Guadalajara und der Chapalasee (Mexiko)

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Um 15 Uhr Ortszeit landen wir in Los Angeles. Herrlich, es ist ungefähr 26 Grad warm. Zum Genießen sind wir jedoch zu müde und sinken im Hotel gleich aufs Bett, Schlaf nachholen. Da unser Flug nach Mexiko erst am nächsten Abend um 21.30 startet, deponieren wir am morgens unser Gepäck im Hotel und lassen uns an den nahe gelegenen  Strand von  Hermosa-Beach fahren.

Vor dem Pier sind Marktstände mit Kleidung, Schmuck und Lebensmitteln aufgebaut, im Wasser versuchen sich die Surfer und am Strand haben sich die Sonnenanbeter ihren Platz gesucht. Der richtige Tag um auf der Strandpromenade spazieren zu gehen und die vielen schönen Häuser zu bewundern. Ab und zu hört man aus Lokalen das Gejohle der Fußballfans, die beim Spiel um den dritten Platz bei der diesjährigen Weltmeisterschaft mitfiebern.
Unser Flug startet ohne Verzögerung, so dass wir nach drei Stunden Flugzeit (Zeitverschiebung + 2 Stunden) um 1.30 Uhr Ortszeit in Guadalajara landen. Die Zufahrt zum Hotel ist mit einer Schranke gesichert, zusätzlich steht ein Wachmann mit Maschinenpistole daneben. Der Taxifahrer muss seine Papiere vorweisen, für uns interessieren sich die grimmig dreinblickenden Herren nicht. Erst nachdem sie mit der erhaltenen Auskunft zufrieden sind, wird die Schranke geöffnet und das Auto schraubt sich in weiten Kurven eine gepflasterte Straße hoch bis zu einem ausgedehnten Hotelkomplex im Hacienda-Stil. Um drei Uhr sind wir endlich in unserem riesengroßen Zimmer mit Holzbalkendecke, schweren Möbeln und ausladendem Bett.
An Schlaf ist nicht zu denken, wir sind noch zu aufgekratzt, und schauen vom Balkon auf die unter uns liegende hell erleuchtete Stadt, die auf 1.500 Meter Meereshöhe liegt. Auch mitten in der Nacht herrscht in dieser Stadt keine Ruhe, die Straßen sind voller Autos, in irgendeiner Fabrik wird lautstark gearbeitet, kurzum es brummt wie in einem Bienenstock. Das Frühstück verschlafen wir und später zwingt uns ein heftiges Gewitter zurück ins Zimmer. Am nächsten Tag ziehen wir um in ein Hotel in der Innenstadt.
Die Innenstadt von Guadalajara, der zweitgrößten Stadt in Mexiko und Hauptstadt des Bundesstaates Jalisco, ist eine einzige Baustelle. Man ist dabei, die existierenden zwei U-Bahnlinien um eine dritte zu erweitern. Und die braucht diese Stadt dringend, der Autoverkehr kommt mit schöner Regelmäßigkeit zum Erliegen.

Die Altstadt im Kolonialstil ist erstaunlich groß und hat viele schöne Kirchen und Gebäude, dazwischen aber unzählige Lokale und Geschäfte jeglicher Art. Hier ist ein Leben und Treiben, dass man sich verwundert die Augen reibt. Niemand scheint es eilig zu haben.
DSC08314Vor dem Cordoba Portal treibt ein Clown sein Unwesen und die Menschentraube um ihn herum ist ein dankbares Publikum, das seine derben Späße mit schallendem Gelächter belohnt.
Bis in den späten Abend sind Familien mit Kindern vom Neugeborenen (fast immer auf dem Arm, wir sehen kaum mal einen Kinderwagen) bis zum Teenager unterwegs.

Während einer Stadtrundfahrt fällt uns eins besonders auf, Stubenhocker sind die Mexikaner keinesfalls, überall in der Stadt sitzen sie auf Bänken, in Lokalen, auf Treppenstufen. Immer erklingt irgendwo Musik, und häufig ergreifen einzelne Paare die Gelegenheit zu einem Tänzchen auf der Straße. Es wirkt alles so fröhlich und unbeschwert, man kann das überhaupt nicht mit den Beschreibungen von der Gefährlichkeit in diesem Land in Verbindung bringen.

Auf der Plaza de Liberacion hinter der Kathedrale stehen Zelte. Die Menschen feiern ihr Bundesland Jalisco mit Volkstänzen, Mariachi-Musik, mexikanischer Küche und Produkten aus der Region. Gegessen wird hier gern und oft, deshalb sind die meisten Mexikaner auch wohlgenährt, überaus wohlgenährt. Geschätzte 70 % der Erwachsenen schleppen zu viel Gewicht mit sich herum und mit 163 Litern pro Einwohner ist Mexiko Spitzenreiter im Cola-Konsum.
Jalisco ist einer der reichsten Bundesstaaten Mexikos, hier gibt es sowohl Bodenschätze als auch eine florierende Wirtschaft. Dazu trägt auch der weltweit bekannte Tequila bei. Wir sind neugierig auf die wohlhabende Stadt und fahren mit dem öffentlichen Bus ins 50 Kilometer entfernte Städtchen Tequila.

Schon etliche Kilometer vorher sehen wir links und rechts die Felder mit den bläulich schimmernden Weber-Agaven. Mal sind sie ordentlich in Reih und Glied gepflanzt und kein Hälmchen Unkraut wagt sich hervor, dann wieder nimmt man es nicht so genau, zwischen den piksenden Stauden wächst Gras, davon wiederum ernähren sich die dort weidenden Kühe. Einige Felder sind auch bereits abgeerntet, nur die lanzenförmigen Blätter liegen noch auf dem Feld; denn für den Schnaps braucht man nur das Herz auch Piña genannt. Acht bis neun Jahre müssen die Agaven alt sein, bevor das Herz die richtige Größe hat. Danach entsteht in einem langwierigen Prozess aus Kochen, Pressen, Gären und Brennen der weltbekannte Agavenschnaps. In der Stadt liegt ein eigenartiger Geruch in der Luft, er kommt aus den Schornsteinen der vielen Brennereien.

Im historischen Teil des Ortes stehen entlang einer begrünten Straße die Prachtbauten. Die älteste Brennerei Cuervo (Rabe) hat den Vogel als Markenzeichen. In einem großen Bauer im Hof des prachtvollen Gebäudes sitzt ein lebendiges Exemplar. Ein übermannshohes Exemplar steht in der Nähe.
Tequila-Touren sind bei in- und ausländischen Touristen beliebt. Innerhalb der Stadt fahren Busse in Form von Tequila-Flaschen oder auch großen Peperonis (?) herum. Als wir zurück zur Busstation laufen dröhnt uns aus einem der Ausflugsbusse grölendes Gelalle entgegen. Der Busfahrer steht neben seinem Gefährt und sieht unbeteiligt zu, wie seine Passagiere versuchen in den Bus zu gelangen.
Es ist zehn Uhr und bereits dunkel, als uns der Busfahrer in der Nähe des alten Busbahnhofs in Guadalajara aussteigen lässt. Die anderen ausgestiegenen Passagiere zerstreuen sich sofort in alle Winde. Wir stehen noch dort, Klaus bestellt ein Taxi und verfolgt auf dem Display seines Handys dessen Route, als wie aus dem Nichts ein dunkler Schatten hinter uns auftaucht. Ein dunkel gekleideter Mann auf unbeleuchtetem Fahrrad rast auf uns zu, reißt Klaus das Handy aus der Hand und ist auch schon verschwunden. Wir sind im ersten Moment wie gelähmt. Nachdem uns unser Taxi ins Hotel gebracht hat, bestellen wir auf den Schreck unseren ersten Tequila. Die Kellner sind voller Mitgefühl und bitten uns, bloß nicht schlecht von den Mexikanern zu denken, die meisten wären nicht so. In dieser Nacht schmiede ich finstere Rachepläne gegen unbekannt.
Was jetzt alles zu tun ist, dauert Tage. Neues Handy kaufen und einrichten, für verschiedene Zugänge neue Passwörter anlegen. Mein mit dem geraubten Mobiltelefon synchronisiertes Handy ist plötzlich auf Werkseinstellung zurückgesetzt, der Kalender mit allen Informationen unserer Reise gelöscht. Zu allem Übel haben wir unter der Anspannung durch Falscheingabe den Zugang zum Konto gesperrt, jetzt hilft nur noch ein Telefongespräch mit der Bank in Deutschland. Wir sind froh, als wir am Nachmittag Guadalajara verlassen können. In Ajijic, einer kleinen Stadt am Chapalasee, dem größten Binnensee Mexikos, wollen wir ein paar Tage bleiben.
Ajijic ist ein kleines Juwel, das haben vor uns schon viele kanadische und amerikanische und auch ein paar europäische Rentner entdeckt. Deshalb sind hier auf die engen Straßen fast mehr ausländische als einheimische Menschen zu finden.

In den Straßen, die vom Kirchplatz abgehen, sind die Häuser bunt angestrichen und mit farbenfrohen Gemälden verziert. Auch auf Masten und Baumstämmen sind die bunten Bilder zu finden. Die Straßen sind bis auf die Durchgangsstraße mit unterschiedlich großen Steinen gepflastert. Manche Straßen haben Bürgersteige, aber wenn man auf der Straße läuft, muss man höllisch aufpassen, nicht umzuknicken. Beinahe jedes Haus auf der zum See führenden Straße hat entweder einen kleinen Lebensmittel- oder Getränkeladen; eine Mode- oder Schmuckboutique, eine Galerie oder ein Lokal. Vom Ufer aus ist eine gemauerte Plattform in den See hineingebaut.
Zum Baden lädt der Chapalasee nicht ein, Wasserhyazinthen treiben an der Oberfläche und das Wasser ist trübe. Guadalajara deckt einen großen Teil seines Bedarf an Trinkwasser aus dem Zulauf und das fehlt dem See. Außerdem hat er unter der Einleitung von Nährstoffen(Nitrate) zu leiden, was eine starke Veralgung mit sich bringt. Ein paar halbherzige Versuche, die Menschen für die Problematik zu interessieren, sind zwar unternommen worden, zeigen aber noch keine deutliche Besserung. Gefischt wird hier allerdings nach wie vor. Aber vor allem hat das Gebiet rund um den See ein hervorragendes Klima.
Es gefällt uns hier, und wir verlängern unseren Aufenthalt noch um eine Woche. Unser erstes Hotel ist übers Wochenende ausgebucht, wir finden im drei Kilometer entfernten San Antonio ein Bed and Breakfast bei einem österreichisch/mexikanischen Künstlerpaar.

Thomas und Luz sind beide sehr talentierte Maler. Zur Zeit kommen sie allerdings selten dazu, neue Bilder zu malen. Die beiden kleinen Söhne fordern ihre Aufmerksamkeit beinahe pausenlos. Und die Unterbringung und Bewirtung der Gäste läuft auch nicht von allein. Der vierjährige Max hat schon die Anlage zum künftigen Naturforscher. Er sammelt Raupen und und beobachtet täglich, wie sie fressen, sich verpuppen und zum Schmetterling werden. Der vier Monate alte Theo hat noch keine anderen Interessen, als so oft wie möglich auf Mamas oder Papas Arm zu sein. Als wir am Sonntag abreisen, können wir nicht widerstehen und kaufen zwei Bilder von Luz. Hoffentlich bringen wir die unbeschädigt mit nach Deutschland.
Die nächsten fünf Tage haben wir ein kleines Häuschen bei einem amerikanischen Ehepaar gemietet. Vor zwei Jahren haben sie ihre Zelte in Virginia abgebrochen und freuen sich jeden Tag aufs Neue über die Entscheidung nach Mexiko zu ziehen.
Das Haus zu finden ist allerdings nicht einfach. Wir haben eine Adresse mit der Hausnummer 219A. Die findet sich schließlich zwischen den Häusern 86 und 89A. Wann immer wir in den nächsten Tagen nach einer bestimmten Adresse suchen, dasselbe Phänomen. Es gibt einfach keine fortlaufenden Hausnummern. Wie das zustande kommt, konnte uns niemand erklären.

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die Bäume werden zu Rechtecken gestutzt, damit Busse und LKWs besser durchkommen

Während wir hier sind, lässt unser Vermieter den Bürgersteig machen. Hier sind die Hausbesitzer dafür verantwortlich. Deshalb gibt es auch keine durchgängig breiten, hohen oder gestalteten Bürgersteige. Wir sehen die unterschiedlichsten Varianten: Mit Platten belegt, in Zement gegossen mit oder ohne Verzierungen, mit Steinen gepflastert, dazwischen auch große und kleine Obsidian-Klumpen (Vulkanglas). Die Zufahrten in die Höfe sind manchmal wie eine Berg- und Talbahn.
In den schmalen Straßen und Gassen sind Autos unterwegs, die bestimmt schon 40 Jahre auf dem Buckel haben, darunter viele VW Käfer. Plötzlich ist Pferdegetrappel zu hören. Ganz selbstverständlich sind Männer hier noch mit oder ohne Sattel zu Pferd unterwegs. Gespannt beobachten wir einen kleinen LKW, der versucht auf der schmalen Straße weiter zu kommen. Links die geparkten PKW, rechts ein Betonmast. Praktischerweise hat dieser in 2 Metern Höhe schon eine Einkerbung und der LKW ist an dieser Stelle verschrammt und eingebeult. Dass beide in derselben Farbe lackiert, bzw. gestrichen sind, ist wahrscheinlich Zufall. Als die Engstelle unter lauten Schabegeräuschen passiert wird und der PKW unversehrt bleibt obwohl kein Blatt dazwischen passt, atmen die Zuschauer erleichtert auf.
In vielen Lokalen wird abends von 6 bis 8 Uhr Musik gemacht. Wir hören in verschiedenen Restaurants eine mexikanische Band mit moderner, eine andere mit traditioneller Musik.
DSC08568Einen Abend tritt ein amerikanisches Paar mit Gesang und Gitarrenmusik auf. Mexikaner sucht man hier auch vergebens. In Mexiko geht man früh zum Essen, denn um neun Uhr ist in den Küchen Schluss. Um zehn Uhr werden Tische und Stühle reingeräumt, dann wird es leer auf den Straßen. In der Großstadt gibt es natürlich Ausnahmen, aber früh gegessen wird auch hier.
Am letzten Abend laden uns unsere Gastgeber Herb und Susan zum Essen in ihr Haus ein. Susan ist eine hervorragende Köchin und verwöhnt uns mit Meeresfrüchten. Wir haben einen so schönen Abend mit diesen beiden netten Menschen, jetzt fällt uns der Abschied von Ajijic noch schwerer.

