Chinesisches Neujahr auf Penang (Malaysia)

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Wir haben Tickets für den 11 Uhr Bus nach Georgetown auf der Insel Penang in Malaysia. Ein umsichtiger Fahrer steuert den Minibus, dessen Armaturenbrett zu unser aller Sicherheit mit mehreren kleinen Buddhastatuen, Elefantengöttern, Devas und einem Wackeldackel bestückt ist, durch Krabi und weiter auf der Landstraße Richtung Süden. Die charakteristischen bewachsenen Kalkfelsen, die wir in Khao Sok und in der Andamanensee gesehen haben, begleiten unseren Weg. Kurz vor der Grenze steigen wir um in einen anderen Bus, der uns bis nach Georgetown bringen wird.

Für Malaysia besteht für Reisende aus Deutschland keine Visumspflicht, so läuft die Einreise problemlos ohne große Wartezeiten. Fingerabdrücke werden eingescannt, ein Stempel kommt in den Pass, das Gepäck wird durchleuchtet, und wir sind in einem anderen Land. Die Uhr muss eine Stunde vorgestellt werden, nun sind wir Deutschland sieben Stunden voraus.

Auch in Malaysia herrscht Linksverkehr. Kurz hinter der Grenze fallen in der tropischen Vegetation schöne moderne Häuser auf. Die Ortschaften links und rechts der Straße machen einen guten Eindruck. Es ist dunkel geworden. So langsam müssten wir doch auf die Fähre kommen denken wir, dabei sind wir schon längst auf Penang. Wir sind über die 13,5 Kilometer lange Schrägseilbrücke vom Festland bei der Stadt Butterworth bis auf die Insel gefahren. Georgetown gefällt uns auf Anhieb. Eine tolle Mischung aus alten und modernen Gebäuden viele Lokale, bunte Lichter und jede Menge Menschen auf der Straße.

Der Busfahrer lässt uns vor einem Lokal aussteigen und nun stehen wir auf der Straße und haben nur noch ein paar Ringgit von unserem letzten Besuch in Kuala Lumpur. Nicht genug für ein Taxi und die Telefonkarte ist inzwischen abgelaufen. Es bleibt nur die Suche nach einem Bankautomaten (ATM). Klaus geht los, ich bewache das Gepäck. Per Taxi geht es dann zum Hotel, natürlich bezahlen wir wieder zuviel. Das Übliche, wenn man gerade angekommen ist. Ich habe dem Hotel unsere Ankunftszeit mit 20 Uhr durchgegeben, aber nun ist es schon zwei Stunden später. Gepäck ins winzige Zimmer, Hände waschen und gegenüber das erstbeste Lokal aufsuchen und das alles in fünf Minuten. Wir sind zu müde, um nochmal in den Trubel der Stadt einzutauchen.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt und orientieren uns am alles überragenden KOMTAR, einem 250 Meter hohen Büroturm, dessen Besonderheit ein „Skywalk“ (ein halbrunder begehbarer  Glassteg) ist. Unten befindet sich ein älteres  Einkaufszentrum, doch heute sind viele der Geschäfte geschlossen. Es ist der 15. Februar, das diesjährige chinesische Silvester. Schon bei unserer Ankunft haben wir die vielen roten Lampions gesehen, die alle Straßen festlich schmücken. Weiter in der Innenstadt dasselbe Bild, die kleinen Geschäfte sind geschlossen, die großen modernen Einkaufszentren haben geöffnet und locken mit Super-Sonder-Neujahrs-Angeboten.

Georgetown, die kunterbunte Hauptstadt der Insel Penang, ist seit 2008 Weltkulturerbe. Eine großartige Stadt, in der Menschen vieler Kulturen friedlich zusammen leben und Christen, Muslime und Buddhisten ihre religiösen Bauten in unterschiedlicher Anzahl und Größe errichtet haben. Englische Gebäude aus der Kolonialzeit stehen gleichberechtigt chinesischen Geschäftshäusern gegenüber. Chinesen sind eindeutig in der Überzahl, deshalb sind auch zum wichtigsten Fest des Jahres alle von ihnen betriebenen Läden und Lokale geschlossen. Nur in Little India geht das Leben seinen gewohnten Gang. Wir kommen an ganzen Straßenzügen vorbei, die geräumt und teilweise entkernt auf den Abriss warten. Gerogetown braucht Platz für weitere imponierende Hochhäuser. Zum Glück sehen wir aber auch, dass einige von den prächtigen alten Gebäuden restauriert werden. Es wäre auch zu schade, wenn diese Stadt nur noch „modern“ wäre. Damit würde sie ihren Charakter verlieren.

Wir sind auf dem Weg zu den Jetties. Das sind lange Holzstege, die ins Meer gebaut wurden und an denen die ersten Einwanderer aus China vor ca. 100 Jahren ihre Stelzenhäuser gebaut haben. Das hatte den einfachen Grund, dass für über dem Wasser errichtete Häuser keine Steuern erhoben wurden. Diese Regelung gilt noch heute und bis jetzt tragen die Jetties den Namen des jeweiligen Clans. Sechs von ihnen existieren noch und werden weiterhin von den Nachfahren bewohnt. Inzwischen gibt es hier in einigen der Häuser Läden und Lokale, andere sind weiterhin nur Wohnhäuser. Gerade ist Ebbe und der Verfall der Jetties wird überdeutlich. Wahrscheinlich haben sie die längste Zeit existiert. Auf dem Schlickboden liegen Reste von Booten und Hütten, lange wird es nicht dauern, bis sie ganz verrottet sind.

An diesem Silvesterabend ist nicht viel los, normalerweise herrscht hier abends reger Betrieb, Menschen gehen spazieren oder essen auf dem nahen Foodmarket. Nur heute nicht, die Chinesen, verbringen den Abend nach alter Tradition zusammen mit der Familie bei einem guten Essen im Haus. Deshalb sind auch alle chinesischen Lokale geschlossen. Uns knurrt langsam der Magen, aber weit und breit kein geöffnetes Lokal. Wir steuern eines der Einkaufszentren an und Kenny Rogers (genau, der Sänger) rettet uns. Er hat eine Restaurantkette mit seinem Namen „Kenny Rogers Roaster“ das er zusammen mit dem Besitzer von „Kenntucky Fried Chicken“ gegründet hat. Spezialität sind Hähnchen. Es gibt sie gegrillt als ganzes, halbes oder viertel Tier. Dazu leckere Salate., alles frisch. Damit sind wir sehr zufrieden und laufen zurück zum Hotel.

Das erwartete Feuerwerk wird anders gezündet, als wir es uns vorstellen. Auch hier werden Raketen in den Himmel geschossen, aber jeder macht das irgendwann. Ab 22 Uhr geht es los. Über die ganze Stadt verteilt werden mal hier dann dort ein paar Raketen gezündet. Ständig knallen irgendwo ein paar Böller oder ganze Böllerketten.  Es zieht sich stundenlang hin, aber es gibt keinen Höhepunkt.

Am Neujahrstag wollen wir die Jetties noch einmal im Sonnenschein und bei Flut besuchen. Mit uns sind viele andere Menschen auf die Idee gekommen und so schieben wir uns über einen Holzsteg bis zur Plattform an deren Ende.

Viele rot (Glücksfarbe) gekleidete Chinesen genießen ihren wichtigsten Feiertag mit der ganzen Familie, machen Fotos, kaufen den Kindern Süßigkeiten und strahlen mit der Sonne um die Wette. Auf dem Rückweg probieren wir Durian-Eis (Stinkfrucht). Eins ist klar, Fans werden wir nicht. Das Eis schmeckt wie süßer, cremiger Munsterkäse. Danach zieht es uns in der Altstadt; wir wollen „Street Art“ anschauen. Der Litauische Maler Ernest Zacharevic hat hier viele Kunstwerke auf Wänden und Mauern gestaltet und andere Künstler inspiriert, es ihm gleichzutun. Aus Stahlstäben gebogene und geschweißte Motive sieht man auch sehr häufig. Auf rund 4 Kilometern kann man in der Altstadt nach den Kunstwerken suchen.

Häufig haben wir bemerkt, das abends vor einigen Häusern Räucherstäbchen abgebrannt werden. Heute sind es Räucherstäbe oder Räucherstämme, die bunt gefärbt und verziert vor Häusern und Tempeln für Glück im neuen Jahr sorgen sollen. Wir laufen zur Promenade am Meer, hier sind bei leichtem Wind die 33 Grad gut zu ertragen.

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Direkt neben unserem Hotel gibt es ein italienisches Lokal, das auf seiner Festtagsspeisekarte ausgewählte Spezialitäten anbietet. Wir entscheiden uns für Surf and Turf (Steak mit Minihummer) und  dazu einen guten chilenischen Weißwein. Schließlich muss man die Feste feiern wie sie fallen. Der Wirt – begeistert über unsere Menüwahl und das wir aus Deutschland kommen – spendiert uns noch eine Portion Tiramisu, köstlich.

Am nächsten Tag wollen wir den kleinsten Nationalpark der Welt besuchen. Er liegt 50 Kilometer entfernt im Norden der Insel Penang. Am Busbahnhof herrscht Gedränge, viele Menschen wollen heute raus aus der Stadt. Es ist nicht unbedingt der Nationalpark, den sie ansteuern wollen, aber ein paar Kilometer davor liegt ein beliebter Ferienort mit Straßenlokalen, Souvenirläden und Strandzugang. Drei Busse halten gar nicht erst an, weil sie schon überfüllt sind. In den vierten quetschen wir uns mit vielen anderen Fahrgästen rein. Nachdem wir Georgetown verlassen haben, können wir zwei Sitzplätze ergattern. Das lässt die wilde Fahrt etwas leichter erscheinen. Wie erwartet, steigen über 90 % der Fahrgäste in Batu Ferringi aus.

Es ist Mittagszeit, als wir am Ziel aussteigen. Erst müssen wir uns stärken und gehen in ein Lokal. Alle Tische sind besetzt, bis auf einen. Dort setzen wir uns hin, aber niemand kommt. Nach einer Weile winken wir einer Bedienung zu. Sie fordert uns auf, uns an einen anderen, inzwischen freien Tisch zu setzen. An unserem bisherigen Tisch wird nicht bedient. Das müssen auch alle nach uns kommenden Gäste feststellen. An großen runden Tischen sitzen festlich gekleidete Großfamilien. Die Kleinsten haben die Aufgabe, allen Erwachsenen am Tisch rote Umschläge mit Geldgeschenken zu überreichen. Dass mitten im zur Straße offenen Restaurant ein Auto parkt, wundert niemanden außer uns. Wir dürfen noch miterleben, dass der Besitzer mit seiner Familie nach dem Essen ins Auto steigt und mit Hilfe mehrerer Kellner wieder auf die Straße geleitet wird. Jetzt können die Tische auch wieder etwas großzügiger gestellt werden.

Der Parkeingang ist nicht weit vom Lokal entfernt. Es kostet keinen Eintritt, man muss sich nur in ein Buch einschreiben und später wieder austragen, damit man weiß, dass niemand verloren gegangen ist. Es geht ein Stück am Meer entlang, Affen turnen in den Bäumen. Zwei Wege sind leider wegen beschädigter Brücken gesperrt, es bleibt nur der Weg links in den Regenwald. Es geht zunächst über Stufen bergauf, danach über Stock und Stein. In der Wärme strengt das ständige Bergauflaufen ziemlich an. Wir rasten in einer kleinen Hütte. Mehrere zurückkommende Wanderer warnen uns davor, noch weiter zu gehen. Der Endpunkt ist noch zwei Stunden entfernt, und dann muss man denselben Weg zurück. Da es inzwischen 16 Uhr ist, müssen wir nicht lange überlegen und treten den Rückweg an.

Als wir das Meer wieder erreichen, kommen uns mehrere Familien entgegen. Sie wollen nach der Ausrüstung zu urteilen ein Picknick veranstalten. Offenbar wissen das die Affen und lauern auf Beute. Wenn Kinder etwas Essbares in den Händen halten, ist es ruckzuck geklaut und die Kinder fangen laut an zu weinen. Zwei Mütter schnappen sich ihre Kleinen, halten sie fest an sich gedrückt und laufen eilig den Weg entlang. Ein Affe fällt wegen seines sonderbaren Verhaltens auf. Als wir näher kommen sehen wir, dass ihm beide Hände fehlen, wie das wohl passiert ist?

Der Bus zurück ist noch voller, als auf dem Hinweg. Wir sind so eingekeilt, dass man in den Kurven wenigstens nicht umfallen kann. So viel Körperkontakt ist für uns ungewohnt. Hier sind keine Individuen unterwegs, sondern nur noch eine homogene Masse.

Abends wollen wir zum Essen nicht mehr sehr weit laufen, und finden in der Nebenstraße ein wieder geöffnetes chinesisches Lokal. Die junge Bedienung berät uns ausgezeichnet und wir bestellen eine Auswahl der Spezialitäten. Alles schmeckt uns. Wir sind mitten beim Essen, als nebenan ein Nachbar eine Böllerkette zündet. Innerhalb weniger Minuten sind wir von dichtem Nebel umhüllt. Die Besitzer des Lokals sind wütend, die Gäste auch. Aber dafür werden uns im beginnenden Jahr des Hundes dieselben nicht beißen und auch böse Geister dürften nun ihre Chancen – uns etwas anzutun – eingebüßt haben.

Von Lumut in den Urwald Taman Negara (Malaysia)

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Wir warten auf unser Taxi, als es plötzlich knallt. Schon vor fünf Minuten ist mir ein Autofahrer aufgefallen, der sich unsicher an sein Lenkrad klammert. Er dreht den Kopf nach links und rechts auf der Suche nach einem Parkplatz. Dann hält er vor dem Restaurant gegenüber von unserem Hotel, lässt Frau und Tochter aussteigen und sucht erneut eine Stelle, wo er sein Auto abstellen kann. Dreimal versucht er zu parken, dreimal gibt er auf, um dann an derselben Stelle – wo Frau und Tochter ausgestiegen sind – anzuhalten und die Tür aufzureißen. Ein Mopedfahrer kann nicht mehr ausweichen, fährt gegen die Tür und stürzt. Laut weinend liegt er auf der Straße und umklammert sein Knie. Schnell sind ein paar Leute da, richten sein Moped auf, sammeln den heruntergefallenen Zeitungsstapel auf und versuchen, ihm auf die Beine zu helfen. Der Verursacher klopft an ihm herum, befühlt ihn hier und da und hat auch sofort ein wirksames Schmerzmittel in der Hand: mehrere Geldscheine, die rasch in der Tasche des Verletzten landen und eine Wunderheilung bewirken. Den Ausgang bekommen wir nicht mehr mit, das Taxi ist da.

