1. Ans Kap mit guter Hoffnung

Dieses Mal also Afrika

Seit unserer Weltreise, die 2017 begann, ist einige Zeit vergangen. Zwei Enkelkinder sind in den Jahren 2020 und 2022 auf die Welt gekommen, Enkel Nr. 4 gesellt sich 2025 dazu. Und natürlich sind wir älter geworden – genau 7 Jahre. Mal sehen, ob wir noch alles bewältigen wie mit 140. Aber diese Reise wird keine 18 Monate dauern, sondern nur drei. Die Wahl, welcher Kontinent es sein soll, ist uns schwergefallen. Südostasien? Immer wieder gern, vertraut und einfach zu bereisen. Südamerika fortsetzen? Lange Zeit der Favorit, aber dann haben wir eine Sendung über Südafrika gesehen und sofort gesagt: „Da wollen wir hin“.

Wir landen Mitte November nach einem Nonstop-Flug morgens in Kapstadt. Eigentlich wollen wir wie immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein, aber das ist in diesem Land nicht so einfach. Von der Benutzung der Minibusse, die uns in den bisher bereisten Ländern überall hin befördert haben, wird hier abgeraten. Nach vielen Überlegungen und Gesprächen mit Südafrikakennern haben wir uns doch für einen Leihwagen entschieden. Den wollen wir nach der Landung abholen, aber zuvor brauchen wir Bargeld. ATMs gibt es am Flughafen genug, aber erst der vierte ist bereit, ein paar Scheine herauszurücken.

Kapstadt

In der Leihstation lacht der Sachbearbeiter ungläubig: „Sie wollen mit dieser kleinen Kiste bis nach Johannesburg? Unmöglich! Ich gebe Ihnen einen besseren, wenn Sie mir mit einem kleinen Trinkgeld entgegenkommen.“ Wir nicken und händigen ihm draußen verstohlen einen 100 Rand-Schein (5,24 €) aus und alle sind zufrieden. So sitzen wir nun in unserem I10 und versuchen, uns nicht vom Linksverkehr verunsichern zu lassen. Klaus hat schon zuhause die Südafrika-Karte heruntergeladen, so dass wir jetzt ohne entsprechende SIM-Karte zu unserer gebuchten Unterkunft navigieren können. Mein armer Mann ist ganz schön gefordert, Linksverkehr ist das eine, aber bei den Autos ist ja auch alles falsch. Die Schaltung muss mit der linken Hand bedient werden, der Blinker sitzt an der falschen Seite und das Auto ist ihm fremd. Wenigstens kann ich ihm rechtzeitig die Richtungswechsel ansagen und so kommen wir übermüdet, hungrig und gestresst gegen Mittag in unserer vorgebuchten Unterkunft in Hout Bay an.

Annale und ihre drei Hunde begrüßen uns herzlich und lautstark. Das Appartement ist sehr liebevoll und praktisch eingerichtet und nach einer Führung über das blühende Grundstück mit dem Naturpool fallen wir erstmal ins bequeme Bett, um Schlaf nachzuholen. Danach packen wir aus und setzen uns gleich wieder ins Auto. Wir wollen essen gehen. Wir haben nur den Namen des empfohlenen Restaurants, keine Adresse. Und so landen wir am Strand der „Holzbucht“ vor dem falschen Fischlokal, wo schon etliche Autofahrer versuchen, einen Parkplatz zu finden; immer von den hilfreichen Farbigen unterstützt, die hin und her flitzen und mit den Armen rudern. Dieses Gewimmel ist zu viel für den ersten Tag. Wir verkrümeln uns zum nächsten Supermarkt, kaufen eine Grundausstattung und ein paar Leckereien und fahren zurück.

Annale ist erstaunt, uns so bald wiederzusehen, aber nach unserer Erklärung nickt sie und erklärt den Ansturm mit dem Beginn des Wochenendes. Wir essen ein paar köstliche Sushi, dann schmore ich ein paar Baby-Zucchini mit Knoblauch und brate zwei dünne Scheiben Fleisch. Kurz nach dem Essen liegen wir im Bett und schlafen unglaubliche 10 Stunden.

Nach dem Frühstück wollen wir zum Einkaufscenter, wir brauchen SIM-Karten und noch einiges anderes. In der ziemlich neuen Mall gibt es auch einen Woolworth, erfahren wir. Doch anders als bei uns spricht die Kette Kunden mit gehobenen Ansprüchen an. Wir schlendern durch die Lebensmittelabteilung. Alkoholische Getränke gibt es in einer gesonderten Abteilung, dem Cellar. Eine gut sortierte Obst- und Gemüseabteilung hält neben vielen verschiedenen Sorten auch bereits geschältes, geschnittenes und gemischtes Obst und Gemüse bereit. Der Inhalt der vielen raumhohen Kühlschränke ist praktisch sortiert. Im ersten liegen frische Fleischbällchen von Huhn, Lamm, Schwein, Rind und Wildschwein. Im zweiten Schrank liegen nur Artikel, die in weniger als 30 Minuten zubereitet sind. Es folgen geräucherte Fleischsorten, marinierte zum Grillen, Bratwürste in den unterschiedlichsten Zusammenstellungen, Grillkäse, verschiedene Fleischsorten und dann kann man sich noch an den Metzger wenden, wenn bei diesem Angebot nicht das Richtige dabei ist. Vor den vielen Kassen reiht man sich in einer einzigen Schlange ein und bekommt die nächste freie mittels Leuchtziffer angezeigt. Vor dem Geschäft wartet eine Gruppe Mopedfahrer mit Transportbehältern. Was hier eingekauft worden ist, kann man sich in kürzester Zeit nach Hause liefern lassen.

Wir haben Wasser und etwas Proviant gekauft und im nächsten Laden kommen dann noch zwei SIM-Karten für 30 Tage dazu, die wieder aufzuladen sind.

Das Einkaufszentrum ist kein riesiger Klotz, in kleinen unterschiedlichen Gebäuden, die durch verwinkelte Wege getrennt sind, gibt es alle Arten von Geschäften und ein paar Restaurants und nicht zu vergessen, mehrere Bankniederlassungen. Vor den ATMs haben sich lange Schlangen gebildet. Vermutlich gibt es hier auch zur Monatsmitte Gehaltsauszahlungen. In diesem Einkaufsparadies ist die überwiegende Mehrheit der Kunden weiß, obwohl 90 % der Gesamtbevölkerung farbig ist.

Wir fahren an der Westküste Richtung Kap auf dem spektakulären Chapmans Peak Drive. Für die einfache Strecke werden 64 ZAR (3,37 €) fällig. Lange Zeit schien es unmöglich zu sein, hier eine Straße zu bauen, doch 1915 wurde unter Leitung eines Geologen damit begonnen und 1922 war es geschafft. Sowohl beim Bau als auch beim späteren Befahren kostete die Straße viele Menschen das Leben. Einige wurden von herabstürzenden Felsbrocken erschlagen, andere kamen ins Schleudern und stürzten den Abhang hinunter. Als im Jahr 2000 fast ein Drittel der Strecke verschüttet worden war, schien das das Ende zu sein, die Kosten für die Sanierung waren einfach zu hoch. Doch dann hat ein privater Investor die Straße für 30 Jahre gepachtet und finanziert die Instandhaltung über die Maut. Und seit die Autoindustrie hier Werbefilme dreht, kommt sicher noch mehr Geld herein. Auf der 9 km langen Strecke, die dem steilen Berg am Meer abgerungen worden ist, reihen sich 114 Kurven aneinander. Nach jeder scheint der Ausblick noch schöner zu sein, und damit die Menschen Zeit haben, das alles zu genießen, sind etliche Picknickplätze eingerichtet worden, wo man sich unter schattenspendenden Bäumen sattsehen kann. Mit dem Straßenbau wird man hier wohl niemals fertig. Zwar verhindern Fangnetze, dass Felsbrocken auf die Straße gelangen, aber irgendetwas bröckelt immer. An den unvermeidlichen Engstellen regeln Stop- und Go-Men den Verkehr. Und alle, wirklich alle Arbeiter sind farbig.

Über Noordhoek mit Stopp in einem Buchladen, wo wir endlich einen Straßenatlas von Südafrika finden, wechseln wir auf die Ostseite nach Glencairn.

Einige Menschen sind im Wasser, es scheint wärmer zu sein, als auf der gegenüberliegenden Seite, wo es nicht über 15 Grad wird. Diese Seite ist vor dem kalten Benguela-Strom geschützt. Wir fahren weiter Richtung Simons Town immer entlang der Bahnstrecke, die von Kapstadt kommend hier endet. Schon seit mehr als 200 Jahren ist die Stadt ein Marinestützpunkt und wichtige und reiche Männer haben sich im Laufe der Zeit schöne Häuser bauen lassen, die jetzt dem Ort den unverwechselbaren Charme verleihen. Heute ist die ehemals selbstständige Simons Town ein Stadtteil von Kapstadt, obwohl 40 km dazwischenliegen. Ein paar Kilometer weiter parken wir am Straßenrand am Meer und essen im Auto unseren Proviant. Draußen zu essen trauen wir uns nicht, überall wird vor Baboons (Pavianen) gewarnt, und dass es bei Strafe verboten ist, sie zu füttern. Aufgrund dieser Vorsichtsmaßnahme sehen wir keinen einzigen.

Am nächsten Tag, einem Sonntag wollen wir zur Waterfront fahren. Es geht auf guter Straße immer an der Küste entlang Richtung Camps Bay. An einem Aussichtspunkt halten wir an, um die Aussicht zu bewundern. Hier entdecken wir einen Gedenkstein für Pietro Ferrero, das ist doch ein italienischer Name. Später lese ich, dass es sich um ein Mitglied der Ferrero-Familie handelt, die bei uns jedes Kind mit einem Schokoaufstrich in Verbindung bringt. Der begeisterte Radfahrer erlag hier 2011 während einer Geschäftsreise beim Fitnesstraining einem Herzinfarkt. Noch während wir aufs Meer schauen, raschelt es vor uns im Gebüsch. Ein nur mit Shorts bekleideter dunkelhäutiger Mann kommt heraus und bettelt uns – anders als erwartet – nicht an. Schnurstracks läuft er zu den Mülltonnen, fischt eine Dose heraus, trinkt einen Schluck und verschwindet wieder, bevor ich ihm die Wasserflasche in die Hand drücken kann.

In Camps Bay ist es voll, überall. Die hübschen Lokale scheinen bis auf den letzten Platz besetzt zu sein, am Strand tummeln sich die Menschen und auf der Straße schieben sich die Luxuskarossen aneinander vorbei. Entsprechend lange dauert es, bis wir den Vorort durchfahren haben. Macht gar nichts, so können wir links die herrliche Küste und rechts die prachtvollen Villen bestaunen. Im weiten Bogen umfahren wir die Bergkette mit Tafelberg und Löwenkopf und und fahren von Westen in die Stadt. Kurz vor der Waterfront gibt es eine riesige Tiefgarage, dort parken wir unser Auto. Außer uns haben noch viele andere Menschen die Idee, den Sonntag hier zu verbringen. An vielen Stellen spielen Bands, alle Geschäfte sind geöffnet und die Restaurants gut besucht. Während in Hout Bay immer ein frischer Wind bläst, den wir zeitweilig sogar als kühl empfinden, knallt hier die Sonne und es weht kein Lüftchen. Einige Touristen haben einen heftigen Sonnenbrand. Bei oft kühlen Winden unterschätzt man leicht die Kraft der afrikanischen Sonne. Wir lassen uns treiben, bis uns der Hunger in den Time Out Market lockt. Lange Holztische mit Hockern stehen in der Mitte, ringsherum verschiedene Anbieter von Speisen. Es gibt u.a. Sushi, Nudelsuppen, Burger und moderne afrikanische Küche. Dafür entscheiden wir uns, bestellen und bezahlen und bekommen einen Pager, der blinkt wenn das Essen fertig ist. Forellen-Teriyaki und Geflügelleberspieß jeweils mit einem anderen Salat schmecken köstlich. Später lesen wir, dass namhafte Köche hier mitwirken. Natürlich ist das nicht billig, aber kein Vergleich mit den Preisen zuhause.

Nach einem langen Spaziergang durch das Hafengebiet holen wir unser Auto und staunen über den Preis im Parkhaus. Für 2,5 Stunden zahlen wir nur 25 Rand (1,31 €). Als wir zurückkommen sehen wir, dass der Tafelberg in Wolken liegt. Er hat ein Tischtuch aufgelegt, sagen die Einheimischen.

Am nächsten Tag liegt er wieder unbedeckt vor uns und wie beschließen, mit der Seilbahn nach oben zu fahren. Auch an einem ganz normalen Montag haben viele Menschen genau denselben Plan. Busse und Autos fahren die Serpentinen zur Talstation hinauf und genauso viele kommen uns entgegen. Auf Parkplätzen wird man hier eingewiesen, immer von Farbigen, und natürlich wollen sie dafür ein Trinkgeld. „Gebt ihnen eine große Silbermünze, nicht mehr,“ hat Annale uns eingeschärft. Zweimal hat das auch schon funktioniert, obwohl ich immer ein blödes Gefühl habe, 2 Rand (10 Cent) empfinde ich fast als Beleidigung. Und dieser Parkwächter weist die Münze zurück: „Das ist gar nichts, wenn ihr zurückkommt gebt mir mehr,“ sagt er. Ich verspreche es.

An der Seilbahn gibt es Tages- und ab 13 Uhr Halbtagestickets für einen reduzierten Preis von 420 Rand für Hin- und Rückfahrt. Der Boden in der runden Gondel dreht sich während der Fahrt einmal um 360 Grad, und da jedes zweite Fenster nicht verglast ist, kann man gut fotografieren. Einige besonders waghalsige Menschen sind unter uns zu Fuß unterwegs. Auf gut 1000 Metern Höhe weht ein angenehm frischer Wind und auf dem ebenen Terrain lässt es sich auf gepflegten Wegen gut laufen. Sehr oft hören wir unsere Muttersprache. Wir machen eine Pause auf einem flachen Stein und holen etwas zu essen aus dem Rucksack. Eine Minute später kommt ein erster Vogel und im Nu ist eine kleine Gruppe da und streitet sich um heruntergefallene Krümel. Die Rotschwingenstare sind so zutraulich, dass sie sogar aus der Hand fressen.

