Stromatolithen in der Shark Bay und Kite-Surfer in Port Gregory (Australien)

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Die Sache mit dem Computer muss ich noch aufklären: Extra für die Reise haben wir ein günstige kleines Netbook bei einem Internethändler gekauft. Obwohl er internetfähig sein sollte hat das nie richtig geklappt. Wir haben schon in Sri Lanka einen entsprechenden externen WiFi-Adapter gekauft. Damit lief es meistens recht ordentlich. Nur hat die Sache meinem technikbegeisterten Mann keine Ruhe gelassen, so dass wir ihn in Kuala Lumpur zur Reparatur gegeben haben. Hier wird wirklich noch Alles repariert.   Aus den ursprünglich veranschlagten zwei Stunden Zeit wurden mehr als sechs. Der Techniker erklärte überzeugend, dass er jetzt problemlos laufe und zeigte das auch. Klaus ging gerade bezahlen, als ich mich noch mal vom Erfolg überzeugen will – es ging wieder nicht. Im anschließenden Trubel und intensiver Rumprobiererei fiel mein treues Arbeitsgerät auf den Boden. Voller Panik kaufen wir preiswert ein gebrauchtes Notebook, damit ich weiter am Blog arbeiten kann. Erst am nächsten Tag merken wir, dass unser Netbook doch noch läuft, nur ohne die Bildschirm-Touchfunktion. Mit externer Maus kann ich immer noch arbeiten. Doch jetzt gab es in unserem Camper einen zweiten Unfall, etwas Schweres fiel auf das angeschlossene Ladekabel. Der Bildschirm hat jetzt zwei eingedrückte Stellen und innen ist irgend etwas gerissen. Wenigstens können wir die bereits geschriebenen Texte und hochgeladenen Fotos noch retten. Nun arbeite ich mit dem gebrauchten Laptop mit englischer Tastatur und einigen Macken; wir werden uns schon aneinander gewöhnen.
Es ist kaum zu glauben, wir waren monatelang in „unterentwickelten“ Ländern unterwegs und hatten so gut wie immer freies WLAN. In Australien ist das ganz anders. Öffentliches WLAN gibt es nur selten, und wenn ein Caravan Park das mal anbietet, steht es oft nur während der Büro-Öffnungszeiten zur Verfügung. Bilder lassen sich erst gar nicht in den Text hochladen, dafür reicht die Leistung nicht aus. Wir müssen das Handy als Hotspot benutzen, funktioniert aber auch nur sehr begrenzt. Soviel wir wissen, gibt es keinen Anbieter, der ganz Australien abdeckt, aber das ist in diesem riesigen Land wohl auch zu viel verlangt.
Wir sind unterwegs zur Shark Bay. Von Carnarvon sind es nur 100 Kilometer – Luftlinie. Gefahren sind wir am Ende 360 Kilometer.

 
Wir kommen an einem Hügel vorbei, von dem aus man eine gute Sicht haben muss, also biegen wir ab und fahren hoch. Oben ist eine merkwürdige Ansammlung von Steinen und Gegenständen. Hier haben Hinterbliebene ihrer verstorbenen Lieben gedacht und sich auf sehr persönliche Weise von ihnen verabschiedet.
Shark Bay hat zwei Halbinseln, die wie Finger nach Nordwesten zeigen. Unser erster Stopp ist am Hamelin Pool. Hier kann man auf einem hölzernen Zugang eine der wenigen noch existierenden Stromatolithen-Kolononien der Welt besichtigen. In diesem Sedimentgestein stellen Mikroorganismen eine der ältesten Lebensformen dar. In der glühenden Mittagssonne stehen wir auf dem Steg und staunen.

 
Ein paar andere Touristen sind mit uns hier und huldigen diesen lebenden Fossilien jeder auf seine Art. Ein Franzose spielt ihnen etwas auf der Gitarre vor, die Asiaten halten sie immerhin für wichtig genug, um sie als Hintergrund für ihr Selfie zu akzeptieren. Ein paar Glücksschwalben gleiten als Zugabe elegant über das Wasser.
Weiter führt uns die Straße durch die wüstenartige Landschaft auf dem ersten Finger nach Norden. Hin und wieder leuchtet links oder rechts das Meer auf. Die einzige Stadt ist Denham, die uns auf den ersten Blick nicht besonders gefällt. Wir fahren noch 25 Kilometer weiter nach Monkey Mia, dem letzten erreichbaren Punkt für unseren Camper. Weiter nach Norden kann man nur noch mit 4WD-Fahrzeugen gelangen. Der Campingplatz ist gesperrt, weil hier groß renoviert und erweitert wird. Gut dass wir den Eintrittspreis für 2 Tage Nationalpark noch nicht bezahlt haben. Also doch zurück nach Denham und als wir in unserem Cararavan-Park sind, wo die Fahrzeuge auf Millionen von kleinen weißen Muschelschalen stehen, finden wir es plötzlich doch schön hier.
Nachdem alles aufgebaut ist, laufen wir zum Meer, spazieren auf der Promenade und gehen auf den Pier. Hier treffen wir unseren Nachbarn und seine Frau vom Campingplatz. Beide halten Angeln ins Wasser, sie haben Spezialköder für Kalmare. Wir unterhalten uns eine Weile und ich frage, ob es in Australien einen Gruß für Angler gibt. Als sie verneint, erzähle ich ihr von „Petri heil!“

Mit diesem Gruß verabschieden wir uns von den beiden. Kaum haben wir ihnen den Rücken zugedreht, ertönt hinter uns ein Freudenschrei. Bei der Nachbarin hat einer angebissen. Und der reicht schon für das Abendessen. Inzwischen hat die untergehende  Sonne alles wieder in ein magisches Licht getaucht und wir laufen auf breiten Bürgersteigen bergauf zu unserem Campingplatz.
Interessant: Die Hausnummern  stehen hier vor jedem Haus auf den Kantsteinen. Damit fällt es Besuchern aber auch Feuerwehr- oder Krankenwagenfahrern leicht, sich zurecht zu finden.

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Schnabeligel, Emu und Känguru kann man hier begegnen

Nach dem Frühstück fahren wir noch einmal nach Monkey Mia. Hier leben Delfine, Dugongs (Seekühe), Meeresschildkröten, Rochen und andere Tiere. Das Ticket für den Park hat 24 Stunden Gültigkeit, wir könnten also am nächsten Vormittag noch mal wiederkommen. In den 60er Jahren haben Fischer begonnen, Delfine mit Fischresten zu füttern. Bis in die heutige Zeit kommen die Delfine morgens an den Strand und werden gefüttert. Zuschauer müssen um 7.30 Uhr dort sein und werden in drei Gruppen eingeteilt. Im Abstand von 1 Stunde gibt es „Frühstück.“ Die Delfine sind namentlich bekannt und auf einer großen Übersichtstafel steht, wer in den letzten sieben Tagen zu welcher Zeit dort war. Die zuschauenden Menschen werden nur als Zahl erfasst.

Wir sind zur falschen Zeit dort, sehen aber Schildkröten. Die werden hier nicht angefüttert, aber in der Shark Bay gibt es große Seegraswiesen, die sie gerne besuchen. In diesem Nationalpark läuft ein Programm zur Wiederansiedlung der ursprünglichen Flora und Fauna. Dafür geht es Katzen und Ziegen buchstäblich an den Kragen. Viele der kleinen Beutelsäuger sind durch eingeschleppte Katzen nahezu verschwunden und die verwilderten Ziegen haben den Bestand an Kleingehölzen beinahe vollständig weg gefressen. Ob diese rückwärts gewandte Maßnahme Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten.
DSC05463Nach einem Erkundungsgang bis an die Spitze fahren wir zurück. Eine Stichstraße führt zu einer Lagune, die über einen relativ schmalen Kanal mit dem Meer verbunden ist. Die Sonne brennt unerbittlich vom Himmel und nirgends am Strand gibt es Schattenplätze, so dass wir auch hier  wieder weiterfahren. Aber der Kanal interessiert uns noch. Dieser speist die Lagune und fließt je nach Tide hin und her.
 

Als wir den sandigen Parkplatz ansteuern kommen uns zwei ausgewachsene Emus entgegen. Gerade hatten wir in Monkey Mia gelesen, dass man dort versucht hatte, einen aggressiven Emu umzusiedeln. Entgegen allen Warnungen und Bitten war er von Besuchern gefüttert worden. Nachdem er sich an diese leichte Nahrungsbeschaffung gewöhnt hatte, forderte er später immer aggressiver die ihm zustehenden Rationen. Mit heftigen Schnabelhieben ging er besonders auf Hunde los. Leider hat er die Gefangennahme nicht überlebt. Bei den Emus übernimmt das Männchen das Ausbrüten der Eier und die Aufzucht der Jungen. Die überaus starke Familienbindung lässt gefangene männliche Tiere vor Kummer eingehen. Wir steigen langsam aus dem Auto, aber die Emus zeigen keinerlei Interesse an uns, und wir trauen uns näher heran, um zu fotografieren.

Am Montag Morgen verlassen wir Denham. Ein kurzer Stopp an der Shell Bay ist unvermeidlich. Ein riesiger Strand aus Muscheln. Überall stehen Schilder, dass hier keine Muscheln gesammelt werden dürfen. Das interessiert aber Niemanden. Entweder sieht man tiefe Löcher oder die Menschen laufen mit Plastiktüten herum und sammeln. Es ist auch nicht so recht einzusehen, dass das Sammeln hier verboten ist, während am rechten Ende des Strandes mit Baggern die Muschelberge abgetragen werden und wie in unserem Caravan Park als Bodenbelag oder wie bei vielen Häusern als Beimischung im Verputz verwendet werden.

Weiter geht die Fahrt nach Kalbarri. Der Nationalpark gleichen Namens war uns als sehr sehenswert empfohlen worden. Die Anzahl der toten Kängurus, die wir heute zu sehen bekommen, ist unglaublich. Zum Glück gibt es auch schöne Dinge zu sehen. Wieder ändert sich die Vegetation. Links und rechts der Straße unzählige Bäume mit Blättern, die aussehen wie Laubsägearbeiten. Die übergroßen Blüten leuchten orange aus dem Blattgrün.

Es sind Banksien, die in vielen verschiedenen Formen im Südwesten Australiens vorkommen. Am Straßenrand fallen uns immer wieder gelbgrüne Kugeln auf. Es sieht aus, als ob ein mit Limetten beladener Lastwagen hier seine Fracht verloren hätte. Später finden wir heraus, dass es sich um wilde Melonen handelt, die zwar nicht giftig, aber bitter sind.
In Kalbarri wohnen wir direkt am Fluss. Ein schöner Weg führt am Ufer entlang zum Supermarkt, der für diesen kleinen Ort eine erstaunliche Auswahl an Lebensmitteln bietet. Obwohl es hier schon merklich kühler ist, können wir abends noch draußen sitzen und machen die Bekanntschaft von Irina und Marita aus Süddeutschland. Sie sind vor vier Tagen in Perth angekommen und fahren den umgekehrten Weg. Da gibt es eine Menge zu erzählen.
Am nächsten Morgen wollen wir die berühmteste Sehenswürdigkeit des Nationalparks besichtigen, das Natures Window. Aber wir stehen vor einer gesperrten Straße. „Controlled burning“ steht heute auf dem Schild, also Abbrennen des Unterholzes. Enttäuscht müssen wir umdrehen, fahren erst zu einem neu errichteten Aussichtspunkt auf einem kleinen Berg, danach ins Besucherzentrum in Kalbarri. Versehen mit Broschüren über die Südwest- und Südküste fahren wir zur Küste, um dort die anderen Sehenswürdigkeiten des Parks zu besichtigen. Am Red Bluff treffen wir unsere Nachbarinnen von gestern Abend wieder.

Wir sollen unbedingt zurückfahren, um die vom Murchison River modellierte Schlucht zu besuchen, empfehlen uns die beiden Frauen. Das machen wir doch, dabei sehen wir die Rauchwolken des „Controlled Burnings“ über dem Park und an zwei anderen Stellen.

Später halten wir noch an verschiedenen Aussichtspunkten an der Küste, um die vom Meer gestaltete Felsenküste zum Beispiel mit der „Natural Bridge“ zu sehen.
DSC05604Vorbei am Pink Lake – einer Lagune in der Algen Beta Carotin produzieren, das übrigens von einem deutschen Chemieriesen geerntet wird – erreichen wir unser heutiges Etappenziel.
P1100874Port Gregory hat einen schönen Strand und ein vor der Küste liegendes Riff. Das ist ideal für Kitesurfer und Hobbyfischer  die diesen 150 Einwohner zählenden Ort gerne aufsuchen.

Im Museum, zwischen den Pinnacles und in Perth (Australien)

Das war die bisher kälteste Nacht; 8 Grad zeigte das Thermometer. Jetzt kommen Ski-Unterwäsche und Wollsocken zum Einsatz. Aber trotzdem ist es uns nicht richtig warm geworden. Dass es morgens tröpfelt lässt die gefühlte Temperatur niedriger erscheinen, als es wirklich ist. Der erhoffte blaue Himmel, der den Pink Lake erstrahlen lässt, verweigert sich heute auch. Also weiter Richtung Süden was aber natürlich nicht mehr Wärme bedeutet. Inzwischen haben wir die Region der Weizenanbaugebiete erreicht. Außerdem sehen wir links und rechts der Straße Schafherden. Weit verteilt stehen sie auf den riesigen Weiden. Dazwischen neugeborene Lämmer, schneeweiß und winzig. Merkwürdig, dass sie im australischen Herbst auf die Welt kommen. Aber die Winter sind hier ja auch nicht so eisig, wie bei uns.


Mehrmals fallen uns dazwischen größere Tiere auf. Es sind Alpakas, die mit ihren langen Hälsen alles gut überblicken können. Vielleicht werden sie als „Aufseher“ eingesetzt. Hunde sind jedenfalls nirgends zu sehen. Wir verlassen den Highway und fahren einen empfohlenen Umweg über einen Scenic Drive. Hier sehen wir in malerischer Landschaft Farmen auf riesigen Ländereien. Einfach schön.

Je näher wir dichter besiedelten Gebieten kommen, umso mehr ändern sich die Fahrzeugmodelle. Waren es im Norden und Nordwesten überwiegend schwere, hochbeinige 4WD-Fahrzeuge, so sehen wir hier mehr und mehr normale PKWs. Die meisten Camper und Wohnwagen fahren jetzt in Richtung Norden. Menschen, die nicht mehr berufstätig sind, entfliehen dem kommenden Winter im Süden. Begegnen sich Camperfahrer, grüßen sie sich per Handzeichen.


Geraldton, die sechstgrößte Stadt Westaustraliens mit 20.0000 Einwohnern ist unser heutiges Ziel. Wir suchen nach einer Möglichkeit, das defekte Netbook reparieren zu lassen. Aber die Versuche in drei verschiedenen Spezialgeschäften bleiben erfolglos. Während in Südostasien alles repariert oder zumindest wiederverwendet wird, bleiben in den Industrienationen doch manche Fertigkeiten auf der Strecke, beispielsweise ein gerissenes Kabel zu löten. Heutzutage wird ausgetauscht oder entsorgt. Schade. Durch die Suche sind wir zu spät für das Museum. Also bleiben wir heute Nacht auf dem schönen Platz am Hafen und kommen morgen wieder.


Das Museum liegt direkt am Wasser und – es kostet keinen Eintritt. Im Eingangsbereich liegen dunkelgrüne Rucksäcke ordentlich nebeneinander. Eine Schulklasse besucht das Museum. Die sieben bis achtjährigen Kinder tragen Schuluniform, zu der auch ein Hut gehört. Mit Fragebogen ausgestattet streifen einzelne Gruppen herum und suchen nach Antworten. Immer wieder gesellen sich Mitarbeiter des Museums hinzu und helfen mit Erklärungen.