Morelia und die Quinceañera (Mexiko)

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Wie bestellt steht morgens um 10.20 Uhr das Taxi vor dem Haus. Noch eine herzliche Verabschiedung von unseren beiden Gastgebern Herb und Susan, dann geht es wieder in Richtung Guadalajara. Unser Taxifahrer – ein ehemaliger Pilot – erzählt uns von seinem Leben in der ganzen Welt. Die Frage nach dem besten Land beantwortet er überzeugend mit: „Mexiko!“

Der neue Busbahnhof am Stadtrand ist riesig. Fahrkarten haben wir uns schon in einer Reiseagentur in Ajijic besorgt, so dass wir hier nicht anstehen müssen. Nach dem wir die Tickets vorgezeigt haben, dürfen wir in den mit Sesseln und großen Bildschirmen ausgestatteten Wartebereich. Eine Viertelstunde vor Abfahrt wird es vor dem Bussteig lebhaft. Tickets vorzeigen, dann drückt eine nette Dame jedem eine Flasche Wasser und eine kleine Schachtel mit einem Dognut in die Hand. Die Koffer bekommen einen Anhänger und werden im Gepäckfach verstaut. Vor dem Einstieg schaut ein Mann in Uniform oberflächlich ins Handgepäck, erst dann dürfen wir den Bus betreten. Hier gibt es pro Reihe nur drei weich gepolsterte Sitze, schön breit und mit viel Abstand zum Vordermann. Da kann man es sich richtig gemütlich machen. Wenn man die Lehnen nach hinten verstellt und die Fußstützen ausfährt, reist man wie in einem Liegestuhl. Dazu gibt es Bildschirme an jedem Platz mit Filmen und Musik zur Auswahl, Kopfhörer stecken in den Taschen der Vordersitze. Für Kinder sind auch ein paar Zeichentrick- bzw. Animationsfilme vorhanden.
Pünktlich auf die Minute fährt der Bus ab. Zuerst geht es durch die Randbezirke der Großstadt, dann nur noch durch grüne Landschaft. Maisfelder sind links und rechts der Autobahn zu sehen und so viele Rizinussträucher, dass man mit den Samen ganz Mexiko vergiften könnte.

Vulkankegel stehen dicht an dicht und mehrere große Seen breiten sich in der Landschaft aus. Der Bus fährt so sanft, als schwebe er über die Autobahn. Als wir diese verlassen, stehen mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten am Straßenrand. Für unseren Bus interessieren sie sich nicht, und wir erreichen unser Ziel Morelia nach angenehmer 3,5 stündiger Fahrt ohne Zwischenstopp. Auch hier verblüfft uns die Größe des Busbahnhofes. Praktisch, direkt in der Abfertigungshalle ist ein Taxischalter. Man nennt das Hotel, bezahlt den genannten fairen Preis und wird von einem der offiziellen Taxen ans Ziel gebracht.
Unser Hotel liegt in der historischen Altstadt, die 1991 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde. Die auf 1920 Meter Höhe gelegene Hauptstadt des Bundeslandes Michoacán hat 600.000 Einwohner und viele gut erhaltene Gebäude aus der Kolonialzeit. Das macht sie zur meistbesuchten Stadt Mexikos im Landesinneren. Gleich nach der Ankunft machen wir einen ersten Erkundungsgang und stehen begeistert vor der Kathedrale aus rosa Basalt im Barockstil. Ein Blick ins Innere zeigt, dass gerade Messe ist. Später erkennen wir das schon von außen. Stehen Bettler vor den Portalen, ist Messe. Wir verschieben die Besichtigung und laufen durch ein paar Straßen der imposanten Altstadt.

Die prächtigen Gebäude gegenüber der Kathedrale haben großzügige Arkaden, unter denen die vielen Restaurants Tische und Stühle dicht an dicht aufgestellt haben. Es ist wirklich ein schöner Platz zum essen. Es sind so viele Menschen unterwegs, da versuchen etliche Händler ihre Waren zu verkaufen: Schmuck, Rosen und auch viele traditionelle Handarbeiten. Ein „Nein danke“ genügt, und sie gehen weiter zum nächsten Tisch. Ein Mann verkauft Honig in großen Gläsern. Als wir abwinken bietet er uns stattdessen eine Gitarre an; auch eine interessante Geschäftsidee.
Ausgestattet mit einem Plan der Sehenswürdigkeiten machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Mercado de Dulces (Süßwarenmarkt). Unterwegs frühstücken wir in einem der vielen netten Lokale. Nach so vielen Monaten mit Toastbrot freuen wir uns jeden Morgen über leckeres frisch gebackenes Brot oder Brötchen.

Der Markt ist in einem Teil des Clavijero Palastes untergebracht, dem ehemaligen Jesuitenkolleg. Hier werden die traditionellen handgefertigten Süßwaren angeboten: Kandierte Früchte, Waffeln, Karamellen, Kokosberge, Konfekt aus Fruchtmus, süß-scharfe Bonbons, Schokolade und vieles mehr. Aber nicht nur Süßwaren gibt es hier, auch Kunsthandwerk ist stark vertreten, darunter viele bestickte Blusen, Kleider und Schals, Stoffpuppen, Bilder, Holzarbeiten und normale Handelswaren. Über all dem liegt der süße Geruch der Naschereien.
Durch die Haupteinkaufsstraße schieben sich die Menschen. Auch hier sind viele Bettler unterwegs. Merkwürdigerweise sehen wir auch zwei Männer in sandfarbenen Uniformen, die ihre Schirmmütze den vorbeilaufenden Menschen entgegenstrecken. Auf der Suche nach Glückwunschkarten gehen wir in eine Papellerie (Papiergeschäft). Hier drängt sich eine dichte Menschentraube vor der Kasse. In drei Woche sind die Ferien zu Ende, und die Eltern nutzen das Wochenende um gemeinsam mit ihren Kindern die zwei DIN A 4 Seiten lange Liste abzuarbeiten. Es gibt alles – nur keine Glückwunschkarten.
Klaus muss ein paar Dinge wegen des neuen Handys klären. Ich schaue mich währenddessen in der Haushaltsabteilung des Kaufhauses um.

Die Waschmaschinen haben alle amerikanischen Standard: Große oben offene Trommeln, die die Wäsche nur hin und her drehen. In 20 bis 40 Minuten sind die rund 20 Kilogramm gewaschen und geschleudert. Auch die Kühlschränke entsprechen den in Amerika verwendeten, sie haben Eiswürfelbereiter und Wasserspender. Kochherde werden grundsätzlich mit Gas betrieben. Die meisten haben sechs Kochstellen und einen entsprechend großen Backofen. Schon ab 180 € wird man Besitzer eines solchen Herdes.

Wir laufen zum Aquädukt, einem Bauwerk im Barockstil mit 253 Bögen auf 1,8 Kilometer Länge. 1728 wurde auf Initiative des Bischofs Antonio de San Miguel mit dem Bau begonnen. Ziel war einerseits die Versorgung der Stadt mit Trinkwasser und andererseits die Beschäftigung der indigenen Bevölkerung. Bis 1910 wurde es für die Wasserversorgung genutzt, heute erfreut es gut restauriert Besucher und Einheimische.
Im kleinen Park Villalongín suchen wir uns eine Bank im Schatten, um ein wenig auszuruhen und das Leben und Treiben zu beobachten. Wie bestellt fährt plötzlich eine Stretchlimousine vor und heraus arbeitet sich ein junges Mädchen im langen türkisfarbenen Kleid mit bauschigem Rock. Ihr folgen vier junge Männer in identischen Anzügen. Wir erleben hautnah eine Quinceañera, oder doch zumindest den Fototermin. In vielen Ländern Latein- und Südamerikas wird der 15. Geburtstag eines Mädchens als rauschendes Fest gefeiert. Ab jetzt wird es nicht mehr als Kind, sondern als Frau betrachtet. Gekleidet in ein festliches Ballkleid mit passendem Blumenstrauß, begleitet von Eltern und Geschwistern und den vier Ehrenherren geht es erst in die Kirche, dann zum Fototermin und später zum Feiern in ein Restaurant.

Die Eltern müssen tief in die Tasche greifen, um all den Pomp und Prunk zu bezahlen: Kleidung für alle, Frisör, Schönheitssalon, Fotograf, Leihwagen und dann die anschließende Feier für eine große Anzahl Gäste. Häufig ist die Summe höher als bei einer Hochzeit. Während wir interessiert zuschauen, treffen weitere geschmückte Limousinen mit herausgeputzten Familien ein. Die Kleider glitzern und funkeln im Sonnenlicht, petrol, tintenblau, weinrot, zartrosa und altrosa haben die jungen Damen gewählt. Die kleine Schwester einer Fünfzehnjährigen trägt ein Kleid in derselben Farbe. Die Hauptpersonen bewegen sich mit unterschiedlicher Anmut vor der Kamera, so dass einige Gruppen nach 15 Minuten weiterziehen können. Doch manchmal müssen die Fotografen richtig arbeiten. Da wird ein Arm graziös verbogen, dort der Hals überstreckt, alles um das perfekte Foto zu bekommen. Als wir nach über einer Stunde weitergehen, ist das türkisfarbene Team noch immer bei der Arbeit.

Die Schaufenster sind voll von Kleidern für diesen Anlass. Es gibt sie in allen erdenklichen Farben außer weiß und schwarz. Eine Puppe im nahezu identischen Kleid in derselben Farbe gibt es dazu. Die sitzt dann wahrscheinlich lebenslang auf der Couch und erinnert an diesen einen Tag.
Am Abend ist die Straße vor der Kathedrale für den Autoverkehr gesperrt. Bei den vielen Menschen wäre ein Durchkommen sowieso unmöglich.
Exif_JPEG_420Das Bauwerk wird in allen Farben des Regenbogens angestrahlt und um 20.45 Uhr beginnt – wie an jedem Samstagabend – ein 15 minütiges Feuerwerk, begleitet von Musik, einer Erzählstimme und den begeisterten Ah’s und Oh’s der Zuschauer. Es dauert, bis sich danach die Menschenmasse verläuft. Nachdem wir uns zum Straßenrand durchgekämpft haben, schlüpfen in eine Nebenstraße und kommen doch recht schnell zu unserem Hotel.
Auch am Sonntag ist die Straße vor der Kathedrale gesperrt. Heute gehört sie Fußgängern, Skatern, Radfahrern und Hunden. Kinder wuseln herum und die Erwachsenen haben alle Zeit der Welt. Unter den Arkaden wird ausgiebig gefrühstückt, dabei kann man wunderbar die sportlichen Aktivitäten der Menschen auf der Straße beobachten.

Besonders beliebt ist ein Gespann aus 13 Fahrrädern, vorne eins, dahinter sechs Zweiergruppen jeweils mit bequemen Kindersitzen davor. Nach dem Gejohle zu urteilen, sind die Herrschaften nicht ganz nüchtern unterwegs. Eine Gruppe kostümierter junge Menschen zieht plötzlich die Blicke auf sich. Sie werben für eine Veranstaltung am Abend. Erzählt wird die Legende von Morelia.

Gegen Mittag können wir uns endlich die Kathedrale in aller Ruhe von innen anschauen. Sie ist sehr elegant im Stil der Neoklassik gestaltet. Besonders beachtenswert ist eine Christusstatue aus Maispaste.
Auf den Plätzen links und rechts der Kirche sind Clowns und mehrere Tänzer aktiv. Diese tragen Masken, gehen an Stöcken und fangen in ihren Schuhen mit klappernden Holzsohlen plötzlich gemächlich an zu tanzen.

Dann folgen solistische Einlagen in einem solchen Tempo, dass ihnen die Kleider um den Körper fliegen.
Dieser traditionelle Tanz der alten Männer (Danza de los Viejitos) gehört zu Michoacan wie die Gitarre zur Mariachi-Musik. Wir sehen uns diese großartige Vorstellung eine ganze Weile an. Heute ist hinter der Kathedrale auf einem kleinen eingezäunten Platz ein alternativer Markt aufgebaut. Es gibt selbst gemachte Konfitüren, Salsas, Kosmetik, den hier offenbar sehr beliebten Eierlikör, Schuhe, Schmuck und noch vieles mehr. Für 250 Pesos (11,25 €) gibt es hier schöne Schuhe aus geflochtenen Lederstreifen. Wenn wir doch bloß noch Platz in unseren Koffern hätten. Doch nicht nur auf diesem Markt kann man heute einkaufen, fast alle Geschäfte haben geöffnet und dadurch ist ein Leben in der Stadt, dass es eine Freude ist. Auf allen Plätzen sitzen Menschengruppen zusammen. Es ist so eine schöne Atmosphäre, wenn ich da an deutsche Innenstädte an Sonntagen denke … Offenbar sind Frömmigkeit und Sonntagsarbeit doch kein Widerspruch.
In einem der alten jetzt motorisierten Straßenbahnwagen – noch mit den Original-Holzbänken – machen wir eine Stadtrundfahrt. Der Tourleiter erzählt frei und anscheinend sehr humorvoll. Leider hat eine Mutter mit vier Kindern im Alter von eins bis fünf Jahren heute offenbar nichts Besseres vor, und so übertönen die Kleinen mit ihrem Gebrüll mühelos den sicherlich interessanten Vortrag. Von mehreren Seiten ertönt ein: „Pssst,“ das stört aber weder die kleinen Racker noch deren Mutter. Aber irgendwann geht auch diese Rundfahrt zu Ende und die Nerven und Ohren können sich erholen.

Uruapan – Volcano bumm (Mexiko)

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Montagmorgen, wir verlassen Morelia und nehmen den Bus nach Uruapan. Die Fahrt durch das Hochland zeigt uns wieder nur die grüne Seite Mexikos Die gut 100 Kilometer sind in zwei Stunden zurückgelegt, und wir finden uns in einer völlig anderen Stadt wieder. Verwöhnt vom prächtigen Aussehen Morelias sind wir erst mal enttäuscht. Auf den ersten Blick hat Uruapan so gar nichts zu bieten. Bei dem gerade niedergehenden Wolkenbruch sieht man deutlich, dass es keine Regenrinnen gibt. Von den Häusern schießt das Wasser in weiten Fontänen aus Wasserspeiern auf die Straße. Von einem der Häuser ergießt sich eine mächtiger Wasserfall.

Unser Eindruck von Uruapan ändert sich, als wir nach dem Regen einen Rundgang machen und die versteckten schönen Seiten der Stadt entdecken. Den großen Platz vor der Kirche, mit Bäumen, Bänken, Brunnen und Blumenbeeten, der viele Menschen anzieht. Hier ist zu jeder Tageszeit Betrieb. Am ersten Abend landen wir in einem Lokal, das zu den preiswerten gehört, aber die Taccos kommen frisch gebacken auf den Tisch. Ich habe ein merkwürdiges Stück Fleisch auf dem Plastikteller; millimeterdünn und hart wie ein Stück Karton. Später sehen wir dieses „gedörrte“ Fleisch in Handtuchgröße in einer Metzgerei hängen.

Uruapan ist eine der ältesten Städte in Mexiko. Der Name geht auf eine indigene Sprache zurück und bedeutet: Die Bäume tragen immer Früchte. Davon können wir uns auf unserer Fahrt in nach Paracho überzeugen. Ungefähr zwanzig Kilometer fährt der Bus an Plantagen vorbei. Avocado- und Macadamia-Bäume, soweit das Auge reicht. Der Ertrag ist so gewaltig, dass nahezu die ganze USA mit Avocados aus dieser Region beliefert wird.

Nach weiteren 15 Kilometern erreichen wir Paracho, die Gitarrenstadt Mexikos. Schon von weitem fällt das riesige Instrument auf einem Verkehrskreisel am Ortseingang auf. In der Hauptstraße der Stadt liegt ein Geschäft neben dem anderen. In etlichen sind Musikinstrumente zu sehen, aber auch andere aus Holz gefertigte Artikel wie Möbel, Spielzeug und Küchenartikel werden angeboten. Wir sind hauptsächlich wegen der Gitarren hergekommen. Der Instrumentenbau hat eine lange Tradition. Ein Franziskanermönch soll der Legende nach geflüchteten, handwerklich überaus geschickten Purépecha-Indianeren die Herstellung beigebracht haben. Rund 600 Werkstätten gibt es, in denen manuell gefertigt wird.