Von der letzten Aussichtsterrasse haben wir einen klaren Blick auf die 12 Apostel, die anders als ihre australischen Namensvettern nicht im Wasser stehen, sondern Gipfel der Bergkette sind. Als wir auf die Gondel warten, um wieder herunter zu fahren, sinkt neben mir eine etwas ältere Frau stöhnend auf die Bank. Sie ist am Morgen in Kapstadt gelandet und hat gleich die Fahrt auf den Tafelberg gemacht. „Es ist die einzige Chance,“ erklärt sie mir „heute Abend muss ich auf dem Schiff sein.“

Und noch einmal fahren wir den Chapmans Peak Drive nach Simons Town. Hinter dem Ort am Boulders Beach lebt eine Pinguin-Kolonie. 1983 ist ein Pärchen plötzlich an diesem Strandabschnitt mit den markanten Granitfelsen aufgetaucht. Inzwischen leben rund 3000 Exemplare hier. Für sie wurde ein Bereich eingezäunt, mit Nisthöhlen ausgestattet und mit Bohlenwegen versehen. Vor dem Kassenhäuschen hat sich eine große Menschentraube versammelt, und auf der Aussichtsplattform drängeln sich noch dreimal so viele Besucher. Da haben wir schon keine Lust mehr. Aber man kann die Tiere auch außerhalb dieses Resorts finden, denn einige sind recht unternehmungslustig und erkunden gerne das Gebiet rundherum. Wir entdecken ein paar und sind zufrieden, zumal sich auch noch ein Klippschliefer, genannt Dassie, dazwischen mogelt. Bei dem böigen Wind, der immer wieder Sand aufwirbelt, macht es auch keinen Spaß, sich länger am Strand aufzuhalten.

Auf dem Rückweg über Scarborough kommen wir durch eine Siedlung farbiger Südafrikaner. Links ist ein Markt, auf je zwei übereinandergestapelten alten Autoreifen liegt ein Brett und darauf die zum Verkauf bestimmten Waren. Die Bürgersteige sind voller Menschen, die vermutlich gerade von ihren Arbeitsstellen nach Hause kommen. Welch ein Unterschied zwischen diesen Häusern und denen am Camps Bay.

Auf der Rückfahrt müssen wir in einer Baustelle auf der rechten Seite fahren, Klaus ist begeistert. Welche Kleinigkeiten manchmal einen Menschen glücklich machen können.

zurück

2. Noch in Kapstadt

An einem Morgen überrascht uns unsere Gastgeberin mit Pfannkuchen zum Frühstück. Sie sind mit geschmorten Äpfeln gefüllt und mit Zimtzucker bestreut. So gut sind sie, dass wir uns die Finger ablecken. Wenn meine Enkel jetzt hier wären, müsste ich ernsthaft um meinen Ruf als Pfannkuchenkönigin bangen.

Klaus hat sich auf dem Tafelberg das Knie verdreht und muss im Schongang agieren. Unsere Vermieterin ist sofort mit Rat und Tat zur Stelle, sie bringt Salbe und Kühlpacks und empfiehlt uns einen Arzt. Die beiden ersten Dinge nehmen wir dankbar an, auf den Arzt will Klaus erstmal verzichten. Da auch das Wetter nicht besonders gut ist, fällt es uns nicht schwer, wenig herumzulaufen.

Und noch eine andere Sache bremst uns aus, schon seit ein paar Tagen zickt meine Kamera. Dummerweise habe ich vor zwei Jahren auf der staubigsten aller Straßen in Laos unbedingt fotografieren müssen und ihr damit den Garaus gemacht. Zwar ist sie in Phnom Penh gereinigt worden, aber seitdem hat sie etwas an Dynamik beim einschalten verloren und hier ist es mit jedem Tag schlimmer geworden. In dem Einkaufszentrum in der Nähe gibt es eine Reparaturwerkstatt, doch der veranschlagte Preis von 6.500 Rand (ca. 340 €) ist mir dann doch zu hoch, das ist mehr als die Kamera gekostet hat. Wir versuchen es in einem Spezialgeschäft in der Innenstadt, hier werden keine Digital-Kameras repariert, aber für 36.000 Rand kann ich ein vergleichbares Modell erwerben. Das ist natürlich erst recht keine Option. Annale schaltet sich ein und telefoniert herum. Sie findet eine Werkstatt, die sich auf digitale Fotoapparate spezialisiert hat. An einem sonnigen Samstag machen wir uns auf den 47 Kilometer langen Weg zum Cape Gate Shopping Center, einem riesigen verschachtelten Komplex. Schon auf dem Parkplatz ist es voll, Autos fahren kreuz und quer, die Mopeds mit den Lebensmittellieferungen summen an uns vorbei und eine Schlange von Einkaufswagen muss erst wieder an die richtige Stelle befördert werden. Zuhause nutzt man kleine Elektroschlepper, hier erledigen es vier farbige Männer.

Vor dem Einkaufszentrum hat der Weihnachtsmarkt seine Pforten geöffnet und eine Wichtelin in übergroßen Schuhen begrüßt uns und posiert begeistert für ein Foto. An den Ständen sind hunderte Geschenksorten zu finden, Weihnachtskleidung für Hund oder Katz, ess- und trinkbares, Kleidung, Spielzeug und jede Menge Dekoartikel, jedoch keine Christbaumkugeln. Die Menschen rundherum sind schon in Kauflaune. Vor und im Einkaufszentrum ist alles weihnachtlich dekoriert und hier gibt es bei den Besuchern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Hautfarben. In zwei Wochen wird eine Eisbahn für 3 bis 13jährige Kinder eröffnet. Für 3,50 € dürfen die Kinder mit den geliehenen Schlittschuhen, die im Preis enthalten sind, 50 Minuten aufs Eis. Diejenigen, die unsicher auf den Kufen sind, können sich an orangefarbenen Delfinen festhalten.

Der Digital-Service ist geschlossen, und wir entscheiden uns, weiter nach Stellenbosch zu fahren. Die zweitälteste Stadt Südafrikas (1679 gegründet) liegt inmitten berühmter Weingüter am Fuße des Stellenbosch-Bergs. Zwei Drittel der knapp 80.000 Einwohner in der Universitätsstadt sind weiß. In der Innenstadt sind noch viele Häuser im kapholländischen Stil zu finden. Wir parken vor einem der vielen Universitätsgebäude und laufen zur Hauptstraße, direkt auf den umzäunten Busbahnhof zu.

Gut 30 Kleinbusse stehen hier in Parkbuchten, über denen jeweils der Zielort angegeben ist. Hier und im angrenzenden Markt sind nur farbige Menschen zu sehen. Wir fahren ein Stück weiter in Richtung der Berge, die Landschaft zeigt üppiges Grün vor schroffen Felsen.

Als die Straße endet, müssen wir zurück fahren. halten noch mal zum tanken, bevor wir in Richtung Küste weiterfahren. In Südafrika greift man nicht selbst zum Zapfhahn, sondern wird bedient. Und ehe wir uns versehen, sind wir von vier Männern mit Eimern und Lappen umgeben. Es schäumt und plätschert, dann wird gewischt und poliert. Ich fühle mich, als ob ich in einem Rolls Royce sitze. Soviel Eifer muss belohnt werden und Klaus gibt ein großzügiges Trinkgeld. Im blitzsauberen Auto fahren wir auf die R310, zuerst durch ein schönes Wohngebiet, dann vorbei an weiteren Weingütern und zum Schluss sehen wir rechter Hand Khayelitsha (Neue Heimat), das zweitgrößte Township des Landes. Während der Apartheid wurde 1983 damit begonnen, auf einem tausend Hektar großen Gelände vier Städte mit Reihenhäuschen und Wohnblocks für 200.000 Schwarze zu errichten. Sie sind aus anderen Wohngebieten zwangsumgesiedelt worden. Diese Siedlung hat sich im Laufe der Jahre immer weiter ausgedehnt. Laut Schätzung leben inzwischen 2,5 Millionen Menschen teils in von der Regierung errichteten formellen Häusern, die Mehrheit jedoch in aus Blech, Pappe und Holz zusammengefügten Baracken. Auf einem km² sollen hier 55.000 Menschen leben. Und pro Jahr werden 10.000 neue Hütten gebaut. Das ist kaum zu ertragen, diese Enge, diese winzigen Häuschen, kein Baum der Schatten spendet, kaum ein Strauch, und erschwerter Zugang zu Strom und Wasser.

Fast genauso eng geht es gerade in den Dünen zu, dicht nebeneinander brüten Dominikanermöwen zu tausenden.

Auf der Küstenstraße ist jetzt immerhin das Meer auf der linken Seite zu sehen, rechts ziehen sich weiterhin die ärmlichen Behausungen entlang. Der Strand ist lang, weiß und feinsandig, hier können die Menschen der Enge ihrer Behausung entfliehen und endlich mal durchatmen.

Den Sonntag verbringen wir knieschonend in unserer Wohnung, wo es Klaus gelingt meine Kamera wieder nutzbar zu machen. Aber am nächsten Tag wollen wir wieder vor die Tür. Zwar sind die Berge ringsum in Wolken gehüllt, aber die werden uns in der Innenstadt schon nicht stören. Kaum sind wir fünf Minuten vom Auto entfernt, beginnt es zu regnen. Der kalte Wind macht alles noch unangenehmer. Wir flüchten in ein Café um uns mit heißer gewürzter Schokolade aufzuwärmen, bevor wir die restlichen 500 Meter bis Bo Kaap laufen.

Es ist eines der ältesten Viertel von Kapstadt, entstanden im 18. Jahrhundert, als Unterkünfte für die „Kapmalaien“ gebraucht wurden. Menschen aus Malaysia, Indonesien, Sri Lanka und Indien sind als Arbeitskräfte ans Kap verschleppt worden, um hier zu arbeiten. Mitte des 20. Jahrhunderts durften nur noch Muslime in diesem Viertel wohnen, alle anderen mussten umziehen. Mit dem Ende der Apartheid verschwand auch diese Verordnung, aber die Mehrheit ist noch immer muslimisch. Die kleinen bunt gestrichenen Häuser werden auf jeder Touristen-Rundfahrt angesteuert. Selbst an einem Regentag bekommt man hier direkt gute Laune. In vielen Häusern sind heute Galerien untergebracht. Die eine, vor der ein aus flach geklopften Flaschenverschlüssen hergestellter Elefant steht, zieht uns ins Innere, und hier können wir nicht anders, als ein kleines Bild mit plastischen Blechhütten zu erstehen.

Am Mittwoch scheint endlich wieder die Sonne, ein idealer Tag um ans Kap der guten Hoffnung zu fahren. Auf der westlichen Küstenstraße haben wir immer wieder einen guten Blick auf den Atlantik, der gegen die Felsküste donnert. Die letzten Kilometer vor der Zugangsstation fahren wir durch einen Eukalyptuswald. Die Bäume sind wegen des schnellen Wachstums gepflanzt worden, und jetzt weiß man nicht, wie man sie wieder los wird. Das letzte Stück der Halbinsel gehört zum Nationalpark Tafelberg und kostet für Ausländer 25 € Eintritt. Dafür haben die Besucher ein gutes Straßennetz, um Aussichtspunkte an Ost- und Westküste anzufahren und einen großen Parkplatz mit Spazierwegen am Ende.

Sportliche Menschen laufen entweder zum Aussichtspunkt auf den Berg oder runter zum Kap der guten Hoffnung. Wir sind nicht so sportlich. Aber auch von hier aus gibt es ringsherum viele Fotomotive. Ich muss an eine Rezension denken, die ich im Internet gelesen habe: Ganz nett, aber nichts besonderes. Ja was erwarten die Menschen denn, jonglierende Pinguine? An dieser Stelle endet ein Kontinent. Nur das Schild ist interessant und schnell bildet sich eine Warteschlange, damit jeder Einzelne sich dahinter fotografieren lassen kann.

Am Pegrams Point sehen wir links Seelöwen auf einem Felsen und rechts eine Gruppe Straußenhennen. Sie laufen am Ufer entlang und suchen Futter. Etliche Besucher zücken ihre Handys, aber was ist schon ein Strauß? Ein Selfie mit einem großen Federbusch im Hintergrund macht einfach mehr her. Auf der Weiterfahrt fällt uns ein großes schwarz-weißes Denkmal auf. Es ist dem portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Dias gewidmet, der 1488 das Kap der guten Hoffnung umsegelt hat. Rings um das Denkmal grünt und blüht es, die Proteen, auch Zuckerbüsche genannt, öffnen ihre gelben Knospen. Strohblumen und Federüsche blühen weiß, Pelargonien pink.

Wir fahren an der Ostküste zurück und entdecken den Stadtteil Kalk Bay. Ein lebhafter touristischer Ort, an der Bahnstrecke nach Fish Hoeck gelegen. Nicht so elegant wie Camps Bay, aber mit buntgemischter Bevölkerung und kleinen individuellen Läden. Im Café werden wir von jungen weißen Frauen bedient. Und dann gibt es hier einen Bäcker, dessen Brot so gut riecht, dass wir es noch auf der Straße Stücke abreißen und verzehren.

Im Supermarkt holen wir uns noch eine Packung von den täglich frischen Gemüsemischungen, die geschält und geschnitten und mit Knoblauch und Kräutern versehen nur noch gekocht oder gebraten werden müssen. Jede Zusammenstellung, die wir ausprobiert haben, schmeckte uns gut. Kurz vor der Kasse kommen wir durch die Spielwarenabteilung und es ist unglaublich, es gibt nur weiße Puppen.

Den letzten Tag in Kapstadt fahren wir zu einer Wollmanufaktur. Ich habe im Internet nach Handarbeitsgeschäften gesucht und eine Wollmarke gefunden, deren Name mir aus Deutschland bekannt ist. Cowgirlblues färbt hier heimische Merinowolle in fantastischen Farbzusammenstellungen. Eine junge Frau führt uns durch den Betrieb und erklärt die einzelnen Arbeitsgänge. Hier muss ich einfach etwas kaufen.

Danach machen wir noch einen Abstecher auf den Signal Hill mit Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Hier der Tafelberg und der Löwenkopf und auf der anderen Seite das Meer. Dazwischen der Innenstadtbereich der 5 Millionen Metropole. Auf dem Rückweg zum Parkplatz scheuchen wir eine Gruppe Perlhühner auf, die perfekt getarnt auf dem Boden liegen.

zurück

3. Hermanus

Zwei Wochen sind seit unserer Ankunft vergangen und heute verlassen wir unser hübsches Apartment in Hout Bay. Statt für den kurzen Weg über die Autobahn entscheiden wir uns für die schöne Strecke entlang der Küste. Wieder fahren wir auf die R310, die uns am Strand entlang führt. Der Wind bläst kräftig vom Meer und weht den Sand bis über die Straße. Die an einigen Stellen aufgespannten Sandfänger können das gar nicht verhindern.

