9. Krüger Nationalpark

Von unserer schönen Unterkunft sind es nur 5 Minuten zu einem der Südeingänge des Krüger Nationalpark, dem Malalane Tor. Vor unserer Ankunft in Südafrika haben wir nicht geglaubt, dass wir uns den Besuch im größten Nationalpark dieses Landes überhaupt leisten können, aber geduldige Recherche hat dann doch eine Lösung gebracht. Es gibt einige Camps im Park, in denen man in Zelten übernachten kann. Schon vor einigen Wochen habe ich zwei ausgesucht und gebucht. Nach dem Ende der Sommerferien gibt es auch ausreichend Kapazitäten. Der in Teilen seit 1889 bestehende Nationalpark hat nach und nach seine heutige Größe von knapp 20.000 km³ und seine große Bedeutung für den Erhalt der heimischen Tierwelt erreicht.

Am Eingang müssen wir uns anmelden, die Reservierungsnummer angeben und bekommen eine Straßenkarte des Parks. „Verlassen Sie niemals das Auto und bleiben Sie auf den geteerten Straßen, die anderen sind durch die starken Regenfälle der letzten Tage unpassierbar,“ gibt uns der Ranger noch mit auf den Weg. Und jetzt sind wir wirklich und wahrhaftig in diesem weltbekannten Nationalpark.

Schon nach wenigen Kilometern treffen wir auf eine Herde Impalas. Muttertiere mit ihren Jungen grasen unbeeindruckt von haltenden Autos am Rand der Straße. Sie laufen hin und her, und ein Junges will mitten auf der Straße Milch haben. Auch wenn die Mutter unwillig mit dem Bein stößt, lässt es sich nicht von seinem Bedürfnis abbringen. Ein paar Kilometer weiter sehen wir eine Herde Elefanten. Direkt am Straßenrand hat sich durch den Regen der vergangenen Tage eine Lache gebildet, und den nutzen die Tiere zum Trinken und um sich abzukühlen. Wir sehen Zebras, Giraffen und verschiedene Vögel. Die Landschaft ist abwechslungsreich, grünes hügeliges Buschland und dazwischen immer wieder markante Felsformationen. Nur langsam kommen wir voran, weil es immer wieder was zu sehen gibt. Es ist völlig normal, einfach auf der Straße stehen zu bleiben. Die anderen Autofahrer stellen sich entweder dazu oder fahren langsam vorbei.

Gegen Mittag kommen wir zum Rastplatz Afsaal. Es gibt einen Shop, ein Restaurant, Tische und Bänke unter schattigen Bäumen, Toiletten und sogar einen Gebetsraum für Muslime.

Gegen 16 Uhr erreichen wir unser Camp Skukuza. An der Rezeption zahlen wir den Tageseintritt, der für Ausländer 535 Rand (28 €)kostet, bekommen einen Lageplan und einen Schlüssel für unser Zelt. Unsere Unterkunft aus stabilem Stoff hat eine Eingangstür aus Holz im festen Rahmen, zwei normale frisch bezogene Betten, einen großen Kühlschrank, einen Kleiderschrank, einen Ventilator und eine Deckenlampe. Handtücher für die ein paar Meter entfernten Waschräume liegen bereit. Vor dem Zelt ein Tisch, zwei Stühle und ein Grill. Gegenüber vor einem Familienzelt qualmt es schon. Wir laufen erstmal ein paar hundert Meter zum Swimmingpool. Es ist 35 Grad heiß, eine Strapaze für Mensch und Tier.

Auch andere Besucher versuchen, sich in dem badewannenwarmen Wasser abzukühlen. Sofort kommen wir mit den kontaktfreudigen Südafrikanern ins Gespräch. Der Krügerpark ist ein beliebtes Urlaubsziel, in der Natur zu sein ist für viele Menschen die schönste Art, ihre Freizeit zu verbringen. Da der Eintritt für sie nur 128 Rand (Kinder jeweils die Hälfte) kostet, ist ein Aufenthalt von mehreren Tagen auch bezahlbar.

Gegen 17 Uhr drehen wir nochmal eine Runde mit dem Auto in der Umgebung unseres Camps. Man muss unbedingt die Zeit einhalten, den um 18.30 werden die Tore geschlossen. In 10 Kilometern Entfernung liegt der Lake Panik. Der Weg ist zwar unbefestigt, aber ziemlich gut befahrbar. Ein schmaler, durch Zäune geschützter Weg führt zu einem Unterstand am See. Hier sitzen die Hobby-Ornithologen und haben ihre Kameras mit den 10.000 € teuren Objektiven auf eine Kolonie Webervögel ausgerichtet. Jeder läuft auf Zehenspitzen und als ein Handy brummt, zischt es „Pssst“ aus allen Ecken. Ich gebe mich unschuldig und tue so, als sei es nicht meins gewesen. Die Vögel lassen sich beim Netzbau sowieso nicht stören. Auf dem Rückweg zum Camp entdecken wir noch vier junge Hyänen, die in einer Röhre hausen und jetzt ihr Versteck verlassen haben, um sich zu balgen.

Wir sind rechtzeitig zurück und fahren noch zum Supermarkt, um Getränke zu kaufen und Geld in 5-Rand-Münzen zu tauschen, damit werden Waschmaschine und Trockner gefüttert. Leider sind gerade alle Geräte in Betrieb. Wir fahren erstmal zum Essen. Das schön eingerichtete Restaurant liegt am Fluss Sabie. Von der Terrasse sieht man rechts die Eisenbahnbrücke, auf der ein langer Zug steht. Tatsächlich ist 1912 eine Eisenbahnlinie durch einen Teil des Naturschutzgebietes gebaut worden, um die Besucher gefahrlos durch den Park zu bringen. Heute fährt da nichts mehr, aus den Waggons auf der Brücke ist ein Luxushotel entstanden.