Die Geschichte Australiens vom Beginn des Urkontinents bis in die Neuzeit wird dargestellt. Dazu gibt es Informationen über die Ureinwohner, die Eroberer des Landes, die Tier- und Pflanzenwelt, die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung. Sehr gut dargestellt und ausgesprochen informativ. Ein 3D-Film erzählt die Geschichte des Überraschungsangriffs auf den Kreuzer HMAS „Sydney“ durch den deutschen Hilfskreuzer „Kormoran“, der als Handelsschiff getarnt die Konvois aus Australien beobachtete, aber auch stark bewaffnet war. Alle 645 australischen Seeleute kamen ums Leben, von den Deutschen überlebten 316, 81 starben. Beide Schiffe sanken, die Wracks wurden vor 10 Jahren vor der Küste gefunden. Eindrucksvolle Unterwasseraufnahmen in 3 D zeigen den jetzigen Zustand der Schiffe.

Bevor wir weiterfahren, suchen wir eine Apotheke. Eine der Arzneien ist alle und wir wollen uns die Tropfen dort mischen lassen. In Australien gibt es Gesundheitszentren, in denen verschiedene Fachärzte, Apotheke und Sanitätshaus unter einem Dach sind. Im Wartebereich ist ein nettes Café mit kleiner Speisekarte und für Kinder gibt es eine großzügige Spielecke.


Es dauert noch eine Stunde, bis die Tropfen fertig sind, deshalb nutzen wir die Zeit und fahren auf den Hügel, auf dem das Mahnmal zur Erinnerung an den Untergang der „Sydney“ steht. Ebenso hat man hier oben einen schönen Rundumblick.

Nachdem wir alles erledigt haben, fahren wir weiter auf dem Highway in Richtung Perth. Unser Wunschziel ist Cervantes. Dieser kleine Fischerort verdankt seinen Namen einem hier gestrandeten amerikanischen Walfangschiff. Und um konsequent zu sein, haben alle Straßen auch spanische Namen bekommen. Lobster ist hier die Spezialität und hat dem Ort und seinen Fischern zu Wohlstand verholfen. Waren es zuerst die Amerikaner, die in der Nachkriegszeit die Meerestiere importierten, reißen sich heute die Chinesen um den Fang.


Langsam wird es dunkel. Wir schaffen die Strecke nicht mehr und fahren vorher in Leeman zu einem Caravan Park. „Es gibt hier auch ein gutes Fischrestaurant,“ erzählt die Frau im Empfangsbüro und beschreibt uns gleich den Weg. „Lobster gibt es zur Zeit nicht,“ sagt die Meisterköchin an der Fritteuse und empfiehlt uns den Fish-Basket. Nachdem wir gelesen haben, was der alles beinhaltet, bestellen wir nur eine Portion aber auch die schaffen wir zu zweit nicht.

In dieser Nacht wird es wieder kalt. Wir sind froh, dass am Morgen die Sonne vom Himmel lacht und uns die Gänsehaut der Nacht vergessen lässt. Staunend betrachten wir die schneeweißen Dünen links und rechts der Straße. Wir halten am Drei-Buchten-Platz und laufen auf den perfekt angelegten Wegen zum Aussichtspunkt. Hier wird genau erklärt, warum man nicht einfach durch die Dünen laufen, sondern die Wege benutzen soll. Seit die Wege angelegt wurden, hat sich die Vegetation erholt und verhindert, dass der feine Sand bei Sturm weit ins Land getragen wird. In der Nähe lebt eine große Kolonie Seelöwen , aber die lassen sich an diesem strahlend schönen Morgen nicht blicken.

Als nächstes Ziel haben wir den Besuch des Nambug-Nationalparks mit den weltbekannten Pinnacles auf dem Programm. Auch hier ist wieder alles perfekt angelegt, die Parkplätze und Wege sind genau beschildert, das Besucherzentrum liefert alle Informationen, es gibt einen Shop mit sehr schönen Artikeln und natürlich sind auch hier die sanitären Anlagen total gepflegt. Das ist uns bisher überall aufgefallen, wenn es an irgendeinem Aussichtspunkt Toiletten gibt, sind sie immer sauber, es gibt genügend Toilettenpapier und offenbar ist es für die Benutzer Ehrensache, alles sauber und ordentlich zu hinterlassen.


In dem Nationalpark gibt es einen vier Kilometer langen Rundweg, den man mit dem Auto befahren darf. Noch ein paar Kilometer vor dem Eingang haben wir noch schneeweißen Sand gesehen, hier ist er goldgelb. Und die Pinnacles stehen zu tausenden hier und faszinieren die Besucher. Links und rechts sind immer wieder Haltebuchten angelegt, wo man das Auto parken und zwischen den merkwürdigen Steinen herumlaufen kann. Es gibt auch Wanderwege durch diese Wunderwelt, über deren Entstehung die Wissenschaftler sich nicht ganz einig sind. Tagsüber ist es wieder richtig warm, man kann in Shorts und Shirt herumlaufen.

Wir nähern uns der Millionenstadt Perth. Auch hier herrscht im Straßenverkehr keine Hektik. Die Australier sind offenbar sehr relaxt. Die Straßen sind breit und übersichtlich, die Beschilderung lässt keine Wünsche offen. Der gewünschte Campingplatz in einem Nationalpark war schon besetzt; wahrscheinlich, weil es hier Koalas gibt. In einem Stadtteil von Perth finden wir einen schönen Platz und die Dame an der Rezeption leiht uns sogar einen Heizlüfter für die kommende kalte Nacht. Die Waschküche hat Waschmaschinen, die heiß waschen und sogar einen Wäschetrockner. Beides nutzen wir am Abend noch.

Und das erste, was wir am Samstag Morgen machen: Wir kaufen einen Heizlüfter, wärmer wird es hier im Süden bestimmt nicht mehr. Um elf Uhr sind wir mit einem ehemaligen Kollegen von Klaus verabredet, der für zwei bis drei Jahre mit seiner Freundin nach Australien zog. Inzwischen sind elf Jahre vergangen, die Beiden haben zwei wunderbare Kinder und ein Haus. An Rückkehr ist wohl nicht mehr zu denken. Zumal Jens als passionierter Windsurfer sowieso anderswo kaum bessere Bedingungen finden kann. Dazu ist er in seinem Beruf absolut zufrieden. Älter zu werden ist für berufstätige Menschen hier in Australien kein Problem. Die hiesigen Personalchefs stellen die Mitarbeiter nach Qualifikation und nicht nach Alter ein.


Nachmittags zeigt er uns die Stadt. Zuerst fahren wir an der Küste entlang. Rechts reiht sich eine hübsche Bucht an die nächste, links kann man in Cafés und Restaurants in der Sonne sitzen und aufs Meer schauen. Wir laufen durch den riesengroßen Kings-Park mit angeschlossenem botanischen Garten. Bei wunderbarem Sonnenschein und Temperaturen von 27 Grad haben viele Menschen den Wunsch, den herrlichen Herbsttag draußen zu verbringen. Gruppenweise sitzen und liegen sie auf dem sattgrünen Rasen, die Kinder toben herum, manche machen Picknick. Wir stehen auf einer Terrasse und schauen über die Bucht auf die Innenstadt. In dieser riesigen Grünanlage kann man sich verlaufen. Wir fahren weiter zum neu errichteten Elizabeth Quay am Wasser. Auch hier sieht man: Australier sind gern draußen; zu Fuß oder mit dem Rad ist egal. Arbeitnehmer haben nur 4 Wochen bezahlten Urlaub, deshalb nutzen sie ihre Wochenenden besonders intensiv. Das Meer ist vor der Tür, Nationalparks gibt es in großer Anzahl, und Camping ist sowieso für die meisten das Größte.

Die riesigen Grünanlagen in jeder Stadt sind auffallend. Ich stelle mir ein paar Männer vor, die vor rund 160 Jahren am Ufer des Swan-River stehen. „Männer, das hier ist ein toller Platz, lasst uns eine Stadt gründen. Als erstes legen wir einen Park an.“ Nach drei Jahren berufen die Stadtgründer eine außerordentliche Sitzung ein: „ Männer, hier stehen schon 30 Häuser, wir brauchen dringend einen zweiten Park.“

Die Nacht verbringen wir im Camper vor dem Haus des Kollegen zusammen mit unserem neuen Heizlüfter. Nach dem gemeinsamen Frühstück wird es für uns Zeit, weiter zu fahren.

Nur 30 Kilometer südlich erreichen wir Fremantle, eine beliebte Stadt mit Flair. Es ist erstaunlich voll an diesem Sonntag Vormittag. Eine viertel Stunde später wissen wir auch warum. Hier findet heute die Mai-Demonstration statt. Mitglieder der unterschiedlichsten Gewerkschaften (Eisen und Stahl, Pflege, Bildung, Einzelhandel und ein paar Randgruppen) protestieren gegen Lohnkürzungen und Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Auch gegen einen deutschen Discounter, der bereits viele Filialen errichtet hat, richten sich die Proteste. Männer, Frauen, Kinder und Hunde laufen mit in der Gruppe der Protestierenden. Wir stehen am Straßenrand und schauen zu und Klaus bekommt prompt von einem Mann ein T-Shirt mit entsprechendem Aufdruck (Werbung für die Unions) in die Hand gedrückt. Auf der Straße wird er es wahrscheinlich nicht tragen, aber als Schlafhemd ist es gut zu gebrauchen.

Nachdem der Protestmarsch vorbei ist, besuchen wir noch die Markthalle, in der es von Kleidung über Schmuck, Andenken und Kunsthandwerk auch Lebensmittel, Obst und Gemüse und Imbissstände gibt. An einem Stand, der angeblich echte deutsche Bratwurst anbietet, kann Klaus nicht vorbei gehen, ohne sich eine zu bestellen. Als er sich als Deutscher zu erkennen gibt, wiegelt der Verkäufer ab, gewisse Unterschiede seien durchaus möglich, meint er.

Wir laufen noch zum alten Gefängnis, das 1830/31 von den Strafgefangenen für die eigene Unterbringung errichtet wurde. Die Führung durch die Keller und Tunnel hat kurz zuvor begonnen, und bis zur nächsten dauert es noch über eine Stunde. So sehen wir uns die Bilder an, lesen die Beschreibungen und fahren weiter nach Bunbury.

Von Bunbury nach Esperance (Australien)

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Nach dem Frühstück fahren wir zum Hafen der rund 30.000 Einwohner zählenden Stadt Bunbury. Vom Naturhafen aus werden Holzspäne, Aluminium und Mineralsand verschifft. Die oft in der Bucht auftauchenden Delfine bekommen wir leider nicht zu Gesicht.

Der nächste Halt ist in Busselton, wo der längste Jetty der südlichen Hemisphäre 1.841 m weit ins Meer gebaut wurde. 1865 wurde mit dem Bau begonnen, um das Verladen des Bauholzes – unter anderem für London – in der flachen Bucht zu erleichtern. Nach und nach musste der Pier verlängert werden, später verlegte man noch Eisenbahnschienen, um den Transport zu vereinfachen. Noch heute fährt eine Bahn, allerdings transportiert sie Touristen. Vom Steg aus wird gern geangelt, an einigen Stellen führen Treppenstufen nach unten zu kleinen Plattformen, auf denen es sich die Angler auf Hockern bequem machen. Ungefähr in der Mitte fallen uns am Geländer viele kleine Gedenktafeln auf. Hier wurde die Asche von verstorbenen Anglern oder Meeresliebhabern direkt dem Ozean überantwortet. Einige haben offenbar direkt auf dem Steg den Tod gefunden. Ein wenig makaber mutet das schon an. Das vom Meer abgeteilte und von einem großen Netz umgebene Schwimmbad liegt nur ein paar hundert Meter entfernt am Ufer.
Am Ende des Jetty kann man zum natürlichen Aquarium hinabsteigen. Hier befinden sich eigentlich die Menschen hinter oder besser im Glas und können das natürliche Leben im Meer an einem Korallenriff beobachten. Wenn man Glück hat, schauen auch die Seelöwen mal rein.
Wir fahren weiter über Dunsborough zum Cape Naturaliste. An der Straße steht ein großes Leuchtschild. Besucher erfahren, dass Haie gesichtet worden sind. Für uns ist die Warnung zwar interessant, aber bei den Wassertemperaturen ist die Badesaison für uns ohnehin vorbei. Den vielen Surfern, die in Neopren-Anzügen ihrem Hobby nachgehen, verdirbt die Warnung allerdings den Tag.

Wir laufen zum alten Leuchtturm an der Spitze. Er ist noch in Betrieb, deshalb kann man nur nach Voranmeldung nach oben laufen, doch auch von der Holzterrasse aus hat man eine gute Sicht nach drei Seiten. Auf dem Rückweg gehen wir ins Café im ehemaligen Leuchtturmwärterhaus. Die einzelnen Räume sind mit alten Möbeln wie Wohnstuben aus vergangener Zeit eingerichtet. Es liegen sogar Bücher aus dieser Zeit herum. Hier kann man es eine Weile aushalten. Die Torten sollen laut Hinweis so gut sein, dass man dafür sterben könnte. Deshalb machen wir einen großen Bogen um die Kuchentheke und trinken nur Kaffee, bevor wir wieder ins Auto steigen.
Bald darauf verlassen wir die Küste und biegen ins Landesinnere ab. Unser heutiges Ziel ist Margaret River, die bekannteste Weinregion in Australien. Je näher wir der Stadt kommen, umso mehr Hinweisschilder auf Weingüter sind zu entdecken. Und dann sehen wir sie auch links und rechts der Straße. Geschmackvolle Zufahrten, riesige Grundstücke mit Zierteichen oder Parkanlagen, und daneben oder mittendrin die schönen Häuser.

Wer hier ein Weingut hat, gehört mit Sicherheit zu den wohlhabenden und angesehenen Bürgern des Landes. Auch die Stadt selbst macht einen einladenden Eindruck, aber anders als bei uns, sind die Weinlokale abends geschlossen, um 17 Uhr ist Schluss mit lustig. Das erhoffte Dinner in einem netten Lokal fällt aus, denn natürlich kommen wir zu spät hier an. Und so essen wir wieder in der „Sterne-Campingküche“.
In unserem Camper haben wir einen zweiflammigen Gaskocher und eine Mikrowelle (ausgiebig als Vorratsschrank genutzt). Meinen Anspruch, immer alles frisch zu kochen, habe ich bald aufgegeben. Der 50 Liter Kühlschrank hat kein Gemüsefach und in der Kühltasche vergammeln im feucht-heißen Klima sogar die Zwiebeln. Wir haben uns einen Vorrat an Gemüsekonserven angeschafft. Fleisch und Fisch kaufen wir möglichst vakuumverpackt. Wenn ein Supermarkt auf unserer Strecke liegt oder wir rechtzeitig in einer Stadt sind, kaufen wir für unser Abendessen auch frische Lebensmittel ein.
Am nächsten Morgen zieht es uns in einen Weinladen. Wir können diese Stadt doch nicht verlassen, ohne etwas von den hochgelobten Erzeugnissen zu kaufen. Eine sehr kompetente Dame berät uns bei der Auswahl, und so verlassen wir Margaret River mit zwei Flaschen Rotwein. Übrigens ist der Fluss, der der Stadt ihren Namen gegeben hat eigentlich nur ein Bach.
Wir fahren Richtung Nannup, Manjimup und Quinninup und dann durch den Shannon Nationalpark. Große Weinfelder wechseln sich mit Weiden voller Rinderherden ab. Wieder nehmen wir unterwegs die Gelegenheit war, eine Scenic-Route zu fahren.

Ein Schwarm grüner Papageien lässt uns mitten auf der Straße anhalten. Zum Glück völlig ungefährlich, denn außer unserem ist kein Fahrzeug weit und breit zu sehen. Nach einigen Kilometern laufen Emus über die Straße, drei von ihnen wollen offenbar einen Wettlauf mit uns machen und rennen vor und neben dem Auto her. Auf dem weiteren Weg entdecken wir 50 Meter neben der Straße eine Gruppe Kängurus. Leider können wir nicht näher an sie herankommen. Ich hoffe auf unseren Campingplatz in Walpole, in der Beschreibung stand, dass diese Tiere hier häufig zu sehen sind. Der Platz liegt wunderschön an einem Inlet, einer großen Bucht mit einer schmalen Verbindung zum Meer.

