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Wir wollten eigentlich durch ganz Java mit der Eisenbahn „Kerata Api“, dem Feuerwagen fahren. Problem: Für die erste Etappe nach Bandung gibt es wegen des Wochenendes schon keine Karten mehr. Wir müssen deshalb auf den Bus umsteigen. Unser Taxifahrer kennt einen kleines Busunternehmen, das die Strecke bedient ohne dass man umsteigen muss. Der Bus fährt erst um 14.30 Uhr, die Zeit bis zur Abfahrt wollen wir im 200 Meter entfernten Einkaufszentrum verbringen. Der Weg dorthin ist auch – wie so häufig – nach internationalem Standard für Sehbehinderte markiert. Ein ca. 20 Zentimeter breiter geriffelter Streifen verläuft mittig auf dem Bürgersteig. Allerdings: Wenn dann die Bordsteinkante plötzlich kniehoch zur Strasse abfällt, ein Loch im Fußweg klafft, ein Verkehrsschild dort steht oder in der Mitte jemand seinen Stand aufgebaut hat ist das für die Betroffenen halt Pech.
Auch in Jakarta sind die Einkaufszentren ein beliebter klimatisierter Platz für Familien, um den Sonntag zu verbringen.
Im Erdgeschoss ist ein kleiner Tiermarkt aufgebaut. Hier kann sich jeder den passenden Hausgenossen aussuchen, von Kaninchen über Igel, Vögel, Hunde und Katzen bis hin zu Schildkröten, Schlangen, Geckos, Waranen, Agamen und Spinnen ist alles in verschiedenen Größen, Farben und Arten vorhanden. Eine Frau neben mir blickt auf eine kleinfingerbreite grüne Baumschlange, sie schüttelt sich, kann sich aber nicht von der Stelle bewegen. Fasziniert starrt sie auf das Reptil und immer wieder durchläuft ein Schauer ihren Körper, bis sie von ihrem Begleiter weggezogen wird.
Unser Bus startet etwas verzögert, weil ein heftiger Tropenregen einsetzt. Die getönten Scheiben des Busses vermitteln eine Weltuntergangsstimmung und der Parkplatz wird schnell zum Teich. Aber es klärt sich schnell auf und wir erreichen Bandung nach fünf Stunden Fahrt. Der bestellte Taxi-Fahrer findet uns nicht, aber wir haben mal wieder Glück. Eine der Mitreisenden wird von ihrem Mann mit dem Auto abgeholt und will uns unbedingt zu unserem Hotel bringen. Nachdem wir schon eine Stunde gewartet haben, nehmen wir das Angebot dankbar an.
Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt. Bandung hat den Beinamen „Paris von Java“. Vielleicht suchen wir an den falschen Stellen, aber der Vergleich mit der französischen Metropole ist für uns nicht nachvollziehbar.
Schon am nächsten Morgen um 8.30 Uhr geht es weiter. Wir haben Fahrkarten 1. Klasse gekauft. Zwischen den Gleisen hat jemand liebevoll Grünflächen und Beete angelegt. Wo Bäume und Sträucher gepflanzt sind, gibt es runde Abgrenzungen mit weißen Kieselsteinen. Wahrscheinlich gilt der Bahnhof in Bandung deshalb als der schönste auf Java. Die Fahrt ist sehr angenehm, die Schienen sind in gutem Zustand, die bequemen Sessel lassen sich in Schlafposition stellen und kleine Kissen gehören zu jedem Platz. Alle halbe Stunde wird etwas zu Essen oder Trinken angeboten. Draußen gleiten die Reisfelder in allen Wachstumsstadien vorüber. Einer der 38 Vulkane raucht, ein Anblick faszinierend und beklemmend zugleich.
