8. Jozini, Ermelo und Malelane

Unser Gastgeber hat uns genau über die vor uns liegende Strecke informiert. Er kennt sie gut von den Besuchen bei seiner Tochter, die in Mozambique lebt. Die Straße ist genauso kaputt, wie er es uns geschildert hat. Wenn es keine Potholes (Schlaglöcher) gibt, dann ist der Asphalt zu Wülsten zusammengeschoben. Für die mit Kohle oder Zucker schwer beladenen LKW sind die Straßen nicht ausgelegt. Die Fahrt ist mühsam, Überholen oft schwierig und man muss höllisch aufpassen, nicht in die tiefen Löcher zu geraten.

Wir haben uns die kleine Stadt Jozini ausgesucht, weil sie am Ufer des Pongolapoort-Stausees liegt, und wir uns eine malerische Umgebung vorstellen. Doch schon Jozini ist ein Schock. Das ist wirklich Schwarzafrika. Es ist Markttag, die Autos stehen kreuz und quer, es geht weder vorwärts noch rückwärts. Wir wollen zum Einkaufen in die Mall, finden aber vor lauter Marktständen die Einfahrt nicht. Kurz vor dem nächsten Supermarkt tut sich dann doch eine Lücke auf, und so können wir noch unsere Lebensmittel besorgen.

Kurz darauf fahren wir über die Staumauer und ich erinnere mich an meinen ersten Schulausflug an die Möhnetalsperre. Auf dem Stausee liegen Ausflugsschiffe, doch vor ein paar Wochen wurden Touristen darauf beschossen. In diesem Gebiet leben viele Elefanten außerhalb eines Naturschutzgebietes und das Dreiländereck (Südafrika, Eswatini und Mozambique) haben Wilderer für die Jagd nach Elfenbein entdeckt. Angeblich hatten sie das Ausflugsboot für ein Polizeiboot gehalten.

Unsere Unterkunft liegt 6 Kilometer außerhalb, die letzten paar hundert Meter geht es über eine ausgefahrene Staubstraße. Das Gelände der Lodge ist von einer Mauer umgeben und mit einem großen Tor verschlossen. Am Tor ein Schild „Pool geöffnet von 10 bis 14 Uhr, Wochenende eine Stunde länger“. Wir beziehen eins von vier Zimmern, groß, sauber, mit Küche, Klimaanlage und überdachter Terrasse. Die Küchenausstattung ist recht überschaubar, Teller, Tassen, Besteck, Gläser sind nur zweifach vorhanden. Was denken die Leute, was Selbstversorger brauchen? Ein großer Kühlschrank und Herd mit Backofen stehen jedenfalls da. Auf Nachfrage bekommen wir wenigstens noch ein großes Messer.

Als wir zum Pool gehen verstehen wir erst, was die angeschriebenen Zeiten bedeuten. Er wird auch von anderen Leuten genutzt. Etwa 20 junge Leute werfen sich zu lauter Rappmusik immer wieder ins Wasser. Da haben wir keine Chance auf eine Abkühlung. Die „offiziellen“ Zeiten sind längst vorbei, und noch immer herrscht Partystimmung. Und als es dunkel wird, heizt die Gruppe noch den Grill an und feiert weiter.

Am nächsten und übernächsten Vormittag haben wir das Becken für uns. Als wir nachmittags nochmal zum Pool gehen, werden wir von den jungen Leuten begeistert begrüßt und umarmt. Alle wollen Fotos mit uns. Wieder geht es laut und fröhlich zu. Nur am Sonntag kommen keine Gäste, es gewittert. Der starke Regen macht uns Sorgen, ob unser Auto es am nächsten Tag durch den Matsch schafft. Doch alles geht gut. Wieder in Jozini -Stadt, schaffen wir es diesmal auch auf den Parkplatz der Mall, doch hier gibt es nichts, wo wir gerne frühstücken möchten. Der unvermeidliche KFC lockt uns kein bisschen. Wir fahren weiter bis Pongola, die Stadt wirkt etwas aufgeräumter und wir können bei Wendy unseren Hunger stillen.