Bei unserem Rundgang kann man auch in einigen Häusern die Rohformen sehen. Der Instrumentenbau wird hauptsächlich von Männern ausgeübt und geht häufig vom Vater auf den Sohn über. Frauen dürfen so wichtige Tätigkeiten wie schmirgeln und polieren übernehmen, das können sie durch von Kindesbeinen an praktizierte Hausarbeit als dem Effeff.

Hier hängt also der Himmel voller hochwertiger Gitarren und mein musikbegeisterter Mann bekommt glänzende Augen bei dieser Auswahl. Nachdem er einige ausprobiert hat, wird er glücklicher Besitzer einer schwarzen Westerngitarre. Aber ein Guitarron (Bassgitarre) will er auf jeden Fall noch ausprobieren. Bereitwillig drückt ihm eine Ladenbesitzerin ein solches Instrument in die Hand. Groß und dickbauchig ist es und hat einen schönen vollen Klang. Es wird fast ausschließlich in Mariachi-Bands gespielt. Auf dem Marktplatz wird an einer Bühne gezimmert. Am Wochenende beginnt das jährliche Gitarrenfestival, aber da werden wir leider schon weitergereist sein.

Jetzt haben wir also noch eine Gitarre. Die Halbgitarre reist seit Bali schon mit uns durch die Welt, aber die neue ist zu unhandlich, um sie auch noch mit herum zu schleppen. Wir haben die Wahl zwischen der staatlichen Post, die als unzuverlässig gilt, und drei international agierenden Unternehmen. In Uruapan ist eine Niederlassung eines amerikanischen Transportunternehmens. Da erkundigen wir uns nach Versandmöglichkeiten. Auf Schnelligkeit kommt es uns nicht an, aber man hat keine Wahl, hier wird nur per Luftfracht verschickt. Die Auskunft, die wir erhalten macht uns Hoffnung, dass der Versand problemlos vonstatten geht. Als wir unterwegs einem Kartonsammler begegnen, kaufen wir ihm für ein paar Pesos einen ab, ohne zu wissen, ob wir ihn überhaupt brauchen.

Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir einen kleinen Abstecher zur ehemaligen Textilfabrik San Pedro. Im historischen Zentrum der Stadt sieht dieses Gebäude aus dem 19. Jahrhundert aus wie eine alte Hacienda. Zweistöckig, aus Backstein und mit Rundbögen auf einem großen schön bewachsenen Grundstück. Nach der Fertigstellung 1894 wurde Wolle, Leinen, Baumwolle und Seide von höchster Qualität produziert. Um 1910 waren 200 Webstühle in Betrieb. Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Rohmaterial und einige Streiks der Belegschaft führten letztendlich dazu, dass der Betrieb eingestellt werden musste. Zeitweilig – Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre – war hier das städtische Gefängnis untergebracht. Würde mich nicht wundern, wenn einige der damaligen Insassen nur straffällig geworden wären, um einmal in diesem schönen Gebäude „wohnen“ zu können.

Im Untergeschoss des 12.000 m² großen Gebäudes stehen die schweren gut hundert Jahre alten Eisenmaschinen aus England. Kämm- und Spinnmaschinen und Webstühle für die Baumwollverarbeitung, teilweise demontiert und verstaubt. Als das alles noch in Betrieb war, muss hier ein unglaublicher Lärm geherrscht haben.

Im Erdgeschoss ist ein großer leerer Saal, den man heutzutage für Veranstaltungen mieten kann. In einem kleinen Teil ist noch eine Textilfirma untergebracht, die auf traditionelle Weise gefärbte und handgewebte Stoffe in herrlichen Farben anbietet. Hier weiß man, wie das geht, immerhin haben schon die Inkas vor über 7.000 Jahren Gewebe aus Baumwolle hergestellt. Bei schönen Stoffen kann ich einfach nicht widerstehen, und praktisch ist es für die Polsterung der Gitarre obendrein.

Im Hotel stopfen wir das Instrument mit unserer Skiunterwäsche aus, die wir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr brauchen, und wickeln es in zwei gerade gekaufte Stoffbahnen. Danach passt es gerade so in die Tragetasche. Die dritte Stoffbahn polstert den Hals und dann kommt der Karton drumherum. Beim Transportunternehmen wird später alles nochmal eng mit Folie umwickelt. Die Abfertigung dauert beinahe eine Stunde. Versand nach Deutschland hatte man hier wohl noch nie. Hinter uns stehen etliche Menschen an, aber niemand beschwert sich. Nachdem wir bezahlt haben und im Gegenzug die Papiere ausgehändigt bekommen, fühlen wir uns richtig erleichtert. Hoffentlich kommt die Sendung heil bei uns in Deutschland an. Aber bei den vielen „ACHTUNG, ZERBRECHLICH“-Aufklebern wird sich wohl niemand trauen, dieses Paket unsanft zu behandeln.

Uruapan hat ein Geheimnis, den unterirdischen Fluss Cupatitzio, der einen knappen Kilometer vom großen Platz vehement an die Oberfläche drängt.

Hier in der Stadt gibt es deshalb den Nationalpark Barranca del Cupatitzio. Schon kurz hinter dem Eingang (Eintritt kostet 25 Pesos = 1,125 €) ist man in einer anderen Welt. Riesige Bäume, Sträucher, Stauden, baumgroße Engelstrompeten und über all dem ein ständiges Rauschen. Innerhalb des Parks ist die Luft frisch und ungefähr 5 Grad kälter als außerhalb. Der Cupatitzio drückt hier sein kristallklares Wasser aus dem Boden, durch Felsspalten, lässt es in einem munteren Bach dahineilen, von einem Felsen stürzen und hat die Gestalter des Parks animiert, den Besuchern immer neue Erlebnisse zu bieten. Die verschiedensten Kaskaden und Quellen erfreuen sowohl das Auge als auch das Ohr mit Plätschern, Gurgeln, Sprudeln und Dröhnen.

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Auf dem Geländer einer steinernen Brücke steht ein Mann und wartet auf Publikum. Als sich eine für ihn ausreichende Anzahl versammelt hat, klettert er vom Geländer hoch in einen Baum und stürzt sich mit einem Kopfsprung in das brodelnde Wasser. Alle halten den Atem an und starren ins Wasser; eine Minute vergeht, zwei Minuten. Was ist passiert? Auf der anderen Seite der Brücke steht der mutige Springer, trocknet sich ab und lacht. Natürlich fällt das Trinkgeld sehr großzügig aus.

An einem Obststand pult der kleine Sohn des Besitzers geduldig Granatapfelkerne aus der ledrigen Hülle. In kleine Plastikbecher gefüllt werden sie gern gekauft. Wir entscheiden uns für geschälte Mangos und Ananas. Ein ruhiges Plätzchen ist bald gefunden. Während wir unser Obst genießen, beobachten wir einen Kolibri, der aus den Blüten der Engelstrompeten Nektar saugt.

Als wir weiterlaufen hören wir ein surrendes Geräusch, dann saust etwas Buntes vorbei. Im Park kann man ein Stück an einer Zip-Line hängend zurücklegen. Diese Attraktion heißt hier übrigens  TIROLESA. Dann geht es über eine Hängebrücke – bei der jedes zweite Brett fehlt – auf eine Plattform in 20 Meter Höhe und über eine weitere Zip-Line zurück auf den Boden. Besonders den Kindern gefällt dieser Nervenkitzel. Die stolzen Eltern filmen das Abenteuer per Handy oder Tablet.

Am großen Platz im Zentrum liegt das Museo Indigena Huatápera (Kulturmuseum verschiedener indigener Gruppen aus der Region).

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1530 und war einst ein Hospital. Heute kann sich jeder bei freiem Eintritt in den liebevoll restaurierten Räumen umsehen und findet Trachten, Geschirr, Schmuck und Informationen über das frühere Leben der Ureinwohner. Ein Raum ist für wechselnde Ausstellungen reserviert. Holzspielzeug, Keramik und neuzeitliche Textilien, bestickt mit traditionellen Mustern werden gezeigt. Die bestickten Blusen sieht man – auch an jungen Frauen – täglich im Straßenbild.

Am Busbahnhof kaufen wir heute Fahrkarten nach Angahuan. Da das nicht die Endstation ist, wirken wir wohl ein bisschen orientierungslos. Ein Mexikaner fragt, wo wir hinwollen und ich zeige ihm unsere Tickets. „Volcano bumm?“ fragt er und als ich nicke, deutet er auf den richtigen Bus. Der erste Teil der Strecke ist identisch mit der nach Paracho. Als wir abbiegen finden wir uns plötzlich im Nebel wieder. Erst nach einer Weile erkennen wir, dass es kein Nebel ist sondern Qualm. Hier existiert das Köhler-Handwerk noch. Aus den aufgeschichteten Erdhügeln quillt dichter Rauch, und der Geruch lässt keinen Zweifel, um was es sich hier handelt. Heute fahren wir wirklich durch das ländliche Mexiko. An der Haltestelle in Angahuan sprechen uns zwei Frauen auf englisch an. Mutter und Tochter mit elfjährigen Sohn bzw. Enkel, sind Mexikanerinnen und leben in Palm Springs. Sie verbringen hier ihren Urlaub und bieten uns an, mit ihnen gemeinsam im Taxi zum Ausgangspunkt der Vulkanbesichtigung zu fahren. Das nehmen wir gern an. In Angahuan kommen wir uns vor, als hätten wir eine Zeitreise angetreten. Wir sitzen in einem mehrere Jahrzehnte alten Auto und schaukeln über die mit Felsbrocken belegte Straße. Viele Männer sind auf Pferden, die Frauen sind in ihren Trachten zu Fuß unterwegs. Hier im Auto erfahren wir, dass man am besten mit einem Pferd zum Vulkan gelangt. Der Weg ist zwar auch zu Fuß möglich, aber wegen der Höhe recht anstrengend. Nach kurzer Überlegung stimmen wir zu. Noch während wir durch das Dorf fahren, verhandelt unser Fahrer mit einem Mann wegen der benötigten fünf Pferde.

Vor einem Restaurant wird das Auto geparkt und schon stehen die Pferde für uns bereit. Ich bekomme ein isabellfarbenes Tier; das Aufsitzen klappt jedenfalls noch. Unser Fahrer läuft neben der kleinen Gruppe her. Er spricht nur spanisch und seinen indigenen Dialekt. Was für ein Glück, dass wir die Frauen getroffen haben. Der Weg führt steil bergab, mal gibt es Treppenstufen, mal kleine Gräben, die quer über den Weg laufen, und immer wieder gemauerte Durchgänge. Die Tiere kennen ihren Weg so genau, dass man die Zügel nicht einzusetzen braucht . Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir den Sammelplatz. Etliche Pferde sind in einem nach allen Seiten offenen Stall untergestellt. Mein Tier läuft zielstrebig in eine Lücke zwischen zwei Tieren, genau hierhin will es, da kann ich machen was ich will. Jetzt muss ich zwischen den eng stehenden Pferden absitzen und mich durchschlängeln.

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Ab hier geht es nur zu Fuß weiter. Einheimische haben viele kleine Stände aufgebaut; vielleicht wollen die Touristen ja essen und trinken oder etwas kaufen.

Und dann stehen wir vor der Lava des Paricutin. Am 20. Februar 1943 war der Farmer Dionisio Pulido auf seinem Maisfeld, als er plötzlich einen Erdspalt bemerkte. Er versuchte, ihn zuzuschaufeln, als die Erde anfing zu beben und aus dem Spalt Qualm aufstieg. Dionisio tat das einzig Richtige, er rannte so schnell er konnte davon. Gute Entscheidung, denn da begann ein Vulkan zu wachsen. Nach einem Jahr war er bereits 410 Meter (2.800 Meter über Meereshöhe) hoch. Zum Glück floss die Lava langsam, so dass sich alle Einwohner des Dorfes Paricutin mit ihren Besitztümern in Sicherheit bringen konnten. Bis 1952 stieß der Vulkan immer weiter Lava aus und begrub 20 km² Land und darunter das gesamte Dorf Paricutin unter sich. Lediglich einige Wände und der Turm der großen Kirche ist zwischen den Lavabrocken heute noch zu sehen. Der Vulkan bekam den Namen des ausgelöschten Dorfes. Während wir über das Geröll klettern, um zum früheren Altarraum zu gelangen, fängt es plötzlich an zu regnen und zu hageln. Der elfjährige Hector aus Palm Springs ist entzückt. Noch nie in seinem Leben hat er Regen, geschweige denn Hagel erlebt. Fasziniert hebt er die erbsengroßen Eiskörner auf und lässt sie in seiner Hand schmelzen. Nach einer halben Stunde beschließen wir, trotz des Gewitters zurückzulaufen. Wir haben die Regenjacken über die Rucksäcke gezogen, aber Schuhe und Hosen sind patschnass. Noch schnell einen heißen mit Zimt und Kardamom gewürzten Kaffee Olla trinken und dann schlängeln wir uns hinter unserem Begleiter durch die Verkaufsstände, wo der Boden einigermaßen trocken geblieben ist, zurück zum Stall. Kaum sitzen wir wieder auf den Pferden, hört es auf zu regnen. Mit noch immer nassen Hosen und Schuhen kommen wir nach zweieinhalb Stunden im Hotel an. Die heiße Dusche ist eine Wohltat und verhindert hoffentlich eine Erkältung.

Zihuatanejo, Acapulco und Puerto Escondido – Pazifikküste (Mexiko)

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Wir wollen zu unserem letzten Frühstück in Uruapan in unser Lieblingscafé.

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Eine dichte Menschentraube versperrt uns auf dem Bürgersteig den Weg. Was mag da los sein? Die Menschen stehen Schlange vor der Bank, um an die Geldautomaten zu kommen. Monatsanfang bedeutet „frisches“ Geld. Die Stimmung ist fröhlich, man redet miteinander und niemand scheint es eilig zu haben. Diejenigen, die ihr Geld schon bekommen haben, wollen es auch gleich in den gegenüber liegenden Geschäften wieder loswerden. Mit großen „Rebajas“-Werbetafeln machen die Läden auf den Sommerschlussverkauf mit unglaublich niedrigen Preisen aufmerksam.

Für uns kommt ein Einkaufsbummel nicht infrage, wir müssen zum Bus, denn heute geht es an die Küste. Von 1600 Höhenmetern geht es in knapp fünf Stunden auf Meereshöhe. Und von angenehmen 24 – 26 Grad auf Temperaturen über 30 Grad. Immer wieder staunen wir, wie grün sich das Land präsentiert. Maisfelder, Obstplantagen, Gemüsebeete, alles wächst und gedeiht. Und immer wieder der Blick auf Vulkane. Mexiko hat 61 namentlich bekannte Vulkane, 10 davon sind Vulkanfelder, von denen schon ein einzelnes rund 900 Vulkankegel umfasst.

Nachdem wir schon 1000 Höhenmeter überwunden haben, fallen immer mehr große Kakteen in der grünen Landschaft auf. Wir überqueren einige Male einen Fluss, der mehrmals aufgestaut ist. Hier erkennt man an den nackten Uferböschungen, dass es an Wasser mangelt.

Im heftigen Gewitter erreichen wir Zihuatanejo und kurze Zeit später unsere Wohnung für die nächsten Tage. Anna, die Tochter der Hausbesitzerin begrüßt uns auf deutsch. Ihre beiden Kinder wohnen in Berlin und sie wechselt jedes Vierteljahr ihren Wohnort von Mexiko nach Deutschland und zurück.