Mit der Fähre geht es von Georgetown auf die andere Seite nach Butterworth. Vom Terminal aus fahren ständig Busse durch ein Riesenbaustelle zum Busterminal. Wir hatten im Internet unsere Fahrkarten gebucht, konnten sie aber nirgends ausdrucken. Unsere Sorge war umsonst, hier wird auch die elektronische Version akzeptiert. Wir fahren durch Butterworth, überall Baustellen. Gegenüber Georgetown – der schönen Schwesterstadt auf Penang – besteht hier erheblicher Nachholbedarf. Die Fahrt bringt uns über die Autobahn zügig voran. Als wir die Küstenstadt Lumut erreichen, genügt ein Telefonanruf bei unserem Vermieter und fünf Minuten später werden wir an der Bushaltestelle abgeholt. Wir haben in einem Hochhaus ein Appartement gemietet. Es gibt eine Küche ohne Herd, aber dafür steht direkt neben dem Bett eine Waschmaschine.

Der Ausblick von unserem Balkon in der 13. Etage erfreut uns die nächsten Tage. Lumut selbst hat nicht viel zu bieten, die meisten Touristen nutzen nur den Fährhafen, um auf die Insel Pulau Pankor zu kommen, die ein beliebtes Ziel an Malaysias Westküste ist. Wir haben keine Zeit um auf die Insel zu fahren, wir waschen. Nach vielen Handwäschen machen wir Generalreinigung einschließlich der Schuhe.
DSC03521Und dann macht Klaus Ohr mal wieder Probleme. Eine Klinik ist in der nächsten Stadt, die Chance nutzen wir. Wir sind sprachlos, was wir da vorfinden, ein hochmodernes Krankenhaus. Aufnahme, fünf Minuten später Voruntersuchung, kurz darauf der Facharzt. Er schreibt ein Rezept aus, und als wir in die Apotheke im selben Gebäude kommen, liegen die Medikamente unter seinem Namen schon bereit.
Zurück wollen wir mit Uber fahren. Leider ist nach der Bestellung des Autos der Akku im Handy leer.  In einem Laden gegenüber vom Krankenhaus ist man gern bereit, das Handy kurz an den Strom anzuschließen. Im Display ist zu sehen, dass das bestellte Auto durch sämtliche Straßen in den Nähe kurvt, aber der Fahrer findet uns nicht, obwohl ich gut sichtbar am Straßenrand warte. Auch ein zweiter Versuch schlägt fehl. Eine Stunde später: Ein Angestellter aus dem Handyladen hat Feierabend; er erbarmt sich und fährt uns zurück. Er nimmt kein Geld und lässt sich auch nicht von uns ins Restaurant einladen. Wir können ihm nur herzlich danken und seine Hilfsbereitschaft loben.
Der nächste Tag beschert uns ein Wiedersehen mit Kuala Lumpur. Der Bus fährt um 7.30 Uhr in Lumut ab und wir sind gegen 13 Uhr in unserem Hotel. Unser Zimmer ist noch nicht bezugsfertig und wir wollen den Nachmittag am liebsten in einem der großen Parks in der Innenstadt verbringen. Nur eine Station mit dem öffentliche Nahverkehr, dann steigen wir an der großen Moschee aus, um zum Vogelpark zu laufen. Wir laufen schon eine Weile, als wir auf einen dieser kleinen offenen Busse treffen. Der Fahrer bietet uns eine Fahrt für 3 € durch die Parklandschaft an. Bei 35 Grad keine schlechte Idee.

Wie gut sie wirklich ist merken wir erst, als uns die Entfernung bewusst wird. Es geht an einem großen Teich vorbei zum Hirschgehege (Eintritt frei). Hier steigen wir aus und laufen zwischen den Volieren auf angelegten Wegen zum Gehege der Hirsche und wieder zurück. Der Fahrer nimmt uns auf seiner nächsten Runde mit zum Vogelpark. Schweißnass fehlt uns plötzlich die Motivation, in dem großen Gelände herumzulaufen. Auf dem Stadtplan sah alles so überschaubar aus, aber in Wirklichkeit ist die Parklandschaft riesig. Also zurück ins Hotel und eine kühle Dusche genießen. Abends noch ein wenig herumlaufen. Es ist sehr viel angenehmer ohne Sonnenschein, obwohl es nicht merklich kühler ist.
Am nächsten Morgen geht es auch wieder früh los. Eine vierstündige Bus- mit anschließender dreistündiger Bootsfahrt auf dem Sungei (Fluss) Tembeling soll uns in den Taman Negara (übersetzt Nationalpark) mit dem ältesten Regenwald  der Welt (130 Millionen Jahre alt) bringen .

Der Fluss fließt durch einsames Gebiet. Die Freude ist groß, als ich einen spielenden Otter in Ufernähe entdecke. Auf halber Strecke auf dem Fluss geht ein tropischer Regen nieder. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil unserer Hartschalenkoffer gegenüber den Rucksäcken. Als es anfängt zu schütten, steuert der Bootsführer das Ufer an und bringt gemeinsam mit den Backpackern deren Rucksäcke ins Heck und deckt sie notdürftig mit einer Plane ab. Unsere Koffer können im Bug liegenbleiben. Das Dach über uns schützt nicht wirklich, der Regen kommt von allen Seiten und peitscht uns ins Gesicht. Wir suchen Schutz unter unserem Regenschirm. Unsere Mitfahrer und wir erreichen völlig durchnässt Kuala Tahan, das Dorf am Eingang des Parks. Unser Boot macht an einem schwimmenden Restaurant fest. Hier warten wir, bis es nur noch tröpfelt und machen uns über steile Treppen auf den Weg zu unsrer kleinen Lodge direkt am Ufer des Flusses. Während die Backpacker ihr tropfendes Gepäck schultern, sind unsere Koffer nur von außen nass.
Tags darauf sehen wir uns den Ort genauer an. Es gibt viele kleine Agenturen für Trekkingtouren in den Tahan Negara. Von einem halben bis zu drei Tagen mit Übernachtung im Zelt ist alles im Angebot. Wir entscheiden uns für die kürzeste Version und sollen am nächsten Tag um 9.15 Uhr wieder an der Agentur sein. Von den schwimmenden Restaurants legen kleine Fährboote nach Bedarf ab, um die Gäste auf die andere Seite zu bringen.

Man zahlt pro Person 1 Ringgit (20 Cent). Eine steile Treppe führt zum Eingang des Nationalparks und einem sehr großen Ressort mit über 100 Bungalows. Für das Gepäck gibt es hier einen „Aufzug.“ Die Eintrittskarte kostet ebenfalls 1 Ringgit und gilt maximal einen Monat. Sollte man bei einer Kontrolle keine Karte vorzeigen können, sind 10.000 Ringgit fällig, ersatzweise bis zu 2 Jahren Gefängnis!?
Mit einem Führer gehen wir und drei junge Franzosen auf die Tour. Das Hauptmerkmal dieser Führung liegt auf der Pflanzenwelt.

Er zeigt uns Ingwer und Hibiskus, die Nationalblume Malaysias. Beide werden auch zur Heilung von Krankheiten eingesetzt. Ingwer gegen Magenprobleme, Erkältungen und Fieber. Die Blätter des Hibiskus sind ebenfalls fiebersenkend. Von einer anderen Pflanze werden die Blätter zerknüllt, ein bisschen Wasser dazu und dann solange zwischen den Händen gerieben, bis ein üppiger Schaum entsteht. Dieser wirkt blutstillend oder gegen den Juckreiz nach Insektenstichen. Wir sehen Rattan, der dicht mit Stacheln bestückt ist, die lang und spitz wie Stecknadeln sind. Hat die aufwärts strebende Ranke Halt gefunden, fallen die Stacheln ab. Armdicke Lianen hängen immer wieder quer über unseren Weg, der zuerst über bequeme Stufen und später steil bergauf durch unwegsames Gelände geht. Lianen haben innen Wasseradern. Ist die Flüssigkeit klar, kann man sie trinken. Wenn sie allerdings rot oder milchig ist, ist sie giftig. Auch verschiedene Bambusarten sind wasserspendend und können Menschen helfen im Dschungel zu überleben.

Während Bambus bis zu 1,5 Meter pro Tag wachsen kann, schaffen manche der Urwaldriesen gerade mal 2,5 Zentimeter pro Jahr. Je geringer das Wachstum, umso dichter das Holz, das auch unbehandelt resistent gegen Fäulnis und Insektenfraß ist. Einige Pflanzen haben so große Blätter, dass sie von Menschen als Sonnen- oder Regenschutz verwendet werden. Während dieser interessanten Erzählungen sind wir an dem angesteuerten Aussichtspunkt angekommen. Von hier aus sieht man auf der anderen Flussseite ein Dorf, das noch von Ureinwohnern, den Orang Asli bewohnt wird. Sie pflegen noch viele ihrer Traditionen, wie die Jagd mit dem Blasrohr aus Bambus. Die Pfeilspitzen werden mit einer giftigen Latexmilch präpariert. So erbeuten sie Affen, Vögel und Flughunde, die auf ihrem Speisezettel die Eiweißlieferanten sind.

Weiter führt der Weg zum nächsten Höhepunkt, dem Canopy-Trail, einem Baumwipfelpfad der in bis zu 60 Meter Höhe verläuft. Elf verschieden lange, auf- oder abwärts geneigte Stege, versehen mit einem Drahtnetz an beiden Seiten führen über 500 Meter weit durch den Urwald. Ein Teilstück endet und beginnt immer auf der Plattform um einen Baum. Im Abstand von 10 Metern zum Vordermann betritt man die schwankenden Stege. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, in dieser Höhe zu laufen aber keinesfalls ein unsicheres. Über eine leiterähnliche Treppe geht es zum Boden zurück. Das hat richtig Spaß gemacht. Bewohner dieser Baumwipfelzone bekamen wir allerdings nicht zu Gesicht. Und jetzt liegt nur noch der Rückweg über unzählige Stufen bergab vor uns.

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endlich, ein Malaysia-Tiger

Am nächsten Tag machen wir uns allein auf den Weg. Wir kaufen am Parkeingang eine Landkarte und laufen los, zuerst am Tahan Fluss (kleiner Nebenfluss) entlang, dann über Stufen bergauf. Es folgt ein Naturpfad über Wurzeln, Baumstämme, Schlammlöcher und Felsbrocken. Entgegen kommende  junge Wanderer bitten uns, sehr vorsichtig zu sein, der Weg sei nicht ungefährlich. Scheinbar zweifelten sie an unserer Trittsicherheit. Wir sind gerührt und geben uns wirklich alle Mühe, ihnen zuliebe wieder heil zurück zu kommen.

Wenn uns im letzten Jahr jemand gefragt hätte: „Würdet ihr allein in den Urwald gehen?“ Wir hätten vehement den Kopf geschüttelt. Undenkbar! Und nun laufen wir hier alleine eine Strecke von 8 Kilometern, machen ab und zu auf einem dicken Baumstamm sitzend eine Pause und fühlen uns total sicher. Der letzte Kilometer fällt uns zwar nicht leicht, aber das liegt am kräftezehrenden Weg und der nun merklich größeren Mittagshitze. Eines ist uns klar geworden: Wilde Tiere, Schlangen und Urwaldvögel bekommt man auch hier nur durch lange Expeditionen tief in den Urwald und mit viel Geduld beim Ansitzen vor die Kamera.

Bukit Lawang – Orang Utans im Dschungel (Indonesien)

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Auf der Rückfahrt nach Kuala Lumpur verzichten wir auf das Boot und fahren direkt mit dem Bus von unserer Unterkunft ab. Links und rechts sieht man über weite Strecken Palmölplantagen. Malaysia und Indonesien sind die Weltmarktführer bei Palmöl. Ständig begegnen uns LKWs, beladen mit den Palmfrüchten auf dem Weg zur Ölmühle. Nach vier Stunden sind wir schon wieder in Kuala Lumpur. Wir bleiben eine Nacht und einen Tag in der Stadt, in der wir uns schon beinahe zuhause fühlen. Am Abend gegen 22 Uhr fliegen wir in einer Stunde nach Medan auf Sumatra. Durch die Zeitverschiebung kommen wir zur selben Zeit an, in der wir abgeflogen sind. Indonesien hat merkwürdige Visabestimmungen. Es gibt ein kostenloses Visum für 30 Tage, das nicht verlängerbar ist. Weiß man schon, dass die 30 Tage nicht ausreichen, gibt es auch eine Bezahlversion. Die kann man dann nochmals um 30 Tage verlängern und wiederum für die neuen 30 Tage bezahlen. Das Ganze ist hoch kompliziert und mit viel Rennerei verbunden. Leider kann man nicht direkt ein 60 Tagesvisum erhalten. Eine Schlupflochvariante ist die kostenlose 30 Tages-Einreise, kurze Ausreise in ein anderes Land und erneute kostenlose 30 Tages-Einreise. Dafür haben wir uns entschieden und sind jetzt gespannt, wie es am Einreiseschalter abläuft. Der Beamte hinter dem Schalter will nicht mal unser Rückflug-Ticket sehen, blättert interessiert im Reisepass und freut sich, dass er zu den vielen Stempeln auch einen indonesischen setzen darf. So einfach kann es sein.
 