An einer Stelle ist die Straße komplett mit Sand bedeckt, so dass wir ins schlingern kommen.

Gerade noch rechtzeitig finden die Reifen auf dem Asphalt weder Halt. Ein Stück weit müssen wir die Autobahn nehmen und kehren in der angenehm grünen Stadt Strand wieder an die Küste zurück. Der 55.000 Einwohner-Ort, der zum Großraum Kapstadt gehört, ist bereits 1714 als Touristenort gegründet worden. 1970 wurden alle Nichtweißen aus dieser Stadt vertrieben. Das ist heute anders; knapp zwei Drittel der hiesigen Bewohner sind farbig. Noch heute ist der 5 km lange weißen Strand, der außer fast jeder Art von Wassersport noch viele andere Unterhaltungsmöglichkeiten bietet, die Hauptattraktion.

Die Straße um die False Bay bietet immer wieder die schönsten Ausblicke. Aber noch nie ist sie meines Wissens in irgendeinem Ranking um die schönsten Straßen der Welt genannt worden.

Gegen Mittag machen in einem Café Pause. Auch hier in Betty’s Bay gibt es einen Strandbereich, an dem Brillenpinguine leben. Von einem Holzsteg aus kann man sie beobachten. Früher war an diesem Punkt eine Walfangstation. Gut, dass die Menschen heute lieber lebende Wale sehen.

Wir hoffen auch auf dieses Glück. Bis Ende November – Anfang Dezember halten sich einige in der Bucht vor Hermanus auf. Hier hat man die Chance, diese riesigen Meeresbewohner schon vom Ufer aus zu sehen. Doch als wir am Samstag an der Bucht entlanglaufen, ist weit und breit keiner zu sehen. Dafür können wir Beobachtungen der anderen Art machen.

Am alten Hafen wird gebadet, rechts schwarz, links weiß. Hermanus ist ein hübscher, gepflegter Ort mit schöner Bucht und vielen Restaurants und Geschäften. Und er ist gut besucht, vielleicht ist das immer so, vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Sommerferien begonnen haben.

Zwei Tage später machen wir eine Rundtour, um auch etwas vom Landesinneren zu sehen. Auf der R320 fahren wir Richtung Caledon und schon nach ein paar Kilometern ist der erste Hinweis auf ein Weingut zu sehen. Weinanbau haben wir hier gar nicht mehr erwartet, immer ist von Stellenbosch die Rede. Jetzt kommen auch die Weinfelder links und rechts der Straße in Sicht und immer mehr Hinweise auf Weingüter. Bei zehn höre ich auf zu zählen.

Weit vor uns steht links eine dunkle Gruppe Tiere am Straßenrand, die ich für Ziegen halte. Erst als ein Nachzügler die Straße überquert, erkenne ich: Das ist ein Baboon (Bärenpavian). Und auf der rechten Seite auf einem Getreidefeld sitzen noch viel mehr. Baboons leben in Trupps von bis zu 80 Exemplaren, und dieser hat kaum weniger. Natürlich ist die Kamera in diesem Moment nicht einsatzbereit und auf dem Handy läuft die Navigation. Anhalten kann man mitten auf der Straße auch nicht. So kann ich diesen Moment mit niemandem teilen. Wie viele Warnschilder mit den Silhouetten dieser Raubtiere haben wir gesehen, und kein einziges Tier hat sich gezeigt. Hier war kein Schild, dafür die Affen. Bärenpaviane sind die größten in der Pavian-Familie und können bis zu 35 kg schwer werden. Die intelligenten Tiere sind keineswegs harmlos. Sie können Autotüren öffnen, setzen ihre Jungen durch ein Kippfenster in Häuser, um sich ein größeres Fenster oder eine Tür öffnen zu lassen und klauen alles, was essbar ist. Wozu sechs Stunden pro Tag mit Nahrungssuche verbringen, wenn man bei Raubzügen in kürzester Zeit alles bekommen kann, was ein Affe so braucht. Trotz Verbot können es einige Touristen nicht lassen, die Tiere zu füttern. Sie reisen wieder ab, die Einheimischen haben das Problem mit immer aggressiveren Tieren.

Wir erreichen Caledon, die Stadt mit den sieben Thermalquellen. Doch von Kurbetrieb ist weit und breit nichts zu sehen, dafür sieht man riesige Getreidesilos.

Von hier bis bis Mosselbay erstreckt sich ein Anbaugebiet, das über 40 % des gesamten Weizenertrags hervorbringt und Caledon ist das Zentrum. Auf der Weiterfahrt nach Osten liegen abgeerntete Felder, soweit das Auge reicht. Wir biegen ab nach Stanford und von hier aus fahren wir an den Grotto Beach, einen zu Hermanus gehörenden Strand. Optimistisch haben wir unsere Badetasche mitgenommen, aber schon beim Verlassen des Autos spüren wir den kalten Wind. Die Sachen bleiben im Auto und wir laufen nur ein winziges Stückchen auf dem 18 Kilometer langen Strand. Tatsächlich gibt es Menschen, die sich schon bei 16 Grad Wassertemperatur ins Meer trauen, ich friere schon beim Hinsehen. Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft übernehme ich hier zum ersten Mal das Steuer.

Und das war gut so, denn am nächsten Tag führt kein Weg an einem Arztbesuch vorbei. Klaus Knie will nicht besser werden. Jacquie, unsere Vermieterin, empfiehlt die Mediclinic. In der Notaufnahme sind wir die einzigen Patienten. Zwei Personen nehmen die Personalien auf und schon werden wir in den Bereich geführt, in dem die durch Vorhänge getrennten Untersuchungsbetten stehen. Ein kurzes Gespräch mit einer Krankenschwester, dann kommt auch schon die Ärztin und untersucht das Knie. Sie ordnet eine Röntgenuntersuchung an und sofort erscheint ein Pfleger mit Rollstuhl. Ich bleibe neben der Untersuchungsliege sitzen.

Die junge Ärztin kommt nochmal zurück und bietet mir Tee oder Kaffee an. Kurz darauf kommt Klaus wieder im Rollstuhl zurück. Die Ärztin bespricht mit ihm das Ergebnis und die entsprechende Behandlung. Dann gibt es noch einen vierfachen Verband ums Knie und wir sind entlassen. Jeder der sieben Mitarbeiter, mit dem wir es zu tun hatten, war freundlich, höflich, einfühlsam. Die Atmosphäre äußerst entspannt und alle tragen einheitliche Kleidung in grau. Erst jetzt merken wir, dass die normale Sprechstunde um die Ecke abgehalten wird, aber in der Notaufnahme hat uns niemand weggeschickt.

Abschied von Hermanus. Immer, wenn wir eine Wohnung verlassen, wartet schon eine schwarze Haushaltshilfe. Nachdem in diesem Jahr der Mindestlohn um 8,5 % angehoben worden ist, verdient sie nun üppige 1,47 € pro Stunde. Noch einmal nach Caledon und dort auf die N2. Die Autobahn führt durch endlose Weizenfelder fast immer in Küstennähe nach Osten. Kurz vor Swellendam wird die Landschaft wieder grüner und im Hintergrund erheben sich Berge. Die Stadt selbst macht einen einladenden Eindruck, aber für uns kommt das zu früh. Wir passieren Heidelberg und fahren bis Riversdale, wo wir uns im Supermarkt mit Lebensmitteln für die nächsten vier Tage eindecken, denn in unserem Zielort Boggomsbaai gibt es weder Restaurants noch Geschäfte. Auf den restlichen 80 Kilometern sehen wir häufig Schafherden mit vielen weißen Lämmchen. Beim Check-in in Boggomsbaai lernen wir Fred kennen, der in den 1960er Jahren damit begonnen hat, an dieser einsamen Küste reetgedeckte Häuser errichten zu lassen.

Inzwischen sind viele andere dazu gekommen, aber hier gibt es nichts außer Meer und Strand. Unsere Wohnung befindet sich über dem Garagenkomplex, ist ca. 20 m lang und bietet einer Großfamilie Platz. Das reetgedeckte Dach ist von innen nicht verkleidet, so dass wir die Konstruktion aus Balken und Halmen sehen können. Aber wir haben auch aus 6 Fenstern einen tollen Blick aufs Meer. Der Strand ist 15 Kilometer lang und als wir dort ein Stück laufen, sind außer uns nur fünf Menschen und zwei Austernfischer dort. Soweit das Auge reicht nur Wasser, Strand und bewachsene Dünen. Hier hat das Wasser immerhin schon eine Temperatur von 20,6 Grad, doch der frische Wind verlockt nicht dazu, ins Wasser zu gehen.

Am Samstag besuchen wir das 30 Kilometer entfernte Mossel-Bay. Über die N2 gelangen wir zügig in die Stadt. Autofahren ist in Südafrika eine entspannte Angelegenheit, man nimmt Rücksicht aufeinander und ich freue mich, dass ich inzwischen beim Abbiegen den Blinker richtig setze und nicht wild mit den Scheibenwischern wedele. Übrigens sind rund 90 % der Autos weiß, also genau entgegengesetzt zur Hautfarbe der Bevölkerung.

Die Mossel Bay (Muschelbucht) ist schon 1488 von Bartolomeu Diaz entdeckt worden. Vor ca. 200 Jahren sind hier Wale gefangen und verarbeitet worden, heute wird 50 Kilometer vor der Küste Erdgas gefördert. Außerdem verfügt die 100.000 Einwohner Stadt über die größte Meerwasserentsalzungsanlage zur Trinkwassergewinnung in Südafrika. Auf den ersten Blick hat die Stadt nichts Besonderes, aber je näher wir dem Meer kommen, umso schöner die Häuser und die Umgebung. Es gibt einen Gezeitenpool, in dem sich die Kinder tummeln und draußen warten Surfer auf die perfekte Welle. Über all dem wacht der schneeweiße Leuchtturm.

Am Sonntag brechen wir schon wieder zu einem neuen Ziel auf. Oudtshoorn ist eine Stadt in der Kleinen Karoo, einer Halbwüste. Wir haben während der Vorbereitung so schöne Bilder aus dieser Region gesehen, dass wir uns das unbedingt ansehen wollen. Schon die Strecke, die hinter Mossel Bay ins Landesinnere abzweigt, begeistert uns. Auf guter Straße fahren wir durch die Ruiterbos Nature Reserve, wir überqueren in vielen Kurven den Robinson Pass und auf der anderen Seite geht es ebenso kurvig wieder bergab. Jetzt sind links und rechts große Straußenherden zu sehen. Unser Zielort ist die Welthauptstadt der Straußenfedern. Doch damit nicht genug, viele Farmer haben ringsherum Erlebnisparks mit allen wilden Tieren Afrikas angelegt, so dass man schon hier auf Safari gehen kann, ohne bis in einen Nationalpark fahren zu müssen.

Weil wir erst ab 14 Uhr in unsere Wohnung kommen können, fahren wir zum Einkaufszentrum, wo auch am Sonntag alles geöffnet hat. Zuerst setzen wir uns in ein Café, wo wir zum ersten Mal ein gemischtes schwarz/weißes Publikum antreffen. Als die Gruppe das Lokal verlässt, grüßt uns jeder mit einem Lächeln oder ein paar Worten. Mit einem Mal fühlen wir uns wirklich angekommen. Im großen Supermarkt kaufen wir wieder Vorräte ein und beziehen dann unsere Wohnung in einem hübschen Wohngebiet. Überall stehen jetzt die Jacarandabäume in voller Blüte und der Blick in die blauen Alleen erfreut uns immer wieder aufs Neue.

Wir fahren auf der Route 62, die Kapstadt mit Port Elizabeth (heute Gqeberha) verbindet und den Titel „längste Weinstraße der Welt“ führt, von Oudtshoorn nach Ladismith. Sie führt durch die kleine Karoo und wir sehen im späten Frühling noch viele blühende Pflanzen rechts und links der Strecke. In Calitzdorf, durfte der dort produzierte Südwein bis 2011 noch Portwein genannt werden, dann hat die EU dem einen Riegel vorgeschoben. Der kleine Ort hat ein hübsches Gemeinschaftshaus, das Dorpshus und ringsherum etliche Weingüter. Während der Fahrt über den Huisrivierpas halten wir ein paar Mal an und bewundern die Aussicht. In Ladismith besuchen wir ein Café, drehen eine Runde durch die Stadt und fahren dann zurück. Bei Amalienstein biegen wir links auf die R323 ein, eine Staubstraße, die durch eine atemberaubende Landschaft führt. Die Straße windet sich durch Bergformationen, die im Licht der Nachmittagssonne in verschiedenen Farben leuchten. Wir stauenen nicht schlecht, als in flottem Tempo ein LKW – eingehüllt in eine dicke Staubwolke – an uns vorbeirauscht. Vor einem wasserführenden Bachlauf wende ich das Auto, es ist auch sowieso zu spät für die ganze Strecke durch die Berge, aber wir reden noch während der Rückfahrt begeistert von der Schönheit der Landschaft.

Zwei entgegenkommende Autos warnen mit Lichthupe. Auf dem Huisrivierpas hat ein PKW die Kurven zu schnell genommen und liegt nun halb über dem Abgrund auf der Seite, was für ein Glück, dass hier stabile Leitplanken angebracht sind.

Am letzten Tag in Oudtshoorn fahren wir zu den Cangohöhlen. Das aus drei Abschnitten bestehende Höhlensystem in den Swartbergen zählt zu den schönsten der Welt. Von drei Abschnitten ist nur die erste für Besucher zugänglich. Eine der sechs besuchten Kammern ist 90 m lang, 50 m breit und an der höchsten Stelle 18 m hoch. Wir haben einen netten Guide, der viel von der Geschichte erzählen kann und uns sogar ein afrikanisches Lied vorsingt. Ein schöner Abschluss, morgen geht es weiter.

zurück

4. Jeffreys Bay

Bei einer letzten Runde durch Oudtshoorn zeigt sich, warum dies die Welthauptstadt der Straußenfedern ist. Vor vielen Häusern werden Staubwedel in allen Farben des Regenbogens angeboten. Auch kräftiges Lila ist dabei, damit würde meine Enkelin vermutlich in der nächsten Zeit begeistert alles abstauben, was sie mit ihren knapp 90 cm Höhe erreichen kann. Wie einträglich der Handel mit Straußenfedern war, ist noch heute an den meist gut erhaltenen Villen der ehemaligen Straußenbarone zu sehen. Am Stadtrand schauen wir uns noch in einem Geschäft um, in dem es fast nur Dinge vom Strauß zu kaufen gibt.