Yogyarkarta (oder Yokja) erreichen wir am späten Nachmittag. Im Bahnhof wollen wir gleich Fahrkarten für die Weiterfahrt kaufen. Wir werden zu einem Gebäude außerhalb geschickt. Groß prangt die Aufschrift „Tickets“ am Gebäude. Wir nehmen gleich den rechten der drei Eingänge und werden höflich gebeten, den nächsten, mittleren zu nehmen. Hier aber schickt man uns zum linken Eingang, dort nachdem wir unseren Wunsch geäußert haben wieder zum mittleren, wo man uns etwas ungehalten mitteilt, dass wir doch schon zum linken Eingang geschickt worden seien. Jetzt werde ich etwas bestimmter in meiner Bitte um zwei Fahrkarten für den übernächsten Tag. Sofort kommt eine „höher gestellter“ Mitarbeiter, hört sich an was wir wollen und plötzlich klappt es. Anschließend kommt wieder das Spiel mit dem Taxi. Der Fahrer schreibt: „Ich bin hier, wo seid ihr?“ Wir antworten: „Wir sind hier am Eingang, wo bist Du?“ Das geht noch ein paar Mal hin und her, dann erfahren wir, er steht vor dem Hotel Manara. Rundherum sind große Hotels, aber auf keinem entdecken wir den Namen. Erst die Rückfrage bei einem der vor dem Bahnhof stehenden Männer bringt Aufschluss. Das Manara ist das kleinste Hotel, der Name von unserem Standort hinter einer mannshohen Mauer nicht zu sehen, aber genau dort steht das Taxi. Tja, so geht es.
Wir fahren durch die Hauptstraße der lebhaften Universitätsstadt. Endlich gibt es auch wieder Bürgersteige und hier wird eifrig flaniert. Auf der rechten Straßenseite reiht sich Pferdekutsche an Pferdekutsche. Die zierlichen Tiere tragen Scheuklappen, damit ihnen der brausende Verkehr keine Angst macht. Abends reihen wir uns dann in die Masse der Fußgänger ein. Sofort hat man uns natürlich als Touristen identifiziert. Mehrmals werden wir eingeladen, uns eine Batik-Kunstausstellung anzusehen. Heute sei der letzte Tag, morgen zöge der Kunstbetrieb bereits weiter nach Bandung.
Wir vertrösten den Mann, wir wollen erst etwas essen. Kaum sind wir wieder auf der Straße hat uns schon wieder jemand am Wickel. Etwas widerwillig laufen wir mit in den ersten Stock eines Hauses, um die Werke der Schüler des „Kunstlehrers“ der Universität anzusehen. Wir sagen sofort, dass wir nichts kaufen werden. Als wir das wirklich nicht tun, wird der Kunstlehrer ungehalten. Wir flüchten in eine Seitenstraße, der erste „Kunstlehrer“ fährt uns allerdings mit dem Moped hinterher. Wieder dasselbe Spiel: „Nur anschauen, nichts kaufen,“ und dann doch die Wut über unsere „Sturheit“. Es gibt wirklich schöne, kunstvolle Batiken zu sehen, aber wir können und wollen sie nicht mitnehmen. Die „Kunstgalerien“ sind natürlich reine Touristenläden und die Bilder schön aber doch irgendwie Massenware.
Batik (javanisch mbatik) ist eine alte Handwerkstechnik, die in Indonesien ihren Ursprung hat und „Schreiben mit Wachs“ bedeutet. Mit dem Tjanting – einem kleinen Kännchen mit verschieden breiten Tüllen – werden Muster mit flüssigem Bienenwachs auf Stoff aufgetragen und der Stoff anschließend eingefärbt. Die mit Wachs bemalten Stellen nehmen die Farbe nicht an und bleiben hell. Diese Vorgänge werden mehrmals mit entsprechender Zeichnung wiederholt, damit die klassischen verschiedenfarbigen Muster entstehen. Gefärbt wird immer von hell nach dunkel.
Morgens um 4.30 Uhr schrecken wir aus dem Schlaf hoch. Wir haben das Gefühl, nicht allein in unserem Zimmer zu sein. In voller Lautstärke singen die Muezzin der drei in der Nähe gelegenen Moscheen eine Stunde lang gegeneinander an. Jeder etwas anderes und jeder versucht scheinbar, die anderen zu übertönen. Nachdem sich der Herzschlag wieder beruhigt hat, lesen wir eine Weile und können dann doch noch ein bisschen schlafen .
Wir laufen los, um den Kraton (Sultanspalast) zu besichtigen. Er ist durch ein Museum ergänzt. Die große Anlage hat zum großen Teil nur von prächtig verzierten Säulen getragene Dächer. Die meisten Bereiche darf man nicht betreten. Auf Fotografien bekommen Besucher Einblick in das Leben am Sultanspalast. Vor der Anlage liegt eine große Grünfläche, die von der Bevölkerung als Sport- und Ausflugsplatz genutzt wird. Die zwei großen Bäume sind Wohnsitz verschiedener Geister.