Diese Bucht könnte genauso gut in Schweden oder Kanada liegen. Aber auch hier lassen sich keine Kängurus blicken. Vielleicht sind sie beleidigt, weil überall Schilder stehen, dass man sie auf keinen Fall füttern darf. Außerdem muss immer die Tür zu den Waschräumen geschlossen werden, der leichte Zugang zu Süßwasser ist für die Tiere zu verlockend, und wenn dann die Türen zufallen, geraten sie in Panik und können für Menschen gefährlich werden.
Uns gefällt es hier, und wir bleiben einen weiteren Tag. Nachmittags laufen wir über einen Wanderweg in den Ort zum Einkaufen und wieder zurück.
IMG_20180509_172328Später im Camper schaue ich vom Computer auf und da sitzen zwei Kängurus – keine drei Meter vom Fenster entfernt. Aufgeregt fotografieren wir zuerst von drinnen, dann versuchen wir leise die Schiebetür zu öffnen und laufen auf Socken nach draußen. Die Australier wundern sich über uns, so viel Aufregung wegen zweier Kängurus. Aber sie verhalten sich still und warten ab, bis wir die Tiere genug Fotos gemacht haben. Wir sind richtig glücklich!
Am nächsten Morgen fahren wir um den Inlet herum, um dann durch den Nationalpark mit den Riesenbäumen über Denmark nach Albany, einer historischen Stadt zu fahren. Aborigines lebten bereits seit 50.000 Jahren in dieser Region, bevor 1826 europäische Siedler kamen, um sich hier nieder zu lassen. Ein paar Häuser sind an die 100 Jahre alt, das gilt in Australien schon als alte Stadt. Die Amerikaner hatten hier eine Zeit lang einen Militärstützpunkt.

Wir übernachten in Bremer Bay und laufen abends im frischen Wind noch ein Stück an der Bucht entlang, in der sich ein Schwarm Wasservögel bereits einen Schlafplatz gesucht hat. Der Boden ist salzverkrustet und wie mit Teppichboden belegt. Das sind Algenteppiche die nur bei Hochflut vom Meerwasser überspült werden. Die niedrigen Bäume sind vom ständigen Wind gebeugt und von der Sonne gebleicht. Am nächsten Morgen – im strahlenden Sonnenschein – sieht alles viel lieblicher aus. Wir sind ganz allein an einem schneeweißen Strand mit ein paar Granitfelsen.
Um nicht dieselbe Strecke wie gestern 60 Kilometer weit zurückzufahren, biegen wir von der Hauptstraße ab. Der Mann an der Tankstelle erklärt uns im Brustton der Überzeugung, dass alle Straßen hervorragend zu befahren seien. Wir glauben ihm und die erste viertel Stunde sieht alles prima aus, dann beginnt eine Schotterpiste. Behutsam lenke ich unseren Camper über das „Waschbrett.“ Das kostet Zeit, macht aber auch Spaß, durch diese einsame Landschaft zu fahren.
Am späten Nachmittag erreichen wir Esperance und fahren zu einem am Meer gelegenen Caravan-Park. Von hier aus wollen wir am nächsten Morgen den „Great Ocean Drive“ fahren, einen rund 40 Kilometer langen Rundweg mit atemberaubenden Ausblicken auf die weißesten und feinsandigsten Strände, die man sich nur vorstellen kann.

Das Meer bietet ein Farbspiel von helltürkis bis zum tiefen tintenblau. In Ufernähe treiben Surfer auf ihren Brettern im Wasser und warten auf die perfekte Welle. Immer wieder lassen wir das Auto stehen und laufen zu besonderen Aussichtspunkten. Einmal machen wir auch eine kleine Wanderung über einen Granitrücken und über den Strand zurück. Der am Rundweg gelegene „Pink Lake“ ist schon lange nicht mehr rosa. Durch den Straßenbau bekommt der See nicht mehr genügend Meerwasser und die für die intensive Farbe verantwortlichen Bakterien vermehren sich nicht in ausreichender Menge.
Für den Abend haben wir in einem Fischlokal einen Tisch reserviert. Während des Telefongespräches bittet uns der nette Mann, Wein oder Bier mitzubringen, das Lokal habe keine Lizenz für den Alkoholausschank. Als wir dann mit unserem Weißwein kommen, bringt er sofort einen Weinkühler mit Eis und die richtigen Gläser. Eine Flasche Wasser wird unaufgefordert und kostenlos auf den Tisch gestellt. Wir essen je eine Platte Meersefrüchte, eine gegrillt die andere „crumpled“. Das Lokal schließt um 20.30 Uhr. Nicht ungewöhnlich für Australien. Der Rückweg über schön angelegte Wege am Meer unter dem funkelnden Sternenhimmel ist das Sahnehäubchen auf diesem Abend.

Durch die Nullarbor-Wüste nach Adelaide (Australien)

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Die Stadt Esperance empfiehlt, vor Durchquerung der Nullarbor-Ebene nochmal Kraft und Energie zu tanken, also die Landschaft zu genießen, Lebensmittel einzukaufen, sich mit Wasser einzudecken und natürlich den Benzintank aufzufüllen. Das haben wir in den letzten beiden Tagen gemacht, denn was uns bevorsteht, gilt als besondere Herausforderung.

Nach dem Frühstück geht es los. Weit kommen wir nicht, ein paar hundert Meter von unserem Übernachtungsplatz entfernt werden wir von der Polizei angehalten: Alkoholkontrolle, morgens um 10 Uhr. Klaus muss ins Röhrchen pusten, natürlich zeigt das Messgerät nach zwei Tassen Kaffee nichts an. Der nette Beamte wünscht uns noch einen schönen Tag und winkt den nächsten Autofahrer heraus. Wenn das Messgerät 0,5 Promille oder mehr anzeigt, ist der Führerschein weg.
Wir fahren rund 200 Kilometer Richtung Norden an großen Salzseen vorbei nach Norseman. Dort kaufen wir noch frisches Obst. Eine andere Kundin wünscht mir einen schönen Muttertag (?) und dann geht es nach Osten durch die Wüste. Der Eyre Highway führt durch das 1.200 Kilometer lange Nullarbor vom lateinischen Nulla arbor = kein Baum und durchquert die trockenste Region Australiens. Schilder weisen jetzt nicht mehr auf streunende Rinder und Schafe hin, sondern auf Wildkamele, Wombats und natürlich Kängurus.

Die Strecke bietet einige Besonderheiten:
Die längste schnurgerade Straße Australiens ist Teil des Eyre Highway. Sie ist 90 Meilen lang, entspricht 146,6 Kilometer. Und hier kann man wunderbar beobachten, was für vorsichtige Autofahrer die Australier in der überwiegenden Mehrheit sind. Meistens fahren wir mit einem Tempo zwischen 80 und 90 Stundenkilometern. Das hat sich als angenehmste Geschwindigkeit mit dem Camper herausgestellt. Manchmal kommt es vor, dass ein Autofahrer an uns vorbei will. Auf dieser geraden Straße kann man kilometerweit schauen. Sobald am Horizont nur ein Pünktchen zu sehen ist, traut sich niemand zu überholen. Wenn dann alles frei ist, wird nicht etwa aufs Gas getreten und stark beschleunigt, nein man wird mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 110 kmh überholt. Hier ist man sehr gelassen unterwegs. Ob man 10 Minuten früher oder später ankommt, spielt bei den großen Entfernungen keine Rolle.
Der längste 18 Loch Golfplatz der Welt zieht sich an der Strecke entlang. Da die Löcher 100 Kilometer weit auseinander liegen, muss man die Distanz mit dem Auto zurücklegen. Um alle Löcher zu bespielen, müssen die Spieler mit bis zu 7 Tagen rechnen. Golf ist in Australien kein exklusiver Sport, es gibt viele öffentliche Plätze, wo jeder spielen kann.
Die Straße verläuft mit mehr oder weniger großem Abstand zur Südküste auf einem 200.000 Quadratkilometer großen Kalkplateau. Verschiedene Aussichtspunkte gewähren immer andere interessante Blickwinkel in Ost- und Westrichtung. Nach Süden ist nur Meer zu sehen. Wenn man in der richtigen Jahreszeit hier ist, hat man gute Chancen, Wale zu sehen.

Am späten Nachmittag erreichen wir Cocklebiddy. Müßig, diesen Ort zu beschreiben, das Schild sagt alles , was man wissen muss. Zwei Bewohner wurden allerdings nicht erwähnt. Es sind Keilschwanzadler, die in einer großen (für diese Vögel natürlich nicht ausreichenden) Voliere leben. Weil man erzählte, dass sie Lämmer schlagen (gibt es eine bessere Legitimation zum abknallen) stand diese Spezies kurz vor der Ausrottung. Durch intensive Aufklärungsarbeit konnte das zum Glück verhindert werden.
Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den Weg. Wir wollen die Nullarbor-Wüste zügig durchfahren. Bereits auf den ersten 20 Kilometern sehen wir mehr als 20 tote Kängurus. Ich habe gelesen, dass sie ein bisschen dumm seien und noch kurz vor einem herandonnernden Roadtrain über die Straße hüpfen wollen. Die Fahrer dieser wuchtigen Transportmaschinen können natürlich nicht bremsen. Einige haben 24 Achsen, jede mit 4 Reifen bestückt. Da hat auch das bis zu zwei Meter große Riesenkänguru nicht den Hauch einer Chance. Auf einem dieser Kadaver sitzen zwei Keilschwanzadler. Sie lassen sich bei ihrer Mahlzeit durch die vorbei fahrenden Autos nicht stören. Später sehen wir, dass auch Krähen frisches Kängurufleisch nicht verschmähen.
Nach beinahe 300 Kilometern überqueren wir die Grenze nach Süd-Australien.In dieses Bundesland können wir einfach einreisen; nur LKWs werden kontrolliert.
Das nächste Roadhouse auf unserer Strecke gefällt uns nicht besonders. Wir tanken hier nur, mit 2 $ pro Liter (1,20 €) den teuersten Sprit unserer bisherigen Reise. Am wenigsten haben wir in Perth mit 1,33 $ bezahlt. Es ist noch eine gute Stunde Zeit, bis die Sonne untergeht. Das nächste Roadhouse ist 70 Kilometer entfernt, das ist noch gut zu schaffen. Aber hier stimmt was nicht, es stehen zwar ein paar Autos auf dem sogenannten Campground, aber das eigentliche Roadhouse ist rundherum mit Maschendraht umspannt, die Türen sind mit Brettern vernagelt. Uns beschleicht ein mulmiges Gefühl, und wir fahren weiter. Sieben Kilometer vom Highway entfernt erreichen wir kurz nach Sonnenuntergang über eine Staubstraße ein Farmstay. Vor der Scheune steht ein Flugzeug, eine Sandpiste ist Start- und Landebahn. Die 2.500 Schafe sind irgendwo auf einer der Weiden. Ein reizendes Ehepaar (Freunde der Besitzer, die gerade Urlaub machen) begrüßt uns und geleitet uns sogar zu unserem Platz. In der Campingküche sitzen schon zwei Paare ums offene Feuer, genießen ihren Sun downer und erzählen von ihren Reiseabenteuern.

Schauen Sie sich Fowlers Bay an,“ empfiehlt uns die nette Vertretungswirtin noch am nächsten Morgen, bevor wir aufbrechen. Das bedeutet weitere Kilometer auf der Staubstraße zur Küste. Aber die Straße ist in einem guten Zustand, so dass wir keine Mühe haben, den kleinen Ort hinter den weißen Dünen zu erreichen. Nach einem Spaziergang fahren wir zurück zum Highway und weiter nach Ceduna zum Endpunkt der Nullarbor-Wüste. Kurz vor der Stadt plötzlich eine Schranke. Alle Fahrzeuge werden kontrolliert, Obst und Gemüse beschlagnahmt. Die Angst vor Fruchtfliegen ist groß. Während unserer Mittagspause vor einer Stunde haben wir die letzten Bananen und Äpfel vertilgt, wir dürfen passieren.

In Ceduna – der für ihre Austern berühmten Kleinstadt mit großem Hafen – bleiben wir über Nacht. Zum Einkaufen ist es schon zu spät, die Fischgeschäfte schließen um 17 Uhr. Aber am nächsten Morgen kaufen wir bei Baldy – einem langhaarigen tätowierten Fischer – Austern und Shrimps für unser Abendessen im 470 Kilometer entfernten Port Augusta. Dazu brauchen wir noch einen Weißwein, und so stellen wir unseren Camper nach Ankunft dort nur auf dem zugewiesenen Platz ab und laufen in einem weiten Bogen in die Innenstadt.

Lautes Vogelgekreische macht uns auf ein paar Bäume aufmerksam. Das wollen wir von nahem sehen. Eine Vielzahl weißer Kakadus ist für den unbeschreiblichen Lärm verantwortlich.
In Port Augusta endet der von Westen kommende Eyre Highway und beginnt der nach Darwin führende Stuart Highway. Außerdem halten im Bahnhof die Fernzüge „The Ghan“ (Süd-Nord-Verbindung) und „Indian Pacific“ (West-Ost-Verbindung). Es gibt noch ein paar alte Gebäude in der über 160 Jahre alten Stadt und natürlich die zeitgemäßen Ladenketten. Gut so, denn wir brauchen dringend Socken, die über die Knöchel reichen, es wird Winter.
Unser heutiges Ziel ist die Hauptstadt Südaustraliens: Adelaide, genannt nach der deutschen Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen, die durch Eheschließung mit Wilhelm Heinrich Königin von England wurde. Wir haben uns für einen außerhalb am Meer liegenden Campingplatz entschieden, von dort können wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt fahren.

Ab dem Vorort Glenelg fährt eine Straßenbahn 11 Kilometer bis in die Innenstadt. Für 10 $ = 6 € bekommt man eine Tageskarte. Im Innenstadtbereich, der von bis zu 600 Meter breiten Parkanlagen (bestehend aus 27 Einzelparks) umschlossen ist, kann man kostenlos fahren. Das Angebot wird viel und gern genutzt. Hier im Zentrum leben nur ca. 20.000 Einwohner. Die in den rund herum liegenden 250 Ortschaften lebenden Menschen rechnet man einfach zu den Einwohnern dazu. So kommt man auf eine für eine Hauptstadt angemessene Zahl von über 1 Million. Adelaide ist eine sehr angenehme Stadt mit breiten Straßen, vielen Geschäften, Museen, Galerien und schönen Restaurants, von den Parks ganz zu schweigen. Die Menschen scheinen aus allen Teilen der Welt zu kommen. Wir laufen durch die belebte Innenstadt und suchen nach einiger Zeit vor einem heftigen Regenschauer Schutz in die Markthalle, einem riesigen Schlemmerparadies.
Am nächsten Morgen frühstücken wir in der Campingküche, als wir Besuch von einem schwarz weißen Vogel bekommen. Er läuft durch die ganze Küche, pickt hier und dort etwas auf, stellt sich vor den Herd und tut das, was er seinem Namen nach (Flötenvogel) tun muss, er flötet uns etwas vor, dreht sich um und läuft wieder hinaus.
Wir wollen nicht bis zum Highway, denn dann müssten wir wieder durch Adelaide fahren. Im Atlas suchen wir uns eine Querverbindung aus.

Die schmale Straße führt uns in ein bergiges Gebiet mit hübschen gemauerten Häusern, umgeben von großzügigen Gärten mit Bäumen die sich mit Herbstlaub schmücken. Rinderherden der unterschiedlichsten Rassen grasen an den Hängen, die Pferde tragen schon Wintermäntel. Wir haben das Gefühl, durch ein Bilderbuch zu fahren. So etwas gibt es doch in Wirklichkeit gar nicht.