 

Unser Hotel in Flughafennähe überrascht uns. Die Rezeption ist in einer besseren Baracke untergebracht, aber unser Gepäck wird im Messing-Gepäckwagen transportiert. Es geht durch eine weitläufige Grünanlage, an Bungalows vorbei zu zwei gegenüberliegenden Blocks. Springbrunnen in der Mitte, Grünpflanzen, ein Fahrstuhl und ein sehr großes Zimmer mit schönem Bad. Am nächsten Morgen sehen wir die ganze Anlage bei Tageslicht. In unseren Augen alles etwas merkwürdig. Auf den Rasenflächen stehen über einen Meter große Figuren mit den Gesichtern der chinesischen Tierkreiszeichen, dort ist ein kleiner Tempelberg, hier ein Bonsaigarten, ein Säulengang mit Gesichtern der Tierkreiszeichen, rings um das große Gelände eine hohe Mauer. Viele Menschen sind mit Gartenarbeit beschäftigt, überall wird gefegt oder geharkt. Das ganze wirkt wie ein für die Elite gedachtes Refugium. Fragen können wir allerdings niemanden, die Menschen hier sprechen kaum englisch.
Der Bus zu unserem nächsten Ziel sollte schon um 7.30 Uhr in Medan abfahren – zu früh für uns nach der späten Ankunft am Vorabend – deshalb lassen wir uns im Taxi fahren. Wir können kaum glauben, dass die Fahrzeit fünf Stunden betragen soll, schließlich sind es nur 90 Kilometer Wegstrecke. Leider stimmt es, das liegt an den schlechtesten Straßen, auf denen wir bis jetzt unterwegs waren. Schlaglöcher von einem halben Meter Tiefe sind keine Seltenheit. Dabei sind wir nicht mal auf einer Nebenstraße unterwegs. Hier fahren, besser schleichen ständig LKWs voll beladen mit Palmfrüchten.
Mehrere Telefonate sind nötig, damit der Fahrer weiß, wo er uns hinbringen soll. Kurz vor Bukit Lawang biegt er links auf einen Parkplatz. Zwei Männer auf Mopeds erwarten uns schon. Als sie unsere Koffer sehen, müssen sie erstmal beratschlagen.
 
 

Schließlich versuchen sie, beide Koffer auf den Rücksitz eines Mopeds zu legen. Im Nu kommen noch drei Männer dazu, die nicht nur gute Ratschläge haben, sondern beherzt mit anpacken und das Gepäck mit Gurten festzurren. Einer der Helfer winkt mich heran, er wird mich auf dem Rücksitz seines Mopeds zur Unterkunft bringen. Der ältere der beiden wartenden Männer fährt mit Klaus. Rund drei Kilometer geht es auf der Straße zurück, dann biegen die Mopeds rechts ab in einen achtzig Zentimeter breiten Weg. Vorbei geht es an Gärten, über eine Hängebrücke und dann auf einer Strecke, die absolut motorcross-tauglich ist, durch Kautschukplantagen. Bergauf und bergab, über winzige Holzbrücken, durch Schlaglöcher, über einen 40 Zentimeter breiten Betonstreifen bis an das Ufer eines Flusses. Ich gestehe, der Schweiß den ich mir von der Stirne wische, hat eine leichte Rotfärbung (Blut geschwitzt). Mein Fahrer verabschiedet sich. Unser Bungalow liegt erhöht auf der anderen Seite des Flusses und bevor ich noch darüber nachdenken kann, wie wir dahin kommen, schultern die zwei Männer je einen Koffer und durchqueren den Fluss.
DSC03807.JPGWir hinterher, das Wasser reicht bis über die Knie. Mit nassen Schuhen und Hosen kommen wir in unserem Heim für die nächsten 5 Tage an. Wir melden uns gleich für den nächsten Tag zu einer Dschungeltour an. Irwan, der Besitzer unseres Häuschens und sein Mitarbeiter Selamat werden uns begleiten.
Um sieben Uhr werden wir geweckt, Irwan backt für Papa/Mama (so werden wir genannt) Bananenpfannkuchen zum Frühstück. Dann geht es los. Wieder dieselbe Strecke wie gestern auf dem Moped. Heute sind wir schon etwas entspannter. Die beiden halten an einem kleinen Laden. Wir sollen neue Schuhe aus Latex bekommen. Bei mir klappt das, für Klaus Füße gibt es nichts, die Schuhe gibt es nur bis Größe 42.
Ist auch besser so, wir würden uns bei dem Preis von 10.000 IDR pro Paar noch ruinieren. Kleiner Scherz, es sind die Zahlen bei denen man erst einmal zusammenzuckt, aber umgerechnet sind es nur 0,60 €.
 
 

Über eine Hängebrücke laufen wir zum Nationalpark und treffen gleich nach ein paar hundert Metern auf eine Gruppe Thomas-Languren. Diese flinken Primaten rennen die Bäume rauf und runter, schwingen sich an ihren langen Armen von Ast zu Ast und stoßen durchdringende Schreie aus. Wir würden ihnen noch stundenlang zuschauen, aber wir haben noch eine weite Strecke vor uns. Da wir nur zu viert unterwegs sind, bestimmen wir das Tempo. Es geht natürlich wieder bergauf. Aber als wir eine halbe Stunde später eine Orang Utan Mutter mit Kind sehen, ist alle Anstrengung vergessen.
 
 

Keine fünf Meter von uns entfernt hängt sie im Baum und ihr Junges turnt in ihrer Nähe herum. Drei weitere Gruppen mit Führer sind auch an dieser Stelle zu finden und natürlich wollen alle so viele Fotos wie nur möglich. Als sie versuchen, den Beiden näher zu kommen, ziehen sie sich ohne Hektik tiefer und tiefer in den Urwald zurück.
 
 

Kurze Zeit später kommen wir dazu, wie ein junges Männchen im Baum sitzt. Einer der Führer legt kleine Obststückchen auf eine Astgabel in zwei Meter Höhe und der Orang Utan kommt tatsächlich herunter und holt sie sich. Zwischen ihm und uns ist gerade noch ein Meter Platz. Die Orang Utan (Baummenschen) auf Sumatra unterscheiden sich von ihren Verwandten auf Borneo durch einen zierlicheren Körperbau und intensiv rötliches Fell.
Unsere beiden Begleiter führen uns steil bergab zu einem kleinen Flusslauf. Semalat pflückt ein paar große Blätter, die als Sitzunterlage und Platzdeckchen dienen, dann wird das Mittagessen serviert: Nasi Goreng und Obst.
 
 

Wie angenehm, hier zu sitzen. Es ist schattig, der Bach plätschert, Schmetterlinge gauckeln herum und die Zikaden präsentieren ein erstaunlich vielseitiges Konzert.
P1090958.JPGAuf dem Rückweg treffen wir eine Gruppe Makaken. Mit einem Sicherheitsabstand von ein paar Metern gehen wir am grimmig blickenden Männchen vorbei.
 
 

 

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neugieriges Baby

Als uns einen Kilometer vor dem Ausgang noch eine große Gruppe Thomas Languren mit ihren Kapriolen unterhält, sind wir überglücklich, dass wir so viele Tiere gesehen haben.
Bevor wir zurück fahren, gibt es noch eine Pause in Bukit Lawang und dann ab aufs Moped. Irsan hat inzwischen Lebensmittel eingekauft, damit er unser Abendessen kochen kann. Auch zwei Literflaschen Benzin hat er besorgt, damit der Generator nach Eintritt der Dunkelheit ein paar Stunden elektrischen Strom produziert. Sobald das Licht angeht, hängen wir alle elektrischen Geräte an die Steckdose. Ist das Benzin verbraucht, wird es stockdunkel.
Wir sind gerade mit dem Abendessen fertig, als es anfängt zu blitzen und zu donnern. Und dann kommt ein Tropenregen herunter, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Es hört sich nicht an, als ob jemand eine Dusche über dem Haus aufgedreht hat, eher wie eine Löschübung der Feuerwehr mit zehn Schläuchen. Wir müssen die überdachte Terrasse verlassen und ins Innere unserer Dschungelhütte flüchten, weil der Regen quer kommt. Das Gewitter tobt über Stunden und in dieser Nacht steigt der Wasserstand des Flusses um beinahe zwei Meter. Die Orang Utans schützen sich vor solchen Regengüssen, indem sie große Blätter abreißen und sich darunter kauern. Gut, dass wir bereits gestern die Tour gemacht haben, heute kämen wir gar nicht über den Fluss. Irwan – unser Vermieter – kennt jede Stelle und traut sich 50 Meter weiter schon mittags wieder durch stark strömendes, hüfthohes Wasser um Lebensmittel für uns einzukaufen.
 
 

Wir suchen uns eine geeignete Stelle, um auf indonesische Art unsere Wäsche im Fluss zu waschen. Gegen Abend ist der Wasserstand fast wieder normal. Junge Leute aus dem Ort treffen sich gern an dieser Flussbiegung um zu schwimmen, zu picknicken oder sich zu waschen. In dieser Nacht bleibt es trocken und Frösche und Zikaden unterhalten uns mit einem furiosen Konzert.
 
 

jeden Nachmittag kommen Bambus-Flößer vorbei

 
 

auch der Rinderhirte lässt sich regelmäßig blicken

 
Vor unserer Hütte sind Aschespuren zu sehen, sie stammen vom letzten Ausbruch des Sinabung der rund 100 Kilometer von hier entfernt ist. Wir wollen auf eigene Faust eine kleine Tour machen. „Geht nicht zu weit,“ warnt Semalat, der heute wieder mal gekommen ist, um Irwan zu helfen: „manchmal kommen Orang Utans aus dem Urwald ans Flussufer.“ Wir versprechen es. Auf unserer Seite des Flusses laufen wir durch Kautschuk- und Palmölplantagen ein Stück in den Urwald hinein.
 
 

Zurück wollen wir über den Fluss auf die andere Seite. Wir kommen an einem Haus vorbei, Wäsche hängt auf der Leine, zwei kleine Jungen spielen halbnackt auf der Erde, die Mutter schneidet Gemüse klein. Die etwa 5jährige Tochter kommt uns mit einem Eimerchen entgegen. Darin Zahnbürste und Zahnpasta, Seife und Waschlappen. Das Handtuch hängt über ihrer Schulter. Aufgeregt deutet sie auf meine Füße: Blutegel! Zwei der heimtückischen Blutsauger haben sich bereits an meinem Knöchel festgebissen.
 
 

Nachdem ich sie abgezogen habe, blutet es munter weiter. Der von diesen Viechern injizierte Blutverdünner behält 20 Minuten lang seine Wirkung. So lange dauert es in der Regel, bis sie sich vollgesaugt haben.
P1090994.JPGAls wir zurück sind, hat Irwan uns bereits den mittäglichen Obstteller hingestellt und mit Bananenblättern abgedeckt. Abends nochmal ein Tropenregen, aber unsere Abreise am nächsten Morgen wird dadurch nicht gefährdet.
Vorsorglich verbringen wir die letzte Nacht im Dorf Bukit Lawang. Unser Bus geht am nächsten Morgen schon um 8.30 Uhr und sollte es nochmal so ein heftiges Gewitter geben, wäre uns vielleicht der Weg versperrt. Irwan hat ein Haus im Dorf und vermietet darin zwei Zimmer. Für den Umzug verzichtet er auf den dritten Fahrer. Selamat und er tragen wieder unsere Koffer über den Fluss. Koffer vorn zwischen die Beine des Fahrers, wir auf den Rücksitz und zum letzten Mal fahren wir auf dieser Strecke für Könner. Sein Haus liegt zwischen vielen anderen und wir sehen vom Balkon aus das normale Leben. Hinter jedem Haus ein Fischteich, darin kann man sowohl sich als auch die Wäsche waschen, und zu Essen ist auch noch was drin.
 
 

Abends lassen wir uns zum Essen in den Ort fahren. Die vielen Hotels und Gästehäuser links und rechts am Flussufer leuchten bis zum Stromausfall romantisch in der Dunkelheit.
 

Der Toba-See (Indonesien)

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Selamat muss heute Morgen Irwan vertreten, der bereits wieder im Haus am Fluss arbeitet. Er holt ein Tuktuk und begleitet uns auf dem Moped zur Bushaltestelle. Etliche Mopeds mit geflochtenen Doppelkörben sind schon unterwegs.
DSC03985Toll, was man darin alles transportieren kann: Kinder, Tiere, Palmölfrüchte, Bambusstangen und vieles mehr. Wir frühstücken erst einmal – ohne Bananenpfannkuchen können wir die Fahrt keinesfalls antreten. Pünktlich um 8.30 Uhr geht es los. Mit uns fahren drei richtig nette junge Frauen. Zwei aus Luxemburg und eine aus Deutschland. Wir unterhalten uns angeregt, bis alle drei uns in Medan verlassen. Schade, mit solch einer Begleitung vergeht die Zeit wie im Flug.
Unser Fahrer steuert ein Lokal an, er braucht dringend etwas zu essen, wir auch. Es gibt keine Speisekarte, wir dürfen uns selbst aus den Töpfen bedienen. Fünf Stunden Fahrzeit haben wir noch vor uns. Auch hier sind die Straßen in keinem guten Zustand. Aber unser Fahrer schafft das, von morgens 8.30 Uhr bis 17 Uhr mit einer kleinen Mittagspause. Respekt.
Langsam führt die Straße bergauf bis auf 1200 Meter. Dann geht es in langgezogenen Kurven bergab zum 850 Meter hoch gelegenen Toba-See. Etliche Makaken hocken auf der Leitplanke in der Hoffnung auf rausgeworfene Lebensmittelreste. Gebannt schauen wir aus dem Fenster. Wir haben den größten Kratersee der Erde vor uns. Mit 87 Kilometern Länge und 27 Kilometern Breite ist er mehr als dreimal so groß wie der Bodensee. Seine Tiefe beträgt beeindruckende 500 Meter. Entstanden ist der See nach dem Ausbruch des Vulkans Toba vor 74.000 Jahren. Die gewaltige Eruption hatte das Potential den überwiegenden Teil der Menschheit auf der nördlichen Halbkugel auszurotten. Zumindest steht sie unter dem Verdacht Auslöser einer Eiszeit gewesen zu sein, die große Teile der Nordhalbkugel erstarren ließ. Was genau die Auswirkungen waren, versuchen die Wissenschaftler mit neuesten Untersuchungsmethoden herauszufinden.
Die in der Mitte gelegene Insel Samosir in der Größe von Ibiza ist unser Ziel. Eine richtige Insel ist Samosir erst seit 1906, als ein 20 Meter breiter Kanal durch die 200 Meter breite Landbrücke gegraben wurde.
 