Mit einer Moped-Rikscha lassen wir uns zum Wasserschloss bringen, das dem Sultan mit seinem Harem als Lustschloss diente. Ach wär das schön, wenn wir jetzt die Wasserbecken nutzen könnten.
Am nächsten Morgen wieder dasselbe Spektakel; lautstarke Gesänge um 4.30 Uhr. Weil unser Zug aber schon um 7.00 Uhr abfährt ist damit auch für heute die Nacht zuende. Dieses Mal haben wir Fahrkarten dritter Klasse, aber von der häufig beschriebenen „Holzklasse“ ist nicht viel übrig geblieben. Auf gepolsterten Zweierbänken sitzen wir uns gegenüber, und während der 14 Stunden dauernden Fahrt haben wir die vier Plätze für uns. Da kann man ab und zu die Füße hochlegen oder sich quer auf die Bank legen. Auch in diesem Zug, für den wir nur einen Bruchteil des letzten Fahrpreises zahlen, gibt es aufmerksames Personal. Die Mitarbeiter sind tatsächlich während der gesamten Fahrzeit im Einsatz.

Der Zug fährt von der Südküste nach Surabaya zur Nordküste und dann nach Osten. Wir sehen viele Vulkane und noch mehr große, kunstvolle Moscheen. Auf Java liegt der Anteil der Muslime bei 91 %.
Die Taxifahrt zu unserem Homestay dauert noch mal eine halbe Stunde. Wir sind so ausgehungert, dass wir gleich nach unserer Ankunft wieder loslaufen, um das nächste Restaurant aufzusuchen. Direkt vor unserer Nase wird beim ersten Lokal die Tür zugeschlossen, aber ein paar hundert Meter weiter bekommen wir in einem mit bunten Lichtern geschmückten Lokal noch etwas zu essen.
Dieses Mal haben wir ein komfortables Haus für uns allein. Ein großes Schlafzimmer mit Tisch und Sesseln, eine überdachte Terrasse ebenfalls mit Sitzgruppe und ein schönes Badezimmer. Das belgisch/indonesische Ehepaar ist überaus sympathisch und wir bekommen köstliches Frühstück.
Spaziergang in der Nähe unseres Hotels
Banyuwangi – ganz im Osten Javas und Fährhafen nach Bali – liegt bereits am Meer und wir nehmen uns vor, einen Spaziergang zum Strand zu machen. Wir schlagen die uns genannte Richtung ein und kommen nach den 10 veranschlagten Minuten nicht an den Strand sondern zu einem kleinen Bach, an dem gerade mehrere Männer arbeiten. Nach weiteren 10 Minuten erreichen wir ein Dorf. Eine Horde Kinder läuft neben uns her und ein paar besonders kecke testen, wie gut ihre englischen Vokabeln sind. Das Dorf liegt hinter uns und wir passieren noch die Müllkippe, auf der gerade ein Feuer schwelt. Noch immer ist kein Strand in Sicht. Die dunklen Wolken am Himmel geben das Signal zur Umkehr. Nach 10 Metern geht mein Schuh kaputt. Eine Weile laufe ich barfuß, dann nimmt uns ein Einheimischer im Auto mit.
Wir gehen in das kleine Ecklokal, für das es gestern zu spät war. Merkwürdig, vorne prasselt bereits der Regen auf die Hauptstraße, während es am zweiten Ausgang, der in eine Nebenstraße führt, noch ein paar Minuten trocken bleibt. Das Essen – Sepia und unbekannter Fisch – ist lecker. Zwischen den tiefen Pfützen suchen wir uns anschießend einen Weg zu unserer Unterkunft und kommen nass bis auf die Haut dort an.
Am Abend gehen wir dann noch einmal in dieses Lokal und werden wie Stammgäste begrüßt.









Faszinierend, diese urzeitlichen Tiere in 2 m Entfernung einfach so in der Natur zu sehen. Störche, Seidenreiher, Rotlappenkiebitz, Paddyreiher, Sundastorch und andere, alle suchen und finden hier Nahrung. Als wir am See wieder Richtung Straße laufen, hören wir über uns laute Schreie. Riesige Ibisschwärme sind anscheinend auf dem Weg zu ihren Schlafbäumen.