In Strathalbyn halten wir an. Die dortige Kirche sieht aus, als ob sie komplett aus England hierher verschickt worden ist. Während wir über den Bach und durch die Grünanlagen laufen, sprechen uns zwei Männer an, die natürlich sofort gemerkt haben, dass sie es mit Ausländern zu tun haben. Wir erzählen ein bisschen von uns, bekommen von den beiden noch ein paar Ratschläge und setzen unseren Weg fort in Richtung Murray Bridge. Wir haben im Handy ein Ziel angegeben, aber es will uns dauernd zum Umkehren animieren. Eine viertel Stunde später wissen wir auch weshalb, wir stehen vor einem Fluss ohne Brücke. Erst nach ein paar Minuten sehen wir, dass hier eine Fähre die Fahrzeuge von einem Ufer zum anderen bringt.
DSC06340Während wir noch eine Information über die vermutlich astronomischen Preise, suchen legt die Fähre an. Als erstes Fahrzeug können wir gar nichts anderes tun, als loszufahren. Die Fähre wird mit zwei Stahlseilen über den Fluss gezogen und kostet NICHTS.
Wir fahren den Prinzess-Highway an der Küste entlang in Richtung Süden. In Kingston S.E. stehen wir plötzlich vor einem Riesenhummer.
DSC06348Leider ist keine Saison, so dass wir wir die Spezialität des Ortes nicht probieren können. Nach Robe müssen wir laut Tipp unserer Bekanntschaft aus Strathalbyn unbedingt fahren. Am Straßenrand läuft ein junger Schnabeligel, eines der eierlegenden Säugetiere Australiens. Allein dafür hat sich der Abstecher gelohnt. Nachdem wir ihn fotografiert haben, fahren wir weiter zu unserem heutigen Campingplatz nach Millicent.
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Über die Great Ocean Road nach Melbourne (Australien)

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Wir verlassen die kleine Stadt Millicent nach dem Frühstück und fahren nach Mount Gambier. Hier interessieren uns die rund 5.000 Jahre alten Vulkanreste. Speziell einer der noch existierenden zwei Maare namens Blue Lake, der durch bestimmte Mineralien eine beinahe unwirkliche Farbe hat, veranlasst uns zu der Besichtigung. Als wir ankommen, ist die Zufahrt gesperrt. Ein netter Mann in Warnweste erklärt uns, dass hier gerade ein Radrennen stattfindet. Wir verstehen nur die Hälfte, aber zumindest soviel, dass um 11.30 Uhr die Straße wieder freigegeben wird. Weil es immer wieder Regenschauer gibt, haben wir keine große Lust auf einen Spaziergang und warten im Auto, bis die Zeit um ist. Die Radfahrer sind heute wirklich nicht zu beneiden. Beinahe pünktlich ist dann alles vorbei und wir fahren zum See. Von Blau keine Spur. Später lesen wir, dass er sich nur im Frühjahr so zeigt. Es gibt eine Rundtour, die wir mit dem Auto fahren können. Wieder einmal kann man einen großzügig angelegten und gepflegten Park bewundern. Alles ist für einen Familienausflug vorhanden, schöne Spielplätze, Grillküchen, Toiletten, und den Rasen zu betreten ist fast schon Pflicht.

Wir fahren weiter über den Princess Highway, lassen etliche Nationalparks im Vulkangebiet und Portland aus, machen einen kleinen Stopp in Port Fairy, um die historischen Gebäude und den alten Hafen zu besichtigen. Gerade als wir loslaufen, setzt Regen ein und der Wind bläst unangenehm scharf. Ein junges Paar, das neben uns parkt und gerade den Kinderwagen ausgeklappt hat, um ebenfalls eine Runde zu drehen, verstaut Kind und Wagen blitzschnell im Auto und saust los. Gute Entscheidung.

Als wir nach einer weiteren halben Stunde Fahrzeit in Warrnambool ankommen, hört es auf zu regnen. Wir haben einen Campingplatz direkt in der Stadt und können bis zur Weiterreise den Camper stehen lassen.

Am nächsten Morgen nutzen wir die Möglichkeit, im Hallenbad zu schwimmen, bevor wir uns auf den Weg zum Meer machen. Dort wurde ein Hafen mit Schiffen und Häusern aus viktorianischer Zeit nachgebaut. Jeden Abend gibt es ein Spektakel mit Lasershow, um die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. Der ganze Bereich ist mit einem Zaun umgeben, die Eintrittspreise sind uns aber zu hoch.

Ein paar Fotos kann ich von einer günstigen Stelle aus machen. Gegenüber liegt eine große Parkanlage mit Spielplatz. Offenbar haben verschiedene Schulen heute Wandertag. Schüler verschiedener Altersstufen sind in ihren Uniformen hier unterwegs und genießen den sonnigen Herbsttag. Es gibt schlechtere Ziele für einen Schulausflug. Die Kinder haben offensichtlich ihren Spaß. Ob das Ganze nach bei uns geltenden Maßstäben pädagogisch wertvoll ist, bezweifle ich allerdings.

Wir laufen ein Stück am Strand entlang, dann durch den Park am Seeufer zurück in die 24.000 Einwohner zählende Stadt. Dort bummeln wir an den Geschäften entlang, schauen uns historische Gebäude an, stocken unsere Vorräte auf und laufen zurück zum Caravan Park. Morgen geht es los, die Great Ocean Road wartet auf uns.

Kurz bevor wir in Allansford die legendäre Straße erreichen, kommen wir an einer Milchversorgungszentrale vorbei. Die Fabrik, in der die verschiedensten Milcherzeugnisse produziert werden, ist unglaublich groß. Auf 10 Kilometern Fahrstrecke kommen uns drei extra lange Tanklastwagen entgegen. Was die wohl transportieren?

Wir haben den Beginn der Great Ocean Road erreicht. Braune Schilder weisen auf besondere Aussichtspunkte hin. Am Ende der jeweiligen Strecke sind große Parkplätze angelegt. Informationstafeln erzählen etwas zur jeweiligen Sehenswürdigkeit und geben an, wie weit der Fußweg ab hier ist.

Schon der erste Ausblick auf die „Bay of Islands“ ist atemberaubend. Obwohl der Himmel bewölkt ist, hat das Meer ein herrliches Farbspiel in unterschiedlichen Blautönen. Der stürmische Wind lässt die Wellen gegen die Felsen krachen, und damit die Steilküste noch dramatischer wirken.

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Als nächstes besichtigen wir die „London Arch“, die nach dem Einsturz der „London Bridge“ noch steht und fahren dann zu Australiens beliebtestem Fotomotiv, den „Zwölf Aposteln.“

Hier ist deutlich mehr los, als an den anderen Aussichtspunkten. Busse fahren zu und aus den Parkplätzen, und alle 10 Minuten hebt ein Hubschrauber ab. Um die Fußgänger gefahrlos auf die andere Straßenseite zu bringen, wurde ein großer Tunnel angelegt. Sofort stellt sich bei uns ein bekanntes Gefühl ein, das wir schon aus Asien kennen. Die Mehrheit der Menschen fotografiert sich selbst und stellt dabei rücksichtslos Treppenstufen und Wege zu. Wie man beim Blick auf einige Handy-Displays erkennen kann, ist hinter den lächelnden Gesichtern im Hintergrund entweder etwas Blaues oder ein Stückchen Felsen zu sehen. Trotzdem betrachten Menschen jeder Altersklasse verzückt ihre Aufnahmen und zeigen sie glückstrahlend ihren Mitreisenden.

Der Name Zwölf Apostel ist relativ neu (sie hießen ursprünglich Sau und Schweinchen) und eindeutig falsch. Seit es Aufzeichnungen gibt, ist nur von neun Steinsäulen die Rede, heute sind noch acht übrig. Sie sind durchaus sehenswert, aber wir fanden andere Formationen wesentlich beeindruckender. So ist unser Besuch heute nur kurz, und wir nehmen uns vor, ihn morgen – sollte dann die Sonne scheinen – zu wiederholen.

Nach der Übernachtung in Port Campbell fahren wir als erstes zur Loch Ard Gorge, die aus unserer Richtung noch vor den zwölf Aposteln liegt. Verschiedene Wege führen vom Parkplatz zu unterschiedlichen Sehenwürdigkeiten. Auch heute stürmt es und das Meer schlägt hoch gegen die Felsen, als wollten Wasser und Wind uns demonstrieren, wie diese großartigen Skulpturen entstanden sind.

Die Thunder Cave beeindruckt optisch und akustisch. Wir könnten stundenlang zuschauen, wie das Wasser grummelnd in die Höhle gedrückt wird und wieder herausläuft. Einschließlich der Besichtigung des Friedhofes legen wir etliche Kilometer zu den verschiedenen Aussichtspunkten zurück. Die Apostel besuchen wir heute nicht noch einmal. Die Anzahl der Busse lässt wieder auf immensen Besucherandrang schließen. Wir genießen die weitere Fahrt auf dieser großartigen Straße bis nach Apollo Bay mit einigen weiteren Abstechern an die Küste.

Die Great Ocean Road wird an vielen Stellen ausgebessert, so dass der Verkehr immer wieder angehalten wird. Die Gegenrichtung ist wesentlich stärker befahren, als unsere von Westen nach Osten führende Spur. Wir freuen uns, wenn wir während der Stopps Gelegenheit haben, die Landschaft ausgiebiger zu betrachten. Aber auch die an der Küste gebauten Häuser sind oft einen zweiten Blick wert. Wer hier lebt, braucht keinen Fernseher, das schönste Programm findet vor den großen Terrassenfenstern statt.

Nach einer Übernachtung in Lorne fahren wir eine Nebenstraße am Barham-Fluss entlang und landen in einer verwunschenen Welt. Verschiedene Eukalyptusarten, darunter Königseukalyptus, der höchste Laubbaum der Welt, mehrere Meter hohe Baumfarne, Teebäume und alle möglichen anderen Bäume, die entlang des Flüsschens stehen. Auf einer Wiese blühen die üppigsten Callas, die man sich nur vorstellen kann. Die dort weidenden Schafe sind zum Glück für die Blumen und uns nur an Gras interessiert.

Wir wollen zu einem beschriebenen Wasserfall laufen. Als wir aus dem Auto steigen kommt ein grimmig aussehender Hund auf uns zugerannt, um dann begeistert über den Besuch heftig mit dem Schwanz zu wedeln. Zu dritt laufen wir weiter. An einem Bach endet unser Ausflug, beim letzten Sturm wurde die Brücke weggerissen und für nasse Hosen und Schuhe haben wir nicht die richtige Jahreszeit. Auf einer Wiese wird gerade ein Haus errichtet. Der dort arbeitende Mann kennt den Hund und lockt ihn zu sich. Schweren Herzens verabschiedet sich unser vierbeiniger Begleiter von uns. Wir halten ein paar Kilometer weiter nochmal an und laufen zu einem kleinen Picknick-Platz, der im Sommer bestimmt viele Liebespaare anzieht, hier ist es so romantisch.

Auf dem Rückweg nach Lorne begegnen wir zwei Eseln und einem Alpaka auf einer Weide. Die Esel kommen neugierig näher, verschmähen aber den angebotenen Apfel. Schade. Weiter geht es auf dem Great Ocean Highway.

An einem Aussichtspunkt sieht man noch die eisernen Reste eines der vielen gestrandeten Schiffe. Anker, Winsch und Rahmen sind bei Niedrigwasser zu sehen. Der Leuchtturm ein Stück weiter ist ebenfalls ein markanter Punkt mit verschiedenen Ausblicken auf das Meer. Man könnte Seitenweise Bilder einfügen.

Und dann haben wir in Torquay das Ende dieser großartigen Küstenstraße erreicht.

Noch ein Abstecher nach Queenscliff an der Meerespforte zur Bucht von Melbourne. bevor wir uns der Millionenstadt nähern. Über eine mautpflichtige Straße kommen wir am Freitag Nachmittag in die Millionenstadt. Wieder muss ich die australischen Autofahrer in ihrer Gelassenheit bewundern. An einer Ampel entschließt sich ein Fahrer von der äußersten rechten Spur über drei Spuren nach links abzubiegen. Keiner hupt, er bekommt die Möglichkeit, ohne schweißnasse Hände seinen Weg fortzusetzen. Trotz des dichten Wochenendverkehrs läuft alles ohne Hektik, ohne Aggressionen. Die Zufahrt zur Autobahn wird per Ampel gesteuert. So kommen manches Mal nur drei Autos bei Grün auf die Autobahn. Der Verkehr kann weiter fließen.

Am Stadtrand haben wir einen Caravanplatz. Per Bahn oder Bus kommt man in die Innenstadt. Es gibt aufladbare Magnetkarten, die die Kosten für die gefahrene Strecke durch Kontrolle an der Ein- und Ausgangssperre berechnen und abbuchen. Im Zentrum bekommen wir an einem Informationsstand von einer der Mitarbeiterinnen Kartenmaterial und viele Tipps für unsere Weiterfahrt. Auch in Melbourne können Busse und Straßenbahnen im Innenstadtbereich kostenlos genutzt werden. Darüber hinaus fährt eine alte Straßenbahn in einer Rundtour durch die Stadt. An jeder Haltestelle werden die Sehenswürdigkeiten aufgezählt. Natürlich wird dieses kostenlose Angebot viel und oft genutzt.

Wir fahren mit der Tram bis zu den Docklands und erfreuen uns mit vielen anderen Touristen und Einheimischen am sonnigen Herbsttag. Städte, die so eine herrliche Lage am Wasser haben, zeichnen sich immer durch eine besondere Atmosphäre aus. Viele Menschen sitzen in den am Ufer gelegenen Lokalen und genießen die Sonne. In einem „Münchner Brauhaus“ werden nachmittags um halb vier deftige Schlachtplatten verzehrt. Mit dem Hubschrauber kann man sich über die Bucht und die Stadt mit ihren vielen Hochhäusern fliegen lassen und hat bestimmt großartige Fotomotive.

Wir laufen zu einer Haltestelle der City Circle Tram und fahren die Runde weiter, vorbei am Parlament, der Oper, Verwaltungsgebäuden und natürlich Parks. Am Flinders Bahnhof steigen wir aus. Schon auf der Fahrt in die Innenstadt saßen viele Menschen mit schwarz-gelben Schals, Shirts, Kappen, Westen oder Trikots im Zug. Heute haben die Richmond Tigers ein Turnier gegen den St. Kilda Football Club dessen Trikots die Farben schwarz-weiß-roten haben.
(Zitat aus Wikipedia: Australian Football, auch als Australian Rules Football, Aussie Rules oder einfach „Football“ oder „Footy“ bezeichnet, ist eine Footballvariante, die mit einem ellipsoidförmigen Ball auf einem großen, elliptischen Spielfeld mit vier (Tor-)Pfosten an jedem Ende gespielt wird. Das Ziel des Spiels ist es, durch Schüsse zwischen die Pfosten zu punkten)

Inzwischen ist das Spiel zu Ende und die Fans beider Mannschaften strömen einträchtig aus dem Melbourne Cricket Ground in die Innenstadt. Kein Gegröle, keine wütenden Menschen, am Verhalten der Fans ist nicht zu erkennen, wer gewonnen hat. Später sehen wir Anhänger beider Vereine zusammen in den mit Heizpilzen bestückten Gartenlokalen sitzen.

Auch die Rückfahrt im Zug verläuft völlig stressfrei. In den Bahnhöfen ist mehr Personal, die Menschen laufen ruhig zu ihren Zügen. Keine besonderen Vorkommnisse. Uns hat es in Melbourne sehr gut gefallen.

„The Prom“ und der Weg nach Sydney (Australien)

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Die Dame in der Touristen-Information hatte uns empfohlen, von unserem Campingplatz in Springvale an die Bucht zu fahren und von Mentone nach Frankston die Küstenstraße zu nehmen. Heute, am Sonntagmorgen werden am endlos langen Strand in Mentone die Hunde ausgeführt.

