffen. 2000 Kyatt pro Person nennt uns jemand, schnappt sich einen Koffer und hievt ihn auf sein Moped. Das machen wir auf keinen Fall, ruck-zuck ist der Koffer wieder unten. Wir suchen nach einem Auto, aber angeblich gibt es sowas in Taungoo nicht. Klaus versucht mit unserem Hotel zu telefonieren, bekommt aber keine Verbindung. „Wir laufen,“ verkünden wir den um uns herumstehenden Männern und machen uns auf den Weg. Einer kommt mit seinem Moped mit handgeschmiedetem Beiwagen mit zwei Sitzen hinter uns her und bietet an, uns beide für 2000 zu fahren. Wie soll das wohl gehen? Klaus sitzt vorne, ein Bein und einen Koffer auf der Fußstütze, das andere Bein frei schwebend. Ich mit dem Rücken zu ihm, den Rucksack auf den Knien. Der zweite Rucksack vor und der Koffer hinter dem Fahrer. Fünf Hände halten Gepäckstücke, die sechste den Lenker. Die Einheimischen amüsieren sich königlich und wir sind kurz darauf froh, heil an unserem Ziel anzukommen.


Unser Hotel ist ganz aus Teakholz gebaut, hat einen umlaufenden Balkon und liegt mitten im Grünen.

Teakhotel


Beim Frühstück am nächsten Morgen treffen wir ein deutsches Paar mit lebhafter, interessierter Tochter, die die zwei Wochen Herbstferien für eine Rundreise nutzen. Schade, dass sie kurz danach abreisen, es war so ein interessantes Gespräch.

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birmesische Vielfalt auf dem Frühstückstisch

Weil wir – auch Klaus ist mittlerweile betroffen – noch nicht wieder richtig auf dem Damm sind, verbringen wir einen ganz ruhigen Tag auf der Terrasse und verlängern unseren Aufenthalt noch um eine weitere Nacht.
Wir wollen wenigstens etwas von Taungoo sehen und leihen uns am nächsten Tag Fahrräder, um die rund 3 km in die Innenstadt zu fahren. Immerhin war es kurzzeitig mal Hauptstadt unter einem König.


Es geht durch kunterbuntes Marktgewimmel an einen kleinen See.


Viele junge Menschen sind hier, und fast alle haben sich zum Lernen hier her zurückgezogen, die Abschlussprüfungen stehen kurz bevor. Ein kleiner Spaziergang unter schattigen Bäumen und dann wieder zurück.


Es ist Mittagszeit und etwas weniger turbulent.

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Nur der Schmied arbeitet durch; vorschriftsmäßig mit roten „Sicherheits-Flipflops“ bekleidet.

 
An der Hauptstraße startet gerade ein kleiner Autokorso, scheinbar für eine Lotterie, mehr können wir nicht in Erfahrung bringen.


Die Transporter sind geschmückt mit den zu Fächern und Ornamenten gefalteten Losen und auch mit den Sachgewinnen. Es läuft flotte Musik und auf einem der Autos wird ausgelassen getanzt.
IMG_20171026_073451Um kurz nach sieben verlassen wir unser gemütliches Zimmer, das wir uns mit einem handgroßen (ohne Schwanz gemessen) Gecko geteilt haben. Hier haben wir uns richtig wohlgefühlt. Der Beiwagen unseres Fahrers ist etwas größer als der auf der Hinfahrt. Die Koffer finden noch unter unseren Sitzen Platz.
Wir knattern die Hauptstraße entlang, wo schon viele Menschen auf Fahrrädern und Mopeds unterwegs sind. Viele lachen uns an und winken uns zu. Der Fahrer biegt in eine Seitenstraße auf einen matschigen Platz mit vielen Schlaglöchern ein. „Hier?“ Das sieht eher aus wie eine Schuttabladestelle. Aber es gibt einen vorne offenen Wartebereich mit zementiertem Boden und er zieht ein paar Stühle für uns heran. Der Bus kommt, der Fahrer im Longyi steigt aus und verschwindet hinter dem Wartehäuschen. Wir hören Wasser plätschern, die Zahnbürste kommt zum Einsatz und er kommt nass und frisch wieder hervor und zieht sich im Bus Hemd und Hose an.
 
Zwanzig nach acht geht es los. Der Bus hat dick gepolsterte Sitze, und auch wieder die Wasser/Tüten-Ausstattung. Über eine Stunde kann man wieder dem betenden Mönch auf dem Bildschirm folgen. Dann bekommen wir einen Einblick in den hiesigen Musikgeschmack. Die Melodien erinnern an San Remo Schlagerfestivals aus den 50er Jahren. Dazu werden Videoclips nach folgendem Schema gezeigt: Sie trifft ihn oder umgekehrt. Man verliebt sich, es gibt ein Missverständnis, einen Streit. Beide gehen in unterschiedliche Richtungen sie weint oder schmollt. Er kommt zurück mit einer Rose und/oder einer Flasche Champagner, fällt vor ihr auf die Knie, sie verzeiht = Happy-End. Die Handlungen finden am See, am Flussufer oder in einer Villa statt. Danach läuft ein Film mit endloser Tragik.

mobiler Erdnussdämpfer rechts oben: Holz für Tanakapaste r. Mitte: allerlei Gegrilltes auch veganes


Während der Fahrt haben wir einmal 5 und einmal 30 Minuten Pause und noch eine unfreiwillige durch eine Polizeikontrolle, wo wir – die einzigen Ausländer im Bus – unsere Pässe abgeben müssen. Nach 10 Minuten kommt der Schaffner mit ihnen zurück und weiter gehts.
Nach 8 Stunden erreichen wir Mandalay.


Birmesen haben die Gabe, überall schlafen zu können. Kaum rollt der Bus, fallen sie in Tiefschlaf, auch die Kinder.
 
Hinweis: Manche Fotos sind nicht scharf, das liegt an den schlecht geputzten Fensterscheiben der Busse, trotzdem möchte ich sie gern zeigen.
 