An anderen Ständen stehen mit verschiedenen Blüten gefüllte Körbchen. 







Dann verlassen wir die Anlage. Von allen Seiten werden wir angelächelt, ob es an den weißen Bändern um unsere Handgelenke liegt?
Es geht immer die Hauptstraße entlang in südlicher Richtung. Um diese Zeit ist der Verkehr auch hier unvorstellbar. Wenn es mal einen Fußgängerweg gibt, ist man auch dort nicht sicher, denn den nutzen die Mopedfahrer zum Überholen der sich immer wieder bildenden Schlangen. Wir kommen an den unterschiedlichsten Geschäften vorbei, von A wie Autos bis Z wie Zwiebeln ist alles vertreten. Sobald die dichte Bebauung vorüber ist, stehen kleine Stände am Straßenrand und setzen die Einkaufsmöglichkeiten fort. Hauptsächlich Obst und Gemüse, aber auch Schuhe werden feilgeboten. Mietfahrräder sind auch im Angebot.
Wo wir nun schon mal hier sind, wollen wir auch weiter in die Stadt. Draußen stehen etliche Tuktuk, und die Fahrer wollen uns alle gern als Fahrgäste haben. Aber bei dem Preis von 1200 schrecken wir zurück, das ist für die halbe Strecke das Doppelte von dem, was wir am Morgen für eine Autofahrt gezahlt haben. So laufen wir einfach los. Hier gibt es Fußwege, aber es ist ratsam, genau zu schauen, wohin man tritt, mal fehlen Teile des Pflasters, mal stehen sie über. Nach einer Weile kommen wir an einen Platz, der in der Mitte ein großes Aquarium hat. In zwölf verschiedenen Becken kann man heimische oder Amazonasfische bewundern. Weiter geht es über eine Brücke. Jetzt fehlen auch wieder die Fußwege. Wir geben unser Vorhaben auf und bestellen über Pick me ein Tuktuk und lassen uns zurückfahren.
Vor uns liegt das berühmte Mount Lavinia Hotel, in dem man nachmittags einen typischen 5 o‘clock-Tea genießen kann und eine Übernachtung soviel kostet, wie unsere nächste Unterkunft für eine Woche. Ein Mann spricht uns vor dem Hotel an, er war mit einer deutschen Frau verheiratet und freut sich, seine Sprachkenntnisse anbringen zu können. Er hat ein Haus unterhalb des Hotels und bietet uns an, über sein Grundstück zu laufen. Danach nutzen wir die Bahngleise als Weg, das scheint hier normal zu sein.
Der viele Regen der letzten Tage hat das Meer aufgewühlt, und dadurch wurden große Mengen Unrat an den Strand geschwemmt. Viele fleißige Hände sind schon dabei, alles zusammen zu kehren. Immer wieder werden wir angesprochen von eifrigen jungen oder älteren Männern, die uns entweder dazu bringen wollen, in ein bestimmtes Lokal zu kommen oder ihr Haus zu besichtigen.
Anschließend überreicht er der Hausfrau die Tüte. Sie enthält Reis, Nudeln, Fischkonserven, Öl u.a. Drinnen werden uns die besten Stühle hingeschoben und ein Tuch vom gedeckten Tisch genommen. Darunter steht ein Berg dampfender, in Kokosmilch gekochter Reis, der mit Zucker und Bananen gegessen wird.
Wir nehmen jeder eine kleine Portion und sprechen mit den Bewohnern ein paar Worte, die von Mr. Irwan und seinem Mitarbeiter übersetzt werden. Bei dem Ehepaar steht ein 12jähriger Junge. Er ist ihr angenommener Sohn erfahren wir, die Eltern leben nicht mehr.
Anschließend pflanzt Klaus mit dem neuen Hausbesitzer eine Kokospalme, die wohl in drei Jahren Früchte tragen wird. Ich bin beschämt, weil mir nicht bewusst war, dass man unseren Besuch so wichtig nahm.
Weiter geht es zur nächsten Hauseinweihung, dieses Mal darf ich das Band durchschneiden, die Tür öffnen und die Lebensmittel übergeben. Ein junges Paar mit kleinem Sohn ist stolzer Besitzer. Der Junge verschläft trotz aller Bemühungen, ihn zu wecken, die gesamte Zeremonie. Heute wurden Haus Nr. 252 und 253 den neuen Eigentümern übergeben. Eine großartige Leistung, die Dank der Initiative eines engagierten Mannes und der Großzügigkeit vieler Menschen zustande kam.