In Zihuatanejo machen hauptsächlich Mexikaner Urlaub, seit in den 70er Jahren ein paar Kilometer nördlich der Stadtteil Ixtapa mit großen Hotels und hochpreisigen Ressorts für den internationalen Tourismus ausgebaut wurde.

Die rund 70.000 Einwohner zählende Stadt Zihuatanejo im Staat Guerrero liegt an einer großen geschützten Bucht. Vorgelagerte Felsen brechen die großen Wellen des Pazifik und lassen sie gemächlich an den Strand rollen. Auf dem Weg zum Meer begegnen uns viele Einheimische in triefend nassen Kleidern. Sie brauchen weder Badehose noch -anzug. In der Wärme friert man nicht und trocken werden die Sachen auch ganz schnell. Heute am Sonntag vergnügen sich Jung und Alt am Strand. Die meisten Erwachsenen sitzen in den unzähligen Lokalen am Strand, die Kinder spielen im Sand oder toben im Wasser. Auf einem schön angelegten Weg kann man fast um die ganze Bucht laufen. Leider sind Weg und die Begrenzung zum Wasser hin teilweise kaputt und ungepflegt. Große Steinplatten liegen im Wasser, Taue die als Geländer angebracht wurden sind zerrissen. Uns fallen viele unterschiedliche handgemalte Tafeln auf, mit denen Besucher gebeten werden, Müll und Zigarettenkippen nicht am Strand liegen zu lassen. Diese Projektarbeit einer fünften Klasse zeigt auf jeden Fall Wirkung, denn die darunter stehenden Kartons sind mit leeren Flaschen und Abfalltüten gefüllt.

Kleinsthändler laufen mit verschiedenen Warenangeboten herum. Nachdem wir schon dreimal die angebotenen Erdnüsse abgelehnt haben, erkläre ich dem vierten Händler, ich sei gegen die Nüsse allergisch. Sein Sohn bietet mir kleine Spielzeuge an und bemerkt sofort augenzwinkernd: „No allergia.“ Pfiffiges Kerlchen.

Neben dem Pier, von dem die Boote mit Anglern und Ausflüglern ablegen, ist eine Art „Galgen“ angebracht, an der man seinen Fang befestigen kann, um sich damit fotografieren zu lassen. Bei den Hochsee – Angeltouren können immerhin Schwertfisch und Blauer Merlin gefangen werden. In der Nähe warten Pelikane und Reiher darauf, dass die Angler ihnen etwas von ihrem Fang überlassen. Im Wasser sehen wir verschiedenfarbige Kugelfische und Adlerrochen, die vermutlich auf auf leichte Beute aus sind. Und jeden Nachmittag kommt ein Schwarm Fregattvögel mit demselben Ziel in die Bucht.

Das Lokal, in dem wir abends essen, gehört einer Italienerin und ihrem mexikanischen Ehemann. Sie ist begeistert, Gäste aus Deutschland zu haben. Mit einer herzlichen Umarmung werden wir verabschiedet.

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In einem anderen Restaurant wundern wir uns über die vielen Garderobenständer. Hier trägt doch niemand eine Jacke. Als wir am Tisch sitzen, wird solch ein vermeintlicher Garderobenständer neben mich gestellt:  Er ist für die Handtasche bestimmt.

Morgens ist ein leichtes Erdbeben zu spüren, abends hören wir zwei Schüsse. „Ja, gestern Abend ist ein junger Mann zwei Straßen weiter erschossen worden,“ lässt uns die Hausbesitzerin wissen. „Er war halt ein böser Junge und hat sich mit den falschen Leuten eingelassen,“ erklärt sie uns achselzuckend. Dieser Einstellung begegnen wir noch öfter. Ja, es gibt Gewalt und Kriminalität in Mexiko; und nein, mit den „normalen“ Menschen hat das rein gar nichts zu tun.

Acapulco ist unser nächstes Ziel. Das Urlaubsparadies der Reichen und Schönen in den 50er und 60er Jahren hat längst seine Anziehungskraft verloren. Es liegt günstig auf unserer Route nach Süden, und ein wenig neugierig sind wir auch, deshalb haben wir uns entschlossen, ein paar Tage zu bleiben. Während der Busfahrt lese ich, dass Acapulco in einer Auflistung der gefährlichsten Städte der Welt aus dem vergangenen Jahr den dritten Platz inne hat. Ob es diese Information ist oder die Hitze kann ich nicht recht sagen, auf jeden Fall sind wir nicht so unternehmungslustig wie sonst. Wir haben ein schönes Hotel mit Swimmingpool und machen uns erst Nachmittags auf den Weg in die Stadt.

Die Lage ist wunderschön, Acapulco schmiegt sich um eine weite Bucht. Vorne das Meer, hinter der Stadt grüne Berge. Nur die vielen Hochhäuser – fast nur Hotels – stören die Harmonie. Seit hier Bandenkriege stattfinden, bleiben die ausländischen Touristen weg und Acapulco gehört wieder den Mexikanern.

Überdurchschnittlich viele Taxen sind auf den Straßen unterwegs, darunter viele VW Käfer in mehr oder weniger gutem Zustand. Je nachdem, zu welcher Organisation die Fahrer gehören, sind sie entweder weiß-blau oder weiß-gelb lackiert.

Unser nächstes Ziel, Puerto Escondido liegt zwar nur gute 400 Kilometer entfernt, aber die Busfahrt soll 10 Stunden dauern.

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die Großstadt Acapulco braucht auch große Handymasten

Es gibt hier keine Autobahn, eine Landstraße führt durch die Berge in der Nähe der Küste. Jedesmal wenn wir eine Ortschaft – und sei sie noch so klein – erreichen, muss der Bus über die „Reductores  de Velocidad“ fahren. Diese bei uns Bremsschwellen genannten Hindernisse auf der Fahrbahn sind unterschiedlich breit, aber immer ganz schön hoch, so dass man im Bus jedes mal durchgeschüttelt wird.  Man ieht viel den Anbauovon Tropenfrüchten. Links und rechts der Straße sind Papaya-Plantagen angelegt.

Als wir in einem Ort plötzlich Tuktuks an der Haltestelle sehen, fühlen wir uns sofort wieder nach Südostasien zurückversetzt. Anscheinend sitzt hier ein Importeur, da wir TukTuks sonst nie in Mexiko sehen konnten.

Der Bus macht komische Geräusche und die Videoanlage schaltet sich aus. Der Fahrer hält an und werkelt am Motor herum, ein Stück geht es weiter. Es sind noch ca. 20 Kilometer bis Puerto Escondido, als der Bus dann wirklich stehen bleibt. Ein Keilriemen ist gerissen. Bei diesem Klima kann der Busfahrer auch nicht darauf hoffen, dass eine der Mitfahrerinnen ihm mit einer Strumpfhose aushilft. Klaus kann einen Kleinbus anhalten, und so setzen wir nach einer halben Stunde den Rest der Fahrt fort. Es ist schon dunkel, als wir an unserem hübschen kleinen Hotel ankommen.

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Kaktusblüte

„Das finde ich großartig, dass ihr in Acapulco wart,“ begrüßt uns Manuela, die Besitzerin unseres Hotels. „Die meisten Touristen trauen sich dort gar nicht mehr hin.“ Auch für sie und ihren Mann, beide Schweizer, die seit neun Jahren in Mexiko leben, ist Gewalt und Kriminalität nur mit schlechten Menschen (Opfer und Täter natürlich auch) in Verbindung zu bringen. Wenn ein Vergewaltiger ermordet, ein Pädophiler verprügelt wird, haben sie es eben verdient.

Puerto Escondido ist das Surferparadies von Mexiko. Der Ortsteil Zicatela hat einen vier Kilometer langen Strand, an den unablässig die Wellen donnern. Die „Mexican Pipe“, eine Riesenwelle von 10 Metern Höhe und der Länge eines australischen Roadtrain, kann nur von absoluten Könnern bezwungen werden. Aber auch die müssen ihren Wagemut manchmal mit Knochenbrüchen oder sogar mit dem Leben bezahlen. Am Haus der Rettungsstation sind drei Fotos der letzten Opfer angebracht. Trotzdem trauen sich Menschen jeden Tag mit ihren Brettern ins Wasser.

Etliche Versuche hinter die Welle zu kommen, sind zum scheitern verurteilt. Immer wieder werden die Surfer ans Ufer gespült. Überdies gibt es hier eine Unterströmung, die Menschen aufs offene Meer hinauszieht. Wer trotz der roten Fahnen ins Wasser geht, bekommt richtig Ärger mit den Lebensrettern. Wir erliegen der Faszination dieser Wellen jeden Morgen beim Frühstück im Strandcafé, aber ins Wasser trauen wir uns hier nicht.

Beim Strandspaziergang kommen uns die Wellen durch die auflaufende Flut ziemlich nahe, plötzlich stehen wir bis zu den Knien im Wasser. Und das zurückfließende Meer nimmt den Sand mit und zieht uns förmlich den Boden unter den Füßen weg. Ein Paar, das gerade noch grinsend zuschaut, wird von der nächsten Welle erwischt und muss mit nassen Hosen seinen Weg fortsetzen.

Am Strand bietet uns ein Mann einen Ausflug zur Manialtepec-Lagune in der Nähe an. Biolumineszenz heißt das Zauberwort, dass uns gleich elektrisiert. Um 19 Uhr holt uns ein Kleinbus ab. Nach uns werden noch neun weitere Passagiere abgeholt und danach haben wir noch eine halbstündige Fahrt vor uns, bevor wir in einem kleinen Ort in ein Boot umsteigen.

Inzwischen ist es dunkel geworden. Das Boot hat einen schön leisen Motor, die Luft ist angenehm mild und ringsherum ist kein Licht mehr zu sehen. Mit einer Taschenlampe leuchtet unser Führer in die Uferzonen, wo Mangroven wachsen. Er erklärt – leider auf spanisch – die Besonderheiten dieser Lagune. Ein Salzwasseranteil von knapp 30 % schafft besondere Lebensbedingungen für Mikroorganismen, die durch Wasserbewegung zu leuchten beginnen. Das Boot ankert, Klaus und ich springen ins Wasser und sehen beglückt, wie es während unseres Planschens im Wasser silbrig aufleuchtet. Die Temparatur liegt bei ca. 30 °C und hat Schichtungen von Süßwasser (kühler) und Salzwasser. Wir können gar nicht genug bekommen, schwimmen hin und her, schlagen aufs Wasser, tauchen und bespritzen uns gegenseitig. Die anderen Passagiere sind noch zurückhaltend. Nach und nach ziehen vier von ihnen Schwimmwesten an, klettern über die Leiter ins Wasser und hängen dann – mit dem Gesicht zur Wand – am Boot. Offenbar können sie nicht schwimmen und trauen sich auch nicht, eine Hand loszulassen, um besser aufs Wasser schauen zu können. Sehr schade. Dann verziehen sich die Wolken und wir haben auch noch den Blick in den Sternenhimmel. Nach einer Stunde klettern wir zurück ins Boot. Bei der Rückfahrt sieht das Wasser aus, als wären die Sterne ins Wasser gefallen. Es blitzt und glitzert wie ein Unterwasser-Feuerwerk. Unzählige Fische bringen dieses Wunder durch ihre Bewegungen zustande. Was für ein wunderschönes Erlebnis an unserem letzten Abend in Puerto Escondido.

Mexico City

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Es ist noch dunkel, als wir morgens um sechs Uhr unser Hotel verlassen. Die Taxen rollen zu dieser frühen Stunde langsam über die Hauptstraße von Zicatela und ihre Fahrer spähen aufmerksam in die Nebenstraßen auf der Suche nach Kundschaft. Wer um diese Zeit auf der Straße ist, will meistens zum Flughafen, um den ersten Flug nach Mexiko City zu nehmen. Das haben wir auch vor. Die Abfertigung kommt uns hier ein wenig unprofessionell vor. Links vor dem Abfertigungsschalter ein Tisch, an dem die Koffer mit einem Schnelltest auf Sprengstoff kontrolliert werden. Wir werden durchgewunken, um dann am Check-In wieder zurückgeschickt zu werden. Die Koffer können nur von diesem Tisch aus zur Gepäckaufgabe gelangen(?) Aber gut, es ist ja schließlich auch für das Personal noch früh am Morgen. In der Wartehalle sitzen viele Familien mit kleinen Kindern, die mehr oder weniger gelassen mit der Wartezeit umgehen. Ein gut einjähriger Junge brüllt wie am Spieß und beruhigt sich erst, als seine Mutter das Handy rausrückt. Versonnen wischt er nun über den Bildschirm und seine Welt ist wieder in Ordnung.

Der Flug ist verspätet und wir haben Zeit, uns umzusehen. Nachdenklich stehen wir vor einer Stellwand mit aufgehängten Vermisstenmeldungen. Zwölf junge Menschen werden gesucht, die in dieser Gegend um 2014 spurlos verschwunden sind. Wie schrecklich für die Angehörigen nicht zu wissen, was mit ihnen passiert ist.

Während des knapp 1,5-stündigen Fluges kommen wir am Popocatepetl (rauchender Berg) vorbei. Der schneebedeckte 5.426 Meter hohe Zwillingsvulkan stößt kleine Rauchwolken in den blauen Himmel.

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Kurz danach fliegen wir über Mexiko Stadt und fliegen und fliegen. Die auf 2.200 Höhenmetern liegende neun Millionen Metropole erstreckt sich über rund 1.500 Quadratkilometer. Frisch ist es heute Morgen, 15 Grad kühler als in Puerto Escondido.

Für unseren Weiterflug in drei Tagen wollen wir gleich am Flughafen die im Ticketpreis enthaltenen 15 Kilo Freigepäck auf 20 Kilo aufstocken. Klaus ist fassungslos, die beiden Damen am Schalter der Airline im internationalen Flughafen der Hauptstadt sprechen kein englisch. Mit Gesten und Zeichnungen gelingt es uns, ihnen begreiflich zu machen, was wir wollen. Und dann klappt es auch. Für 27 € dürfen wir insgesamt 10 Kilo „Übergepäck“ mitnehmen.

Im Flughafen kaufen wir am „offiziellen“ Taxischalter ein ziemlich teures Ticket und stehen dann vor einem Großraumtaxi, das uns über die beeindruckende Paseo de la Reforma in die Innenstadt bringt. Links und rechts der mehrspurigen Allee, die auch noch einen breiten Grünstreifen in der Mitte hat, Hochhäuser mit Banken, Verwaltungen, Versicherungen und dazwischen mehrere elegante Einkaufszentren und immer wieder der Blick auf Grünanlagen.

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Das Hotel liegt einen Steinwurf weit entfernt von der Säule mit dem goldenen Engel – El Ángel de la Independencia – der 1910 zum Gedenken an die hundertjährige Unabhängigkeit Mexikos von Spanien errichtet wurde. Dieser Engel sieht aus wie eine Schwester der Berliner „Goldelse“. Unser Zimmer ist noch nicht fertig, aber wir können unser Gepäck an der Rezeption deponieren. Jetzt brauchen wir erst mal ein spätes Frühstück.

Rund um den Kreisverkehr mit der Engelssäule in der Mitte ist heute Pfadfindertreffen.

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Voller Stolz tragen die Pimpfe ihre Uniform und die Fahnenträger strahlen vor Wichtigkeit.