Mandalay, der Irrawaddy und eine Brücke (Myanmar)

Nachdem wir uns durch die wartenden 15 Mopedfahrer gearbeitet haben, gelingt es tatsächlich ein Taxi zu bekommen, was auch den Namen verdient, also vier Räder hat statt zwei. Unser Hotel wurde erst Anfang des Monats eröffnet und lässt auf einigen Komfort hoffen. Die Anzahl des Personals ist für unser Empfinden dreimal so groß, wie in vergleichbaren deutschen Hotels. Wir bekommen ein Willkommensgetränk, bis die Anmeldung vollzogen ist. Dann wird unser Gepäck auf einen Messingwagen geladen – hatten wir auch noch nie – und in unser klimatisiertes Zimmer gebracht. Hier erwarten uns Bademäntel, Hausschuhe, eine Minibar, ein ganzes Tablett voller Pflegeprodukte, Kaffeepulver und Teebeutel und ein Wasserkocher und dieses Zimmer kostet inklusive Frühstück 15 € pro Nacht. Oft haben wir uns geärgert, dass in Deutschland in Gasthöfen oder Pensionen nichtmal ein winziges Stückchen Seife vorhanden war. An Seife hat es bisher in keiner unserer Unterkünfte gefehlt.
Irritierend, dass sich die Mitarbeiter immer vor uns verbeugen. Schon in Taungoo sind sowohl Frauen als auch Männer immer in gebückter Haltung an uns vorbeigelaufen, wenn wir auf der Terrasse saßen.
Den Abend verbringen wir mit dem kostenlosen Cocktail des Tages auf der Dachterrasse des fünfstöckigen Hotels – des höchsten Hauses in der Umgebung hier – und sehen uns ein traditionelles Marionettentheater an.

Das Personal ist manchmal etwas unbedarft (Besteck fehlt, Klaus sagt Bescheid und bekommt seins. Auf die Idee, dass ich auch eins brauche, kommt man nicht von allein), aber immer umwerfend liebenswürdig und freundlich.

Am nächsten Morgen laufen wir zuerst zum 10 Minuten entfernt liegenden Irrawaddy. Der Fluss kommt aus dem Himalaya und bringt tonnenweise Schlamm mit. An seinem Ufer ist eine Siedlung entstanden, die für uns bisher unvorstellbar war.

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Hier haben die Ärmsten der Armen sich aus allem, was nur irgendwie als Baumaterial zu nutzen ist Hütten gebaut. Der lehmige Fluss ist ihre Lebensgrundlage.

DSC09941Eine Mutter badet gerade mit ihrem Baby; sie ist bekleidet, das Kleine nackt.

Direkt daneben waschen Frauen die Wäsche, Kinder spielen und planschen, ein Stück weiter wird geangelt. Große und kleine Schiffe sind am Ufer vertäut. Wir können völlig unbehelligt herumlaufen, haben aber ein beklemmendes Gefühl, weil die Menschen hier unter so unwürdigen Bedingungen leben.
Mandalay war letzte Hauptstadt des Königreiches Birma. Die riesige königliche Palastanlage von 1857 wurde im zweiten Weltkrieg bei Kämpfen zwischen Japanern und Briten völlig zuerstört und 1990 unter der Militärregierung wieder aufgebaut. Diese Anlage ist unser Ziel. Sie liegt auf einem 2 x 2 km messenden quadratischen Areal, rundherum von einer Mauer und einem breiten Wassergraben umgeben.

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Als wir nach unserem Fußmarsch an einer der Brücken ankommen steht dort, dass Ausländer nur durch den gegenüberliegenden Eingang gehen dürfen. Jetzt noch mal 4 km, das ist uns in der Mittagshitze mit über 30 Grad einfach zuviel und wir nehmen ein Taxi. Für 10.000 Kyatt (6 €) pro Person bekommen wir Eintrittskarten, müssen aber dann noch unsere Pässe hinterlegen und bekommen ein Umhängekärtchen, das uns als Ausländer ausweist.
DSC09979In der Mitte der 4 km² großen Fläche liegt die Rekonstruktion des Palastes, den man wieder nur barfuß betreten darf.

Wir laufen von Haus zu Haus bis zum Wehrturm, von dem man nach 120 Stufen einen guten Überblick über die imponierende Palastanlage hat.

und davor findet sich auch noch ein Platz

Dann lassen wir uns in die Innenstadt in die Nähe der Einkaufszentren fahren, weil alle die wir bisher gesehen haben viele Restaurants hatten. Nicht so in Mandalay, hier fühlen wir uns um Jahrzehnte zurückversetzt und kehren gegenüber in einem der üblichen Restaurants ein. Zum Hotel fahren wir mit einem Sammeltaxi, die eigentliche Ladefläche hinter dem Fahrerhaus ist mit dicken Polstern ausgelegt. Darauf flözend kommen wir zu unserem Hotel, wo sofort 3 Mitarbeiter herausstürzen, um uns heraus zu helfen. Sie scheinen etwas verwirrt zu sein, dass wir mit so einem Gefährt unterwegs waren.


Am nächsten Tag laufen wir wieder Richtung Fluss, als wir von einem Tuktuk-Fahrer angesprochen werden. Er bietet uns für einen Betrag von 18 € eine Rundreise an und wir sagen spontan zu.

Es geht die Straße am Irrawaddy entlang, und hier setzen sich die Elendsquartiere fort. Dazwischen haben die dort lebenden Menschen Stände aufgebaut, direkt am Flussufer bearbeiten manche ein Stück Land und verkaufen die Ernte jetzt an der Straße. Andere verkaufen Holz und geflochtene Matten, Baumaterial zum Bau eines Hauses. Wieder andere bieten Korbwaren oder Tontöpfe an. Inmitten der über den Hochwasserdamm führenden vier Fahrspuren haben sich Menschen auf dem Grünstreifen aus Planen erbärmliche Behausungen errichtet. Jetzt ist es warm und trocken, aber in der Regenzeit muss es furchtbar sein.
Wir halten an einem Tempel, von dem aus man einen wunderbaren Ausblick hat.

Unter uns hat ein mit tausenden Säcken beladener Frachter festgemacht. Über Holzstege wird er von etlichen Tagelöhnern entladen. Wenn die sehen könnten, wie das anderswo im Minutentakt mit Containern funktioniert, würden sie die Welt nicht mehr verstehen.
Der Fahrer hält an einem Nebenfluss des Irrawaddy und bedeutet uns, ein Ticket zu kaufen. Er spricht nicht genug englisch, um uns zu erklären, was uns erwartet, also folgen wir der Aufforderung.

Wir werden mit einem Boot auf die andere Seite gebracht, und hier stehen mindestens 100 Kutschen mit kleinen Pferden davor. 

Wir laufen einfach los, aber man erzählt uns, wir müssten für viel Geld unbedingt Kutsche fahren, weil der Ort Ava (eine alte Ruinenstadt) 8 km entfernt sei. Es gefällt uns nicht, in einer Kolonne von Pferdekutschen durch die Gegend zu fahren, deshalb kehren wir um. Später hören wir, dass es in Wahrheit nur 300 m sind, aber es ist eben alles relativ.
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P1070933Weiter geht es zur U-Bein-Brücke, das ist ein 1,2 km langer Brückensteg aus Teakholz über den Taungthaman See.

