Kaum haben wir den Nationalpark verlassen, wird die Autofahrt unangenehm. LKW ohne Ladung drängen von hinten, die Potholes auf der Straße machen allerdings schnelles Fahren mit dem kleinen PKW unmöglich. Links und rechts der Straße steht dichtes Grün, hier liegen private Naturparks, die vom Ruf des Krügerparks profitieren. In regelmäßigen Abständen warnen Verkehrsschilder vor Flusspferden, Elefanten und Warzenschweinen.





Ich bin froh, als wir nach rechts Richtung Gravelotte abbiegen können. Die Freude ist allerdings von kurzer Dauer, diese Straße hat mehr Löcher als Asphalt. Wir entschließen uns für einen großen Umweg, der uns durch riesige Obstplantagen führt. Die Villen der Besitzer sind groß und prächtig und die Hotels in dieser Gegend im oberen Preissegment angesiedelt. In Lorraine bei Trichardtsdal habe ich was gefunden. Wir sind überrascht, einige französische Namen zu lesen und gespannt, was uns erwartet. Die Malala-Lodge erreichen wir gegen 18 Uhr. Im Hof sitzen Männer und Frauen herum und staunen über die einzigen weißen Besucher. Der Besitzer steht hinter der vergitterten Rezeption und weist uns den Weg durch die mit einem massiven Tor verschlossene Zufahrt zu den Zimmern. Unseres hat ein frisch bezogenes Bett, ein Badezimmer, das man ohne Schuhe nicht betreten möchte und einen Wasserkocher, den man nicht einstöpseln kann, weil die Steckdose kurz unter der Zimmerdecke angebracht ist und das Kabel zu kurz ist. Unsere Frage nach einem Restaurant lässt ihn mit den Schultern zucken. Wir müssen schleunigst noch ein paar Kilometer zum nächsten Einkaufszentrum fahren, wo – welche Freude – KFC der einzige offene Laden ist. Wir kaufen etwas zum Mitnehmen und sehen zu, dass wir zurück in der Lodge sind, bevor es völlig dunkel ist. Schlaglöcher, Kühe auf dem Heimweg, Autos ohne Licht und Menschen auf der Straße erschweren den Rückweg. Aber wir schaffen es.
Am nächsten Morgen überreichen wir dem Zimmermädchen unsere Kühltasche mit den restlichen Lebensmitteln und die nach und nach angeschafften Kochutensilien. Ich werde herzlich umarmt und habe das Gefühl, die Sachen haben die richtige Besitzerin gefunden. Die Suche im Internet nach Frühstückscafés zeigt gleich drei Möglichkeiten, alle mit französischen Namen. Allerdings befinden sie sich in 30 bis 40 Kilometer Entfernung, und zwar in die entgegengesetzte Richtung. Bei dem Zustand der Straße kommt das überhaupt nicht infrage. Wir fahren los und sehen bei Sonnenschein die Schönheiten Lorraines. Links in einer schiefen Wellblechhütte ein Schönheitssalon, rechts der „Coiffeur“. Es gibt Läden für alles und jeden, und man muss den Optimismus bewundern, großspurige Bezeichnungen auf rostigen Untergrund zu pinseln. Nach einer Stunde erreichen wir die hübsche Stadt Tzaneen inmitten des fruchtbaren Obstanbaugebietes. Wir können in einer großen Gärtnerei frühstücken. Wie bei vielen Lokalen gibt es einen großen Spielbereich für Kinder und die Eltern sitzen auf der überdachten Terrasse oder auf dem Rasen, und schauen beim Essen ihren Kindern zu.


Auf besserer Straße kommen wir gegen Mittag nach Polokwane. Da unser gebuchtes Zimmer nur unwesentlich teurer ist als das letzte, erwarten wir nichts besonderes. Aber dieses Mal werden wir positiv überrascht. Das Zimmer befindet sich in einer Villa mit Pool. Die schwarze Haushälterin begrüßt uns, führt uns herum und fragt, ob wir ihr 5 Rand für den Bus geben können. Wir können und dann genießen wir die gepflegte Umgebung, unsere eigene kleine Terrasse und das duftende Bettzeug. Nach der vielen Fahrerei der vergangenen Tage haben wir keine Lust, die eigentlich sehenswerte Hauptstadt der Provinz Limpopo zu besichtigen. Auch abends wollen wir nicht mehr weg und bestellen uns über einen Lieferdienst etwas zu Essen.
Am nächsten Tag, es ist Sonntag, bereiten uns unsere Gastgeber ein leckeres Frühstück. Der burische Ehemann ist Bauunternehmer und hat dieses ungewöhnliche Haus mit von innen sichtbarem Reetdach selbst entworfen. Wir werden herzlich verabschiedet und machen noch einen kleinen Abstecher in die Mall, bevor wir uns auf die mehr als 300 Kilometer lange Strecke nach Johannesburg begeben.


Wir haben eine Wohnung in Flughafennähe gemietet. Pen, die Besitzerin begrüßt uns mit Tyson, einem 12 Wochen alten schokoladenbraunen Dackel auf dem Arm. Die Wohnung ist groß und bequem. Wir haben genug Platz, unsere Koffer neu zu packen und überzähliges auszusortieren, bevor wir morgen zum Flughafen fahren. Da das nette Restaurant in der Nähe sonntags schon um 16 Uhr schließt, bemühen wir noch einmal den Lieferdienst. Als nach einer Stunde noch nichts passiert ist, fragt Klaus nach und erhält ein Foto, wo die Tasche mit dem Essen an ein schwarzes Tor gebunden worden ist, nur ist unser Tor weiß. Und dann dämmert es uns, die Lieferung ging an dieselbe Adresse in Polokwane wie am Abend zuvor. So kommt das nette burische Ehepaar unerwartet zu einem indischen Abendessen.
Pen macht uns Frühstück, dann fahren wir zum Flughafen und geben unseren Hyundai I10 ab, der uns 67 Tage lang über Stock und Stein, durch Löcher, Schlamm und Wasserpfützen transportiert hat. Wir haben keinen Unfall und keine Panne gehabt und müssen ab jetzt wieder planen, wie wir weiterkommen.
Um 12:45 Uhr fliegen wir nach Victoria Falls in Simbabwe.