Federn als Boa, Fächer oder Wedel, Leder in den schönsten Farben, Gürtel, Taschen, Schuhe, Fleischerzeugnisse und Eierschalen natur, gefräst oder bemalt. Übrigens ein Straußenei entspricht der Menge von 24 Hühnereiern. Die Schale ist so robust, dass sie das Gewicht eines erwachsenen Menschen aushält. Muss sie auch, denn die brütenden Eltern bringen bis zu 150 kg Gewicht auf die Waage.

Wir fahren zurück an die Küste nach George. Auf beiden Seiten fruchtbares Land, sogar Hopfen wird hier angebaut.

Eine frisch geschorene Herde Angoraziegen dreht neugierig die Köpfe in unsere Richtung. Aus der gewonnen Schur entsteht die begehrte Mohairwolle. Das klingt paradox, aber Angorawolle stammt vom Kaninchen. Südafrika ist der weltgrößte Mohair-Produzent. Gut 60 % der weltweiten Menge kommen aus dem Land.

Vor uns liegt wieder ein Pass. Der Outeniqua Pass überquert die gleichnamige Gebirgskette und ist in der Zeit von 1942 – 1951 unter tatkräftiger Mithilfe von italienischen Kriegsgefangenen entstanden. An einem der Aussichtspunkte gibt es einen Gedenkstein für sie.

In der 200.000 Einwohner zählenden Universitätsstadt George treffen wir auf die Garden Route. Noch vor 20 Jahren konnte man mit der Eisenbahn von Mossel Bay bis Knysna durch die schöne Landschaft fahren, doch Erdrutsche haben die Strecke 2006 unpassierbar gemacht, und für einen Wiederaufbau fehlt das Geld. Wenigstens hat der Bahnhof in George eine neue Bestimmung gefunden, er ist jetzt ein Museum.

Aber auch mit dem Auto auf der N2 fahrend, sieht man die Schönheit der legendären Garden Route. Grüne Hügel mit blühenden Pflanzen, Lagunen, Meeresbuchten und hübsche kleine Ortschaften ziehen Jahr für Jahr Touristen aus dem In- und Ausland an. Obwohl es voller ist, als auf anderen Strecken, entsteht auch hier keine Hektik. Geschwindigkeiten von maximal 120 kmh und die Entspanntheit der Südafrikaner machen jede Autofahrt angenehm.

Nach 120 Kilometer biegen wir um die Mittagszeit in die Stadt Knysna ab. Die Stadt mit ca. 70.000 Einwohnern liegt an einer großen Lagune und hat ganzjährig ein angenehmes Klima. Wir empfinden die 25 Grad hier nach den 38 Grad in Oudtshoorn richtig erfrischend. Schöne Häuser direkt am Wasser, interessante Geschäfte und tolle Restaurants, was will man mehr. Kurz denke ich über „auswandern“ nach. Doch dann begnügen wir uns jeder mit einer Portion Austern, die direkt aus der vor uns liegenden Lagune kommen – lecker.

Nach weiteren 30 Kilometer sind wir schon in Plettenberg. Auch diese fast gleich große Stadt liegt an einer malerischen Bucht, doch das auf einer Landzunge erbaute große Hotel, das wie ein gestrandetes Kreuzfahrtschiff aussieht, stört gewaltig. Hier entsteht kein Wunsch nach Bleiben und nach einer Runde durch die Stadt kehren wir zurück auf die N2.

Bei Kurland haben wir die Wahl, weiter auf der N2 zu bleiben und über die spektakuläre Bloukrans-Brücke zu fahren, von der Adrenalinjunkies einen Bunjeesprung machen können. Es ist weltweit der höchste Standort für diese Art von Vergnügen. Wir entscheiden uns für die zweite Möglichkeit, auf der R102 der alten Streckenführung zu folgen, die durch Nature’s Valley führt. Wir fahren durch dichten alten Urwald über einige Schluchten und einen Pass des Tsitsikamma-Gebirges. Und als wir wieder auf der N2 ankommen, können wir sogar noch auf der 100 m langen Paul-Sauer-Brücke über den Stormsrivier laufen, der 120 Meter unter uns durch eine enge Schlucht fließt.

Die Bloukrans-Brücke ist vier mal so lang und überquert sogar eine 216 Meter tiefe Schlucht. Aber wir finden diese auch großartig. Sie schwankt, wenn LKW darüber fahren, man bekommt eine leise Vorstellung, was Brücken aushalten müssen. Während wir die tiefe Schlucht bestaunen, schwirrt eine Drohne vor unseren Köpfen herum, es scheint, als ob sie uns beobachtet. Ich winke ihr zu, und als wir später zur Aussichtsplattform laufen, treffen wir zwei junge Männer, die uns zu kennen scheinen. Sie sind die Besitzer dieses technischen Geräts und wir unterhalten uns ein Weilchen. Ich verspreche ihnen, Sie mit Foto im Blog zu erwähnen. (Hi guys, nice to meet you.)

Nun sind es noch 65 Kilometer bis zu unserem Ziel: Jeffreys Bay, wo wir gegen 18 Uhr bei Marie, unserer umwerfend herzlichen Vermieterin eintreffen. Dieses Mal haben wir ein tolle Küche, mit großer Kühl-/Gefrierkombination, einen richtigen Herd mit vier Kochstellen (Gas) und sogar einen Backofen. Natürlich fehlt immer irgendwas, und wir haben uns schon Kochlöffel und eine Küchenzange angeschafft. Beides brauchen wir hier nicht, dafür fehlt ein Flaschenöffner.

Die Gründung von Jeffreys Bay geht auf einen Walfänger namens Jeffrey zurück, der vor ca. 170 Jahren hier einen Laden betrieben hat. Heute bringt der Name weltweit die Augen von Surfern zum Leuchten, er gehört einem der fünf weltbesten Surfreviere und jährlich findet ein großer Wettbewerb statt. In der übrigen Zeit leben die gut 50.000 Einwohner ein eher beschauliches Leben. Vor der Stadt und zu beiden Seiten erstrecken sich endlose Strände, wo Muschelsucher großartige Funde machen können. Auf dem Parkplatz im Osten der Stadt stehen einige gemauerte Grills und die sind alle in Benutzung, es riecht verführerisch. So genießt man in diesem Land gern die Freizeit, Meer, Strand und Gegrilltes. Zwei Tage haben wir starken Wind und so fällt der Strandbesuch flach. Der aufgepeitschte Sand an den Beinen ist ziemlich unangenehm.

Wir haben unsere Schmutzwäsche in den Waschsalon gebracht und die Besitzerin überschlägt sich fast vor Begeisterung, dass wir aus Deutschland sind. Sie erzählt uns alles Mögliche, was wir nicht verstehen, ihr stark afrikaans gefärbtes Englisch enthält viele Worte, die wie noch nie gehört haben.

Marie schickt mir jeden Morgen Vorschläge, was wir an diesem Tag unternehmen können. Heute zum Beispiel einen Stadtplan, wo besonders schöne weihnachtlich geschmückte Häuser zu sehen sind. Die von der Stadt gestellte Dekoration (Banner und Weihnachtsbaum) kommt uns ziemlich provinziell vor. Es ist noch nicht dunkel, es stürmt und wir haben keine Lust, noch länger herumzufahren. Wir haben ja schon in einigen Städten Weihnachtsschmuck gesehen, Leuchtschlangen in Form von: Walen, Schneemännern, Weihnachtsbäumen, Schneekristallen, Schlitten, Lebkuchen und mehr. Das meiste davon gibt es hier in Wirklichkeit nicht.

Letzter Tag, Klaus hat heftige Schmerzen in seinem Knie. Als ich Marie davon erzähle, macht sie sofort einen Termin beim Arzt aus, der trotz des Feiertags (Day of Reconciliation = Versöhnungstag) heute arbeitet. Hastig packe ich unsere Sachen zusammen und wir brechen überstürzt auf. In der Praxis warten schon ein halbes Dutzend Menschen. Einer von ihnen hat einen dick eingewickelten Fuß. Offenbar will er die Wartenden an seinem Leid teilhaben lassen und klappt das dicke Handtuch auf. Der Blick auf eine blutige Masse löst einen entsetzten Seufzer aus. Schwarz und Weiß sitzen hier im Wartezimmer einträchtig nebeneinander. Der junge Arzt in Shorts und Hemd, das mit Hula-Hula tanzenden Hawaiianerinnen bedruckt ist, untersucht noch mal das streikende Gelenk, stellt Fragen und gibt fröhlich und deutlich seine Diagnose bekannt. Er verordnet andere Medikamente und fragt nach unseren Plänen. Wir wollen anschließend zum Addo Elephant National Park. Begeistert erzählt der Arzt von mehreren Besuchen dort. Als ich ihn frage, wie gefährlich das Leben in Südafrika sei, meint er: „Das ist alles total übertrieben, wir leben in diesem wunderbaren Land friedlich zusammen.“

Jetzt brauche ich dringend ein Frühstück, ganz in der Nähe wird von engagierten jungen Leuten ein kleines Café geführt. Ich bestelle Flapjacks und bekomme drei fluffige Pfannkuchen mit geschmorten Bananen, Creme Double und einer zimtigen Soße. Sie sind knusprig, schmelzen aber förmlich auf der Zunge. Schade für Klaus, der sich mit Toast und Tee begnügen muss, weil sein Magen rebelliert.

Gesättigt können wir aufbrechen zu unserem neuen Ziel. Auf der N2 fahren wir durch Gqeberha (Port Elizabeth). Auch hier ist der portugiesische Seefahrer Bartolemeu Dias als erster Europäer an Land gegangen. Mehrere Jahrhunderte haben Schiffe auf dem Weg nach und von Asien hier ihre Vorräte aufgefüllt. Heute ist es der drittgrößte Hafen in Südafrika. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Automobilindustrie. Viele internationale Autokonzerne sind hier ansässig. Doch nicht nur die Industrie, auch Strände machen die Stadt zum beliebten Wohnort für Südafrikaner. Auch so eine unerklärliche Geschichte, Gqeberha trägt den Zusatz „freundliche Stadt“, aber das Auswärtige Amt rät zu erhöhter Vorsicht an Sonn- und Feiertagen in der Innenstadt.

In einer Nachricht von unserem Hotel werden wir aufgefordert, aus Sicherheitsgründen die Strecke über die N10 zu nehmen und nicht den kürzesten Weg zu fahren. Wir fahren ständig durch Orangenplantagen, das Anbaugebiet im Sunday River Valley ist 120 km² groß. Zur Blütezeit muss eine Duftwolke über dem ganzen Tal liegen. Es gibt eine große Fabrik, die Saft zu Konzentrat verarbeitet. Vereinzelt wird bereits geerntet, am Straßenrand liegen die aufgestapelten Säcke mit Früchten. Der Hauptanteil der Ernte wird nach Europa geliefert. Am Nachmittag erreichen wir sicher unser Hotel in Sunland.

Nachdem wir erfahren haben, dass wir den Nationalpark mit dem eigenen Auto befahren dürfen, machen wir uns gleich am nächsten Morgen auf den Weg. Bis zum Haupteingang fahren wir knapp 20 Kilometer. An der Eingangspforte werden unsere Personalien aufgenommen und das Kennzeichen unseres Autos notiert. An der Rezeption kaufen wir Eintrittskarten für einen Tagesausflug und zahlen 874 Rand (47,70 €). Wir bekommen eine Straßenkarte, Ein- und Ausfahrtticket und ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg. Am Kontrollposten fällt das erste Schild auf: Mistkäfer haben ein Recht auf Leben.

Die Hauptstrecken im Park sind asphaltiert, aber auch auf den Sandpisten kann man mit etwas Vorsicht gut fahren. Es dauert nicht lange, da sehen wir von einer Kuppe eine riesige Elefantenherde im dichten Buschwerk. An einem Rundweg darf man auf dem Parkplatz das Auto auf eigene Verantwortung verlassen. Da dort schon ein Safarifahrzeug steht und die Insassen allesamt draußen sind, steigen wir auch aus. Mehrere Holzbänke ermöglichen es, das Wasserloch hinter dem dichten Buschwerk zu sehen. Und da stehen mehrere Dickhäuter und trinken.

Ein Warzenschwein gesellt sich dazu, Kuhreiher sitzen auf den Bäumen und eine Nilgans schickt ihre Küken ins Wasser. Wir stehen noch da und beobachten, als das andere Fahrzeuge längst weitergefahren ist.

Langsam fahren wir über viele Nebenstraßen, da liegen zwei Kuhantilopen, das erste Zebra kommt in Sicht, eine Leopardschildkröte überquert die Straße. Sind wir anfangs noch bei jeder Sichtung elektrisiert, heißt es einige Zeit später: „Halt, was war das? Ach bloß ein Zebra.“

In den nächsten Stunden sehen wir die Tiere an allen möglichen Stellen im Park. Elefanten, so viele wie wir noch nie zuvor gesehen haben, Zebras, Vögel, Antilopen.

Als wir beschließen, jetzt langsam Richtung Ausgang zu fahren, trete ich auf die Bremse. Einige Meter vor uns liegen zwei prächtige Löwenmännchen regungslos am Wegesrand. Im ersten Augenblick halte ich sie für Plüschtiere, dann die Erkenntnis: Die sind echt.

Wir können unser Glück kaum fassen, diesen Augenblick haben wir nur für uns. Ganz langsam lasse ich das Auto noch ein Stückchen rollen, dann kommen von rechts, von hinten und vorn weitere Fahrzeuge. Alle halten an, bis auf das Safarifahrzeug. Mit lautem „Juhu“ lenkt die Fahrerin das hochbeinige Gefährt an den stehenden Autos vorbei, da reicht es den Löwen und sie verschwinden im Dickicht.

Auf den letzten Kilometern sehen wir überall Tiere, sie laufen vor uns auf die Straße, stehen am Straßenrand und lassen sich nicht stören. Wir haben so viele Fotos gemacht, dass wir einen ganzen Dia Abend mit Elefantenbildern gestalten könnten. Das war ein tolles Erlebnis.

zurück

5. East London

Wir verlassen Sunland nach dem Frühstück. Gestern Abend haben wir bis weit nach Mitternacht mit unseren neuen Nachbarn Ina und Erik draußen zusammengesessen und erzählt. Das sympathische Paar aus Holland war schon 2017 in Südafrika unterwegs und weiß Geschichten aus Regionen zu erzählen, die wir noch besuchen wollen. Elefanten sind Eriks Lieblingstiere und er kann sich nichts Schöneres vorstellen, als diesen Tag gemeinsam mit seiner Frau im Addo Park zu verbringen.

