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Die Sache mit dem Computer muss ich noch aufklären: Extra für die Reise haben wir ein günstige kleines Netbook bei einem Internethändler gekauft. Obwohl er internetfähig sein sollte hat das nie richtig geklappt. Wir haben schon in Sri Lanka einen entsprechenden externen WiFi-Adapter gekauft. Damit lief es meistens recht ordentlich. Nur hat die Sache meinem technikbegeisterten Mann keine Ruhe gelassen, so dass wir ihn in Kuala Lumpur zur Reparatur gegeben haben. Hier wird wirklich noch Alles repariert. Aus den ursprünglich veranschlagten zwei Stunden Zeit wurden mehr als sechs. Der Techniker erklärte überzeugend, dass er jetzt problemlos laufe und zeigte das auch. Klaus ging gerade bezahlen, als ich mich noch mal vom Erfolg überzeugen will – es ging wieder nicht. Im anschließenden Trubel und intensiver Rumprobiererei fiel mein treues Arbeitsgerät auf den Boden. Voller Panik kaufen wir preiswert ein gebrauchtes Notebook, damit ich weiter am Blog arbeiten kann. Erst am nächsten Tag merken wir, dass unser Netbook doch noch läuft, nur ohne die Bildschirm-Touchfunktion. Mit externer Maus kann ich immer noch arbeiten. Doch jetzt gab es in unserem Camper einen zweiten Unfall, etwas Schweres fiel auf das angeschlossene Ladekabel. Der Bildschirm hat jetzt zwei eingedrückte Stellen und innen ist irgend etwas gerissen. Wenigstens können wir die bereits geschriebenen Texte und hochgeladenen Fotos noch retten. Nun arbeite ich mit dem gebrauchten Laptop mit englischer Tastatur und einigen Macken; wir werden uns schon aneinander gewöhnen.
Es ist kaum zu glauben, wir waren monatelang in „unterentwickelten“ Ländern unterwegs und hatten so gut wie immer freies WLAN. In Australien ist das ganz anders. Öffentliches WLAN gibt es nur selten, und wenn ein Caravan Park das mal anbietet, steht es oft nur während der Büro-Öffnungszeiten zur Verfügung. Bilder lassen sich erst gar nicht in den Text hochladen, dafür reicht die Leistung nicht aus. Wir müssen das Handy als Hotspot benutzen, funktioniert aber auch nur sehr begrenzt. Soviel wir wissen, gibt es keinen Anbieter, der ganz Australien abdeckt, aber das ist in diesem riesigen Land wohl auch zu viel verlangt.
Wir sind unterwegs zur Shark Bay. Von Carnarvon sind es nur 100 Kilometer – Luftlinie. Gefahren sind wir am Ende 360 Kilometer.
Wir kommen an einem Hügel vorbei, von dem aus man eine gute Sicht haben muss, also biegen wir ab und fahren hoch. Oben ist eine merkwürdige Ansammlung von Steinen und Gegenständen. Hier haben Hinterbliebene ihrer verstorbenen Lieben gedacht und sich auf sehr persönliche Weise von ihnen verabschiedet.
Shark Bay hat zwei Halbinseln, die wie Finger nach Nordwesten zeigen. Unser erster Stopp ist am Hamelin Pool. Hier kann man auf einem hölzernen Zugang eine der wenigen noch existierenden Stromatolithen-Kolononien der Welt besichtigen. In diesem Sedimentgestein stellen Mikroorganismen eine der ältesten Lebensformen dar. In der glühenden Mittagssonne stehen wir auf dem Steg und staunen.
Ein paar andere Touristen sind mit uns hier und huldigen diesen lebenden Fossilien jeder auf seine Art. Ein Franzose spielt ihnen etwas auf der Gitarre vor, die Asiaten halten sie immerhin für wichtig genug, um sie als Hintergrund für ihr Selfie zu akzeptieren. Ein paar Glücksschwalben gleiten als Zugabe elegant über das Wasser.
Weiter führt uns die Straße durch die wüstenartige Landschaft auf dem ersten Finger nach Norden. Hin und wieder leuchtet links oder rechts das Meer auf. Die einzige Stadt ist Denham, die uns auf den ersten Blick nicht besonders gefällt. Wir fahren noch 25 Kilometer weiter nach Monkey Mia, dem letzten erreichbaren Punkt für unseren Camper. Weiter nach Norden kann man nur noch mit 4WD-Fahrzeugen gelangen. Der Campingplatz ist gesperrt, weil hier groß renoviert und erweitert wird. Gut dass wir den Eintrittspreis für 2 Tage Nationalpark noch nicht bezahlt haben. Also doch zurück nach Denham und als wir in unserem Cararavan-Park sind, wo die Fahrzeuge auf Millionen von kleinen weißen Muschelschalen stehen, finden wir es plötzlich doch schön hier.