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Ein paar abgehärtete Menschen gehen schwimmen, ein Mann trinkt seinen Kaffee im Meer.  Der Strand ist sauber und aufgeräumt, wir sehen auch gerade, wie ein paar junge Leute in gleichen T-Shirts Zigarettenkippen einsammeln. Auf Schildern werden die Raucher gebeten, die Kippen nicht einfach wegzuwerfen, oder besser noch, aufs Rauchen zu verzichten. Der Strand ist einladend, aber nicht so besonders, dass wir uns länger hier aufhalten. Über Dandenong fahren wir nach San Remo(!).

Als wir über die Brücke nach Philip Island fahren, sehen wir am Strand eine große Gruppe, es ist Fütterungszeit für Pelikane. In vielen Orten füttert man Tiere an, um eine Attraktion für die Touristen zu haben. Im Besucherzentrum erklärt man uns, dass man mit einem Kombi-Ticket vier Attraktionen besichtigen kann:
Auf einer Farm beim Melken von Kühen und Scheren von Schafen zusehen.
Im Koala Conservation Center die putzigen Tiere streicheln.
Die Zwergpinguine bei der Heimkehr vom Meer von einem Platz an der Seite beobachten, gegen einen saftigen Aufpreis bekommt man Plätze in Front zur Küste, dann kann man sie von vorn sehen.
Die Robbenkolonie bei den Nobbies besuchen.

Wir fahren zuerst mal nach Cowes, den größten Ort auf der Insel, und entschließen uns dann zur Weiterfahrt. Es kommt uns alles ein wenig rummelig vor.

Die nächste Empfehlung der netten Dame von der Touristik-Information in Melbourne lautete: „Besuchen Sie unbedingt das Wilsons Promontory, wenn Sie Natur lieben.“ Das tun wir, und deshalb folgen wir auch ihrer Empfehlung. Die Halbinsel (160 Kilometer von Melbourne entfernt) ist der südlichste Punkt des australischen Festlandes. Bereits 1898 wurde das Gebiet zum Nationalpark erklärt und umfasst rund 500 km². Fast jeder Bewohner des Bundesstaates Victoria war schon mal hier, und „The Prom“, wie dieser Nationalpark liebevoll genannt wird, liegt den Einwohnern sehr am Herzen. Versuche, hier einen Golfplatz oder ein Hotelressort zu errichten, sind auf erbitterten Widerstand gestoßen und aufgegeben worden.

Als wir den Eingang erreichen, ist es kurz vor 16 Uhr, und das Büro ist nicht mehr besetzt. Der Zugang zum Park ist kostenlos, nur für die Übernachtung auf dem Campground zahlt man. Die Tankanzeige steht bereits auf Reserve und im Park gibt es keine Tankstelle, da drehen wir sicherheitshalber um. Nachdem wir getankt haben, finden wir noch einen herrlich gelegenen Caravan-Park an der Küste in Yanakie, nur vier Kilometer vom Parkeingang entfernt.

Am nächsten Morgen fahren wir das Stück zurück.

Nach ca. zehn Kilometern sehen wir auf einer Wiese Kängurus und Emus. Nur drei Fahrzeuge stehen auf dem Parkplatz davor. Das wollen wir uns aus der Nähe ansehen. Als wir uns den Tieren nähern sehen wir, dass die Kängurus markiert sind. Verschieden farbige Puschel in den Ohren und ein Halsband lassen sie wie Haustiere wirken. Auf einer Infotafel erfahren wir dann allerdings, dass sie zu Forschungszwecken markiert wurden, sie sind nicht zahm.

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Es gibt einen 2,5 Kilometer langen Rundweg, den wir natürlich laufen wollen. Und hier sehen wir weitere Kängurus, markierte und unmarkierte. Sie hocken im niedrigen Buschwerk und fressen oder käuen im Liegen wieder. Nur wenn man direkt an ihnen vorbei geht, erkennt man sie. Kein Wunder, dass wir bisher so wenige gesehen haben, sie sind perfekt getarnt. Das ein oder andere hüpft auf zwei Beinen mit langen Sprüngen davon, dabei können sie bis zu 50 kmh schnell sein. Bis zu 1,5 Meter hoch und 13,5 Meter lang (gemessen bei einem grauen Riesenkänguru) können diese Sprünge sein. Zäune können sie also nicht von den Straßen fernhalten. Mindestens fünfzig dieser Tiere haben wir während unseres Rundganges gesehen, dazu noch verschiedene Singvögel und natürlich die Emus.

Die Straße im Park wird kurvenreicher, je näher wir der Bergkette kommen. Wir halten an einem Aussichtspunkt zum fotografieren.

Zum nächsten, genannt Squeaky Beach muss man ein paar hundert Meter laufen. Der Strand quietscht wirklich beim darüber laufen. Eine traumhafte Bucht, türkisblaues Wasser, schneeweißer Quarzsand und rote Granitfelsen an der Seite, rundgewaschen im Laufe der Jahrtausende.

Tidal River ist der letzte Punkt, den man per Auto erreichen kann. Hier ist das Besucherzentrum, der große Caravan- und Campingplatz, und hier beginnen die meisten Wanderwege. „Sie hätten gestern ruhig kommen können,“ sagt die nette Dame im Büro: „wenn hier niemand mehr ist, bezahlt man einfach am nächsten Tag.“ Jetzt wissen wir Bescheid.

Wir stellen unser Auto auf einen Parkplatz und brechen zu einer der ausgeschilderten Wanderungen auf.

Die Landschaft ähnelt der Tasmaniens sehr stark, schließlich handelt es sich dort um dieselbe Landmasse. Die Verbindung ist durch Absenkung  vom Meer überflutet wurden.

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Auf dem Weg zum Kap sehen wir einen Kookaburra (lachender Hans), den australischen Nationalvogel ganz nahe auf einem Pfosten sitzen. Der Ausblick von der Spitze des Kaps ist herrlich, wir kraxeln auf den Granitbrocken herum und machen uns dann mit einem Schlenker zum Strand auf den Rückweg.

Ein letzter Halt ist an der Whisky Bay. Auch diese Bucht hat interessante Felsen und einen schönen Strand. Jetzt, am Ende der Saison haben wir den Platz für uns, aber in der Hochsaison herrscht hier bestimmt Gedränge. Wir müssen weiter und fahren Richtung Parkausgang, als mir links im Gras ein dickes Fellbündel auffällt: Ein Wombat!

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Den Camper parken und aus dem Auto springen, ist eins. Vorsichtig nähern wir uns dem fressenden Plüschtier, als ein Auto heran braust und der bis dahin unbeeindruckte Wombat die Flucht ergreift. Nach ein paar Kilometern haben wir nochmals Glück,

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dieses Mal ist es ein Jungtier, das sich am Straßenrand den Bauch vollschlägt.

Wir fahren noch zwei Stunden bis nach Toora. Hier gibt es wieder ein Hallenbad mit Whirlpool. Nach der Wanderung und dem inzwischen einsetzenden Regen kommt uns das warme Wasser gerade recht.

Der Eigner unseres Campingplatzes in Yanakie hatte uns von Raymond Island erzählt, einer Insel auf der wilde Koalas leben. Die wollen wir unbedingt sehen und fahren durch die Region Gippsland nach Paynesville.

Mit der Fähre geht es in ein paar Minuten auf die Insel. Für Fußgänger ist das kostenlos, nur wer sein Auto mitnehmen will muss bezahlen. Es gibt einen markierten Koala-Weg, dem wir folgen. Die Freude ist groß, als Klaus den ersten Koala schlafend in einer Astgabel eines Eukalyptusbaumes entdeckt. Ich sehe den nächsten, und dann kommen wir mit zählen nicht mehr nach.

Die Tiere klemmen sich zwischen ein paar Äste und schlafen, immerhin 19 Stunden täglich. Zwischendurch werden vom sicheren Platz aus alle erreichbaren Blätter vertilgt, bevor man sich ganz langsam einem anderen Ast zuwendet. Etliche Bäume tragen Manschetten aus Plastik oder Blech, damit die Koalas nicht hinaufklettern können. Die Bäume müssen sich erholen. Wir sehen auch einige, die nicht mehr zu retten sind. Und als Zugabe entdecken wir dann noch Kängurus, und vor dem Camper warten zwei hungrige Trauerschwäne, was für ein schönes Erlebnis. Wir sind abends in Lake Entrances noch ganz begeistert.

historisches Bauwerk in den Gippslands

Den nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Norden. In dem Ort Eden gibt es ein Museum, das dem Orka oder Killerwal gewidmet ist. Eden liegt auf einem hügeligen Kap. Teilweise geht es ganz schön steil bergauf oder bergab.

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Auch zum Museum ist der Weg stark ansteigend. Diese kleinen Museen sind etwas Besonderes, alle Mitarbeiter sind mit Herzblut dabei und freuen sich besonders über Besucher, die von soweit herkommen.

diese Rheuma-Therapie hat es mir angetan

Danach geht es weiter nach Narooma, einer Stadt, in der seit über 100 Jahren Austern gezüchtet werden. Abends machen wir noch einen Spaziergang am Meer entlang, als wir einen dunklen Schatten im Wasser sehen.

Ein Stück weiter, im Schein der Straßenlampen erkennen wir einen Rochen. Plötzlich sind es ungefähr zehn Tiere, die hier nahe am Ufer wie im Rausch hin und her gleiten. Mit einer Spannweite von mehr als eineinhalb Metern sind sie sehr beeindruckend. Der Angler, der am Cleaning-Point seinen gefangenen Lachs ausnimmt, schuppt und wäscht, kann unsere Begeisterung nicht teilen, wahrscheinlich weil Rochen unter strengem Schutz stehen und nicht gefangen werden dürfen. Aber wir sind begeistert, wie sorgfältig er anschließend den Platz putzt, bevor er mit seinem Fang ins Auto klettert und verschwindet. Zurück im Camper lassen wir uns unsere Meeresfrüchteplatte schmecken.

Nun sind wir mit ein paar Abstechern auf dem Weg nach Sydney. In Hyams in der Jervis Bay soll der weißeste Strand der Welt sein.

Den schauen wir uns doch noch an. Uns fehlt zwar Vergleichsmaterial, doch glauben wir, dass der Squeaky Beach ebenso weiß ist.

Wir fahren die landschaftlich sehr reizvolle Pazifik-Küstenstraße entlang und wechseln aus Zeitgründen auf die Autobahn. Für die letzte Nacht wollen wir uns schon einen Platz in der Nähe von Sydney suchen. Doch endet unsere Tour anders, als gedacht. Schon seit zwei Tagen merken wir, dass die Kupplung schleift. Dass wir noch so hohe Berge vor uns haben, kommt völlig überraschend für uns. Bergauf gibt es ein Problem. Das Auto fährt nur noch im ersten und zweiten Gang und die Qualmwolke, die es hinter sich herzieht, trägt nicht zu unserer Beruhigung bei. Klaus schleicht hinter einem LKW die Steigung hoch und kann auf einen Parkplatz einbiegen. Der Anruf bei unserem Vermieter hat die strikte Anweisung zur Folge: „Fahren Sie nicht weiter, wir schicken Hilfe.“ Es dauert zwanzig Minuten, dann kommt ein australischer „Gelber Engel“ und leitet uns auf einer steilen Straße durch dichten Wald ein paar Kilometer bergab zur Küste auf einen Campingplatz in Wollongong.

Am nächsten Morgen um zehn Uhr steht ein Abschleppwagen vor unserem Platz. Ein paar Minuten später steht unser Camper hinten auf dem LKW wir sitzen mit im Führerhaus und unterhalten uns angeregt mit dem Fahrer. Unter anderem erzählt er uns, dass der Zusammenstoß eines Autos mit einem Wombat sehr böse Folgen hat. Die Tiere seien so muskulös, dass man das Gefühl habe, gegen eine Betonkugel zu fahren. Gut für uns und den Wombat, dass das nicht passiert ist.

Und so endet unsere Wohnmobiltour. Bestimmt ist das für das Fahrzeug trotz einer Fahrleistung von 360.000 Kilometern noch nicht das Ende. So eine Kupplung ist schnell ersetzt, und teuer ist es auch nicht, erfahren wir.

Jetzt freuen wir uns auf die drei Tage in Sydney.

In Sydney (Australien)

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Mit zwei Koffern und zwei Rucksäcken haben wir den Camper bezogen. Jetzt stehen dort plötzlich vier Rucksäcke, zwei Koffer, eine Stofftasche und eine Kiste mit Lebensmitteln. Merkwürdig, unser Gepäck hat sich vermehrt, obwohl wir viele der extra für den Camper gekauften Dinge in der Vermietstation lassen. 
In den vergangenen 52 Tagen sind wir 12.500 Kilometer gefahren und haben dafür 1.520 Liter Benzin getankt, von 1,32 $ bis 2,00 $ beliefen sich die Preise für einen Liter. Von allem was wir gesehen haben, möchten wir keinen einzigen Kilometer missen, selbst die Strecke in Broome als wir im Sand stecken blieben, war rückblickend ein Erlebnis.
Und nun beziehen wir für einen günstigen Preis ein erstaunlich luxuriöses Appartement in der Nähe des Flughafens. In den 65 m² verlaufen wir uns fast nach der Zeit auf engstem Raum.
Wir sind in ein paar Minuten an der Metro Station und können im 12 Minuten-Takt in die Innenstadt fahren. Mit der aufladbaren Magnetkarte ist das alles sehr unkompliziert.
Der Samstag ist grau in grau, uns zieht es trotzdem ins Zentrum. Die elektronische Schranke an der Metro bucht 2,42 $ von unserem Guthaben ab. Von der Station Central läuft man an der Bucht entlang, immer die Harbor Bridge im Blick.

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Menschen auf der Harbor Bridge

Auch an diesem ungemütlichen Tag sind viele Menschen unterwegs. Restaurants und Geschäfte reihen sich an der Uferpromenade aneinander. Als wir um die Ecke biegen und plötzlich die Oper vor uns sehen, schießen mir die Tränen in die Augen.
DSC06932Irgendwas bringt dieses ungewöhnliche Bauwerk, das auf den Entwurf eines dänischen Architekten zurück geht, in mir zum Beben. So groß haben wir sie uns nicht vorgestellt. Wir laufen die Treppen rauf und drum herum, von jeder Seite sieht sie anders aus. Die Geschichte der Entstehung ist außerordentlich spannend; denn die vorher noch nie gebaute Form erforderte Berechnungen, die kein Mensch ausführen konnte. Auch hier – ich denke an die Elbphilharmonie – überstiegen die tatsächlichen Kosten die veranschlagten um ein vielfaches. Es gab großen Unmut und Schuldzuweisungen, und heute ist Sydney ohne seine Oper undenkbar. Der Architekt allerdings verließ Sydney nach einem Streit mit seinen Auftraggebern und kehrte nie wieder zurück.
Wir haben richtig Glück, seit Ende Mai läuft die Vivid, ein jährliches Ereignis mit Licht, Musik und Kunst. Um 17 Uhr geht es mit Musik los.

Ein paar Bands spielen zur Unterhaltung der Wartenden. Punkt 18 Uhr beginnt die eigentliche Show. Die Dächer der Oper werden zur Projektionsfläche für fantastische bewegte farbige Muster.

Die Harbor Bridge erstrahlt in immer anderen Farbkombinationen. Die ringsum liegenden Hochhäuser werden in unterschiedlichen Farbtönen angeleuchtet. Der botanische Garten – der an das Gelände der Oper anschließt – ist bei freiem Eintritt in diese Zauberwelt eingebunden.