Die R72 verläuft durch grünes Hügelland und erst im malerischen Kenton-on-Sea treffen wir wieder auf die Küste. Mittags erreichen wir Port Alfred an der Sunshine Coast und machen eine Pause. Der Kowie River teilt die Stadt in zwei Hälften, einen eher touristischen Teil und einen für die dauerhaft hier Lebenden. Hier parken wir und laufen ein paar Straßen entlang. Städte, in denen viele Schwarze wohnen, sind viel lebendiger. Vermutlich liegt es daran, dass die wenigsten ein Auto besitzen und daher so viele Fußgänger unterwegs sind. Die älteren Damen laufen nicht so leger herum wie ich, sie tragen hübsche Kleider und dekorative Kopfbedeckungen. Nur die jungen Frauen verzichten darauf und stylen ihre meist mit farbigen Strähnen auf Hüfthöhe verlängerten Haare zu fantasievollen Zopffrisuren. Von der Brücke aus haben wir einen Blick flussaufwärts und zur anderen Seite auf den Yachthafen, der an einer breiten Stelle des Kowie River liegt.

Auf der anderen Seite liegen die langen Sandstrände. Heute weht ein stürmischer Wind und peitscht den Sand schmerzhaft um die nackten Beine. Ideale Bedingungen für Surfer, die sich gleich zu mehreren in die Wellen stürzen. Hinter dem Lokal, in dem wir Pause machen, steht eine Hüpfburg. Was für ein Spaß für die Kinder, zumal sie am Ende der Rutsche in einem Wasserbecken landen. Am Rand des Parkplatzes verkauft ein Mann bunte Tiere, die aus auf Draht gefädelten kleinen Glasperlen gefertigt sind. Schon oft habe ich die Kunstfertigkeit bewundert, konnte mich jedoch nie zum Kauf entschließen, weil ich sie für zu fragil gehalten habe. Das sag ich auch dem Verkäufer, der das empört verneint. Als er mir dann eins in die Hand drückt, bin ich überzeugt, der hält einiges aus.

Und ab sofort reist ein kleiner Wiedehopf – hier heißt er Hupp-Hupp – mit uns. Den haben wir hier schon öfter in freier Natur gesehen.

Auf dem nächsten Teilstück überqueren wir mehrere Flüsse und bewundern das an zwei Mündungen liegende Städtchen Kleinemonde. So wasserreich haben wir uns Südafrika nicht vorgestellt. Am späten Nachmittag erreichen wir unsere Wohnung in East London. Gegenüber liegt ein Rummelplatz. Er ist von einem Zaun umgeben und das Betreten des Geländes kostet 10 Rand, das hält offenbar unerwünschte Besucher ab. Spätestens um 21 Uhr schließt er seine Tore.

Ein großer Supermarkt liegt nur ein paar hundert Meter entfernt. Praktisch für uns zum Einkaufen. Der Gegensatz zu unseren Supermärkten in der Vorweihnachtszeit ist deutlich. Zwar hängt hier auch ein wenig Dekoration herum, es gibt geschmückte Weihnachtsbäume (einer in pink hat es uns besonders angetan) und die Kassiererinnen tragen Haarreifen mit Geweih, roter Schleife oder Weihnachtsmützen, aber es gibt kein Weihnachtsgebäck, keine Schokolade in Weihnachtsmannform und es dudeln keine Weihnachtslieder. Hier sieht man allerorten den Grinch. Ein bekannter Schokoladenproduzent aus der Schweiz versucht hier europäische Bräuche wie den Adventskalender einzuführen, besonders erfolgreich scheint er nicht zu sein. Dafür stehen in den Gängen „Weihnachtseimer“ herum, eine Art Präsentkörbe. Im Fleischregal gibt es Weihnachtspackungen, die drei verschiedene Sorten Fleisch enthalten. Immer dabei ist ein gepökelter Schinken, der noch gekocht oder gegrillt werden muss. Wir werden schwach und kaufen Toilettenpapier in der Luxusausführung: ZWEILAGIG. Wenn man für die Einkäufe eine Tragetasche braucht, wird von der Kassiererin auch noch alles sorgfältig eingepackt. Als wir am 24.12. – hier ein ganz normaler Tag mit üblichen Öffnungszeiten – einkaufen gehen, wünscht niemand „Frohe Weihnachten“.

Bis zum Meer sind es 500 Meter. An einem der Tage hier laufen wir dort hin, obwohl das wegen fehlender Bürgersteige meist kein Vergnügen ist. Dafür entschädigt ein mehrere hundert Meter langer – von einer Supermarktkette finanzierter – Holzsteg, der auf Stelzen am Strand errichtet worden ist. Von hier aus kann man den Menschen am Wasser zusehen. Im Abstand von 50 Metern sind zwei Fahnen in den Sand gesteckt worden und nur in diesem Bereich überwachen ein paar Rettungsschwimmer die Badenden. Ständig ertönt eine Trillerpfeife, wenn sich wieder jemand zu weit ins Wasser gewagt hat.

Die nächsten Tage sind nass. Die Regenzeit in Südafrika fällt in den hiesigen Sommer. In unserer hellen, luftigen Wohnung können wir es gut aushalten, zumal längeres Laufen momentan sowieso nicht auf unserem Tagesplan steht. Wir fahren in die Innenstadt von East London, wollen Kaffee trinken gehen, aber da ist nichts zu finden. Der Busbahnhof ist in der Nähe, es gibt viel Verfall und viel Schmutz.

Bestimmt gibt es auch schönere Ecken, aber die muss man erstmal kennen. Klaus findet im Internet ein Café am Strand. Dafür müssen wir an einem Kontrollposten anhalten und Rede und Antwort stehen, weil wir in ein Naturschutzgebiet fahren. Als wir dort ankommen, winken die schwarzen Arbeiter ab, das Gebäude wird renoviert.

Aber die Bucht allein hat schon die Fahrt gelohnt. Auf dem Rückweg fahren wir noch ins „Chinahaus“. Autos drängen in und aus dem Parkplatz, ein Gewimmel wie zuhause in der Vorweihnachtszeit. In dem ehemaligen Lagerhaus gibt es an die 100 Shops und in diesen die unglaublichsten Dinge aus fernnöstlicher Produktion. Klaus sucht ein Spezialöl für meine Kamera. Auf seine Frage nennt ihm ein Verkäufer in irgendeinem Laden Shop 15. Ich frage nach Wolle und erhalte als Antwort: „Shop 9.“ Woher wissen die Leute das? Wir finden beide nicht das Gesuchte, hatten aber unseren Spaß. Stricknadeln für die in Kapstadt gekaufte Sockenwolle finde ich dann doch noch in einem Wollgeschäft. Die Stricknadeln sind spottbillig, die hier angebotene Wolle ist uninteressant, sie besteht fast nur aus Acryl. Stricken ist ein seltenes Hobby, lediglich für wohltätige Zwecke wird gehandarbeitet, erfahren wir.

Der erste Weihnachtstag präsentiert strahlenden Sonnenschein. Wie viele andere Menschen sind wir am Strand. Man trifft sich mit Freunden, die Kinder spielen im Sand und später wird gemeinsam gegrillt, und wenn die Kinder Glück haben, dürfen sie noch auf den Rummelplatz. Vom Küchenfenster sehen wir etliche, die vor Aufregung und Vorfreude quietschen.

Am 26.12. brechen wir von East London auf in Richtung Durban. Zehn Stunden Fahrzeit sind für die Strecke angegeben. Zu lange, da übernachten wir lieber unterwegs. Das Strandcafé ist rappelvoll, wir entschließen uns, unterwegs zu frühstücken und fahren ins Landesinnere, wo wir wieder auf die bekannte N2 stoßen. Viel Grün, große Viehherden und jede Menge Häuser und Hütten, willkürlich verteilt, als hätte ein Kind mit Bauklötzchen um sich geworfen. Die Häuser der schwarzen Bewohner orientieren sich häufig an den früher üblichen runden Lehmhütten. Doch gemauert sind sie sechseckig. Und wenn es den Bewohnern finanziell etwas besser geht, haben sie noch einen von drei Säulen gestützten Vorbau.

Als Autofahrer muss man hochkonzentriert sein, weil sich immer mal wieder Rind, Schaf oder Ziege entschließen, auf die andere Straßenseite zu wechseln. So geht eine Vollbremsung auch immer mit einem Griff zur Warnblinkanlage einher.

Als wir Butterworth erreichen, knurrt uns der Magen. Wir halten an und machen uns auf die Suche nach einem Lokal, erst in die eine, dann in die entgegengesetzte Richtung. Die Stadt ist schmuddelig und vernachlässigt aber voller Leben. Unter dem Reklameschild vom „Hungry Lion“ ist ein Gemischtwarenladen, das Café hat geschlossen. Ein junger Schwarzer spricht uns an und schickt uns zur Niederlassung einer Fastfoodkette, die ich nie wieder betreten wollte, aber wenn man Hunger hat gelten andere Regeln. Gut gekleidete Menschen sitzen hier und essen oder warten auf ihre Bestellung. Kaffee gibt es hier nicht, wir bestellen einen Burger mit Hähnchenfleisch und irgendein Kaltgetränk, zu süß um es zu trinken. Wir sind anscheinend im Lokal und der ganzen Stadt die einzigen Weißen. Überall Menschen mit dunkler Hautfarbe. Man bekommt eine leise Ahnung, wie sich ein Farbiger bei uns fühlt, obwohl der Vergleich hinkt. Niemand schaut uns feindselig oder missbilligend an, ganz im Gegenteil, wohin wir auch schauen, wir sehen in den Blicken der Menschen nur Interesse und Freundlichkeit.

Je weiter wir nach Osten fahren, desto tollkühner werden die Autofahrer; überholen vor scharfen Kurven, bei absolutem Überholverbot und kurz vor der immer wieder angekündigten Überholspur, die sich mal auf der linken, dann wieder auf der rechten Seite befindet. Mit der dunkleren Hautfarbe der Fahrer ändern sich auch die Farben der Autos. Es wird bunter, das kann uns nur recht sein. Es ist nicht einfach, unter Hunderten weißen Fahrzeugen das eigene wiederzufinden.

Kurz vor Mthatha müssen tanken. Eine Warteschlange hat sich vor den vielen Zapfsäulen gebildet. Wundert mich nicht, denn wenn die Pumpe abschaltet, tröpfelt der Tankwart den verbleibenden Hohlraum noch randvoll, das dauert. Hier zahlen wir den bisher höchsten Preis, 211 Rand (1,079 €) für einen Liter Benzin, Diesel ist etwas teurer.

Kurz hinter der Stadt wird der Himmel dunkler, Wolken türmen sich auf und wir nähern uns einer Gewitterfront. Plötzlich entlädt sich ein Wolkenbruch, und als wir Mount Frere erreichen, strömt links und rechts der Straße ein kleiner Bach bergab. Beim Überspringen verliert ein Mann einen Schuh, und noch ehe er sich bücken kann, ist der schon zwanzig Meter weiter. Wir würden uns nicht wundern, wenn der uns noch überholt.

Als wir gegen Abend Kokstadt erreichen, ist das Unwetter zwar vorbei, aber die abgerissenen Äste auf der Straße zeigen, dass es auch hier heftig gewesen sein muss. Im Hotel sind wir die einzigen Gäste, ein Angestellter hat auf uns gewartet und tut es auch weiterhin, als wir nochmal in die Stadt fahren, um etwas zu essen. Die drei angefahrenen Lokale haben geschlossen und so landen wir zum zweiten Mal an diesem Tag in einem Fastfood-Laden, dieses Mal mit dem goldenen M. „Wir möchten das Weihnachtsmenü,“ sage ich zu der jungen Frau. Der ist das ziemlich unangenehm, „sorry Maam, we don’t have, only normal food,“ stammelt sie und dann lachen wir alle drei.

Als wir zurück im Hotel sind, hat auch der junge Mann Feierabend. Er schließt die Tür und das eiserne Eingangstor und wir sind allein. Ein leichtes Gefühl von „Shining“ beschleicht mich, zum Glück habe ich einen starken Mann an meiner Seite.

zurück

6. Durban

Durch eine Modelleisenbahnlandschaft geht es am Morgen zurück Richtung Küste.

In Port Shepstone wollen wir Mittagspause machen. In der Innenstadt ein einziges Gewimmel, es ist Markttag. Menschen und Autos laufen und fahren kreuz und quer, ohne auf den Verkehr zu achten. Ich bemühe mich, unser Auto schnell aus diesem Knäuel herauszumanövrieren und wir fahren auf dem schnellsten Weg zurück auf die N2. Ein paar Kekse ersetzen den Mittagsimbiss.

An der Wild Coast in der Provinz KwaZulu-Natal (der Gartenprovinz) reihen sich die Urlaubsorte aneinander, hin und wieder erhaschen wir einen Blick aufs Meer. Die Straße ist vierspurig mit einem breiten grünen Mittelstreifen, der auf manche Kühe eine magische Wirkung hat, genau da wollen sie grasen. Etliche Menschen benutzen den Standstreifen als Fußweg.

Einige Zeit später erreichen wir den Stadtrand von Durban, mittlerweile zweitgrößte Stadt des Landes. Die Stadt mit ihren verschiedenen Baustilen und Alleen wirkt einladend.

Wir müssen noch weiter. Vorbei am Moses Mabhida Stadion, das für die Fußballweltmeisterschaft 2010 erbaut wurde, Platz für 70.000 Zuschauer hat und wie ein riesiger Henkelkorb aussieht. In Durban North haben wir für eine Woche eine Unterkunft. Für 15 Uhr sind wir angemeldet, und weil wir noch Zeit haben, fahren wir in ein Einkaufszentrum in der Nähe. Pick ’n Pay hat hier einen „Hypermarkt“ und wir verbummeln nach einem Cafébesuch hier die Zwischenzeit. Unglaublich die Größe des Marktes, 35 Kassen reihen sich aneinander und 80 % sind besetzt. Hier gibt es nicht nur Quengelware an den Kassen, eine Spielecke in rosa ist schon darauf ausgerichtet, Wünsche bei kleinen Mädchen zu wecken. Damit wird schon der Grundstein für spätere Kaufräusche gelegt. Für Jungen stehen in den Gängen ganz unauffällig Fahrzeuge herum, die an Ort und Stelle ausprobiert werden können und sollen.