Am Sonntag ist – wie in Morelia – auch in Mexiko Stadt die Hauptstraße bis nachmittags für den motorisierten Verkehr gesperrt, Radfahrer und Rollschuhläufer haben die Prachtstraße erobert. Für den Autoverkehr aus den Seitenstraßen werden die Radfahrer immer wieder mit einem großen Bannern zum Halten gezwungen.

Beim Gang in die Innenstadt kommen wir an etlichen Häuserblocks mit zugenagelten Türen vorbei. Nach den letzten Erdbeben sind die Häuser einsturzgefährdet. Die Risse auf dem Bürgersteig haben vermutlich dieselbe Ursache. Bei vielen neuen Häusern sind große Stahlträger bereits in die Fassade integriert. Die aufgemalten grünen Vierecke auf der Straße sind Sammelpunkte, an denen keine Gefahr von oben droht, wenn die Erde mal wieder bebt.

An diesem sonnigen Tag drängen sich die Menschen in der Stadt. Wir kommen zu einem Markt auf der Plaza de la Solidaridad, auf dem sowohl Früchte und kleine Gerichte als auch Textilien, Spielzeug und Lederwaren angeboten werden. Außer den Schuhputzern mit festem Stand, bei dem die Herren erhöht wie auf einem Thron sitzen, laufen auch die mobilen Kollegen herum. Sie tragen eine Art Werkzeugkasten aus Holz, in dem ein paar Flaschen, Dosen, Lappen und eine Bürste zu sehen sind. Bis jetzt sind wir noch nie ins Visier dieser Zunft geraten, tragen wir doch entweder Wandersandalen oder unsere Laufschuhe aus textilem Material. Aber heute meint einer, er müsse die Schuhe von Klaus einer gründlichen Reinigung unterziehen. Wir winken ab, er gibt nicht auf. Wir haben kaum noch Bargeld, er meint das sei doch kein Problem. Letztendlich reibt er ein wenig mit einem feuchten Lappen an den Schuhen herum, findet seine Leistung großartig und auf jeden Fall 200 Pesos (9 €) wert. Als er nur die Hälfte bekommt, weil wir wirklich nur noch zwei 100 Pesos Scheine einstecken haben und der Preis sowieso völlig überzogen ist, schimpft er wie ein Rohrspatz. Nach einigem Hin und Her gibt er sich aber dann doch mit einem Händedruck und den üppigen 100 Pesos zufrieden. Immerhin: Für 400 Pesos kriegt man schon neue Laufschuhe!

Rund um die „Plaza de la Republica“ mit dem „Monumento a la Revolucion“ treffen sich Verliebte in den Grünanlagen.

Die Möglichkeit, mit dem Aufzug auf den Turm zu fahren nutzen hauptsächlich Touristen. Der Eintrittspreis beinhaltet auch eine Führung durch die Ausstellung, leider nur auf spanisch. Als wir die Schlange vor der Kasse sehen haben wir noch einen weiteren Grund zu verzichten. Weiter geht es durch die historische Altstadt. Die Blues-Rockband vor dem Tor zur Chinatown spielt auf professionellem Niveau und scharrt deshalb auch eine große Menschengruppe um sich.

Ein Stück weiter links steht das Haus der schönen Künste. Rund um den prächtigen Bau und im angrenzenden Park sind viele Menschen unterwegs. In der Avenida Francisco Madero müssen wir uns vorwärts kämpfen. Es ist so voll, wie in Frankfurt auf dem Weihnachtsmarkt. Mit ein Grund ist sicherlich, dass alle Geschäfte sonntags geöffnet sind. Endlich erreichen wir die „Plaza de la Constitucion“, auf dem die „Metropolitana Kathedrale“ – die größte und älteste Kirche des gesamten amerikanischen Kontinents – steht. 1573 wurde mit dem Bau begonnen und bis zur endgültigen Fertigstellung vergingen 240 Jahre. Verschiedene Stilepochen haben dem Gebäude ihren Stempel aufgedrückt. Da gerade Messe ist, können wir nur einen kurzen Blick in das verschwenderisch mit Gold verzierte Innere werfen.

Am Montag laufen wir zum „Mercado de Artesanias la Ciudadela“. Hier wird Kunsthandwerk aus allen Landesteilen Mexikos angeboten. Bestickte Blusen, Kissenhüllen und Tischläufer liegen neben gewebten Teppichen, Lederarbeiten, Silberschmuck und Hängematten. Verschiedene Musikinstrumente, darunter Gitarren hängen an den Wänden. Wir wissen inzwischen, dass unser sorgfältig verpacktes Instrument trotz aller „Zerbrechlich“-Aufkleber, nicht heil in Deutschland angekommen ist. Sehr schade, aber einen Ersatz werden wir hier nicht finden. Stattdessen kaufen wir ein paar Mitbringsel für zuhause, denn heute ist unser letzter Tag in Mexiko. Mexiko, dieses wunderschöne Land mit seinen freundlichen, lebensfrohen Menschen hat uns im Sturm erobert. Und wir versprechen uns am letzten Abend gegenseitig: Wir kommen zurück.

Vor fünf Tagen haben wir uns entschlossen, die uns gesetzte Frist von einem Jahr doch einzuhalten. Verschiedene Gründe führten zu diesem Entschluss, z.B. die Schwierigkeit, die Auslandskrankenversicherung zu verlängern. Der Beitrag bei unserer bisherigen Versicherung ist für das zweite Jahr beinahe doppelt so hoch. Bei anderen Gesellschaften muss man zum Abschluss in Deutschland sein, wieder andere versichern Menschen in unserem Alter gar nicht mehr. Zum anderen hat sich vorübergehend eine gewisse Reizüberflutung eingestellt, und last but not least heiratet Klaus Sohn an diesem Wochenende und wir wollen ihn und unsere zukünftige Schwiegertochter überraschen. Überrascht ist aber zunächst mal unsere Tochter, die nun mit ihrem Mann in unserem Haus zusammenrücken muss.

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Unser Flug führt über die Wüste von Nevada mit Zwischenlandung in Las Vegas. Als wir am nächsten Vormittag über Deutschland fliegen, sieht unser Heimatland von oben an vielen Stellen genauso trocken aus, wie die Wüste. Schade, dass die Tränen der Rührung bei unserer Rückkehr nur auf den Boden der Ankunftshalle fallen, als wir von unserer Tochter und Freunden völlig unerwartet abgeholt werden.

Hinter uns liegt ein wunderbares, überraschendes, verrücktes und unvergessliches Jahr. Würden wir das nochmal machen?

Auf jeden Fall.

Darwin und der Kakadu-Nationalpark (Australien)

Der Besitzer unseres süßen kleinen Hotels fährt uns abends um 22.30 Uhr zum Flughafen Denpasar. Vor dem riesigen modernen Gebäude lässt er uns aussteigen und verabschiedet sich mit der Aufforderung, möglichst bald wieder zu kommen und doch bitte die ganze Familie mitzubringen. Um diese Zeit ist unglaublich viel los. Wir reihen uns in die Schlange der Wartenden ein und durchlaufen alle erforderlichen Prozeduren: Erster Sicherheitscheck, dann Gepäckaufgabe am Check-In-Schalter. Der Mitarbeiter schaut von einem zum anderen, mustert uns streng und gibt dann seine Einschätzung preis: „Sie haben einen falschen Charakter.“ Über diese Erkenntnis sind wir mehr als verblüfft. Er hält mit seinem Vorgesetzten Rücksprache, dann teilt er uns mit, dass wir trotz des des falschen Charakters (dem Ü in unserem Nachnamen) mitfliegen dürfen. Es folgt die Passkontrolle, der zweite Sicherheitscheck, der Ausreise-Schalter und dann warten wir im Abflugbereich auf den Aufruf, um an Bord gehen zu können. Statt dessen werden wir informiert, dass die Maschine erhebliche Verspätung hat. Wir müssen den ganzen Weg wieder zurück laufen, der Ausreisestempel wird ungültig gemacht, wir bekommen unsere Koffer zurück und vor dem Terminal wartet ein Bus, der uns in ein nahe gelegenes Hotel bringen soll. Als wir aus dem Flughafen kommen, ist er bereits voll besetzt.

Ein australisches Paar namens Stella und Martin ruft kurzerhand ein Taxi, winkt uns dazu und wir fahren dem Bus hinterher. Die Kosten solle er am Flughafen geltend machen sagen sie dem verblüfften Fahrer, drücken ihm aber ein Trinkgeld in die Hand. Die Beiden kennen sich ganz offensichtlich aus. An der Rezeption des Hotels hat sich bereits eine lange Schlange gebildet, aber die Menschen sind völlig gelassen; und das nachts um zwei Uhr. Niemand ist verstimmt oder mürrisch, einer nach dem anderen rückt vor, bekommt seine Schlüsselkarte und verschwindet im zugewiesenen Zimmer. Eine gute Gelegenheit für uns, die Menschen zu beobachten.Tatoos sind bei den Australiern offenbar sehr beliebt, was es da nicht alles zu sehen gibt: Auf dem linken Oberschenkel einer jungen Frau einen 20 Zentimeter hohen Löwenkopf, auf dem rechten einen Tiger. Eine andere junge Frau hat auf dem rechten Oberarm einen Engel, die Flügel reichen hinten bis zur Wirbelsäule und vorne bis zur Halsgrube. Ein stark behaarter Mann hat einen rasierten rechten Unterschenkel, der noch braun vom Jod ist und eine wilde Geschicht von Drachen und Schlangen erzählt. Eine Frau bewegt vorsichtig einen ungesund glänzenden Arm, auf dem ein Rosenbukett prangt. Manche nutzen jeden sichtbaren Körperteil, Finger und Zehen eingeschlossen, um ein Statment abzugeben oder nur die leichtsinnige Entscheidung unter Alkoholeinfluss im Urlaub zu präsentieren. Eine merkwürdige Schlussfolgerung drängt sich auf: Die am wenigsten attraktiven Menschen haben die größten Tatoos.

Eine halbe Stunde später sind wir an der Reihe. Unsere Pässe werden kopiert, daraufhin bekommen wir eine Schlüsselkarte mit einer dreistelligen Nummer. Die Zimmernummer beginnt mit 12, der dritte Kringel könnte eine 0, 6 oder 8 sein. Keines der Zimmer lässt sich öffnen. Der nette junge Mann von der Rezeption versucht es selbst und erreicht nur, dass aus Zimmer 126 eine etwas befremdet wirkende Dame kommt. Wir entschuldigen uns bei ihr, bekommen an der Rezeption eine neue Schlüsselkarte für einen anderen Gebäudetrakt und landen in einer großzügigen Suite mit einem über zwei Meter breiten Bett, einem Wohnraum und zwei Badezimmern. Wirklich auskosten können wir das nicht, wir wollen nur schlafen und kommen morgens erst kurz nach 10 Uhr zum Frühstück. Ein riesiges Buffet mit allem was das Herz begehrt erwartet uns.

Um 14 Uhr fährt der Bus zum Flughafen, die Maschine soll um 17.15 starten. Gute 2,5 Stunden Flugzeit, dazu noch 1,5 Stunden Zeitverschiebung nach vorne, das wird spät. Ich buche noch schnell ein Hotelzimmer in Darwin, denn unseren Camper können wir heute nicht mehr übernehmen. Heute klappt alles wie am Schnürchen. Wir starten und landen pünktlich.

Im Flugzeug bekommen wir ein Formular, das wir ausfüllen und für die Einreise bereit halten sollen.Wir hatten uns vorab per E-Visa bereits registriert und sind gespannt, was wir jetzt bei der Einreise noch brauchen. Eine einzelne Dame fertigt die Insassen des ganzen Flugzeuges ab und das dauert, aber auch hier wieder keinerlei Unmut. Wir bekommen ohne Probleme einen Stempel in den Pass und sind in Australien. Abends um diese Zeit scheint sich bis auf die Passagiere unserer Maschine und ein paar Mitarbeiter niemand mehr im Flughafen aufzuhalten. Welch ein Unterschied zu Südostasien mit dem ständigen Gewusel. Wir werden gefragt, ob wir Alkohol, Zigaretten, Pflanzen, Nüsse oder Holzerzeugnisse bei uns haben. Die neu erworbene kleine Gitarre von Klaus wird von allen Seiten betrachtet, der Beamte erkennt, die schlägt garantiert nicht mehr aus und gefährdet keinesfalls die einheimische Natur. Wir dürfen ohne weitere Untersuchung durch die Zollkontrolle.

Das Taxi bringt uns über leere Straßen in kürzester Zeit ins Hotel. Ich hatte vorab mitgeteilt, dass wir spät ankommen und wurde gebeten, vom Flughafen aus anzurufen. Der Taxifahrer erledigt das für uns, weil wir noch keine SIM-Karte haben, und die Dame ist wirklich extra aufgeblieben, um uns um halb elf noch herein zu lassen. Für 41 € ist das Zimmer gegenüber allem, was es in Südostasien für diesen Preis gibt, eine bessere Bruchbude. Egal, das Bett ist frisch bezogen und wir haben ein kleines Bad. Das Frühstück am nächsten Morgen für 10 € ist ordentlich, frisch zubereitete Spiegeleier, leckerer Bacon, knuspriger Toast, nur der Pulverkaffee überzeugt nicht ganz.

Und dann haben wir nur noch einen 100 Meter langen Weg zur Camper-Mietstation vor uns. Eine Stunde und zehn Formulare später bekommen wir den Schlüssel in die Hand gedrückt und dann können wir unser Heim auf vier Rädern betreten.

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Wir packen die Koffer aus, verstauen unser Gepäck und dann kommt das, worauf ich mich schon seit Tagen freue: Einkaufen. Nicht weit von der Vermietstation gibt es ein großes Einkaufszentrum mit einem schönen Supermarkt. Woolworth war ja bei uns fast ein Synonym für billige Waren. Dieser Supermarkt ist alles andere als billig; ausgesprochen gut sortiert, Obst und Gemüse aus biologischem Anbau, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung, eine große Weinabteilung und viele andere Artikel. Unser Einkaufswagen wird voll und voller, wir brauchen einen zweiten. Das alles unterzubringen wird nicht einfach. Der Kühlschrank ist klein, hat aber wenigstens ein Gefrierfach. Der Schrank daneben hat zwei Fächer, doch wenn die eingeräumt sind, muss man jedes Mal alles wieder rausholen, wenn das Gesuchte ganz hinten steht. Wir brauchen ein paar Gegenstände die uns helfen, Ordnung zu halten. Ausgerüstet mit einem Maßband und einer Liste mit den wichtigsten Abmessungen betreten wir ein Kaufhaus und finden zwei Plastikboxen auf Rollen, die in die Fächer passen. Wir nehmen ein paar Körbchen für Kleinkram mit, die mit Stecknadeln am Filz der Seitenbespannung befestigt werden können. Ein sicherer Platz für Taschenlampe, Ladekabel und Autoschlüssel. Kleine runde Behälter und Klebehaken landen ebenfalls im Einkaufswagen. Darin können nachts die Brillen sicher und griffbereit untergebracht werden. Eine rutschfeste Unterlage für den 10 Liter-Karton mit Wasser neben der Kochstelle muss mit, ebenso eine Kühltasche, die genau in die Lücke zwischen Spüle und Vorratsschrank passt und damit unseren Kühlschrank erweitert und – ganz wichtig – ein kleiner Ventilator; denn unser Camper hat zwar eine Klimaanlage, aber die funktioniert nur während der Fahrt und im Fahrerraum. Zu guter Letzt nehmen wir noch einen Autoatlas mit.