 

Um 6 Uhr legt das Boot ab und der „erste Offizier“ fragt jeden Fahrgast, wo er auf Samosir wohnt. Begleitet von lauter Rock-Musik tuckert das Boot zur Insel und steuert den Anleger des ersten Hotels an. Einige Gäste steigen aus und die Fahrt geht weiter. Nach dem dritten Stopp hatte das Boot schon wieder abgelegt, als ein Pärchen feststellt, dass es vergessen hat auszusteigen. Alles kein Problem, das Boot fährt eine Kurve und legt erneut an Haltepunkt 3 an. Etwas später sind auch wir an unserem Gästehaus angelangt. Vom Anleger ziehen wir unsere Koffer ein paar Meter auf dem gepflasterten Weg nach oben. Bequemer geht es nicht. Unsere Terrasse ist 10 Meter vom Ufer entfernt, eine Lage die an einem der italienischen Seen für uns unbezahlbar wäre.

Zum Abendessen gehen wir in ein Lokal gleich nebenan. Es wurde in einem der Internetportale lobend erwähnt. Wir wundern uns nur kurz, dass wir die einzigen Gäste sind. Aus der Küche hört man laute Streitereien. Ein Kind wird verhauen, es brüllt gegen das Geschrei der Erwachsenen an. Hätten wir nicht schon bestellt, würden wir jetzt aufstehen und gehen. Ein weiteres Mal wird man uns hier nicht sehen.
Wir verbringen ein paar entspannte Tage in Tuktuk mit Schwimmen und Laufen. Das Wasser des Sees ist kristallklar und hat eine angenehme Temperatur.

Bei einer kleinen Wanderung sehen wir Kakaobäume; erst vereinzelt, dann Plantagen. Die Bäume sind nicht höher als 2,50 Meter, das macht die Ernte einfacher. Kakaobäume können gleichzeitig blühen und Früchte tragen. Die gelben bis roten Früchte werden bis zu einem halben Kilo schwer. Dann werden sie einzeln mit der Machete vom Stamm geschlagen ohne die Baumrinde zu verletzen. Bis leckere Schokolade daraus wird, sind noch viele Arbeitsschritte nötig.
 

Weil wir noch etwas mehr von Samosir sehen wollen, mieten wir uns ein Moped und fahren die Küstenstraße entlang. Hier herrscht nicht so dichter Verkehr wie anderswo, so dass wir den Mut fassen – ausgestattet mit wuchtigen Helmen – selbst zu fahren. Genauer gesagt, Klaus fährt und ich sitze hinter ihm. Anfangs etwas verkrampft, dann immer mutiger geht es erst nach Norden, dann nach Westen auf einer der Küstenlinie folgenden Straße. Links sehen wir, wie steil der Hang abfällt. Das Innere Samosirs ist nur zu Fuß oder wahrscheinlich auch mit geländegängigen Motorrädern zu erreichen. Häufig sehen wir die typischen Holzhäuser mit dem schrägen Spitzgiebel, zum Teil noch traditionell verziert. Hier lebt das Volk der Batak, die hauptsächlich Christen sind. Vor hundert Jahren sollen sie noch Menschenfresser gewesen sein.
 

Sicherheitshalber machen wir in einem veganen Restaurant Rast. Es ist uns von einem deutschen Paar (keine Veganer) wärmstens empfohlen worden und wir werden nicht enttäuscht, das Essen schmeckt unglaublich gut. Dazu kommt der schön gestaltete Garten mit Blick auf den See. Einfach ein Ort zum Entspannen – wunderbar. Am letzten Abend noch einen marinierten gegrillten Fisch aus dem See mit Blick auf denselben.

Die Abfahrt lässt uns wieder schmunzeln. Wir werden am Anleger unseres Hotels abgeholt und das Boot steuert die nächsten Hotels auf der nur dem Kapitän bekannten Liste an. Es geht auch heute nicht ohne ein paar „Schleifen“, wenn Fahrgäste unpünktlich sind, wird umgedreht. Ganz zum Schluss fahren wir noch mal fast die halbe Strecke zurück; denn ein Motorrad muss noch mit. Drei Mann befördern es auf das Boot und schieben es auf die linke Laufseite, hier kommt jetzt niemand mehr durch.
Am Hafen in Parapat auf dem Festland herrscht ein riesiges Gedränge. Der Markt schließt direkt an den Anleger an. Wir ziehen unsere Koffer slalomartig über den matschigen Boden bis zum Café mit angeschlossener Reiseagentur, wo wir vor fünf Tagen schon die Tickets für die Weiterfahrt nach Medan gekauft haben. Autos und die rostigen öffentlichen Busse versuchen – umrundet von Mopeds – aus dem Gedränge herauszukommen. Vom etwas erhöhten Platz im Café aus beobachten wir das Treiben. Das ist der urigste Markt, den wir bisher zu sehen bekommen haben. Hier wird nicht nach Sorten getrennt, alle Stände stehen wild durcheinander.

Ich wage noch einen kurzen Rundgang durch den gegenüberliegenden Fischmarkt. Obwohl ich mit meinem Rucksack nicht wirklich schwer als Reisende zu erkennen bin, versuchen alle mir irgendwelche noch lebenden Fische zu verkaufen. Anschließend laufe ich noch 100 Meter durch Matsch und Sand, um den Fischgeruch von den Sohlen zu bekommen.
Kurz nach der Abfahrt müssen wir eine Engstelle passieren. Ein Holzlaster ist umgestürzt, zu unserem Glück auf die gegenüberliegende Seite, so dass wir die Unfallstelle gerade noch passieren können. Wie es den entgegenkommenden Lastern wohl ergeht? Unseren Van teilen wir uns mit drei jungen Frauen, einem jungen und einem alten Mann. Der sitzt neben mir und hält sich mit der linken Hand krampfhaft am Türgriff fest. Kurze Zeit später ist er eingeschlafen und sein Arm fällt herunter und seine Hand prallt auf den neben ihm befestigten Feuerlöscher. Er jammert leise und reibt die schmerzende Stelle. Nachdem das dreimal passiert ist und seine Begleiterinnen auf dem Rücksitz selig schlummern und deshalb nichts mitbekommen, befestige ich eine Schlaufe am Griff und er hängt dankbar seinen Arm hinein. Vorsorglich polstere ich noch den Feuerlöscher mit einem mehrfach zusammengelegten Tuch. Klaus tauscht während einer Pause den Platz mit ihm. An der anderen Seite ist kein Feuerlöscher und oh Wunder, seine Hand fällt nicht ein einziges Mal runter dafür schläft er mit dem Kopf auf meiner Schulter.
Am nächsten Tag fliegen wie zurück nach Kuala Lumpur. Eine asiatische Airline – vergleichbar mit dem Standard von Ryan Air – hat das Motto: „Jeder kann fliegen“ gewählt. Das können wir wirklich bestätigen. Offenbar sind einige der Passagiere das erste Mal am Flughafen. Vor den Rolltreppen staut es sich. Die leicht zu erkennenden Erstflieger beäugen misstrauisch die Rolltreppe. Sie müssen sich wohl erst vergewissern, dass nicht plötzlich eine Stufe fehlt und sie ins Leere stürzen. Aber irgendwann haben es doch alle geschafft und sitzen in der Maschine.
Zum letzten Mal Kuala Lumpur. Wir wohnen wieder in Brickfield (Little India) mit kurzem Zugang zur Monorail. Dort bewegen wir uns inzwischen mit schlafwandlerischer Sicherheit. Verschiedene technische Kleinigkeiten sind zu besorgen, und günstiger als hier werden wir die später wohl nicht mehr bekommen. Beim Herumlaufen kommen wir zu einer großen Shopping-Mal. Erstaunt registrieren wir, dass der Boden ab und zu vibriert und ein Grollen zu hören ist. Des Rätsels Lösung: Im Gebäude fährt eine Achterbahn, sogar ein Looping ist eingebaut. Etliche andere Fahrattraktionen sind aufgebaut. Kinder zerren ihre Eltern in Richtung Kasse, sie wollen unbedingt mit dem ein oder anderen Karussell fahren. Eine Tafel mit Größenschema macht allerdings manche Hoffnung zunichte. In die heißbegehrte Achterbahn dürfen Kinder erst ab 1,40 Meter Körpergröße.

Den Abend – es ist mein Geburtstag – verbringen wir in einem japanischen Lokal. Vor unseren Augen werden kleine Spießchen mit den unterschiedlichsten Fleisch und Gemüsesorten gegrillt. Ein schönes Erlebnis und ein gut schmeckendes dazu.

Jakarta (Indonesien)

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Ein Taxifahrerin bringt uns zum Flughafen. Zwei Stunden dauert der Flug nach Jakarta. Erst an der Küste der Insel Sumatra entlang, dabei überqueren wir den Äquator, der leider nicht mit einer „Bojenkette“ markiert ist, dann über das Meer mit Blick auf die „tausend“ Inseln. Wunderschön!

Kaum hat das Flugzeug Bodenkontakt, klicken schon die Sicherheitsgurte und die Reisenden zerren ihr Gepäck aus den Fächern. In der schwankenden Maschine geht das Gedränge Richtung Tür los. Dabei dauert es auch jetzt mindestens noch eine viertel Stunde, bis wir am Rüssel festmachen. Wenigstens klatschen die Menschen bei der Landung nicht, nur weil der Pilot seinen Job gemacht hat.
Auf diesem Flughafen – er gehört zu den größten in Asien – läuft man gefühlt einen Viertelmarathon, bis man zur Passkontrolle kommt. Auch heute verläuft die Einreise ohne Probleme. Gut, dass wir uns für die Variante Ausreise in ein anderes Land entschieden haben.
Die zwanzig Kilometer in die Innenstadt legen wir mit dem Taxi zurück. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist hier noch ausbaufähig. Unser Hotel liegt in Chinatown, nahe der Altstadt. Kleinste Läden, Garküchen, Reparaturbetriebe liegen dicht an dicht nebeneinander. Die Straßen sind im denkbar schlechten Zustand. Abends um zehn Uhr beginnt ein Bagger vor dem Hotel die Straße aufzureißen. Doch kurz nach Mitternacht hört er auf und lässt uns schlafen.
Am nächsten Tag wollen wir uns einen kleinen Einblick in Indonesiens Hauptstadt verschaffen. Ein wenig Respekt haben wir vor der Größe. Jakarta (früher Djarkarta) ist die größte Stadt in Südostasien; der Ballungsraum umfasst geschätzte 40 Millionen Einwohner und ist der zweitgrößte weltweit. In Jakarta selbst vermischen sich die Einflüsse der Einwanderer aus unterschiedlichen Völkern in den vergangenen Jahrhunderten in Bezug auf Lebensweise, Küche, Religion und Architektur.

Aber zuerst müssen wir eine neue SIM-Karte besorgen und gehen über die Brücke, die bereits ein kleines Kaufhaus ist, auf die andere Seite. Dieses Technik-Kaufhaus hat auch seine besten Zeiten hinter sich. Der nächste Weg führt am Rand einer Hauptstraße ohne Bürgersteig zum Bahnhof. Wir wollen Fahrkarten für die Weiterfahrt mit dem Zug kaufen. Der Bahnhof in der Altstadt verkauft aber nur Karten für den Nahverkehr. Wir müssen in die Innenstadt zu einem anderen Bahnhof. Für diesen weiten Weg nehmen wir ein Taxi.

Monas

Wir kommen an einem großen eingezäunten Park vorbei, in dem das Nationaldenkmal (Monumen Nasional = Monas) steht, ein 137 Meter hoher Obelisk. Auf der Spitze thront eine 14 Meter hohe Bronzeflamme, die mit 35 Kilogramm Gold überzogen ist. Eingeweiht wurde das Denkmal 1975 als Erinnerung an den Kampf um die Unabhängigkeit von den Niederlanden. Am Bahnhof die nächste Enttäuschung, es gibt keine Fahrkarten mehr. Alle Plätze sind bereits reserviert. Stehplätze sind nicht vorgesehen.

Der Vergleich zwischen Malaysias und Indonesiens Hauptstadt kommt uns zu dieser Zeit gewaltig vor. Das ändert sich erst, als wir nachmittags in die neue Innenstadt fahren. Hier steht Hochhaus an Hochhaus und im Zentrum verteilt gibt es über 70 Einkaufszentren von hochmodern bis in die Jahre gekommen. Hier fließt offenbar alles Geld hin, da bleibt für die maroden Randbezirke nichts mehr übrig. Es ist uns immer ein Rätsel, wie die Menschen hier mit den gewaltigen Unterschieden zurecht kommen. Auf der einen Seite die glitzernden Shopping-Paläste, blitzsauber und von Sicherheitskräften bewacht und kontrolliert, auf der anderen Seite die erbärmlichsten Quartiere mit dem Gestank aus den mit dicken Betonplatten abgedeckten Abwassergräben. Die Rückfahrt wollen wir mit einem der öffentlichen Busse antreten. Die richtige Linie ist schnell gefunden. In der Mitte der breiten Straßen sind die An- und Abfahrtsstellen. Sie sind nur über Fußgängerbrücken erreichbar. Die Busspuren verlaufen links und rechts davon, getrennt durch halbmeter hohe Barrieren. Am Schalter bekommen wir für 40.000 IDR (2,40 €) eine Fahrkarte für zwei, Format und Material entsprechen einer Scheckkarte. Sie wird am Eingang elektronisch gelesen, vorher wird die Sperre nicht freigegeben. Wir folgen den anderen Fahrgästen die Schräge aufwärts. auf dem Metallboden klingen die Schritte der vielen Menschen, als ob wir uns in einer Dampfschmiede befinden. Dann geht es über Treppen wieder abwärts in die Mitte zur Busstation. Unter der untersten Treppe liegt ein großer Teppich, darauf etliche liegende Menschen in ihr Gebet versunken. Später stellen wir fest, dass es an jeder Haltestelle eine Gebetsecke gibt.