Nachdem alles aufgebaut ist, laufen wir zum Meer, spazieren auf der Promenade und gehen auf den Pier. Hier treffen wir unseren Nachbarn und seine Frau vom Campingplatz. Beide halten Angeln ins Wasser, sie haben Spezialköder für Kalmare. Wir unterhalten uns eine Weile und ich frage, ob es in Australien einen Gruß für Angler gibt. Als sie verneint, erzähle ich ihr von „Petri heil!“
Mit diesem Gruß verabschieden wir uns von den beiden. Kaum haben wir ihnen den Rücken zugedreht, ertönt hinter uns ein Freudenschrei. Bei der Nachbarin hat einer angebissen. Und der reicht schon für das Abendessen. Inzwischen hat die untergehende Sonne alles wieder in ein magisches Licht getaucht und wir laufen auf breiten Bürgersteigen bergauf zu unserem Campingplatz.
Interessant: Die Hausnummern stehen hier vor jedem Haus auf den Kantsteinen. Damit fällt es Besuchern aber auch Feuerwehr- oder Krankenwagenfahrern leicht, sich zurecht zu finden.

Nach dem Frühstück fahren wir noch einmal nach Monkey Mia. Hier leben Delfine, Dugongs (Seekühe), Meeresschildkröten, Rochen und andere Tiere. Das Ticket für den Park hat 24 Stunden Gültigkeit, wir könnten also am nächsten Vormittag noch mal wiederkommen. In den 60er Jahren haben Fischer begonnen, Delfine mit Fischresten zu füttern. Bis in die heutige Zeit kommen die Delfine morgens an den Strand und werden gefüttert. Zuschauer müssen um 7.30 Uhr dort sein und werden in drei Gruppen eingeteilt. Im Abstand von 1 Stunde gibt es „Frühstück.“ Die Delfine sind namentlich bekannt und auf einer großen Übersichtstafel steht, wer in den letzten sieben Tagen zu welcher Zeit dort war. Die zuschauenden Menschen werden nur als Zahl erfasst.
Wir sind zur falschen Zeit dort, sehen aber Schildkröten. Die werden hier nicht angefüttert, aber in der Shark Bay gibt es große Seegraswiesen, die sie gerne besuchen. In diesem Nationalpark läuft ein Programm zur Wiederansiedlung der ursprünglichen Flora und Fauna. Dafür geht es Katzen und Ziegen buchstäblich an den Kragen. Viele der kleinen Beutelsäuger sind durch eingeschleppte Katzen nahezu verschwunden und die verwilderten Ziegen haben den Bestand an Kleingehölzen beinahe vollständig weg gefressen. Ob diese rückwärts gewandte Maßnahme Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten.
Nach einem Erkundungsgang bis an die Spitze fahren wir zurück. Eine Stichstraße führt zu einer Lagune, die über einen relativ schmalen Kanal mit dem Meer verbunden ist. Die Sonne brennt unerbittlich vom Himmel und nirgends am Strand gibt es Schattenplätze, so dass wir auch hier wieder weiterfahren. Aber der Kanal interessiert uns noch. Dieser speist die Lagune und fließt je nach Tide hin und her.
Als wir den sandigen Parkplatz ansteuern kommen uns zwei ausgewachsene Emus entgegen. Gerade hatten wir in Monkey Mia gelesen, dass man dort versucht hatte, einen aggressiven Emu umzusiedeln. Entgegen allen Warnungen und Bitten war er von Besuchern gefüttert worden. Nachdem er sich an diese leichte Nahrungsbeschaffung gewöhnt hatte, forderte er später immer aggressiver die ihm zustehenden Rationen. Mit heftigen Schnabelhieben ging er besonders auf Hunde los. Leider hat er die Gefangennahme nicht überlebt. Bei den Emus übernimmt das Männchen das Ausbrüten der Eier und die Aufzucht der Jungen. Die überaus starke Familienbindung lässt gefangene männliche Tiere vor Kummer eingehen. Wir steigen langsam aus dem Auto, aber die Emus zeigen keinerlei Interesse an uns, und wir trauen uns näher heran, um zu fotografieren.