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Während der Fahrt zu einem Campingplatz in der Nähe wird der Himmel plötzlich schwarz, und es fängt heftig an zu regnen. Der ausgesuchte Campingplatz ist geschlossen, der nächste auf unserer Liste 40 Kilometer entfernt. Nach 5 Minuten auf der Straße sehen wir einen Hinweis auf einen Campingplatz auf der anderen Straßenseite. Kurz entschlossen biegen wir ab und können uns einen Platz aussuchen. Es ist keine Saison, nur ein paar wild entschlossene Angler sind ebenfalls hier. Natürlich haben alle viel größere Wohnmobile oder Wohnwagen, zum Teil mit ausfahrbaren Seitenteilen, großen Fernsehern und bequemen Sitzgarnituren. Keck stellen wir uns dazwischen, ohne auf die gerunzelten Stirnen und die grübelnden Minen zu achten. Der Platzwart kommt, und als er mit uns scherzt und lacht, ist für die anderen auch alles in Ordnung.

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Der Weg zu den Waschräumen ist nicht weit, und in der Nacht haben wir nette Begegnungen mit Fröschen in allen Größen, die hektisch die Wände hoch klettern, von Waschbecken zu Waschbecken springen und aus der Dusche flüchten.

Am nächsten Tag fahren wir über den Arnhem Highway Richtung Kakadu-Nationalpark. Schon auf dem Weg dorthin sehen wir die ersten Namensgeber des Parks. Hier auf diesen menschenleeren Straßen handhaben wir den Linksverkehr tatsächlich mit links. Obwohl das Klima sich nicht groß von dem in Südostasien unterscheidet, ist die Vegetation völlig anders. Keine Palmen, kein Urwald, stattdessen Eukalyptus in allen Variationen, und Bäume, deren Namen wir (noch) nicht kennen. Wir fahren an Mango-Plantagen vorbei und sehen am Straßenrand immer wieder Warnschilder, die auf Überschwemmungen nach starken Regenfällen hinweisen. Um die Bedeutung dieser Hinweise zu erhöhen, stehen daneben Messlatten, die 2 Meter in der Höhe anzeigen. Das kann ja heiter werden.

Inzwischen haben wir die Wetlands erreicht und fahren zu dem ausgewiesenen Aussichtspunkt. Ein Gewitter stoppt unseren Eifer, den Aussichtsturm zu besteigen, stattdessen machen wir ein Mittagsschläfchen. Campervans sind doch was herrliches, man hat immer sein Bett, den Kühlschrank und den Kleiderschrank dabei. Auf der Weiterfahrt entdecken wir die ersten Termitenbauten. Wir finden einen Platz, wo man gefahrlos anhalten kann, und ich springe aus dem Auto. „Der ist bestimmt zwei Meter hoch“, rufe ich begeistert. Als ich später das Foto betrachte sehe ich, wie sehr ich mich verschätzt habe.

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In unserem Atlas war ein Platz markiert, den wir ansteuern. Als wir dort gerade versuchen, uns zu orientieren, kommt ein doppelt so großes Wohnmobil herangerauscht, und lachend steigen Stella und Martin aus. Sie umarmen uns, als seien wir langjährige Freunde und erklären, dass sie den nächsten Stellplatz im Kakadu-Nationalpark ansteuern werden, weil der auf dem wir gerade stehen weder sanitäre Anlagen noch Wasser und Elektrizität hat.

Wir schließen uns an und treffen die beiden gleich an der Rezeption, wo wir sowohl die Eintrittskarten für den Park zum Rentnertarif kaufen, als auch die Gebühr für den Stellplatz entrichten können. Eine junge Polin aus Brelau, die in Australien mit dem Work and Travel-Programm unterwegs ist, händigt uns eine Landkarte vom Park aus. Etliche Straßen sind jetzt, zum Ende der Regenzeit noch gesperrt. Wenigstens auf dem Campingplatz haben wir freie Platzwahl und stellen uns wieder in die Nähe der Waschräume. Die Stellplätze sind nicht extra markiert, sondern nur durch einen Wasserhahn und eine Steckose als solche zu erkennen. Wie man sich dann dort hinstellt, ist jedem selbst überlassen. Es gibt einen schönen Pool, der uns magisch anzieht. Ein großes Sonnensegel ist hier aufgespannt. Die Australier haben einen Riesenrespekt vor der Sonneneinstrahlung – zu Recht, denn die Anzahl der Todesfälle durch Hautkrebs ist die höchste weltweit. Um diese Uhrzeit besteht jedoch keine Gefahr, die Sonne geht gleich unter. Zeit für die Flughunde, den Himmel unsicher zu machen. Wir freuen uns über die uns aus Sri Lanka vertauten Silhouetten am Himmel. Der Pool hat aus Sicherheitsgründen rundherum einen hohen Zaun. Auch ein noch so großes Krokodil hätte keine Chancen, sich hier häuslich einzurichten. Nach dem ersten Schreck wegen der Temperatur genießen wir das Suhlen im badewannenwarmen Wasser.

Nach sieben Monaten in fast immer klimatisierten Räumen müssen wir uns erst mal an das Schlafen ohne Kühlung gewöhnen. Am nächsten Morgen sehen wir unser erstes Känguru, ein Wallaby. Keine 10 Meter entfernt hockt es im Gras und frühstückt.

Wir packen zusammen und weiter geht die Fahrt in Richtung Jabiru und Katherine. Außer den bereits eingezeichneten Straßen sind etliche andere gesperrt.

Bedingt durch die vorangegangene Regenzeit und die damit einher gehenden Überschwemmungen verlassen die Krokodile häufig ihre angestammten Gewässer und suchen neue Gebiete auf. Dann wird zur Sicherheit der Besucher lieber zu viel als zu wenig gesperrt. Außerdem sind die nicht asphaltierten Straßen noch aufgeweicht. Wir sind froh, dass eines der wichtigsten Zeugnisse der Aboriginee-Kultur erreichbar ist, der Burrungkuy Park mit den 20.000 Jahre alten Zeichnungen.

Die Wege sind gut angelegt und die Sehenswürdigkeiten gut beschrieben. Mit uns ist nur noch ein Ehepaar mit zwei Kindern unterwegs. Die 12 Kilometer lange Wanderung durch das Gebiet ist bestimmt unglaublich interessant, doch die Temperaturen von nahe 40 Grad lassen jegliches Interesse daran in uns verdorren.

Zwei von uns favorisierte Campingplätze sind geschlossen, auf dem dritten, der auch wieder einen schönen Pool hat, treffen wir auch Stella und Martin wieder.

Es ist ein Dilemma, drinnen im Camper ist es zu warm, draußen lauern die Raubtiere, die nur eins wollen: BLUT. Der Wunsch nach einen Luftzug und einem Blick in den faszinierenden Sternenhimmel lässt alle Vorsicht vergessen. Wir sitzen noch ein wenig draußen, aber das muss ich büßen. Über 200 Mückenstiche fange ich mir ein, Klaus bleibt für heute verschont.

Im Northern Teritory (Australien)

Eigentlich wollten wir hier länger bleiben, aber da so viele Sehenswürdigkeiten für uns unerreichbar sind entschließen wir uns, bereits nach einer Nacht weiter zu ziehen. Auf dem Weg halten wir noch am Warradjan Aboriginal Cutural Centre, einem Museum dass sich mit der ursprünglichen Lebensweise der Ureinwohner befasst. Es ist sehr liebevoll gestaltet, in Erdfarben gestrichen und mit vielen Exponaten anschaulich bestückt. Hier kann sich jeder intensiver mit der Geschichte Australiens und seiner Menschen beschäftigen.

Bei der Weiterfahrt durch den Kakadu-Nationalpark stellen wir immer wieder fest, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Zu allen abseits der Hauptstraße gelegenen Sehenswürdigkeiten ist die Zufahrt gesperrt. Es gibt ständig Hinweisschilder auf Krokodile und Pferde, aber sehen lässt sich weder die eine noch die andere Art. Nur die vielen Pferdeäpfel auf der Straße zeigen den Wahrheitsgehalt der Schilder.

Wir verlassen den Park in Richtung Katherine. Zuvor sehen wir eine Empfehlung, die historische Stadt Pine Creek zu besuchen. Der kommen wir gerne nach. Sie ist einfach bezaubernd, als wäre man in einer Filmkulisse gelandet. Fast bin ich enttäuscht, dass die Frauen nicht in langen Kleidern und mit Sonnenhüten herumlaufen. Das Gras ist kurz gemäht und herrlich grün, die Zäune drum herum leuchten weiß in der Nachmittagssonne,

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ein Wasserrad dreht sich im leichten Wind und das Laub der dichten Bäume raschelt ganz leise.

Pine Creek ist wie ein Freilichtmuseum, viele Maschinen aus der Zeit der Verlegung der Telegrafenleitung zwischen Darwin und Adelaide, des durch einen Zufallsfund anschließenden Goldrausches, sowie des späteren Eisenbahnbaus stehen noch herum als warteten sie darauf, jeden Moment wieder in Betrieb genommen zu werden. Nur dass der Tankwart Inder ist und uns fragt, ob wir nicht Chicken-Curry bei ihm essen wollen, lässt uns abrupt in die Gegenwart zurückkehren.

Katherine ist als viertgrößte Stadt des Northern Territory eine wichtige Stadt, die Zahl der Einwohner beläuft sich auf ca. 6.000, viele davon sind Aborigines. Die Geschäfte und Shopping-Center haben alle nur eine Etage, wozu auch in die Höhe bauen, Platz ist ja genug vorhanden. Trotzdem wird hier alles geboten, was die Menschen brauchen.Wir biegen auf den Victoria Highway ab und fahren Richtung Westen. Rund 100 Kilometer hinter Katherine finden wir einen kostenlosen Rastplatz, der Toiletten und Wasser hat. Wir parken unseren Camper zwischen zwei hohen Bäume in der Hoffnung auf Schatten am nächsten Morgen. Während Klaus den dort installierten Grill befeuert, wasche ich einen Tisch und zwei Bänke ab. Wir sind mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt, als zwei Autos mit Dachzelt, bzw. Zeltanhänger angefahren kommen und die beiden Paare sich ebenfalls für die Nacht einrichten. Unser Platz liegt abseits des Highway, und während der Nacht hört man hin und wieder einen Roadtrain vorbei donnern. An der Zugmaschine hängen meistens drei, manchmal sogar vier Anhänger. Bei Nacht sind sie durch umlaufende Beleuchtung kenntlich gemacht.

Sobald es dämmert, beginnen die Vögel ihr Konzert. Interessiert beobachten sie, wie wir Frühstück machen, vielleicht fällt ja was für sie ab. Wir sind die Letzten, die den Rastplatz morgens verlassen und setzen unsere Fahrt fort. Die Flüsse, die wir überqueren, haben alle so schöne Namen wie: Mary, Laura, Edith, Mabel, Victoria usw. Jetzt in dieser Jahreszeit führen längst nicht mehr alle Wasser.

Wir überqueren eine Brücke und sehen am linken Straßenrand einen Radfahrer stehen. Da er mit einem Tandem unterwegs ist, muss der Partner/die Partnerin auch irgendwo sein und er wartet wohl gerade auf die fehlende Person. Es ist uns ein Rätsel, wie Menschen solche Anstrengungen auf sich nehmen können. Die Temperaturen im Schatten sind nahe 40 Grad, aber auf der Straße ist kein Schatten. Immer wieder wurden wir gewarnt, bloß nicht länger als 10 Minuten in der Hitze zu laufen und unbedingt 3 bis 4 Liter Wasser täglich zu trinken. Wenn man diese Menge schon bei solch geringer Anstrengung braucht, müssten die Radler eigentlich einen kleinen Anhänger mit Wasserfass mit sich führen.

Die Straße ist ein Highway mit zwei Fahrspuren. Allerdings sind Geschwindigkeiten zwischen 110 und 130 Stundenkilometer erlaubt. Obwohl uns nur alle 5 bis 10 Minuten ein Fahrzeug entgegen kommt, passieren auch hier Unfälle. Zwar sind in der Mehrzahl Tiere betroffen, wir sehen viele tote Kängurus, einige Rinder, einen Hund, ein Opossum und eine Schlange und etliche Vögel. Aber auch Menschen kommen zu Tode, daran erinnern geschmückte Kreuze am Straßenrand. Aber die Straßenbauer haben sich einiges einfallen lassen, damit auf den schier endlosen Strecken keine Langeweile aufkommt. Sei es, dass die beiden Fahrspuren sich zu einer verengen, weil die Brücke nur Platz für ein Fahrzeug bietet. Oder es sind „Grids“ = Gitter mit Querrillen über die Straße gebaut, auf denen die Autos durchgerüttelt werden. Rinder laufen nicht über diese Gitter; sie lassen sich schon durch aufgemalte dunkle Streifen auf dem Asphalt abhalten. Das bedeutet allerdings nur, dass sie ihren Farmbezirk nicht über den Highway verlassen. Dazwischen ist manches Mal eine Vollbremsung nötig ist, weil sie mitten auf der Straße stehen.

Hin und wieder müssen die Straßen auch ausgebessert werden. Sie sind entweder durch die Roadtrains beschädigt oder durch heftige Regenfälle unterspült worden. Der dann einspurige Verkehr wird nicht durch Ampeln, sondern durch „Stopp-„ und „Slow-Man“ geregelt. Die winken den Autofahrern dann als Zugabe noch freundlich zu.

Wir fahren durch eine fantastische Gegend, Tafelberge, Termitenhügel, grüner Bewuchs in allen Schattierungen und Flussläufe mit und ohne Wasser. Obwohl links und rechts der Straße außer Landschaft nichts ist, gibt es wenig Parkplätze. Meistens liegen 50 bis 100 Kilometer Entfernung dazwischen. Einfach am Straßenrand anhalten ist auch selten möglich, deshalb bleiben viele schöne Motive unfotografiert, obwohl wir hart daran arbeiten, unsere Drivies (währen der Fahrt fotografierte Bilder) zu perfektionieren. Das kennen wir von Amerika anders, Hinweise auf Sehenswürdigkeiten oder Fotomotive gibt es schon viele Kilometer vorher, und zu den Sehenswürdigkeiten führen Straßen, die mit jedem normalen Fahrzeugen zu befahren sind.

Auffällig sind kilometerlange verbrannte Flächen links und rechts der Straße. Bei einigen sprießt schon wieder frisches Grün, bei anderen qualmt es noch. Und dann kommen wir an einem Stück vorbei, wo die Flammen hoch ausschlagen. Über der brennenden Fläche kreist ein Schwarm Raubvögel. Hier ist reiche Beute zu machen, flüchtende Kleintiere können vielleicht dem Feuer aber nicht den scharfen Schnäbeln und Krallen entgehen. Fast könnte man glauben, die Vögel haben inzwischen gelernt, Feuer zu legen. In den nächsten Tagen sehen wir: Irgendwo qualmt es immer. Und um die Menschen zu sensibilisieren, gibt es auch dafür extra Schilder, die in jeder Region über die aktuelle Waldbrandgefahr informieren.