Der direkte Weg nach Norden zu unserem Ziel führt durch Eswatini (früher Swasiland), aber dafür müssten wir die Genehmigung der Autovermietung haben und eine extra Versicherung abschließen, also fahren wir drum herum. Der größte Teil der Strecke ist anstrengend, es sind so viele LKW unterwegs. Dafür ist unsere Unterkunft in Ermelo umso schöner, ein altes Farmhaus von 1916 mit den Original-Möbeln auf einem sanften Hügel. Ich hatte mich schon gewundert, dass in den Rezensionen eine Heizdecke im Bett lobend erwähnt worden ist. Doch die Stadt liegt 1700 Meter hoch und seit langem brauchen wir wieder lange Hosen und Jacken. Ermelo ist die Hauptstadt der Merinowollproduktion.

Während unser Frühstück zubereitet wird, schauen wir uns im Speiseraum um. Besonders gut gefallen uns ein Harmonium, ein Kinderhochstuhl im Thonet-Stil, und verschiedene Bilder der südafrikanischen Malerin Sandi Beukes. Auch die Lichtschalter, die als Schnüre von der knapp 4 Meter hohen Decke hängen und einen dicken Kristallknopf am Ende haben, gefallen uns.

Wir müssen noch ins Merino-Einkaufszentrum, einen Adapter besorgen. Auf dem großen Parkplatz fahren laut hupend ein paar mit Luftballons geschmückte Pickups herum. Auf den Ladeflächen stehen Schulkinder in ihren Uniformen und halten Plakate in die Höhe. Ob sie in einen neuen Schulzweig kommen oder nur in die nächste Klasse, kann ich so schnell nicht lesen. Die Schaufenster der Bekleidungsgeschäfte im Inneren der Mall sind voll mit Schulkleidung. Für unsere Verhältnisse ist alles sehr günstig, doch für die Menschen hier sieht das anders aus.

Auf der Weiterfahrt kommt nach ca. 10 Kilometern plötzlich eine Straßensperre. Wir werden auf eine Staubstraße geleitet, und rechnen mit ein paar hundert Metern, doch diese Umleitung ist 10 km lang und führt durch Matsch und Wasserlachen. Da vor uns ein LKW unterwegs ist, folge ich ihm mutig. Erst als eine total ausgefahrene Stelle kommt, kriege ich Muffensausen. Doch am Rand steht ein Bagger mit Fahrer und Klaus ist zuversichtlich: „Der wird uns schon rausziehen.“ Wir setzen kurz auf, schaffen es aber schlingernd durch das Hindernis. Ich bin so erleichtert, als wir die Teerstraße erreichen. Doch der weitere, angezeigte Weg würde uns nochmals über eine solche Strecke führen. Wir nehmen die andere Richtung und treffen nach ein paar Kilometern auf einer asphaltierten Straße wieder unsere Route.

Je weiter wir nach Norden kommen, umso wärmer wird es. Gegen 15 Uhr erreichen wir Malelane am Rand des Krüger Nationalparks. Durch die mit Schranke gesicherte Zufahrt kommen wir in eine Parklandschaft mit verschiedenen Häusern. An der Rezeption reicht uns Jane mit verschwörerischem Lächeln einen Schlüssel: „Ich habe für euch ein größeres Haus ausgesucht, das gebuchte ist doch sehr klein.“ Toll, jeweils drei ineinander verschachtelte Häuser stehen an einer Zufahrt. Dazu gehört immer ein Pool, eine offene Küche mit Sitzplätzen und zu jedem Haus eine Terrasse mit Grill. Leider können wir die nicht nutzen, es hat in der letzten Zeit viel geregnet und die Mücken sind überaus angriffslustig. Aber das Zimmer ist so schön, dass wir unser vorgekochtes Essen in der Mikrowelle aufwärmen und gerne drinnen verzehren.

Klaus erweist sich als Meister der Mikrowelle, als er am nächsten Morgen Frühstück mit Eiern und Bacon macht. Ein bisschen traurig fahren wir weiter, es war so schön hier. Doch jetzt haben wir noch etwas Besonderes vor.

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