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auch die beiden Prinzessinnen besuchen die Brücke

Beliebt bei Einheimischen und Touristen, dementsprechend ist der Weg dorthin mit Verkaufsbuden gepflastert. Auch auf der Brücke, die kein Geländer hat, setzen sich die Buden fort. Verkauft wird allerlei Krimskrams, aber natürlich auch wieder jede Menge Proviant. Gegrillte Krebse und auch Mäuse, die wir zuerst für Singvögel gehalten haben. Irgendwie haben wir noch keinen richtigen Appetit.

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Im See unter der Brücke wird geangelt, gefischt und die Wasserhyazinthen zusammengeschoben.

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er kommt beim Angeln garantiert nicht ins Schwitzen

Die Fotomotive sind großartig.
Nachdem wir zurück sind hält der Fahrer noch vor einer Weberei. Wir hatten schon auf der Herfahrt das Geklapper der Webstühle links und rechts der Straße gehört.

Hier wird wirklich noch auf alten Webstühlen gewebt. Baumwolle und Seide kommt zum Einsatz. Fasziniert beobachten wir zwei Frauen, die Jaquard auf althergebrachte Weise herstellen. Die verschiedenen Farben sind auf unzählige kleine Schiffchen gewickelt und werden vor Hand durch die Kettfäden geführt. Das Muster ist auf einem Blatt Papier skizziert. Die hier hergestellten Stoffe werden in der Mehrzahl für Longyis verwendet.
Der nächste Halt ist am Fuß des Mandalay-Hügels. Hier führen 1200 Treppenstufen (hatten wir doch schon mal) ganz nach oben zum Tempel, und die muss man – aus welchen Gründen auch immer – barfuß zurücklegen.

Wir machen uns mal wieder auf den Weg bergauf. Irgendjemand hatte wohl im Internet geschrieben, dass es lohnend sei, den Sonnenuntergang von hier oben zu fotografieren. Und so hocken über 100 Menschen dichtgedrängt am Geländer, die Kameras schussbereit durch die Gitterstäbe gereckt und warten darauf, dass die Sonne spektakulär untergeht. Als sie dann ganz normal untergeht, sind wir schon wieder unten und lassen uns von unserem Fahrer zum Hotel bringen.
Seit Tagen werden auf der Straße gegenüber alle möglichen Stände aufgebaut. Auch hier hängt wieder alles mit der Lotterie zusammen. Die Gewinne werden präsentiert, darunter Besen, Eimer, warme Decken, Kochtöpfe und Mönchsbekleidung. Ein Karussell nimmt die halbe Straße ein, und jetzt ist auch noch eine Bühne dazugekommen, die eine komplette Straßenhälfte beansprucht. Dazu dröhnt Musik aus Lautsprechern.
DSC00142Das dahinter liegende Restaurant ist heute Abend unser Ziel. Es ist an zwei Seiten offen und hat den Charme einer Fabrikhalle. Sollte sich das Geschäft nicht tragen, kann man hier immer noch Traktoren verkaufen oder Reissäcke lagern. Ich bin die einzige Frau unter über 100 Gästen und trinke – bestaunt von allen Seiten – Bier. Hier wuseln mindestens 15 Kellner herum, und eine Zuständigkeit nach Tischen scheint es nicht zu geben. Wir haben eine Schale Suppe mit zwei Löffeln hingestellt bekommen. Nachdem wir ein paar Löffel genommen haben, verschwindet die Schale und kurz darauf wird eine andere – voll und dampfend – vor uns hingestellt. Vermutlich ist es ein ewiger Kreislauf. Wenn die Gläser halb leer sind, kommt ein Kellner mit zwei eisgekühlten Gläsern und schüttet das Bier um. Zum Schutz der Bierdeckel wird noch Toilettenpapier unter die Gläser gelegt. Alles mutet für uns merkwürdig an, aber vermutlich sind wir das in den Augen der Einheimischen auch. Das Essen ist sehr gut, und wir handhaben die Stäbchen inzwischen auch ganz gekonnt. Wir beschließen den Abend auf der Dachterrasse unseres Hotels und lauschen einer Band mit guter Sängerin.
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Heute, am Sonntag, besuchen wir die Kuthodaw-Padode, die das größte Buch der Welt beherbergt.

eine Seite des „steinernen Buches“

In vielen kleinen weiß getünchten Stupas – es sollen 729 sein – steht jeweils ein ca. 90 cm hoher Marmorblock, in den auf beiden Seiten je ein Blatt von Buddhas Lehrschrift eingraviert ist.
P1070999Viele Touristen sind hier, aber es ist wohl auch ein beliebter Ausflugsort für Einheimische, denn die stellen die große Mehrheit.

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wenn ich groß bin, werde ich Tempelwächter

Danach lassen wir uns noch zu einer Werkstatt fahren, in der von Hand Blattgold hergestellt wird. Blattgold wird von jeder Bevölkerungsschicht gekauft, um es auf einer Statue oder einer Pagode zu opfern.

Goldkörnchen werden zwischen spezielles Papier gelegt, zwischen zwei Holzbretter gelegt und verschnürt und dann wird das Ganze mit einem Holzhammer so lange bearbeitet, bis das Gold zu einem hauchfeinen Blatt wurde. In einer abgeschlossenen Werkstatt werden diese Blättchen zwischen 5 x 5 cm großes Papier gelegt, passend abgeschnitten und gebündelt. Das für das Schlagen benutzte Papier wird mit einem dicken Lappen abgewischt und mit einer Talkumschicht versehen für den nächsten Durchgang. Die Fahrt zurück geht durch kleine Straßen, wir fahren an den Schreinerwerkstätten vorbei, dann bei den Steinmetzen und schließlich noch bei den Messinghändlern.
P1070886.JPGDas Tuktuk erregt überall Aufsehen, es gibt in Mandalay noch nicht viele und dann sitzen auch noch (blonde)Touristen drin.

Monywa, die Höhlen von Hpo Win Daung und ein altes Kupferbergwerk (Myanmar)

Unser Tuktuk-Fahrer vom Samstag fährt uns vom Hotel zur Busstation.
DSC00153Sofort rennen ihm etliche Männer entgegen, die wissen wollen wohin es geht. Einige wenden sich sofort enttäusch ab, als sie das Ziel erfahren, andere wollen uns überreden, woanders hin zu fahren. Zum Schluss bleiben zwei übrig, die uns zu einem Kleinbus bringen.