Wir dürfen noch eine Vorschule besuchen, in der 4 bis 6jährige Kinder auf die Schule vorbereitet werden. Alle sitzen brav an kleinen Tischen, haben Hefte vor sich und schreiben mit Bleistift etwas hinein. Klaus verteilt Kekse, und die Kleinen bleiben geduldig sitzen und warten bis sie an der Reihe sind. Das Experiment würde ich gern mal in einem deutschen Kindergarten wiederholen.
In den Schulen wird den Kindern mit Hilfe eines überdimensionalen Gebisses und einer entsprechend großen Zahnbürste die Mundhygiene erklärt und bei Handlungsbedarf werden die Kinder auch gleich zur Behandlung in die Sprechstunde bestellt. Auch Erwachsene sitzen im Warteraum. Die Zahnärztin arbeitet vormittags ehrenamtlich. Auch ihr Engagement muss man loben.
Die letzte Station unserer Besichtigungstour ist die Schule des Main-Kinzig-Kreises, die 2006 erbaut wurde. Hier können muslimische Mädchen als höchsten Abschluss das Abitur machen. Wir besichtigen das Gebäude allerdings nur von außen. Mr. Irsan hat heute noch einen wichtige Termin. Das Oberhaupt der Muslime kommt heute nach Beruwala, da muss er dabei sein. Er fährt uns zurück zu unserer Lodge, aber zuvor werden wir noch in der nächsten Woche zum Abendessen in sein Haus eingeladen.
Damit hoffen die Mitarbeiter ihre Überlebenschancen zu verbessern; denn von dem ca. 100 Eier großen Gelege überlebt in der Natur höchstens 10 %. Dann werden die niedlichen Babyschildkröten bei Nacht direkt ins Wasser gebracht und brauchen damit die Fressfeinde am Strand nicht zu fürchten. Vor denen im Meer kann sie allerdings keiner schützen.
Unser Guide holt eine Karettschildkröte aus einem Becken und gibt sie mir. Noch immer wird diese Art gefangen, um aus dem Panzer Kämme und Schmuck zu fertigen, die kein Mensch wirklich braucht. Ich halte sie, kraule sie am Hals und als ich sie wieder ins Becken setze, spritzt sie mich mit zwei Paddelschlägen richtig nass.
Während wir ihm noch zuhören, beobachte ich, wie plötzlich über uns ein Mann auf gespannten Seilen von Palme zu Palme läuft. Er schneidet sie oben an, um ihren Saft zu gewinnen, der vergoren zu Alkohol gebrannt wird.
Daraufhin holt eine der Mitarbeiterinnen ein pinkfarbenes Stück Stoff, und hier ist die echte Batik. Mit flüssigem Wachs wurden verschiedene Motive auf den Stoff gemalt, Schmetterlinge, Blumen, Ornamente und Sprenkel. Dieser Stoff wird anschließend noch dunkelblau oder schwarz gefärbt, nach dem Trocknen wird das Wachs ausgebügelt und die Motive erscheinen pink auf dunklem Grund. 


Als erstes zeigt er uns einen Eisvogel, der andere Farben hat als unsere in Deutschland.
Dann deutet er auf einen Baum, der als Schlafplatz für zig Flughunde dient. Einige fächeln sich mit einem Flügel Kühlung zu, andere hängen völlig starr.
Das nächste Objekt ist ein fetter Waran, der auf einer kleinen Müllkippe direkt am Fluss liegt. Wir sehen Leguane, verschiedene Vögel und wieder einen Waran. Laal ist unzufrieden, mindestens ein Krokodil soll es bei der Tour doch zu sehen geben. Und so steuert er das Boot in einen Seitenarm des Bentota-River und wir sind in einer anderen Welt.
Mangroven dicht an dicht, es wirkt so geheimnisvoll, dass man sich das gut als Kulisse für einen Fantasyfilm vorstellen kann. Hier sehen wir zwar kein Krokodil, aber dafür drei Affen.
Erst als wir Richtung Mündung fahren und hier wieder in einen Seitenarm abbiegen liegt hier eins der gesuchten Exemplare in der Sonne. Nun ist Laal zufrieden und fährt mit uns noch zu einem Kräutergarten.