Nach fünf Minuten Fahrt kommen wir bei unserer Wohnung an. Sie liegt in einem wunderbar grünen Villenviertel. Die Wohnung selbst kann mit der Umgebung nicht mithalten. Liegt vermutlich daran, dass die Besitzerin in Kapstadt lebt und sich andere Menschen um Ausstattung und Instandhaltung kümmern. Uns entschädigt der Pool, der drei Meter von unserer Eingangstür entfernt ist. Wir haben schon schlechter gewohnt. Im Haupthaus wohnt derzeit die Freundin der Besitzerin, eine freundliche schwarze Krankenschwester. Sie warnt uns gleich, dass sie eine Silvesterparty feiert und dass es laut werden könnte. Kein Problem für uns, wir gehen ja nicht mit den Hühnern ins Bett. Laut ist auf jeden Fall ihr kleiner Hund, ein Morkie (Mischling aus Yorkshire und Malteser). Der müsste abends heiser sein, denn mindestens einmal täglich läuft eine Gruppe grüner Meerkatzen durch den Garten und der Hund flippt aus. Die Affen lassen sich davon in keiner Weise stören, sie laufen auf der Grundstücksmauer entlang, springen in die Palmen, machen es sich gemütlich und fressen in aller Ruhe die sorgfältig ausgewählten reifen Früchte.

In den nächsten Tagen erkunden wir die nähere Umgebung, immer mit dem Auto, ich sage nur: „Knie.“ Es gibt viele nette Lokale, gute Geschäfte, traumhaft schöne Häuser, und die Vegetation versetzt uns immer wieder in Begeisterung. Gerade beginnen die Flamboyant-Bäume zu blühen und das intensive Rot sieht man schon von weitem leuchten. Laut einer Erhebung soll Durban die grünste Stadt der Welt sein, aber um diesen Ruf streiten sich noch ein paar andere Kandidaten.

Strände gibt es in und um Durban mehr als genug, doch vor den populären Stränden der Innenstadt sind wir gewarnt worden. In den Sommerferien werden die Touristen busweise herangekarrt, sie bringen Alkohol mit und der begünstigt Pöbeleien und Streitereien. Laut Wikipedia ist „Golden Mile“ eine Haupttouristenattraktion. An diesem Strandabschnitt mit goldenem Sand sollen die Hauptaktivitäten „Schwimmen, Surfen, Ertrinken und Angeln“ sein. Das wollen wir gar nicht erst ausprobieren.

Wir besuchen einen der Strände nördlich der Stadt, das Meer rollt in hohen Wellen an den Strand und hat den Sand zu einer Barriere aufgeschoben. Ein Pärchen hat sich hier niedergelassen und den Platz ringsherum mit vielen leeren Bierflaschen dekoriert. An den meisten Stränden herrscht Alkoholverbot, kontrolliert wird das jedoch kaum.

Die Altstadt von Durban, macht einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Das erste Parkhaus, das wir ansteuern, ist wegen Baufälligkeit geschlossen. Das zweite wirkt nicht viel vertrauenerweckender, aber wo wir schon mal drin sind, bleiben wir auch. Die anderen – ausnahmslos schwarzen Besucher – werfen uns erstaunte Blicke zu. Das setzt sich auf der Straße fort. Durch einen schmalen Durchgang, in dem unter offenen Zeltlingen frisiert und pedikürt wird, laufen wir zur West Street, die dicht an dicht mit Weihnachtsdekoration überspannt ist.

Viele Menschen sind unterwegs und besuchen die zahlreichen Geschäfte und Restaurants. Etliche Frauen reizen das Schönheitsideal – gut gepolsterte Hintern – bis zum geht nicht mehr aus. Wo findet Frau bloß die passenden Hosen?

In der Hitze laufen wir weiter zur City Hall, einem der Prachtbauten Alt-Durbans, ehemals Rathaus – jetzt Museum. Davor eine kleine Grünfläche – und glücklicherweise öffentliche Toiletten. Nach ein paar Minuten treffen wir uns unverrichteter Dinge wieder auf der Straße. Von 10 Toiletten sind 6 gesperrt, drei lassen sich nicht abschließen die letzte – naja. Klaus hat ähnliche Erfahrungen gemacht, nur dass man ihm noch ein eindeutiges Angebot gemacht hat, das er nicht annehmen wollte.

Gegenüber liegt die prächtige Central Post, ein Stück weiter die Workshop Mall (ehemalige Eisenbahnwerkstätten), heute ein klimatisiertes Einkaufszentrum und gegenüber der alte Bahnhof von 1898. Während der Apartheid ist er umgebaut worden, separate Wartehallen und Gleise garantierten die Trennung der Rassen. Heute hat die Touristeninformation hier ihren Sitz. Das Gebäude bietet ein Kuriosum: Das Dach ist so konstruiert, dass es eine 5 Meter dicke Schneedecke tragen kann. Warum? Das Londoner Architektenbüro hatte seinerzeit die für Toronto entwickelten Baupläne nach Durban geschickt. Ob der Bahnhof in Toronto irgendwann eingestürzt ist, weil das Dach die Schneelast nicht tragen konnte, entzieht sich meiner Kenntnis.

Eigentlich wollten wir noch den Hafen besuchen, den viertgrößten der Südhalbkugel. Was von hier aus in alle Welt verschifft wird, ist beeindruckend: bis zu 480.000 Autos pro Jahr, Kohle, Öl, Früchte, Holz, Fisch, Zucker. Die Liste ist nicht vollständig. Ganze 58 Piers ragen ins Meer, und natürlich legen hier auch Kreuzfahrtschiffe an. Wahnsinnig interessant, aber es ist so heiß, dass man es kaum aushalten kann. Deshalb fahren wir zurück in unsere klimatisierte Wohnung. Die Regenschauer, die in dieser Woche häufig fallen, bringen keine Abkühlung.

Silvester, den ganzen Nachmittag toben die Kinder, die im Haupthaus zu Besuch sind, im Pool. Es wird geplanscht, gequietscht und gelacht. Abends um 20 Uhr, als die Party losgeht, hören wir NICHTS. Keine Stimmen, keine Musik, kein Lachen. Erst Punkt Mitternacht treten einige der Gäste auf den Balkon. Wir wünschen uns gegenseitig ein Happy New Year. Dann ist oben wieder Totenstille. Da kennen wir aber andere Silvesterfeiern. Wir stehen mit unseren Sektgläsern draußen und bewundern das von der Stadt Durban am Strand gezündete Feuerwerk. Gut 15 Minuten lang steigen die Raketen in den Himmel und lassen Fontänen in allen Farben erglühen. Danach versucht ein Nachbar, die Veranstaltung zu überbieten. Feuerwerk ist Privatleuten zwar verboten, aber kontrolliert wird das kaum.

Wir fahren die Straße am Meer entlang in nördlicher Richtung und kommen nach uMhlanga, einer erst 2000 gegründeten Stadt, die sich von einem kleinen Urlaubsort zu einem florierenden Geschäftszentrum entwickelt hat. Dass hier Geld vorhanden ist, merken wir beim Besuch eines Restaurants, in dem wir die einzigen weißen Gäste sind. Hier treffen wir auf einen schwarzen Mittelstand, die Menschen sind sehr modisch gekleidet, die Frauen toll zurechtgemacht und alle machen einen äußerst selbstbewussten Eindruck. Man hat Geld und zeigt das auch. Im hochmodernen Einkaufszentrum im neuen Stadtteil gibt es einen Shop, in dem Wohnungen im Doppelhochhaus verkauft werden, ab 290.000 Rand (ca. 15.000 €) wird man glücklicher Besitzer.

Morgen geht es weiter, wir werden frühstücken gehen, unsere Wäsche aus der Wäscherei holen und auf der N2 weiter Richtung Nordost fahren.

zurück

7. Santa Lucia

Punkt 10 Uhr stehen wir vor der Wäscherei „Wishy Washy“, die Mitarbeiterin schüttelt den Kopf, die Wäsche ist noch nicht fertig. Na gut, gehen wir frühstücken und kommen nochmal wieder. Jetzt ist die Besitzerin, eine Inderin wie in den meisten Waschsalons, da und bittet noch um 5 Minuten Zeit. Dann bekommen wir ein fast heißes Paket in die Hand gedrückt und noch eine Entschuldigung dazu.

Wieder unterwegs auf der N2 in sattgrüner Landschaft. An diesem Samstag sind deutlich mehr Fahrzeuge unterwegs als sonst. Die Sommerferien neigen sich dem Ende entgegen und viele Familien kehren aus dem Urlaub zurück. Ich weiß ja nicht, ob es in Südafrika Verkehrsfunk gibt, aber nach allem was wir bisher gesehen haben, könnten die Sender wegen ständiger Warnmeldungen gar keine Musik spielen. Menschen und Tiere befinden sich ständig auf der Fahrbahn. Dieses Mal sind am Rand der Straße auch noch jede Menge Verkaufsstände aufgebaut, Mangos und Ananas sind reif.

Die Straße führt kilometerlang durch Zuckerrohrfelder. Je näher wir Richards Bay kommen, umso mehr schwer beladene LKW müssen wir überholen. Nachdem die große Lagune 1976 zum zweitgrößten Tiefseehafen den Welt ausgebaut, und sowohl eine Eisenbahnlinie als auch Öl- und Gas- Pipeline bis zum Hafen verlegt worden waren, mutierte die Stadt für lange Zeit zum weltgrößten Kohleexporteur, inzwischen hat die australische Stadt Newcastle diesen Platz erobert. Doch noch immer wird von hier Kohle verschifft, und knapp 4 Millionen Tonnen gelangen pro Jahr nach Deutschland. Der Transport zum Hafen läuft längst nicht mehr über die Schiene. Zahlreiche Sabotageakte haben die Strecke nach und nach unpassierbar gemacht. Das soll auf das Konto der LKW-Lobby gehen. Kohle ist längst nicht alles, Aluminium aus den von weitem sichtbaren Hüttenwerken und viele andere Güter verlassen von hier aus das Land.

Bei der Weiterfahrt fallen uns etliche Langholztransporter auf. Kurze Zeit später fahren wir kilometerlang durch sterile Plantagenwäldern aus Eukalyptus, die zur Straße mit Elektrozäunen begrenzt sind, falls sich doch mal ein wildes Tier durch die Stämme wagt. Die Bäume sind hoch, gerade und in perfektem Abstand gepflanzt. Wir fahren durch ein paar Ansiedlungen. Vor und hinter der Straße, die in die Ortsmitte führt, sind im Abstand von ein paar Metern vier bis fünf Bodenschwellen angebracht, jede bestimmt 20 Zentimeter hoch. Oben drauf ist ein Zebrastreifen gemalt. Warum solch ein Nest so viele Fußgängerüberwege braucht, wissen wahrscheinlich nicht mal die Straßenplaner. Diese Autoschikanen gibt es natürlich nicht nur hier, wir haben schon hunderte überquert.

Endlich kommt Santa Lucia in Sicht, nur noch über die Brücke, dann sind wir in dem unerwartet lebendigen Ort. Ganz am Ende finden wir unsere gebuchte Lodge. André, der Besitzer führt uns zuerst durch den herrlichen Garten. Er ist stolz darauf, als Einziger der Anlieger keine Abgrenzung zum Fluss zu haben. Deshalb marschieren des Nachts immer mal wieder Flusspferde durch seinen Garten. Er deutet auf einen Busch, den ein Bulle als sein Revier markiert hat. „Dreht dem Weg nicht den Rücken zu wenn ihr draußen sitzt,“ mahnt er, „und wenn ein Hippo kommt, dann schnell hinter den Bungalow.“ Der kreisrunde Bungalow hat gut 25 m² Wohnfläche und einen lauschigen Sitzplatz mit Grill daneben. Alles ist sehr gepflegt. „Das mache ich selbst,“ erklärt der etwa 60jährige stolz. Er putzt, spült, macht die Betten und kümmert sich liebevoll um seinen paradiesischen Garten. „Hoffentlich habt ihr was zur Unterhaltung dabei, die nächsten Tag gibt es Regen,“ sagt André. Da muss er sich nicht sorgen, wir werden uns bestimmt nicht langweilen.

Die Fleischtheke im Supermarkt bietet ein ungewohntes Bild. Gleichmäßig dicke Scheiben liegen hinter Glas, es sieht aus, als sei das gefrorene Tier im Ganzen wie ein Toastbrot quer aufgeschnitten worden. Gegenüber ist der Obstmarkt, mit einer großen Tüte reifer Ananas und Mangos kehren wir zurück.

Am nächsten Tag bleibt es noch trocken, das nutzen wir für einen Ausflug in den iSimangaliso-Nationalpark, ein Feuchtgebiet. Gleich beim ersten Abzweig von der asphaltierten Straße sehen wir in einem Seitenarm Nasen und Ohren von bestimmt fünfzehn Flusspferden. Was für ein Glück. Durch die vielen Aussichtspunkte brauchen wir Stunden, bis wir am Ende das Cape Vidal erreichen, obwohl es nur 30 Kilometer entfernt ist. Auf dem Parkplatz reihen sich die Pick-ups aneinander. Wir sind direkt am Meer, hier wird gern gebadet und vor allem geangelt. An der Fischsäuberungsstation werden gerade mehrere fast einen Meter lange Fische filetiert und entweder auf den Braai (Grill) oder in die Kühltasche gelegt. So sieht ein perfekter Tag für Südafrikaner aus.

Wie angekündigt regnet es am nächsten Tag. Es regnet in der Nacht und auch noch am übernächsten Tag. Danach gibt es zwischendrin immer wieder trockene Stunden. Doch draußen sitzen ist unmöglich, Mücken versuchen uns auszusaugen. Deshalb verpassen wir auch die Hippos, falls sie denn durch den Garten stampfen. Wenigstens ein Warzenschwein mit Warzenferkel hat seinen Auftritt im Garten. Und ein Rotringtoko hat sich unsern Baum auf der Terrasse als Schlafplatz erkoren und kommt zuverlässig jeden Abend. Und morgens kreischen uns die Hagedasch – eine Ibisart – wach.

Unser Gastgeber begleitet mich zu der von einer guten Bekannten geführten Wechselstube, wo ich Rand in US$ umtauschen kann. Die brauchen wir, um unsere Visa für Simbabwe und Tansania zu bezahlen. Ich bin erleichtert, als ich die 300 Dollar im Portemonnaie verstaut habe.