Buse transportieren auch Frachtgut / was nicht auf’s Moped passt kommt auf den Bus /i rgendjemand kauft immer was
Kopftransport ist ganz normal
schon früh an Technik interessiert


Die Koffer kommen zusammen mit Säcken und Paketen aufs Dach. Pünktlich um 11 Uhr geht es los. Nach 100 Metern stoppt der Bus und die zwei Gehilfen, die sich schon um uns gekümmert haben, rennen draußen herum und versuchen weitere Menschen dazu zu bringen nach Monywa zu fahren. Das wiederholt sich noch etliche Male, der Bus stoppt, die beiden schreien das Fahrziel in die Gegend und dann wird es wirklich so voll, dass einer der beiden vor der Flussbrücke zurückbleibt und der andere auf dem Dach mitfahren muss. Wir überqueren den mächtigen Irrawaddy und bestaunen mal wieder die angebotenen Waren links und rechts der Straße.
Ab und zu kommen uns Ochsengespanne entgegen. Nach ungefähr 1 ½ Stunden gibt es wieder eine Essenspause vor einem Lokal, nach 15 min geht es weiter. Nach und nach wird es leerer, und der Dachhocker kann wieder neben Klaus Platz nehmen. Exzessiv kaut er Betelnüsse und spuckt den roten Speichel in eine leider durchsichtige Tüte. Nach und nach kommt eine ganze Menge zusammen. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb schauen wir stur zur anderen Seite und versuchen auch die Nase zusammen zu kneifen. In Myanmar ist die Droge so sehr verbreitet, dass Männer nur deshalb attraktiv wirken, weil sie weiße Zähne haben. Das ständige Ausspucken, die roten Münder und Zähne, die schadhaften Gebisse sind einfach nur abstoßend. Die vielen roten Flecke auf Straßen und Wegen lassen anfangs an Messerstechereien oder Tieropfer denken, aber es sind die Rückstände der Betel-Junkies.
P1080004.JPGIrgendwann ist auch diese Fahrt vorbei, wir erreichen Monywa, die Stadt mit dem größten stehenden Buddha der Welt (130 m) und wir lassen uns von einem Tuktuk zum Hotel bringen. Wir verabreden uns mit unserem Tuktuk-Fahrer für den nächsten Tag zu einem Ausflug zu den Hpo Win Daung Höhlen.
Er holt uns pünktlich ab und wir rasen mit 20 km/Stunde über die Landstraße, überqueren zuerst den Chindwin, der in den Irrawaddy mündet und etwa 10 mal so breit ist, wie der Rhein bei Mainz, und später noch einen Nebenfluss.
p1080020.jpgZwischendurch sehen wir ein paar Menschen mitten auf der Straße hocken. Keine Absperrung, kein Warnhinweis, keine Warnweste, kein Aufpasser. In kleinen Körben haben sie Asphalt und bessern die schlimmsten Straßenschäden aus. Wo vorher tiefe Löcher waren, sind jetzt Beulen.

(etwas verwackelt während der Fahrt)


Und etliche Kilometer weiter sehen wir, wie Straßenbau in Myanmar funktioniert. Am Straßenrand liegen auf einer Seite Stein- und auf der anderen Sandhaufen. Männer und Frauen in der typischen Hockhaltung sortieren die kleineren Steine in gelbe Plastikbehälter von der Größe einer Auflaufform. Andere schaufeln Sand in ebensolche Behälter. Beides tragen sie zu einer nur für sie plausiblen Stelle und kippen die Behälter dort aus. Die großen Steine werden ein Stück weit auf der einen Fahrbahnseite und dann in Flächen von ca. 3 auf 8 Meter ausgebreitet. Dann ist ein ebenso großes Stück ausgelassen, usw. Später kommt noch eine Straßenwalze zum Einsatz, die jeweils diese paar Quadratmeter bearbeitet. Warum nicht durchgängig gearbeitet wird, kann uns niemand erklären.
Als wir die Höhlen erreichen, sind wir erstmal über den Betrieb dort erstaunt, es ist mal wieder ein Riesenfest, dieses Mal zu Ehren einer der Devas (überirdische, göttergleiche Wesen, die Gott dienen),
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was die Anwesenheit etlicher Marktbeschicker erfordert
Das Angebot geht über Spielzeug, Kleidung, Werkzeug neu und gebraucht und natürlich Lebensmittel frisch und verarbeitet. Zum ersten Mal sehen wir hier große Schüsseln voller gekochter weißer Stangen. Die Frauen schälen sie und legen sie in andere Schüsseln mit Essigwasser. Es riecht leicht säuerlich: „Das sind ganz frische Bambussprossen,“ erfahren wir.
p1080043.jpgÜppige Blumenkränze sind auch im Angebot und werden eifrig gekauft. Frauen und Männer tragen sie auf dem Kopf. Auch uns werden sie angeboten, ein: „Nein danke,“ wird widerspruchslos akzeptiert. Unser Fahrer hat uns seine Schwester als Führerin empfohlen und so lassen wir uns von dieser liebenswerten, klugen jungen Frau einiges erklären, was für uns unbekannt ist.

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Khaing-mar hat Jura studiert, findet aber in diesem Städtchen keinen Job und arbeitet als Fremdenführerin


Die beinahe 800 Grotten sind zwischen dem 14. Und 18. Jahrhundert aus Sandstein herausgearbeitet worden und in ihnen stehen, sitzen oder liegen  unzählige Buddha-Statuen von winzig klein bis sehr sehr groß.


Die Höhlen sind zum Teil mit Malereien ausgeschmückt.
Während ihrer Besatzungszeit durch die Briten wurde dieser Tempel gebaut.

Die beiden zusammengeklappten Regenschirme oben in der Mitte unter den britischen Insignien bedeuten, dass das Land nicht mehr unter dem Schutz des Königs steht.

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Blattgold auf Buddhastatuen zu kleben ist nur Männern gestattet

Das Gelände ist riesig, und ohne unsere ortskundige Führerin würden wir vieles gar nicht finden oder in von außen unscheinbare Grotten erst gar nicht hineingehen. Immerhin muss man jedesmal die Schuhe ausziehen.

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Im Becken hinter der Figur sammelt sich Regenwasser und quillt aus den Öffnungen; für Affen eine regelmäßig besuchte Tränke

Auf diesem Gelände leben rund 700 Affen, aber weil es am Vorabend ein großes lautes Fest mit Feuerwerk gab, haben sich fast alle in die umliegenden Wälder verzogen.
P1080056Nur ein paar besonders dreiste sind geblieben. Als wir einen steilen Weg herunterklettern, sitzt über uns einer auf einem Ast. „Schaut ihm bloß nicht in die Augen,“ rät Khaing-mar „er ist Einzelgänger und sehr aggressiv.“ Natürlich gehorchen wir aufs Wort.
Drei Stunden hat sie uns über das Gelände geführt. In dieser Zeit sind wir etliche Male angesprochen worden, ob wir uns fotografieren lassen würden.
P1080069Viele Menschen aus der Umgebung sind extra zum Fest angereist und haben offenbar noch nicht viele Touristen gesehen. Auch eine Schulklasse, kurz vor dem Abschluss, ist hier und jedes einzelne Mädchen möchte ein Bild zusammen mit uns.
Und heute erfahren wir auch, was es mit dem Verbeugen vor uns auf sich hat. Wir sind durch unser Alter Buddha schon näher und stellvertretend verbeugt man sich vor uns, was sich für diejenigen positiv auf das nächste Leben auswirkt.
Nach dem Ende der Führung treffen wir unseren Fahrer in einem Lokal. Wir suchen vor der Rückfahrt nochmal die Toilette auf. Dazu müssen wir durch die Küche nach draußen. Auf der nackten Erde hocken drei Mädchen; zwei pellen Zwiebeln, eine frittiert Erdnüsse. Gut, dass man nicht immer alles weiß.
 