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Aus unserem Atlas haben wir uns einen Rastplatz namens Zebra Rock Mine ausgesucht. Er liegt 14 Kilometer abseits des Highway, 6 Kilometer davon auf unbefestigter Straße. Gemäß Vertrag mit unserer Mietwagenfirma dürfen wir bis zu 13 Kilometer auf einer solchen Straße fahren, um einen Campingplatz oder eine Sehenswürdigkeit zu erreichen. Dieser Platz bietet beides, die geologische Besonderheit dieser Region ist weltweit einzigartig. Milliarden Jahre altes Gestein wurde durch Druck und Wärme (Metamophose) mit eisenhaltigen Ablagerungen verbacken und ließ fantastische Muster entstehen. Die Besitzer des Platzes fertigen wunderschöne Schmuck- und Dekorationsstücke daraus.

Soweit ab von irgendwelchen Ansiedlungen ist der Sternenhimmel in der Nacht die einzige Beleuchtung. Ein wunderschöner Platz mit besonderer Atmosphäre.

Von Kununurra nach Broome (Australien)

Obwohl es uns hier so gut gefällt, brechen wir am Morgen auf. Uns ist das Brot verschimmelt und wir müssen in die nächste Stadt, um einzukaufen. Kununurra (sprich Kenenärra) liegt bereits in West-Australien und ob man es glaubt oder nicht, es gibt einen Grenzübergang von einem Bundesstaat in den nächsten.
DSC04880Roadtrains dürfen ab hier nur noch 53,5 Meter lang sein. Die Geschwindigkeit auf den Straßen ist auf 110 kmh begrenzt. Es gibt aber noch weitere Einschränkungen: Alles frische Obst und Gemüse darf nicht mit über die Grenze. Die Besitzer unseres letzten Campingplatzes hatten uns bereits darauf hingewiesen und wir haben alle Lebensmittel dieser Kategorie dort gelassen. So wird es wenigstens nicht vernichtet, sondern noch gegessen.
Tatsächlich kontrolliert der Grenzbeamte unseren Kühlschrank auf verbotene Waren und wünscht uns dann eine gute Weiterfahrt. Er gibt uns noch den Tipp, den Lake Argyle zu besuchen, er sei wunderschön. Wir verstehen nur die Hälfte, von dem was er sagt, und so haben wir bereits die Abzweigung hinter uns, als wir uns zusammen reimen, was er uns empfohlen hat. Rein sprachlich haben wir noch viel zu lernen. Aber vermutlich klingen wir für die Australier auch absonderlich. In einem Supermarkt beraten wir uns in unserer Muttersprache, als eine Frau auf uns zukommt und fragt, wo wir herkämen. Die Antwort stellt sie zufrieden. Grinsend murmelt sie: „Dachte ich‘s mir doch, was ein Dialekt!“
In Kununurra frühstücken wir und gehen in den Supermarkt. Alkohol gibt es nur in speziellen Läden, den Liquorshops, aber der ist am Sonntag geschlossen. Macht nichts, trinken wir eben Wasser, das haben wir in ausreichender Menge dabei. Am Ende des Victoria Highway müssen wir uns entscheiden, ob wir nach rechts über die Gibb-River-Road fahren oder über den Northern Highway. Die Befragung unseres Navis nimmt uns die Entscheidung ab. Die erste Strecke braucht für 500 Kilometer einen Tag und 13 Stunden Fahrzeit. Hier befindet man sich zwar in der Nähe der meisten Naturschönheiten der Kimberley-Region, aber es bedeutet eben auch viele Kilometer auf unbefestigten Straßen – mit unserem Fahrzeug einfach nicht zu machen. Dasselbe gilt für die Bungle Bungles im Purnululu Nationalpark. Der Ausweg wäre ein Flug mit dem Hubschrauber über die großartige Felsformation, kostet aber für 30 Minuten 300 $ pro Person. Auch darauf müssen wir verzichten. Bei einem Stopp im Warmun Turkey Creek Roadhouse sehen wir uns ein Video mit Aufnahmen aus dem Hubschrauber an und stellen uns vor, wir wären dabei gewesen.
In Halls Creek übernachten wir. Auch der Ort hat Charme, ist großzügig und mit viel Grün angelegt. Die Häuser stehen nicht direkt an den bereits breiten Straßen, zwischen Bürgersteigen und Häusern liegen mindestens 50 Meter Rasenfläche. Hohe Bäume beschatten Straßen und Grünflächen.


Ab Halls Creek wird die Landschaft flacher, hin und wieder ist ein Tafelberg zu sehen. Dafür sieht man auf weiten Strecken wieder Termitenbauten. Die Architektur dieser Behausungen ist beeindruckend. Da gibt es Termiten, die offenbar Antonio Gaudis Sagrada Familia nachbauen (oder hat der große Katalane sich hier die Inspiration geholt?). Andere verwenden eine Schollen- oder Schuppentechnik. Es macht auf jeden Fall Spaß, in den Bauten Figuren zu erkennen. Da vorne rechts steht die Venus von Willendorf, Meister Yoda ein Stück weiter. Links sind schneebedeckte Tannenbäume auszumachen, Adenauers Kopf ist dort zu sehen, und überhaupt wimmelt es von Gnomen und Fabelwesen. In normal großen Termitenbauten leben 200.000 bis 300.000 Tiere, in den größeren über eine Million. Die Menge dieser Tiere muss so groß sein, dass es dafür (Mathematiker lesen jetzt bitte nicht weiter) keine Zahl mehr gibt.


Ebenso beeindrucken uns die vielen Formen der Boab-Bäume, verwandt mit den afrikanischen Baobabs (Affenbrotbäume). Da gibt es Stämme, die sich nach oben verjüngen, Mutter und Kind-Statuen, Sixpacks und einen dicken Stamm, den wir im Vorbeifahren entdecken. Hier ist wenigstens mal ein Parkplatz, wir biegen ein und laufen staunend um diesen Baum herum. Zuerst halten wir ihn für den berühmten Prison Tree, aber der ist erst bei Derby zu finden, wo unsere heutige Fahrtstrecke endet.

Wir suchen einen Platz zum Übernachten. In der Stadt Derby (5.000 Einwohner) gibt es mehrere, aber wer so vermessen ist wie wir, und erst nach fünf Uhr nachmittags ankommt, hat eben Pech. Erkundigungen bei mehreren Stellen empfehlen uns einen Caravan-Park, der zu dieser späten Stunde noch geöffnet haben soll. Er hat, und der Besitzer ist umwerfend nett. Wir beschließen sofort, dass wir hier zwei Nächte bleiben.
Am nächsten Tag fahren wir zum Meer. Derby hat den höchsten Tidenhub der Südhalbkugel. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt 12 Meter. Als wir ankommen ist wirklich weit und breit kein Meer zu sehen. Aber warten, bis das Wasser zurück kommt, ist in dieser Hitze unzumutbar.
P1100414Wir besuchen den Prison Tree und merken mal wieder, dass Ausflüge bei nahe 40 Grad im Schatten nichts für Menschen in unserem Alter und aus unseren Breitengraden sind. Wir schleichen in praller Sonne über die staubige rote Erde, und obwohl wir nur 100 Meter laufen müssen, nehmen wir eine Flasche Wasser mit. Der Baum hat einen Umfang von 14 Metern und ist innen hohl. Früher sollen hier Gefangene eingesperrt worden sein. Als sicher gilt jedoch, dass gefangene Aborigines hier versammelt wurden und aneinander gekettet die rund 7 Kilometer zum Meer laufen mussten. Sie wurden nach Broome, ins Perlmut-Zentrum gebracht. Dort sollten sie als Muscheltaucher oder Arbeiter bei der Herstellung von Knöpfen eingesetzt werden. Die Knopf-Industrie florierte, bis die billigere Herstellung von Knöpfen aus Kunststoff die harte Arbeit überflüssig machte.
Wir besuchen noch das Informationszentrum, wo die Bilder der Sehenswürdigkeiten in der Kimberley-Region uns den Mund wässrig machen. Aber auch hier gilt wieder, die Straßen sind nur mit einem 4WD zu befahren, allerdings ist über die Hälfte zur Zeit auch für diese Fahrzeuge gesperrt. Besondere Sehenswürdigkeiten sind manchmal nur per Flugzeug oder mit dem Boot zu besichtigen. Der „horizontale Wasserfall“ gehört dazu. Das Meer strömt bei einsetzender Ebbe oder Flut durch zwei schmale Felsenschluchten an Land oder vom Land weg. Die Touren kosten jeweils mehrere 100 $.
Am Abend kommt der Besitzer unseres Platzes und fragt: „Linda, hast du schon mit dem Essen angefangen?“ Als ich verneine, schwingt er sich auf sein Rad und kommt 5 Minuten später mit einer tropfenden Tüte zurück. Darin liegen auf Eis zwei frische Mud Crabs (Mangrovenkrebse). Er erklärt, wie ich sie kochen soll und verschwindet lächelnd. Geld will er nicht dafür. Ich befolge seine Anweisungen genauestens, und wir haben ein köstliches Abendessen.
Broome, die Perlenhauptstadt Australiens, ist unser nächstes Ziel, nur 220 Kilometer von Derby entfernt und ebenfalls am Meer gelegen. Hier ist der berühmte Cable-Beach, 1889 wurde das erste Telegrafenkabel zwischen Java und Broome verlegt. Heute ist der 22 Kilometer lange Strandabschnitt ein beliebter Ausflugsort für alle Arten von Freizeitbeschäftigung. Selbst Autos dürfen an den Strand, und abends kann man auf Kamelen in den Sonnenuntergang hinein reiten.

Auch am zweiten Abend laufen wir wieder zum Sonnenuntergang an den Strand. Es ist gerade Ebbe und der Strand ist nass und glänzt wie lackiert. Alles spiegelt sich, und der Sonnenuntergang findet doppelt statt. Wir laufen bis zum Meeressaum und langsam wieder zurück. Die Mondsichel am dunkelblauen Himmel, darunter die Venus, der orangerote Streifen über dem blaugrauen Meer, unbeschreiblich schön. Dieser Abend wird uns unvergesslich bleiben.

Von Broome in den Karijini Nationalpark (Australien)

(Wegen der Bilder ist diese Seite mit einer älteren Version verlinkt)

So gut uns Broome auch gefällt, wir müssen weiter. Schließlich haben wir uns eine ganz schöne Strecke vorgenommen, die wir in 8 Wochen zurücklegen wollen.
Bevor wir uns aber auf den Weg in Richtung Süden machen, fahren wir noch an die Westspitze der Halbinsel. Bei extremer Ebbe sind dort Saurier-Fußspuren zu sehen. Das Glück werden wir heute nicht haben, aber trotzdem ist dieser Endpunkt spektakulär. Ockerfarbene und rostrote Felsen türmen sich vor dem türkisblauen Meer auf. Wir klettern begeistert herum und fotografieren.

Wir sind noch so gefangen genommen von dem schönen Anblick, dass wir beim Losfahren nicht aufpassen und auf der unbefestigten Straße in die falsche Richtung fahren. Zwar bemerken wir den Fehler ziemlich schnell, aber wenden ist unmöglich. Recht bald geraten wir in losen Sand. Die ersten Male kann Klaus dank einer lang zurückliegenden „Erfahrung“ mit einem Jeep in den Dünen von Furteventura geschickt meistern. Doch irgendwann nutzen auch seine Fahrkünste nicht mehr, wir stecken fest. Während wir überlegen, was zu tun ist, hält ein Mann mit seinem hochbeinigen, 4WD Fahrzeug neben uns und bietet sofort seine Hilfe an. Er ist mit Klappspaten, Abschleppband und Walky Talky für solche Fälle perfekt ausgestattet. Wir leider nicht, an unserem Camper ist keine Abschleppöse zu finden. Beide Männer liegen im Sand und suchen nach einer geeigneten Stelle, das Band an unserem Auto zu befestigen. Mit Leichtigkeit zieht der starke Wagen uns aus den Sanddüne, aber der Fahrer weiß, es kommt noch mal eine Stelle, in der wir garantiert wieder stecken bleiben würden. So bringt er uns auch noch über diese Gefahrenstelle und verabschiedet sich freundlich und ohne etwas für seine Hilfe zu verlangen. Tausend Dank, Marvin.

Bei dem Manöver ist im Camper nichts mehr am ursprünglichen Platz, die Koffer sind heruntergefallen, die festgesteckten Körbchen ebenfalls. Der Inhalt liegt bunt gemischt herum. Dazu überall der rote Sand. Wir fahren zurück zum Cable Beach, dort gibt es Duschen am Strand, das reicht für die erste grobe Reinigung von Klaus, fürs Auto benutzen wir den Handfeger.

Die Straße führt durch ein großes Sumpfgebiet, ein idealer Platz für Wasservögel aller Art.
Wir brauchen noch einen elektrischen Adapter für den Camper und im gut ausgestatteten Laden entdecke ich auch eine Abteilung mit Outdoor-Kleidung. Klaus hat ein Poloshirt in der Hand und fragt nach einer größeren Ausgabe. „It`s leidi“, antwortet die Verkäuferin. Wir stehen auf dem Schlauch, bis wir kapieren, das es ein Hemd für Damen (Lady) ist.
Mit Verzögerung setzen wir unseren Weg in Richtung Port Hedland fort. Unser geplantes Ziel erreichen wir heute nicht mehr, aber ein Stück wollen wir wenigstens noch weiterfahren. Wir übernachten wieder am Highway auf einem der ausgewiesenen Rastplätze. Der Platz ist schön, aber es wimmelt von Mücken und Käfern, wir können nicht mal draußen essen. Durch die kleinesten Ritzen kommen die Insekten. Direkt nach Sonnenaufgang fahren wir weiter, ohne zu frühstücken.

Das holen wir eine Stunde später an einem Rasthof (Roadhouse) nach. Hier könne wir einen Roadtrain mit drei Anhängern bestaunen, aber es gibt noch eine weitere Sehenswürdigkeit. Die Besitzer haben offenbar eine Vorliebe für Pfauen, mindestens 20 dieser Vögel laufen hier frei herum. Neben dem Gebäude wurde ein kleines Museum errichtet. Es gibt noch einige verrostete alte Gegenstände: Eine Tanksäule, einen Kühlschrank und verschiedene Geräte. An der Wand hängen Zeitungsartikel aus den 80er Jahren, die von den verheerenden Auswirkungen zweier Taifune berichten. Offenbar war diese Raststätte auch betroffen.
DSC05157Wir lassen Port Hedland – eine Stadt mit großem Hafen für die Verschiffung von Eisenerz und Salz links, genauer gesagt rechts liegen und fahren weiter auf dem Highway. Hier herrscht viel Verkehr, die Roadtrains mit drei Anhängern sind leer zu den Minen und beladen zum Hafen unterwegs. Dann müssen wir noch vor einer Bahnschranke halten und haben das Vergnügen, einen der 300 Meter langen Güterzüge an uns vorbeifahren zu sehen.
Das Landesinnere ist unser Ziel, wir wollen in den Karijini National Park (zweitgrößter Westaustraliens) und haben noch etliche Kilometer vor uns. In der Region Pilbara, in der auch der Nationalpark liegt, gibt es große Eisenerzvorkommen. Als uns ein PKW entgegenkommt mit dem Warnhinweis auf einen Transport mit Überbreite, denke ich mir nicht viel dabei. Ich steuere unsern Camper ganz nach links und gehe mit der Geschwindigkeit runter. Der nächste PKW warnt mich mit der Lichthupe, so dass ich auf den hier glücklicherweise vorhandenen Seitenstreifen lenke, und dann kommt die Überbreite auf uns zu.
DSC05161Das Fahrzeug nimmt exakt beide Spuren ein, da bleibt mir noch nachträglich die Luft weg.
Die Landschaft ist flach, man kann unendlich weit gucken. Wo und warum hier ein Nationalpark sein soll, ist momentan noch unverständlich. Doch allmählich kommen wir in hügeliges Gebiet und kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir den Campingplatz. Trotzdem können wir uns nicht vorstellen, dass es hier spektakuläre Schluchten gibt.
Am nächsten Morgen melden wir uns erst mal an, am Vorabend war das Büro bereits geschlossen. Wir bekommen Informationen über den Park, Pläne der Umgebung und einige Tipps für Ausflüge. Hier befinden wir uns auf einem Plateau in 600 Metern Höhe.
DSC05231Vom Parkplatz aus kommen wir nach 100 Metern an eine Aussichtsplattform und schauen genau in einen Naturpool, der ca. 60 Meter unter uns liegt. Hier vergnügen sich schon ein paar Familien mit Kindern. Das Gekreische ist bis zu uns herauf zu hören. Der Weg hinunter ist mit Schwierigkeitsstufe 4 von 5 bezeichnet. Aber da habe ich mir umsonst Gedanken gemacht, unsere Dschungeltouren haben uns für solche Pfade fit gemacht.