In den Haltestellen wartet man auf einer erhöhten Plattform auf den Bus. Zum Einsteigen macht man einen großen Schritt über den 60 Zentimeter tiefen Abgrund. Stufen gibt es nicht. Weil unser Bus nicht kommt, haben wir Gelegenheit den Feierabendverkehr eine Weile zu beobachten. Die Autos stauen sich, schließlich trägt Jakarta den Titel „Welthauptstadt des Staus“ und es geht nur sehr zäh voran. Zu zäh für Einige, und so nutzen sie dreist die Busspur, um an den stehenden Autos vorbei zu kommen. Werden Sie erwischt, kostet das 500.000 IDR (30 €), aber nach den Automarken zu urteilen, zahlen sie die Strafe aus der Portokasse.
Inzwischen haben acht Busse hier gehalten, bis der erste – der in unsere Richtung fährt – zur Haltestelle kommt. Aber er ist so überfüllt, dass wir lieber noch warten. Wir haben es nicht so eilig.
Am nächsten Morgen nehmen wir den Bus in die andere Richtung. Wieder bekommen wir wieder eine „Scheckkarte“, wahrscheinlich hätte man die alte aufladen lassen könnem, kombinieren wir. Informationen bekommen wir nirgends. Die Mitarbeiter im Hotel fahren wohl nicht mit dem Bus, denn sie wissen das nicht. Und die Leute die fahren, sprechen kein englisch; genauso wie die an den Verkaufsstellen.
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Wir wollen ins alte BATAVIA, die frühere Hauptstadt Niederländisch-Indiens, bis Indonesien unabhängig und Batavia in Jakarta umbenannt wurde. Batavia war die „Königin des Ostens“ wegen ihrer großzügig angelegten Straßen und herrlichen Gebäude, die von den Niederländern erst im Stil ihrer Heimat, später im javanischen Stil errichtet wurden. Allerdings trug sie noch den nicht schmeichelhaften Beinamen „Kirchhof Europas“, weil es unter den Neuankömmlingen aus Europa eine hohe Sterblichkeitsrate gab.
Auf dem großen Platz vor dem ehemaligen Rathaus, das heute ein Museum beherbergt, ist was los. Leuchtend bunt lackierte Fahrräder werden von kleinen Mädchen gefahren. Sie tragen große Hüte, die zur Farbe des Rades passen und ein seliges Lächeln im Gesicht. Sie gehören zu einer Schulklasse, die einen Ausflug in die 2 Busstunden entfernte Hauptstadt unternommen hat. Und nach dem sicherlich für die meisten öden Museumsbesuch dürfen sie sich hier austoben. Es gibt den ein oder anderen Zusammenstoß, aber die Freude über das Erlebnis überwiegt eventuelle Schmerzen.

Auf dem weiteren Weg zum alten Hafen kommen wir an etlichen kleinen Schiffsausrüster Betrieben  vorbei. Die Zeit der Segelmacher ist endgültig vorbei, aber man ist flexibel und hat sich stattdessen auf die Herstellung von Markisen, Sonnenschirmen, Schutzhüllen und anderen Dingen spezialisiert.
DSC04066Wir dürfen gegen geringes Eintrittsgeld in den alten Hafen laufen. Hier liegen die alten hölzernen Lastenkähne die noch immer ihren Dienst tun. Während wir stehen und staunen, kommt ein alter Mann auf uns zu und bietet uns an, uns mit seinem Boot durch den Hafen bis zum Hotel Maritim zu fahren, dort könnten wir auch etwas zu Essen bekommen. Beherzt klettern wir in das einen Meter unter uns liegende Boot und es geht los.
Was hier an Schiffen zu sehen ist, ist kaum zu glauben. Ausnahmslos „Seelenverkäufer“ liegen am Kai. Hauptsächlich werden hier Frachten zu den anderen Inseln verschifft. Eins sieht verrotteter aus, als das andere. Einige werden gerade beladen.

Häufig bringen Männer die Lasten auf die Schiffe, ab und zu sieht man einen Kran. Wir fahren die gesamte Länge der festgemachten Lastschiffe ab und biegen rechts in den größeren Hafen ein. Unser Bootsführer hält an der Kaimauer. Über Stücke von alten LKW-Reifen, die dort befestigt sind klettern wir an Land. Das Hotel liegt keine 50 Meter von uns entfernt, ist aber von dieser Seite von einer hohen Mauer umgeben. Wir hoffen, dass sich an der Gartenseite ein Eingangstor zum Garten befindet, vergebens. Zwischen mit allerlei Lasten beladenen LKWs bahnen wir uns unseren Weg über den mit Zementstaub bedeckten Weg.

Die hier arbeitenden Männer staunen uns an. Wir fragen nach dem Eingang zum Hotel, zuerst versteht uns niemand, dann deutet jemand ans Ende der Mauer. Aber auch dort gibt es keine Möglichkeit, zum Hotel zu gelangen. Jetzt wollen wir nur noch aus dem quirligen Hafenbetrieb heraus und irgendwann ist der uns gezeigte Ausgang auch der Richtige.

Wir besuchen das Marinemuseum, im Gebäude gab es vor einiger Zeit einen Dachstuhlbrand, so dass ein Teil abgesperrt ist. Im Erdgeschoss sind verschiedene Schiffe aus vergangenen Zeiten zu sehen, im Obergeschoss Szenen der Vergangenheit  mit lebensgroßen Figuren  der Entdecker, Händler und Gouverneure nachgestellt. Von dem eigentlichen Batavia ist ansonsten nicht mehr viel übrig geblieben. Die  Fortifikation ist abgetragen und einige alte Lagerhäuser werden zwar irgendwie genutzt wirken aber schäbig oder verfallen.
dsc04129.jpgAuf dem Rückweg kommen wir noch an der alten holländischen Holzdrehbrücke vorbei, bevor wir mit dem Bus zurück zu unserem Hotel fahren.

Von West nach Ost durch Java (Indonesien)

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Wir wollten eigentlich durch ganz Java mit der Eisenbahn „Kerata Api“, dem Feuerwagen fahren. Problem: Für die erste Etappe nach Bandung gibt es wegen des Wochenendes schon keine Karten mehr. Wir müssen deshalb auf den Bus umsteigen. Unser Taxifahrer kennt einen kleines Busunternehmen, das die Strecke bedient ohne dass man umsteigen muss. Der Bus fährt erst um 14.30 Uhr, die Zeit bis zur Abfahrt wollen wir im 200 Meter entfernten Einkaufszentrum verbringen. Der Weg dorthin ist auch – wie so häufig – nach internationalem Standard für Sehbehinderte markiert. Ein ca. 20 Zentimeter breiter geriffelter Streifen verläuft mittig auf dem Bürgersteig. Allerdings: Wenn dann die Bordsteinkante plötzlich  kniehoch zur Strasse abfällt, ein Loch im Fußweg klafft, ein Verkehrsschild dort steht oder in der Mitte jemand seinen Stand aufgebaut hat ist das für die Betroffenen halt Pech.
Auch in Jakarta sind die Einkaufszentren ein beliebter klimatisierter Platz für Familien, um den Sonntag zu verbringen.

Im Erdgeschoss ist ein kleiner Tiermarkt aufgebaut. Hier kann sich jeder den passenden Hausgenossen aussuchen, von Kaninchen über Igel, Vögel, Hunde und Katzen bis hin zu Schildkröten, Schlangen, Geckos, Waranen, Agamen und Spinnen ist alles in verschiedenen Größen, Farben und Arten vorhanden. Eine Frau neben mir blickt auf eine kleinfingerbreite grüne Baumschlange, sie schüttelt sich, kann sich aber nicht von der Stelle bewegen. Fasziniert starrt sie auf das Reptil und immer wieder durchläuft ein Schauer ihren Körper, bis sie von ihrem Begleiter weggezogen wird.
Unser Bus startet etwas verzögert, weil ein heftiger Tropenregen einsetzt. Die getönten Scheiben des Busses vermitteln eine Weltuntergangsstimmung und der Parkplatz wird schnell zum Teich.  Aber es klärt sich schnell auf und wir erreichen Bandung nach fünf Stunden Fahrt. Der bestellte Taxi-Fahrer findet uns nicht, aber wir haben mal wieder Glück. Eine der Mitreisenden wird von ihrem Mann mit dem Auto abgeholt und will uns unbedingt zu unserem Hotel bringen. Nachdem wir schon eine Stunde gewartet haben, nehmen wir das Angebot dankbar an.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Bandung hat den Beinamen „Paris von Java“. Vielleicht suchen wir an den falschen Stellen, aber der Vergleich mit der französischen Metropole ist für uns nicht nachvollziehbar.

Schon am nächsten Morgen um 8.30 Uhr geht es weiter. Wir haben Fahrkarten 1. Klasse gekauft. Zwischen den Gleisen hat jemand liebevoll Grünflächen und Beete angelegt. Wo Bäume und Sträucher gepflanzt sind, gibt es runde Abgrenzungen mit weißen Kieselsteinen. Wahrscheinlich gilt der Bahnhof in Bandung deshalb als der schönste auf Java. Die Fahrt ist sehr angenehm, die Schienen sind in gutem Zustand, die bequemen Sessel lassen sich in Schlafposition stellen und kleine Kissen gehören zu jedem Platz. Alle halbe Stunde wird etwas zu Essen oder Trinken angeboten. Draußen gleiten die Reisfelder in allen Wachstumsstadien vorüber. Einer der 38 Vulkane raucht, ein Anblick faszinierend und beklemmend zugleich.

Yogyarkarta (oder Yokja) erreichen wir am späten Nachmittag. Im Bahnhof wollen wir gleich Fahrkarten für die Weiterfahrt kaufen. Wir werden zu einem Gebäude außerhalb geschickt. Groß prangt die Aufschrift „Tickets“ am Gebäude. Wir nehmen gleich den rechten der drei Eingänge und werden höflich gebeten, den nächsten, mittleren zu nehmen. Hier aber schickt man uns zum linken Eingang, dort nachdem wir unseren Wunsch geäußert haben wieder zum mittleren, wo man uns etwas ungehalten mitteilt, dass wir doch schon zum linken Eingang geschickt worden seien. Jetzt werde ich etwas bestimmter in meiner Bitte um zwei Fahrkarten für den übernächsten Tag. Sofort kommt eine „höher gestellter“ Mitarbeiter, hört sich an was wir wollen und plötzlich klappt es. Anschließend kommt wieder das Spiel mit dem Taxi. Der Fahrer schreibt: „Ich bin hier, wo seid ihr?“ Wir antworten: „Wir sind hier am Eingang, wo bist Du?“ Das geht noch ein paar Mal hin und her, dann erfahren wir, er steht vor dem Hotel Manara. Rundherum sind große Hotels, aber auf keinem entdecken wir den Namen. Erst die Rückfrage bei einem der vor dem Bahnhof stehenden Männer bringt Aufschluss. Das Manara ist das kleinste Hotel, der Name von unserem Standort hinter einer mannshohen Mauer nicht zu sehen, aber genau dort steht das Taxi. Tja, so geht es.
Wir fahren durch die Hauptstraße der lebhaften Universitätsstadt. Endlich gibt es auch wieder Bürgersteige und hier wird eifrig flaniert. Auf der rechten Straßenseite reiht sich Pferdekutsche an Pferdekutsche. Die zierlichen Tiere tragen Scheuklappen, damit ihnen der brausende Verkehr keine Angst macht. Abends reihen wir uns dann in die Masse der Fußgänger ein. Sofort hat man uns natürlich als Touristen identifiziert. Mehrmals werden wir eingeladen, uns eine Batik-Kunstausstellung anzusehen. Heute sei der letzte Tag, morgen zöge der Kunstbetrieb bereits weiter nach Bandung.

Wir vertrösten den Mann, wir wollen erst etwas essen. Kaum sind wir wieder auf der Straße hat uns schon wieder jemand am Wickel. Etwas widerwillig laufen wir mit in den ersten Stock eines Hauses, um die Werke der Schüler des „Kunstlehrers“ der Universität anzusehen. Wir sagen sofort, dass wir nichts kaufen werden. Als wir das wirklich nicht tun, wird der Kunstlehrer ungehalten. Wir flüchten in eine Seitenstraße, der erste „Kunstlehrer“ fährt uns allerdings mit dem Moped hinterher. Wieder dasselbe Spiel: „Nur anschauen, nichts kaufen,“ und dann doch die Wut über unsere „Sturheit“. Es gibt wirklich schöne, kunstvolle Batiken zu sehen, aber wir können und wollen sie nicht mitnehmen. Die „Kunstgalerien“ sind natürlich reine Touristenläden und die Bilder schön aber doch irgendwie Massenware.
DSC04299.JPGBatik (javanisch mbatik) ist eine alte Handwerkstechnik, die in Indonesien ihren Ursprung hat und „Schreiben mit Wachs“ bedeutet. Mit dem Tjanting – einem kleinen Kännchen mit verschieden breiten Tüllen – werden Muster mit flüssigem Bienenwachs auf Stoff aufgetragen und der Stoff anschließend eingefärbt. Die mit Wachs bemalten Stellen nehmen die Farbe nicht an und bleiben hell. Diese Vorgänge werden mehrmals mit entsprechender Zeichnung wiederholt, damit die klassischen verschiedenfarbigen Muster entstehen. Gefärbt wird immer von hell nach dunkel.
Morgens um 4.30 Uhr schrecken wir aus dem Schlaf hoch. Wir haben das Gefühl, nicht allein in unserem Zimmer zu sein. In voller Lautstärke singen die Muezzin der drei in der Nähe gelegenen Moscheen eine Stunde lang gegeneinander an. Jeder etwas anderes und jeder versucht scheinbar, die anderen zu übertönen. Nachdem sich der Herzschlag wieder beruhigt hat, lesen wir eine Weile und können dann doch noch ein bisschen schlafen .

Wir laufen los, um den Kraton (Sultanspalast) zu besichtigen. Er ist durch ein Museum ergänzt. Die große Anlage hat zum großen Teil nur von prächtig verzierten Säulen getragene Dächer. Die meisten Bereiche darf man nicht betreten. Auf Fotografien bekommen Besucher Einblick in das Leben am Sultanspalast. Vor der Anlage liegt eine große Grünfläche, die von der Bevölkerung als Sport- und Ausflugsplatz genutzt wird. Die zwei großen Bäume sind Wohnsitz verschiedener Geister.