Immer neue überraschende Objekte tauchen vor uns auf. Die Rasenflächen sind mit Schaumgummiplatten belegt, damit die vielen Besucher keine bleibenden Schäden hinterlassen. Auf großen Rasenflächen sind Stände aufgebaut. Verkauft werden alle möglichen kleinen Gerichte und Getränke, sogar Glühwein ist im Angebot. Mehrere Toilettenwagen stehen zur kostenlosen Benutzung bereit. Auf einem Gebäude, das an Dornröschens Schloss erinnert, werden Videos projiziert, die von Studenten der Kunstakademie geschaffen wurden. In einem Teich stehen dicht an dicht Leuchtkugeln in Tennisballgröße auf langen schwankenden Stäben. In unterschiedlichen Intervallen wechseln sie die Farbe, dazu läuft eine Erzählung vom Band, untermalt von Effekten aus der Nebelmaschine.
Nach einer großen Runde kommt man zu einer Hauptstraße. Viele Menschen in Leuchtwesten weisen die Besucher in die richtige Richtung und regeln den Autoverkehr entsprechend. Auf dem Rückweg zur Metro kommen wir am ehemaligen Zollhaus vorbei. Eine Schar Menschen, Erwachsene und Kinder hat sich hier versammelt.
P1110531Auf der Hauswand läuft ein Zeichentrickfilm, es ist die Geschichte von Snugglepot und Cuddlepie. Mit dieser genau 100 Jahre alten Erzählung von May Gibbs über zwei aus einem Gummibaum geschlüpften Babies und ihre aufregenden Abenteuer sind alle australischen Kinder aufgewachsen und deshalb stehen Groß und Klein hier und schauen sich diesen Film im überdimensionalen Format begeistert an. Eine tolle Idee.
Der Sonntag bringt dann wieder Sonnenschein und natürlich nehmen wir auch heute wieder die Metro. An der Station St. James (Hydepark) steigen wir aus.

Alle Geschäfte sind geöffnet, Straßenmusiker beleben die Szene und es herrscht reger Betrieb in der Innenstadt.
Wir laufen zum Darling Harbor Viertel, das natürlich am Wasser liegt und kommen

vorbei am Aquarium, Tierpark und Wachsfigurenkabinett bis zu einer Haltestelle der Fähre. Mit der geht es zurück zur Central-Station. Und vom Wasser aus hat man dann auch den Blick, der auf Millionen Ansichtskarten zu sehen ist: Die Oper hinter der Habor Bridge. An diesem sonnigen Tag sind doppelt so viele Menschen unterwegs wie gestern. Kreuz und quer laufen wir durch das Zentrum, sehen Museen, Theater und Kinos, laufen durch Chinatown und die Market-Hall.
 
Am Montag lassen wir unser Gepäck im Hotel, um ein letztes Mal in die Innenstadt zu fahren. Gestern waren alle Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos. Erstaunlich, Australien hat nur gut ein Drittel unserer Bevölkerung, die Steuern sind niedriger, trotzdem ist der öffentliche Nahverkehr viel günstiger und strecken- oder tageweise sogar kostenlos. Wie machen die das? Heute ist die Metro brechend voll und es kostet auch wieder Geld.

Einmal möchte ich ins QVB (Queen Victoria Building), ein prächtiges Einkaufszentrum im neoromanischen Stil vom Ende des 19. Jahrhunderts. Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt, bis man in die Schaufenster der luxuriösen Boutiquen schaut, aber mich interessiert die Architektur am meisten. Dann laufen wir zum Marinemuseum, wo gerade außerhalb eine öffentliche Ausstellung zum Thema „Container“ stattfindet, natürlich in Containern.
DSC07082Über den Erfinder, die Auswirkungen auf Schiffbau und Schifffahrt und die anderen Nutzungsmöglichkeiten für diese „Normbehälter“, z.B. im Baubereich.
Weiter zum Fischmarkt, der auch zu den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt gehört.

Rundherum gibt es Lokale und einige Menschen sitzen draußen – umlagert von Möwen und Ibissen, die auf milde Gaben hoffen – und verzehren ihr Mittagessen. Eine der Möwen ist besonders dreist und klaut mir den Rest meines Sandwiches direkt aus der Hand.

In der Halle finden wir ein Schlemmerparadies für Fisch- und Meeresfrüchte-Liebhaber. Austern aus verschiedenen Gegenden liegen geöffnet auf blauen Tabletts. Shrimps in allen Größen, Krabben, Muscheln, Krebse und Fische, alles ist auf Eis arrangiert und sieht überaus appetitlich aus. Verkäufer und die Mehrzahl der Kunden sind asiatischer Herkunft. Auch in der Halle kann man essen, es gibt eine Sushi- und eine Lobster-Bar. Jakobsmuscheln werden mit einem Brenner gratiniert und einzeln verkauft und Austern sind ebenfalls stückweise erhältlich.
Ein letzter Blick auf all diese Köstlichkeiten, dann müssen wir aber zurück, unser Gepäck abholen und mit der Metro zum internationalen Flughafen fahren.
Der Schalter unserer günstigen Fluglinie (wir hatten noch zwei Gutscheine vom letzten verspäteten Flug) liegt gefühlte 10 Kilometer vom Eingang entfernt. „Sie haben ein Flugticket für die Ausreise aus Neuseeland?“ fragt der Mitarbeiter am Schalter. Wir schütteln den Kopf. Klar, irgendwann hatte ich das gelesen, aber vollständig vergessen. Ohne ein gültiges Rückflugticket werden wir nicht mitgenommen, was viele Ärgernisse nach sich zieht:

  1. Unser Flug verfällt ersatzlos
  2. Unser gebuchtes Hotel verfällt ersatzlos
  3. Unser gemieteter Camper wartet nur bis zum Ende der gemieteten Zeit auf uns.

Jetzt ist guter Rat teuer. Im Flughafen gibt es ein Reisebüro, dahin bewegen wir uns im Laufschritt.
Eine sehr kompetente junge Dame beratschlagt mit uns, wie es weitergehen kann.
Weiterreise nach Mexiko (nächstes Ziel auf unserer Wunschliste) klappt nicht, weil alle Flüge eine Zwischenlandung in USA haben und wir noch kein ESTA (Electronic System for Travel Authorization = Genehmigung, ein Flugzeug mit Ziel USA zu betreten) haben. Direktflug nach Chile oder Argentinien scheidet aus Kostengründen aus. Rückflug nach Sydney ist die einzige Möglichkeit, die sich auf die Schnelle ergibt. Leider fallen bei einer Stornierung Gebühren an. Wenn wir allerdings selbst buchen, könnten wir kostenlos stornieren.
Dieser Versuch schlägt fehl, die Verbindung bricht immer wieder zusammen, so dass wir doch zurück zu der netten Dame gehen und den Flug nach Sydney buchen. Während sie alle Daten in den Computer eingibt, hastet Klaus noch mal zurück zum Abfertigungsschalter, um Bescheid zu sagen, dass wir noch kommen.
Geschafft, wir haben die Tickets, die Koffer sind aufgegeben, nur noch durch die Passkontrolle, die hier ohne menschliche Mitarbeit stattfindet: Pass auf den Scanner legen, mit unbewegtem Gesicht in die Kamera schauen, und nach einem kurzen Moment öffnet sich die Schranke. Jetzt noch die Sicherheitskontrolle durchlaufen, dann heißt es: „Goodbye Australia!“
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Von Christchurch nach Omarama (Neuseeland)

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Nach dreieinhalb Stunden Flug, durch die Zeitverschiebung jedoch fünfeinhalb Stunden später, erreichen wir Christchurch. Schon im Flugzeug haben wir Formulare bekommen, in denen speziell nach mitgebrachten Pflanzenteilen oder Lebensmitteln gefragt wird. Ich habe schon überall „NEIN“ angekreuzt, dann fällt mir ein, dass ich noch Gewürze im Gepäck habe, und korrigiere das. Vielleicht hat auch die Durchsage, dass falsche Angaben mit Geldstrafen zwischen 400 und 10.000 $ geahndet werden, meinem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen.
Bei der Einreise wird dieser Zettel genauestens angeschaut. Der Zollbeamte, ein Mann mittleren Alters, will ganz genau wissen was wir dabei haben. Rosmarin, Thymian und Pfefferkörner lässt er durchgehen. Trotz der Versicherung, dass ich unsere Trekkingsandalen in der Maschine gewaschen habe muss Klaus den Koffer öffnen; er will die Schuhe sehen. Zufrieden mit dem Ergebnis ist er dann beim Einpacken und Verschließen des Koffers behilflich und wünscht uns einen schönen Aufenthalt in Neuseeland. Alles geht bestimmt aber sehr freundlich vonstatten. Um 2 Uhr nachts verlassen wir mit den letzten Passagieren die Einreisekontrolle.
Am Ausgang ist eine Tafel angebracht, auf der die Hotels in Christchurch aufgeführt sind. Hinter jedem Namen steht eine Nummer, bei unserem die 27. Die rufen wir mit dem daneben stehenden Telefon an und sind mit der Rezeption unseres gebuchten Hotels verbunden. „Wir schicken Ihnen sofort einen Wagen,“ lautet die Antwort und kurze Zeit später sind wir dann im Hotel. Weil wir so spät kommen, dürfen wir das Zimmer morgens eine Stunde länger bewohnen.
Um 12 Uhr werden wir mit dem Auto von der Vermietstation im Hotel abgeholt. Dann dauert es noch eine ganze Weile, bis wir unser neues rollendes Heim bekommen; die Computer sind ausgefallen und die Mitarbeiter müssen alle schon gespeicherten Angaben nochmal per Hand aufnehmen. Schließlich ist auch das geschafft und wir können vom Hof fahren. Dieses Mal haben wir uns für ein größeres Fahrzeug (mit Toilette) entschieden, 7 Meter lang, 2 Meter breit und 3 Meter hoch ist das Vehikel. Heute geht es nur ein paar Kilometer weit, bis zu einem in der Stadt liegenden Campingplatz. Drei Tage bleiben wir in Christchurch, um uns einzurichten, Lebensmittel einzukaufen und die Stadt zu erkunden. Im nahe gelegenen Einkaufszentrum sind am Nachmittag viele Schüler unterwegs. An unterschiedlichen Uniformen kann man erkennen, zu welcher Schule sie gehören. Schottenkaros in klassischen Farben und Mustern gehören zu jeder Kombination.

Im Kaufhaus entdecke ich später eine ganze Abteilung mit Kleidung für Kindergarten- und Schulkinder, getrennt nach den einzelnen Schulen. Die passenden Schuhe stehen gleich im nächsten Regal. Ich glaube, dass diese Regelung für Eltern und Kinder viele Vorteile bringt. Niemand wird gehänselt, weil er die „falsche“ Jeans oder Schuhe einer Marke trägt, die nicht „in“ ist.
Nach den verheerenden Erdbeben 2010 und 2011, bei denen 185 Menschen ihr Leben verloren und 70% der Gebäude zerstört wurden ist der Wiederaufbau in Christchurch schon weit fortgeschritten. Viele supermoderne Gebäude sind entstanden.

Einige alte Fassaden stehen noch, von der Rückseite durch Container gestützt. Überhaupt ist aus dem seinerzeit schnell geschaffenen Provisorium aus Containern durch die begeisterte Zustimmung der Menschen eine dauerhafte Einrichtung geworden.

Cafés, Bars und Shops haben ihr dauerhaftes Zuhause in bunten Containern gefunden.
P1110597Der am Ufer des Avon stehende Bogen der Erinnerung – zum Gedenken an die Gefallenen der verschiedenen Kriege – war beim Erdbeben ebenfalls eingestürzt. 2016 wiedereröffnet hat er nun eine weitere Bedeutung bekommen. Wer Christchurch früher gesehen hat, wird es kaum wiedererkennen.
Eine restaurierte Straßenbahn fährt Touristen auf einer 2,5 Kilometer langen Schleife durch die Innenstadt. Den Weg kann man auch ganz bequem laufen.

Auf dem Platz vor der „Christchurch Cathedral“, die noch immer ohne ihren Turm dasteht, ist eine Schulklasse damit beschäftigt, Informationen zu sammeln. Die Kinder lesen aufmerksam die Texte auf den Informationstafeln, fotografieren oder machen sich Notizen. Ob die Kathedrale an dieser Stelle wieder aufgebaut wird, ist bis heute noch unklar, die noch stehenden Reste sollen jedenfalls abgerissen werden.
Busfahren ist in Christchurch eine beinahe neue Erfahrung. Der Busbahnhof ist eins der neuen großartigen Bauwerke. Rund zwanzig Halteboxen können an dem in Bumerang-Form gestalteten Gebäude angefahren werden. Glastüren öffnen sich automatisch beim Ein- und Aussteigen und die Passagiere stehen nicht im Freien, sondern haben eine geschlossene große helle Wartehalle mit Sitzbereichen, wo sie ihre Handys laden können. In kleinen Läden kann man Essen und Getränke kaufen oder gleich dort verzehren. Und wenn der Bus kommt, stellen sich alle in einer Reihe hintereinander an, niemand drängelt. Wunderbar, man kann aussteigen, ohne sich den Weg freikämpfen zu müssen.
In der Nacht trommelt der Regen auf das Dach unseres Campers und wir befürchten, dass wir auf unsere Fahrt auf die Banks-Halbinsel verzichten müssen. Doch als wir um 10 Uhr den Caravan-Park verlassen, kämpft sich die Sonne langsam durch die Wolken und je weiter wir nach Osten fahren, umso schöner wird es.
Wir staunen über die vielen mehrere Meter hohen und bis zu zwei Meter breiten Hecken, die Weiden und Gebäuden als Windschutz dienen. Bei einer kann man sehen wie hoch die Leiter ist, die der Farmer beim beschneiden eingesetzt hat. Bis vier Meter Höhe ist die Hecke akkurat gestutzt, darüber sprießen die Koniferen in alle Richtungen.
DSC07130 - KopieWir kommen am Forsyth-See vorbei, der die Heimat einer Kolonie Trauerschwäne ist. Langsam wird die Straße schmaler, die Kurven enger und wir stellen fest: „Freie Fahrt für freie Bürger“ wird hier anders interpretiert. Die Geschwindigkeit ist begrenzt, dafür der Straßenrand nicht. Obwohl es links steil bergab geht, hat man auf Leitplanken oder andere Schutzmaßnahmen verzichtet. Nur die üblichen Begrenzungspfähle stehen im Abstand von 25 Metern neben der Straße.

Die Aussicht ist auf jeden Fall spektakulär, eingebettet zwischen alten Bergen vulkanischen Ursprungs liegt eine große Bucht. Die Stadt Akaroa am östlichen Ufer ist unser Ziel. 1838 ließ sich der französische Kapitän eines Walfangschiffes hier ein Stück Land reservieren. 1840 trafen die ersten Siedler aus Frankreich ein und gründeten die Stadt Akaroa.

Noch heute sind viele französische Namen zu finden, aber die Sprache der Einwohner ist inzwischen durchweg englisch.

Von unserem über der Bucht gelegenen Campingplatz mit toller Aussicht führt ein steiler Fußweg in den Ort. Wir kommen am Bowling-Platz vorbei. Ein paar Männer spielen und wir schauen ihnen eine Weile zu. Es erinnert eher an Boule, als an das uns bekannte Spiel mit Kegeln und Kugel. Es gibt eine kleine weiße Holzkugel, die auf dem Kunstrasen ans andere Ende geworfen wird. Die beiden aus drei Personen bestehenden Mannschaften versuchen, ihre eigenen verzierten sechs Holzkugeln die etwa die Größe von Pampelmusen haben so nahe wie möglich an die Zielkugel zu bringen. Sie darf allerdings nicht getroffen werden.DSC07138 - KopieEine der Sehenswürdigkeiten, die St. Patrick Pfarrkirche ist zur Zeit in weiße Folie eingewickelt, wahrscheinlich hat auch sie bei dem Erdbeben Schäden davon getragen, schließlich lag das Epizentrum seinerzeit unter der Halbinsel. Viele hübsche Lokale mit kleinen Gärten liegen link und rechts der Hauptstraße. Die Hänge hinauf stehen Häuser mit unverbaubarem Blick auf die Bucht. In der Saison verzehnfacht sich die Einwohnerzahl auf 7.000. Gute 70 Kilometer von Christchurch entfernt haben sich vermögende Stadtbewohner hier Wochenendhäuser gebaut. Der Blick in den Sternenhimmel in der Nacht ist unglaublich schön.
Noch eine Rundfahrt am nächsten Morgen, dann fahren wir den größten Teil der Strecke zurück und halten uns Richtung Süden. Die Entfernungen sind – im Gegensatz zu Australien – wieder überschaubar. Auf der Bundesstraße herrscht moderater Verkehr und so erreichen wir am Nachmittag die Stadt Oamaru. Wir haben gelesen, dass hier eine Kolonie Zwergpinguine leben soll und die möchten wir gern sehen. Von unserem Caravanplatz direkt am Meer machen uns gleich auf den Weg zum Pinguin-Center.