Unten in der Schlucht angekommen entschließen wir uns, den 1,5 stündigen Wanderweg zum anderen Felsenpool zu laufen. Hier am Grund ist es schattig und auch die lästigen Fliegen sind uns nicht gefolgt. Das Gestein in diesem Nationalpark ist über 2,5 Milliarden Jahre alt und gehört damit zum ältesten der Erde. Die Zuflüsse des Fortescue River haben sich 100 Meter tief eingegraben und bizarre Schluchten in herrlichen Farben und wunderbare Felsenpools geschaffen, die das ganze Jahr über Wasser bereit halten. Nach dem Weg über Steine und durch Wasserläufe erreichen wir den Pool mit den Fortescue-Fällen. Hier legen wir auch eine Badepause ein. Das Wasser ist erfrischend kühl. Dort komme ich mit einer Australierin ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass ihr neuseeländischer Ehemann als Mechaniker für eine Minengesellschaft die großen Maschinen wartet und die Familie mit den vier Kindern seit 3,5 Jahren in einem großen Wohnmobil lebt und jeweils dorthin fährt, wo der Mann Arbeitseinsätze hat. Da Australien zwar Bildungs- aber keine Schulpflicht hat, können die Kinder entweder eine virtuelle Schule besuchen oder von den Eltern mit vom Staat zur Verfügung gestellten Lehrmaterial unterrichtet werden. Zur Zeit sind Herbstferien, deshalb sind so viele Familien mit Kindern unterwegs.
P1100554Der zweite Pool, den wir besuchen, ist noch größer und das Wasser noch etwas kälter als im ersten. Trotzdem schwimmen wir einmal bis zum Wasserfall und wieder zurück. Auf dem Rückweg entdecken wir in einer Baumgruppe eine große Kolonie fliegende Hunde.
DSC05270Für den Aufstieg sind hier bequeme Treppen angebracht, und alle Stufen haben eine einheitliche Höhe. Trotz dieser Erleichterung bin ich oben schon geschafft, und dann noch der Weg zurück unter brennender Sonne. Ein uns entgegenkommender Mann weist uns auf die tollen Farben hin, durch den kürzlich gefallenen Regen ist frisches Grün gewachsen. „Das sieht man hier sehr selten,“ erzählt er und ich verspreche, viele Fotos zu machen.
Abends wird es recht frisch und wir sind froh, dass eine Steppdecke zur Ausstattung unseres Campers gehört. In der Nacht heulen die Dingos, sie müssen ganz in der Nähe sein. Da ist es schon ein beruhigendes Gefühl, Metall- und keine Zeltwände um sich herum zu haben.
Bevor wir den Nationalpark endgültig verlassen, fahren wir noch zum Besucherzentrum und schauen uns die Informationstafeln an. Wir bekommen den Hinweis auf eine weitere spektakuläre Schlucht, die wollen wir uns auf jeden Fall noch ansehen. Auf dem Weg dorthin läuft vor unserem Auto ein Emu über die Straße. Er verharrt noch einen Moment, bevor er im dichten Gebüsch verschwindet.

Die Joffre-Schlucht ist wirklich noch beeindruckender, über große Felsenstufen (Schwierigkeitsstufe 5) erreicht man das tief liegende Badeparadies, beginnend mit einem runden Becken mit einer Kiesbank in der Mitte, dann folgt ein tiefer Pool, der an einer schmalen Felsbarriere endet. Dahinter verläuft ein sehr enger Flusslauf, der sich wiederum in einen Pool erweitert. Überall wird gebadet, von den Felsen gesprungen oder man sonnt sich auf den Steinplatten. Der Weg ist wirklich anstrengend, und weil ich gestern zuviel Sonne abbekommen habe und mich mit Kopfschmerzen plage, verzichten wir auf den beschwerlichen Weg. Ist wahrscheinlich auch besser so, wir haben ja noch immer einen weiten Weg vor uns.

Vom Karijini NP nach Carnarvon (Australien)

Wieder führt uns unser Weg durch schöne Landschaft. Wir fahren in die Minenstadt Tom Price, sie liegt rund 750 Meter über dem Meeresspiegel und ist die am höchsten gelegene Stadt Westaustraliens. Wir kaufen in diesem netten Städtchen ein. Weiter geht es Richtung Nanutarra.



Am Ortsausgang ist eines der großen im Bergbau eingesetzten Fahrzeuge ausgestellt. Später sehen wir am Straßenrand noch die dazu passenden Reifen, ausrangiert und weiß angestrichen und erst jetzt merkt man, wie überdimensional diese ganzen Maschinen sind.


 
Wir sind bereits 25 Kilometer gefahren, als wir die Abzweigung erreichen und erst hier merken: Vor uns liegen 57 Kilometer unbefestigte Straße. Im Autoatlas ist das nicht zu erkennen. Schon nach wenigen 100 Metern merken wir, hier können wir unmöglich fahren, selbst bei einer Geschwindigkeit von 20 kmh bebt der ganze Camper und im Küchenbereich rasselt und klappert es. Ich bin sicher, wenn wir nach dieser Strecke die Tür öffnen, gibt es keine Schränke mehr, dann fallen uns die Bretter und Schrauben einzeln entgegen. Es bleibt uns nur übrig, umzudrehen, zurück nach Tom Price zu fahren und die Strecke über Paraburdoo mit einem Umweg von insgesamt 180 Kilometern zu fahren.
Zwei Stunden später erreichen wir die Einmündung der Holperstrecke, aber wenigstens ist bei uns alles heil geblieben. Der Campingplatz in Paraburdoo ist zwar pieksauber, aber hier stehen einheitliche Mobilhomes in Reih und Glied nebeneinander, es gibt keinen Baum und keinen Strauch. Hier wollen wir nicht übernachten, es ist schließlich auch noch hell genug, den 100 Kilometer entfernt liegenden nächsten Platz anzufahren. Wir erreichen Sheelas Plains Farm Stay kurz nach Sonnenuntergang. Das ist für uns das erste Mal, dass wir auf einer Farm übernachten. Der Platz gefällt uns. In einem großen Oval gruppieren sich die Fahrzeuge um eine Rasenfläche. Campingküche und sanitäre Anlagen sind sauber und gepflegt. Die Luft ist herrlich, wir sitzen nach dem Essen noch eine Weile draußen und schauen in die Sterne.
Wir sind schon entschlossen, noch eine weitere Nacht hier zu bleiben, aber da haben wir den Camper noch nicht verlassen. Draußen erwarten uns Fliegen. Die sind – noch vor den Mücken – das lästigste Viehzeug Australiens. Sie sehen aus wie halbstarke Stubenfliegen, sind aber sehr viel zielstrebiger. Sobald man das Auto verlässt, stürzen sie sich auf das hilflose Opfer und versuchen in Augen, Nase, Mund und Ohren zu gelangen. Wir sind so vermessen, draußen zu frühstücken, und jeder Bissen den man zum Mund führt muss ernsthaft verteidigt werden. Jeder von uns ist von mindestens 50 Exemplaren umschwärmt. Wir werfen alles ins Auto und flüchten.
Die Küste ist unser Ziel, daran gibt es keinen Zweifel, nur ob wir nach Norden (Exmouth) oder Süden (Coral Bay) fahren, ist noch nicht entschieden. Die Beschreibung in unserem Reiseführer bringt nähere Erläuterungen: In Exmouth kann man mit Walhaien schwimmen (kostet auch wieder eine Stange Geld), in Coral Bay hat man die Korallen direkt am Strand. Letztendlich entschließen wir uns für Coral Bay, weil wir mit der Zeit knausern müssen und es auch für unseren Geldbeutel besser ist.



Auf der Fahrt dorthin wird die Vegetation immer eintöniger, es gibt wieder Termitenhügel, aber weder Baum noch Strauch, nur eine Grasart. Hier pfeift der Wind, und rüttelt an unserem Auto. Eine Zufallsbekanntschaft im Supermarkt in Derby hatte uns einen bestimmten Campingplatz empfohlen, und dort bekommen wir auch einen Stellplatz mit Stromanschluss. Wir haben zwar keinen Meerblick, aber nach 2 Minuten laufen ist man am Strand. Wir sind gemeinsam mit einem Schlechtwettergebiet hier angekommen und halten uns am ersten Abend hauptsächlich im Camper auf. Auch am nächsten Tag ist es noch stürmisch, die Palmen biegen sich, es ist nicht daran zu denken, draußen zu frühstücken. Der Toast würde uns vom Teller geweht werden.



Wir nutzen die Zeit zum Schreiben, um Fotos auf den Computer zu laden und zu sortieren, eine Waschmaschine in Betrieb zu nehmen, Kleidung zu sortieren, einiges umzuräumen und im Nu ist es Nachmittag. Der Wind hat etwas nachgelassen und wir wollen uns den Sonnenuntergang anschauen. Hier an der Westküste gibt es so viele ideale Plätze. Trotz der dichten Wolken liefert die Sonne uns ein Schauspiel mit einem Regenbogen als Zugabe.


Wie unser Nachbar Peter uns versprochen hat, haben wir am nächsten Tag wieder herrlichen Sonnenschein. Dick eingecremt und mit einem Shirt über den Badesachen gehen wir mit geliehener ABC-Ausrüstung (Maske, Schnorchel und Flossen) ins Wasser. Keine 50 Meter vom Ufer sind wir am insgesamt 250 Kilometer langen Ningaloo-Riff und schnorcheln zuerst gegen, später mit der Strömung über die Korallen. Es sieht aus, als ob wir über ein riesiges Kohlkopf- oder Salatfeld gleiten, die Korallen haben überwiegend diese Form. Daneben gibt es aber auch Hirn- oder Hirschgeweihkorallen. Das Schönste, was wir heute zu sehen bekommen, ist eine grüne Meeresschildkröte, die gemächlich über die Kohlköpfe paddelt. Viele Korallenfische sind zu sehen. Für die großen Bewohner wie Haie oder Mantas muss man bis ans Außenriff schnorcheln, aber dazu ist die Strömung im Moment zu stark und das Wasser ohne Neopren-Anzug zu frisch.
Wir haben uns gerade wieder in der Sonne aufgewärmt, als wir ein Stückchen weiter nördlich einen Menschenauflauf im Wasser sehen. Neugierig laufen wir auf weichem Sandboden durch das knietiefe Wasser. In erster Reihe stehen vor allem Kinder. Eine junge Frau gibt jedem eine Art Erbse in die Hand, und plötzlich wird das Wasser aufgewühlt. Ein Schwarm Schnapper kommt – wie jeden Nachmittag um 15.30 Uhr – zum Fressen hierher. Sie nehmen den Kindern das Fischfutter aus den Händen. Die unterschiedlichen Reaktionen der Kinder zu sehen ist fast noch spannender, als die Fische zu beobachten.


Doch nach drei Nächten in dieser schönen Bucht brechen wir auf. Noch einmal laufen wir zum Aussichtspunkt in den Dünen und treffen dort Steven und Susanna, ein Ehepaar aus Sydney. Susannas Vorfahren stammen aus Münster und Gronau und sie spricht sehr gut deutsch. Beide warnen uns vor der Stadt Carnarvon. Wegen der vielen Aborigines haben sie sich dort nicht nur unwohl, sondern auch nicht sicher gefühlt. Wir müssen auf jeden Fall auf dem Highway Nr. 1 in Richtung Süden und denken nicht weiter daran. Bisher haben wir drei lebendige Kängurus gesehen, am Straßenrand liegen Dutzende in allen Verwesungsstadien. Ständig sehen wir zusätzlich von der Sonne gebleichte Gerippe mehr oder weniger vollständig im roten Sand liegen. Was das mal war, ist nicht mehr zu erkennen.
Ein Schild macht uns darauf aufmerksam, dass wir gerade den Wendekreis des Steinbocks überqueren und damit in die subtropische Zone wechseln.


Am Nachmittag erreichen wir die Stadt Carnarvon an der Mündung des Gascoyne River. Zwar führt der Fluss zu dieser Jahreszeit kein sichtbares Wasser, aber unterirdisch versorgt er die ganze Gegend mit Grundwasser. Dadurch ist hier eine Oase mit Bouganvillea und Palme in der ariden Region entstanden. Rund um die Stadt Stadt liegen Obst- und Gemüseplantagen, hauptsächlich werden Bananen und Mangos angebaut. Jeden Samstag findet in hier ein Markt aufgebaut, wo die Produkte der Region angeboten werden.
Am Stadtrand gibt es einen Hinweis auf kriminelle Elemente. Man soll sich sofort mit der Polizei in Verbindung setzen, falls einem irgend etwas auffällt. Da fällt uns die Warnung wieder ein. Trotzdem suchen wir uns in der Stadt einen Caravan-Park für die Nacht. Wir haben keine Lust, heute noch weiter zu fahren.
Die Campingplätze in Australien sind toll. Sehr großzügig bemessen, entweder hat man vor dem Ausstieg eine zementierte Fläche, Rasen oder eine Matte. Dazu Strom- und Wasseranschluss für einen Aufpreis von 5 $ = 3 €. Je nach Größe des Platzes gibt es einen oder mehrere Sanitärbereiche mit Toiletten, Waschbecken und Duschkabinen, häufig noch ein extra Waschbecken, das nur für Babys vorgesehen ist. Auf diesem Platz bekommen wir einen Chip, mit dem man Zugang zu den Waschräumen hat. En-Suite-Waschkabinen hatten wir bisher noch nicht. Das sind viele kleine separate Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und WC. Seife, Duschgel und Papierhandtücher liegen dagegen fast überall bereit. Manches Mal bekommt man auch einen Zettel mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination für ein entsprechendes Türschloss. Äußerst unangenehm, wenn es wirklich eilig ist und man den Zettel verlegt hat oder im Dunklen die Zahlen und Buchstaben auf der Tastatur nicht erkennen kann.
Auch der Küchenbereich ist gut ausgestattet. Arbeitsplatten, Herde, Kühlschrank, Spülbecken und Esstische sind Standard. Waschküchen mit mehreren Waschmaschinen, Trockner und Wäscheleinen sind häufig vorhanden. Ein schöner Aufenthaltsbereich mit Pool und ein Spielplatz gehört ebenfalls häufig dazu.
Wir haben uns auf diesem Platz auf jeden Fall sehr wohl und vor allem auch sicher gefühlt.