Mit einer Moped-Rikscha lassen wir uns zum Wasserschloss bringen, das dem Sultan mit seinem Harem als Lustschloss diente. Ach wär das schön, wenn wir jetzt die Wasserbecken nutzen könnten.
Am nächsten Morgen wieder dasselbe Spektakel; lautstarke Gesänge um 4.30 Uhr. Weil unser Zug aber schon um 7.00 Uhr abfährt ist damit auch für heute die Nacht zuende. Dieses Mal haben wir Fahrkarten dritter Klasse, aber von der häufig beschriebenen „Holzklasse“ ist nicht viel übrig geblieben. Auf gepolsterten Zweierbänken sitzen wir uns gegenüber, und während der 14 Stunden dauernden Fahrt haben wir die vier Plätze für uns. Da kann man ab und zu die Füße hochlegen oder sich quer auf die Bank legen. Auch in diesem Zug, für den wir nur einen Bruchteil des letzten Fahrpreises zahlen, gibt es aufmerksames Personal. Die Mitarbeiter sind tatsächlich während der gesamten Fahrzeit im Einsatz.
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Der Zug fährt von der Südküste nach Surabaya zur Nordküste und dann nach Osten. Wir sehen viele Vulkane und noch mehr große, kunstvolle Moscheen. Auf Java liegt der Anteil der Muslime bei 91 %.
Die Taxifahrt zu unserem Homestay dauert noch mal eine halbe Stunde. Wir sind so ausgehungert, dass wir gleich nach unserer Ankunft wieder loslaufen, um das nächste Restaurant aufzusuchen. Direkt vor unserer Nase wird beim ersten Lokal die Tür zugeschlossen, aber ein paar hundert Meter weiter bekommen wir in einem mit bunten Lichtern geschmückten Lokal noch etwas zu essen.
Dieses Mal haben wir ein komfortables Haus für uns allein. Ein großes Schlafzimmer mit Tisch und Sesseln, eine überdachte Terrasse ebenfalls mit Sitzgruppe und ein schönes Badezimmer. Das belgisch/indonesische Ehepaar ist überaus sympathisch und wir bekommen köstliches Frühstück.

Spaziergang in der Nähe unseres Hotels

Banyuwangi – ganz im Osten Javas und Fährhafen nach Bali – liegt bereits am Meer und wir nehmen uns vor, einen Spaziergang zum Strand zu machen. Wir schlagen die uns genannte Richtung ein und kommen nach den 10 veranschlagten Minuten nicht an den Strand sondern zu einem kleinen Bach, an dem gerade mehrere Männer arbeiten. Nach weiteren 10 Minuten erreichen wir ein Dorf. Eine Horde Kinder läuft neben uns her und ein paar besonders kecke testen, wie gut ihre englischen Vokabeln sind. Das Dorf liegt hinter uns und wir passieren noch die Müllkippe, auf der gerade ein Feuer schwelt. Noch immer ist kein Strand in Sicht. Die dunklen Wolken am Himmel geben das Signal zur Umkehr. Nach 10 Metern geht mein Schuh kaputt. Eine Weile laufe ich barfuß, dann nimmt uns ein Einheimischer im Auto mit.
Wir gehen in das kleine Ecklokal, für das es gestern zu spät war. Merkwürdig, vorne prasselt bereits der Regen auf die Hauptstraße, während es am zweiten Ausgang, der in eine Nebenstraße führt, noch ein paar Minuten trocken bleibt. Das Essen – Sepia und unbekannter Fisch – ist lecker. Zwischen den tiefen Pfützen suchen wir uns anschießend  einen Weg zu unserer Unterkunft und kommen nass bis auf die Haut dort an.
Am Abend gehen wir dann noch einmal in dieses Lokal und werden wie Stammgäste begrüßt.

Bali – Insel der Götter (Indonesien)

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Es ist 3.30 Uhr, als der Gesangswettbewerb der Muezzin beginnt. Und mit einer Stunde ist es nicht getan, zwei müssen es an einem Freitag schon sein. Ich werde unsere Vermieterin fragen, wie die Menschen damit zurecht kommen. Beim Frühstück erfahren wir, dass die Gläubigen quasi im Halbschlaf ihr Gebet verrichten und dann sofort weiterschlafen können. Ihr belgischer Ehemann hat allerdings zwei Jahre gebraucht, bis er den Weckruf nicht mehr hört.

Wir unterhalten uns noch eine Weile, bis uns das Taxi abholt. Bei Tageslicht sehen wir, dass Banyuwangi eine kunterbunte Stadt ist. Häuser, Zäune und Mauern – alles ist irgendwie mit Farben verschönert. Hier tragen die muslimischen Männer Sarong, vielleicht weil sie gerade aus der Moschee kommen.

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Die Fähre soll laut Fahrplan im Viertelstunden-Takt fahren. Heute passiert das jedenfalls nicht. Als sie endlich ablegt, fährt sie in einem Tempo, dass man sie schwimmend locker überholen könnte und aus den üblichen 30 Minuten Fahrzeit das Doppelte wird. Endlich in Gilimanuk/Bali angekommen will Klaus erst noch Essen gehen. Ich dränge auf Weitergehen, was seine Laune nicht unbedingt verbessert. Wir nehmen den erstbesten Bus und bekommen die beiden „Ehrenplätze“ neben dem Fahrer. Es ist eng und heiß und die 150 Kilometer nehmen kein Ende. Obwohl die Landschaft schön ist und die vielen Tempelchen und Ahnenschreine mich begeistern, sitze ich auf heißen Kohlen, Stunde um Stunde vergeht. Nach 5 Stunden erreichen wir den Busbahnhof, jetzt sind es noch 12 Kilometer bis zum vorgebuchten Hotel. Eine weitere halbe Stunde vergeht, bis wir endlich um kurz nach 20 Uhr in unserem Hotel ankommen. Heimlich tippe ich eine 11 in mein Handy und sende die Nummer an eine bekannte WhatsApp-Adresse. Kurz darauf klopft es an unsere Zimmertür. Klaus öffnet und als er sieht, wer vor der Tür von Nummer 11 steht, taumelt er drei Schritte rückwärts. Unsere Tocher und ihr Mann kommen lachend ins Zimmer. Die lange geplante Überraschung ist uns wirklich geglückt. Die Erzählungen und Umarmungen wollen kein Ende nehmen, und der Abend im nahe gelegenen Restaurant wird lang und später im Hotelzimmer fortgesetzt.

Am nächsten Tag besuchen wir in die Innenstadt von Denpasar, um ein paar Einkäufe. erledigen. Danach fahren wir zum alten Kumbasari Marktgebäude. Für uns ist das ein vertrauter Anblick, für unsere Neuankömmlinge gibt es viel zu staunen. Unbekannte Obst- und Gemüsesorten, ein buntes Angebot an Meeresfischen – frisch, getrocknet oder bereits gekocht. Dazu kann man die Brühe in fest verknoteten Plastikbeuteln mitnehmen. Ich lasse mir ein paar Schlangenhautfrüchte einpacken. Ein kleines, etwa achtjähriges Mädchen neben mir zupft an meinem T-Shirt und deutet auf den großen Korb, den es auf dem Kopf trägt. Es will mir unbedingt meine Tüte tragen und ist traurig, dass ich nicht zustimme. Andere Lastenträger haben mehr Glück, die Körbe auf ihrem Kopf sind randvoll, und wenn sie den Kunden ihre Waren zum Auto oder Moped bringen, gibt es ein Trinkgeld. Von einem Einheimischen wurden wir gewarnt, Kindern im schulpflichtigen Alter Waren abzukaufen oder ihnen Geld zu geben. Damit mache man sich strafbar.

Wir laufen durch die Straße der Stoffhändler und werden von einem  pensionierten „Hochschulprofessor“ angesprochen, der uns zum nahe gelegenen Tempel führen will.

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Zunächst klärt er uns über eine auf einer Art Verkehrsinsel stehende Figur mit vier Gesichtern (Catur Muka) aus der Vielzahl der Hindu-Gottheiten auf . „Früher,“ betont er, „gab es hier täglich Autounfälle, seit die 10 Meter hohe Figur hier steht, ist nichts mehr passiert.“ Das sollte man auch bei uns an Unfallschwerpunkten einführen.

Für den Besuch im Tempel müssen wir uns Sarongs leihen. Alle Figuren und Schreine sind mit schwarz weiß karierten Tüchern umwickelt und dicht mit Opfergaben umlegt. In der nächsten Woche wird wieder ein Vollmondfest gefeiert, und die Vorbereitungen haben bereits begonnen. In einem Unterstand neben dem Tempel sind alle möglichen Gamelan-Instrumente aufgebaut. Nachdem wir den Tempel verlassen haben will unser aufdringlicher Führer uns unbedingt von seinem Cousin zu einer Veranstaltung fahren lassen, die natürlich ganz spektakulär und einzigartig ist. Wir schützen Müdigkeit vor und setzen uns in einem großen Park gegenüber auf eine Bank. Doch er gibt nicht auf und setzt sich neben uns. Wir müssen etwas energisch werden und ihm sagen, dass wir dort nicht hinwollen. Grummelnd verzieht er sich dann endlich nach einem Trinkgeld.

Auf der großen Rasenfläche ist allerhand los. Jungen spielen Fussball, Luftballonverkäufer wittern gute Geschäfte, Kleinkinder üben erste Schritte und Erwachsene sitzen plaudernd im Gras. Am anderen Ende ertönt plötzlich Musik. Neugierig laufen wir in die Richtung.

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Auf einer Bühne tanzen kleine Mädchen in klassischen balinesischen Kostümen – die Gesichter auf alt geschminkt – zur traditionellen Musik. Wir staunen, wie die acht bis zwölf Jahre alten Mädchen sich bewegen, welche Mimik und Gesten sie bereits beherrschen. Eine Weile schauen wir ihnen zu, fotografieren und filmen kleine Szenen. Allerdings ist die Gamelan-Musik vom Band für unsere Ohren unerträglich laut und schrill, so dass wir es nicht bis zum Schluss aushalten.

Am nächsten Morgen holt uns ein Fahrer im Hotel ab.  Durch den dichten Verkehr in Denpasar geht es an Ubud vorbei und dann nach Norden. Unzählige kleine Tempel säumen die Straßen. Viele haben diese an Frisuren erinnernden Dächer aus Zuckerpalmenfasern. Die meisten sind aus grauem Stein geschnitten. Wir sehen Reisfelder, erst flach dann in Terrassen angelegt und den Vulkan Agung, der im November mit einer gewaltigen Aschewolke auf sich aufmerksam machte und damit den Flugverkehr beeinträchtigte. Unser Ziel ist eine Villa an der Küste, die für die nächsten Tage unser Zuhause sein wird. Obwohl der tropische Garten direkt an den Strand anschließt, hat sie noch einen herrlichen Pool, den wir vier sofort ausprobieren müssen.

Fischer an unserem Strand

Am späten Nachmittag wollen wir etwas einkaufen und unser liebenswerter guter „Hausgeist“ Arif bestellt uns ein Auto – einen ehemaligen Kleinbus – in den man nur gebückt steigen kann. Der Inhalt von zwei vollen Einkaufswagen wird in unserem Fahrzeug verstaut und mit offener Tür und Fenstern geht es zurück zu unserer Villa. Nach vielen Monaten stehe ich zum ersten Mal wieder am Herd. Wie immer habe ich zuviel gekocht. Doch gerade, als Klaus beschließt, die Reste am nächsten Tag zu essen, schleichen drei ausgehungerte Gestalten durch den dunklen Garten. Erst als sie die Terrasse erreichen und ins Licht treten, erkennt Klaus in ihnen seinen Sohn, die Schwiegertochter und die schmerzlich vermisste Enkelin. Jetzt ist er vollkommen fertig mit den Nerven und springt komplett angezogen in den Pool. Wir sechs sind begeistert, dass die Überraschung perfekt gelungen ist. Und nun ist auch endlich das Geheimnis gegenüber Freunden und Bekannten gelüftet, warum wir uns so lange in Südostasien aufgehalten haben. Unsere Kinder wollten den 70sten Geburtstag ihres Vaters unbedingt mit uns feiern und Bali ist das ideale Ziel.

Wir feiern ausgelassen Geburtstag, machen einen Ausflug an die Nord-Westspitze, wo wir tauchen und schnorcheln.

Tags darauf kommt  eine Masseurin zu uns ins Haus und knetet uns der Reihe nach durch. Ein Ausflug führt uns zu dem in unserer Nähe gelegenen  schönsten Wasserfall der Insel. Als wir den Ausgangspunkt erreichen gibt es eine Zwangspause, weil ein Platzregen niedergeht. Wir müssen in einem kleinen Laden warten.

Dort  haben wir das zweifelhafte Vergnügen, gefangene Luwaks im Käfig zu sehen. Diese Schleichkatzenart produziert den teuersten Kaffee der Welt. Die Luwaks fressen die reifen Kaffeekirschen und scheiden die unverdauten Kaffeebohnen wieder aus. Durch die Magensäure sind sie leicht fermentiert und sollen dadurch ihre Bitterstoffe verlieren. Leider sind inzwischen viele dieser possierlichen Tiere eingefangen und in Käfige gesteckt worden, wo sie mit Kaffeekirschen gemästet werden. Wir probieren den Luwak-Kaffee und finden: Es lohnt sich nicht. Uns schmeckt der Kaffee nicht besser als anderer, der nicht durch eine Katze gewandert ist. Und eine Rechtfertigung für die Gefangenschaft dieser Tiere gibt es schon gar nicht.

Als es nur noch tröpfelt, laufen wir los. Es geht ständig bergab, zum Schluss nur noch über Stufen. Es sind mindestens 100 Meter Höhenunterschied, die vom Ausgangspunkt bis zum Grund der Schlucht. Wir müssen durch einen strömenden Bach waten und halten uns alle an den Händen. Der Blick auf den Wasserfall begeistert uns. Ein Wassernebel durchnässt auch noch den letzten Rest unserer Kleidung, aber das ist allen egal, es ist so ein toller Anblick und jede Anstrengung wert. Wir schaffen den Rückweg gerade so, bevor es hier stockdunkel wird.

Am Ostersamstag ist ein besonderes Vollmondfest: Es ist der erste Frühlingsvollmond. Arif lädt uns ein dabei zu sein, aber zuvor müssen wir entsprechende Kleidung kaufen. Alle brauchen Sarongs und Schärpen. Morgens kommt Arif und hilft beim richtigen Drapieren der Sarongs. Für die Männer bringt er noch traditionelle Kopfbedeckungen mit. So ausstaffiert fährt er uns in die Stadt. Viele festlich gekleidete Menschen säumen bereits die Straße.

Selbst die Allerkleinsten sind zu unserem Entzücken entsprechend gekleidet. Wie so häufig auf Bali erschnuppern wir immer wieder den Geruch von Räucherstäbchen. Wir verstehen nicht so richtig, was hier passiert. Erst im Nachhinein erfahren wir, dass das Fest diesmal zu Ehren des Eisengottes gefeiert wird. Deshalb sind viele Autos geschmückt worden. Immer wieder kommen Gruppen vorbei, einige Männer tragen einen Schrein auf den Schultern. Erst laufen sie in die eine, dann in die andere Richtung. Später macht sich die Menschenmenge auf den Weg zum Strand. Ein riesiger Lindwurm schiebt sich durch die Reisfelder begleitet durch Gamelan Kapellen. Ab un zu kommen Mopedfahrer mit Kühlboxen vorbei und verkaufen Eis und Getränke. Nach rund 3 Kilometern erreichen wir das Ziel, den Tempel am Meer.