Bei der Rückfahrt machen wir an einem ehemaligen Kupferbergwerk Halt. In einer Hütte aus Palmenzweigen haust auf dem Gelände eine Familie und wäscht aus dem  Abraum der Mine noch Kupfer aus. Keine Ahnung, wie sie hier in der Einsamkeit ihr Leben fristen. Das Wasser ist ungenießbar, das nächste Geschäft viele Kilometer entfernt. Man wird immer nachdenklich, wenn man sieht, wie hart manche für ihr Leben schuften müssen.

mit diesem Gefährt waren wir 80 km unterwegs

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unsere Strecke

Nach sieben Stunden sind wir zurück, vier davon sind wir in diesem Gefährt durchgerüttelt worden. Wir sehnen uns nach einer Dusche und einem festen Untergrund, auf dem sich unsere Innereien wieder an ihren angestammten Platz begeben können.
Abends essen wir im Hotel. Ich habe Fleischeslust und bestelle Hackbällchen vom Schwein und „deutschen Kartoffelsalat.“ Natürlich wird er nicht an den meiner Mutter heranreichen, aber gespannt sind wir schon, nach welchem Rezept hier gekocht wird. Die Hackbällchen sind unglaublich, klein wie Rumkugeln, außen knusprig und das Fleisch ist intensiv mit Ingwer gewürzt. So Leckere habe ich die noch nirgends gegessen. Und der Kartoffelsalat? Es kommt eine Platte mit ordentlich im Rechteck gestapelten Pommes Frites und darüber wurde etwas Mayonnaise gespritzt?!

Bagan, Tempel und Pagoden (Myanmar)

Halb elf werden wir abgeholt, unser Bus geht um elf Uhr. Als wir am Busbahnhof ankommen, sind mehrer Männer schon dabei, Körbe auf den Minibus zu laden.

Wir sehen nur, dass sie mit Bananenblättern ausgelegt und bedeckt sind, erst als aus einem Korb etwas herausfällt und sich als ein Stapel Betelpfefferblätter* entpuppt wird uns klar, dass wir heute mit einem „Drogen-Kurier“ unterwegs sein werden. Weit über zwanzig Körbe werden auf das Dach gehievt und übereinander gestapelt, da liegen noch Pakete und Säcke und unsere Koffer müssen auch mit. Und dann kommen noch zwei spanische Paare, die wir gestern schon in unserem Hotel gesehen haben mit vier Koffern. Aber irgendwie findet alles seinen Platz. Zum Schluss kommt erst eine grüne Plane und dann noch ein grobes Netz darüber, damit auch wirklich alles oben bleibt.

Nebenan wird gerade ein Motorrad vom Dach heruntergeholt. Hier ist wirklich alles möglich.


Und dann steigen alle ein. Alle zwölf Plätze sind besetzt, aber der Fahrer will sich zusätzliche Einnahmen nicht entgehen lassen, und so werden irgendwoher blaue Plastik-Kinderhocker gezaubert, und es gibt Platz für weitere 5 Personen, auf die Rückbank kann sich noch jemand quetschen und zwei Kinder werden auch noch untergebracht. Wir sitzen mal wieder Haut an Haut und die Fahrt geht ohne Pause in drei Stunden bis ans Ziel. Dort wartet bereits ein Taxi-Van auf die Spanier. Kurzentschlossen fordert der Fahrer uns zum Mitfahren auf. Wir müssen zwar in die entgegen gesetzte Richtung, aber das erledigt er geschickt in einem Aufwasch.
Unser Hotel hat eine schöne große Gartenanlage mit Bungalows, in denen jeweils vier Zimmer sind. Alle sind um den großen Pool herum angeordnet. Abends essen wir in einem Lokal, das sich der Ausbildung von Jugendlichen annimmt. Sie tragen weinrote Polohemden mit der Aufschrift „Student“. Es gibt ein paar Profis, von denen die jungen Leute lernen. Der Service ist wie immer in Myanmar noch zu verbessern. Obwohl fünf untätig herumstehen, kommt niemand auf die Idee, uns schon mal die Speisekarte zu bringen. Aber das Essen schmeckt gut.
Wir hatten uns für den neuen Tag E-Bikes bestellt. Ich hatte mir Fahrräder vorgestellt, aber es sind Mopeds und man kann zu zweit darauf fahren.
DSC00003Das muss Klaus übernehmen, ich lasse mich von ihm in der Gegend herumfahren. Diese kleinen Flitzer sind prima, völlig lautlos saust man mit bis zu 40 km/Stunde herum.


Das Gelände mit den angeblich 4.444 Pagoden ist unser Ziel. Über Asphaltstraßen und Schotter- und Sandwege geht es kreuz und quer durch das Gelände.

Wir halten an den verschiedenen Pagoden und Tempeln und fahren dann zu den vom Hotel empfohlenen und besonders sehenswerten.
 

wer braucht schon Katzenkörbe

Auch hier können wir eine Kloster-Höhle besichtigen, in verschiedenen Nischen stehen Betten, und die werden ganz offensichtlich noch benutzt.
Einer der großen Tempel wird gerade restauriert, wir schauen ihn von außen an, es sind so viele Besucher hier, denen ein Besuch der Buddhastatue wirklich wichtig ist, dass wir denen den Platz nicht wegnehmen wollen.

der Dhamma-ya-zi-ka Tempel trägt wegen  Erdbebenschäden gerade ein Gerüst aus Bambus, aber das macht ihn irgendwie geheimnisvoll

DSC00026Der nächste, der Dhamma-yan-ghi Tempel ist besonders alt und soll wenig besucht werden, aber das trifft heute keinesfalls zu. Bus für Bus werden Menschenmassen hierher gebracht. Es gibt mal wieder ein Fest, und es ist einen Tag vor Vollmondtag. Deshalb fahren wir noch ein wenig herum zu den kleineren unbedeutenden Pagoden. Als wir zu unserem Hotel zurückfahren schafft unser Gefährt mit Mühe und Not den letzten kleinen Anstieg; die Batterie ist leer. Wir könnten jetzt ein neues Fahrzeug bekommen oder die Batterie aufladen lassen, aber für heute reicht es. Wir wollen gerne in den Pool und genießen es, das große Becken für uns allein zu haben.