Der Kellner winkt uns ins Innere, ein Gewitter droht. Wir bestellen uns ein Chateaubriand, das nach Art des Hauses am Tisch flambiert wird. Es ist perfekt gebraten und schmeckt hervorragend. Während die ersten Tropfen fallen kehren wir zu unserem Zelt zurück. In der Nacht öffnet der Himmel seine Schleusen, der Regen prasselt aufs Dach, aber unser Zelt ist dicht.

Am nächsten Morgen ist es trocken und kühler. Zum Frühstücken fahren wir ins nächste Restaurant. Im ehemaligen Bahnhof stehen auf dem überdachten Bahnsteig Tische und Stühle, ein Gleis mit einem kleinen Zug steht noch dort.

Kaum sind wir 10 Minuten unterwegs, kommt uns am rechten Straßenrand ein Leopard entgegen. Völlig unbeeindruckt von einigen Autos stellt er sich auf die Hinterbeine, scheuert seinen Rücken an einem dornigen Busch und läuft dann weiter. Ein Stück weiter sitzt ein Trupp Paviane auf der Straße. Schnell verriegele ich das Auto und fahre die Scheiben hoch. Keinen Moment zu früh, schon sitzt ein Männchen auf der Motorhaube, schaut uns durch die Scheibe an und sucht einen Weg ins Innere. Als es sich an der Gummidichtung der Heckscheibe zu schaffen macht, fahre ich langsam los und das behagt ihm nicht, es springt wieder auf die Straße. Später sehen wir einen weiteren Trupp mit vielen Jungtieren. Anscheinend finden auch Wildtiere eine geteerte Straße angenehm um sich dort aufzuhalten. Ein Auto stellt keine unmittelbare Gefahr dar, wenn man es nicht verlässt.

Heute ist wirklich ein guter Tag, Giraffen, Nashörner, Elefanten, Antilopen, Zebras, Gnus, Wildhunde entdecken wir. Der Tierreichtum ist unglaublich, wie gut dass es diesen Park gibt. Die Landschaft verändert sich, die dichten Büsche werden weniger, die Grasflächen weiter. Dazu kommen jetzt mehr und mehr Termitenbauten.

Mittags halten wir für einen Snack im Satara Park und kommen am späten Nachmittag in unserem zweiten Camp Letaba an. Auch hier übernachten wir im Zelt. Dieses Mal ist die Waschküche frei, wir füllen eine Maschine und fahren zum Essen. „Parken Sie nicht unter dem Leberwurstbaum,“ steht auf einem Schild vor dem Restaurant. Eine einzige Frucht kann bis zu 12 kg schwer werden. Das gibt große Beulen. Dieses Restaurant hat ebenfalls eine große Terrasse mit Blick auf einen Fluss, den Letaba. Wir sitzen draußen, essen Krokodilschnitzel und beobachten, wie ein Flusspferd ans Ufer stapft.

Die Rückfahrt gestaltet sich schwierig, wir finden unser Zelt erst im dritten Anlauf, die Wege sind kaum beleuchtet und die Beschilderung dürftig. Jetzt muss noch die Wäsche in den Trockner und in einer Stunde laufen wir nochmal mit Stirnlampen durch das stockdunkle Gelände zur Waschküche. Wir sind froh, keinen großen Wildtieren zu begegnen, hier sollen nachts öfter Hyänen herumstreifen, lediglich ein Buschbaby sitzt in einer Astgabel und Fledermäuse und Nachtvögel sind unterwegs.

Als wir morgens aus dem Zelt kommen, sitzen ein paar Meerkatzen schon erwartungsvoll vor unserer Terrasse und unzählige kleine graue Hörnchen wuseln herum. Tut mit leid, für euch gibt es kein Frühstück von uns. Die Tiere zu füttern ist strengstens verboten. Wir fahren zum Restaurant. Beim Blick von der Terrasse sehen wir mehrere Krokodile und eine Versammlung von Marabus. Als wir frühstücken nähern sich uns verschiedene Vögel, ein Glanzstar schnappt sich den letzten Bissen Toast aus meiner Hand. Ganz schön dreist.

Im Letaba Camp steht das einzige Elefantenmuseum der Welt. Vor der Tür die Nachbildung eines Bullen, beeindruckend diese Masse. Im Inneren erfährt der Besucher alles, was es über Elefanten zu wissen gibt. Wie unterschiedlich die Stoßzähne geformt sein können ist hier an gut zu sehen. Die Schädel mitsamt der gewaltigen Stoßzähne sind ausgestellt. Besonders beeindruckend ist ein Schädel, durch den ein Stoßzahn ragt. Es war ein Kampf zwischen zwei Bullen, den der Herausforderer verloren hat.

Wir tanken sicherheitshalber nochmal hier, bevor wir weiterfahren. Noch einmal fahren wir Richtung Norden bis zum Mopani Camp. Der Regen der letzten Tage hat den Letaba ansteigen lassen und jede Menge Treibholz und Plastikmüll in den Park geschwemmt. Das wird dauern, bis alles weggeräumt ist. Inzwischen ist aber die Brücke wieder passierbar und wir können unseren Weg fortsetzen. Wieder sehen wir Elefanten und eine Herde Kaffernbüffel. Auch Wasserböcke haben wir erst hier gesehen, und als wir auf eine Hyäne mit zwei Welpen treffen, ist unsere Freude groß.

Traurig verlassen wir nachmittags den Park durch das Phalaborwa Gate, aber diese 3 Tage mit den Tierbeobachtungen werden wir nie vergessen.

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