Hier sind etliche Verkaufsstände aufgebaut, eine Art Altar steht direkt am Strand, Opfergaben werden ins Meer getragen, kurz benetzt und dann auf dem Altar abgelegt. Man kann auch auf Bali lebende Vögel, Fische oder Grillen ind kleinen Käfigen bzw. Plastikbeuteln kaufen und zur Freude der Götter freilassen.

Im Tempel gibt es Segnungen durch Hindupriester. Sie träufeln duftendes Wasser mit einem kleinen Bambusbüschel auf die knieenden Gläubigen und kleben ihnen Reiskörner auf Stirn und Dekolleté. Die vielen glimmenden Räucherstäbchen erschweren das Atmen und die Mittagshitze im Tempelbereich, in dem sich kein Lüftchen regt, setzt uns zu. Plötzlich steht Arif neben uns und bietet an, uns am Strand entlang zu unserem Haus zu begleiten. Es geht durch schmale Gassen – an einem weiteren Tempel mit furchteinflößenden Steinfiguren vorbei – an den Strand. Ein Fischerboot liegt hier neben dem anderen, viele in leuchtenden Farben angestrichen. Das Laufen auf dem Vulkansand fällt schwer. Mit jedem Schritt sinkt man ein, der Sand bildet keinen festen Untergrund. Das letzte Stück werden wir -den Göttern sei Dank – in dem alten gelben Bus gefahren.

Und am nächsten Tag, dem Ostersonntag, müssen Tochter und Schwiegersohn schon wieder zurückfliegen. Morgens um 9 Uhr werden sie abgeholt. Den Rest der Woche lassen wir es ganz ruhig angehen, schließlich müssen wir Kraft tanken für die Weiterreise. Hier kann ich noch mal alles waschen, kleine Näharbeiten erledigen, die Koffer säubern und Prospekte und Landkarten aussortieren. Am letzten Tag lassen wir uns noch zum Fuß des Vulkans Agung fahren.

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Keiner von uns verspürt auch nur die geringste Lust, den sechsstündigen Aufstieg zum Kraterrand in Angriff zu nehmen. Von unten sieht der Vulkan auch schön aus.

Am Freitag verlassen wir fünf dann endgültig die uns so lieb gewordene Villa. Arif hat wieder seinen Onkel Kadek mit der Fahrt beauftragt. Wir wollen noch einen Stopp in Ubud einlegen. Die Stadt mit den vielen Sehenswürdigkeiten bringt auch die negativen Seiten des Tourismus hervor. In der Innenstadt wechseln sich Souvenier- und Kleiderläden mit Restaurants ab. Das Straßenbild ähnelt dem von Chiang Mai in Thailand. Auch hier sieht man mehr Touristen als Einheimische. Ubud scheint das El Arenal der Australier zu sein. Wir sind froh, wieder im Auto zu sitzen.
Die Fahrt bis zum Flughafen in Denpasar zieht sich, häufig kommt der Verkehr zum Erliegen. Wir haben aber genügend Zeit eingeplant, damit wir rechtzeitig dort ankommen. Der Abschied von unseren restlichen Besuchern ist kurz und schmerzlich, wir versuchen alle, unsere Tränen zu unterdrücken und flüchten förmlich ins Auto.

Wir haben noch für drei Nächte ein Hotel in Flughafennähe gebucht; denn am 9. April verlassen wir Südostasien. Auf uns warten neue Abenteuer auf einem anderen Kontinent.

Sonntag in Boralasgamuwa (Sri Lanka)

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Die Nacht verbringen wir abwechselnd im Schlaf- und Lesemodus. Um 9 Uhr erwartet uns das Frühstück. Es gibt gebratene Eier mit Würstchen und Hühnerfleisch, gefüllte Pfannkuchen, kleine Milchbrötchen, große mit Zucker bestreute Teigstangen, jede Menge Toast und frische Früchte. Tee oder Kaffee können wir uns selbst zubereiten. Wir schaffen nicht mal die Hälfte. Danach schlafen wir einfach nochmal ein paar Stunden. Die Erkältung macht uns noch zu schaffen, außerdem haben wir viel Schlaf versäumt.

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Gegen 14 Uhr machen wir uns auf den Weg, wir wollen in einen nahe gelegenen Park mit See. Aus dem auch sonntags geöffneten Supermarkt nehmen wir uns Bananen und Trinkjoghurt mit, Wasser ist sowieso schon im Rucksack. Ein geteilter Weg führt rund um den See. Die rechte Hälfte ist asphaltiert für Radfahrer, Fußgänger laufen auf Sandboden. Die Radfahrer sind deutlich in der Überzahl, es scheint ein beliebtes Sonntagsvergnügen zu sein. Viele Kinder und Jugendliche sind unterwegs und fahren um die Wette. Auf Schildern wird vor Krokodilen gewarnt, in Sinhala und in Englisch. Die Schrift ist so schön, dass jedes Warnschild ein dekoratives Schmuckstück darstellt, über die Farbgestaltung sollte man dabei vielleicht noch mal nachdenken. Tatsächlich sehen wir ab und zu zwei Augen oder ein paar Rückenzacken. Auf der Hälfte der Strecke gibt es einen Rastplatz. Viele kleine Läden bieten die unterschiedlichsten Speisen an, und unter den Bäumen stehen Tische und Hocker aus Beton.

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Beliebter Treffpunkt an Sonntagen

Es ist ziemlich voll, und auch hier fallen wir als einzige Touristen auf. Wir teilen unseren Trinkjoghurt mit einer dürren Mutterkatze, der ich mehrmals en Schraubverschluss der Flasche fülle.

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Während ich auf dem Weg einen riesigen Papayabaum bestaune, entdeckt Klaus zwei Warane ungefähr 1 m lang, oben braun, die Unterseite gelb gemustert. Einer schwimmt durch den Graben, der andere huscht im hohen Gras davon. DSC08364Faszinierend, diese urzeitlichen Tiere in 2 m Entfernung einfach so in der Natur zu sehen. Störche, Seidenreiher, Rotlappenkiebitz, Paddyreiher, Sundastorch und andere, alle suchen und finden hier Nahrung. Als wir am See wieder Richtung Straße laufen, hören wir über uns laute Schreie. Riesige Ibisschwärme sind anscheinend auf dem Weg zu ihren Schlafbäumen.

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Wir kommen an eine kleine Straße, die von der Hauptstraße abzweigt. Viele Menschen sind hier in beide Richtungen unterwegs und wir laufen einfach mit. Nach kurzer Zeit sehen wir auf der rechten Seite Blumenstand neben Blumenstand. An einigen werden nur Lotosblüten in verschiedenen Farben verkauft. Aber zuvor biegen die Verkäuferinnen bei jeder einzelnen Knospe die oberen Blütenblätter um. DSC08371An anderen Ständen stehen mit verschiedenen Blüten gefüllte Körbchen.

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Wir laufen geradewegs auf eine Tempelanlage zu. An einem Stand werden knusprige Spiralen angeboten. Beim näheren Hinsehen entdecken wir, dass es sich um Kartoffelchips handelt. Auf einen langen Holzspieß wird eine rohe Kartoffel gesteckt, die wird – genau wie ein Radi im bayrischen Biergarten – in eine Spirale geschnitten. Danach
auseinandergezogen und in heißem Fett frittiert.
Wir bestaunen die gleichmäßigen Kunstwerke und können beim erwartungsvollen Blick der Herstellerinnen nicht anders, als jeder einen Spieß kaufen. Ein bisschen Salz drüber, und wir essen die besten Chips aller Zeiten.

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Die Verkaufsstände, die jetzt auf der linken Seite des Weges liegen, haben ein größeres Angebot, hier gibt es kleine Fläschchen mit Öl, Früchte, Knabberzeug und Getränke. Am letzten Stand fordert ein Mann Klaus auf, sich auf seinen Stuhl zu setzen. Er selbst stellt sich daneben und ich muss fotografieren. Ich erwarte, dass er nun Geld fordert, aber da habe ich mich getäuscht. Nun betreten wir den Innenhof der Tempelanlage. Noch knabbern wir an unseren Chips, deshalb trauen wir uns nicht weiter. Derselbe Mann kommt zu uns und fordert uns auf, einfach weiterzugehen. Na gut, wir ziehen unsere Schuhe aus und laufen weiter. Da liegt eine Kuh, umgeben von Blumen, von denen sie gnädig ab und zu eine frisst, wahrscheinlich wäre ihr saftiges Gras lieber. Ein Stück weiter eine Menschenansammlung. Wir werden dazu geschoben, vorgelassen und stehen vor dem Monk. Er winkt Klaus heran, bindet ihm ein weißes Band ums rechte Handgelenk, verknotet es kunstvoll und legt ihm dann die Hand auf die Stirn. Danach bin ich dran. Die gleiche Prozedur, allerdings will er die Hand gar nicht mehr von meiner Stirn nehmen, streicht auch ab und zu mit dem Daumen über meine Haare. Dann deutet er auf einen Platz neben sich. Ich setze mich, dann fingert er aus seinem Gewand ein paar Geldscheine und schickt abwechselnd einige Anwesende los, Bisquits, Bananen und Wasser holen. Abwechselnd steckt er mir etwas davon entgegen, nimmt sich selbst und ich muss mit ihm zusammen essen und trinken. Zwischendurch tätschelt er immer wieder meinen Arm und murmelt: „Good, good.“ Zwischendurch bindet er wieder Bändchen um Handgelenke, lässt sich die Füße küssen und spricht ab und zu etwas in ein Mikrophon. Er ruft einen Kindermönch herbei, der mich anschauen soll. Dann schickt er eine Frau zur mir, die gut englisch spricht, stellt ihr Fragen und lässt sich meine Antworten übersetzen. Wo ich herkomme, ob ich Kinder habe, ob ich das erste Mal in Sri Lanka bin. Dann „wahrsagt“ er, dass meine Tochter ein wunderbares Baby haben wird, und dass wir alle zusammen wiederkommen werden. Als die Menschentraube um ihn dichter wird, verdrücke ich mich.

Wir schauen uns die verschiedenen Tempel und Opferstellen an, eine eiserne, in der unzählige Flammen glimmen. Dafür werden also die kleinen Ölflaschen verkauft.

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DSC08384DSC08385DSC08380Dann verlassen wir die Anlage. Von allen Seiten werden wir angelächelt, ob es an den weißen Bändern um unsere Handgelenke liegt?

Auf dem Rückweg, es wird gerade dämmrig beobachten wir über uns die Silhouetten von fliegenden Hunden. Sie sollen ein Flügelspannweite von 1,2 m haben. Die möchte ich ja gern mal aus der Nähe sehen.

Wir nehmen uns aus einer Garküche gebratenen Reis mit Meeresfrüchten mit und essen in unserer Unterkunft.

Visaverlängerung (Sri Lanka)