Auf halber Strecke sehen wir auf einem alten Pier eine große Anzahl Vögel sitzen. Es müssen einige hundert sein, die meisten sind Shags aus der Familie der Kormorane, die bereits ihr Nachtquartier aufgesucht haben.
Im Pinguin Center werden wir zu einer Terrasse geleitet und hören einen Vortrag zur Lebensweise der Tiere und zur Arbeit der Mitarbeiter in der Aufzuchtstation. Die Tiere werden hier nicht gefüttert, ihnen wird nur ein geschützter Bereich zum Schlafen und Brüten geboten. Unbeeindruckt liegt währenddessen eine Pelzrobbe dicht hinter dem Geländer und riecht wie ein Fass verdorbener Fisch.
Die Zwergpinguine oder blauen Pinguine leben an vielen Küstenabschnitten in Neuseeland. Aber nur in Oamaru kehren sie abends in Gruppen von ihrem täglichen Fischfang zurück. Wenn es bereits dunkel ist, sammeln sie sich im Uferbereich. Es kommt uns vor wie ein Zauberkunststück, gerade war der Strand noch leer, und nach der nächsten Welle stehen dort 15 bis 20 dieser niedlichen Tiere. Gemeinsam klettern sie die Felsen hoch, verharren kurz und watscheln dann zu einem Eingang. Mehrmals wiederholt sich das Schauspiel mit einer unterschiedlichen Anzahl von Tieren. Einer nimmt einen anderen Weg, er klettert an der Seite hoch, läuft an der Robbe vorbei und hüpft durch den Zaun. Zwei Meter vor der Terrasse mit den Besuchern bleibt er stehen, seine 20 bis 25 cm zur vollen Größe aufgerichtet und schaut sich an, was da für komische Wesen auf den Stufen hocken. Danach läuft er weiter zu seinem Schlafplatz. Nach eineinhalb Stunden sind 80 Tiere zurückgekommen. Während ihrer Jagd nach Beute legen sie bis zu 100 Kilometer zurück und können 60 Meter tief tauchen. Sie sind total erschöpft und brauchen die Nacht zur Erholung. Die finden sie in einem abgetrennten Bereich, den die Besucher nicht betreten können. Etliche Bruthöhlen – sie erinnern stark an die Häuser der Hobbits – sind ins Erdreich eingegraben und werden von vielen Tieren gern angenommen, einige legen ihre Eier jedoch an anderer Stelle und brüten dann auch dort. Kurz bevor die Sonne aufgeht laufen sie den Weg zurück ins Meer. Fotografieren ist hier leider strengstens verboten.
DSC07167 - KopieWährend wir frühstücken fällt mir gegenüber unter einem Baum eine Bewegung auf. Beim Näherkommen sehe ich, dass eine Pelzrobbe sich hier häuslich niedergelassen hat. Unbemerkt von den vielen Spaziergängern liegt sie hier. Nur die Hunde, die morgens ausgeführt werden, bellen sie an, aber auch das verstehen ihre Herrchen und Frauchen nicht und ziehen sie an der Leine weiter, ohne den merkwürdigen Besucher zu bemerken.
Die Stadt Oamara wurde 1859 gegründet und hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der dort vorkommende Kalkstein ist gut zu bearbeiten und wurde bei vielen älteren Gebäuden verbaut. Seit der Hafen geschlossen ist, hat die Stadt ihre einstige wirtschaftliche Bedeutung verloren. Doch setzt man geschickt auf Tourismus, indem eine alte Bahnstrecke wieder in Betrieb genommen und ein markierter Rundweg durch die Stadt angelegt wurde.

Er führt durch das Hafengebiet, wo in ehemaligen Lagerhallen viele nette Cafés, Geschäfte und Restaurants entstanden sind. Das hervorragend ausgestattete Besucherzentrum hat auch am Sonntag geöffnet und die Dame gibt uns wertvolle Tipps und eine Menge an Material mit. Der Rundgang führt weiter an den alten Häusern aus Limestone (Kalkstein) vorbei durch einen wunderbaren Park.

Nach dem Überqueren der Eisenbahnschienen kommen wir zum alten Friedhof, der sich wellenförmig über zwei Hügel den Hang hochzieht. Mindestens vier Generationen sind hier bestattet worden, und wir verbringen einige Zeit damit, die Inschriften der Grabsteine zu lesen.

Ganze Romane erzählen sie; einer Familie sind zum Beispiel innerhalb eines Jahres zwei Kinder gestorben, die Mutter überlebte sie auch nur um ein Jahr.
Durch ein schönes Wohngebiet, in dem kein Haus dem anderen gleicht, geht es weiter den Hügel hoch.

Doch auch was in den Vorgärten der Häuser wächst, ist faszinierend. Hier ist Spätherbst und Narzissen, Rhododendron und Azaleen beginnen zu blühen. Hortensien und Rosen sind bereits verblüht. Wie eigenartig, dass es Pflanzen gibt, die noch immer die Wachstumsperioden der nördlichen Halbkugel haben. Oben angekommen haben wir einen großartigen Überblick über die Bucht.
Während wir auf einer Bank die Aussicht genießen, kommt ein Paar mit Hund den Weg vom Hafen hoch gelaufen. Wir unterhalten uns eine Weile. Die Frau erzählt begeistert von der historischen Kirche, die bereits 120 Jahre alt ist und muss dann lachen weil ihr einfällt, dass 120 Jahre für eine Kirche in Europa nichts ungewöhnliches ist.
Der Weg bergab durch den dicht begrünten Hügel zeigt uns immer wieder neue Ausblicke. Wir werfen einen letzten Blick auf die Robbe und fahren dann weiter. Die Dame in der Touristeninformation hatte uns einen Rundweg empfohlen, der den Waitaki River entlang ins Landesinnere führt. Leider beginnt es zu regnen und bis wir unseren Campingplatz in Omarama erreichen, hört es auch nicht mehr auf.

Clay Cliffs, Pinguine, Dunedin und der Milford Sound (Neuseeland)

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Am Morgen hat der Regen aufgehört. Es ist noch neblig, aber helle Stellen lassen auf die Sonne hoffen. In der Nähe sind die Clay Cliffs, eine rund 2 Millionen Jahre alte Felsformation, da wollen wir hin. Das Gebiet ist in Privatbesitz und bevor man durch das Tor fährt, liest man ein Schild mit der Aufforderung 5 $ Eintritt pro Auto in die daneben angebrachte Box zu werfen, andernfalls könnte man Ärger mit der Polizei bekommen. Die Box ist bis obenhin voll mit Geldscheinen. Wie man da feststellen kann, wer bezahlt hat und wer nicht, ist mir ein Rätsel. Wir werfen den Betrag fürsorglich in Münzen in die Box, damit sie die bis oben reichenden Scheine herunterdrücken. Zu leicht wären etliche aus dem Schlitz herauszufingern.
Die Straße ist unbefestigt, aber unser Camper hat ganz offensichtlich gute Stoßdämpfer und so ist die Strecke gut zu befahren.

Nach einigen Kilometern sehen wir dann bizarre Felsen mit farbigen Streifen, die unterschiedlichen Schichtungen aus Geröll und Ton erkennen lassen. Ab jetzt geht es zu Fuß weiter. Es muss in den vergangenen Tagen ordentlich geregnet haben, die Wassermassen haben tiefe Gräben in das Erdreich gezogen, Erosion wie aus dem Lehrbuch. Es geht ständig bergauf, und je näher wir den Felsen kommen, umso mehr Geröll liegt auf dem Weg. Durch schmale Durchgänge klettern wir höher und höher, bis es irgendwann so steil wird, dass bei jedem Schritt die Steine unter unseren Füßen wegrollen. Langsam hat sich die Sonne durch den Nebel gekämpft und wir haben zwischen den Felsspalten schöne Ausblicke in die Landschaft. Wir sind schon wieder auf dem Rückweg, als uns mehrere Besucher entgegen kommen. Schön, dass wir das alles für uns allein hatten.

Von hier aus fahren wir eine Landstraße entlang und kommen nach einiger Zeit zu den Elephant-Rocks, verwitterten grauen Kalksteinfelsen die man bei Nebel durchaus für Elefanten halten könnte. Doch für uns lacht die Sonne und wir können – wieder gegen eine kleine Eintrittsgebühr – auf einer großen Wiese herumlaufen, aus der die Felsen mehrere Meter hoch herausragen. Die ganze Gegend ist von diesen merkwürdigen Steinen durchzogen. Ein paar Kilometer weiter besichtigen wir eine Ausgrabungsstelle, an der das Skelett eines Walfisches freigelegt wurde. Gut geschützt liegt es noch hier unter einer Plexiglashaube.
In vielen Kurven fahren wir durch das hügelige Land, links und rechts sind riesige Schafherden auf den Weiden zu sehen. Einige sind richtig neugierig, sie heben die Köpfe wenn wir angefahren kommen und schauen uns hinterher. Hier sind keine Lämmer zu sehen, vielleicht kommen die ja im hiesigen Frühjahr zur Welt.
P1110698Auf der Bundesstraße 1 geht es weiter Richtung Moeraki. Auf einem vorgeschobenen Kap mit Leuchtturm ist eins von mehreren Brutgebieten der seltenen Gelbaugen-Pinguine. Auf einer engen unbefestigten Straße fahren wir bis zum Parkplatz. Vor dort führt ein schmaler Fußweg bis zum Meer.

Es ist nach 16 Uhr und die Pinguine kehren nach und nach aus dem Meer zurück. Sie sind größer und schwerer als die Zwergpinguine und kommen meist einzeln an. Zielstrebig beginnen sie den steilen Aufstieg und begeben sich in ihr Revier, das sie als Paar bewohnen. Ist der Partner noch nicht zurück, stoßen sie laute Rufe aus und warten ungeduldig auf die Rückkehr. Manche laufen sogar den Weg wieder hinunter, um zu schauen ob ein neu angelandeter Pinguin der schmerzlich vermisste Partner ist. Die Begrüßung ist so liebevoll und herzlich, manch ein Mensch könnte neidisch werden.P1110686Ein Stück weiter liegen auf einem grasbewachsenen Vorsprung ein paar Pelzrobben herum. Als wir zurücklaufen hören wir noch immer einige Pinguine rufen.DSC07296Am nächsten Morgen fahren wir zu den Boulders, merkwürdigen runden Felsen, die am Strand liegen. Gerade ist Ebbe, so dass wir über den Strand laufen und diese überdimensionalen Kanonenkugeln aus der Nähe betrachten können. Bei den aufgebrochenen Kugeln ist die kristallisierte Innenseite gut zu sehen. Mit viel Fantasie könnte man glauben, Außerirdische hätten bei Nacht und Nebel einen Globus ihres Heimatplaneten hinterlassen.
In der Nähe liegt eine empfohlene Rundtour. Bei Trotters Gorge halten wir an und laufen einen Wanderweg bis zu einer Höhle. Der Weg führt durch dichte Vegetation und geht leicht bergauf. Als wir auf einem Schild lesen, dass der Weg ab hier bei Nässe gefährlich ist, kehren wir um. Der Mann, der uns in Tarnanzug und Gummistiefeln entgegen kommt meint allerdings, dass sei übertrieben. Zu spät, jetzt gehen wir auch nicht mehr zurück. Ein neugieriger kleiner Vogel folgt uns ein Stück, setzt sich vor uns auf den Weg, dreht und wendet sich, fliegt hin und her und auf und ab. Er ist groß wie eine Meise und hat einen auffälligen Schwanz aus schwarzen und weißen Federn, den er wie einen Fächer aufstellen kann; Fantail = Fächerschwanz ist sein Name und wir werden ihm bei jeder Wanderung begegnen.
Die schmale Straße führt zwischen Felsen hindurch, dazwischen steht der Stechginster in voller Blüte und lässt eher an Frühsommer als Frühwinter denken. Am Nachmittag erreichen wir Dunedin, die schottisch geprägte Stadt an der Südostküste. Wir brauchen wieder einige Lebensmittel und gehen in den Supermarkt. Einkaufen ist in Neuseeland wie auch in Australien ein Erlebnis. Einerseits das Warenangebot, aber was uns immer wieder begeistert, ist der Service. Neben der Kasse ist ein Drehkreuz mit Plastiktüten befestigt. Sorgfältig werden die vom Scanner erfassten Lebensmittel in die Tüten gepackt. Dabei achtet man auf die richtige Sortierung wie kalt zu kalt, Fisch separat usw. Wehe man legt selbst Hand an, das wird von den Damen und Herren an der Kasse nicht gern gesehen. Erst wenn alles sinnvoll und umsichtig verpackt ist, darf man die Tüten in den Einkaufswagen legen.

Zum Übernachten fahren wir über eine Brücke auf die Otago Halbinsel. Die Straße führt gute 10 Kilometer direkt am Meer entlang. Auch hier verzichtet man auf irgendwelche Begrenzungen. Wir fahren begeistert die kurvenreiche Strecke. Auch eine Buslinie gibt es hier, im 30 Minuten Takt verkehrt der Bus nach und von Dunedin. Die Wartehäuschen sind fantasievoll bemalt, jedes mit einem anderen Motiv.
Nach unserer Übernachtung in Portobello fahren wir weiter ans Kap. Pinguine gibt es auch hier, aber am Vormittag sind sie im Meer unterwegs.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Königs-Albatros, für den es hier ein geschütztes Gebiet gibt. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann ein hiesiger Lehrer sich über Jahrzehnte intensiv mit diesen Vögeln zu beschäftigen. Er hat damit so wertvolle Forschungsarbeit geleistet, dass das Wissen über diese Vögel bis heute darauf aufbaut. Als wir erfahren, dass es nicht sicher ist, ob wir überhaupt Albatrosse zu Gesicht bekommen, sparen wir uns die 40 $ Eintrittspreis pro Person und kehren zurück nach Dunedin.
 

Hier wurde 1861 die erste Universität Neuseelands gegründet. Vom Oktagon – dem Zentrum der 120.000 Einwohner zählenden Stadt – laufen wir zur St. Pauls Kathedrale, in der mir besonders ein Glasfenster gefallen hat, das einen starken Bezug zur hiesigen Gegend hat, weder Albatros, noch Pinguin oder Pelzrobbe fehlen in der Darstellung. Eine Statue des schottischen Dichters Robert Burns, Schöpfer des Liedes „Auld Lang Syne“ steht ganz in der Nähe. Wir laufen zum Bahnhof, der den Titel „meistfotografiertes Gebäude Neuseelands“ trägt und aus Basalt und Oamaru-Kalkstein im flämischen Renaissance-Stil vor über 100 Jahren errichtet wurde. Durch seine Größe und und die Kombination aus dunklen und hellen Steinen zieht er alle Blicke auf sich.
Wir wollen heute noch möglichst weit nach Westen und fahren über Milton, Clinton und Gore nach Lumsden. Der dortige Caravan-Park hat bereits für den Winter seinen Betrieb eingestellt, so dass uns nichts anderes übrig bleibt, als nach Sonnenuntergang noch weitere 70 Kilometer weiter zu fahren. Unser Camper ist „self contained“ (er verfügt über ein geschlossenes Abwassersystem) und hat damit die Zulassung für „Freedom-Camping“ – also Übernachten auf freien Park- oder Stellplätzen – aber uns ist das zu kalt, wir brauchen Strom. Der Himmel zeigt zuerst ein spektakuläres Rot, um sich dann in Nebel zu hüllen. Dadurch brauchen wir eineinhalb Stunden bis Te Anau am gleichnamigen See und sind froh, dass der Heizlüfter wohlige Wärme im Camper verbreitet. Als wir dann noch feststellen, dass hier sogar die Waschräume geheizt sind, haben wir die anstrengend Fahrt schnell vergessen.
Am Morgen fahren wir zum Milford Sound. Die Strecke führt am Ufer des Anau Lake entlang und dann ins Gebirge. Dass die Berge hier so steil sind und die Straße sich in engen Kurven bis auf 1000 Meter Höhe windet, kommt unerwartet.