Pflanzen, die zuhause die Wohnräume verschönern, wachsen hier einfach so. Unvermittelt wird es dunkel, und weil wir ohne Taschenlampe los gelaufen sind, müssen wir über die Hauptstraße zurück.
Auf dem Rückweg sehen wir einen Flughund, der gerade in einem Pandanussbaum landet. Er klettert durch die Zweige und frisst an den orangeroten Früchten. Inzwischen sind auch wieder mehr Menschen hier. Der Abend am Strand bietet Unterhaltung jeder Art.
Da wird Fußball oder Kricket gespielt, werden Drachen steigen gelassen, Familien sitzen zusammen auf Decken, Mütter lassen ihre Kleinen im Sand spielen, Kinder toben in den Wellen, und zwischendrin laufen immer wieder Hunde herum.
Ein Stück weiter steht eine Lagerhalle, in der Holzelefanten und andere Artikel auf zukünftige Käufer warten.
Hundert Meter weiter spielt sich ein Drama ab. Getrennt durch ein eisernes Tor hat ein Hund einen Leguan am Schwanz gepackt und versucht ihn durch das Gitter zu ziehen.
Das Reptil ist schon verletzt, macht sich aber steif. Ich will gar nicht sehen, wie das ausgeht.



In mehreren Blechkübeln stehen lediglich rote Flamingoblumen. Der Besitzer, ist nur mit einem Sarong bekleidet. Er gibt einem Mitarbeiter ein paar Anweisungen und sucht drei Flamingoblumen aus.
Der junge Mann hat inzwischen ein Bündel grüne Zweige auf den Tisch gelegt, bricht sie in der Mitte durch und macht eine Art Reisigbesen daraus. Dann verschwindet er damit hinter dem Vorhang. Nach ein paar Minuten ist der Besitzer wieder da, und in dem Gerüst stecken jetzt außer den drei ausgewählten Blumen noch etliche andere.
ie Zusammenstellung und Gestaltung ist bei uns seit Jahrzehnten aus der Mode, aber wir sind in einem anderen Land. Jetzt wird noch bedrucktes Cellophanpapier herumgeschlagen und das ganze mit rotem und gelbem Band dekoriert. Bestimmt wäre jeder selbst gepflückte Strauß aus der überreichen Natur schöner gewesen, aber egal.
Begonnen wird mit einer Pilzsuppe, dann gibt es Egghoppers (hauchdünne Crêpes, in Schalenform mit einem darin gebackenen Ei), Dhal (gelbes Linsencurry), Gemüsesalat, Kartoffeln in scharfer Soße, Nudeln mit Gemüse, Rindfleischcurry, Nudelauflauf, knusprig gebackene Hühnerschenkel, Fischcurry, Roti (Teigfladen), String-Hoppers (Nudelnester) und zum Nachtisch Karamell-Pudding und frisches Obst. Als Getränke Wassermelonen- oder Ananassaft und Wasser. Das war ein großartiger Einblick in die Küchenvielfalt Sri Lankas. Nachdem wir aufgestanden sind, setzen sich Frauen und Mädchen an den Tisch und essen das, was übrig geblieben ist.
Und hier sehen wir auch den ersten Elefanten in Sri Lanka, seine Vorderbeine sind mit Ketten gefesselt. Was für ein trauriger Anblick. Bloß nicht fotografieren; denn er steht nur hier, damit sein Besitzer kassieren kann.
Unter einem solchen Baum wurde Buddha erleuchtet und in dem Tempel werden in plastischen Schaubildern Stationen aus seinem Leben dargestellt. Ein Ableger dieses Baumes soll im 3. Jahrhundert v. Chr. per Schiff nach Sri Lanka gebracht worden sein. In Anuradhapura steht er noch heute und wird von Buddhisten verehrt. Die Pappelfeige in Beruwala soll wiederum ein Ableger dieses Bodhibaumes sein. Amith bricht zwei Blüten aus dem Strauß und wir legen sie auf einen der Altäre in diesem Tempel. Das wiederholt sich in anderen Tempeln noch ein paar Mal.
Unter der monumentalen Statue sind Räume zugänglich, wo es wieder plastische Darstellungen aus Buddhas Leben gibt.