Abends laufen wir ca 1,5 km zu einer Straße, in der sich ein Lokal ans andere reiht. Dazwischen Shops mit mehr oder weniger schönen Dingen.
In die traditionellen Schirme – die auf einfarbigen Stoffen schwarze Malereien haben – habe ich mich verliebt, und würde am liebsten hemmungslos einkaufen, aber….
Auf dem Rückweg kommen wir an einem großen Reisebus vorbei. Die Menschen richten sich gerade auf dem Bürgersteig vor einem Hotel mit Decken ihr Nachtlager. Die Kinder schlafen schon, die Erwachsenen sitzen noch auf kleinen Plastikhockern und unterhalten sich. Sie sind bestimmt wegen des Festes gekommen, haben aber wahrscheinlich nicht das Geld für eine Übernachtung im Hotel.

Am nächsten Tag geht es nochmal per E-Bike zu den Pagoden, natürlich schafft man es nicht, alle zu sehen, aber es ist unglaublich, was Menschen hier im Laufe der Jahrhunderte geschaffen haben

Die meisten sind aus roten Ziegelsteinen gebaut, einige weiße gibt es und auch Blattgold kommt hin und wieder zum Einsatz. Uns fällt auf, dass den Buddhastatuen häufig Geldscheine in die geöffnete Hand gelegt wird. Auch den Löwen, die als König der Tiere Buddha nahe stehen, werden Scheine in die immer offenen Mäuler gesteckt. Dasselbe bei Kobras, die sich nach der Erzählung aufgebläht über Buddha aufrichteten, um ihn bei seiner Meditation vor dem niedergehenden Regen zu schützen, sind die Mäuler voller Geld.

Es sind leider wieder zu viele Menschen unterwegs und auf den Sandwegen schlucken wir eine Menge Staub. Deshalb freuen wir uns nochmal über die Möglichkeit zum schwimmen und die Natur zu genießen  bevor es morgen früh auf den langen Weg zum Inle-See geht.

* ) Betelpfeffer gehört zur Gattung Pfeffer und wird genommen, um kleine Stücke der Betelnuss (Frucht der Betelpalme) zusammen mit gelöschtem Kalk und Gewürzen einzuwickeln. Diese Betelbissen werden ca. 1 Stunde lang gekaut und erzeugen dabei Wohlbefinden, aber auch Übelkeit, starkes Schwitzen und Erbrechen und langfristig Zahnfleischschwund.

Dörfer, Gärten, Fischer – der Inle-See (Myanmar)

Halb acht holt uns der Minibus im Hotel ab. Wir kurven noch ein wenig durch Bagan um an verschiedenen Hotels weitere Fahrgäste abzuholen. Dann geht es auf eine Ausfallstraße. Als der Bus nach einer halben Stunde in den Busbahnhof einbiegt, denken die meisten, dass wir jetzt in einen „richtigen Bus“ umsteigen. Nein, der Fahrer gibt nur das eingesammelte Fahrgeld in einem kleinen Büro ab, dann geht es weiter. Er telefoniert ständig, und der Zweck ist auch bald klar, er nimmt noch weitere Passagiere mit. Wo das Fahrgeld wohl landet?
Dieses Mal sind wir nicht allein in unserer Altersklasse. Vor uns ein Paar aus Holland, hinter uns eins aus Süddeutschland. Dazu zwei Franzosen, ein Engländer und einige Einheimische. Die Fahrt geht über Meiktila, die Stadt die so malerisch am gleichnamigen See liegt, auf dem im Sonnenlicht das golfarbene Schiff in Form einer Ente glänzt. 2013 gab es hier Zusammenstöße zwischen Buddhisten und Muslimen, die Tote und Verletzte forderte und viele Häuser zerstörte.
Als wir in die Berge kommen, halten wir vor einem kleinen Lokal, wo alle sich etwas zu Essen bestellen. Damit haben wir die Hälfte der Strecke hinter uns. Für die beiden anderen Paare und den jungen Engländer geht es noch schneller, sie wollen nur bis nach Kalaw, wo wir um halb drei ankommen. Sie haben alle eine Trekkingtour gebucht. Es geht zwei oder drei Tage in den Dschungel zu einem Elefantencamp. Die Besucher können die Elefanten im Fluss waschen. Wahrscheinlich sind die grauen Riesen inzwischen schon ziemlich dünnhäutig.
Für die Franzosen und uns geht die Fahrt nach einer kurzen Pause weiter.

Die Fahrt durch die Berge verlangt dem Fahrer alles ab, aber es ist wunderschön. Nach einer Stunde stoppt der Bus, soll das schon das Ziel sein? Nein, wir steigen um in einen großen Bus. Jetzt wird auch klar, was da heute morgen gelaufen ist. Wir waren die einzigen, denen man gesagt hatte, dass die Fahrt mit einem Minibus durchgeführt würde, die anderen erwarteten den großen, komfortablen Bus. Der war aber bereits voll, deshalb wurde der kleine zusätzlich eingesetzt. Inzwischen sind Plätze frei geworden und jetzt können wir einsteigen und der Minibus kann den Rückweg antreten. Die letzten 15 Kilometer bis Nyaung Swe geht es am Fluss entlang, der in den Inle-See mündet. Soweit man schauen kann, sind Reisfelder angelegt.Und vorne, auf dem Wasser sind viele, viele Enten zu sehen. Die Franzosen sind gestresst, sie haben für die erste Nacht ein Hotel am Seeufer gebucht, und wollen rechtzeitig zum Sonnenuntergang dort sein. Das ist eigentlich kaum noch zu schaffen.
Wir laufen mit unseren Rollkoffern ca. 800 m bis zu unserem Hotel. Eine kleine Anlage mit 9 Reihenbungalows und sehr vielen Pflanzen, so dass man sich wie im Urwald fühlt. Es ist frisch in Nyaung Swe, wir haben vielleicht noch 22 Grad, immerhin liegen wir beinahe 900 Meter hoch. Im Hotel gibt es Steppdecken für die kühlen Nächte und wir brauchen das erste Mal morgens und abends eine Jacke.
Abends wollen wir ein im Internet gut bewertetes Lokal aufsuchen, aber der Besitzer meint, dass es jetzt um sieben Uhr schon zu spät sei und wir morgen Abend wiederkommen sollen. Er bietet uns aber gleich eine Bootstour an. Das wollen wir dann am nächsten Abend mit ihm besprechen und laufen weiter zu einem von ihm empfohlenen Lokal, ca. 5 Minuten die Straße runter.
Dabei kommen wir an einem Kloster vorbei. Die Anlage ist unglaublich groß und auch zu dieser Zeit laufen noch Mönche auf dem Gelände herum.
Am nächsten Morgen nach einem Frühstück unter anderem mit Avocados (es ist gerade Erntezeit) und Bananenpfannkuchen wollen wir uns die Stadt ansehen.