Am Montag Morgen verlassen wir Denham. Ein kurzer Stopp an der Shell Bay ist unvermeidlich. Ein riesiger Strand aus Muscheln. Überall stehen Schilder, dass hier keine Muscheln gesammelt werden dürfen. Das interessiert aber Niemanden. Entweder sieht man tiefe Löcher oder die Menschen laufen mit Plastiktüten herum und sammeln. Es ist auch nicht so recht einzusehen, dass das Sammeln hier verboten ist, während am rechten Ende des Strandes mit Baggern die Muschelberge abgetragen werden und wie in unserem Caravan Park als Bodenbelag oder wie bei vielen Häusern als Beimischung im Verputz verwendet werden.
Weiter geht die Fahrt nach Kalbarri. Der Nationalpark gleichen Namens war uns als sehr sehenswert empfohlen worden. Die Anzahl der toten Kängurus, die wir heute zu sehen bekommen, ist unglaublich. Zum Glück gibt es auch schöne Dinge zu sehen. Wieder ändert sich die Vegetation. Links und rechts der Straße unzählige Bäume mit Blättern, die aussehen wie Laubsägearbeiten. Die übergroßen Blüten leuchten orange aus dem Blattgrün.
Es sind Banksien, die in vielen verschiedenen Formen im Südwesten Australiens vorkommen. Am Straßenrand fallen uns immer wieder gelbgrüne Kugeln auf. Es sieht aus, als ob ein mit Limetten beladener Lastwagen hier seine Fracht verloren hätte. Später finden wir heraus, dass es sich um wilde Melonen handelt, die zwar nicht giftig, aber bitter sind.
In Kalbarri wohnen wir direkt am Fluss. Ein schöner Weg führt am Ufer entlang zum Supermarkt, der für diesen kleinen Ort eine erstaunliche Auswahl an Lebensmitteln bietet. Obwohl es hier schon merklich kühler ist, können wir abends noch draußen sitzen und machen die Bekanntschaft von Irina und Marita aus Süddeutschland. Sie sind vor vier Tagen in Perth angekommen und fahren den umgekehrten Weg. Da gibt es eine Menge zu erzählen.
Am nächsten Morgen wollen wir die berühmteste Sehenswürdigkeit des Nationalparks besichtigen, das Natures Window. Aber wir stehen vor einer gesperrten Straße. „Controlled burning“ steht heute auf dem Schild, also Abbrennen des Unterholzes. Enttäuscht müssen wir umdrehen, fahren erst zu einem neu errichteten Aussichtspunkt auf einem kleinen Berg, danach ins Besucherzentrum in Kalbarri. Versehen mit Broschüren über die Südwest- und Südküste fahren wir zur Küste, um dort die anderen Sehenswürdigkeiten des Parks zu besichtigen. Am Red Bluff treffen wir unsere Nachbarinnen von gestern Abend wieder.
Wir sollen unbedingt zurückfahren, um die vom Murchison River modellierte Schlucht zu besuchen, empfehlen uns die beiden Frauen. Das machen wir doch, dabei sehen wir die Rauchwolken des „Controlled Burnings“ über dem Park und an zwei anderen Stellen.
Später halten wir noch an verschiedenen Aussichtspunkten an der Küste, um die vom Meer gestaltete Felsenküste zum Beispiel mit der „Natural Bridge“ zu sehen.
Vorbei am Pink Lake – einer Lagune in der Algen Beta Carotin produzieren, das übrigens von einem deutschen Chemieriesen geerntet wird – erreichen wir unser heutiges Etappenziel.
Port Gregory hat einen schönen Strand und ein vor der Küste liegendes Riff. Das ist ideal für Kitesurfer und Hobbyfischer die diesen 150 Einwohner zählenden Ort gerne aufsuchen.








































Später im Camper schaue ich vom Computer auf und da sitzen zwei Kängurus – keine drei Meter vom Fenster entfernt. Aufgeregt fotografieren wir zuerst von drinnen, dann versuchen wir leise die Schiebetür zu öffnen und laufen auf Socken nach draußen. Die Australier wundern sich über uns, so viel Aufregung wegen zweier Kängurus. Aber sie verhalten sich still und warten ab, bis wir die Tiere genug Fotos gemacht haben. Wir sind richtig glücklich!
Während wir noch eine Information über die vermutlich astronomischen Preise, suchen legt die Fähre an. Als erstes Fahrzeug können wir gar nichts anderes tun, als loszufahren. Die Fähre wird mit zwei Stahlseilen über den Fluss gezogen und kostet NICHTS.