Seit dem Wochenende sind merklich weniger Touristen in der Stadt. Wir fahren zum Estuary boardwalk. Kurz vorher ist quer über die Straße eine Kette gespannt, Autofahrer werden kontrolliert, ob sie Alkohol dabei haben. Uns glaubt man das, ohne dass wir den Kofferraum öffnen müssen. Am Parkplatz sind einige Souvenirstände aufgebaut, aber niemand bedrängt uns, etwas zu kaufen. Der Plankenweg durch das Naturschutzgebiet ist gut 1000 Meter lang und führt in unterschiedlicher Höhe durch den Wald. An einer Ausbuchtung steht eine japanische Touristengruppe, alle haben Fotoapparate mit riesigen Objektiven aufgebaut und versuchen den einen Webervogel abzulichten, der im Schilf beim Hausbau ist. Als wir weiterlaufen, flüchten die Krabben auf den Holzplanken in alle Richtungen. Es ist verboten, den Steg zu verlassen, hier ist Krokodilgebiet. An einer Stelle ist der Weg allerdings abgesenkt und wir müssen durchs Wasser laufen. Diese Stelle ist für die Flusspferde, damit sie auf die andere Seite kommen. Andernfalls würden sie Gewalt anwenden. Hoffentlich kennen die Krokodile diese Stelle nicht. Am Ende beginnt der Strand, aber da müssen noch ein paar Dünen überquert werden, bevor das Meer erreicht wird.

Abends gehen wir zum Essen aus. Wir bestellen eine Fischplatte und sind begeistert. Unser Gastgeber hat uns das Lokal empfohlen, weil der Besitzer eine der raren Fischereilizenzen besitzt. Bevor wir gehen, erkundigt sich der Kellner noch bei seinen Kollegen, ob es draußen ungefährlich sei. Immer wieder laufen Flusspferde durch die Straßen der Stadt, dann heißt es für die Menschen: Drinnen bleiben. Gerade in der vorigen Woche hat ein Tourist aus dem Ausland die Warnung nicht ernst genommen und hat sich einem Tier für das perfekte Foto genähert. Das hat ihn kurzerhand umgeschmissen, er kann von Glück sagen, dass er mit ein paar Prellungen davon gekommen ist.

Am letzten Tag machen wir noch eine Bootstour auf den Santa-Lucia-Lake. Wir laufen zur Anlegestelle und erfahren, dass das Boot wegen Hochwasser heute jenseits der Brücke ablegt, wir schaffen es gerade so. Während der Fahrt erzählt uns der Kapitän alles über die Hauptattraktion – die Flusspferde. Die so tapsig wirkenden Tiere sind ziemlich gefährlich, jedes Jahr kommen durch sie ca. 500 Menschen ums Leben, Löwen und Elefanten schaffen je nur ein Fünftel davon. Tagsüber halten sie sich im Wasser auf, weil ihre Haut so empfindlich ist, dass sie Sonnenbrand bekommen. Dabei können sie gar nicht schwimmen, sie müssen immer Grund unter den Füßen haben. Die männlichen Tiere werden bis zu 3,50 Meter lang, 1,70 Meter hoch und wiegen bis zu 2 Tonnen. Die Weib(chen) sind etwas kleiner und leichter. Trotz dieser Masse können die Tiere bis zu 40 km/h Geschwindigkeit erreichen. „Nicht mal Usain Bolt könnte ihnen davonrennen,“ erklärt der Kapitän. Pro Tag vertilgen sie 40 kg Gras und laufen bei der Futtersuche bis zu 10 km weit. Und dann kommen wir an die Stelle, wo ein paar von ihnen im Wasser stehen. Alle zücken ihre Handys oder Kameras, für die meisten ist dann die weitere Fahrt uninteressant. Allenfalls ein Krokodil kann ihre Aufmerksamkeit kurz vom Smartphone ablenken.

Die Verabschiedung von André ist überaus herzlich, wie von einem lieben Freund.

zurück

8. Jozini, Ermelo und Malelane

Unser Gastgeber hat uns genau über die vor uns liegende Strecke informiert. Er kennt sie gut von den Besuchen bei seiner Tochter, die in Mozambique lebt. Die Straße ist genauso kaputt, wie er es uns geschildert hat. Wenn es keine Potholes (Schlaglöcher) gibt, dann ist der Asphalt zu Wülsten zusammengeschoben. Für die mit Kohle oder Zucker schwer beladenen LKW sind die Straßen nicht ausgelegt. Die Fahrt ist mühsam, Überholen oft schwierig und man muss höllisch aufpassen, nicht in die tiefen Löcher zu geraten.

Wir haben uns die kleine Stadt Jozini ausgesucht, weil sie am Ufer des Pongolapoort-Stausees liegt, und wir uns eine malerische Umgebung vorstellen. Doch schon Jozini ist ein Schock. Das ist wirklich Schwarzafrika. Es ist Markttag, die Autos stehen kreuz und quer, es geht weder vorwärts noch rückwärts. Wir wollen zum Einkaufen in die Mall, finden aber vor lauter Marktständen die Einfahrt nicht. Kurz vor dem nächsten Supermarkt tut sich dann doch eine Lücke auf, und so können wir noch unsere Lebensmittel besorgen.

Kurz darauf fahren wir über die Staumauer und ich erinnere mich an meinen ersten Schulausflug an die Möhnetalsperre. Auf dem Stausee liegen Ausflugsschiffe, doch vor ein paar Wochen wurden Touristen darauf beschossen. In diesem Gebiet leben viele Elefanten außerhalb eines Naturschutzgebietes und das Dreiländereck (Südafrika, Eswatini und Mozambique) haben Wilderer für die Jagd nach Elfenbein entdeckt. Angeblich hatten sie das Ausflugsboot für ein Polizeiboot gehalten.

Unsere Unterkunft liegt 6 Kilometer außerhalb, die letzten paar hundert Meter geht es über eine ausgefahrene Staubstraße. Das Gelände der Lodge ist von einer Mauer umgeben und mit einem großen Tor verschlossen. Am Tor ein Schild „Pool geöffnet von 10 bis 14 Uhr, Wochenende eine Stunde länger“. Wir beziehen eins von vier Zimmern, groß, sauber, mit Küche, Klimaanlage und überdachter Terrasse. Die Küchenausstattung ist recht überschaubar, Teller, Tassen, Besteck, Gläser sind nur zweifach vorhanden. Was denken die Leute, was Selbstversorger brauchen? Ein großer Kühlschrank und Herd mit Backofen stehen jedenfalls da. Auf Nachfrage bekommen wir wenigstens noch ein großes Messer.

Als wir zum Pool gehen verstehen wir erst, was die angeschriebenen Zeiten bedeuten. Er wird auch von anderen Leuten genutzt. Etwa 20 junge Leute werfen sich zu lauter Rappmusik immer wieder ins Wasser. Da haben wir keine Chance auf eine Abkühlung. Die „offiziellen“ Zeiten sind längst vorbei, und noch immer herrscht Partystimmung. Und als es dunkel wird, heizt die Gruppe noch den Grill an und feiert weiter.

Am nächsten und übernächsten Vormittag haben wir das Becken für uns. Als wir nachmittags nochmal zum Pool gehen, werden wir von den jungen Leuten begeistert begrüßt und umarmt. Alle wollen Fotos mit uns. Wieder geht es laut und fröhlich zu. Nur am Sonntag kommen keine Gäste, es gewittert. Der starke Regen macht uns Sorgen, ob unser Auto es am nächsten Tag durch den Matsch schafft. Doch alles geht gut. Wieder in Jozini -Stadt, schaffen wir es diesmal auch auf den Parkplatz der Mall, doch hier gibt es nichts, wo wir gerne frühstücken möchten. Der unvermeidliche KFC lockt uns kein bisschen. Wir fahren weiter bis Pongola, die Stadt wirkt etwas aufgeräumter und wir können bei Wendy unseren Hunger stillen.

Der direkte Weg nach Norden zu unserem Ziel führt durch Eswatini (früher Swasiland), aber dafür müssten wir die Genehmigung der Autovermietung haben und eine extra Versicherung abschließen, also fahren wir drum herum. Der größte Teil der Strecke ist anstrengend, es sind so viele LKW unterwegs. Dafür ist unsere Unterkunft in Ermelo umso schöner, ein altes Farmhaus von 1916 mit den Original-Möbeln auf einem sanften Hügel. Ich hatte mich schon gewundert, dass in den Rezensionen eine Heizdecke im Bett lobend erwähnt worden ist. Doch die Stadt liegt 1700 Meter hoch und seit langem brauchen wir wieder lange Hosen und Jacken. Ermelo ist die Hauptstadt der Merinowollproduktion.

Während unser Frühstück zubereitet wird, schauen wir uns im Speiseraum um. Besonders gut gefallen uns ein Harmonium, ein Kinderhochstuhl im Thonet-Stil, und verschiedene Bilder der südafrikanischen Malerin Sandi Beukes. Auch die Lichtschalter, die als Schnüre von der knapp 4 Meter hohen Decke hängen und einen dicken Kristallknopf am Ende haben, gefallen uns.

Wir müssen noch ins Merino-Einkaufszentrum, einen Adapter besorgen. Auf dem großen Parkplatz fahren laut hupend ein paar mit Luftballons geschmückte Pickups herum. Auf den Ladeflächen stehen Schulkinder in ihren Uniformen und halten Plakate in die Höhe. Ob sie in einen neuen Schulzweig kommen oder nur in die nächste Klasse, kann ich so schnell nicht lesen. Die Schaufenster der Bekleidungsgeschäfte im Inneren der Mall sind voll mit Schulkleidung. Für unsere Verhältnisse ist alles sehr günstig, doch für die Menschen hier sieht das anders aus.

Auf der Weiterfahrt kommt nach ca. 10 Kilometern plötzlich eine Straßensperre. Wir werden auf eine Staubstraße geleitet, und rechnen mit ein paar hundert Metern, doch diese Umleitung ist 10 km lang und führt durch Matsch und Wasserlachen. Da vor uns ein LKW unterwegs ist, folge ich ihm mutig. Erst als eine total ausgefahrene Stelle kommt, kriege ich Muffensausen. Doch am Rand steht ein Bagger mit Fahrer und Klaus ist zuversichtlich: „Der wird uns schon rausziehen.“ Wir setzen kurz auf, schaffen es aber schlingernd durch das Hindernis. Ich bin so erleichtert, als wir die Teerstraße erreichen. Doch der weitere, angezeigte Weg würde uns nochmals über eine solche Strecke führen. Wir nehmen die andere Richtung und treffen nach ein paar Kilometern auf einer asphaltierten Straße wieder unsere Route.

Je weiter wir nach Norden kommen, umso wärmer wird es. Gegen 15 Uhr erreichen wir Malelane am Rand des Krüger Nationalparks. Durch die mit Schranke gesicherte Zufahrt kommen wir in eine Parklandschaft mit verschiedenen Häusern. An der Rezeption reicht uns Jane mit verschwörerischem Lächeln einen Schlüssel: „Ich habe für euch ein größeres Haus ausgesucht, das gebuchte ist doch sehr klein.“ Toll, jeweils drei ineinander verschachtelte Häuser stehen an einer Zufahrt. Dazu gehört immer ein Pool, eine offene Küche mit Sitzplätzen und zu jedem Haus eine Terrasse mit Grill. Leider können wir die nicht nutzen, es hat in der letzten Zeit viel geregnet und die Mücken sind überaus angriffslustig. Aber das Zimmer ist so schön, dass wir unser vorgekochtes Essen in der Mikrowelle aufwärmen und gerne drinnen verzehren.

Klaus erweist sich als Meister der Mikrowelle, als er am nächsten Morgen Frühstück mit Eiern und Bacon macht. Ein bisschen traurig fahren wir weiter, es war so schön hier. Doch jetzt haben wir noch etwas Besonderes vor.

zurück

9. Krüger Nationalpark

Von unserer schönen Unterkunft sind es nur 5 Minuten zu einem der Südeingänge des Krüger Nationalpark, dem Malalane Tor. Vor unserer Ankunft in Südafrika haben wir nicht geglaubt, dass wir uns den Besuch im größten Nationalpark dieses Landes überhaupt leisten können, aber geduldige Recherche hat dann doch eine Lösung gebracht. Es gibt einige Camps im Park, in denen man in Zelten übernachten kann. Schon vor einigen Wochen habe ich zwei ausgesucht und gebucht. Nach dem Ende der Sommerferien gibt es auch ausreichend Kapazitäten. Der in Teilen seit 1889 bestehende Nationalpark hat nach und nach seine heutige Größe von knapp 20.000 km³ und seine große Bedeutung für den Erhalt der heimischen Tierwelt erreicht.

Am Eingang müssen wir uns anmelden, die Reservierungsnummer angeben und bekommen eine Straßenkarte des Parks. „Verlassen Sie niemals das Auto und bleiben Sie auf den geteerten Straßen, die anderen sind durch die starken Regenfälle der letzten Tage unpassierbar,“ gibt uns der Ranger noch mit auf den Weg. Und jetzt sind wir wirklich und wahrhaftig in diesem weltbekannten Nationalpark.

Schon nach wenigen Kilometern treffen wir auf eine Herde Impalas. Muttertiere mit ihren Jungen grasen unbeeindruckt von haltenden Autos am Rand der Straße. Sie laufen hin und her, und ein Junges will mitten auf der Straße Milch haben. Auch wenn die Mutter unwillig mit dem Bein stößt, lässt es sich nicht von seinem Bedürfnis abbringen. Ein paar Kilometer weiter sehen wir eine Herde Elefanten. Direkt am Straßenrand hat sich durch den Regen der vergangenen Tage eine Lache gebildet, und den nutzen die Tiere zum Trinken und um sich abzukühlen. Wir sehen Zebras, Giraffen und verschiedene Vögel. Die Landschaft ist abwechslungsreich, grünes hügeliges Buschland und dazwischen immer wieder markante Felsformationen. Nur langsam kommen wir voran, weil es immer wieder was zu sehen gibt. Es ist völlig normal, einfach auf der Straße stehen zu bleiben. Die anderen Autofahrer stellen sich entweder dazu oder fahren langsam vorbei.

Gegen Mittag kommen wir zum Rastplatz Afsaal. Es gibt einen Shop, ein Restaurant, Tische und Bänke unter schattigen Bäumen, Toiletten und sogar einen Gebetsraum für Muslime.