Und hier in diesen Räumen, die man nicht mit Schuhen betreten darf, sehe ich die ersten Hundehaufen. Die Verursacher schlafen unbeeindruckt auf dem kühlen Fliesenboden. Hunde sind in Sri Lanka allgegenwärtig, laufen durch die Straßen, über die Strände, und legen sich in den offenen Restaurants auch mal unter die Tische. Nirgendwo sind wir auf die Hinterlassenschaften der Tiere gestoßen, und nun ausgerechnet hier.
Dieser 27jährige Mann hat mich beeindruckt. Er ist verheiratet und hat ein einjähriges Töchterchen. Zusammen mit seinen Eltern und seiner 10 Jahre alten Schwester lebt die kleine Familie in dem größeren Haus auf dem Grundstück. Seine ein Jahr ältere Schwesterwohnt mit Mann (ja genau, Laal) und den zwei Kinder nicht mehr im Elternhaus, ist aber jeden Tag da. Erst abends holt ihr Mann sie ab. Meistens tragen sie ihre bereits schlafenden Kinder dann zum Tuktuk. In der Familie herrscht großer Zusammenhalt, hier wird alles gemeinsam gemacht, gekocht, gewaschen, geputzt und jeder ist für die Kinder da.
Am nächsten Mittag verabschiedet er uns auf dem Bahnsteig, als wir auf den Zug nach Hikkaduwa warten. Alles Gute für Dich und die ganze liebenswerte Familie, Amith.
Zwischendurch steigen große Gruppen von Schulkindern ein. Kein Geschubse, kein Gerangel, sie gehen richtig nett miteinander um. Es wird viel gelacht, Mädchen und Jungen sitzen und stehen in Gruppen zusammen und haben sich offenbar eine Menge zu erzählen. Alle tragen adrette Schuluniformen, nur bei den Ranzen zeigt sich der persönliche Geschmack. Bei kleineren Mädchen überwiegt die Farbe pink, bei den größeren ist die ganze Farbpalette vertreten. Auch bei Marken scheint es keine Vorliebe zu geben, jeder trägt eine andere.
Der Strand ist hier sehr viel schmaler als in Bentota und immer wieder sind flache Felsen im Wasser. Manchmal haben wir nur ca. 5 m zwischen Bebauung und Meer. Als die Sonne gerade untergeht setzen wir uns in ein Strandlokal. Kurz bevor unser Essen kommt, müssen wir ins Innere flüchten, weil ein Wolkenbruch niedergeht. Aber so schnell er kam, so schnell ist er vorbei.
Innerhalb des Forts sind noch Gebäude aus der Zeit der Besetzung durch die Holländer vorhanden.
Die gewaltige Wallanlage ist ca. 3,5 km lang, aber um diese Strecke abzulaufen ist es heute einfach zu heiß. Dass es ein beliebtes Ausflugsziel ist, sieht man an den vielen Besuchern unterschiedlicher Nationalitäten und den vielen Liebespaaren, die sich unter aufgespannten Regenschirmen verstecken.
Von oben können wir sehen, dass das Kricket-Turnier vorbei ist und nun die Siegerehrung vorbereitet wird. Eine große Sache, bei der auch das staatliche Fernsehen anwesend ist.
Die katholische Kirche St. Mary‘s besuchen wir als nächstes. Obwohl Bischofssitz, ist sie doch sehr schlicht gehalten.
Als wir kommen, scheint gerade der Gottesdienst vorbei zu sein und viele junge Männer sind dabei, jede einzelne Sitzbank samt Lehne mit feuchten Tüchern abzuwischen. Galle ist voll, laut und trubelig und so nehmen wir schon am Nachmittag den Bus zurück.
Ein Geschiebe und Gedränge, Männer und Frauen wollen heute am Sonntag ihre Einkäufe machen.
Es gibt alle Arten von Obst und Gemüse, Gewürzen, Haushaltswaren, Kleidung, lebende Tiere, Trockenfisch, eben alles, was man so zum Leben braucht.
An den Ständen mit Obst und Gemüse sitzen die Händler auf dem Boden und klappern mit ihren altertümlichen Hängewaagen, indem sie Schrauben und Muttern in den Metallschalen schwenken, um die Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen.
Es ist eine Welt, die wir nicht kennen, aber niemand scheint sich zu wundern, dass wir als Europäer hier herumlaufen. Wir werden genauso zum kaufen gedrängt wie alle, die sich auf diesem Markt befinden.