Als wir am Kloster vorbeikommen, laufen die Novizen gerade zum Unterricht in das Schulgebäude.
 


In der Stadt wimmelt es nur so von Menschen. Viele sind auf Mopeds unterwegs. An der Straße wird gearbeitet, die Bürgersteige sind nur manchmal zu benutzen. Wir überqueren einen Bach und kommen zum Fluss.

Hier herrscht reger Betrieb. Lange Boote knattern hin und her, mal sind Touristen drin, mal sind es Lasten unterschiedlicher Art.
 

Ein Stück weiter kommen wir zu einer Kleinst-Tankstelle. Auf der Straße lagern Benzinfässer. Mit Hilfe großer Trichter wird der Inhalt in Wasser-, Öl- oder sonstige Flaschen gefüllt und literweise verkauft. Der Benzingeruch lässt die Augen tränen, aber die Menschen die hier leben, scheinen das nicht mehr zu bemerken.
Als wir abends zum vereinbarten Zeitpunkt zum Lokal kommen, ist es geschlossen. Wir wollen gerade umkehren, da kommt Tan, der Besitzer heraus und erklärt uns, dass sein Koch heute nicht kommen konnte, deshalb gibt es kein Essen. Aber über die Bootstour müssen wir noch reden. Wir stimmen zu, am nächsten Morgen um halb neun zum Lokal zu kommen. Er wird als Begleiter mitkommen, um zwischen uns und dem Bootsführer zu dolmetschen. Und bezahlen müssen wir gleich, sonst kann der Bootsfahrer kein Benzin kaufen.
Wir treffen uns vor dem Lokal und laufen gemeinsam los. Auf dem Weg zur Anlegestelle zeigt uns Tan noch den Betrieb seines Schwagers.
 

Der baut Tomaten auf den schwimmenden Gärten auf dem See an und verschickt sie nach Rangun und Mandalay. In einer großen luftigen Halle hocken Frauen auf dem Bambusboden und sortieren einen großen Berg Tomaten in Körbe, die dann in selbst gezimmerte Holzkisten verpackt und zugenagelt werden. Der Tomatenberg ganz hinten ist noch grün, aber auch so werden sie für verschiedene Gerichte verwendet.
 

Unsere Anlegestelle ist klein und abgelegen. Auf dem langen Boot stehen drei Holzstühle, die Lehne mit Schwimmwesten gepolstert, seitlich stecken drei Schirme, hilfreich gegen Regen oder Sonne. Nacheinander steigen wir ein, setzen uns hin und los geht es.
 

Erst müssen wir 6 km auf dem kanalähnlichen Zufluss zurücklegen, bis wir den etwas über 20 km langen und bis zu 10 km breiten und in der Regenzeit 3,5 m tiefen See erreichen. Er liegt malerisch zwischen zwei Gebirgszügen und ist für die Bewohner und Anrainer die Lebensgrundlage durch Fischfang und Gartenbau; mittlerweile natürlich durch Einnahmen aus dem immer stärker werdenden Tourismus ergänzt.
 

Gleich am Anfang warten ein paar Fischer mit den früher verwendeten Bambuskörben, die über die Fische bis fast zum Grund „gestülpt“ wurden.

Auf Aufforderung und gegen Trinkgeld posieren sie für die Kamera. Wir fordern allerdings nicht auf, und wirklich ein Stück weiter sind dann die echten Fischer unterwegs.
 

Sie beherrschen ebenfalls die Einbein-Rudertechnik, verwenden für ihren Fischfang aber moderne, mit Blei beschwerte Wurfnetze. Wir finden das genauso bewundernswert.


Viele Boote sind unterwegs, aber in den meisten sitzen Einheimische, die Waren transportieren oder irgendwohin unterwegs sind.
 


Wir kommen zu einem Fischerdorf, das komplett auf Stelzen errichtet ist,

selbst die Schule ist nur auf dem Wasserweg zu erreichen. Manche Häuser haben Verkaufsbuden integriert , der obligatorische Tempel ist auf aufgeschüttetem Erdreich vorhanden. Ich stelle mir vor, wie eine Frau am Wochenende ihren Mann fragt: „Schatz, paddelst Du mal schnell zum Bäcker?“ Das Wasser des Sees wird zum Waschen und Kochen genutzt. Muss aber auch Abfälle und das Abwasser mit allen Bestandteilen aufnehmen.
 

Neben den Fischern und Gärtnern gibt es auch Handwerker. Unser erster Halt ist an einer Handweberei. Nur am Inle-See wird Lotusseide hergestellt, die teuerste Seide der Welt. Die Lotusstängel werden in Stücke geschnitten, die spinnwebfeinen Fäden herausgezogen und noch feucht mit den nächsten verzwirnt. Pro Tag schafft eine Frau 20 m. Die werden auf Spulen gewickelt und verwebt. Der entstandene Stoff ähnelt Wildseide, ohne deren Glanz zu haben. Erst nach dem Waschen fühlt sich das Material weich und schmiegsam an. Ein italienischer Modeschöpfer ist auf das Material aufmerksam geworden und stellt Herren Sakkos zum Preis von 6.500 € daraus her. Es kann nicht die Schönheit des Stoffes sein, die Menschen zum Kauf annimiert. In Kombination mit echter Seide entstehen allerdings schöne Effekte. Reine Seide und Baumwolle wird verwebt oder auch Mischungen aus Baumwollkette mit Seidenschuss.

Gerade entsteht auf dem Webstuhl, der eine Technik wie vor ein paar hundert Jahren hat, ein Seidenschal mit Inle-Muster. Das unterscheidet sich durch einen breiten roten Streifen am linken Rand vom Shan-Muster. Jeder Schuss des Schiffchens muss per Handzug am Seil ausgelöst werden,

gleichzeitig bedienen die Füße die Pedale aus Bambusstangen, um entweder den 1., 3. und 5. usw. oder 2., 4. und 6. Kettfaden zu heben.

An einem der Webstühle sitzt ein etwas zweijähriges gelangweiltes Mädchen neben seiner Mutter. Hier auf dem See kann man die Kinder nicht sich selbst überlassen, und Mama muss halt arbeiten.
Der nächste Stopp gilt sowohl einer Schreinerei (Boote und Möbel) als auch einer Zigarrenmanufaktur.
 