Gegen 16 Uhr erreichen wir unser Camp Skukuza. An der Rezeption zahlen wir den Tageseintritt, der für Ausländer 535 Rand (28 €)kostet, bekommen einen Lageplan und einen Schlüssel für unser Zelt. Unsere Unterkunft aus stabilem Stoff hat eine Eingangstür aus Holz im festen Rahmen, zwei normale frisch bezogene Betten, einen großen Kühlschrank, einen Kleiderschrank, einen Ventilator und eine Deckenlampe. Handtücher für die ein paar Meter entfernten Waschräume liegen bereit. Vor dem Zelt ein Tisch, zwei Stühle und ein Grill. Gegenüber vor einem Familienzelt qualmt es schon. Wir laufen erstmal ein paar hundert Meter zum Swimmingpool. Es ist 35 Grad heiß, eine Strapaze für Mensch und Tier.

Auch andere Besucher versuchen, sich in dem badewannenwarmen Wasser abzukühlen. Sofort kommen wir mit den kontaktfreudigen Südafrikanern ins Gespräch. Der Krügerpark ist ein beliebtes Urlaubsziel, in der Natur zu sein ist für viele Menschen die schönste Art, ihre Freizeit zu verbringen. Da der Eintritt für sie nur 128 Rand (Kinder jeweils die Hälfte) kostet, ist ein Aufenthalt von mehreren Tagen auch bezahlbar.

Gegen 17 Uhr drehen wir nochmal eine Runde mit dem Auto in der Umgebung unseres Camps. Man muss unbedingt die Zeit einhalten, den um 18.30 werden die Tore geschlossen. In 10 Kilometern Entfernung liegt der Lake Panik. Der Weg ist zwar unbefestigt, aber ziemlich gut befahrbar. Ein schmaler, durch Zäune geschützter Weg führt zu einem Unterstand am See. Hier sitzen die Hobby-Ornithologen und haben ihre Kameras mit den 10.000 € teuren Objektiven auf eine Kolonie Webervögel ausgerichtet. Jeder läuft auf Zehenspitzen und als ein Handy brummt, zischt es „Pssst“ aus allen Ecken. Ich gebe mich unschuldig und tue so, als sei es nicht meins gewesen. Die Vögel lassen sich beim Netzbau sowieso nicht stören. Auf dem Rückweg zum Camp entdecken wir noch vier junge Hyänen, die in einer Röhre hausen und jetzt ihr Versteck verlassen haben, um sich zu balgen.

Wir sind rechtzeitig zurück und fahren noch zum Supermarkt, um Getränke zu kaufen und Geld in 5-Rand-Münzen zu tauschen, damit werden Waschmaschine und Trockner gefüttert. Leider sind gerade alle Geräte in Betrieb. Wir fahren erstmal zum Essen. Das schön eingerichtete Restaurant liegt am Fluss Sabie. Von der Terrasse sieht man rechts die Eisenbahnbrücke, auf der ein langer Zug steht. Tatsächlich ist 1912 eine Eisenbahnlinie durch einen Teil des Naturschutzgebietes gebaut worden, um die Besucher gefahrlos durch den Park zu bringen. Heute fährt da nichts mehr, aus den Waggons auf der Brücke ist ein Luxushotel entstanden.

Der Kellner winkt uns ins Innere, ein Gewitter droht. Wir bestellen uns ein Chateaubriand, das nach Art des Hauses am Tisch flambiert wird. Es ist perfekt gebraten und schmeckt hervorragend. Während die ersten Tropfen fallen kehren wir zu unserem Zelt zurück. In der Nacht öffnet der Himmel seine Schleusen, der Regen prasselt aufs Dach, aber unser Zelt ist dicht.

Am nächsten Morgen ist es trocken und kühler. Zum Frühstücken fahren wir ins nächste Restaurant. Im ehemaligen Bahnhof stehen auf dem überdachten Bahnsteig Tische und Stühle, ein Gleis mit einem kleinen Zug steht noch dort.

Kaum sind wir 10 Minuten unterwegs, kommt uns am rechten Straßenrand ein Leopard entgegen. Völlig unbeeindruckt von einigen Autos stellt er sich auf die Hinterbeine, scheuert seinen Rücken an einem dornigen Busch und läuft dann weiter. Ein Stück weiter sitzt ein Trupp Paviane auf der Straße. Schnell verriegele ich das Auto und fahre die Scheiben hoch. Keinen Moment zu früh, schon sitzt ein Männchen auf der Motorhaube, schaut uns durch die Scheibe an und sucht einen Weg ins Innere. Als es sich an der Gummidichtung der Heckscheibe zu schaffen macht, fahre ich langsam los und das behagt ihm nicht, es springt wieder auf die Straße. Später sehen wir einen weiteren Trupp mit vielen Jungtieren. Anscheinend finden auch Wildtiere eine geteerte Straße angenehm um sich dort aufzuhalten. Ein Auto stellt keine unmittelbare Gefahr dar, wenn man es nicht verlässt.

Heute ist wirklich ein guter Tag, Giraffen, Nashörner, Elefanten, Antilopen, Zebras, Gnus, Wildhunde entdecken wir. Der Tierreichtum ist unglaublich, wie gut dass es diesen Park gibt. Die Landschaft verändert sich, die dichten Büsche werden weniger, die Grasflächen weiter. Dazu kommen jetzt mehr und mehr Termitenbauten.

Mittags halten wir für einen Snack im Satara Park und kommen am späten Nachmittag in unserem zweiten Camp Letaba an. Auch hier übernachten wir im Zelt. Dieses Mal ist die Waschküche frei, wir füllen eine Maschine und fahren zum Essen. „Parken Sie nicht unter dem Leberwurstbaum,“ steht auf einem Schild vor dem Restaurant. Eine einzige Frucht kann bis zu 12 kg schwer werden. Das gibt große Beulen. Dieses Restaurant hat ebenfalls eine große Terrasse mit Blick auf einen Fluss, den Letaba. Wir sitzen draußen, essen Krokodilschnitzel und beobachten, wie ein Flusspferd ans Ufer stapft.

Die Rückfahrt gestaltet sich schwierig, wir finden unser Zelt erst im dritten Anlauf, die Wege sind kaum beleuchtet und die Beschilderung dürftig. Jetzt muss noch die Wäsche in den Trockner und in einer Stunde laufen wir nochmal mit Stirnlampen durch das stockdunkle Gelände zur Waschküche. Wir sind froh, keinen großen Wildtieren zu begegnen, hier sollen nachts öfter Hyänen herumstreifen, lediglich ein Buschbaby sitzt in einer Astgabel und Fledermäuse und Nachtvögel sind unterwegs.

Als wir morgens aus dem Zelt kommen, sitzen ein paar Meerkatzen schon erwartungsvoll vor unserer Terrasse und unzählige kleine graue Hörnchen wuseln herum. Tut mit leid, für euch gibt es kein Frühstück von uns. Die Tiere zu füttern ist strengstens verboten. Wir fahren zum Restaurant. Beim Blick von der Terrasse sehen wir mehrere Krokodile und eine Versammlung von Marabus. Als wir frühstücken nähern sich uns verschiedene Vögel, ein Glanzstar schnappt sich den letzten Bissen Toast aus meiner Hand. Ganz schön dreist.

Im Letaba Camp steht das einzige Elefantenmuseum der Welt. Vor der Tür die Nachbildung eines Bullen, beeindruckend diese Masse. Im Inneren erfährt der Besucher alles, was es über Elefanten zu wissen gibt. Wie unterschiedlich die Stoßzähne geformt sein können ist hier an gut zu sehen. Die Schädel mitsamt der gewaltigen Stoßzähne sind ausgestellt. Besonders beeindruckend ist ein Schädel, durch den ein Stoßzahn ragt. Es war ein Kampf zwischen zwei Bullen, den der Herausforderer verloren hat.

Wir tanken sicherheitshalber nochmal hier, bevor wir weiterfahren. Noch einmal fahren wir Richtung Norden bis zum Mopani Camp. Der Regen der letzten Tage hat den Letaba ansteigen lassen und jede Menge Treibholz und Plastikmüll in den Park geschwemmt. Das wird dauern, bis alles weggeräumt ist. Inzwischen ist aber die Brücke wieder passierbar und wir können unseren Weg fortsetzen. Wieder sehen wir Elefanten und eine Herde Kaffernbüffel. Auch Wasserböcke haben wir erst hier gesehen, und als wir auf eine Hyäne mit zwei Welpen treffen, ist unsere Freude groß.

Traurig verlassen wir nachmittags den Park durch das Phalaborwa Gate, aber diese 3 Tage mit den Tierbeobachtungen werden wir nie vergessen.

zurück

10. Letzte Tage in Südafrika

Kaum haben wir den Nationalpark verlassen, wird die Autofahrt unangenehm. LKW ohne Ladung drängen von hinten, die Potholes auf der Straße machen allerdings schnelles Fahren mit dem kleinen PKW unmöglich. Links und rechts der Straße steht dichtes Grün, hier liegen private Naturparks, die vom Ruf des Krügerparks profitieren. In regelmäßigen Abständen warnen Verkehrsschilder vor Flusspferden, Elefanten und Warzenschweinen.

Ich bin froh, als wir nach rechts Richtung Gravelotte abbiegen können. Die Freude ist allerdings von kurzer Dauer, diese Straße hat mehr Löcher als Asphalt. Wir entschließen uns für einen großen Umweg, der uns durch riesige Obstplantagen führt. Die Villen der Besitzer sind groß und prächtig und die Hotels in dieser Gegend im oberen Preissegment angesiedelt. In Lorraine bei Trichardtsdal habe ich was gefunden. Wir sind überrascht, einige französische Namen zu lesen und gespannt, was uns erwartet. Die Malala-Lodge erreichen wir gegen 18 Uhr. Im Hof sitzen Männer und Frauen herum und staunen über die einzigen weißen Besucher. Der Besitzer steht hinter der vergitterten Rezeption und weist uns den Weg durch die mit einem massiven Tor verschlossene Zufahrt zu den Zimmern. Unseres hat ein frisch bezogenes Bett, ein Badezimmer, das man ohne Schuhe nicht betreten möchte und einen Wasserkocher, den man nicht einstöpseln kann, weil die Steckdose kurz unter der Zimmerdecke angebracht ist und das Kabel zu kurz ist. Unsere Frage nach einem Restaurant lässt ihn mit den Schultern zucken. Wir müssen schleunigst noch ein paar Kilometer zum nächsten Einkaufszentrum fahren, wo – welche Freude – KFC der einzige offene Laden ist. Wir kaufen etwas zum Mitnehmen und sehen zu, dass wir zurück in der Lodge sind, bevor es völlig dunkel ist. Schlaglöcher, Kühe auf dem Heimweg, Autos ohne Licht und Menschen auf der Straße erschweren den Rückweg. Aber wir schaffen es.

Am nächsten Morgen überreichen wir dem Zimmermädchen unsere Kühltasche mit den restlichen Lebensmitteln und die nach und nach angeschafften Kochutensilien. Ich werde herzlich umarmt und habe das Gefühl, die Sachen haben die richtige Besitzerin gefunden. Die Suche im Internet nach Frühstückscafés zeigt gleich drei Möglichkeiten, alle mit französischen Namen. Allerdings befinden sie sich in 30 bis 40 Kilometer Entfernung, und zwar in die entgegengesetzte Richtung. Bei dem Zustand der Straße kommt das überhaupt nicht infrage. Wir fahren los und sehen bei Sonnenschein die Schönheiten Lorraines. Links in einer schiefen Wellblechhütte ein Schönheitssalon, rechts der „Coiffeur“. Es gibt Läden für alles und jeden, und man muss den Optimismus bewundern, großspurige Bezeichnungen auf rostigen Untergrund zu pinseln. Nach einer Stunde erreichen wir die hübsche Stadt Tzaneen inmitten des fruchtbaren Obstanbaugebietes. Wir können in einer großen Gärtnerei frühstücken. Wie bei vielen Lokalen gibt es einen großen Spielbereich für Kinder und die Eltern sitzen auf der überdachten Terrasse oder auf dem Rasen, und schauen beim Essen ihren Kindern zu.

Auf besserer Straße kommen wir gegen Mittag nach Polokwane. Da unser gebuchtes Zimmer nur unwesentlich teurer ist als das letzte, erwarten wir nichts besonderes. Aber dieses Mal werden wir positiv überrascht. Das Zimmer befindet sich in einer Villa mit Pool. Die schwarze Haushälterin begrüßt uns, führt uns herum und fragt, ob wir ihr 5 Rand für den Bus geben können. Wir können und dann genießen wir die gepflegte Umgebung, unsere eigene kleine Terrasse und das duftende Bettzeug. Nach der vielen Fahrerei der vergangenen Tage haben wir keine Lust, die eigentlich sehenswerte Hauptstadt der Provinz Limpopo zu besichtigen. Auch abends wollen wir nicht mehr weg und bestellen uns über einen Lieferdienst etwas zu Essen.

Am nächsten Tag, es ist Sonntag, bereiten uns unsere Gastgeber ein leckeres Frühstück. Der burische Ehemann ist Bauunternehmer und hat dieses ungewöhnliche Haus mit von innen sichtbarem Reetdach selbst entworfen. Wir werden herzlich verabschiedet und machen noch einen kleinen Abstecher in die Mall, bevor wir uns auf die mehr als 300 Kilometer lange Strecke nach Johannesburg begeben.

Wir haben eine Wohnung in Flughafennähe gemietet. Pen, die Besitzerin begrüßt uns mit Tyson, einem 12 Wochen alten schokoladenbraunen Dackel auf dem Arm. Die Wohnung ist groß und bequem. Wir haben genug Platz, unsere Koffer neu zu packen und überzähliges auszusortieren, bevor wir morgen zum Flughafen fahren. Da das nette Restaurant in der Nähe sonntags schon um 16 Uhr schließt, bemühen wir noch einmal den Lieferdienst. Als nach einer Stunde noch nichts passiert ist, fragt Klaus nach und erhält ein Foto, wo die Tasche mit dem Essen an ein schwarzes Tor gebunden worden ist, nur ist unser Tor weiß. Und dann dämmert es uns, die Lieferung ging an dieselbe Adresse in Polokwane wie am Abend zuvor. So kommt das nette burische Ehepaar unerwartet zu einem indischen Abendessen.

Pen macht uns Frühstück, dann fahren wir zum Flughafen und geben unseren Hyundai I10 ab, der uns 67 Tage lang über Stock und Stein, durch Löcher, Schlamm und Wasserpfützen transportiert hat. Wir haben keinen Unfall und keine Panne gehabt und müssen ab jetzt wieder planen, wie wir weiterkommen.

Um 12:45 Uhr fliegen wir nach Victoria Falls in Simbabwe.

zurück