Leider ist keine Saison, so dass wir wir die Spezialität des Ortes nicht probieren können. Nach Robe müssen wir laut Tipp unserer Bekanntschaft aus Strathalbyn unbedingt fahren. Am Straßenrand läuft ein junger Schnabeligel, eines der eierlegenden Säugetiere Australiens. Allein dafür hat sich der Abstecher gelohnt. Nachdem wir ihn fotografiert haben, fahren wir weiter zu unserem heutigen Campingplatz nach Millicent.









Irgendwas bringt dieses ungewöhnliche Bauwerk, das auf den Entwurf eines dänischen Architekten zurück geht, in mir zum Beben. So groß haben wir sie uns nicht vorgestellt. Wir laufen die Treppen rauf und drum herum, von jeder Seite sieht sie anders aus. Die Geschichte der Entstehung ist außerordentlich spannend; denn die vorher noch nie gebaute Form erforderte Berechnungen, die kein Mensch ausführen konnte. Auch hier – ich denke an die Elbphilharmonie – überstiegen die tatsächlichen Kosten die veranschlagten um ein vielfaches. Es gab großen Unmut und Schuldzuweisungen, und heute ist Sydney ohne seine Oper undenkbar. Der Architekt allerdings verließ Sydney nach einem Streit mit seinen Auftraggebern und kehrte nie wieder zurück.
Auf der Hauswand läuft ein Zeichentrickfilm, es ist die Geschichte von Snugglepot und Cuddlepie. Mit dieser genau 100 Jahre alten Erzählung von May Gibbs über zwei aus einem Gummibaum geschlüpften Babies und ihre aufregenden Abenteuer sind alle australischen Kinder aufgewachsen und deshalb stehen Groß und Klein hier und schauen sich diesen Film im überdimensionalen Format begeistert an. Eine tolle Idee.
Über den Erfinder, die Auswirkungen auf Schiffbau und Schifffahrt und die anderen Nutzungsmöglichkeiten für diese „Normbehälter“, z.B. im Baubereich. 
Der am Ufer des Avon stehende Bogen der Erinnerung – zum Gedenken an die Gefallenen der verschiedenen Kriege – war beim Erdbeben ebenfalls eingestürzt. 2016 wiedereröffnet hat er nun eine weitere Bedeutung bekommen. Wer Christchurch früher gesehen hat, wird es kaum wiedererkennen.
Wir kommen am Forsyth-See vorbei, der die Heimat einer Kolonie Trauerschwäne ist. Langsam wird die Straße schmaler, die Kurven enger und wir stellen fest: „Freie Fahrt für freie Bürger“ wird hier anders interpretiert. Die Geschwindigkeit ist begrenzt, dafür der Straßenrand nicht. Obwohl es links steil bergab geht, hat man auf Leitplanken oder andere Schutzmaßnahmen verzichtet. Nur die üblichen Begrenzungspfähle stehen im Abstand von 25 Metern neben der Straße. 
Während wir frühstücken fällt mir gegenüber unter einem Baum eine Bewegung auf. Beim Näherkommen sehe ich, dass eine Pelzrobbe sich hier häuslich niedergelassen hat. Unbemerkt von den vielen Spaziergängern liegt sie hier. Nur die Hunde, die morgens ausgeführt werden, bellen sie an, aber auch das verstehen ihre Herrchen und Frauchen nicht und ziehen sie an der Leine weiter, ohne den merkwürdigen Besucher zu bemerken.
Auf der Bundesstraße 1 geht es weiter Richtung Moeraki. Auf einem vorgeschobenen Kap mit Leuchtturm ist eins von mehreren Brutgebieten der seltenen Gelbaugen-Pinguine. Auf einer engen unbefestigten Straße fahren wir bis zum Parkplatz. Vor dort führt ein schmaler Fußweg bis zum Meer.
Ein Stück weiter liegen auf einem grasbewachsenen Vorsprung ein paar Pelzrobben herum. Als wir zurücklaufen hören wir noch immer einige Pinguine rufen.
Am nächsten Morgen fahren wir zu den Boulders, merkwürdigen runden Felsen, die am Strand liegen. Gerade ist Ebbe, so dass wir über den Strand laufen und diese überdimensionalen Kanonenkugeln aus der Nähe betrachten können. Bei den aufgebrochenen Kugeln ist die kristallisierte Innenseite gut zu sehen. Mit viel Fantasie könnte man glauben, Außerirdische hätten bei Nacht und Nebel einen Globus ihres Heimatplaneten hinterlassen.