Zwei Männer sind dabei, ein Teakholzbrett nach alter Methode der Länge nach mit einer langen Säge zu teilen. Ein Mann steht auf der Erde und klemmt das Sägeblatt mit einen speziellen Griff fest, der andere einen guten Meter über ihm auf einem Gestell am anderen Ende der Säge.. Einen breitkrempigen Zimmermanshut für den Mann unten gibt es allerdings nicht. Ein Tourist bittet darum, es auch mal versuchen zu dürfen, und der eine Arbeiter macht ihm bereitwillig Platz. Es scheint aber nicht so einfach zu sein und endet mit dem Abrutschen der Sägeblattklemme, der Mann beendet seinen Versuch.
 


In der Manufaktur stellen Frauen Zigarren her. Viele Kräuter und Gewürze werden in Blätter (kein Tabak) gerollt und mit einer Bauchbinde versehen. Ein ganz kurzer Zug bestätigt was uns unser Begleiter schon erzählt hat, es schmeckt süß. Eine Frau stellt 300 Zigarren pro Tag her. Hier werden sie in hübschen Lackdosen oder –schachteln verkauft.

Als wir mit unserem Boot in den nächsten Kanal einbiegen steht da ein Plakat, das für einen rauchfreien Inle-See wirbt.
Natürlich will man bei diesen Besichtigungen immer etwas in den dazu gehörenden Shops verkaufen, aber es wurde nie versucht uns was aufzudrängen.
Auf dem See gibt es auch einen Tempel und eine Pagode. Wir verzichten aber gern auf den Besuch, erstens drängen sich hier die Touristenboote in Dreierreihen, zweitens haben wir schon so viele gesehen, dass wir sie später auf den Fotos nur schwer auseinander halten können.
Den Besuch einer Silberwerkstatt wollen wir aber nicht ausschlagen und lassen uns von einer jungen Frau in englisch die Geschichte der Familie erzählen, die bei uns mehr Fragen als Antworten hinterlässt. Wir verstehen ihre Aussprache einfach nicht. Nur wenn wir etwas gezeigt bekommen, können wir uns den Inhalt zusammenreimen. Sie zeigt uns einen Gesteinsbrocken, der Silbereinschlüsse hat. 3 % des Metalls können heraus geschmolzen werden.
 

Das Gestein wird zerkleinert, mit Säure behandelt und in eierbecherkleinen Tiegeln über offenem Holzkohlefeuer so lange erhitzt, bis das Metall freigesetzt und in eine Form gegossen werden kann. Die erkalteten Silberbarren (99%) sind dann zur Verarbeitung bereit.
An mehreren Plätzen können wir dann die weiteren Arbeitsschritte sehen. Da wird tatsächlich aus Millimetergroßen Ringen eine Halskette Glied für Glied zusammengesetzt.
Auch der typische Inle-Schmuck, flache Scheiben aus einem zur Spirale gelegten Draht mit einer Halbkugel in der Mitte entsteht hier. Im Verkaufsraum dann jede Menge Schmuck, der es anscheinend mit den Kronjuwelen der Queen aufnehmen soll.
Wir fahren erstmal zum Mittagessen. Das Lokal steht natürlich auf Stelzen im Wasser.

Immer wenn ein Boot anlegt sind hilfreiche Hände zur Stelle, die das Boot festhalten, beim Ein- und Aussteigen behilflich sind, und das alles ohne ein Trinkgeld zu erwarten.

Die Toilette ist 30 Meter entfernt in einem Extra-Stelzenhäuschen. Das Abwasserrohr endet ca. 70 cm über dem See.
Auf die Besichtigung der Kayan (beleidigend Giraffenfrauen), denen man schon im Kindesalter Messingspiralen um den Hals windet, verzichten wir. Der Brauch wird im Volk der Kayan immer noch praktiziert, aber ein Besuch dort ist nicht empfehlenswerk. „Die Männer schießen auf Besucher,“ erzählt uns Tan. Aber diese Zurschaustellung hier ist irgendwie würdelos, wie früher auf Jahrmärkten, die Frau mit zwei Köpfen oder der dickste Mann der Welt usw.
 

So lassen wir uns durch ein anderes Dorf zu den schwimmenden Gärten fahren.
 


Das Boot gleitet auf schmalen Kanälen mitten hindurch. Frauen ernten – auf Kanus stehend –Tomaten, Bohnen und Erbsen. Wenn ein Boot kommt, machen diese Gärten jede Wellenbewegung mit. Die Basis bildet ein dichtes Geflecht aus Wasserhyazinthen, darauf eine Schicht Humus vom Seeboden und dann kann es schon losgehen mit säen und pflanzen und natürlich ernten.
 


Als wir zurückfahren sind die Fischer dabei mit Paddelschlägen die Fische in die aufgespannten Netze zu treiben. Eine andere Fischfangweise. Eigentlich steht jetzt noch eine Schwimmpause an, auch darauf verzichten wir und lassen uns zurückfahren zum Ausgangspunkt. Wir verlassen diese eindrucksvoll Kulisse mit den Eindrücken vom Leben auf dem See.
Abends kocht Tans Frau Niemy für uns und wir finden uns um sieben in ihrem Restaurant ein. Wir sind die einzigen Gäste, schade für die Kochkünste dieser fröhlichen und herzlichen Frau.
Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen abreisen, aber Klaus hat einen Magen-Darm-Virus erwischt, und wir können zum Glück in unserem Hotel eine weitere Nacht bleiben. Wir treffen uns mit Tan, der uns Busfahrkarten nach Bago besorgen will, wo wir umsteigen wollen in einen Bus nach Mawlamyine. Er lässt sich von uns 30.000 Kyatt (18€) geben und saust mit seinem Moped los. Er kommt mit der Nachricht zurück, dass es einen Bus nach Bago gibt, wie es von dort weiter geht weiß er allerdings nicht. Auf die Frage, um welche Uhrzeit der Bus abfährt, kann er nur die Schultern zucken. Danach hat er nicht gefragt und fährt ein zweites Mal los. Dann ein drittes Mal, um die Karten zu kaufen. Jetzt erfahren wir allerdings, dass der Bus gar nicht in Bago hält, sondern bis Rangun durchfährt. Da müssten wir zwei Stunden von Bago in Richtung Süden fahren und zwei Stunden zurück. Das ist Zeitverschwendung, also gibt uns Tan unser Geld zurück.
Im Ort finden wir ein Reisebüro mit einer sehr kompetenten Frau. Von ihr erfahren wir, dass wir Karten direkt nach Mawlamyine lösen können, nur in der Hauptstadt Naypyitaw müssen wir umsteigen. Wir zahlen für die gesamte Fahrt 23.000 Kyatt (14€), und darin ist auch noch die Abholung per Pickup enthalten.