Ebenso der Tunnel in dieser Höhe, der nur eine Fahrspur hat, die durch Ampelsteuerung mal in die eine, dann in die andere Richtung freigegeben wird. Wir haben Rot und müssen warten. Sofort sind ein paar Keas – die frechsten Vögel Neuseelands – da und hoffen auf Futter. Zwar stehen überall Hinweisschilder, dass Füttern verboten ist, aber danach richten sich längst nicht alle Menschen. Deshalb fordern die Papageienvögel recht aufdringlich das, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht. Wenn sie sich langweilen, vergreifen sie sich gern am Dichtungsgummi der Fensterscheiben von geparkten Autos oder öffnen geschickt unbewachte Rucksäcke. Wir schauen ihnen zu, bis die Ampel auf Grün springt und fahren dann durch einen Tunnel, der dem  ADAC-Tunnel- Prüfteam die Tränen der Verzweiflung in die Augen treiben würde, so eng, so dunkel ist die schmale Röhre.
Auf der anderen Seite geht es ebenso steil wieder bergab. Schneereste links und rechts der Straße zeigen, dass hier schon der Winter Einzug gehalten hat. Die Region gehört zu den regenreichsten der Welt, entsprechend ist die Vegetation.

Den Milford Sound – einen 14 Kilometer langen Fjord kann man nur vom Boot aus richtig sehen, die Berge links und rechts sind steil und dicht bewachsen, laufen ist hier unmöglich und so kaufen wir uns für die Nachmittagstour Tickets. Dick eingepackt in zwei Vlies- und eine Regenjacke und ausgestattet mit Mütze und Handschuhen gehen wir mit vielleicht 20 Passagieren an Bord. Der Kapitän erklärt Landschaft, Sehenwürdigkeiten – wie Wasserfälle und macht auf Tiere aufmerksam. Delfine tauchen am Ende des Fjords auf, Seebären spielen im Wasser und als Zugabe sehen wir noch zwei Königs-Albatrosse. Als wir ganz nah an einen starken Wasserfall fahren, werden uns dicke rote Regenjacken angeboten. Danach tut ein heißer Tee gut, den man sich selbst zubereiten kann. Um halb fünf legt das Boot wieder an und völlig durchfroren entschließen wir uns, die gut 75 Kilometer lange Strecke nach Te Anau zurückzufahren. Hier gibt es nur Stellplätze ohne Stromanschluss, aber ein warmer Camper ist zu verlockend. Wir durchfahren den Tunnel 30 Minuten bevor er für diesen Tag um 18 Uhr geschlossen wird. Kaum ein anderes Auto ist zu dieser Zeit in der Dunkelheit noch unterwegs. Ein Opossum überquert vor uns die Straße. Nur weil ich einen Schlenker fahre, entgeht es dem sicheren Tod. Glück gehabt, kleines Pelztier.

Queenstown, Gletscher und die Great Ocean Road (Neuseeland)

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Nach dem Frühstück schauen wir uns noch ein wenig in der kleinen Stadt Te Anau um. Im Sommer ist hier ein Paradies für Wassersportler, Angler und Wanderer. Um diese Jahreszeit haben die Bewohner die Stadt fast für sich.

Wir haben ein paar technische Probleme mit unserem Camper und einen Termin in einer Werkstatt in Queenstown vereinbart. Die Fahrt geht zurück nach Lumsden und dann nordwärts am Ufer des Lake Wakatipu entlang durch Franklin bis nach Queenstown. Zuerst fahren wir in die Werkstatt, wo uns zumindest in einer Sache geholfen wird. Dann suchen wir uns einen Platz zum Übernachten. Die Stadt liegt eingebettet zwischen Bergen am Ufer des Sees. Vor allem junge Leute lieben diese Stadt, die den Beinamen Abenteuerhauptstadt der Welt trägt. Hier wurde Bungee-Jumping entwickelt und ist bis heute eine Hauptattraktion der Stadt. Von einem der Berggipfel kann man mit dem Gleitschirm fliegen. Und natürlich ist in den Bergen in dieser Jahreszeit Wintersport möglich. In der Stadt reiht sich Geschäft an Geschäft. Andenken und Sportmode wechseln sich dabei ab. Natürlich gibt es auch Lokale jeglicher Art, in einigen sitzen die Gäste sogar noch draußen. Soviel Touristen haben wir bisher in keiner anderen Stadt gesehen. Auch der Caravan-Park ist in unseren Augen ungewöhnlich voll.

Als wir am Seeufer entlang laufen, wird ein merkwürdiges Gebilde aus dem Wasser gezogen; ein zwei bis drei Meter langer Haifisch aus Kunststoff mit einer Glaskuppel anstelle der Rückenflosse. Zwei junge Männer erzählen uns, dass es so etwas nur hier gibt. Ein Passagier setzt sich in den Fischbauch und saust dann über und unter der Wasseroberfläche durch den See. Irgendwann schießt der grinsende Hai dann 1,50 Meter hoch in die Luft und knallt wieder aufs Wasser.
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Weiter am See entlang kommen wir zu einer Gedenktafel. Francis St. Ormer aus Marseilles hat es im 19. Jahrhundert zu Ansehen und Wohlstand gebracht. Er hatte die Idee und als Ratsherr auch die Möglichkeit, das bis dahin unbegrünte Seeufer mit Bäumen zu verschönern und begann zu pflanzen. Nach seinem Tod führten andere seine Mission fort. Queenstown verdankt ihm einen herrlichen Park, der Einheimische und Besucher erfreut.
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Queenstown liegt wunderschön, aber die meisten Highlights dieser Stadt sprechen uns nicht besonders an. Für uns reicht ein Tag hier und so fahren wir am Samstagmorgen nach Wanaka. Wir meiden die kurze Strecke durch die Berge, zu viele Menschen sind hier bereits mit Skiern oder Snowboards unterwegs. Wir fahren zuerst nach Cromwell. Geheimnisvoll wabert der Nebel durch das Tal. Verschwommen tauchen links und rechts der Straße Weingärten auf. Die Weingüter haben so prosaische Namen wie: Nasse Jacke oder Verrückter Hund. Als wir Wanaka am gleichnamigen See erreichen, ist die Sonne endgültig herausgekommen. Auch diese Stadt ist offenbar ein beliebter Ausflugsort für Wochenenden. Besonders Familien mit Kindern zieht es wegen eines Vergnügungsparks hier her.

Wir halten an einem Parkplatz, von wo aus man zu den Blue Pools laufen kann. Der Weg ist einfach fantastisch, wir kommen uns vor wie in der Filmkulisse vom „Herrn der Ringe“, alle Bäume mit dickem Moos bewachsen, große Baumfarne und ein angelegter Weg, bei dem die Holzplanken noch zusätzlich mit Kaninchendraht belegt sind, damit man bei Nässe nicht rutscht. Unser kleiner Freund, der Fantail ist auch wieder da und begleitet uns über die Hängebrücken bis zum klaren, heute blaugrünen Wasser.

Heute fahren wir noch weiter bis nach Haast, einer Stadt einige Kilometer von der Westküste entfernt. In dieser Nacht, gießt es wie aus Kübeln.

Am Morgen sieht der Himmel aus, als wüsste er nicht, wie Regen geht. Nach ein paar Kilometern sind wir an der Küste und halten am Ship Creek. Von hier aus kann man zwei Rundtouren laufen, die eine geht durch den Regenwald, die andere an der Küste entlang. Wir entschließen uns für den Regenwald und sind schnell gefangen genommen von dem herrlichen Weg. Auch hier wurden Stege angelegt, damit man durch das sumpfige Gebiet laufen kann, ohne die Pflanzen zu zerstören oder stecken zu bleiben. Der Weg schlängelt sich unter dichten Bäumen hindurch. Er gefällt uns so gut, dass wir anschließend auch noch den Küstenweg laufen.

Unser nächstes Ziel ist das Gletschergebiet und wir erreichen am Nachmittag den Ort Fox, wo wir direkt den Weg zum Gletscher nehmen. Die Zufahrtsstraße ist eng und immer wieder gibt es einspurige Stellen, die mit 10 kmh befahren werden müssen. Dabei hat der abfließende Verkehr immer Vorfahrt. Der große Parkplatz ist jetzt um 16 Uhr schon ziemlich leer. Für den steinigen Weg zum Gletscher und zurück braucht man heute eine Stunde und zwanzig Minuten verkündet die Informationstafel. Das müsste noch zu schaffen sein, die Sonne geht kurz nach 17 Uhr unter, dann ist es noch hell genug für den Rest des Rückweges. Es geht stetig bergauf, am Rand des Fox-River entlang. Ein paar Rinnsale müssen wir überqueren, mal über Brücken, mal über Steine. Und dann haben wir es geschafft, der Aussichtsbalkon ist zwar immer noch 450 Meter vom Gletscher entfernt, aber näher kommt man ihm nur in Begleitung von ausgebildeten Bergführern. Damit niemand auf die Idee kommt, doch über die Absperrung zu klettern, hängen zur Abschreckung Zeitungsartikel auf der Infotafel, die von tragischen Todesfällen berichten. Als wir bereits die Hälfte des Rückwegs geschafft haben, kommen uns noch etliche Wanderer entgegen, die auch um diese Zeit den Weg noch wagen wollen.

Nach der Übernachtung in Fox wollen wir am nächsten Morgen auch noch zum Franz Josef Gletscher. Der Weg zum dorthin ist 4 Kilometer lang und führt durch Regenwald. Näher als bis auf 750 Meter kommt man aber nicht heran. An diesem strahlenden Tag stört nur das Dröhnen der Hubschrauber, die Touristen über das Gletschergebiet fliegen. Wir sind uns einig, dass sich Gletscher doch unheimlich ähnlich sehen und verzichten auf den Weg. In einem knappen Kilometer Entfernung gibt es einen Aussichtspunkt, von dort schauen wir uns Franz Josef an. Eigentlich sieht er aus wie Fox. Noch ein Abstecher zum Peters Pool, einem kleinen spiegelglatten See, in dem sich das Panorama spiegelt. Als wir zum Parkplatz zurückkommen, tollen dort drei Keas herum.

Wir übernachten in Greymouth und stocken unsere Vorräte auf, bevor wir weiterfahren. Die Küstenstraße wird zu den zehn schönsten der Welt gerechnet. Viele Male fahren wir auf Parkplätze, um Zeit zum fotografieren und anschauen zu haben.

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke nach Westport liegt Punakaiki mit seinen Pancake Rocks (Pfannkuchenfelsen) und den Blowholes (Blaslöchern). Ein Rundweg führt durch große Stauden von Neuseeland-Flachs zu verschiedenen Aussichtsstellen. Der Kalkstein ist so verwittert, dass es aussieht, als liegt Schicht für Schicht übereinander – wie Pfannkuchen eben. Wenn hohe Wellen in die ausgewaschenen Felsen strömen, bläst das Wasser Fontänen hoch wie ein Wal. Von unserem Aussichtsbalkon sehen wir, wie manche Welle Gischt in Regenbogenfarben hinter sich herzieht.

Der Caravan-Park in Westport wirkt etwas herunter gekommen. Gammelige Wohnwagen, die wahrscheinlich auseinanderfallen, wenn man sie von der Stelle bewegt und Wohnmobile, die seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut werden haben hier Wurzeln geschlagen. Als Neuankömmling fühlt man sich etwas fehl am Platze. Aber für eine Nacht ist das kein Problem.

Jetzt, wo die Nächte kälter sind, ist es interessant zu sehen, wie die campingerfahrenen Frauen morgens in die Waschräume kommen. Sie tragen 2 Zentimeter dicke flauschige Schlafanzüge und darüber ebensolche Bademäntel mit Kapuze. Von einem Bären sind sie nur durch Farbe und Muster zu unterscheiden, beliebt sind Leopardenmuster in rosa oder flieder. Es gibt auch die passenden Hausschuhe.

Die Straße, die von Westport beinahe 100 Kilometer nach Norden führt, endet bei Kohaihai am Heaphy Track. Von hier aus geht es nur zu Fuß weiter. Man muss also die ganze Strecke wieder zurückfahren, um weiter nach Norden oder Osten zu kommen. Trotzdem entschließen wir uns, diese Gegend zu besuchen. Wir haben ein bisschen darüber gelesen und wollen uns die Sehenswürdigkeiten nicht entgehen lassen.

Die Häuser links und rechts der Straße werden kleiner und wirken ärmlich. Bei Weimangaroa führt eine Straße sieben Kilometer weit in die Berge auf 600 Meter Höhe nach Denniston. Hier begann man 1880 sehr hochwertige Kohle abzubauen. Über eine Schrägseilbahn wurde die Kohle ins Tal transportiert, von wo aus sie per Eisenbahn weiterbefördert wurde. Der Bau dieser Seilbahn muss den Menschen alles abverlangt haben, dieses unwegsame Gelände, der Höhenunterschied, man kann nur staunen.

Beinahe 90 Jahre lang lebten hier auf dem Plateau bis zu 1400 Menschen. Es gab eine Schule und Häuser für die Arbeiter und ihre Familien. Das Haus des Direktors hatte viele Schlafzimmer und schon ein Badezimmer, um die von Zeit zu Zeit kommenden Besitzer der Mine zu beherbergen. Heute sieht man nur noch die Grundmauern. Nur die Verladestation ist noch gut erhalten.

Ein paar Kilometer weiter beginnt in Ngakawau der Charming Crek Walkway. Er soll zu den schönsten Wanderwegen der Südinsel gehören. Da er nicht als Rundweg angelegt ist, wollen wir nur ein paar Kilometer laufen.

Der Weg folgt einer alten Eisenbahnstrecke für den Kohle- und Holztransport am Rande eines Flusses. Wir laufen zunächst auf ebener Strecke, danach wird es kurvenreicher und der Weg beginnt zu steigen. Ein kleiner Tunnel ist zu durchlaufen, mal sind die Schienen unter Geröll verborgen, dann wieder sichtbar. Als wir am Wegesrand einen leeren Kinderwagen stehen sehen, wundern wir uns. Einen Kilometer weiter kennen wir die Zusammenhänge. Zwei junge Mütter kommen uns mit vier kleinen Kindern entgegen, die ältesten im Kindergartenalter, die jüngeren noch keine zwei Jahre alt. Wir sind schon etwas erstaunt, wie unbefangen die Frauen die Kleinen hier in diesem steilen Gelände laufen lassen. Ein paar Meter tiefer tost der Fluss, wie schnell kann ein Kind stolpern und den Abhang herunterrollen. Sie versichern uns, ihre Kinder lieben diesen Weg, besonders die Hängebrücke, die wir als nächstes überqueren. Wir wünschen ihnen noch eine sichere Rückkehr und laufen über die Brücke und durch einen weiteren Tunnel und bestaunen den Wasserfall, der nun vor uns liegt. Wir laufen noch bis zu einer Mühle und kehren dann um. Das schönste Stück des Weges haben wir jetzt sowieso geschafft. Als wir zum Parkplatz zurückkehren ist das Auto der Frauen nicht mehr dort.

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Wir fahren nach Seddonville, hier endet der Wanderweg. Wir suchen uns einen Caravan-Park, um hier die Nacht zu verbringen. Das Haus mit Empfangsbüro, Aufenthalts- und Waschräumen war früher die Schule. Wir schlafen trotzdem gut.