Ein nahezu ereignisloser Tag, schlafen, lesen und schreiben. Eigentlich wollten wir heute in die Innenstadt, um unsere Visa zu verlängern. Weil es mir nicht gut geht verschieben wir die Fahrt auf den nächsten Tag. Dann allerdings erfahren wir von unseren Gastgebern, dass am Dienstag Feiertag ist und die Ämter geschlossen sind. Es ist Vollmondtag, und der wird nicht nur einmal im Jahr gefeiert, sondern gleich zwölfmal. Glückliche Arbeitnehmer. Wir verlängern unseren Aufenthalt bis zum 7.9. in der Hoffnung, am Donnerstag gesund und mit Visaverlängerung Richtung Süden reisen zu können.
Erst am späten Nachmittag gehen wir raus. Der Plan, nach Mount Lavinia zu fahren wird gleich wieder über den Haufen geworfen. Dafür ist es schon zu spät. Ich suche ein Restaurant aus, das in 2,1 km Entfernung liegen soll, und wir machen uns zu Fuß auf den Weg. Es geht immer die Hauptstraße entlang in südlicher Richtung. Um diese Zeit ist der Verkehr auch hier unvorstellbar. Wenn es mal einen Fußgängerweg gibt, ist man auch dort nicht sicher, denn den nutzen die Mopedfahrer zum Überholen der sich immer wieder bildenden Schlangen. Wir kommen an den unterschiedlichsten Geschäften vorbei, von A wie Autos bis Z wie Zwiebeln ist alles vertreten. Sobald die dichte Bebauung vorüber ist, stehen kleine Stände am Straßenrand und setzen die Einkaufsmöglichkeiten fort. Hauptsächlich Obst und Gemüse, aber auch Schuhe werden feilgeboten. Mietfahrräder sind auch im Angebot.
Wir erreichen das Lokal rechtzeitig vor dem nächsten Regenschauer und sehen auch wieder die Ibisschwärme. Später folgen die Flughunde. Das Restaurant ist im ersten Stock und an zwei Seiten offen, mit Blick auf einen kleinen See. Nur Männer sitzen hier, fast alle tragen weiße Kurzarmhemden und sind damit von den Kellnern, die das gleiche tragen, nicht zu unterscheiden. Nur Klaus bekommt eine Speisekarte. Auch hier wird kein Alkohol ausgeschenkt, aber an den Tischen sehen wir, dass aus mitgebrachten Tüten hochprozentiges auf den Tisch gestellt wird. Klaus fragt jemanden am Nebentisch, und wir erfahren, dass Brandy der Favorit ist. Drei Männer am anderen Tisch haben ebenfalls eine Flasche auf dem Tisch. Sie bestellen eine Riesenportion gebratenen Reis, von dem sich alle nehmen. Als die Platte leer ist, ist es auch die Flasche zur Hälfte.
Wir bestellen eine Vorspeise, Klaus Fisch, ich Huhn. Sein Essen kommt zuerst, 10 Minuten später meins, und weitere 10 Minuten später die Vorspeise. Egal , wir essen was kommt und wann es kommt. Mit 16,50 € war es das teuerste Essen bisher, aber es war wirklich gut.
Auf dem Rückweg gehen wir noch in einen Supermarkt. Hier gibt es eine Apotheke und ich kaufe Hustensaft. Auch ein Geldautomat ist in diesem Markt vorhanden, gute Gelegenheit, nochmal Rupien abzuheben. Am Flughafen waren 20.000 = 110 € die Obergrenze, hier geht es bis zu 100.000. In einem separaten Raum mit Schalter wird Alkohol verkauft. Wir nehmen uns zwei Flaschen eiskaltes Bier als Schlummertrunk auf der Terrasse mit. Als wir zurückkommen finde ich auf meinem Handy eine Nachricht von unserem früheren Landrat, dazu mehr im nächsten Bericht.
Der Feiertag verläuft unspektakulär bis auf den Dauerregen, der in Riesenmengen vom Himmel fällt.
Am Mittwoch ist auch wieder blauer Himmel zu sehen, und wir bestellen über “Pick me“ ein Taxi; denn heute ist Schulstart und alle Tuktuk sind bereits im Einsatz. Unser Fahrer erklärt, dass er einen Umweg fahren muss, weil die Hauptstraße total verstopft ist. Aber wir kommen auf diese Weise an einem riesigen Markt vorbei und staunen, sogar auf den Eisenbahnschienen stehen Tische mit Verkaufswaren. Unsere Annahme, dass diese Strecke stillgelegt ist, erweist sich als falsch. Die Lokführer wissen was abläuft und hupen vorher laut, nach dem Signal werden die bepackten Tische schnell an die Seite getragen und, nachdem der Zug durch ist, auch wieder zurück. In dem See, an dem wir als nächstes vorbeifahren, sollen außer Krokodilen auch Piranhas leben. Was die eine Sorte nicht schafft, erledigt offenbar die andere.
Am Department of Emigration and Immigration herrscht reges Treiben. Fotografieren ist hier leider nicht erlaubt. Wir müssen auf die andere Seite des Eingangs, durch einen proppenvollen Wartesaal in den 4. Stock und jetzt geht es los: Anstellen an Schalter 1 in Büro A. Nach vorgetragenem Wunsch erhält man ein Formular, das auszufüllen und mit einem Passbild zu versehen ist. Wieder anstellen an Schalter 1 und das Formular vorzeigen. Danach erhält man einen Zettel mit einer vierstelligen Nummer und die Aufforderung, in diesem Raum noch 10 Minuten zu warten und dann in Raum B zu gehen. Dort warten ca. 80 Personen. Auf den überdimensionalen Monitoren wird nichts angezeigt, sie sind nicht mal angeschlossen. Dafür kommt in unregelmäßigen Zeitabständen ein Mitarbeiter, ruft ein paar Nummer auf und schickt die Antragsteller in einen von vier geschlossenen Büros. Immer wieder versuchen Wartende, die Routine zu umgehen, wedeln mit ihren Formularen, reden aufgeregt auf den jungen Mann ein, um sich dann doch wieder resigniert zu den anderen Wartenden zu gesellen. Als wir an der Reihe sind, fragt der zuständige Beamte, wieviel länger wir bleiben wollen. Auf die Antwort 1 Monat lächelt er wohlwollend, legt Pass und Antrag auf einen Stapel, nach 1 Minute sind wir wieder draußen. Zurück in Büro A vor Schalter 2 warten, bis die Nummer aufgerufen wird, sich Pass und Antrag aus-händigen lassen und an Schalter 3 anstellen, um die Gebühr zu bezahlen. Auch hier wieder besonders Eifrige. Ein älterer Mann im grünen Hemd hat es offenbar eilig und versucht sich vorzudrängen. 4.050 Rupien sind für jeden von uns fällig, rund € 22,00. Antrag und Pass werden in einen Wäschekorb gelegt, wir kehren zurück in den Wartebereich vor Schalter 2. Und dann endlich, 5 Stunden später bekommen wir unsere Pässe mit der Visaverlängerung ausgehändigt. Und Mr. Grünhemd sitzt noch da und wartet.
Wo wir nun schon mal hier sind, wollen wir auch weiter in die Stadt. Draußen stehen etliche Tuktuk, und die Fahrer wollen uns alle gern als Fahrgäste haben. Aber bei dem Preis von 1200 schrecken wir zurück, das ist für die halbe Strecke das Doppelte von dem, was wir am Morgen für eine Autofahrt gezahlt haben. So laufen wir einfach los. Hier gibt es Fußwege, aber es ist ratsam, genau zu schauen, wohin man  tritt, mal fehlen Teile des Pflasters, mal stehen sie über. Nach einer Weile kommen wir an einen Platz, der in der Mitte ein großes Aquarium hat. In zwölf verschiedenen Becken kann man heimische oder Amazonasfische bewundern. Weiter geht es über eine Brücke. Jetzt fehlen auch wieder die Fußwege. Wir geben unser Vorhaben auf und bestellen über Pick me ein Tuktuk und lassen uns zurückfahren.
Abends nochmal das Lokal vom ersten Abend, und am nächsten Morgen Abschied von unseren Gastgebern, die uns richtig ans Herz gewachsen sind. Wir lassen uns durch strömenden Regen zum Bahnhof von Mount Lavinia fahren. Es gibt noch einen richtigen Schalter, an dem man für Fahrkarten anstehen muss. Automatisch werden uns Karten für die zweite Klasse verkauft. 90 Rupies pro Person, ca. 50 Cent für 45 km. Weil wir noch 2 Stunden Zeit haben, lassen wir unsere Koffer bei dem freundlichen Schalterbeamten und laufen mit den Rucksäcken Richtung Strand.
Vor uns liegt das berühmte Mount Lavinia Hotel, in dem man nachmittags einen typischen 5 o‘clock-Tea genießen kann und eine Übernachtung soviel kostet, wie unsere nächste Unterkunft für eine Woche. Ein Mann spricht uns vor dem Hotel an, er war mit einer deutschen Frau verheiratet und freut sich, seine Sprachkenntnisse anbringen zu können. Er hat ein Haus unterhalb des Hotels und bietet uns an, über sein Grundstück zu laufen. Danach nutzen wir die Bahngleise als Weg, das scheint hier normal zu sein. Der viele Regen der letzten Tage hat das Meer aufgewühlt, und dadurch wurden große Mengen Unrat an den Strand geschwemmt. Viele fleißige Hände sind schon dabei, alles zusammen zu kehren. Immer wieder werden wir angesprochen von eifrigen jungen oder älteren Männern, die uns entweder dazu bringen wollen, in ein bestimmtes Lokal zu kommen oder ihr Haus zu besichtigen.
Unser Zug soll um 14.40 abfahren und ist auch fast pünktlich. Nur mit Mühe schaffen wir es, unsere Koffer und uns mit Rucksack in die überfüllten Wagons zu quetschen. Der erhoffte Sitzplatz stellt sich als illusorisch heraus. Wir stehen zwischen zwei geöffneten Türen und versuchen, uns irgendwo festzuhalten. Nach rund 90 Minuten erreichen wir unter heftigem Geschaukel und Hin- und Hergerücke unseren Bahnhof Bentota. Unser neuer Gastgeber erwartet uns schon auf dem Bahnsteig und läuft die 200 m mit uns zu seiner Lodge.
Wir haben ein kleines Häuschen mit Küche und Bad. Unser Bett ist mit Blüten geschmückt und hat ein festes Moskitonetz. Es gibt einen Schreibtisch, einen Kleiderschrank und viel Platz. Wenn man sitzen will, geht man auf die Terrasse.
Wir verabreden uns mit unserem Gastgeber Amith für 17.30 Uhr zum Einkaufen. Taxifahrer ist einer seiner vielen Berufe, und er besitzt ein rotes Tuktuk. Damit knattern wir in den nächsten Ort zum Einkaufen. Erst ein Obstgeschäft, und hier decken wir uns mit Papaya, Ananas, Mango, Mangosteen und Dragonfruit ein, dann zum Supermarkt um fürs Frühstück einzukaufen.
Zum Abendessen empfiehlt Amith uns ein Restaurant, zu dem uns sein Vater um 19.30 geleiten soll. Als wir den Raum betreten, entdecken wir ihn, er arbeitet hier als Kellner. Es ist ein „besseres“ Restaurant und bietet eine schöne Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten. Wir entscheiden uns für King Prawns und Beine einer Seespinne. Der Kellner nennt uns den Betrag, kommt aber nach einer Weile zurück und eröffnet uns, weil wir Gäste seines Kollegen seien, bekämen wir Sonderpreise eingeräumt. Wie nett. Das Essen ist sehr, sehr gut, zu den Meeresfrüchten gibt es Gemüsereis und eine leicht scharfe Soße auf Kokosmilchbasis.

Beruwala (Sri Lanka)

Als mein genialer Chorleiter von unseren Reiseplänen erfuhr schlug er vor, Kontakt mit unserem früheren Landrat, Herrn Eyerkaufer, aufzunehmen. Dieser hat auf Sri Lanka nach der Tsunami-Katastrophe mit Hilfe von Spendern aus dem Main-Kinzig-Kreis ein Hilfsprojekt gestartet. Schon Anfang Juni ergab sich die Gelegenheit, Karl Eyerkaufer nach einem Chorkonzert anzusprechen. Wir bekamen seine Visitenkarte und versprachen, uns mit Reisedetails bei ihm zu melden.

Ein paar Wochen vor Abreise teilte ich ihm mit, dass wir am 1.9. abfliegen und beabsichtigen, am 5.9. weiter nach Beruwala zu fahren. Daraufhin bekamen wir einige Broschüren und den Namen seines Ansprechpartners genannt. Wir dachten, wir reisen hin und melden uns mal bei Mr. Irwan, der uns dann, wenn es in seinen Zeitplan passt, das Projekt zeigt.

Umso größer mein Erstaunen, als ich am Abend des 5. von Herrn Eyerkaufer eine E-Mail bekam, wo wir denn blieben. Ich entschuldigte mich, erklärte den Grund für die Verzögerung und Klaus rief sofort Mr. Irsan an. Wir hatten uns gerade für ein Appartement in Bentota entschieden, von dort wollten wir mit Tuktuk nach Beruwala fahren. Wir verabreden uns für Freitagmorgen um 9 Uhr am Bahnhof.

Auf die Minute pünktlich ist er mit einem weiteren Kollegen da. Wir fahren nach Beruwala und machen einen Stopp am Supermarkt. Mit drei Tüten kehren die beiden Männer zurück. Wir verlassen die Hauptstraße und fahren ins Hinterland. Irgendwo im Nirgendwo halten wir an. Klaus bekommt eine der Tüten in die Hand gedrückt, und uns dämmert, dass das hier eine offizielle Angelegenheit wird. Und wirklich, wir sind Ehrengäste bei der Eröffnung eines neuen Hauses. Die Großfamilie hat sich versammelt und begrüßt uns respektvoll. Am Haus sind ein paar Luftballons aufgehängt und ein Band ist quer über die Eingangstür gespannt worden. Klaus bekommt eine Schere und darf das Band durchschneiden und die Tür öffnen.

2017-09-08 18.18.07Anschließend überreicht er der Hausfrau die Tüte. Sie enthält Reis, Nudeln, Fischkonserven, Öl u.a. Drinnen werden uns die besten Stühle hingeschoben und ein Tuch vom gedeckten Tisch genommen. Darunter steht ein Berg dampfender, in Kokosmilch gekochter Reis, der mit Zucker und Bananen gegessen wird.

2017-09-08 18.23.50Wir nehmen jeder eine kleine Portion und sprechen mit den Bewohnern ein paar Worte, die von Mr. Irwan und seinem Mitarbeiter übersetzt werden. Bei dem Ehepaar steht ein 12jähriger Junge. Er ist ihr angenommener Sohn erfahren wir, die Eltern leben nicht mehr.

2017-09-08-18-34-13.jpgAnschließend pflanzt Klaus mit dem neuen Hausbesitzer eine Kokospalme, die wohl in drei Jahren Früchte tragen wird. Ich bin beschämt, weil mir nicht bewusst war, dass man unseren Besuch so wichtig nahm.

2017-09-08 18.44.37Weiter geht es zur nächsten Hauseinweihung, dieses Mal darf ich das Band durchschneiden, die Tür öffnen und die Lebensmittel übergeben. Ein junges Paar mit kleinem Sohn ist stolzer Besitzer. Der Junge verschläft trotz aller Bemühungen, ihn zu wecken, die gesamte Zeremonie. Heute wurden Haus Nr. 252 und 253 den neuen Eigentümern übergeben. Eine großartige Leistung, die Dank der Initiative eines engagierten Mannes und der Großzügigkeit vieler Menschen zustande kam.

2017-09-08-19-02-03.jpgWir dürfen noch eine Vorschule besuchen, in der 4 bis 6jährige Kinder auf die Schule vorbereitet werden. Alle sitzen brav an kleinen Tischen, haben Hefte vor sich und schreiben mit Bleistift etwas hinein. Klaus verteilt Kekse, und die Kleinen bleiben geduldig sitzen und warten bis sie an der Reihe sind. Das Experiment würde ich gern mal in einem deutschen Kindergarten wiederholen.

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Weiter geht es zur Dentist School. Hier hängt im Behandlungsraum ein Bild von Karl Eyerkaufer. Eine Zahnärztin behandelt gerade eine Schülerin.

2017-09-08 19.20.05In den Schulen wird den Kindern mit Hilfe eines überdimensionalen Gebisses und einer entsprechend großen Zahnbürste die Mundhygiene erklärt und bei Handlungsbedarf werden die Kinder auch gleich zur Behandlung in die Sprechstunde bestellt. Auch Erwachsene sitzen im Warteraum. Die Zahnärztin arbeitet vormittags ehrenamtlich. Auch ihr Engagement muss man loben.

2017-09-08 19.31.21Die letzte Station unserer Besichtigungstour ist die Schule des Main-Kinzig-Kreises, die 2006 erbaut wurde. Hier können muslimische Mädchen als höchsten Abschluss das Abitur machen. Wir besichtigen das Gebäude allerdings nur von außen. Mr. Irsan hat heute noch einen wichtige Termin. Das Oberhaupt der Muslime kommt heute nach Beruwala, da muss er dabei sein. Er fährt uns zurück zu unserer Lodge, aber zuvor werden wir noch in der nächsten Woche zum Abendessen in sein Haus eingeladen.

Was für ein interessanter, berührender Tag.